Skip to main content

Full text of "Ergebnisse meiner natorhistorisch-öconomischen Reisen"

See other formats


Google 



This is a digital copy of a book that was prcscrvod for gcncrations on library shclvcs bcforc it was carcfully scannod by Google as pari of a projcct 

to make the world's books discoverablc online. 

It has survived long enough for the Copyright to expire and the book to enter the public domain. A public domain book is one that was never subject 

to Copyright or whose legal Copyright term has expired. Whether a book is in the public domain may vary country to country. Public domain books 

are our gateways to the past, representing a wealth of history, cultuie and knowledge that's often difficult to discover. 

Marks, notations and other maiginalia present in the original volume will appear in this flle - a reminder of this book's long journcy from the 

publisher to a library and finally to you. 

Usage guidelines 

Google is proud to partner with libraries to digitize public domain materials and make them widely accessible. Public domain books belong to the 
public and we are merely their custodians. Nevertheless, this work is expensive, so in order to keep providing this resource, we have taken Steps to 
prcvcnt abuse by commercial parties, including placing lechnical restrictions on automated querying. 
We also ask that you: 

+ Make non-commercial use ofthefiles We designed Google Book Search for use by individuals, and we request that you use these files for 
personal, non-commercial purposes. 

+ Refrain fivm automated querying Do not send automated queries of any sort to Google's System: If you are conducting research on machinc 
translation, optical character recognition or other areas where access to a laige amount of text is helpful, please contact us. We encouragc the 
use of public domain materials for these purposes and may be able to help. 

+ Maintain attributionTht GoogXt "watermark" you see on each flle is essential for informingpcoplcabout this projcct and hclping them lind 
additional materials through Google Book Search. Please do not remove it. 

+ Keep it legal Whatever your use, remember that you are lesponsible for ensuring that what you are doing is legal. Do not assume that just 
because we believe a book is in the public domain for users in the United States, that the work is also in the public domain for users in other 
countries. Whether a book is still in Copyright varies from country to country, and we can'l offer guidance on whether any speciflc use of 
any speciflc book is allowed. Please do not assume that a book's appearance in Google Book Search mcans it can bc used in any manner 
anywhere in the world. Copyright infringement liabili^ can be quite severe. 

Äbout Google Book Search 

Google's mission is to organizc the world's Information and to make it univcrsally accessible and uscful. Google Book Search hclps rcadcrs 
discover the world's books while hclping authors and publishers rcach ncw audicnccs. You can search through the füll icxi of ihis book on the web 

at |http: //books. google .com/l 



Google 



IJber dieses Buch 

Dies ist ein digitales Exemplar eines Buches, das seit Generationen in den Realen der Bibliotheken aufbewahrt wurde, bevor es von Google im 
Rahmen eines Projekts, mit dem die Bücher dieser Welt online verfugbar gemacht werden sollen, sorgfältig gescannt wurde. 
Das Buch hat das Uiheberrecht überdauert und kann nun öffentlich zugänglich gemacht werden. Ein öffentlich zugängliches Buch ist ein Buch, 
das niemals Urheberrechten unterlag oder bei dem die Schutzfrist des Urheberrechts abgelaufen ist. Ob ein Buch öffentlich zugänglich ist, kann 
von Land zu Land unterschiedlich sein. Öffentlich zugängliche Bücher sind unser Tor zur Vergangenheit und stellen ein geschichtliches, kulturelles 
und wissenschaftliches Vermögen dar, das häufig nur schwierig zu entdecken ist. 

Gebrauchsspuren, Anmerkungen und andere Randbemerkungen, die im Originalband enthalten sind, finden sich auch in dieser Datei - eine Erin- 
nerung an die lange Reise, die das Buch vom Verleger zu einer Bibliothek und weiter zu Ihnen hinter sich gebracht hat. 

Nu tzungsrichtlinien 

Google ist stolz, mit Bibliotheken in Partnerschaft lieber Zusammenarbeit öffentlich zugängliches Material zu digitalisieren und einer breiten Masse 
zugänglich zu machen. Öffentlich zugängliche Bücher gehören der Öffentlichkeit, und wir sind nur ihre Hüter. Nie htsdesto trotz ist diese 
Arbeit kostspielig. Um diese Ressource weiterhin zur Verfügung stellen zu können, haben wir Schritte unternommen, um den Missbrauch durch 
kommerzielle Parteien zu veihindem. Dazu gehören technische Einschränkungen für automatisierte Abfragen. 
Wir bitten Sie um Einhaltung folgender Richtlinien: 

+ Nutzung der Dateien zu nichtkommerziellen Zwecken Wir haben Google Buchsuche Tür Endanwender konzipiert und möchten, dass Sie diese 
Dateien nur für persönliche, nichtkommerzielle Zwecke verwenden. 

+ Keine automatisierten Abfragen Senden Sie keine automatisierten Abfragen irgendwelcher Art an das Google-System. Wenn Sie Recherchen 
über maschinelle Übersetzung, optische Zeichenerkennung oder andere Bereiche durchführen, in denen der Zugang zu Text in großen Mengen 
nützlich ist, wenden Sie sich bitte an uns. Wir fördern die Nutzung des öffentlich zugänglichen Materials fürdieseZwecke und können Ihnen 
unter Umständen helfen. 

+ Beibehaltung von Google-MarkenelementenDas "Wasserzeichen" von Google, das Sie in jeder Datei finden, ist wichtig zur Information über 
dieses Projekt und hilft den Anwendern weiteres Material über Google Buchsuche zu finden. Bitte entfernen Sie das Wasserzeichen nicht. 

+ Bewegen Sie sich innerhalb der Legalität Unabhängig von Ihrem Verwendungszweck müssen Sie sich Ihrer Verantwortung bewusst sein, 
sicherzustellen, dass Ihre Nutzung legal ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass ein Buch, das nach unserem Dafürhalten für Nutzer in den USA 
öffentlich zugänglich ist, auch für Nutzer in anderen Ländern öffentlich zugänglich ist. Ob ein Buch noch dem Urheberrecht unterliegt, ist 
von Land zu Land verschieden. Wir können keine Beratung leisten, ob eine bestimmte Nutzung eines bestimmten Buches gesetzlich zulässig 
ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass das Erscheinen eines Buchs in Google Buchsuche bedeutet, dass es in jeder Form und überall auf der 
Welt verwendet werden kann. Eine Urheberrechtsverletzung kann schwerwiegende Folgen haben. 

Über Google Buchsuche 

Das Ziel von Google besteht darin, die weltweiten Informationen zu organisieren und allgemein nutzbar und zugänglich zu machen. Google 
Buchsuche hilft Lesern dabei, die Bücher dieser We lt zu entdecken, und unterstützt Au toren und Verleger dabei, neue Zielgruppcn zu erreichen. 
Den gesamten Buchtext können Sie im Internet unter |http: //books . google .coiril durchsuchen. 



t» 





Professor Karl ßcinridj 2Rau 


OF THt UNivinaiTT OF HiiDCLiana 




UNIVCB8ITY OF MICHIGAN 


JTIr, ptfilo Parsons 


OF Obthoit 


1871 



DG 

V. Ol 



/oyy^^- 






s 



^*^^*^'*«« 



\ memep 






/ 




Zweyter Theil. 







/»///> 



■/'•' 



//v / /f/^ 



/'/"// 






Mit ^\e>T Sidndrucldaleln.. 

■ li^>— — n M 









IS 31. 



H. 



1 



Vorrede. 



l 



Als ich im Jahre 1826 den ersten Band meiner 

I Reise-Ergebnisse drucken iiefs, wufste ich noch 
,' • ■ 

I nicht, dals ich schon im folgenden Jahre €re- 

' legenheit haben würde , eine zweite Reise nach 
Italien zu unternehmen, und mich in* vielen 

p Si..tken besser zu orientiren, als dieses bei 
dem ersten Durchfluge möglich gewesen. Ich 
durchreiste grolsentheils mir schon bekannte 
Gegenden; ich rannte nicht mehr nach den 
sogenannten Sehenswürdigkeiten, die allerdings 
mit Recht die meiste Zeit jedes fläi^tiger 
Reisenden in Anspruch nehmen; aber da ich 
mit einer Menge von Personen aus den mitt- 
lem und geringem Ständen in Berührung kam, 
und nun meine Aufmerksamkeit, aufser meinen 
zonächstliegenden Studien , hauptsächlich auf 
das häusliche und bärgerliche Leben. richtete, 

so lernte ich die Weise, die Sitten, die An- 
sichten jener Stände besser kennen, als die 
meisten Reisenden; obschon ich weit entfernt 

bin zu glauben, dafs ich, auch bei allem Stre- 



n 

ben nach Belehrung und bei aller Unpartheilich- 
keit, in meinen Ansichten umfassend genug 
seye und in meinem Urtheile stets den richtigsten 
Gesichtspunkt gewählt habe. Kein Reisender 
kann die Schwierigkeit der Sache yerkennen. 
— Ich habe meine Bemerkungen in ein Tage- 
buch zusammengetragen, und glaubte, als ich 
sie nach meiner Rückkehr durchsähe , ihre Mit- 
tfaeilung könne yielleicht von einigem Interesse 
seyn ; sie könnten yielleicht manche andere Mit- 
theilungen, welche wir neuerlich über Italien 
erhalten haben, bestätigen, berichtigen, ergänzen^ 
ausführen« 

„Bestätigend^ ; selbst wenn in meinen Bericht 
ten nichts Neues enthalten wäre, so sind sie 
nnr eigenthümlich , nicht aus andern S/chriften 
eompilirt, sondern auf eigene Beobachtung ge- 
gründet; und da ein Reisender fast nie. sicher 
iflt^ bei flüchtiger Auffassung richtig beobachtet, 
und das Beobachtete richtig beurtheilt zu haben, 
öder da wenigstens häufig yerschiedene Gesichts- 
punkte für die Beurtheilung möglich sinclj so 
mufs jede Reiseerzählung an Werth gewinnen, 
w^ran sie durch eine andere, yon ihr unabhängige 
bestätigt wird, und diese zweite hat alsdanii, 
wenn sie auch nichts Weiteres giebt, doch da- 
durch einiges Verdienst. 

„Berichtigen"; denn wo wäre eine Reise- 



ra 

beschreibang , die nicht durch eine andere 
Berichtigungen erfahren hätten Nicht Allen, ist 
vergönnt^ Alles bim^eichend zu prüfen, um ihrer 
Angaben und ihres Urtheiles allerwärts sicher 
zu seyn. Aber nirgends ist der Reisende mehr 
in Gefahr, nach dem ersten flüchtigen Eindrucke 
unrichtig %u urtheilen, als in Italien. Oft der 
Sprache nicht Tollkommen mächtig, oft mifs ver- 
stehend und mifsyerstanden, meist mit Yorur- 
theilen gegen die Italiener erfüllt, ehe er seine 
Heimath verliefs , häufig Italien nur im Fluge 
durcheilend, beurtheilt er das ganze Volk nach 
einigen Wirthen, Kellnern^ Kutschern, Führern, 
Grenzbeamten, beruft sich auf einige in die 
Augen fallende Facta, von denen er den Grand 
oft nicht kennt , nicht weifs , ob sie wesentlich 
und allgemein 9 lokal oder zufällig sind; oder 
endlich der Reisende tadelt am Einzelnen eine 
Handlung, eine Meinung, in Ansehung deren 
derselbe durch die Sitten, die Meinungen seiner 
ganzen Nation gerechtfertigt, oder doch ent- 
schuldigt iist 

„Ergänzen^^: Zur Schilderung aller Eigen- 
thümlichkeiten eines Landes und der es bewoh- 
nenden Nation gehört unendlich viel, und gerade 
wohl nirgends mehr, als bei Italien ; was keiner 
weitern Nachweisung bedarf. Während aber 
viele Reisenden sich auf die Erzählung der 



IV 



adwAiik«]! 9 andere ItauptsSchlich .die Kunst, 
aadei^ die Statistik und Geographie, andere 
endUeh die Gewerbsi- oder Natur-^Erz^ngnise^e 
berttcksichtigen und genauerem, Studium unterr 
werfen, ao sind gerade die litten und Gewohn- 
heiten des häuslieben und bürgerlichen Lebens, 
se ist gerade das gewöhnliche, f ortwjüuwnde , 
sieh ins Unendliche wiederholende Treiben, 
welches am ehesten eine Yorstelkifg y^m der 
inneren Form und Weise am gewähren vermag) 
bis jetzt am seltensten einer Sdttlderung werth 
geachtet worden« Die Sitten der vornehmen 
Zirkd, die Unterhaltungen der Satona, fihneln 
sich allerwärts am meisten;, wenn aber demuttr 
geachtet schon diese in Italien mehr , als irgend 
in Enr<^ , von 4er gewöhnlichen Fmp absor- 
weichen pflegen, so darf man noch grtfibwe 
Ebenheiten im Leben anderer Stitaide erwarten« 
„ Ausfflhren^^ : Ueber Manches haben wir 
bisher nur Andeutungen gehabt, wo wettere 
Ausführung gewünscht worden« Ob ich abw in 
der Auswahl der Gegenstände, so wie in dem 
ganaen Streben glücklich gewescai, mufs ich 
dem Urtheile billiger Leser überlassen , welche 
zugleich berücksichtigen wollen, dafs meine mir 
zur Hauptsadie gemachten Studien mir nicht 
gestattet haben, das Material mit der gehörigen 



Mose infd Lid>e zn bearbeftien, wefohalb icb 
nur "SBdaceii Ters^reche, welcher Namen auch 
in io ferne' geeignet ist, als i<?li in keiner ein- 
igen untenstehenden Abhandlung dem Stoffe 
nach etwas YoIIstfindi^es zu geben rermochte. 

Es scheint mir nttthig, einige Blicke auf 
die, in den letzten Jahren Aber Italien erschie- 
nenen Sdiriften zu werfen. H. Hibzbl's y^dmich" 
tmwn ItaUm'^ (Leipzig I—llL, 1823—1824; 
rind TfAl Interesse. Theils Deutsehe, theils 
Baficteer sind die Berichterstatter; das Werk 
ist Tdl Beobadbtungen und unpartheilichen Be^ 
liditen tther Sitten und Gharactere in mm 
ifime wenig besttchten Gegenden. Aber die 
Tendenz jeiml Werkes ist T6n der in unserer 
Sehf% sehr rerschieden , da dort alles Material 
brnchstackweise und nach der Ordnung des^ 
Tagebuches durcheinander gemengt geliefert 
wird, md siii^b die Verfasser nie selbst die 
Aufgabe gemacht hatten, Stoff zu ieinzelnen Aus- 
fitttfun^en &i gewisser PlanmäCsigkeit und Voll- 
stKndigkeit zu sammeln. MiLLiir's ^^ßeige in die 
Lambar^^^ (übers, ton Bing, II Bände stark 
in %. KmUtuhe 1825.; wird dem Künstler, 
dem Geographen, dem Historiker und Statis)iker 
wegen seiner Ausführlichkeit und Gründlichkeit 
unentbehrlich seyn. Der Verfasser hat nichts 
gesehen, ohne zuror schon durch reichliche 



VI 

Lecture darauf vorbereitet zu seyn; alle Thttren 
öffneten sich ihm ; alle Mittel stunden ihm zu 
Gebote. Für die meisten anderen Leser aber 
mufs die Menge der Details, welche nur nach 
den Localitäten geordnet, nirgends zu einenl 
Ganzen zusammengetragen sind, nur ermüdende 
Leetüre seyn; obschon es wieder jedem Reisen- 
den als Magazin zum Nachlesen an Ort und 
Stelle ganz vortrefflicheDienste leistetUebrigens 
wollte MiLLm im Ganzen mehr die historischen 
und künstlerischen D^ikmäler beschreiben und 
erlautem, als die Gewohnheiten, Sitte(n und 
Charactere der Italiener. — Uhermite en ItaU^y 
ist eine nicht ganz gelungene Nachahmung oer 
beliebten Manier Jouy's, welchem der ungenannte 
Herausgeber der im Jahre 1828 bei Bassb 
erschienenen Uebersetzung dieses Buch auch 
ohne weiteres zuschreibt Aber der Bremii hat 
sehr unrecht gethan, seine Kutte abzulegen 
und seine Reise nach Italien in weltlidhen Klei- 
dern zu unternehmen ; in ersterer würde es ihm 
besser als irgendwo möglich gewordep seyn, 
dort in die geheimsten Gemächer einzudringen 
und sich unbedingtes Vertrauen zu erwwben, 



*) Der Tollstandige Titel lautet : VHermite en Italie, ou 
ohservaiions sur les moeurs et usciges des ItaUens au cümmcn- 
cement du XIX, siecle^ faiagnt ßuite ä la coüecHon des 
moeurs fran^aisea de >M. de Jouy et ä la coUection des moeurs 
anglaise», BruxeUes 1824. ///. vol. 8. 



wfthretfd man äim so gar wohl ansieht, dafs er 
mehr FremdliBg in Italien als in Fmnkreich ist 
Die Italiener seiner Schilderungen heben utui- 
gens dadurch einen eigenen fremdartigen Cha- 
OfBcter angenommen, weil sie jener Zeit gemäfs 
überall unter französischer Herrschaft stehen , 
deren Einflufs viel sichtlicher ist, als der der 
Oestreichischen. Der Eremit liefert gute Bei- 
trSge , aber langeweilt auch durch Einschaltung 
ganzer Kapitel über die romanhafte Privalge- 
schichte eines Deutschen in Deutschland, und 
Aehnli<^hes mehr. Lübbmaivn hat 1827 und 1828 
Sittengemälde yon Neapel (^yNectpel wie es üt^) 
imd asdere ron Venedig gegeben, welche 
sdhr gut zusammengetragen sind. -^ Endlich, 
wer kennte nicht die originelle und scharfe 
Fbder Santo DoMiNeo's in seinem ^^Hom y wie 
es Udf% und .Neapel, wie es ist' (1826, 1828), 
dwen wiederholte Auflagen den yerdiemten 
Beifall beweisen, wislchen das Publikum diesen 
Sdiriften geschenkt hat. Der Verfasser verrätb 
überall eine seltene Bekanntschaft mit den Sit- 
ten, aus welchen er einzdne characteristische 
Züge ausbebt und zum Gegenstande seiner 
Schilderungen macht, welche eben so viele 
Schärfe der Auffassung, als Treue der Dar- 
stellung, eben so viele Feinheit des Ausdruckes, 
als Gewandtheit in der Behandlung wahrnehmen 



• 

liMiaQib IffiMiiieaiMi^ keyiem« Gpnaäide ein «tSorke^ 
reu Relief «gebem^ ids mA n Gemälde voa JRem 
ubA Nmpeli^t; dber.anm Theile freiließ. konnte 
er dkiMs Relietf aueh nur «kidwch henrerbrinr 
/ gc», daf& QE keilbe Gegenstände darin aufnahm, 
diu er nictht mit Liebe ^ zu bearbeiten tUbig 
geirettenv weiükalb denn ni^ine* Gemälde einea 
Detaila in d#jr Aiiaf ttbning entbeluren, wel^be 
ibi:e lMt(Hriadi& Yojlstäa^ webl yermehrte^x 

der fciMlleriaclien YoUkommenlieit derselben 
aber yieUeiebt nur geschadet haben i^ürde« — > 
da» GrlX So^bin's ^eüe durch Itcdkn (JLeip&ig 
1^19. 8.^ giebt wenig mehr als einen Bericht 
iämt Knns^erke, geschichtlitff^ Naehweisnn^ 
gen Uüid einige Notitzen aUgemdonm I^ialtea, 
vfkekx Compilation als Beebacbtnng. — v 

JDie F« vonr EfiSHeLz^schen y^Jnsichten und 
UmrmeMUsdenJRei^emappenzweii^ 
(Bertin und Stettin ISäO. 1831. IL 8.> reichen 
bia mußh Sizilien. Sie yeri*athen eiAen Bfana 
Yon längerem Aufenthalt^ der Zeit gehabt hat^ 
sich: einen richtigen ui^ rub%^ Gesicht^pnnkt 
zu erwerben, einen Mann von gemäthÜcha:' 
Auffaseung,. der sich selbst ganz in die Stim- 
mung des handelnden Volkes zu setzen sucht,, 
und dabei jeder, auch der fehlerhaftesten Seiter 
desselben den günstigen Schein abzugewinnen 
im Stende ist, wohdi sich grobe Laster zu bar»- 



\ 



loser LekhtMiiiiii§^«it mngeitaltm^ 9eiM KMkr 
miA elum gesudhte DiirstdlaAgswtfee; arai 
Gegenstand aber sind ladir iiecb ^Kukia^ 
eraeogiib»e als die Siiteii« ~- &. JP. fSrnB^mam^n 
lia^&^f Volksl^eny Kumt und jßimihumm 
JtaUeH, ah neiieetG9 cdlgememss Hemdbuck 
für MeisendA (L Md. JLe^sig ISSl.J ist sehr 
tekb am Kimat ond Alterthum, arm an YoüaiH 
leben,, lecar an Natnr.. ^~ RuMOfiB's UaUem^Am 
ForMkungon (III« 8.) sind gans den K^inateB 
gewidmet Schon diesem Manchfalligkeit der 
Tendenz in den über Italien erscheinenden 
Bachern zeigt ^ wie wenig man wird erwiurten 
dürfen, jene Quelle ron Schriften und Bildern 
je zu erschöpfen. — Indessen sind Gewerbs- 
wesen und Natur noch zwei Gegenstände, wel- 
che in den nachfol^nden Blättern mehr ds 
Ton den oben genannten Schriftstellern berück- 
sichtigt worden sind , welche sogar die Veran- 
lassung und Gelegenheit zu den übrigen 
Niederzeichnungen gaben. 

Schliefslich mufs ich bemerken , dafs diese 
Bogen seit Neujahr 1829 zum Drucke ausgear- 
beitrt liegen, welcher aber nach seinem Beginne 
von Seiten des Herrn Verlegers wiederholte 
Unterbrechungen hat erfahren müssen. Dem 
aufmerksamen Leser kann solches an manchen 
Stellen nicht entgehen, und wenn ich defshaUb 



seine Nachnicht fflr Manches in Ansprach 
nehmen muls (z. B. dab in den Lektions-Yer- 
zeichnissen der Italienischen Universitäten einige 
Namen aufgenommen worden, die jetzt nicht * 
mehr existiren, iL dgL), so habe ich andrerseits 
doch bis zur Zeit des Abdruckes die gebotenen 
Nachträge oder Verbesserungen nach Kräften 
noch einzuschalten oder anzuhängen gesucht, 
andere Abschnitte aber (wie die zwei letzten 
namentlich) TöUig neu ausgearbeitet 

Heidelberg, im December 1831« 

H* G« Bnoirar» 



s i 



.4 - 



,>.' 



«• 






I •" 1 



( > I 



» . •'■•i . <»''.*^ .'i \* ? ■''■. «r »*.' • 






1 , . ., 



I n h a 1 1 s r V e r z e i c h n i s s. 



' Seite/ 

Vorrede • . • • I 

I. Kurze Geschichte meiner 9weite^ Reise nach 

Italien ...,..•••...... 1—10 

Reieezweck. W«g. Aufenthalt in Maüanä, Pama^ 
CaaielVarquato , Parma , Florenz, Pisa , Spezzia, — 
Ririera Ton Gentui, JsH. Mmland. \ieenza. Reite 
darch Tyrol München, 

II. Schlittenfahrt über die Alpen nach Italien . 11— Sl 

Reise dnrch den Schwarzwäld^ St. GaUen, Industrie.' 
Weg nach dem Splügen durchs Rheinthal, Ueher- 
gang über denselben; Gefahren dieser Reise im 
Winter. Luganer-See. Andere Alpenpässe. 

ni. Deberblick über Italiens physische Beschaf- 
fenheit 

Erste Eindrücke. Besondere Schönheiten andernörd- 
lichen Grenze: Die See^n. Lombardisehe Ebene, 
Ihre Fruchtbarkeit, Cultur, Einförmigkeit. — Toi^ 
berge der jipenninen, Riviera Ton Genua^ Yerschie- 
dener Wasserreichthum an beiden Abhängen der 
ApemUnen. Witterung im Allgemeinen, und je 
nach den Gegenden. Geschichtliche Temperatur- 
Zunahme. ItaUenüdke Bauart , Stidte. 



1 



Seite. 

I¥; Von der Art in ItiUeti m reisen .... 42—55 

Za Fuf«. -^ Zu Wagea. •*- Hautennr «nd deren Kvnst- 
griffe;. AMk^itde für Ingere ReiMn. Eztra-Poft. 
Mit eignen Pferden. Mit DHigencen. — Placke- 
reien auf den Grenzen: Pässe ^ Tisitationen. 

V. Der Deutsche in Italien 56—63 

Bie Reisenden Terscliiedener Lander, ihre Absiehten 
in Italien. Warum die Deutschen minder beliebt 
und .n|dir der Ckgenstand der PreUereic« ^od. 
Auch Zeichen des Gegentheils! 

VI. Itelieoische Wirthshänaer 64--«2 

Empfang In einem guten Wirthshause mittler Städte ; 
Einrichtung; Wohnung f Essen; Trinken; Bedie- 
nung, In der Lombardei. Wirthshauser ersten 
Ranges in grofsen Städten. — Erziehung des 
Weines. — Wirthshauser im Gebirge.« Schweitaer 
Pensionen. Fasttage. 

VII. National-Sitten kn AUgenKinen ..... 83--96 

Schwierigkeit der BeurtheQung ; Macht der Gewohn- 
heit dabei. Italienische Sitten, hauptsächlich abhän- 
gig Ton KatholicismuSyKlima^Handelsrerhältniiseiv 
EigenthumsTerbältnissen, — Bigottismus , Phan- 
tasie^ Leidenschaftlichkeit, Ii^trigue, Mangel an 
Offenheit, Scheu Tor Anstrengung^ kaufmännische 
Spekulation., häusliche Terhältnisse. 

Vni. Häbsliche und el^che Verhältnisse über- 
haupt. . ^ . . 9T— iir 

Bie Italienerin, als Weib; Hansfrau, Gattin, Mutter. 
— Eintheilung des Tages. Geschmack an deutschen 
Abend^eseltschafteni. Dicisbeat. Brautwerbung. 
Offene C^MEfVersation bei jungen Leuten. Erziehung. 
Unterricht 

IX. Lebea anf dem. Lande . 118 — ^121 

Gäterbesitz. — Terwendung der Zeit: Besuch^ 
Jagd, Musik, FecTerban, BiUard, KegelBall, Anti- 
quitäten, uaturhistoriache Sammlungen. Lektüre. 



\ 

/ 



% 



xm 



Seite. 

X. Einzelne Zuge. Klddimg . . . . . . 12IU-m 

Gfolanf uomo, ^- Beispiel« tob Intrigue. — Bai 
Dolce far nienfe. Bigottinnoi. Nsttondle KlekNtng. 

XL Kaffeehäuser ISS— 1S8 

Nothwendigkeit ConBamtion darin. EU-Lidiutrie. 
Schweitzer Compag^nie. Neben - Ergdtximgeii in 
den KaffeehSntern. 

XII. VollEshdastigangen . 189— IH 

__ « 

Carneyal. Corso, Schifferstechen. Pferderennen. 
Wettreiten. Wagenrennen. SUergefeehte. Billard. 
KngeUplel. Pedjerball. All» niora, Spatneigange. 

XIII. Das .Lottospiel . * • . ^ . . . . 14&— 140 

Anlockungen. Aberglaube. Verderbliche Folgen. 

XIV. Theater und National^Gesünge . . . ISO— 169 

Talent für Musik. Theater, je nach der Gröfse 
der Sj;2dte. Verhältnisse und Engagements dcnr 

' Schauspieler. Abonnement. Opern. Auszeichnung 
gefeierifer S§Ager. Sobetf e. Ballet Talent tut 
Melodramen, Intrigue* uud Charakter -Stüclre — 
nicht Cftr Tragifdie , — fur's LustspieL Marionet- 
te«. Btlduell, Volkügosing^^ 

XV. üniTerÜti^en 170u^9SS 

■ * 

'AnzaM derselben. Studenten. Frolessonm» i^ 

Verbindlichkeiten und Leistungen. Jahres^iy»»- ^ 

mina« Stipendien. Bibliotheken , besondere Ein- 
richtungen, Lehrgegenstande, Lehter etq. ipi 
Lombardischen Königreiche zu Pa4mt 9nd Pai^ ^ 
— zu Piacenza mid Parma; — in Sardinien: zu 
Twin ond Genua; — in Toßcana: sbb Pka und 
Flormz; — im Kirchenstaate: zu Bologna^ Rom; 
dann zu Ferrara, Perugia y Camerino,. Maeerata 
und Fenmo; — Bergsclmle zu Moutiert^ -7- Rucfcr 
blick. 



> 



XIV ^ 

XVI. SftObandel und Lese-AiMtalteii . . . Jtt4-~241 

Ziutand lieft Baclibjiiiclelt, ; bessere Handlungen. — 
Leaeanttalten : die Ton FUrenz als Master. Wis- 
senschaftliche Journale (vergL §. 683~r€85). 

XYII. Besuch der Heüqnelleii .242—28» 

Arten und Anzahl der Heilquellen im Feltelin, -^ 
un Lombardisch ^ yenetianischen Königreich^ ^^ ixL 
Parma^ — Modena, — im Königreich Sardinien, — \ 

' in Lücca, — Toacana, — im Kirchenstaate, — 
im Königreich Neapel und' ^züien, — Einrichtung 
und Lebensweise in den entlegenen Gebirgs-Bädem 
von Tahianoy -^ den Bädern Ton Pisa, Lucca, ' 
auf Ischia, 2U Hecoaro, Ahbano, Livomo und Spez- 
zia, — ^ Clkotogischer Ursprung der heifsen, der 
sckir^elhaltigen u. a. Quellen (vergl. §. 085). 

XVni. städtische Bäder . / 281—284 

Im Allgemeinen. Jene Pspfini^s zu Floren» besonders 
ausgezeichnet. 

XIX. Saline 2U Salso . . 285—292 

Lage. Gebirgpbeschaffenheit. Soolen -Förderung und 
Leitung, Yersieden derselben. Sonstige Einrichtung. 

XX. lUOieniscbe Fontwirthgcbaft . . . 29t— 312 

J^Mhere Nachrichten darüber; Eigentliche Waldun- 
gen. Staats 'Fotstwirthschaft; Abtrieb und Ter^ 
jungüi^ durdi Entreprise ; Mangel an Transport- 
mitteln, ^ronforste; besondere Versuche und 
Erfahrungen in Parma, — Banmfblder-Wbthschaft 
der Privaten. -^ Gröfse der Holz-Consumtion zum 
Brennen und Bauen. Hast. Jagd. 

XXI. Marmor-Arbeiten S18-^21 

Marmor - ftrüche zu Carrara und Serravezza, deren 
Einrichtung und Betrieb. Weitere Yerarbeitung 
in der Nähe> Produkte, Preise. 



« 

Seite. 

XXII. Florentiner Mdgaik ... tSfr-aOr 

Yerfabren fm Allg<emeiiietr. ' Vozriekttoigeii doMiL 
Aaswahl der Steiife, der^ii FwAtaig turZmam-' 
mensetzung. Aufwand dafür. 

XXIII. Seiden-Manufaktor ....... S28— 380 

Erziehung der Seide. Yerarbeitang zu Genua, Como, 
Maüand* 

XXIY« Ackerbau im Herzogthlm Lueea . • 831—343 

Aeltere Berichte. Unterschied zwischen IPisa und 
Inf cca; nachtheilige Eigenthnms - Verhältnisse in 
Pisa; Düngerausfnhr nach Lueca, Wässerungen 
daselbs^ fleifsige Bearbeitung, mehrfache Aemd- 
ten, Fruchtwechsel; Pietra Santa^ Sestri, Chiavari, 

XXV. Jaj^d nach Fischen und Weichthieren im 

Golf ^v Spezzüi ......... Sn^SSO 

Arten der dortigen Fischerei in Balancellen, mit 
Netzen , Angeln , Stachelstöcken. Dattelmuschel- 
Sammler. Taucher. Ausbeute yon Sand und 
Schlamm seichter Stellen. Auswerfen dei Bleueres.' 
Konchf üeii , Pflanzenthiere. 

XXVI. 6eogno8ti8cheBe8chaffenIi.Ötier-Italien8 851— Ifist 



Haubmahn^b, Mabasgbini's, CAttjubo'ji neuere M- 
beiten. Haushahn's Resultate. L-i^. JpABsro'f 
Beobachtungen im Ur- und Uebergangf-Crebirge. 
Satins Entdeckungen darin. Stuber^s desgL Eigne 
Bemerkungen lam S^rravezza^ Mwsa, la Spezzia 
bis Bracco etc. — Sekundäre Formationein c Uaijs- 
VLkVK*B Apenninen -Kalkstein und der Maeigno. 
Andere Ansichteq. Fflanzen-Einschlusfe (Fucol- 
den); Ammoniten. Belemniten. Gryphi- 
ten. --- Tertiäre Gebilde um Turm, FigUnß, Rom, 
— Finahf^ Cadibona, Camparole, Figlin^; Qj^ii 
▼on Pavia mit Baumblätiexn^ — Baryt Ton Bologna. 



- % 



fLfm 

Seite. 



1) VuMMiiiiB wadm m 



8) TerbfiltiiiMe Haler des fMiflen Kondijrlieii d«r 

terüireii SSeltpexMe fiberhanpl <M 

4) YerihllftBiMWi Mte im iMMiUeii KmmAjU«b der 
tovtitr«!! Schidbtwi ItalieM inibMOBdere ... 



ZmUm md VcrbflMwrufOi 68t— 4M6 









i; 



Kurze Geschichte 



'. 



meiaer zweiten Reise nach ItalfeiL 



«.. 



— — — Ecco gik rid« 
La terra e il cielo, e non h piaggia, ^aw9 
Non inTermigli april vergini rose. 
£ ta ini^wBli>*iomicioga il crlne. . « 



i 



Xa den frühesten Frühlingstagen 1827 trat ich meine 
^nireite lUise nach Italien an. Der Hauptzweck war na* 
turhistorisch , und der spedellste: geognostisch-petre- 
factologische Untersuchungen und Sammlungen. Durch 
letztere beabsichtigte ich theils meine frühere eigene 
Sammlung zu bereichern, theils das nöthige Material zu 
gewinnen, um dem mineralogischen Publikum einen gros« 
sen Theü der Mittel «ur Grundlage des jetzt unentbehr« 
lieh gewordenen f^^trefacten -Studiums zu liefern. In 
CastelF arquato durfte ich hoffen, das meiste Material 
mit den geringsten Kosten zu erlangen. Da aber nachher 
durch Zusammentreffen mehrer nicht zu beseitigender 
Umstände meine Rückkehr sich über die mir anfanglich 
gesetzte Frist einmal verzögert hatte , so scheute ich 
auch die gröfeem Kosten nicht, um durch Bereisunf 
mdirer weit ärmeren Fundorte den Sammlungen mehr 



— .2' — 

Manchfaltigkeit zu ^ben Mehre vorder Abreise nach 
Italien unTermuthet zusammentreifende Umstände setz- 
ten meine Geduld acht Tage lang auf eiiie harte Probe, 
denn um so viel mufste ich die schon festgesetzte Reise 
verschieben. Doch endlich am 'StenMärz sagte ich den 
IHeinigen Lebewohl. Um eine neue Strafse zu betreten, 
wählte ich jene durch das Einziger Th|d über, den 
Schwarzwald. Von Samstag Abend an, mit einer Unter- 
brechung von einer Nacht und einem Tage, fortreisend, 
befand ich mich Mittwoch früh zwischen Conatanz und 
St. Gallen. Hätte ich statt nach St. Gallen sogleich 
den Weg nach Bregenz eingeschlagen , so würde ich da 
des Morgens um 8 Uhr die Diligence getroffen haben, 
welche wöchentlich nach Mailand geht. , So mufste ich 
in St. Gallen bis Samstag warten. Drei und ein halber 
Tag waren nöthig , um den Weg nach Mailand zurück- 
zulegen. In Chur vereinigte sich mit uns die Züricher 
Diligence , und wenn anders zwischen Basel und Zürich 
keine bedeutende Unterbrechung Statt findet , so würde 
man auf letzterer Strafse viel schneller vom Badenschen 
aus zum Ziele kommen. Etwas an den Augen leidend 
hotte ich die Heimath verlassen. Die Reise über die 
Alpen , die Zurückbrechung der Sonnenstrahlen von der 
blendenden Schneedecke hatten das Uebel vermehrt, und 
ich war genöthigt , einige Tage in Mailand und Pavia 
zu verweilen. Hier benutzte ich die Zeit zu einigen 
zoologischen Acquisitionen, zu Ansicht des akademischen 
naturhistorischen Museums , um die Einrichtung der 
Universität im Allgemeinen kennen zu lernen , und , so- 
bald es möglich wurde, zum Studium einiger Werke 



- i - 

der akademischen Bibliothek. Ich nrnfg die Behandlmif 
und die Billigkeit der Wirthsleute zur ^^C^oee hianee^ 
rühmen. Am 4ten Mai ging ich nach Castelt arquato , um 
dovt meine hauptsächlich beabsichtigten Beobachtungen 
und Sammlungen zu beginnen. Ich- hatte geglaubt da-* 
mit binnen drei Wochen zu Ende zu kommen ; aber ich 
fand so Vieles zu thim , dafs ich fünf Wochen zu rer* 
weilen genöthigt ward. Inzwischen ging ich einenTagnach 
Püäcenza EurvLck^ Cohtesi's /Schöne Sammlung zu sehen» 
Auch hatte ich die Freude , inj CastelT arquato mit Hm« 
Professor Bebuham]) Studbr zusammenzutreffen. San 
Carlo ist ein für diesen kleinen Ort Terh'iltnissmassig 
gatea Wirthshaus. Täglich fand ich Gelegenheit, die 
Sitten und die Meinungen der Bauern kennen zu lernen, 
nicht immer ohne Lehrgeld zu geben. Endlich aiü 9ten 
Juni konnte ich nach Parma gehen. Auf dem Wege 
dahin machte ich einen .Abstecher nach den, zwei Stun-: ^ 
den abseits gelegenen Salzwerken von Saho^ und spä<* 
ter einen andern nach dem Bade und den Muschel* 
Ablagerungen Ton Tabbiano. In Parma beabsichtigte ich 
nur, die dortigen Petrefactensammlungen zu i^tudiren, 
hauptsächlich] um mir Kunde von denjenigen Arten zu 
Terschaffen, welche ich bisher selbst noch nicht hatte 
sammeln können. Ich fand unerwartet viele ganz neue 
Arten bei den Herrn Professoren Guibotti und Jaht. 
Auch hatte ich das Vergnügen , hier die belehrende Be* . 
kanntschaft des kürzlich von Wten berufenen Forst- 
direktors der herzoglichen Waldungen, Herrn LiNHABfi'r 
zu machen. Indessen die verspätete Ankunft einer nüt 
der Foat erwarteten Nachricht — die PosteinridUungen 



^ 4 — 

sind sebr schlecht in IMien — hielt mich andi h(er 
über meine Absicht lange zuriidc. Am 3ten Jnlf war 
ich endlich bereit nach Bologna ; abzugehen. Brocchi 
führt mehre seltene Konchylien an, die in der ^he 
-von Bologna Torkommen sollen. Aber ich erfuhr durch 
die Herrn Professoren Ranzani und BfiRTOLONi, dafs 
solche nur einmal, gelegentlich des Fundamentgrabens 
far den Bau eines Bogenganges nach der, auf der Höhe 
des Monte dt SanLucca gelegenen Kirche aufgefunden 
worden. Andere Sachen Ton Wer^h sollten nicht vor- 
kommen. In Moren% hatte ich einen kurzen Aufenthalt 
beabsichtigt, nur um einige Acquisitionen zu machen, 
mich . über die Strohhutfabrikation zu unterrichten ,- und 
mehre werthyolle Bekanntschaften zu erneuen. Aber 
ein unangenehmes Ereignifs nöthlgte mich länger zu Ter- 
weilen. Als ich eines Morgens sehr früh die Süfswasser- 

• gebilde von San Giovanni bei FigUne besuchte, und 
daselbst über eine abschüssige Fläche hinansteigen 
wollte, glitt ich eine Strecke am Berghange hinunter, 
und stürzte zuletzt von einer über zwanzig Fufs hohen 
Wand, herab , der^n Dase^^n ich vorher gar nicht be- 
merkt hatte. Ich fiel auf beide Füfse, wie ich gestan- 
den, und, noch glücklich genug, bestand der Boden ganz 

. aus Erde. Aber der eine Fufs, der schon dnrch zwei- 
malige Verrenkung geschwächt worden, litt durch den 
Stofs eo sehr, dafs ich unfähig war, weiter zu gehen. 
Die Bewohner einer nahen Hütte hatten mich fallen 

. sehen, brachten mich unter ihr Obdach y und waren 
bemüht mit Allem mir beizustehen, was ihre dürftige 
Lage ihnen bot Ich liefs mich, ohne noch meine 



— 6 — 

Abnchten im obern Amothale erreicht zu haben, nach 
Florenz #arückb ringen , wo ich lan^^ g^enöthig^t war, 
theils das Zimmer zu hüten, theils an der Krücke herum* 
znhinken. Ich erfuhr im Hotel der Madame Humheri 
in der That mehr Theilnahme und eine sorgsamere Be* 
dienung, als ich in dieser Lage nur hatte erwarten kön- 
nen. Sobald ich mich wieder zur Tafel bewegen kannte, 
machte ich dort die Bekanntschaft «ehrer Reisenden , 
welche grofsteniheils hier den Eintritt der minder heis- 
sen Jahreszeit abzuwarten gedachten , um ihren Wcjg 
nadi Roniy Neapel u. s. w. fortzusetzen, oder welche 
schon s^t längerer Zeit oder zu wiederholten Malen Meh 
hier aufgehalten hätten. So formirte dch bald ein Kränz« 
chen sehr gemischter Art, worin jeder nach dem Esaea 
entweder an der Tafel selbst, oder vor dem ganz nahen, 
auf den Arno stofsenden Kaffeehause delP arco demo^ 
läo, Ton seinen Reisen zu erzählen sich zur Aufgabe' 
machte« Yerscluedene Ansichten wurden geäufsert, ge« 
prüft, gewechselt ; der Hauptgegenstand der Unterhal- 
tung aber war stets , wie zu erwarten , Italien und die 
Italiener, deren einer sich ebenfalls oft unserm Kränz- 
chen anschlofs. Ein sehr gebildeter Schweizer Kauf- 
mann , der Italien ui allen Richtungen seit Tielen Jahren 
bk Geschäften bereiste, und seine Schatten- wie seine 
lieht-Seiten mit gleicher Unpartheillchkeit anerkannte ; 
ein sehr feiner, gewandter, unterrichteter Französischer 
Architekt, d^r jedoch aus allem Guten nur den Einflufs 
der Französischen Regierung auf Italien ersah; einEngli- 
icher Offizier, welcher früher in <S&i7i(^ Terweilend, 
jcist ran Malta kommend, um nach England m 



— 6 — 

gehen, Ckdahrien durchreirst hatte, und durch eine 
Liebesgeschichte in Floren» suruckgehalten frar; ein 
Pohle, der, wegen einiger unangenehmen Ereignisse 
wahrend seiner Uni^ersitatsjahre in Deutschland, auf 
dieses grofsen Hafs geworfen, nachher aber in mancher* 
lei Verhältnissen gestanden, und seit Jahren in. Italien 
stark gelebt hatte ; ein junger Deutscher Phanjtast, den 
Kopf Toll der übertriebensten Vorurtheile gegen das 
Land , das er kürzlich erst betreten : das war nebst mir 
die Gesellschaft die sich taglich, mehr oder minder voll- 
ständig hier zusammen fand , und wovon Einige zuweUen 
einen Ausflug zu Wagen miteinander machten. Manches 
aus den hier gepflogenen Unterhaltungen ist in die unten 
folgenden Schilderungefi übergegangen, aber nur das- 
jenige, was ich früher oder spater durch eigene Erfahrung 
bewährt gefunden, oder was mir sonst hinreichend ver- 
bürgt schien« Alle individuelle Ansichten aber habe ich 
auch als solche wieder gegeben. — So vergingen mir vier 
Wochen in Florenz , während deren ich noch manche 
Anstalten besuchte , bis ich endlich meine Krücke able- 
gen konnte. Aber die Zeit war verflofsen^ in der ich 
hätte Syena besuchen müssen. Selbst mein Rückweg 
längs der Westküste Italiens mufste sehr beschleunigt 
werden. Meine Exkursionen auf dieser Reise mufste 
ich abkürzen , weil der kranke Fufs noch keine starke 
Anstrengung auszudauern vermochte. Es war die heis- 
seste Zeit des Jahres, in der mir auch die anstrengend-* 
sten Beschwerden der Reise bevorstunden. Von nun an 
reirste ich bis Genua bald bei Tage, bald bei Nacht, 
des Morgens um 3-^ 4 Uhr begann ich meine Ausflüge, 



— 1 — 

I 

die Zeit von ll-^5lT]ir war der Brliolnng gewidmet;, 
obschon der Hitze wegen dann an Schlaf niclit zu denken 
war; am Abend bis in die Naclit folgten meist neue An- 
strengungen. Von Pisa aus besuchte ich abermals den 
Monte Uliveto ; doch fand ich keine» Knochenbreccie vor. 
Seit längerer Zeit hatte man dort dergleichen nicht ge- 
funden, und alles von früher her Yorräthige war an einige 
Pisaner abgeliefert worden , die seit Kurzem ' sich 
Sanunlungen angelegt hatten. Man hoffte auf bedeutende 
AusRnte bei der Sprengung eines grofsen Felsblockes 
SU finden, die im Herbste vorgenommen werden sollte« 
Ich gewann Zeit, mich abermals hier um die landwirth* 
schaftlichen Verhältnisse zu bekümmern. — Von Lucca aus 
besuchte ich die berühmten Bader, wovon ich unten 
Ausführlicheres melden werde. Zu Massa machte ich 
Ausftttge nach den Thälern von iUbssa, von Carrara 
und von Serravexsa^ um die geogaostischen Verhältnisse 
derselben , besonders aber jene des weifsen und des 
fireccien -Marmors kennen zu lernen. In der Spezziä 
verweilte ich eine Woche , theils um manche Seethiere 
bei der Spezsua selbst , bei Lerici und Porto Venere zu 
Bammeln , theils um auch hier die geognostischen Ver- 
haltnisse kennen zu lernen, von deren Wichtigkeit mir 
Herr GumoNi in Massa gesprochen. Aber die fortwäh* 
rend stürmische See erlaubte mir den Besuch gerade des 
wicht^ten Punktes an der Aussenseite des Golfes nichts 
obschon ich aüsschliefslich wegen dessen meinen Aufent« 
halt um einige Tage verlängert hätte. So konnte ich 
ktine Zeit mehr auf die Untersuchung der meist au%e« 
lehlossenen Gebirge längs der neuen Strafse über die 



— 8 — 

Hoehapenninen nach Sestri verwenden. Viele Reisende 
tiinn Unreeht^ sich' hier nach Genua einsu8ehif(en, weil 
d<;r Landweg unTerg;leichlich schön ist. Aber Gelegpen- 
heit dahin findet man nicht immer bei Tag& In Chia- 
vari zwar findet man taglich viele Wagen , welche die 
Fremden in 8 — 10 Stunden nach Genua bringen, aber 
nm der grofsen Hitze zu entgehen , reisen sie im Som* 
mer erst des Abends nm 6 oder 7 Uhr in Chuwari ab. 
Gegen 1 Uhr gelangen sie, fast bestandig berganlfah. 
rend, auf die Höhe eines Berges, wo der Weg crarch 

< . — 

den^ Bergkamm selbst durchgebrochen ist, so dafs man 
dann beim Anstritt aus der Grotte plötzlich Genua ^ die 
ganze Bucht und die Ufer jenseits bis gegen Finale 
Tor sich hat Doch alles dieses zeigte uns der Mond^ 
fldiein nur in schwachen Umrissen. In der Stadt Cfenua 
Termochte ich kaum mich loszureifsen. Die Grofsartig*** 
keit, die schöne Architektur der stets neu erhaltenen, 
und zumal immer mit Verschwendung alles kostbaren 
Materiales ausgeschmückten Marmorpalläste in den drei 
Hauptstrafsen, die riesenmäfsigen Ueberreste alter Gröfse, 
angeknüpfte literarische Verbindungen, die schöne Lage, 
die unvergleichliche Aussicht auf allen nahen und fernen 
Höhepunkten in und um die Stadt, endlich selbst der 
heimisch -behagliche Aufenthalt im Hotel Gubpnsb, wo 
alle Bewohner des Hauses sich gleichsam zu einer Fa- 
milie verschmolzen sahen (^nebstdem dafs ich die treff- 
liehe Bewirthung sehr billig fand]) x Alles dieses vereinigte 
sich, mich volle 6 Tage hier zurückzuhalten. Genua 
steht in der Lage -nur Neapel nach, an innerer Schönheit, 
aber aOen andern Städten Italiens vor. Bom und Neapel 



— » — 

* - ■ 1 

flcbein^n düster und alt, weil sie schlechtes Baumateritl 
hahen, nie schön auch immer einzelne Gebäude darin 
ihrer Architektur nachseyn mög;en; die Palläste in Flo- 
renz sind meist aus Macig^no-^Quadern gebaut, und haben 
ein festungsarti^es Ansehen, ihrer anfängUchen Bestim- 
mung zur Zeit der Streitigkeiten zwischen den Guelphen 
und Ghibellinen eemäfs. In Venedig ist zwar Marmor 
und anderes kostbares Material, wie zu Genua, Ter- 
schwendet; aber theils ist der eigene B&ustyl der Vene- 
tianer minder, gefall^, theils sind die Gebäude in neuerer 
Zeit Ton aufsen sehr Temachläfsigt, Tiele zerfallen, an* 
dere scheinen öde und unbewohnt, so dafs man über- 
all nur traurige Zeugen der untergegangenen Blütlie der 
ehist so mächtigen Nebenbuhlerin Genua's zu sehen 
glaubt. Auch sieht man dort nirgenwo eine Strafse ganz 
m» lauter Pallästen gebildet, wie deren drei sehr lange 
in Geikua an einander stofs^n. — Von Genua ging ich 
nach jistiy sammelte dort, was in der Eile und in der 
Jetzt zu trockenen Jahreszeit (einige ungewöhnlich starke 
Re^en waren zu Hülfe gekommen^ ^och möglich war, 
arbeitete m Mailand die Petrefakten- Sammlung desCbii- 
9igUo deüe miniere durch, worin die meisten Original- 
Stucke der Zeichnungen zu Baoccm's trefflichem Werke 
niedergelegt sind, und belehrte mich so über die richtige 
Synonymie, so weit der jetzt sehr schlechte Zustand der 
Sammlung es gestattete. In Mailand mufste ich mich, 
▼oigefnndenen Briefen zufolge, zur baldigen Rückkehr 
e&tschliefsen. Ich gedachte daher noch in Padua die 
rdehe Konchyliensammlung des Professor Rbnieu aus 
dem Adriatischen Meere zu Bericiitigung mancher Syno* 



— 10 — 

nyme, und die schonen Petrefakten des akademischen Bf n- 
«enrns zu studiren, dann über Vicenza und Verona 
am 18ten September aur Versammlung^ der Naturforscher 
in München einzutreffen. Aber leider traf ich Herrn 
Professor Rknibu nicht zu Hause. Er war nach Venedig 
l^e^ng^en, dort die Ferien zuzubringen, und hatte selbst 
die Schlüssel zu den akademischen Sammlungen dahin 
mitgenommen. Von Vtcenxa aus besuchte ich dann unter 
Vermittlung des Herrn Professor CatuUiO die reiche 
Sammlung Castklubti's in CastelT gomberto (a, unten^^ 
machte einen Ausflug nach Boncä^ dßr eine wider Er- 
warten geringe Ausbeute gab, und wurde zum Beschlüsse 
noch von einer Halsentzündung befallen, die mich hinderte;, 
am bestimmten Tag Ton Ferona nach Tyrol mid Inapruck 
abzureisen, so dafs #h, da die Post wöchentlich nur ein- 
mal geht , München um 8 Tage zu spät erreichte. — So 
gelangte ich, nach Verlauf Von vollen sechs Monaten, 
wieder nach Hause ^ nachdem eine Reihe von Unfällen 
wahrend der mit vielen Anstrengungen verbundenen 
Reise mir zwar bei vielen einzelnen Absichten auf mit- 
unter schmerzliche Weise im Wege gestanden, mein 
Hauptzweck jedoch so gut erreicht war ^ als ich es nur 
gehofft hatte. 



IL 



IMe Schlittenfahrt 

über die Alpen nach Italien« 



IT ieder kehrte der blnmenlrekrafizte Frübling, wid 
fireandtich und lau , \ne sonst die schönsten Tage des 
Lenzes sind, begrüfste uns der unbeständige AjHii, als 
MToUe er uns versöhnen für die Bäume -töjdtende Kälte 
des Jänners und die Flur -verheerenden Regengüsse des 
Märzes. Schüchtern schlofsen sich Blätter und Blütfaen 
in ihre Knospen, und nur selten schwankte, eben her- 
vorgelockt, eine Pulsatille auf sonnigen Hügeln in den 
Lüften des Frühluigs, 

Aufs Neue flog ich dem Rhein entlang: nach Italien 
führten mich meine Wünsche. Durch das geschäftige 
J^mzigthalj des Flusses Lauf rückwärts folgend j er- 
reichte ich die Höhen des Schwarsavaldes; in's Donaur- 
Gebiet ging es hinab, und im Strahle der untergehenden 
Sonne glänzte bald der' weitgedehnte Bodensee. Durch 
einen harten Sturz des Wagens angehalten ^ erreichten 
wir in der Nacht das Ai^ Konstanz; noch in der Nacht 
wurde es wieder verlassen, um firühzeitig nadi St. Gallen 



t 



— 12 — 



n ^langen. Zwei Tag^e i^aren der Ruhe gewidmef . Ich 
durchwanderte , geführt Ton belehrenden Freunden, den 
Gewerb-thatigenOrt; seine herrliche Umgebung und die 
Aussicht Ton dem ifahen Freudenherge entzückten mich. 
Baumwollen- und LeinwandrFabrikation, seit der Reforma- 
tion Ton Konstanz unwiederbringlich hieher geflüchtet, und 
der Zwischenhandel zwischen Deutschland und Italiei} bil-^ 
deten den Reichthum des Ortes, und selten nur sieht man 
andere Fremden hier ids Kaufleute. ^ Die Niederungen 
an der Südseite des Bodensees liefern zur Leinwand- 
Fabrikation das reichlichste Material, und wenn es auch 
gleich, mehr noch als in St Gallen, im Kantone Appen^ieU 
and zumal in der Grafschaft Toggenburg verarbeitet 
wird , — denn nicht leicht trifft man dort ein Haus, wo 
nicht 1 , 2 bis 3 Webstühle stünden — so hat doch St 
Gallen, durch seine Lage begünstigt, da alle Ausfuhr 
durch diese Stadt gehen mufs , den Handel allein an sich 
gerissen. 

Freundliche Wünsche begleiteten meine Abreise, und 
gerne gedachte ich noch oft der biedern ^ fleifsigeii St. 
Galler. Eine Diligence, welche jeden Samstag früh die 
Reise antritt, hatte mich aufgenommen. Wieder vier 
hnge Stunden biegt sich der Weg nach Borschach und 
Bkemeck zurück, um dann erst durch das breite Rhem- 
ihal aufwärts zu fuhren. Leicht wäre es , durch bes- 
sere Herstellung einer Queerstrafse oberhalb der Stadt 
St Gallen den Weg bedeutend abzukürzen; aber das 
▼erbietet das widerstreitende Handels-Interesse; denn 
eben «o leicht würde^ nachher dfer Leinwand - und Kattun- 
Handel auf jener Strafse die Stadt umgehen. Erst ist 



- — ,1» ^ 

da« Rheintfasl weit und eben, vereng und erwdtert rieh 
dann Terschiedene Male, nnd bietet so allmahllg' alle 
Abwechsebingen der schönen Schweiserthäler : bald den 
der üppigen Fülle nnd des Romantisch-Anziehenden, bald 
den des Felsig -Wilden und des Eisig- Starrenr Steiler 
wird es Ton Chur an, der Hauptstadt €hraubündeh», wo 
sich die Züriclier Poststrafse ndt dem Wege verein^ 
Mühsam ist er oft an Felsen angelehnt , oft unter den- 
selben- hindürchgeführt. Zu Zäü mqfsten wir, drei 
FreQide und der Conducteur, unsern bequemen Reise- 
wagen rerlassen, um uns Ton nun an zweier offenen 
Char-ä-bancs zu bedienen, theils weil der Weg schlechter 
wurde, da der Boden noch Tom fnsch geschmolzenen 
Schnee durchweicht war, theils weil wir vor der nidi* 
sten Station schon die j^enwartige Schneegrenze er- 
reichten. Schauerlich wild starrten ungeheure Felswand« 
über uns empor, und tief unter uns brachen sich die 
Wellen des Rheins in grause^ Bergschlucht. Baum- 
^ stamme lagßn, tausendfach zersplittert Vom hohen Sturze, 
um uns her. Doch erweiterte, es Terflächte sich das 
Thal wieder etwas, und im Zickzack führte uns der 
Weg bis zur Grenze des Schnee's. Hier mufsten wir 
auch die Char-ä-bancs unter freiem Himmel zurücklas* 
aen , in Gesellschaft vieler andern , die leer umherstunr 
den. Die Sitze wurden abgeschnallt und auf Schlitten 
befestigt, die, aus wenigen Holzstücken roh zusammen- 
gefugt, in Menge Torräthig am Wege waren. Diese 
Wagen nnd Schütten gehören theils dier Postanstalt, 
theils den Waarentransportanten, welche den Weg über 
den Splügen oder Ben^ardin jede Wpche mit Leinwand^ 



— 14 — 

Baumwollenseiig , und auf der Rückkehr mit Yellliner* 
Wein and Kolonialwaaren zu machen pflegen. AUe 
Schlitten haben einerlei Form , und die meisten sind an 
nahen Bäumen oder Barrieren mit Ketten angeschlossen, 
nicht als ob sie etwa nicht sicher stünden, sondern um 
einer Verwechselung und der Unaiinehnilichkeit vorsu* 
beugen, bei der Ankunft an dieser entlegenen Stelle sei^ 
neu guterhaltenen dauerhafteren Schlitten nicht yorzu- 
finden. Die Tier Pferde von unseren beiden Char-ä-bamss 
wurden Tor Tier Schlitten gespannt, deren drei die,Beir 
senden, einer unser Gepäcke aufnahmen* Erstere wurden 
Von beiden Postillens und dem Conducteur geleitet, der 
letztere wurde Tcm dem Pferde ohne Fü&rer gezogen, 
und ging deshalb in der Mitte« So setzte sich der Zug 
langsam in Bewegung, immer bergan! Wir hatten 
diese Reise in der ungünstigsten Jahreszeit zu machen. 
Es schneite fortwährend. Stellenwejise war der Schnee 
ganz weggeschmolzen, an andern Orten lag er wieder haus- 
hoch, und tief uriter der Masse, über welche wir hinglitten^,^ 
lag der- Weg mit seinen Barrieren Tersteckt. Nur hin 
und wieder ragte dann eine der hohen Signalstangen noch 
mit ihrer Spitze herTor. Meist war die Bahn, längs der 
Berghänge , nach einer Seite abhängig. Das Schmelzen 
des Schnee's findet Ton oben und zugleich Tom wärmern 
Boden herauf statt, so dafs die hohlliegende Schlitten- 
bahn oftmals einbrach. Auch setzte sich der halber- 
weichte Schnee überall unter den Schlitensohlen zusam- 
men, und diese sanken daher bald auf der einen, bald 
auf der anderen Seite tiefer ein, und es war bestand^ 
Gre&hr des Umsturzes. Auch die Pferde brachen bei 



- 15 - 

Jedem Schritte ein -, und kamen nur sehr langsam Terpik 
Doeh ist mit dem Cmfallen keine Gefahr verbanden, 
wenn dasselbe nicht gerade am Rande eines steilen Ab* 
hanges erfolgt, und die Geschicklichkeit der rüst^ea 
Führer yerhütet solches unzählige Male, welche bald rechts, 
bald links, bald Torn, bald hinten idnd|nun mit kraftigent 
Arm den Schütten hindern , aus der Bahn über den 
Ber^hai^g hinabzugleiten, jetzt sich mit aller Kraft dm- 
gegpen anstemmieh , nun endli<?h sich auf d^ie höher 
laufende Schlittensohle stellen, und, sich mit den Händen 
am Schlitten haltend, in niederhockender Stellung als 
sehr excentrisches Gegengewicht wirken. Oft fiel der 
Sdditten um, der unser Gepacke trug, weil er keinen 
solchen Führer hatte , und mufste mit Tereinten Kräften 
wieder aufgerichtet , oder gar umgepackt werden. Aber 
auch wir Andere entgiengen diesem Schicksal nicht, ob- 
schon ohne den allermindesten Nachtheil für irgend 
Einen. Die Fälle , wo das Umstürzen des Schlittens gc^ 
rade in der Nähe eines Abgrundes traurige Folgen ver- 
anlafst, sind selten, meist gerade nach frisch gefalle- 
nem hohen Schnee, wobei man sich Tom Wege ver- 
irrt. Doch kann man ein Unglück der Art für jeden Al- 
penpafs im Verlaufe eines oder zweier Jahre rechnen. 
Die Pferde werden meistens vom Schlitten mit umgewor- 
fen, bleiben aber dann ruhig liegen bis man ihnen zu 
Hülfe kömmt. Fällt der Schlitten allein , so halten sie 
sogleich an. — Erst mit Einbruch der Nacht erreichten 
wir Splügen, wo wir im Posthause etwas bequemere, 
aus Brettern zusammengefügte Schlitten erhielten. Ihr 
Qeleise ist breit, wie das der vongen« Der Sitz ab^r ist 



— 16 — 

schmal , nnd der Schütten so lang^ , dafsr zwei Personeitf 
dne vorwärts , die andere riickwärts ge^en einander 
sitzend ihre Füsse wechselwdse unter den Sitzen be- / 
quem ausstrecken können. Hier theiit sich die Strafse. 
Eine Dillgence befahrt, jeden Mittwoch friih von Lindau 
abg^ehend, den afeen Arm derselben, und ^eht über den 
Splügen nach lüola , Ckiavenna > und^ auf dem Dampf* 
boote, über den Comersee nach Como und Maüand. 
Wir aber hatten den andern Arm des Weges Verden J7em^ 
hardm zu Verfolgen. Beide Strafsen sin^ V^^ ^^ ^ ^ 
4 Jahnen ganz fertig.—^ Jün Glas ^gnten Weineserfrisefale 
uns vor der Abreise, und die GefiUl^^t der xWirth.^'* ^ 
knte versah uns jpit Decken und wjDlle<ien:Tü«her*^|;tft^ 
Schutze gegen den stets i9cbnei46nder wet^dMideii ^ ; 
Die Bahn wurde etwas besser, weil^ wegen 8eriiAü»«?r 
tiefer sinkenden Temjieratur, der^ Schnee In diesen • 
Höhen noch weiiigt;r geschmolzen war. Kahle SiiäUea 
trafen wir gar nicht mehr. Nach zwejstündijgi^ Fabrs 
wahrend der Nacht erreiditen wir Jf^^^en^iM^at \o w£( 
übernachteten, und wo mitten in dieses endlonen Sehne«- 
fddem ein gutes Wirihshaus und freun^che Wirth»- 
leute uns veranlafsten, in Fröhlichkeit der überstandenen 
Beschwerden zn gedenken 

Noch brach nicht das lacht des Tages djnrch die kleinen 
Fensteröffnungen in den klafterdicken Steinn^uem nn* 
sers geräumigen Wirthshauses , als der^' brave Kustbr, 
unser beständiger Cohducteur^ uns zum Aufbruche er- 
munterte. Das Wetter hatte sich gebessert ^ ungetrübt 
war der Himmel über uns in hellem Bhu anngebretteiL 
Der steilste Theil 4e» Weges sollte mm , afiirüekgel^ ^ 



— 17 — 

werden: das eig^entlieheAljpenjocli, weldiesdie NoMüeite 
▼on der Südseite trennt. Im Zickzack begann der Weg sich 
ander ateiienBergwand zu erheben und bald lagen in schwin- 
delnder Tiefe unter uns die Gletscher, aus deren Schoofse 
^die Quellen des Hinter Rheinarmes lebendig herrorbre- 
eben. In zwei Stunden waren wir zur Höhe gelangt, wo 
dm starkes Oebäude sich erhebt, denjenigen Reisenden 
aut dem Nothdürftigsten auszuhelfen, welche, von der 
Nacht übemiscfat, Ton Ermüdung niedergeworfen, bei 
dem .Vebergange über * diesen steilen Berg die nächste 
Statil^n nicht mehr erreichen können. Eine einsame 
famiMe wohnt dort Ton der Welt abgeschieden, und 
sorgt y dafSs. Bote, Branntwein, Wein, Brod, gesalzenes 
Fldseh* Von d^ Rasenden nie vermilst werde, und 
fthrl die^ Aufsicht ;üb«r di6 vorhandenen Surrogate von 
Betten und aiideniMöblen; denn die nächste Sation nach 
Jäktterrhfiin ist ei^t^ zu St. Bemardm^ weit jenseits des 
Ai|[i«Aammes. Wenn im Winter plötzlich hoher Schnee 
gefiMeB^'de^'fdth locker aufeinandergelegt, und all^/Wege 
un^&hnen titf yerschüttet hat, Üann hafa^Biier dieRfti- 
senden- mit ^weit gröfseren Beschwerden zu kämpfen. D^^nn 
ife Bhtreprenenrs der Di%ence sind demuogeachtet 
Ferbunden, sie ^egen eine kleine Erhöhung der Taxe 
sogleidi fortzusdiaffen. Aber mancher Reisende, schon 
bis Udier Torgedrungen ^ hat den fdnih Terloren , und 
ist wieder -rnngekehrt , um andre Wege oder eine gün- 
sl%re Jahresadf^zuTersuchen. Dagegen hat man auch 
sehott sarte Frauen alle Mühseeligkeiten , unter den un- 
gUMi%|«tea Verhältnissen vereinigt, überstehen sehen. 
Von Hiiiteirrliein sab man schon manchmal zwanzig^ bis 



- 18 - 

drelMg Alpenbewohner mit 10— 15 Pferden anssiehen, 
nm Bahn zu machen für die Reisenden, welche sie be- 
gleiteten. Nach Maasgabe der hin nnd wieder aus dem 
Schnee Torragenden Spitzen tief yerschütteter Signal- 
Stangen suchen sie den Weg zu rerfolgen, und wenn 
auch diese nicht mehr zu sehen , so berathen die erfah- 
rensten unter ihnen über die wahrscheinlichste Richtung, 
die man verfolgen müfse. Mit Schaufein ebnen sie eine 
schmale Bahn längs der steilsten Abhänge, und suchen 
enge Schluchten auszufüllen. Gleitet ein Schlitten 
über diese Bahn herab, so reifst er das Pferd mit sich 
fort, bis ein zufallig glücklicher Umstand oder eine mm- 
der steile Fläche ihn aufhält. Meist jedoch, im Fall 
die Steile nicht allzugrofs (^nicht über 40<>— SO^), 
senken sich Schlitten und Pferd durch ihren eigenen 
Fall so tief in den Schnee ein, dafs sie liegen bleiben* 
Ist nun ein Pferd nicht ruhig , will es sich ohne Hülfe 
wieder selbst herausarbeiten , so geräth es statt dessen 
immer tiefer hinein , arbeitet sich ohne Erfolg ab , und 
bleibt zulet^^rmüdet liegen, bis der zurückkehrende 
Zug ihm nun , da es durch Abmattung fast unbeweglich 
geworden,' falls es noch zu retten ist, zurecht hilft 
Solche Pferde taugen für diese Stationen nicht. Aber 
seit den wenigen Jahren, dafs dieser Pafs für die Post 
eingerichtet ist, war es schon mehr denn einmal der 
Fall, dafs der Zug binnen eines ganzen Tages sogar 
nicht das Nothgebäude auf der Höhe des Berges zu er- 
reichen Tcrmogte, sondern unverrichteter Sache zu- 
rückkehrte , schwächer an Pferden , seh j^ächer an Leu- 
ten , die nicht so lange als die übrigen auszudauern Ter- 



— 1» — 

ttogten, mn dann am andern Tag den Weg anfa Neue 
ni Tersnchen. -^ Andere Reisende sind mit ihrer Ge« 
Seilschaft bis auf die Höhe gelcommen, und dann erst 
sarückgekehrt, vor der Hinabfahrt sich fürchtend. — 
Denn steil geht es oft hinunter: das Pferd gleitet auf 
den Fiifsen, und pfeilschnell der Schlitten ihm nach, 
längs tiefer, senkrecht abfallender Schneewinde hin.. 
Zn allen diesen Gräueln d^s Ortes und der Jahreszeit 
^seilen sieh dann oft auch noch die der Witterung. 
Dichtes Schneegestöber peinigt bestandig die Augen, 
und erlaubt nicht zehn Schritte vorhin zu sehen. In den 
engen Thälern und Schluchten , welche den Rücken und 
die oberen Ränder des Berges durchziehen , fangt sieh 
der Sturmwind; mit rasender Gewalt bricht er unver* 
Sehens um die Ecke eines Hügels oder Felsens herror, 
und stürzt Schlitten und Führer zu Boden. Begegnet 
man auf schmaler Bahn den langen Zügen der Transporlr 
Schlitten, so finden neue Beschwerden Statt. Freilich 
geschieht es nur selten, dafs alle diese Uebel zusammen 
über einen Reisenden hereinbrechen, aber, mit Ansnah« 
me der wenigen Wochen des Sommers, wo der Schnee 
auf dem ganzen Weg geschmolzen ist, kömmt nicht leicht 
Einer ganz ungeneckt durch. 

Frisch war die Luft, aber wohlthatig wirkte die 
Sonne auf der Höhe des Berges. Doch das vom Schnee 
zurückgestrahlte Licht war so heftig, dafs wir nicht um 
uns zu sehen yermogten. Der Kondukteur, welcher stem 
voraus war, um den Weg zu prüfen, hatte sich mit 
einem schwarzen Schleier versehen, und dergleichen auch 
an die Passagiere des vordersten Schlittens mitgetheilt 



\ 



IMeses Hülfsmitteb beraubt, hatte ich Ton dieser Be- 
schwerde in hohem Grade zu leiden, und empfand solche 
noch lan^e nach beendeter Fahrt. — Ejn Schneehuhn, 
ganz weifs, safs kaum 15 Schritte von uns ruhig auf 
einem kahlherrorragenden Felsen, aber die Schlitten* 
Führer Tersicherten , dafs diese Thiere um so scheuer 
seyen , je kälter die Witterung. 

Auf dem Herunterweg ist eine Stelle, wo sich die 
Bahn in eine tiefe enge Thalschlucht hinabsenkt, und^ 
längs deren Wänden hinzieht Dfe Wände sind senk- 
recht , und haben kaum Gelegenheit gegeben , an ihnen 
noch den mäfsig breiten Weg anzubringen. Da aber nun der 
Wind den Schnee beständig in diese Schlucht zusammen- 
fuhrt und über dem Weg anhäuft, so war stets nur 
mit erneuerter grofser Arbeit eine Bahn herzustellen : 
so schmal, dafs beim geringsten Abgleiten Ton dersel- 
ben die Schlitten vollends in die tiefe Schlucht hinab- 
stürzen mufsten. Daher hat man diesen Weg auf der 
8,ufsern Seite mit einer festen Steinmauer eingefafst und 
mit starken Sparren und grofsen Steinplatten von oben 
gedeckt, so dafs man nun sicher durch einen langen 
und hohen Schneeberg hindurchfährt. In St. Bemhardm, 
wo eine im Sommer besuchte Sauerquelle ist, bekamen 
wir wieder grobgearbeitete, minder bequeme Schütten, 
läe wir sodann 1 Stunde weiter abwärts ste!hsn liefsen, 
um uikß dort vorräthig befindlicher Char-ä-bancs zu 
Medienen, an deren Stelle wir in üfi^occo wieder eine 
gute Diligence setzten. So ging es denn Ton nun an 
im gestreckten Trabe über Baveredo nach Bellm%ona, 
wo sich die meist zur gleichen Stunde vom &. Gotthard 



\ 



— 21 — 

I 

sulanfeiide Poetcbaise mit der nnsrigeii vereinig. Hier 
hatten wir doppelte Wahl, entweder während derNadit 
mit einer andern DiUgence weiter über den Monte Cenere 
iMcli Lugano^ über AtnLuganeraee bis zum Morgen nacb 
Cknno und xu Mittag nach Maäand zu gehen; oder am 
nämlichen Abende noch eine Gelegenheit nach dem 
5 — 6 Stunden entlegenen Locamo zu suchen, dort die 
Nacht zu ruhen, am folgenden Morgen mit dem Dampf- 
tldS^eaLago maggiore seiner ganzen Länge nach zu 
befahren (wozu jeden Tag Gelegenheit), und von Sesto 
•US um 5 Uhr des Abends Maüand zu erreichen. Mit 
der letztern Einrichtung, welche der obigen Diligence 
EÜAtrag thut, nicht zeitig genng bekannt geworden, 
schlugen wir den ermüdenderen andern Weg ein^ wo 
mir wenigstens die Ueberfahrt über den Luganersee bei 
tiefer, stiller, mondheller Nacht, und der Anblick 
Oimio's, des Comersee's und des üppigen Gartens, der 
sich bis Mailand ausdehnt, stets unvergefslich seynwird. 
Weniger kontrastirend , als gevröhnlich erwartet wer- 
den kann, fand ich diesmal meinen Eintritt in Italien. 
Waren diesseits der Alpen hin und wieder schon Baum- 
knospen geöffnet, so fand ich jenseits doch nur sehr 
wenige Bäume mit ausgebildeten Blättern; denn der 
Frühling war auch hier um 3 Wochen Terspätet. Weit 
herab von der Grenze des Schnees war noch kein biühen*> 
des Pfiänzchen auf dem erstorbenen Rasengrunde zu fln- 
den. Doch erblüheten bereits um Misocco Zwetschgen 
and Pfirsiche und Wallnüsse sogar. Einzelne hellgrüne 
Birken blickten freundlich aus den düsteren Fichtenwal- 
dangen. Weiter herab blüheten Veilchen und Maaalieb^ 



— 22 — 



hellgelbe vielblnm^e PrimaTeren, Ehrenpreis und Chry- 
Bosplenien: wie bei uns, ersehnte Vorboten des Friihling» 
und seines heiteren Gefolges. 

Aufser den fahrbaren Strafsen über den Stmplon, 
den Gütthard (^noch eine Strecke ist unbeendiget^, den 
Spinaen und den Si. Bemhardm gehen nvr Sanm- 
wege Ton der Schweitz nach Italien, wekhe meist mit 
noch weit mehr Schwierigkeiten zu Fnfs und zu Pferde, 
und geringentheils nur im höchsten Sommer mit Chnr* 
i^-bancs, zu passiren sind, wie jene über den Großen 
SL Bernhard, über den Septimer , Luchnamer^ den 
Bemm« , welche letztern defshalb , , und wegen der 
schlechteren Stationen, von Reisenden fast niemals be^ 
nützt werden. 



IIL 



/ 

üeberblick 

über ItaUens physische Beschaffenheit. 



L'aura ^ non cValtro, ^ della maga effetto : 
L^anra, ch« rende gli alberi fioriti; 
Co* fiori eterni etenio il frutto dura, 
£ mentre spunta Fun , l'altro matura. 

Ta88o, GeruiaL XYI^lO. 



Von Jugend anf sind wir gewöhnt, in reger Phantasie 
▼on Italiens zauberischer Landschaft, Ton seiner üppigen 
FrnchtiNirkeit, .von der Schönheit seines wolienlosea 
Himmels uns glilhende Bilder- zu schaffen., und sie aus- 
zuschmücken mit allen Reitzen , Ton- denen die Berichte 
zahlreicher Wanderer uns erzählen, ^j^cr nur zu. leicht 
erheben sich diese Bilder weit über die Wirklichkeit, 
zu häufig will man sie allenthalben wieder finden, zu 
oift Tergifst man, wie nur ein glänzender ^Vorgrund so 
manche Blöfse, so manches widerlich stöhrende Feld 
bedecke , und der Reisende, welcher vom schneebedeck- 
ten Alpenkamme hinabsteigt in das heitere Land seiner 
Wünsche , wartet vergeblich der Grenzlinie , die er 
tiberschreiten zu müssen glaubt , um Italien in aller seir- 



V 



- 24 — 

ner Pracht zu seinen Füfsen sich nisbreiten am sehen, 
nnd die Ankunft auf Italienischem Boden würde kaum 
einen andern Eindruck auf ihn machen , als der- Austritt 
aus der Schweitz Tiach jeder anderen minder gebirgigen 
^ite, wäre nicht 'der Abfall der Alpen auf der Südseite 
Tiel steiler als anderwärts , und wäre nicht dort ein ganz 
plötzlicher Uebergang in die weitgedehnte Lombar- 
dische Ebene. Doch glücklicherweise häufen sich zu- 
fallig auch gerade an der besuchtesten Schwelle Ita- 
liens die Elemente, aus denen eine freundliche Land- 
Schaft sich zusammenzusetzen pflegt. Alle Abwechslung, 
welche schön gestaltete Verberge zu gewähren Termö- 
gen, alle Ueppigkeit des Pflanzenwuchses, welche die 
nordwärts geschützte Lage und zahlreiche unversieg- 
bare Quellen hervorrufen können, grüne Wiesen und 
fleifsig angebaute Felder, spiegelnde See'n, zwischen stei- 
len hochanstrebenden Waldgebirgen eingeschlossen, nnd 
zierliche Inseln, deren natürliche Schönheiten zu er- 
höhen die Kunst noch allerwärts bemüht gewesen ist: 
alles dieses findet sich gerade dort, und hauptsächlich 
in der Nähe des grofsen und des Cbiit«r-&e's vereinigt, 
welche allein fiijpitig zu begrüfsen vieler Reisenden 
Zweck ist, die dann, beglückt durch die Erinnerung 
an das Gesehene, eilig heimkehren, und in endlosen 
Lobpreisungen sich selbst vergessen machen, dafs die 
Borrömäüchen Inselchen nicht Italien sind, wo in der 
Regel mit den ewigen Ekgletscherii des w^digen Al- 
pengebirges auch die Quellen, die Feuchtigkeit und üp- 
pige Fruchtbarkeit des Bodens versch^finden, und wo 
der Reisende über den natürlichen wesentlichen CSiarak-^ 



— 25 — 

ter des Landes nicht mehr durdi znfftl]% znsanunenge- 
häufte Yorziige geblendet wird. — Denn mit diesen Ge-< 
genden am Fufse der Alpen wetteifern an Schönheit nur 
die Rwiera von Pisa bis Gentsa und Nhxa ^^, die Um-' 
gebuitgen Ton Neapel**), die Gegenden von Born, wie 
bei 'Kvoli und Frascati , dann die wenig besuchten 
Ahruzzen und Jnneren Landstriche MittelüaUen9 ^ und 
wenige andre, jede in ihrer besondern Weise ausgezdch* 
net. Aber werfen wir zuerst einen allgemeinen Blick 
über die Charaktere der Terschiedenen Landschaft -Ab« 
stnfungen Italiens überhaupt, und wir werden finden, 
dafs sich dieselben in drei grofse Klasltsen zusammen 
fassen lassen : nämlich die Lombardiache Ebene , das 
Apermmische Hochland, und die Thäier und Abhänge 
an der Südseite der Alpen und Südwestseite der Apen^ 
nmen, dafs aber der südliche Charakter, wie ihn der Reir 
sende au erwarten pflegt , sich ganz erst in Neapel und 
Skäien einstellt 

Die ganafe Lombardische Ebene ist Eine schöne Flur« 
welche hin und wieder, wie in der Nähe gröfserer 
Flüsse, Ton sumpfigen Tiefungen unterbrochen wird. 
Im Norden und Südwesten voii Hochgebirgen scharf be- 
grenzt, liegt sie in Form eines Dreieckes zwischen 
Maüand , Vicenza und ßimmt, welche in gerader Rieh« 
tnng>6Q, ÖO und 100 Stunden von einander entfernt sind, 
und erhebt sich westwärts und südwärts , in Piemonty 
in manchfiiltig durchschnittenen fruchtbaren Hügeln bis 



*) Vergl. Band L Kap. 2. 
**) Bd. I. Seite 864- 481. 



— 26 — 

nng^efaliT zu 2000^ fiber dem Meeresspiegel, iriUirettd sie 
sich ost*- und nordostwärts ganz alimihlig bis zum Ni- 
veau des Adriatischen Meerbusens hinabsenkt , so dals 
sie vom Meere her schon in geringer Entfernung, ihrer 
flachen Ufer wegen, nicht mehr gesehen werdoi 
kann« Nur einzelne Dämme führen dann durch dieses 
flache Gestade, und eine Menge sich durchkreuzender 
Kanäle macht es möglich , dasselbe mit Kähnen in allen 
Richtungen zu durchschneiden. Es unterliegt wohl keinem 
Zweifel, dafs der gröfsteTheii dieser Ebene, wenigscens 
in der engeren Erstreckung, wie sie oben angegeben wor- 
den, ehedem Meer gewesen, und nur alimählig theüs 
durch das Auswerfen von Erde durch die Meereswellen, 
theüs durch die Anschwemmung der Flütise von den 
Hochgebirgen herab angelegt worden sey^. Noch jetzt 
dauern diese Anschwemmungen fort; maii hat Messun- 
gen über die Geschwindigkeit, mit welcher die Ufer 
in der Nähe von Venedig sich fort und fort in das Meer 
hinausriicken, und es Sicts M^eiter zurückdrängen. Die 
Mei3(3e von Geschieben , welche die Bäche von den AI* 
pen herab mit sich führen , ist noch jetzt so beträcht- 
lich, dafs dadurch die Flufsbeete selbst am Gebirgsfiifse 
oft um 20^ — 80^ höher liegen, als die von ihnen durch- 
schnittene Ebene, und dafs gans^e Dörfer sich hinter ihnen 
verbergen. Denn die Bewohner dieser letzteren lassen 
es nicht zu, dafs der Strom aus seinen Ufern breche, 
und seine Wellen und die unermefsliche Menge von 
Geschieben über das von ihnen angebaute, fruchtbare Feld 
ausströme. Es iai aber liegreiflich, dafs der so gebildete 
Boden in gröfserer Entfernung vom Grebirge immer feiner 



— » — 

gesddlmiiit, fniehtbarer, immer irmer an Steiiigeaeluebeo 
seyn müfse , dafs es an Banmaterial fehle, dafs der Bau 
der Brücken über die vielen Flusse, theils darum, theils 
weil der Boden keine feste Grundlegung auläfst , mit un- 
endliehen Schwierigkeiten verbunden seje; daher denn 
auch die Erscheinung, dafs man im Sommer so oft Flüsse 
ohne Brücken, und Brücken ohne Flusse findet, indem 
meistens nur Brücken über diejenigen Flüsse zu Stande 
gekommen sind , deren Beete im Sommer trocken liegen, 
bies ist bei einem sehr grofsen Theile derjenigen dkr 
Fall, welche ihren Ursprung auf dem nordöstlichen AIh 
fSüle der Apennmen haben , indem es dort an ewigem 
Schnee und Gletschern gebricht, aus welchen die Alp- 
biche so nnversiegbar hervorströmen, und dem nörd-' 
liehen Theile der Lomhardey einen Grad von Frucht* 
barkeit gewähren , der selbst im südlichen Theile dw- 
selben schon vermifst wird. Zugleich haben die Bäche 
imd Flüsse hier ein stärkeres , die Anlage von Bewässe* 
nngs-Anstalten erleichterndes Gefalle. Endlich kömmt 
diesem Theile der Lombardeff die Nähe der nördlichen 
Crebirgswand am gut *'y^ welche alle kalte Winde abhält^ 
während der südlichere Thdl derselben dieses Yortheila 
nicht nnr nicht geniefst, sondern gerade darum mehr von 



*) Ihr Einflurs ist so merklich , daft auf den BorrooMifr- 
sehen Inseln, am Ausgange des Thaies Ton Domo d'Ossola, die 
Orangen- o. Zitronen-Bäume keine reifen Früchte mehr bringen, 
mid im Winter mitDecken and Oefen gegen Frost geschützt wer* 
den müssen, während etwas mehr westwärts am Corner- und 
Garda-See viele jener Fruchte von besonderer Güte erzogen 
vad ausgeführt werden. YergL Br. Bbühmbr in der Flora, oder 
botan. Zeitung 1828. L p. 173-174. 



Nordwindeii Iddet, weil iidi diese, aber den eiabedeckten 
AlpeDkamm wegstreichend, in dnem noch viel höhe- 
ren Grade erkalten, ehe sie sich über die Ebene herab* 
stürzen. So wird denn , aus alieu diesen Crründen m-* 
sammen , Aef Charakter des Ackerbaues im Norden der 
Lombardey merkiich Terschieden ron jenem in Süden. 
Denn jene ^ückliche Gegenden sind es, wo eine Menge 
wasserreicher Wiesen fast unaufhörliches reiches Futter 
gewähren, und wo zahllose Wasserleitungen nicht nur 
lüm Betriebe des ReUsbaues, sondern auch zu Erhöhung 
des Ertrages aus jeglicher Art der Ackecbe^tellung be> 
stimmt sind; während in der Gegend von Bologna und 
weiter südwärts schon die Furcht vor Spatfrösten allein 
das Aufkommen des Reifsbaues fast gänzlich gehindert hat; 
Denn die Winterkalte steigt hier selbst auf 8<> bis 10% 
so dafs dabei sogar der Olivenbaum nicht mehr fort- 
kommt'*'^, welcher dagegen auf den Felsen des südlichen 
MCalahriena wild wächst **). Doch giebt es Leute, welche 
dem Wasser, das aus den See'n am Fufse der Alpen 
ausströmt, noch einen besonderen, weit günstigeren Ein- 
flufs namentlich auf den Graswuchs zuschreiben, als dem 
gewöhnlichen Flufs - und Bachwasser. — So wohlthätig 
nun aber auch der Eindruck ist , den der Anblick dieser 
fruchtbaren Ebene auf das Gemüth des Wanderers noth- 
wendig hervorbringen mufs, so prosaisch ist er zugleich, 
und es verschwindet dieser Reitz für denjenigen bald^ 
welcher Abwechselung der Gegend erwartet Denn nur 



*) Dr. Brunnbr in der Flora od. botan. Zeitung 1828. 1 p. Ifö. 
**) Tbnorb essay aar la g^graphie pbysique et botanique 
du roy. d, Napl; 1827. 



sehr leiten wird das Ackerfeld dni^ StredLen niedtlgeil 
bnschigen Eichenwaldes unterbroehen, den man gerade 
in der Nähe der Heerstrafse anszurotten für rüfthiioh 
gefunden hat, und es fehlt durchaus die Manchfaltigkeit 
der Kulturarten , die wir in Deutschland zu finden ge* 
wohnt sind. Mays, Waitzen, selten Roggen un'd Hafer, 
st^hwdse Reifs und Wiesengras, Pferdebohnen, zu ge* 
wissen Zeiten Lupinen oder seltener Luzerne, sind fast 
die einzigen Ackerkrauter, die man anbauet, und wobei 
die Viehzucht natürlich meist sehr zurückstehen mnfs. 
Aber Brache scheint nirgend Statt zu finden. — Die ein- 
zelnen Aecker und Besitzungen sind durch dichte Reihen 
Ton Feld-Ahornen, Pyramid-Pappeln, Weiden, Kopf- 
Eichen und Ton Maulbeerbäumen allerwärts umgeben und 
durchschnitten, die aber nie so nahe an die Hauptstrafse 
kommen, um derselben Schatten zu verleihen, und an 
welchen sich , zumal an den Ahornen und Pappeln , 
fmchtbelastete Weinranken Ton Baum zu Baum ziehen. 
Die Üeberschirmung der Aecker durch dieselben ist in 
der sonnigen trockenen Jahreszeit mehr Tortheilhaft.als 
nachtheilig. Eine grofse Staubmasse bedeckt alle 6e- 
wachse. Die Menge der nach allen Richtungen zie- 
henden Baumreihen beshränkt die Aussicht, nährt 
aber doch wenigstens beständig die HolTnung auf Ab* 
wechselung. Dieses ist der Anblick, dessen man geniefst 
vom Morgen bis zur Ntcht, und von einem Ende der 
Woche bis zum andern , so lange man die Lombardiscfae 
Ebene durchwandert. Nur selten, wie längs der herr- 
lichen Strafse von Vic€n%a nach Venedig , lassen nahe- 



Hegende Parks und ^artenanlagen «chattige Wäldchen 
Tön exotischen Bäumen wahrnehmen. 

Hat man die Ebene in südlicher oder südöstlicher 
Richtung durchzogen , so gelangt man an die Yorberge 
der jipennmen aus tertiärer Bildnngszeit , welche sich 
hinterwärts an Kalk-, Thonschiefer - und Serpentin- 
Gebirge anschiiefsen. Bald sind sie angebaut, bald lie- 
gen sie öde, aber häufig sind sie von alten lichten Kasta« 
nienbaum-Wäldchen an den Abhängen wie auf den Höhen 
bekleidet. Tiefer in das Gebirge hinein, wie zwischen 
Bologna und Florenz y und in den Mittelgebirgen des 
Parmesahischen ApennrnSy sind die stellen Gehänge meist 
unangebaut , etwa zur Weide bestimmt, aber einige Tau- 
send Fufs über dem Meere auf den mittlem Bergrücken 
liegen von Feldern umgeben hin und wieder Dörfer zer- 
streut, welche denn oft schon In den Vorbergen die 
Thalgründe vermieden zu haben scheinen , wahrschein- 
lich in Folge der altrömischen, in Italien wie in Deutsch- 
land bestätigten , Sitte, die Strafsen überall nicht durch 
die Thäler, sondern längs der Gebirgskämme hinführen, 
was zwar ein häufiges Steigen und Fallen derselben Ter- 
anlafst, aber bei kriegerischen Unternehmungen in feind- 
lichem Lande von Vortheil seyn mufste. An den Ge- 
birgshängen nun, wie auf den Höhen, sieht man hier 
und dort auch lichte Eichen - u. a. Busch wälder , welche 
häufig zugleich Pferden und ffkideren Hausthieren als 
Waideplätze dienen , und überall sehr Ternachläfsigt er- 
scheinen. Gröfstenthells gehören sie Klöstern und Grund- 
herren an ; nur tief in unzugänglichen Hochgebirgen be- 
sitzt der Staat bedeutende Waldungen, die er zum Ab* 



— 81 — 

trieb und Wiederanbau an Privatgesellchaften um Spott- 
preise zu überlassen sich genöthigtgplaubt, und wofür er 
nur sehr selten nach Verlauf der gesetzten Frist einen er- 
träglich bestandenen jungen Wald wieder bekömmt. Einen 
geschlossenen Hochwald hab ich nirgend in Italien gesehen« 
Es ist keinem Zweifel unterworfen^ dafs auch dieser 
Umstand 9 so wie die lockere thonige Beschaffenheit der 
tertiären Verberge, einen bedeutenden Antheil zum 
Wassermangel in diesen Gegenden beitragen. Die spar* 
lidien Quellen gleichen Pfützen , das Wasser ist warm und 
übelschmeckend, und besitzt grofsentheils einen Schwefel* 
leber-Geruch. Aus diesen Quellen schöpft man das nöthige 
Wasser zum Kochen und Waschen , und trägt es an 
vielen Orten täglich 600^— 800^ hoch aus den Thälern 
herauf. So ist es begreiflich nicht fähig, den Durst zu 
löschen, und der Genufs desselben erregt bei dem Un- 
gewohnten nachtheilige Folgen , daher selbst der Land- 
mann einen Krug seines zuletzt gewonnenen Weines mit 
auf den Acker hinausnimmt. — Begehrt man an seiner 
Schwelle einen Trunk Wassers, so kömmt er mit einem 
Trinknapfe toU Wein entgegen. — Beinahe völlig unbe- 
nutzt liegen grofse Landstriche im Hochgebirge deß 
Apennins von Genua bis Pisa, theils wegen der Steilheit 
der Berghänge bis zu den Höhen hinauf, theils wegen der 
Enge der Thäler und Entlegenheit der Dörfer. So fehlt 
dem Apennmischen Hochlande, seiner Ausdehnung un- 
geachtet , der Reitz des Abwechselnden , des Romanti- 
schen und Malerischen, und es erlangt, obschon es 
nirgend bis in die Nähe der Schneegrenze hinaufreicht, 
und der Schnee schon meist vor dem Juni-Monate TöUig 



— «2 — 

^tgge9ehmolsasa ist, im Ganien ein ödes, kahles^ An- 
sehen, im Geg^ensatze der mdsten unter der Schnee- 
grenze hieibenden SchweizergeWrge, des Schwarzwaldea, 
der Vogeseu n. 8. w. , und Terrath durch seine Vege- 
tation fast auf keine Weise , aufser in den ron Süden 
her tief einschneidenden Thälern, den südlicheren Him- 
mel, unter welchem ea li^ Waitzen, an günstigen 
Stellen Mays , auch Hafer, welcher oft zum Griinfüttern 
bestimmt ist, sieht man fast auf allen Aeckern wieder, 
welche dann nur mehr längs der Wege mit Reihen von 
Pappeln und Kopf -Eichen besetzt sind, zu denen sich 
Jedoch auf dem südlichen Abhänge alsbald die Cypresse 
([Cupressns pyramidalis et C. horizontalis Sati) gesellt 
Dieses ist der Charakter der Landschaft in den Apen- 
ninen zwischen Bologna^ Florenz, LtDorno, Skfena, Rom 
u. s. w. , wo jedoch am Kulturgrade , den man dem Bo- 
den gegeben hat, öfters gar wohl die verschiedene Herr* 
achaft zu erkennen ist, unter welcher das Land steht, 
so dafs dadurch dessen Charakter oft mehr als durch 
die physische Beschaffenheit des Bodens und der Lage, 
modificirt wird. — Durch Ungesundheit der Luft, häufige 
Fieber veranlassend, zeichnet sich insbesondere das 
Hügel- und Berg-Land zwischen Zf&omo^ Sgena^ Chäa- 
vecchtä aus. 

Dagegen scheinen alle Reitze des gepriesenen Italiens 
in dessen oberem Theile sich in die Thäler am mdUcken 
Fufse der Alpen und in das schmale Vorland der Riviera 
€an südwestlichen Fufse derApenninen von NizzahiA Pisa 
geflüchtet zu haben. Hier istein günstiger Himmel, 
Fülle des .Wassers und bezaubernde Schönheit und 






_ |a _ 

Abwechselnn j^ der Gegend und regem Fleifiib der Be- 
wohner gepaart Eine Menge frenndiicher ttnddtie, 
herrlieh gelegen, überracfchen den Fremdling. Alle Ge* 
hinge sind hier mit Oelbiumen bepflanzt, die sich, an- 
mal an AerRwiera^ als dichte znsammenhSngende Wilder 
weit hinzfehen, und die Kastanie oftginzUch rerdringen. 
In den Dörfern der Thalgründe sind die Girten tsU 
blühender, und zugleich mit goldenen Früchten belas^- 
ter Citronenbaume , die dem Wanderer wie aus einem 
andern Welttheile ehtgegenwinken , und die Mühe des 
arbeitsamen Landmanne« reichlich lohlien. Derselbe 
Charakter: Schönheit, Abwefchselung der Gegend, üppige 
Vegetation, fremdartige Pflanzen, neue Kulturarten wie> 
derholen sich in der Umgebung Neapels und weit^ süd- 
lich: letztre schon nicht mehr allein Folge geschützter 
Lage und zufallig günstiger Ums^nde, sondern der ge- 
ringern geographischen Breite und allenfalls der Nachbar- 
schaft des Meeres. Doch ich enthalte mich jeder weitem. 
Schilderung, da diese theils schon früher *^ mitgetheilt 
worden, theils spater zweckmafsiger eingeflochten wer* 
den kann "^^y Nur die Frage glaube ich hier noch be- 
rücksichtigen zu hiüssen : Wie es komme, dafs die Mi- 
viera di Levante zwischen Genua und Pisa reichliches 
und klares Quellwasser besitze, wahrend die Nordostseite 
der Apenninen in derselben Erstteckung nur kargliche 
und .im Sommer grofsentheils vertrocknende Quellen hat, 
obschon der Gebirgsabhang auf der ersteren Seite oft 

*) Im ersten Bande : S. 364 ff. , besonden 408. 

**) In einem «pätern Abschnitte über die Landwirthschaft 
in Lueea. .* 

Mmm, SMm i/. 3 



- ¥ - 

kaiuB 6,«der auf letzterer aber bis gegen 25 Standen 
breit idfl — Einmal scheint die ktstre Seite deg Apen- 
ninenkammes kahler, die erstere bewaldeter zu seyn, 
and jn mittleren Höhen wenigstens sind dieOlirenwälder 
sehr verbreitet, obgleich diese andrerseits, ihres dünnen 
Laubes wegen, nar eine sehr unvollständige Beschat- 
tung des Bodens gewähren. Diese Wälder dürften wohl 
etwas zum Niederschlag der atmosphärischen Feucht^- 
keit beitragen. Ein zweiter, wichtigrer Grund aber ist 
der,' dafs auf der Seeseite durchaus nur festes Gebirge 
ans Thonschiefer, Grauwacke , Gabbro und Kalk vorhan- 
den, ist , « und sich so an vielen Stellen unmittelbar vom 
Meere aus erhebt. Dieses Gebirge schluckt kein aus 
der l^uft niedergeschlagenes Wasser ein , sondern das- 
selbe mufs sich auf der Oberfläche des Gesteines sam- 
meln und ablaufen, wo es dann in Felsklüften geleitet 
wird und darin fortrinnet, bis es irgendwo in gMfserer 
Masse vereinigt , wieder als Quelle zu Tage kommt, und 
nun dem Meere zuströmt. Die Enge derXhäler, die 
Steilheit ihrer Wände, die reichlicheren Wälder gewäh- 
ren den Bächen in ihrem Laufe weit • mehr Kühle und 
Schatten, als sie auf der entgegengesetzten Gebirgskette 
genielsen, wodurch deren Verdunstung doch in e|twas 
verringert werden mufs. Auf der Nordostseite aber erhebt 
sidi das Gebirge nicht so steil aus der Ebene; festes Ge- 
stein bildet nunmehr' den Innern Kern der Gebirgs- 
kette, an welcher sich tertiäre Formationen, aus Gerolle, 
Sand, Mergelerde und Thonerde bestehend, oft bis auf 
die bedeutendsten Höhen hinauf, und oft weit in dieThäler 
hineinziehen, und theils alles niedergeschlagene Wasser 



1 



— S5. — 

t 

I 

i , sich in die Tiefe Tersenken lassen, theils aber es angen-; 
blicklich in g^rofser Menge binden (^die Thonerdeschich- 

) ten} und festhalten , bis es allmählig wieder darch Ver- 

r i dünstung in die Atmosphäre übergehet. — Endlich aber 

{ ist Tielleicht noch eine dritte Ursache bei der Quellenbiir 
dung von nicht zu übersehender Wirksamkeit: nämlich die 

' Sichtung des Gebirges selbst in Beziehung zur Himmels- 
gegend und zum Meere. Von der südwestlichen Seite 
her erhebt sich aus dem Meere eine grofse Menge von 
Dünsten, und steigt, noch durch die Refraktion der Son- 
nen^ahlen'aii der steilen Gebirgswaud begünfitiget, bis 
vaa^kpennmenkamtne hinauf. Dort aber kommen ihnen 
Strömungen kühlerer Luftschichten aus Norden und 

I Osten entgegen, oder sie selbst, mit den nun freier be- 
wegten Luftmassen über dem Apennin in Berührung 
gekommen , treten an diese letzern einen Theil ihrer 

' Wärme ab, und werden dadurch genothigt, sich selbst 
iheilweise an der Gebirgsoberfläche abzusetzen, wodurch 
dann die Quellen genährt werden. 

Die Winterkälte Italiens scheint gßgen jeneron Deutsch- 
land mehr zurückzubleiben , als die deutsche Sommer- 
wärme hinter der italienischen. Jedenfalls aber liegt der 

I . 

wesentliche Unterschied in der Temperatur beider Länder 
nicht aowohl in dem Grade als in der gleichmäfsigen 
Daner, während welcher im Sonuner dort aUe Gewächse 
nmmterbrochen ihrer Reife entgegengehen, nie von einem 
Spätfroste bedroht, der bei uns , wenn er nur aufserge- 
wöhnlich eintritt, so manches PfljEinzenleben geßh^et, 
so manchen Jahrestrieb tödtet Im Winter hingegen sinkt 
die Temperatur nur bis zu einem, die Vegetation unter- 



— «• — 

breehenden, nie todtenden €rrade herab. Sein Heran- 
nahai verkündet sich durch anhaltenden Regien, welcher 
in Sixäien und SüdüaUen früher, als im nördlichen, be- 
ginnt : dort nHmlich schon im Oktober, hier erst im 
November. Seine Daner ist etwa 4 Wochen^ nnd der 
Reisende, welcher bei Be^nn der Reg^enzeit Oberitalien 
verlafst , kann Neapel ereilen , wenn sie dort geendet 
hat. Nachher folg^ abwechselnde Witterung: trockene 
nindich mit Strichregen , während dessen in den Gebir- 
gen Obe^taliens Schneegestober x Statt zu finden pflegt 
In der Ebene der Lombardeyy in Rom n. s/w. sc||[||eiet 
es nur selten, oder d«^ Schnee fallt nur um augenblick- 
lick zu schmelzen. Nur im Winter 1826/2T blieb der 
Schnee an den genannten Orten ausnahmsweise Tage- 
und Wochen-lang liegen. In der Rwiera aber und in 
Neapel und Sizilien tSUi fast nie Schnee, und die höch- 
sten, sehr schnell vorübergehenden Kältegrade jedes 
Winters bleiben dort noch immer 1® — »2** über o*). Da- 
her dann dort schon im Jänner und Februar eine grofse 
Menge von Garten- und Feld-Gewächsen in Blüthe tritt. 
In ShiUen ist November bis Ende April, mit Ausnahme 
der einzelnen Regentage die angenehmste Zeit zur Reise, 
indem nun diejiitze nicht zum Unerträglichen steigt, 
und in der zweiten Hälfte jener Periode alle Hölzer grü- 
nen und die Flur voll blühender Pflanzen ist. In Ober- 
Italien aber werden in diesen Monaten zumal nur Nisxa 
und Piaa^ ihres warmen Klimas wegep, von Fremden be- 



*) Eine grofse Ausnahme war der Winter 1829 auf 1830, In 
Turin und Mailand betrug die Kälte lange Zeit 10 — 12^ R«, 
und 00 verhältaifsmafdg in /{<mi und N^apel^- 



— st — 

I 

wohnt, und schon die Thaler der Verberge der jipeh" 
ninen sind, theils des Schnees, hauptsächlich aber der 
sehlechten aufg^eweichten Weg^e willen, schwer zuganglich 
für den Fremden. Der Frühling mag dort um 8 — 12 
Tage früher als bei uns eintreten , aber seine Dauer Ist 
kurz ; der Sommer ejlt dem unseren schon mehr vor- 
an, und die Pflanze, welche dort 8 — 10 Tage früher ge« 
Mühet, tragt schon 18 — 24 Tage früher, als bei uns, 
reife Früchte. Im, südlichen Italien aber, wie an der 
Südküste TOf Frankreich^ findet die Weinlese meistens 
mn Tolle 4 Wochen eher Statt , als in Deutschland , ob« 
schon auch dort an rielen Orten die Rebe, ohne sorg« 
same Pflege , sich im Schatten ihres eigenen Laubes und 
dem der sie stützenden Pappeln in die Höhe schlingt 
Ununterbrochen, von^den ersten Tagen des Majes bis 
in den September wahrt dort eine gleichförmige Tempe- 
ratur Ton^ — ^'R, und in Sizilien von 28^— 82«, 
(zuweileiSdS® J ifT Erfolgt, auch ein Gewitterregen, 
was nur selten Ist, so hat er keine merkliche Abk^h- 
lung der Temperatur zu Folge. Das Jahr 1827 war 
durch die Menge von Gewitterregen ausgezeichnet, deren 
im Durchschnitte wenigstens einer in der Woche in den 
Gegenden zwischen den Alpen miA' Bologna Statt fand, 
aber gleichwohl ohne die Temperatur der Luft, wie ich 
oft gehofft hatte , zu erniedrigen. Wie sehr einerseits 
die Vegetation am südlichen Abhänge der Alpen durch 
seine gegen Norden geschützte Lage begünstiget werde, 
wie wahrscheinlich andrerseits die oben aufgestellte Hy- 
pothese werde , dafs die im Süden hoher Gebirgsketten 
rdchlicher aufsteigenden Dünste einen auffallend bedeu- 



— 88 — 

tenderen Niederschlag Teranlassen müssen, sobald sie bis 
in die Nähe des Gebirg^skammes emporgehoben worden 
sind, und dort den kühleren Luftströmungen beg^eg^en, 
dieses mag aus einer Beobachtung erhellen , die man in 
Tyrol zn machen Gelegenheit hat. Dort nemlich ziehen 
sich die Zitronen-Pflanzungen Tom Corner - und Gar da- 
See in den südlich ausmündenden Alpenthälern bis Botzen 
unA Brisen hinein, und die Reb-(^nirlanden , Ton Baum 
zu Baume geschlungen, rufen noch Italienische Bilder zu- 
rück, obschon bereits im September, vor der Trauben- 
Aerndte , der Schnee an den Gebirgshgngen schon so 
weit herabreicht, dafs man gleichsam mit der einen Hand 
den Deutschen Winter, mit der anderen den Italienischen 
Sommer erreichen zu können glaubt. Denn beide sind 
nur um wenige Hundert Fufse i^ einander getrennt. 

Es scheint fiist erwiesen, dafs das Klhna Italiens, 
gleich dem andrer nördlich liegeiAn UMer in ge^ 
schichtlicher Zeit sich bedeutend erhöhet haiR, was um 
so auffallender ist, als man neuerlich auf Terschiedenem 
Wege zu dem Schlüsse gelangt ist, dafs sehr wahr- 
scheinlith in Torgeschichtlicher Zeit das durch die innere 
Wärme bedingte Klima der Erde ganz allgemein mit der- 
selben abgenommen habe , und selbst noch jetzt , wenn 
auch für die wärmeren Zonen wenigstens in unmefsbar 
geringem Grade, in Abnahme begriffen seye. Allein 
Tieie Stellen aus alten Schriftstellern geben ganz bestimmt 
an, wie noch unter den früheren römischen Kaisern und 
später der Pontus Euxmus y das Adriatische Meer bei 
Venedigs der Tiber und andere selbst noch südlichere 
Flüsse Italiens jährlich zugefroren seyen^ und schon 



— 89 — 

BAKRmoTON ^^ hat eineii ^ofsen Theü 4er dahin den* 
tenden Stellen aus klassischen Schriftstellern gesammelt. 
Andre liefsen sidi noch hinzufugen, so wie es bekannt 
ist, dafs früher auch die Ostsee oft zufror« Sollte die 
Auslichtung der Wälder, zumal auf den Kämmen der 
Hochgebirge (^und deren Verdrängtwerden durch die sich 
tiefer senkenden Oletschern der Schweitz!) einen hin- 
reichenden Erklärungsgrund für dieses Phänomen abzu- 
geben im Stande sejn ? Vielleicht gelingt es mir spater, 
darüber weitre Untersuchungen anztistelien. 

Die physische Geographie des südlichen Theiles von 
Italien ist kürzlich von Tenors in einem besondern Werke 
sehr ausführlich abgehandelt Worden (s. SJ 28. Anm.)- 

Die Bauart der Städte und Dörfer ist im ersten Theile 
an vielen Stellen geschildert worden, was ich hier nicht 
wiederholen will. Aber noch hatte ich dort das stolze 



*) Dainbs BarHington an InTestingation of the difference 
between the present temperature of the air in Italj,and some 
other conntries , and what it was seyenteen centuries ago. — 
PhUofloph. Transact. for the Year 1168. vol. LVIII. (Lond. 1769 

4.) p. 58 — 61. Zwar sucht der treffliche Schovw , gegen 

die in gleichem Sinne Ton Abb^ Mann gesammelten That* 
■achen, zu beweisen, dafs in Italien die mittlere Tem|Arafhr 
nicht , oder doch nur nm 1^ — 2^ zugenommen haben könne, 
indessen können wir doch die Menge von Hinweisungen auf 
strenge Kälte und starkes häufiges Eis in den Flüssen Italiens, 
di6 sich in den Schriften yon Yinciii und Otid finden, nicht 
für YÖUig ungegründet halten. Vergl. „Schouw über die anger 
nommenen Veränderungen in der meteorlogiscben Constitution 
Terschiedener Theile der Erde, während der historischen Perio- 
den;'' aus BBEW8TEB's,Edinb. Joum. of. Science, Nro.XYI. p. 311* 
in FaojiiBP's Notizen Band XXI. 182a S. 241 ~ 2&0, 



_ 40 — 

» 

Genua nicht gesehen, das alle Abrfge Stadle Italiens 
und TielleichtEnropa's weit hinter sich läfst. Halbbogen-- 
förmig liegt es ausgegossen über die amphitheatralisch 
sich übereinander erhebenden, manchfaltigen , aber lei« 
der ToUig kahlen Absätze des Crebirges. Längs dreier 
ansammenhängenden langen Strafsen sind die schönsten 
Häuser der Stadt geordnet, jedes einem Pallaste gleich: 
grofs, im edelsten herrlichsten Style, vom köstlichsten 
Marmor und andern kostbaren Baumaterialen errichtet, 
und von innen mit aller Pracht ausgeziert : alle rein und 
neu erhalten; und wenn Genua gleich nicht mehr die 
Meerherrscherin ist, so hat es doch Tielleicht weni* 
ger an seinem inneren Glänze verloren, als irgend 
eine andere der gröfsten Italienischen Städte. Maüand 
ist dagegen nur eine schöne regelmäfs^e Stadt, wo selbst 
der Pallast des Yicekön^es nur zum weitläufigen Hause 
herabsinkt. JFJorens erregt unfreundliche Empfindungen 
durch die Kastell - artige feste Bauart aller gröfseren 
Häuser. In Born kann man, mit Ausnahme der Peters- 
Kirche, einen edlen und gtofsartigen Baustyl fast nur 
an den verfallenen Denkmälern untergegangner Macht 
^ bewundern , und selbst diese werden täglich mehr ver- 
schleudert. Venedig hat in den Zeiten seiner Gröfse 
einen elgenthümlichen, manches Schöne erschaffende 
Baustyl sich ausgebildet , und überall das ' köstlichste 
Material angewendet, aber seit mehren Dezennien geht 
es mit unglaublicher Schnelligkeit seinem Verfalle ent- 
gegen , und nirgend fast sieht man das schadhaft Gewor- 
dene dem gänzlichen Untergänge entrissen. Selbst seine 
Entvölkerung geht eben so schnellen Schrittes voran ^ 



— 41 — 

V 

«F - 

als Triest deh hebt "*"). Neapel bedtst |^obe, aber hnge 
nicht so prächtige Gebäude,* als Genua \ die Mehrzahl 
derselben besteht in Kirchen; aber die Lage und Um« 
gebung ist weit herrlicher, reicher, üppiger, und nur 
in dieser Hinsicht läßt es Genua hinter sich. Doch ist 
eine Stelle in Gemüts Nähe, einzig in ihrer Art, hieroii 
ausgenommen« Kömmt man nämlich auf der, oft in Fei« 
Ben gehauenen, i^trafse von Chitweri her, so steigt man 
znietzt eine mit Olivenbäumen bedeckte, an Dörfern 
reiche, Anhöhe hinauf^ und, .dem Kamme derselben nahe, 
tritt man in einen durch den Berg getriebenen Stollen 
ein, geräumig genug für den Durchgang grofser Wagen. 
Unsichres Düster nmgiebt hier den Wanderer, bis er 
endlich, am andern Ende, herauskommend, durch einen 
wahrhaft bezaubernden Anblick überrascht wird. Vor 
ihm der Spiegel des unendlichen weiten Meeres. B^chta 
das Gestade , in die hohe Apenninenkette schroff sich 
erhebend , und nach Beschreibung eines Halbbogens in 
blauer Feme bei Finale sich rerlierend. Zn sdnen 
Füssen, obgleich noch etwa 8 Stunden entfernt, das h^r* 
liehe Genua! 



*) Jedoch ist Venedig seit 1829 wieder Freihaven geworden« 



/ 



IV. 



Von der Art, 



in Italien zu reisen. 



Jlime jn Deutschland so gewöhnliche ^nd Tielfaltig an- 
genehme Art des Reisens, zu Fufse nämlich, ist in 
Italien fast gänzlich unbekannt ; was theils im dortigen 
Klima, theils aber auch in der l^tte der Italiener begrün- 
^ det ist, nur in Geschäften, nie zunu Vergnügen, zu rei- 
sen. Der mit den Personen und Preisen bekannte Ita- 
liener findet täglich für sehr wem'ge Kosten Gelegenheit, 
Ton einem Orte zum andern zu fahren; was er dann 
auch nur in der Aussicht thut , seine Reisekosten reich- 
lich wieder zu gewinnen. Zu Fufse sieht man nur im 
Herbste die, Ton den Alpen in kleineren oder gröfse- 
ren Gesellschaften herabkommenden, Deutschen Stu- 
denten reisen^ oder je zuweilen einen nach Florenz 
oder Rom ziehenden jungen Künstler. Und , wie man 
sich aus dem früher Erzählten erinnern wird , sind nur 
sehr wienige Gegenden ihrer Schönheit wegen eines fi»e- 



— 4» ~ 

1 

• ■■ 

BQGhes oder eines Aufenthaltes oder genauerer Betrach- 
tung auf einer Fufsreise werth. Einen grofsen Theil des 
Jahwes hindurch macht dep häufige Stauh der Chausseen, 
^ die unausgesetzt brennende Sonne, gegen welche keiii 
> Baum und keine Wolke den Wandrer schirmet, der 
Mangel frischer reiner Quellen zum Trunk oder zur 
Abkiihlnng, selbst die laue Temperatur des nicht in küh- 
len Kellern , sondern nur in dunkeln Erdgeschossen auf- 
bewahrten, oft sehr schlechten Weines, ^as Reisen zu 
Fufse sehr lästig und anstrengend. Kein überraschender, 
bei jedem Schritte sich erneuernder Anblick, iäfst (wie 
in der Sehweitz) den Wandrer die Beschwerden der 
Reise vergessen. Der Wirth, welcher solcher Gäste weder 
gewohnt is^, noch sie zu beurtheilen versteht, würde 
sie unfreundlich empfangen, und ihnen weniger Auf- 
merksamkeit schenken. Man erzählte mir Ton mehrem 
jungen Bolognesern , welche , in der Schweüx erzogen, 
dort öfters zu Fufsreisen yeranlafst , dieselben einst 
auch in Italien fortzusetzen versuchten, und lange Zelt 
anwendeten, um sich dazu bequem und zweckmäfzig- ein- 
zurichten, aber schon im nächsten Dorf sich eine Kutsche 
mietheten. ^ 

Also zu Wagen: und da ist denn auch kaum ein 
Land, das so häufige, und für den Orientirten meist 
auch so billige Wagen- Gelegenheiten dem Reisenden 
darböthe. 

Erkundigest Du Dich um einen Platz in einem Wagen 
nach N. , so wird Dir alsbald der Hausknecht einen 
Hauterer (^Yetturino^ zuführen, oder, ist es eine 
gröfsre Stadt, der Lohnbediente Dich nach einem ^^ 



— 44 — 

witseii Pktee, in ein gewisses Wirthshans geleiten, wo 
eine grofse Menge Yetturini Tersanunelt sind« Bist Dn 
fremd, kennst Dn nnr den« Kellner des Hauses, den 
Hausknecht, welcher den Kiftscher zn Dir führt, hast 
Dn dich erst Torbin bei jenen nm die gewöhnlichen Preise «j? « 
dknnd^et, so wird der Vetturin Dir grofse Fordemngen 
madien. Mit Miihe erhältst Du zuletzt einten Nachlafs 
angestanden. Du schickst ihn weg, nnd verlangst einen 
andern, so Vegdirt dieser genau eben so viel, oder 
noch mehr* Gehst Dn ans, nm auf der Strafse irgend 
einen Hauterer sdbst au&ufinden, was in der Regel nicht 
achwer iallt, so treten. Dir die zwei yorigen überall in 
den Weg, sie verfolgenDich von Feme ; wenn Du Deine 
Schritte dahin richtest, wo sie noch andre Hauterer 
wissen; sie lassen Dich gehen, wenn sie nicht fürchten, 
dafs Du einen finden werdest. Durch ein Dir leidit 
entgehendes Zeichen verständigen sie sich mit jedem , 
der Dir begegnet Wäre irgend einer geneigt, Dich wohl- 
feOer aufzunehmen, verstindiget sich aber mit dem an- 
dern, und nöthigt Dich endlich, ihm den hohem Preis 
sn entrichten, so theilt der, welcher ihn empfangt, 
da8jeii%e, was über die Taxe ist, mit den andern. — - 
Bist Du dagegen über die Preise unterrichtet, und bietest 
genau nur die Taxe, ohne auf eine etwaige höhere For- 
derung nur zu antworten, 86 wird der Handel bald billig ' 
abgeschlossen. -^ Besuchst Du den Platz , wo die Yet* 
turinen sich beisammenzuhalten pflegen , so strömen Dir 
schon von ferne zehn , zwölf derselben entgegen. Au- 
genblicklich erkennen sie, ob Dn über die Route, die 
^IStelegenheit,, die Preise gehörig unterrichtet bist. Alle 



— 44 — 

sprechen $u gleicher Zeit mit Dir. Da Terlanggt eniDiA 
nur einen zu hören. ),Ich habe^einen guten Wagen, 
„zwei Tortreffliche Pferde : Wo will Eure Herrlichkeit *) 
,^n? Ich führe aie nach Turin ^ nach Venedig , nach 
y,Fiorenz. Wann wilf sie reisen? Ich bin jeden An« 
^enblick zu ihren Befehlen. Wir reisen sehr schnell^' 
— , Jch will nur nach N. , denke nach Tisch abzureisen, 
>,iind hoffe , dafs wir in zwei Tagen bequem da sind.^^ 
,,Nach Tische 1 Das ist nicht mögDch; da sind die 
„übrigen Passagiere noch nicht fertig; doch morgen mit 
,,dem Frühesten !'^ — „Aber in zwei Tagen ?'* — ^ ,;Sie 
„denkt wohl , ich will meine Pferde ruiniren bei dieser 
,^tze? Wir brauchen drei Tage.'' — Sind der Preis 
und alle andern Bedingnisse festge^zt, so giebt Dir der 
Yetturin eineii oder zwei Späüsche Thaler in die Hand — 
Caparre genannt, — welche er verliert, falls er die einge* 
gangenen Verbindlichkeiten nicht erfüllt, und welche « 
Du ihm doppelt zurückgeben mufst, wenn Du zur be* 



*) JLa Yottra Signoria*^ oder gar wie der Neapolltanet^ 
tagt: JEccellenza;*' daher wohl der häufige Gebraaeh der 
dritten weiblichen Person des Singolaris mit ,y£lla.^ Bei ge- 
wöhnlicher Unterhaltung gebraucht man nur das Pronomen 
„lei^* oder lafst noch öfters auch dieses ganz weg. In der 
Lombardei ist der Grebraack der dritten Person Ploralis auch 
unter gebildeten Leuten gewöhnlich, woTon man sich an andern 
Orten hei diesen sehr hüten mufs. Aus dem Obigen erhellet, 
dafs die Frage ,^come sta?*' nicht mit ^Wie steht es'' nber-^ 
setzt werden könne. Sie heifst eigentlich „come sta eila'^t 
»Wie steht sie f — Eure Herrlichkeif' nämlich ; daher die 
Antwort : j, sto bene : ich stehe gut '' und der Abschiedsgrufs 
«stiabene: stehe sie gut,'^ oder wie der Piacentiner Bauer 
sagt ,»stagha bene.'^ 



gtimniten Zeit nicht reisefertig bist ; mid nim fuhrt er 
Dich. zQ irgeild einem der übngenYettarins^ und sagt : y,Der 
^wird morgen iLommen, sie abzuholen: Ich, ich habe 
,,eine andere Route.' Eure Herrlichlceit verKert nichts da- 
^,bei: seine Pferde und sein Wagen sind noch besser, .als 
„die meinigen. — Du (sagt er zu dem andern^ hast 
„Ton dem Herrn 8 Thaler für den Platz, und 2 Thaler 
„Caparre zu bekommen. So, nun kann sie unbesorgt 
„schlafen, er wird sie wecken lassen.^^ — Hatte derVet- 
turin Dir mehr abrerlangt, als die Taxe ist, so giebt er 
dem andern nur den Betrag der Taxe, und behält den 
Ueberschufs ganz für sich, im Falle Du nur ausdrück- 
lich mit ihm zu unteAandeln rerlangt hattest Keiner 
darf einen andern noch in Unterhandlung stehenden 
Vetturin unterbrechen, oder herabbieten. — Kömmt es 
dem. Reisen^n auf gewisse Bedingmsse , die sich sonst 
▼on selbst yerstehen, besonders an, so mufs er sie nen- 
nen; denn er kann nichts in Anspruch nehmen, vras nicht 
ausdrücklich ausbedungen ist; daher die Vetturini sich 
•stets in möglichst aUgemeinen Ausdrücken zu &8sen 
suchen. Versprechen sie, dafs man noch früh am Tage 
(^a buon ora, zu guter Stunde^ an Ort und Stelle an- 
komme, so ist man nicht sicher, ob es vor neun Uhr des 
Abends seye. Haben sie Zeit und Platz iibrig, so zögern 
sie mit der Abreise, so halten sie sich unterweges über- 
all auf, in der Hoffnung, noch einen Passagier aufzu- 
treiben. Ist dagegen der Wagen besetzt, und der Akkord 
festgeschlossen, so. reist man mit^ den Vetturini auch oft 
sehr schnell Von Florenz bis Bologna braucht der 
Briefkurrir 16—18, der Vetturin meist nur 22 bia 



— 41 — 

26 Stunden. Er fahrt z. B. am Abende 8 Standen un- 
ausgesetzt bergan 9 übernachtet Ton 12 bis 4 Uhr, ruhet 
am folgenden Mittag 2 Stunden^ und langt ohne sonstigen 
Aufenthalt jn Florenz an. Die Wagen sind in der Regel 
knapp sechssitzig im Innern , der gedeckte Bock wird 
ebenfalls zu geringerem Preis an drei Passagiere über- 
lassen, weni^ sich so viele einfinden, wo dann der Kut- 
8€her selbst sich queer auf die Deichsel setzt Kein Pas- 
sagier im Ii^nern hat bei längern Reisen Anspruch auf 
einen gewissen Platz. Bei jedem Aussteigen pflegt man 
zu wechseln , obschon dieses nicht immer regelmäfsig ge- 
schieht Man kann sich selbst nicht immer einen Rück- 
nnd Eck-Sitz ausbedingen. Besteht einer darauf, so o&ufs 
ei* mehr bezahlen^ und es müssen unter den übrigen 

• ■ * 

sich einer oder einige finden, die sieh gegen Erleichte- 
rung ihrer Taxe bereit erklären, immer mit dem Vorder- 
sitz Torlieb zu nehmen, was derVetturin zwar allein ab- 
zumachen hat, was er aber in der Folge , ^|nn Kolli- 
sion entstehen sollte , gerne ^norirt, so dafs^ne solche 
Bedingnifs für einen Reiflnden, weni^ er darauf bestehen 
wollte, leicht Unan^famlichkeiten herbeiführen könnte. 
— Es ist , um der IRilHng der gemachten Bedingnisse 
^ewifs zu seyn^ höchst wichtig, dafs man weder die Ca- 
parre zu frühe zurückgebe, noch den Platz im Wagen 
früher , als am Ziele der Reis^ und nachdem man alles 
Bedungene ToUständig eraalten hat, bezahle. Hat dn 
Vetturin für den andern den Akkord geschlossen , und 
die Caparre gegeben, so nimmt er öfters bei der Abfahrt 
Veranlassung , dieselbe Tom Reisenden , statt vom Kut- 
scher, sifch zurückzahlen zu lasseui und schon in diesem 



Falle bt man sehr der WiDkohr des lelslerea aoageaetit, 
der nun selbst keine Caparre an Terileren hat, nnd denkt, 
dafs der Reisende in diesem Augenblicke doch nidit 
gerne znrficktreten werde, aber nach,. Tollendeter 
Beise ilim das Bedvngene wird besahlen müssen. Doch 
mit allen Yorsichtsmafsregeln kann man sich nicht 
genug hüten. Reiset man von JPtarenx nach Lioamo , 
so werden Wagen nnd Pferde alle 4 Stunden, wie anf 
der Post, gewechselt, was man aber, von den Hanterem 
wenigstens, nicht Torans erCihrt Man zahlt, wenn ich 
nicht irre, 18 Francs. Jeder nnterweges abgehende Yet^ 
tnrin verlangt nun beiahlt zu werden. Hier giebt man dann 
jedem entweder genau sein Ratum, oder behalt sich Tor, 
erst am Ende zu zahlen, was indessen hier Unzufrieden- 
heit erregt. Sind im Wagen nicht mehre Reisende , die 
nach Püa gehen, so wird dieser Ort umgangen. Ist 
nur einer darin, so pflegt derHauterer ihn, zur Erspamifs 
des Tho^eldes, Tor der Stadt abzusetzen. Ein Eng- 
lander (so erzahlte einst der Schweitzer Tor dem^Kaffee- 
hause am Arno) , der sich oRses nicht wollte gefallen 
lassen, weil er accordirt hatte, d^ man ihn mit seinem 
Koffer in die Stadt bringen mllse , erhielt Tom Vetturin 
zur Antwort, dafs derjenige Kutscher, von dem er ihn,., 
fibernommen, eben so wenig als der Engländer selbst, 
bei der Uebemahme i^ davon etwas gesagt habe, und 
dafs er sich daher nicht danun bekümmern werde. Da 
Terweigerte der Engländer die Zahlung , bis er endlich 
mit dem Kutscher dahin kapitulirte , dafs derselbe ihm 
wenigstens seinen Koffer frei in die Stadt Uefre, indem 
er selbst, als auf der Strafse sitzender Fremder, dabei 



— 4» — 

«ebr fibeftheuert werden wurde. DerKutoeher rief eiaea 
Ftcktrager herbei, unterhandelte, hielt aber nur Wort^ 
Ua er daa Geld erhalten hatte, womach er anfsticy, und 
davon üohr. 

Macht man ^öfaere Reisen mit einem Vetturin , sp 
ist ea eben ao gewöhaUch als vortheilhaf t , dafs man in 
den Preis Zehrang und Bette beim Uebernaehten (^„Car 
mem e pasto^^^ mit einbedinge* Denn unter Tag aehrt 
jeder nach Gutdünken und Geliisten» so riel er will und 
jo liel er kann> da sich auf manchen Routen wenig 6e^ 
legenbeit dazu biethet; nur am letzten Tage der Reise, 
bevor die Gesellschaft sich trennt, antizipirt man dann 
das ausbeduagene Abendessen. Dieses mufs , ohne wei- 
tere Erinnerung aus 6 — 8 Schusseln bestehen , und 
das Bette mufs rein und durchaus erst frisch gedeckt 
seyn, wofür jeder gute Vetturin^ alsbald sorgte und wo- 
rauf jeder Reisende bestehen darf. Doch gewöhnlich 
werden 2 — 8 derselben zusammen in ein Zimmer ver^ 
wiesen p weil auf den Stationen meist mehre Wagen mit 
Seisenden zum Uebemachten anlangen, und diese pflegen 
defshalb , so wie sie gerne beisammen seyn wollen, jeder 
sieh sein gewünschtes Bette durch Belegen mit seinem 
Mantel, Nachtsacke u« dgU möglichst bald zu bezeichnen. 
Für Camera e pasto berechnet sich der Vetturin im 
Akkorde «twa 4 Francs für jeden^ Tag , denn so viel 
zahlt er selbst meist herkömmlicher Weise in den Sta*- 
tions-Wirthshäusern; während der Reisende, der jedoch 
dann eher eui besondres Zimmer verlangen könnte, für 
das Gleiche weit mehr bezahlen mufs. Ich hatte einst 
Erfahrung in Bologna gemacht, vfi^^florenz mit 

Brfmm, Bette, il, 4 



ffdnreni Devtsdieii kommend. Ich hatte mit dem Kvt« 
flNJier fftr 'jenen Abend nicht akkordlrt, vreä fdi in Bo^ 
togna bldben wollte. Ich afs jedoch am Abende mit 
meinen Reisegefährten noch am nämlichen Tische nnd 
aus denselben Schüsseln : nnr ein Zimmer eiiiielt ich 
besonders. Der Kutscher, ein Schweitser, wurde auf 
der ganzen Route ^ die er zum erstenmale machte — > er 
hatte eine Englische Familie über Genua und Pisa naeh 
Fhren% geführt — * unter den herkömmlichen Beding« 
nissen tou dem WIrthe aufgenommen , und zahlte daher 
für jeden seiner Passagiere 4 Francs ; ich aber mufste 
acht f|ir mich entrichten. Der Yetturin sitzt ge^^ohn'- 
lieh am nämlichen Tische, zehrt mit seinen 6Sst^, 
raisonirt über Politik u. dgl. — Trinkgeld bekommt er 
von jedem der Reisenden, wenn deren mehre sind, tSgHch 
etwa ^ — ^1 Franc. Auch das Trinkgeld in den Wirths- 
häusern, wo er übernachtet, pflegen die Reisenden, mÜ 

4 

8 — 10 Kreutzer unsres Geldes, zu entrichten. Für die 
Bedienung während des Essens allein giebt man etwas 
weniger, für die während des Aufenthaltes Ton einem 
ganzen Tage etwa das Doppelte ; was meist schon für 
reichlich gilt: ein Italiener würde es nicht geben. 

Englische Familien akkordiren häufig mit dem Tet« 
tnrln auf längere Zeit und über ihren ganzen Unterhalt 
während der Reise. Sie bedingen sidh aus, da oder 
dort einen oder einige Tage anzuhalten, diescjs oder 
jenes «u sehen, und der Yetturin mufs alle Auslagen 
bestreiten. Auch einzelne Personen , mit einem Kabrio* 
let reisend, nehmen ihre Yetturini oft auf lange Zeit,^ 
auf Ol onate in Dienst 



— 51 — 

Oder sie reteen, in der Re^el, mit e^^enem Wagen 
Extrapo^, und nehmen sidi für diesen Fall einen Ite» 
lienifiielien Bedienten an, bis sie irgendwo sicli nleder«- 
lassen. Dieser erhält dann tätlich einen reichlichen Lohn, 
handelt dagegen aber allerwärts, wenn er nicht Ton selt- 
nen Landslenten selbst fiir einen Spitzbuben erklärt wei«- 
den soll, die Preise sehr gewissenhaft aus, wobei Ihm 
ron den Wirttien u. s. w. sehr wenig Schwkrigkeileii 
gemacht werden; denn für den Italiener hat Alles seine 
billige Taxe. £ben so^ wenn voask in irgend einer Stadt 
ihre Merkwürdigkeiten zu sehen verweilt, und sich dnea 
der Lohnbedientenauf je einen Tag XBisXkk^^ die die Frem- 
den herumfuhren , so darf man in der Regel versichert 
seyn, dafs man nichts zu theuer bezahlt, was man nach 
seiner Angabe entrichtet Wenn mehre zusammen einen 
Lohnbedienten (servitore di piazza, uomo di piazza, 
oder uomo schlecht weg3 nehmen , so können sie auf 
diese Art bedeutend gewinnen. — Siebt ma9 in Gesell- 
schaft Andrer Antiquitäten, Gemäldesammlungen u. dgl. , 
so giebt jeder dem herumführenden Bedienten 8, ICK*— 19 
Kreutzer, wenn nicht, wie in einigen Römischen Priyat- 
y Sammlungen, höhre Taxen zum Yortheile des Eigen- 
thumers selbst eingeführt siud. 

Reiset man mit eigenen Pferden^ und verweilt dana 
an iif end einem bedeutenderen Orte eine oder ein%e 
Wochen, so kann man dieselben unter weit vortheil- 
hafteren Bedingungen als im Gasthofe , in Privathäusem, 
bei Kutschern u. s. w. einstellen. 

Ordentliche Düigencen sind nur auf einigen Routen, 
zum Theil in Form von Bewogen (Ceierffefo) einge- 



— 52 _ 

richtet, in Toskana und Neapel aber den Hauterem zu 
Gunsten nicht g^ednldet, obschon dort, wie an eini|>en 
andern Orten, 1 — 2 Personen jedesmal mit dem thenren, 
«ber schnellen Brieficurrir beqnem fortkommen können. 
Eine Dili^ence geht Ton Genf über dei^Mont-Cema nach 
Turin, eine andere von da bis zum Fufze des Col A 
Tende lind von dort bis Nizza. Eine dritte von Turwi 
fidLch Mailand; und eine andre von Jlfai7im<f nach i?o^^iU7, 
Ancona und Rom, Ein Eilwagen geht von Mailand nach 
Venedigs und von dort nach Vdine. Ein andrer Ton 
Mailand nach Genua. Auch Mantua ist nnt Mailand 
und Verona , Venedig und Bologna durch einen Wagen 
In Verbindung gesetzt. Dann ist ein Wagen Ton Turin 
nach Ivrea , der Ton dort bis Aosta mit einem Char-^- 
bancs rertauscht wird, und die Dil%encen über den 
Simplon , den Cotthard^ den SpHtgen, den St. Bemhar- 
dm y und der Knrrir von Verona nach Botzenund Brisen, 
bis Insbruck (^14 fl. für den Platz^. Beiwagen werden 
iiie gegeben, und so ist man auf mehren besuchtern 
Routen, je nach der Jahreszeit, des Fortkommens nicht 
gewifs, und wochenlang Toraus werden oft die Plätze be- 
stellt und bezahlt. Sie sind im Allgemeinen Terhältnifs- 
mäfsig theuer. Von Mailand nach Born geht der Wagen 
am Dienstag und Freitag, und bleibt T Tage nnterweges ; 
nach Venedig geht er Montag und Donnerstag in 2 Ta- 
gen, nach Genua am Montag in einem Tag; der Toii 
Mailand "vher Turin nach Paris /braucht 10 Tage, 

dreimal wöchentlich. 

■ 

Von den Plackereien, welchen der Fremde an den 
häufigen Grenzen überall ausgesetzt ist, habe ich früher 



— 58 — 

Bliiig;e8 erzählt Sie betreffen das Pafswesea sowohl 
als die Visitationen. So^ar für den kleinsten Ansflüge 
vor die Thore mancher ^rofseren Städte , wenn sie zu, 
Wag;en gemacht werden , soll der Pafs x'isirt seyn. Oft 
entschliefst* man sich zn dergleichen sehr schnell, und 
hat dann nicht Zeit, die Formalitäten noch zu erfüllen ^ 
wo die Yetturini doch zuweilen Rath wissen. Aber man, 
hüte sich, davon ohne Noth Gebrauch zu machen. Durch 
^ufaU^keiten wird es hintendrein bekannt, u^d',. weni^ 
man auch keinen andern Nachtheil davon t^t^ so ist die, 
Fo^e sicher, dafs die Polizei Ton. nun an mit demFrem-: 
den genaure Verbindung; anzuknüpfen sucht, sich für 
seine Person mehr interessirt, ihn etwa einem protokol- 
larischen Examen unterwirft: Wer? Woher? Wohin? 
Weswegen? Wie lang? Mit wem? Wodurch? und was 
sonst noch für Eutbindungs-We-en zutreten mögen. Doch 
man ist dabei sehr artig, läfst den Fremden dazu sogar 
niedersitzen ^ bezeigt sidi ihm in mehren Sprachen Ter« 
hittdii^, unterhält sich darin abwechselnd über die An- 
nehmlichkeiten des Keisens, das Wetter und die Politik,, 
bemerkt von der protokollarischen Aufnahme nicht ein- 
mal etwas im Pafs, unterläfst selbst nicht bei der Unter* 
Schrift durch irgendeinen leicht zu übersehenden Punkt, 
Strich, Zi^ u. s. w. , alle Beamte, welche den Pafs später 
in die Hände bekommen, zu benachrichtigen, dafs man 
ihnen sehr verbunden seyn wurde , wenn sie den Rei- 
senden in dem fremden I^ande ihrer besonderen Auf« 
merksamkeit und zarten Leitung werth achten wollten. 
Ich. hatte bei einer meiner Reisen einen in Deutscher 
Sprache und in Deutschen Lettern geschriebenen PaCi, 



— 54 — 

was in den, unter Italienischer Regierung stehenden 
Ländern nicht ohne Annehmlichkeit war, weU niemand 
ihn verstund, und mir daher niemand Schwierigkeiten 
machte, als sein Termin längst abgelaufen, die Ver- 
langerung desselben aber, zufölliger Ereignisse wegen, 
mir noch nicht zu Händen gekommen war. Die Vi- 
sitationen sind besonders strenge an der Schweitzer 
Grenze, weil man häufig von dort Handelsartikel einzu- 
bringen sucht, welche entweder mit starken Zöllen be- 
legt, oder ganz verboten sind. Man untersucht die 
Kleider, mifst die Tiefe der KoflPer ab, ob sie nicht mit 
doppelten Böden oder Deckeln versehen sind, und beob- 
achtet unbemerkt aus einer Ecke des Zimmers mit Men- 
schen-kundigem Blicke die Verdacht - nährenden Mienen, 
Handgriffe und andere Bewegungen der Reisenden wäh- 
rend dieser Vorgänge, wefshalb diese vor allen etwa be- 
absichtigten , noch so unschuldigen Schmuckeleien nicht 
genug zu warnen sind. Besonders hüte man sich, mit 
Büchern sich zu reichlich vorzusehen: eine Kai^, ein 
Reisehandbuch , eine Grammatik , ein Wörterbuch sind 
wohl gestattet, allenfalls auch solche, worin Bilder mit 
Blumen und Schnecken befindlich : das sind unschuldige 
Sachen; aber andere Bücher, die nicht im Lande ge- 
druckt sind , stehen sehr leicht entweder auf der Liste 
der verbotenen, oder müssen doch zuerst einer Akademie 
zur Prüfung zugestellt werden, ehe man sie zurückerhält, 
worüber Wochen vergehen können. An den Neapoli- 
tanischen Grenzen zahlen sie bedeutende Zölle. Mehre, 
vielleicht nicht ganz unverdächtige Bücher sah ich gegen 



eine kleine Erkennüichkeit an innern Grenzen Italiens 
Idcht passiren, weil sie deutsch geschrieben, und folg- 
lich für die Innlander unleserlich und unschädlich seyen. 
In Parma und Toscana scheint am meisten Freiheit 
zu herrschen : manche Bücher «ind dort zu finden, die 
man in midern Landern ItaUms nicht erwarten darf. 



V. 



( 



Der Deutsche in Italien. 



£ le talnno per sna diigraKia si annoja, ti dlee, 
cKh o* an fimciuUo, o an pedante, il fpule 
non SB pineere alle donne ; e siccome il pia- 
cere alle donne forma qnattro quinti dell* oc* 
capazione della yita, si dice, cbe qaell* aomo 
non sa Tivere. In nna citta come Capaa il 
saper Tirere non ha, che due sole parti t o pia- 
^re alle donnis, o ingannar j^li aomini. 

Cvooo> Piatone initalia IL 



JLleiitsche nnd Englinder sind die hiafi^äten, und anCser 
Franzosen und Rassen' fast die einzig^^n Reisenden in 
Italien. Die Engländer fast einzig und allein sind es, 
welche sich in Italien irgendwo über Winter oder selbst 
auf mehre Jahre niederzulassen pflegen. Sehr viäe 
leben den Sommer in der Schweitz, und bringen in Ita- 
lien den milderen Winter zu. Unter denjenigen aber, 
welche Italien flüchtig durchreisen, seje es um nie, 
seye es um öfters wiederzukehren , sind die Deutschen 
bei weitem die zahlreichsten. Wenn die Engländer zu 
ganzen Familien in mehrern Postwagen vorüberziehen, 



— Mr — 

liieren die Dentsohen entweder am Fufir, oder in wtJEBBg 
sich ergebender Gesellschaft in den Hantrer« Wagen sn*^ 
reisen. Die nach Italien kommenden ältren und Jungem 
Maler, Kopf erstecher, Bildhauer, Architekten, Antiquare,. 
Historiker sind grölstentheils Deutsche, doch mit vielem 
Franzosen. Die Studenten, welche im September in 
Menge von den Alpen faerabkommen, sind nur Deutsche- 
— Unter den dahin reisenden Eaufleuten, welche Italien 
hauptsächlich mit Webereien Tön Leinwand (^zumal Sack« 
tüchern) , Ton Baumwolle (Kattunen^ und Wolle (Tu* 
diem, Shawls) versehen , sind etwa zehn Schweitzer 
auf zwei PRederrheiner (tou Elherfeld etc.) , ciinien Ber* 
liner und zwei Franzosen. Ihre Besuche sind am häu%* 
sten im Winter und Frühling bfs zur Messe von SaU" 
gagUa in der Mitte des Juli-Monates, und nicht leidht. 
trifft man in jener Zeit ein angesehenes Wirthshaus, 
das nidit von ihnen angefüllt wäre. Aus den genannten- 
Nationen hat man für die Deutschen am wenigsten Vor- 
liebe, und sie sind es zugleich, aufweiche der Italiener 
am häufigsten in der Hoffnung Jagd macht, sie zu über- 
listen oder zu übervortheilen. ' Was die Abneigung be- 
trifft, so ist wohl möglich, dafs ein Theil derselben sich 
ans einer früheren Zeit herschreibt, und bereits Tor 
mehren Jahrhunderten bei den kriegerischen Unruhen 
Im Innern des Landes Wurzel gefafst hat. Abergrofsen«^ 
theils ist diese Abneigung in neuerer Zeit entsprungen, 
oder doch wieder 'aufgelebt. Die Bewohner des nord^ 
«stlichen Italiens glaubten unter der jetzigenR egierung 
vieles gegen die frühere, Französiche verloren zu haben.r 
Vorzüglich klagt man über das Niederliegen aller Be^ 



I 

I 

t ftiebüNnikeit, ^nd hn^tsleblidi Venedig marste die? 
Bbaütit Ton- THeti halt empfinden. Aber anch andre 
TheSeltalieng erimiem «icli, dafs Handel nnd Gewerbe 
unter der Fran^aischenRegierung wettmehr in Aufnabnne 
gewesen aeyen, aia jetzt Endlich^ hat die Occupation 
Metrfmh durah OestreieUgche Truppen eben nicht dasu 
beig^8|feii i die Afoneignnjf zn verrfdgern , theils wegen 
des politischen Yerhaitnigaea an und für sich, theils 
aber nnd hsnpteiehlich, weil man der Occupationa* Armee 
den Vorwarf d^r Anasangung des Landes machen au 
Aussen glaubte« Diese Truppen eripelten Ton der Nea- 
poUtanischen Regierung doppelte Löhnung, uift die Offi- 
ziere, in den angesehensten Häusern eingeführt , sollen 
hn Allgemeinen sehr bedacht gewesen seyn , von allen 
daraus entspring^den Vortlieilen zu geniefseil, ohne 
eelbst zu Ausgaben genöthigt zu seyn. Es sollen uner^ 
mefsliche Summen Ton Gemeinen und Offizieren fort* 
wahrend nach Oestreich geschickt worden seyn, so däfa 
der Staat nicht nur den Verlust der Münze als Ausglei* 
chungsmittels , sondern auch den Verlust an Vermögen 
überhaupt bitter empfunden habe. Ich weifs niclit, und 
vermag nicht zu untersuchen, wie weit diese allenthalben 
in Neapel gehörte Klage gegründet seye; aber, wenn sie 
mit der Wahrheit besteht, so weifs ich, dafs dieses 
Geschick das Volk der Neapolitaner (gewifs sind viele 
Einzelne auszunehmen^ nicht unverdient trifft, von wel- 
chem schwer zu sagen ist, ob es leichtfertiger gewesen 
seye bei seinem Aufstande, oder feiger bei seiner Ent- 
waffiiung. Auch weifs ich andrerseits nicht, in wieferne 
aller Vortheil , den der Soldat durch jene Ersparungen 



— 69 — 

zü eniDgen sucht, daför als Ersatz angesehea werden 
kann, dafs jener Leichtsinn ihi| nöthigte, Hans und 
Hof und seine ihm dort spärlich zugemessenen Yerg^ü* 
^Aigen zu verlassen, Bekannte und Freunde zu missen, 
und Ton seinem Yaterlande fern , unter fremden M en« 
sehen, die er nicht versteh^ unter einer glühenden 
Sonne, die zu ertragen er nicht gewöhnt ist, für eine 
Sache, die ihn nicht angeht, die Zeit seines theuem 

Lehens zu opfern. Aber gegründeter sind andre 

Vorwürfe, welche einzelne Deutsche Heisende nur zu 
«ehr verdient haben , die aber dann leicht , weil der 
Italiener die Nation nach den' wenigen Individuen beur- 
tiieilt, die ihn in seiner Heimath aufsuchen, auf die 
ganze Nation übergetragen werden, und Zur Folge haben, 
dafs man in gewissen G^enden die Schritte jedes an- 
kehrenden Deutschen bewacht. Dazu haben einige 
Deutsche Abentheurer Veranlassung gegeben , welche 
4ihne Pässe und ohne Geld sich durch einen grofsen Theil 
Italiens fortzubringen gewufst, überall ihre Schulden in 
den Wirthshäusern und bei den Vetturini unberichtiget 
lassend^ Dazu hat kürzlich auch ein namhafter Deutscher 
Botaniker bei einem flüchtigen Besuche im südlichen 
Italien beigetragen , der dem Wirtlie, von dessen Hause 
aus er seine Ausflüge machte , einst nur seine Schulden 
hinterliefs. • 

Was die Hoffnung und Absicht der Italiener an* 
bdangt, insbesondre die Deutschen Reisenden zu über- 
vortheilen so ist deren Realisimng in der Reise- 
art der Deutschen begründet. Ich habe oben er- 
wähnt, wie die Deutschen hauptsächlich es 'sind, die 



mir zu euiem flüeht^en Besuche nftch Italien kommen, 
ondy ehe sie bekamit geworden mit der Sitte und 
Spradie des Landes, dasselbe schon wieder Terlassen« 
Diese gerathen nun TÖlüg in die Wilikühr des KutscUiip, 
des Wirthes, des Cicerone, des Facchins, des Kauf- ^ 
manne», weiche dann grofsentheils einen hohen Triumph 
darin finden, die Fremden überTortheilen zu können; 
und keine Art der Ueberüstung halten sie für rühmli* 
eher und glänzender, als die in Geldsachen 9 so wie bei 
ihnen der gröfste, schmerzlichste aller Vorwürfe der 
der Dummheit, und die gröfiste aller Dummheiten die ist» 
sich irgend mehr Geld abnehmen zu lassen, als man 
schuld^; ist. Dieses Vorwurfes machen sich die Englan* 
der weniger leicht schuldig, weil sie von ihren zahl* 
reichen Landsleuten in Italien alsbald wohl unterrichtet» 
«nf die oben erwähnte Art entweder die Befriedigung 
aller ihrer Bedürfnisse während der Reise an den Vet-» 
tnrin oder an einen Italienisehen Bedienten verhandeln* 
Diese Bedienten bringen die reisenden Engländer dann 
selbst oft nach Deutschland mit , wo sie vor dem Ein* 
tritt in den Gasthof alle Preise festsetzen. Ist dagegen 
der neu ankommende Beisende nicht auf diese Art vor- 
gesehen, so besitzen die Italiener eine solche Fertigkeit, 
seine Unwissenheit, seine Zweifel, seine Schwäche au* 
genblicklich zu ihrem Vortheile zu benutzen, dafs es 
unmöglich ist, durch Beschreibung eine hinreichend leb* 
hafte Vorstellung zu geben *y Der gemeine Italiener 



*) Vergl. Tbl. I, p. 592. u. a. 



— «1 — 

y&rlnsigt für jede , auch die alleranbedeutendste Dienst- 
leistung ein Trinkgeld (per bevere -— la buona mano — 
la mancia^, und weifs sehr vielen seiner Handlungen deik 
Schein einer Dienstleistung zu geben, die es nicht sind. 
Aber er ist dann mit einer weit kleinem Belohnung zu* 
frieden, als der Deutsche erwartete Gibt ihm dieser 
daher mehr, als es die Regel ist, so erkennt jener 
augenblicklich den Neoling in Italien > und, statt seine 
Ueberraschung zu verrathen, ist er augenblicklich beson« 
neu, sich wegen .der zu geringen Gabe am beklagen, 
während er sich mit einer weit kleinern , aber taxmafsi- 
gen zufrieden bezeigt haben würde. Der Franzose rer« 
fUlt minder leicht in diesen Fehler, als der Deutsche, 
weil man auch in Frankreich häufigre, aber geringere 
Trinkgelder gibt Ist der Engländer aber mit einem 
oben erwähnten Bedienten oder einem Cicerone nicht 
vorgesehen , so sucht er meist Alles bis aufs Kleinlichste 
auszuhandeln, aufs Knappste zu bezahlen, und jeder 
Fremde, der sich bei solchen Gelegenheiten dann all« 
znkarg bezeigt , wird für einen Engländer angesehen. — 
Ich habe oft gesehen, dafs Deutsche Handelsreisende, 
über alle Sitten und Taxen durch langfährige Uebung 
wohl unterrichtet, sich ein Vergnügen daraus machen, 
die ganze Gesellschaft, mit der sie im Wagen zusam- 
men sind , bei einem Aufenthalte unterweges mit Kaffee, 
Sorbetten , Obst u. dgl. zu bewirthen^ um dadurch mehr 
wechselseitige Annäherung, Beseitigung Ton Zeremonien 
und gespannter Haltung während der Zeit zu bezwecken, 
Wo der. Zufall lauter einander fremde Personen in so 
engen Baum zusammenzwängt. Sie begehren sich in den 



die besten Zimmer, um ihren Italienischen 
Geschäftsfreunden, falls sie Ton ihnen besucht werden, 
einen besondern Credit von ihrem Hanse beizubringen; 
de geben defshalb auch die reichlichsten Trinkgelder, 
während der reichste Italiener sich überall streng an die 
Taxe hält ; sie scheuen mancherlei kleine Ausgaben zu 
jhremVergnügfen nicht : Alles dieses sind dem Italiener un- 
begreifliche Dinge, die er zuletzt doch noch am liebsten 
auf Rechnung ihrer Unwissenheit oder ihres Mangels an 
Calcül setzt 

Doch Ehre, dem Ehre gebührt! Als ich im Jahre 
182jl zu Ficenza mich von meinem ganzen Geld- 
vorrathe für unrorgeseheue Auslagen entblöfst hatte, 
schrieb ich nach Venedig an einen Deutschen Kaufmann, 
bei dem ich nicht unbedeutenden Credit hatte > und der 
meine . eigenhändige Namensunterschrift schon besab, 
und bath ihn , mir durch irgend einen seiner Correspon- 
deuten in Yicenza eine kleine Summe — nicht gröfser, 
als um die Reise bis Venedig bestreiten zu können — 
auszahlen zu lassen. Nachdem ich auf die Antwort über 
die Zeit hatte warten müssen, erwiderte er mir auf aus-" 
weichende Art. Ich bath nun den Wirth al capello 
Tosso, wo ich wohnte, mir seine Rechnung bis Venedig 
zu erlassen, und noch eine kleine Summe haar dazu zu 
geben. Zu seiner Sicherheit zeigte ich ihm den für Ve- 
nedig Tisirten Pafs, und erbothmich, TonVicenza aua 
durch irgend einen ihm bekannten Vetturin (Jde in jener 
Gegend weniger theuer als anderwärts sind) michnicbt 
nnthial^mma bringen zulassen, sondern denselben aupb 
auf meine Kosten nach Venedig mitzunehmen , um ihm 



dorjt das .scbiildls Gebliebene ansamzahlen.. Ich erhielt 
Tom Wirthe sogleich das Verlangt, und zudem n«r 
einen Brief an den Wirth al Hone bianco in Venedig, 
worin er im anzeigte, wie viel er von mir zu empfangen 
habe. War es auf diesem Wege auch schwierig, so 
war es doch möglich, die Summe zu unterschlagen, und 
versicherte sich der Wirth vielleicht meines Weges auf 
eine mir nicht bemerkliche Weise, so waren andrerseits 
dem Deutschen Banquier in Vened^ dieselben BItttei so 
Gebote gestanden, und er hätte daher kein gröfseres 
Risico einzugehen gehabt, als der Italiener in Yicenza* 



VI 



Italienische Wirthshäuser. 



-^ — — — , qaiyi 
A novi vtudi ti attendea la mema^ 
Cai ricoprfen pmrig^inori cibi 
E licor lieti di Franceci cnR, 
O dlspani, o di Toschi, o FOngareae 
BoUiglia, a cni di yerde ederaBacco 
Concedette Corona, e ditse : Siedi 
De la mensa reina. 

Paeihi« ü maCtino. p. 8. 



I^chon wird es dunkel, da mein Vetturin vor einem der 
ronügliclisten Wirthahäuser einer Ton Fremden viel be- 
suchten Stadt sweiten Ranges anCihrt Ein Schohfliclcer, 
der seine ärmliche Werkstatte unter dem Thorbogen 
aufgeschlagen, zieht die Schelle an^ und im nämlichen 
Augenblicke zeigen sich am Kutschenschlage zwei Men- 
schen in schmutzigen zerrissenen Kleidern. Auf den 
Wink des Yetturins bemächtiget sich der eine meines 
hinten aufj^epackten Koffers, der andre meiner im Wa- 
gea stehenden Hutschachtel, und ein junger Mensch 



— 65 — 

mit einem Lichte in der Hand, ersbheint und erwartet 
mich Hinter der Einfahrt. Er steht in alten Halbschuhen, 
in schmutzigen Hemdärmeln, ohne Halstuch, eine runde 
platte Pelzmütze auf dem Kopfe, ohne ein Wort zu spre-* 
chen. Es ist der Kellner (^„Cameriere : Sttibner^' ge- 
nannt) , welcher sein Leben lang Kellnier bleiben wird, 
wie denn dagegen der Eigenthiimer dei» Hauses niemals 
Kellner gewesen ist. Er begleitet mich stumm in den 
Hof, und nachdem ich ihm bemerkt, dafs ich ein gutes 
Zimmer auf einige Tage zu habeii wünsche, ruft er je^ 
manden zu, den ich nicht sehe, und bedeutet mich, im 
Dmikeln die Stiege hinauf zu tappen« Mn Junge von 
vierzehn Jahren, der die Stellendes Ikiäifenten des erste- 
ren versieht (jA garzone), .kömmt mir oben entgegen, 
fuhrt mich in ein Zimmer, und stellt Licht und Waisser 
amrecht. Die zwei Menschen, welche meii3r Reisegepäcke 
trugen, haben es indessen abgestcrllt, und ^*Wirten 
schweigend das Trinkgeld, ' Beide waren am Thore , als 
Alan nach meinem Passe sähe, auf die Kutsche hinten 
aufgestiegen, und Vor das Haus mitgefahren, mir jenen 
Dienst zu leisten ; denn der Yetturino selbst hält es unter 
seiner Würde, einen Koffer von oder nach dem Wagen zn 
^gen; er sorgt nur etwa^ dafs er gut befestigt werde. 
Ich gebe , ohne zu fragen, dem eiilen 5 S'oldi (7 Kreu- 
zer^, dem andern , welcher nur meine Hutschachtel 
die Stiege heraufgetragen , nichts^ Der erste ist sehr 
xnfrieden , der zweitie aber murrt , dafs er ganz leer ab- 
kmume, und geht weiter, doch theiien sich beide auf 
dem Hofe in die 5 Soldi. 

Mratm, Reite U. " v 



— 66 — 

Ich habe nun Zeit , mich fan Zimmer amziuieheii. Em 
ist Ton mittler Gröfse, auf den Hof gehend. Die Thüie 
kommt Ton der Gaiierie herein, und ein, neben ihr be- 
findliches Fenster ist allein Icaum hinreichend , bei Tage 
das notliige Licht einzulassen. Ein Bette, ein Tisch, 
eia Kommod, vier Stühle, ein Spiegel, ein eiserner Drei- 
fufs mit dem Waschbecken sind die M enbles. Die Bett- 
lade ist 2^^ länger als eine in Deutschland und beinahe 
80 breit als lang. Es Ist nur ein viereckiger Bahmen ans 
Obstbaum-Holz mit einem Boden aus Gurtenw^rk und 
gedrechselten Füfsen. Er ist vor 50 Jahren gefertiget» 
und war nie gefimifst oder geschliffen. Zu nnterst liegt 
der 2 Fufs dicke Strohstfuk , mit trocknen Mays-Blättem 
gefüllt, welche weit elastischer sind, als gewöhnliches 
Stroh. Darauf eine Matratze , ein Leintuch, zwei kleine 
weifsüberzogene Kissen am Kopfende, und zum Zudecken 
abermals ein Leintuch mit einem alten, nicht sehr rein* 
lieh aussehenden wollenen Teppich, der ehedem weif» 
gewesen. Eine franzleinene, roth und weifsgewürfelte 
Decke ist über das Ganze gehängt, und reicht rings bis 
zum Boden herab. Das Bette steht mit seinem Kopf- 
ende mitten an einer der Wände, so dafs man von bei- 
den Seiten zutreten kann, es zurecht zu machen. Man 
liegt , beiläufig gesagt , - darin sehr gut , weil es sehr 
elastisch , und Baum genug vorhanden ist , um j^de be* 
liebige Lage zu wählen. — Ich prüfe den Tisch. Er. ist 
mit einem buntgestreiften Teppich behaqgen, desseii 
ursprünglichen Farben und Zeug man nicht mehr zu 
errathen im Stande ist. Längs der Tischkanten ist er 
schon zwanzigmal zerrissen, und mit eben so vielerlei 



— «r — 

nnterlei^en Stucken andrer Teppiche wieder geffickfj wor- 
den > wodurch indessen nicht seine Fetzen, sondern nur 
der Tisch verdeckt werden. Der Tisch selbst ist aus 
Obstbaumholz, glatt gehobelt, am Rande mit der Säge 
zugeschnitten. Hatte er je eine weitre Zubereitung be~ 
aessen, so würde man es Tor den hundert Schnitten, 
Brandflecken, Tintenklecksen n. dgl. nicht mehr erkennen. 
— Am Kommod sind bereits schon alle eingelegten Arbei- 
ten — denn er mag einmal hübsch gewesen seyn — ab- 
gefallen, die Schlösser sind zerbrochen, die Griffe feh* 
len. — Der Fnfsboden besteht aus harten Ziegelsteinen, 
welche man unter manchfaltigem Schmutz nicht mehr 
^ erkennen vermag, und welche nicht, wie in Paris, 
mit Oel und einer Bürste tiglich gereinigt und dadurch 
so geglättet wird , dafs man bei jedem Schritte in Ge- 
fahr ist zu gleiten. — Die Wände sind zwar tapezirt, 
aber dasDessein der Tapete ist unter den 100000 Flecken 
derselben nicht mehr zu erkennen, und ihr untrer Band 
hangt allenthalben in Fetzen herab. Der Fufs der Winde 
hat von Tünchnern einen Marmor -Anstrich bekommen, 
durch welchen aber bereits mehre ältre Generationen 
überall durchscheinen. — Statt des Ofens ist ein Kamin 
vorhanden > dessen Oeffnung durch ein, über ejmen Rah- 
men gespanntes, Tapetenstück geschlossen ist, und auf 
dessen Simse ein 2erbrochner Blasebalg liegt. -^ Die 
Decke ist von zahlreichen hohen schmalen Balken gebil- 
det , auf welchen unmittelbar der Ziegelsteinboden des 
folgenden Stockwerkes zu sehen ist. Balkeg und Stabe 
^ waren ehedem gelb, die Zwischenfelder blau angestri- 
chen. Die Fenster, an deren Rahmen nodi Nachtliiden 



— 68 — 

befestig siod, werden nie geöffnet^ wefshalb die Ecken 
von arbeitsamen Spinnen ung^estört bewohnt werden ; der 
nothig^e Luftwechsel wird durch die meist offenstehende 
Thüre und das Kamin bewirkt , daher die unstäte Früh-- 
lings-Witterung^ sehr empfindlich ist. Jene Läden ^ind 
Tön Holzwürmern so sehr durchbohrt , dafs diese jetzt 
selbst keine unbeschädigte Stelle mehr finden können, 
und solche daher schon seit dreifsig Jahren gänzlich verlas- 
sen haben. Die Flugelthüre schliefst nirgend in Falzen an, 
sondern läfst die Sonnenstrahlen aUerwärts hereindringen; 
durch einen einfachen Riegel kann sie Ton innen und 
Buttelst eines Schlü^iSiels Ton aufsen geöffnet und ge- 
schlossen werden.-^ — Man sieht, dafs alle Eigenthümlich- 
keiten der Einrichtung theils in dem gelinderen Klima 
und der dadurch bedingten Lebensweise gegründet, theils 
aber auch Ton einer allgemein sichtbaren Nachläfsigkeit 
und Bequemlichkeitsliebe herzuleiten sind. 

Der Kellner hat sich nach Verlauf einer halben Vier- 
telstunde eingefiinden , und fragt , was ich zu essen ver- 
lange ? Da ich indessen erst um vier Uhr zu Mittag ge- 
gessen, so begehre ich nur Thee, um mich bald nachher 
zur Ruhe zu ' begeben. Man scheint erst mit der Art 
des Thees niqht recht bekannt zu seyn , bringt indessen 
bald eine Porzdlankanne halb voll Thee, und ein dsen« 
blechnes, ehedem verzinnt gewesenes y jetzt aber Rost- 
und Rufs -bedecktes Töpfchen mit Milch, ein Täfschen 
mit Zucker und einBrödchen von der Gröfse eines Borstor- 
fer-Apfels. J)a ich fertig bin, nimmt man das Geschirre 
weg, und verlangt 12Soldi (^15 kr.^, dafür. Ich wundre 
mich, dafs man so schnelle Zahlung verlange« Der 



— «9 — 

Kellner erWrt mir aber, dafs man Thee, Kaffee, Sot^ 
heia u. igh nicht selbst bereite, sondern in dem un- 
mittelbar anstofsenden Kaffeehause, zu bestellen pflegte, 
und dafs mir daher die Wahl frei stehe, nun gleich 
gelegenheitlich mein morgiges Frühstück Ton daher zu 
bestellen , oder es im Kaffeehause selbst beim Lesen 
eines Zeitungsblattes einzunehmen. — Ich bestelle mir 

noch M^armes Waschwbsser, mich vom Staub zu reinigen: 

< 

man bringt es in einer eisernen Kanne, aus welcher beim 
Ausgiefsen auch einige Haarballen und vier gesottene 
Grillen hervorkommen. 

Am Morgen besehe ich mir das Haus, während ein 
Savoyarde vor meine Stubenthüre kommt, für 2 — 3 Sold 
meine Stiefel zu wichsen , welcher dann ^ den übrigen 
Theii des Tages mit seinem kleinen transportablen Krame, 
in einem Kastchen milKWtehskrug und Bürsten bestehend, 
an den Strafsenecken sich aufhält und jeden Vorüber- 
gehenden anschreit , auf seine staubigen Stiefel zeigend. 

Das Haus ist ein regelmäfsiges Gebäude um einen 

viereckigen Hof, um welchen in der zweiten und dritten 
Etage eine Gallerie zu den verschiedenen Zimmern fuhrt; 
welche über den Thüren , statt mit Nummern , mit den 
Namen verschiedener Städte bezeichnet sind. Unten ist 
die Küche , zwei kleinre Restaurationszimmer, sonst aber 
keine eingerichtete Wohnung. Oben über der Einfahrt 
ist der Speisesaal, ganz symmetrisch angieordnet. Von 
der Gallerie her hat er zwei Eingänge , und zwischen 
beiden einFensftr. Gegenüber, nämlich nach derStrafse 
zu , sind zwei Glasthüren mit Balkons ; zwischen beiden 
das Kamin mit Marmor -Gesimse, einen grofsen Spiegel 



— 70 — 

tragend. Auf jeder der zwei Seiten führen zwei Thüren 
in eben so viele anstofsende Zimmer, deren zwei nach 
der Strafse , zwei nach dem Hofe gehen. Zwischen je 
zweien der Thüren ist wieder ein Spiegel ; alle übrigen 
Felder sind mit Arabesken bemahlt ; Decke und Boden 
wie in meinem Schlafzimmer. Das Haus war yfor langer 
Zeit einmal weifs angestrichen worden. — Den Eigen- 
thiimer des Hauses und seine engre Familie bekam] ich 
nie zu Gesichte. Eine Art Sekretair oderHaushofmdster 
fuhrt die Aufsicht, und hat defshalb ein Kabinettchen 
im Hofe neben der Einfahrt, um von dort aus alles zu 
übersehen. Das übrige Personal , aufser dem Kellner und 
dem Jungen, bestund im Koche, seinem Gehülfen und 
einem Küchenjungen, alle mit weifsen Schlafmützen, 
und in einem Stallknechte. 

Als ich, in Begriff war, ansAgChen, fragte mich der 
Kellner, wann ich zu Mittag essen wolle. Ich erkundigte 
mich, ob nicht Table d'höte seye; erfuhr aber bald, 
dafs dergleichen in Italienischen Wirthshäusern überhaupt 
nicht üblich seye. „Sie können essen , wann Sie wollen, 
was Sie wollen , so viel Sie wollen , wie Sie wollen , im 
Saale oder auf Ihrem Zimmer; Sie haben nur zu be- 
fehlen. Wann Sie nach Hause kommen , werden Sie 
alles bereit finden.^' Ich komme gegen zwei Ulir nach 
Hause, und trete iii den Saal, wo verschiedene Tische 
gedeckt , übrigens aber noch nicht besetzt sind. Ich 
frage nach den Speisen : der Kellner nennt mit grofser 

4 

Geschwindigkeit eine Menge mir unbeltannter Namen, 
und ich finde gerathen , ihm selbst zu überlassen , was 
er mir bringen wolle, und mir bei jedem Gerichte den 



— n — 

Namen besonders anasugeben. — Indessen finden sich all- 
mählig mehr Gaste in kleinen Gesellschaften zu 2 — 5 
Personen ein, meistens Italiener : Kaufleute oder Grund- 
herrenaus der Nachbarschaft. Audi einige Frauenzimmer 
erscheinen. Alle treten ein , selten die Anwesenden 
grüfsend, oder nur, ohne sie anzusehen, den Hut etwas 
fückend, und setzen sich mit dem Hut auf dem Kopfe 
um die Terschiedenen Tische. Es scheint nicht für un- 
anständig zu gelten, dafs mehre, in Gegenwart der andern 
und selbst der Frauenzimmer, sogar ihre Rocke ablegen, 
und in denHemdeärmeln oder mit aufgeschürzten Aermeln 
and offner Brust dasitzen; oder wenn es in der That 
für unanständig gilt^ so nimmt sich doch der Italiener, 
wenn ihn nicht besondre Rücksichten bestimmen, diese 
Freiheiten zu oft, als dafs es auffallen könnte. Seine 
Bequemliehkeitsliebe bei Tisch und im Bette ist so grofs, 
dafs sie bei ihm selbst zum Sprichworte geworden : ^In 
taToIa e in letto bisogna star commodo.^^ 

Den Grasten wird Wasser und rother Wein \om letzten 
Herbste ungemessen vorgesetzt, doch wird bei der Zeche 
nur so Tiel berechnet, als sie ungefähr getrunken haben: 
eine Vierteis-, halbe, oder DreiTiertels-Flasche. Neben 
Jedem Teller liegt ein Yorrath hölzerner hellgelbgefarbter 
Zahnstocher, welche nach Tisch gesammelt, und in den 
Hof oder auf die Strafse geworfen werden. •*- Geriebener 
ParmesankSse fehlt nie. • — Man hat zu bestimmen, was 
man für Brod wolle : Französisdhes oder Italienisches , 
welches der Kellner zur Auswahl in einem Körbchen 
herbeibringt Die Italiener ziehen das letztre meistens 
Tor, woran der Teig ungegohren und gebrühet zu ^eyn 



— 12 ^ 

scheint; es ist sehr weifs und aus einem, so festen Teige 
geknetet, dafs man noch im Brode sieht, wie derselbe 
geknetet , gewürkt und gewunden worden. Selbst die 
spärliche Brosame davon ist hart zu beifsen. /£s hat 
vielerlei Form. Das Französische Brpd ist säuerlich, 
gegohren und viel lockrer, und wird meist nur in etwas 
gröfseren Stadtchen und Städten tou besonderen Bäckern 
verkauft, welche gröfstentheils aus der Schweitz ei&T 
gewandert sind. Zuweilen hat man auch ein ellenlanges ^ 
nicht fingerdickes Brod. In den Garnisonsstädten der 
Oestreichschen Provinzen wurden allerwärts die in Oest^ 
reich gewöhnlichen Brode nachgemacht, welche unter 
dem Namen ^yKipfeV^ verkauft werden. Unter den Ge- 
richten wählt sich jeder beliebig zwei, vier, sechs u. s. w< 
aus; die Fleischspeisen , zumal Geflügel und Kalbfleisch 
in manchfaltiger Zubereitung si^d bei weitem vorherr- 
schend \ die Gemüse (^Kohl, Spargeln, selten KartoiSeln^ 
sind alle äufserst schlecht nach unserem Geschmacke; 
Mehlspeisen kommen gar nicht vor. Die Suppe in unserem. 
Wortsiune scheint in Italien gänzjich zu fehlen ; denn 
ihre Stelle wird durch halbweich gekochten Reifs, durch 
Macaroni und Nudeln, duich kleine Kräuterklöfscheii u. 
dgl., alles ohne Brühe, vertreten; nur da, wo mehr 
Ausländer ankehren , findet man eine Suppe aus Weifsr 
brodschnitten und Wasser oder selten etwas schlechter 
Fleischbrühe^ Auf Rindfleisch scheinen die Italiener selbst 
wenig zu halten, und sie haben alle Ursache dazu, indem 
es sehr schlecht ist Denn es steht im Topfe , von Mittag 
an gahr , bis zur Nacht am Feuer , und so oft eine 
Poilljon verlangt wird , schneidet sie der Koch von dem 



- TS - , 

gvofseren Stücke ab. la Dörfern und selbst kleineren 
/ Stadtchen findet man kein Rindfleisch; anch in 
PriTathauser der Städte scheint nur wenig zu kommen* 
Das Desert besteht in Käse, Butter, schlechten Aepfeln 
und Birnen, Trauben, Kastanien, selten Feigen. Nur 
auf besondres Verlangen und auf besondre Rechnung er* 

hält man Orangen, Rosinen u. s. w. Als ich eines 

Ta^es nach Tisch über die Gallerie ging , sah ich einen 
Bettler emsig beschäftigt , mit ^inem Stocke auf dem 
Duiighaufen etwas herauszusuchen. Es waren die Zahn* 
Stocher, welche der Kellner aus dem Tischtuche in den 
Hof aui^eschüttelt hatte, und die jetzt, aufs Nene sortirt, 
restaurirt und gereinigt , dem Manne eine Quelle des 
Einkommens werden sollten. 

Dieses ist das allgemeine Bild eines Wirthshauses 
ersten Ranges in einer Stadt vom zweiten, oder eines 
Wirthshauses zweiten Ranges «lu einer Stadt vom ersten. 
Es pafst übrigens auch auLalle Wirthshäuser , welche, 
an derStrafse gelegen, die gewöhnlichen Stations- Orte 
zwischen den gröfseren Städten sind. Nur in kleinen 
Landstädtchen und auf den Dörfern steht man die Wirthin 
oder den Wirth selbst sich um die Küche bekümmern; 
and die Stelle eines Oberkoches vertretend ; aber auch 
hier übernimmt er nur sehr selten das Geschäft des 
Cameriere bei Bedienung der Gäste zu Tisch u. s. w. 

In den Städten der Lombardej, in der Nähe von 
Venedig werden die Wirthshäuser etwas gefälliger, rein- 
lieher ; die Fulsböden sind oft aus einer Art Mosaik ge- 
bildet und abgeschliffen, die Kellner sind gewandter; 
die Küche ist besser. 



— w ~ 

Noch meiir Terschieden Ton den enteren sind dann 
die Wirthsliäiiser ersten Ranges in ^öfseren Städten, 
wie Mailand, Genua, Florenz, Bolo^a (^San Marco^ , 
Rom, Neapel (Great Britain) u. s. w. Alles wird rdn* 
licher, xierlicber, moderner: das Zimmer, das Bett, 
die übr^en Meubles , die Umhang;e n. d^L An der Treppe 
und über den Zimmerthüren sieht man eine Menge bunt- 
femalter Wappen der verschiedensten Art , und die 
Unterschriften melden dann, welche Kaiserlichen, König- 
lichen, Grofsherzogllchen und Herzoglichen Majestäten 
und Hoheiten hier eingekehrt sind, in weichen Zimmern , 
und welche Tage sie da gewohnt haben. Mir ward in 
Bologna das Glück , dasselbe Zimmer zu erhalten , wo 
früher einmal ein Erzherzog, Palatin von Ungarn logirt 
hatte. Die Bedienung ist hier sehr prompt, die Kellner 
verstehen mehre Sprachen, das Essen ist Tortreflflich , 
viele ausländische Weine #nd künstliche Mineralwasser 
sind hier vorräthig, und wä||rend der heifsen Jahreszeit 
werden statt des Wassers Stücke reinen, klaren Eises 
auf den Tisch gestellt, welche man bei dem Einschenken 
in das Weinglas wirft , den Wein zu kühlen. Jedem 
Fremden wird einzeln, meist auf dem Zimmer, eine fest- 
gesetzte Anzahl von Schüsseln servirt: z. B. eine vor- 
treffliche Fleischbrühesuppe und in 2 Trachten noch 
acht andre Schüsseln mit Fleisch, Gemüse und Mehl- 
speise , endlich 6 Teller mit Desert. Diese Anzahl wird 
jedem aufgestellt, der da einkehrt; es sej denn, dafs 
er gleich anfangs für die Dauer seines Aufenthaltes einen 
bestimmten Akkord mache, was zu thun vortheilhaft, 
und bei beabsichtigtem längeren Aufenthalte sehr wichtig 



ist Viele Reisende thnn dies sogar in jedem ÜVirtlisliaase, 
wo sie anhalten. — Sonst aber kommt man als einzelne 
Person nicht leicht unter 6 — 8 fluiden tagflicher Zehrung 
im Hanse daTon ; zumal wenn der Tisch weift schlecht ist, 
nnd bessrer gewünscht werden mnfs. 

Man trinkt gewöhnlich rothen Wein , welcher im All* 
gemeinen sürs (^da er unter 1 — 1^/2 jährig), matt, herb 
und rauh ist. Der weifse Wein ist seltener nnd in der 
Reg-el unangenehmer. Die Ursache, warum der Wein, 
.Ton welchem man nach dem Klima grofse Erwartungen 
hegen dürfte, fast durchgängig so schlecht ist, liegt theils 
an der Erzibbungsweise der Trauben , theil» in der Be- 
handlung des deines selbst. Bei weitem die gröfste 
Menge der Trauben wird tou solchen Reben gewonnen, 
die sich von Baum zu Baum schlingen^ weil diese Art 
der Traubenzucht den übrigen Ertrag des Bodens um 
nichts schmälert. Ich habe aber durchgängig gefunden, 
dafs aller in lialien selbst in Ruf stehender und halt- 
barerer Wein Ton solchen Reben herstamme, die an 
Pfählen niedrig erzogen sind, die also sorglicher ge- 
pflegt und ausgebrochen werden , für welche der Böden 
besser zubereitet wird , und wo die höhere Temperatur 
der Erde zur bessern Reife und Zubereitung des Trauben- 
saftes Wesentliches beiträgt Aber gleichwohl ist man 
selbst dann nur sehr selten für einen guten, reinen 
Traubensatz besorgt , sondern nimmt W^e Rebenarten 
ohne Ausnahme zusammen. Der angenehme Albaner- 
Wein, die Lacrymae Christi, die vortrefflichen Calabreser 
und Sizilianer , die Corner und Yeltliner Weine werden 
von Pfahlreben ^ewonHn, auf^inem oft felsigen Grunde. 



— T6 — 

Die Eriiehnngs - und Bereitungs-Weise des beriihinteii 
AUatiGO, der Ton Florenz kömmt , kenne ich nicht. — 
Ein Fremder, der sich in Bologna niedergelassen, steckte 
sein ganzes Vermögen in den Ankauf, die Rodung und 
Anpflanzung von Weinbergen, nach Französischer und 
Deutscher Weise. Er liefs sich zu dem Ende sehr starke 
Sendungen von Burgunder, Champagner u. a. guten 
Rebensorteh dahin kommen. Aber er hatte überall mit 
den gröfsten , ihm absichtlich in den Weg gelegten Hin« 
dernissen zu kämpfen. Bei seinen sehr beträchtlichen 
Kultur -Verbesserungen, welche er machte, yermogte er 
Ton der Regierung nicht einmal die zollfreie Einfuhr", 
oder nur eine Erleichterung der ihm hochangesetzten 
Zolltaxe für seine Reben zu erwirken. Ja eine seiner 
ersten und bedeutendsten Sendungen büfste er dadurch 
gänzlich ein , dafs der Zollbeamte dieselbe wochenlang 
auf der Grenzstation unter dem Vorwande zurückhielt, 
dafs dieser Artikel in den Zolltarif nicht mit aufgenom- 
men seye , und er folglich erst Instruktion einholen 

f 

müsse. Da Gefahr im Verzuge wegen der Jahreszeit 
war, so wurde für Erlaubnifs der unrerweilten Einfuhr 
gegen Kautionstellung nachgesucht; aber selbst dieses 
Tergeblich. Unglücklicher Weise hatte der Fremde sich 
zulief gestekt, vermögte den Ertrag seiner angelegten 
Kapitalien nicht abzuwarten, alle seine Güter wurden 
versteigert, ^IL die neuen Anlagen verwilderten und 
wurden bald wieder den übrigen gleich. > Dennoch weifs 
es der Italiener recht gut, wie weit seine Weine den 
ausländischen zurückstehen, undPABiNi preifst den Ungar- 
yi&xk mehr denn alle aifdre. --VEine noch wichtigre 



^' 



— n — 

Ursache der geringen Qualität deg Weines lie^ in dessen 
Beiandlun^sweise. Man hat keine ordentlich her^erichtete 
Weinlager, und selten kühle Keller; sondern wirft den 
Most in schlechte Fässer in trocknen und heifsen Maga^ 
zinen üher der Erde, und zieht ihn' von da hald in ein 
andres ah , oder bringt ihn auf Bouteillen. In Toskana, 
um Bologna u. s. w. sind diese Flaschen bauchig mit 
einem langen dünnen Halse, in welchem etwas Oel über 
den Wein gegossen wird, die Berührung der atmosphä- 
rischen Luft zu hindern > was hinreichend ist, den Wein 
gegen Verderben zu bewahren ; denn die Flaschen sind 
nicht weiter zagestöpselt. Man beginnt sogleich ihn zu 
trinken, oft schon ehe er helle geworden. Das sichre, 
nie ausbleibende Gedeihen der Weinärndte benimmt 
grofstentheils die Gelegenheit zu bedeutenden Handels- 
spekulationen im Innlande: man trinkt den Wein ganz 
neu , um die Fässer wieder zu leeren , ehe der folgende 
eingebracht wird , und findet daher keinen andern , als 
Ji — IJ^ jährigen Wein, welcher sehr süfs und etwas 
stechend ist. Nur der Tino sauto , um AllerheOigen 
(Testa d'ogni santo — daher sein Name^ aus abgeschnit- 
tenen , dann aufgehängten und getrockneten Trauben 
bereitet , wird 2 — 3 — 4 jährig , und gewinnt mit dem 
Alter. Reiche Landbesitzer pflegen übrigens als Extra- 
Getränke zu ihrem Hausbedarf noch mancheriey ähnliche 
künstliche Weine zu fertigen, und zu demjem'gen Weine, 
der zum Getränke der Fraaen iind Kinder bestimmt ist, 
giefsen sie Tor der Gährung oft die Hälfte Wasser zu, 
oder ziehen mit Wasser die Trester (^Häute, Kämme) 
nach dem Pressen aus* Dieser Trank wird dann säuer- 



— 18 — 

lieh stechend, kühlend; und mag dort in der heiftenh 
Jahreraeit allerdln^ sutriglicher , als Wasser seyn. 
Man könnte sich wundem , woTon der Italienische Wirth 
seine Kosten bestreitet, bei der Menge mannticher Be- 
dienten, und bei der allgemeinen Blinrichtung des Speisens 
h, la carte , wofür der Eingeborene in der That sehr 
wenig bezahlt Auch der Wein ist wohlfeiL Aber ein 
Deutscher, der seinen Wein selbst sog, versicherte mir, 
dafs hl Piemont die besten Trauben für 100 Bouteillen 
Wein ihn nur 8 fl. 86 kr. kosten, und da man den Wein 
nicht alt werden läfst, und keine weitre Behandlung an- 
wendet, so hat man keine sonstige Kosten, als die, der 
einjährigen Zinsen vom Ankaufspreise und jener rom 
Fasse. 

Es ist nicht nothig, dafs ich nun noch den Kontrast 
zwichen diesen besuchteren Wirthshäusern und denjenigea 
herroihebe, welche > von der Stratse entfernt, den Rei- 
senden bei seinen einsamen Ausflügen, in das Gebirge 
aufnehmen. Ich darf, statt alles andere nur an meinen 
Besuch auf demSo/ca-Berge erinnern '*'), und den Besuch 
Ton Tabbiano im Juni 1827 anfuhren , wo wir bei dem 
Geistlichen des Ortesvkaum zu essen fanden , aber lieber 
an jenem mühseeligen Tage noch den starken Rückmarsch 
unternahmen, als von dem uns dargebotenen Nachtlager 
Gebrauch machen wollten **^. 

Die Menge der Deutschen und Französichen Handels« 



*) & erster TheU a 545 ff . und 581 ff. 

**j Hierüber unten einMehres, bei den „Heilquellen.'^ 



- 19 - 

Reisenden hauptsächlich aus der Schweitz hat Venu- 
lassnng g^^eben , dafs in allen gröfseren Städten Italien« 
Gasthäuser von Deutschen und Franzosischen Wirthen 
eingerichtet worden , in welchen man denn besser, wohl- 
feiler und mehr nach seiner h^mathlichen herkömmlichen 
Weise zu leben Gelegenheit hat, und noch die Annehm* 
lichkeit geniefst^ stets eine zahlreiche Gesellschaft Toa 
Landsleuten und Sprach -Verwandten anzutreiFen. Sie 
Bind durch ganz Italien unter dem Namen der Pensions 
Suisses bekannt. So ist das H6tel RsicHMANif » eines 
Würtembergers, in Maüand, Tmaxborff in Turm, Laü- 
BBNT in Nhsa^ GKPNfin in Genua, Paul ebendaselbst, 
Madame Humbebt in JPtoren» , Duranb ebendaselbst 
(^sehr TortreiHicher Restaurateur} , FKAN901S Esmiol (^den 
man nur nach seinem Vornamen kennt , indem auf dem 
Schilde der Zunamen etwas versteckt ist) in Massa di 
Gtrrara^ FBA]«z(^ein Deutscher, der ebenfalls nur seinem 
Vornamen nach bekannt ist) in Rom , d'AimoN daselbst, 
CAsqvBT (h6tei de France) in NeapeL Die meisten der 
genannten Wirthe zeichnen sich durch ihre Gefälligkeit 
gegen die Fremden, durch ihre Sorge für deren Be« 
quemlichkeit und Annehmlichkeit, und durch die Auf- 
merksamkdt aus, womit sie dieselben auf alles Sehens - 
würdige, auf alle bei der Reise zu nehmende Rücksichten, 
auf die ökonomi/sche Einrichtung derselben aufmerksam 
machen. Meistens haben sie gering angefangen, und es 
durch obige Mittel bald zu einem bedeutenden Wohl- 
stande gebracht. Sie vermogten ihre Einrichtung zu er- 
weitern, und erhielten dann oft auch starken Besuch 
von Engländern, durch welche freilich die übrigen Rei- 



— 80 — 

senden mitunter sich zurückgesetzt glaubten, in welchem 
Falle aber ein einjährig^es Ausbleiben derselben, der Be^ 
such andrer Gasthäuser , die Gefahr dafs eine andre 
Pension Suisse in der Nähe eingerichtet werden möge, den 
Reisenden bald wieder verdoppelte Aufmerksamkeit von 
Seiten des Wirthes zuzog.. Keine dieser Pensionen zeichnet 
sich durch zweckmäfsige Einrichtung, durch manchfaltige 
Bequemlichkeit vund Annehmlichkeit — alles haupt* 
sächlich durch die Sorge der Tortrefflichen Hausfrau — , 
so sehr aus , als die REicmiANN'sche ; in keiner fand ich 
mehr Reinlichkeit , bessern Tisch , eine angenehmere 
Unterhaltung und mehr Artigkeit und Freundlichkeit Ton 
Seiten des Wirthes, als bei Gepneb. Die Kellner und 
Lol^bedienten in diesen Häusern sind Schweitzer, 
Würtemberger und Franzosen , welche meist mehre 
Sprachen sprechen. Es sind die einzigen Wirthshäuser^ 
wo table d'höte Statt findet; wo die Gerichte, wo nicht 
Französisch oder Deutsch zubereitet, doch mehr nach der 
Weise dieser Länder ausgewählt sind ; wo man altern 
inländischen Tischwein tou 2 — 4 Jahren findet, indem 
die Wirthe ihn nach Französischer oder D€;utscher Art 
behandeln, und dadurch nach unsrem Geschmack sehr 
T^rbessern. Man begiebt sich zwischen 2 und 6 Uhr zu 
Tische, und oft werden in dieser Zeit zwei Tafeln nach 
einander im nämlichen Hause gehalten. Fällt das Diner 
ganz spät um fünf oder sechs Uhr, wie zu iVma, so 
versammelt man sich um 11 Uhr zum Gabelfrühstück. 
Es ist ein wahres Glück für Reisende , dafs der Zufall 
einen braven Wirth (der früher Koch in der Nähe ge- 
wesen^ nach Massa gebracht hat , indem sie völlig von 



— 81 — 

dessen Willknhir abhängig sind. Denn hier wie in Cir« 
rara duldiet die Re^erung^ nur einen Wirth , dem' sie 
sein Priyilegium geg^en eine runde jährliche Summe 
uberläfst. 

Das Italienische Kirchengebot verlangt vom Italiener 
sehr stcenge die Abstinenz von Fleisch-Speisen am Fr^- 
tage und Samstage. Da indessen die Fremden an dieses 
Gesetz sich nicht binden wollen , so ist man in allen , 
einigermaafsen erträglichen, mehr besuchten Wirthshäu- 
Sern an diesen Tagen auch mit Fleisch vorgesehen, und der 
eintretende Fremde wird daher immer gefragt, ob er ,,al 
magro oder al grasso^^ speifsen wolle. Kömmt aber der 
Italiener selbst während einer Reise in ein solches Haus, 
so glaubt er sich meistens nicht an das Gebot .gebunden : 
nur die Frauen haben in Beziehung auf das Fleisch ein 
zarteres Gewissen , und lassen sich mitten zwischen ihrer 
Reise-Gesellschaft besonders bedienen. Makaroni , Reis, 
Polenta und Fische werden in den Privathäusem an die- 
sen Tagen in Menge verzehrt; und die Sitte veranlafsl 
defshalb einen sehr bedeutenden Handel mit See - und 
Flufs -Fischen durch das ganze Land. Selbst während 
der gröfsten Hi<ze kommen in Parma wöchentUob frische 
Seefische an, und die grofsen Landseen am Fufse der 
Alpen versehen Ober-Italien weithin mit Fiufs- Fischen 
In frischem Zustande s^ohl, als geräuchert, eingesalzen 
und au Würsten zubereitet. Findet sich ein Reisender 
jedoqh an diesen Tagen in kleinern Orten, so kömmt 
er übel weg, weil dahin keine Fische gebracht werden, 
oder nur höchstens Aale, die sich bei heifsem Wetter 



MntMf JwMm« MMt 



6 



— 82 — 

besser ^jasportiren ond aufhalten lassen. Aber icb ( 
war nicht mehr (ahi$, dergleichen zu geniefsen, als 
ich einmal Tier Wochen lang aHe Freitage und Samstage, 
am Mittag Aale gebacken, Aale geröstet, Aale gesotten, 
am Abend Aale gebacken und Aale gesotten zu essen 
genöthigt gewesen war. 



■^ 



VII. 

National -Sitten im AU&'eineinen. 

_% 

„Noi Greci troppo facUmente dispres- 
„ziamo quei costomi , che non son 
,nofltrL Che ne Tien mai da qaetto 
,stolto disprezzo? Noi chiamiamo 
„tutti gli altri popoli barhari, 
„e gli Egai chiamian noi fan- 
„cuillL" 

« 

Cuoco, Piatone initalia I. p.l9. 






tieder Mensch hat übei* Gut und Bös, über Recht und 

Unrecht seine dgenthümliche, von der der übrigen wein 
auch nur gering abweichende, Meinung, und das natür- 
liche Gewissen des Menschen , um mich so ausaradrücken, 
ist liimmelweit Terschieden Ton dem künstlichen, in dem 
Umgang mit anderen Menschen , in der Vergleichunf 
ihrer Ansichten gebildeten. Aber es kann nicht fehlen, 
dafe eine Gesellschaft nach Erforschung des Rechten und 
Guten strebender Menschen in ihren Ansichten sich 
leeren , und in denselben auch gleichen Schrittes vor- 
anschrek^i müsse, im Maase als die Ausbildung ihrer 



— 84 — 

Odstes-Fah^keiten aümähli^ steift ; io der Weise jedoeli, 
dafBi der minder Gebildete und durch den Druck der Ver- 
hältnisae in Vernunft -Spekulationen Gehinderte gerne 
demjenigen ein Uebergewicht zugesteht, dessen höhere 
geistige Ausbildung er anerkennen mufs, Indem er, Ton 
dessen Bemühungen Nutzen ziehend, dessen Resultate 
sich anzueignen und ihm so nachzufolgen sucht. All- 
mählich erwirbt sich der Mensch einen gewissen Takt^ 
wornach er auch in solchen Fällen , wo er augenblicklich 
über Recht und Unrecht aurVem Vernunftwege nicht 
ins Reine zu kommen Termag, doch in der Regel das 
Richtigere wählt. Dieser Takt wächst mit dem Grade 
moralischen Nachdenkens , vervollkommnet sich , und er 
ist es was wir in einem beschränkteren Sinne oft Ge- 
wissen nennen. So lange aber der Mensch nur nach 
diesem Takt, und nicht nach klarer Vernunftanschauung 
bandelt , erlaubt er sich weit eher ein Zuwiderhandeln : 
doch wagt keiner solches der klaren Vernunitansicht 
entgegen, wenigstens nicht, bevor er selbst sie wieder 

zu trüben , zu ersticken gesucht hat. Sollte Einer 

in seinen Resultaten von der Gesammtheit der Geistig- 
gebildeten allzusehr abweichen , so wird er verhältnifs- 
mäfsig weniger Anhänger haben ; wie aber keine Behaup- 
tung so unsinnig ist, dafs sie nicht ein Gelehrter schon 
aufgestellt hätte, so wird es jenem auch nur selten 
wen^stens an einem oder einigen Anhängern fehlen. 
Diese Forschungen über das Rechte und Gute können in 
ihren Fortschritten nur da gehemmt , und so durch die 
Rückwirkung auch die Ausbildung des Gewissens nur da 
zurückgehalten werden , wo fortdauernd und allseitig 



— 85 — 

« 
dem Gewissen ein^prägt wird, dafs es bos sey, nach 

dem Guten und Bessern zu forischen , weil man über das 
Beste entweder bereits im Sidiem seje, und^ alle noch zu 
erhaltenden Resultate nur auf Abwegfe fuhren konnten, 
oder weil das Forschen darnach nur wenig^en Indiriduen 
vorbehalten seyn müfse. So verrückt diese Behauptung 
nun ist, 90 hat gleichwohl ein vergangnes Zeitalter bei 
der Masse des Volkes auch den Glauben an sie in seiner 
Blüthe gesehen , und noch giebt es weite Erdstriche , 
wo sie in allem Ansehen steht. Wer freilich den darin 
liegenden Widerspruch nicht aufzufinden vermag, dem 
mag es gerathener seyn , demjenigen blind zu glauben, 
was andre ihn lehren. Wie Vieles haben wir selbst nicht 
alle glauben müssen, ehe wir es begreifen und verstehen 
lernten ; wie Vieles werden künftige Generationen wissen, 
worüber vdr jetzt noch im wahren oder falschen Glauben 
befangeh sind ! 

Darum darf es uns nicht zu sehr wundem, wenn wir 
manche Volker — und wenn wir vielleicht uns selbst — in 
Ücherlichen, schädlichen, unvernünftigen, selbst un- 
moralisdien Sitten befangen finden, ohne dafs sie es 
ahnen und einsehen« Hohes ünreclwt thmi Schriftsteller 
oft, wenn sie defshalb Nationen zu bitter tadeln. Was 
eine ganze Generation alter, erfahrner Leute der jun- 
gem vom ersten Jahre der Geburt an bis zum reifen 
Alter tagtäglich als recht und gut zeigt , lehrt , zu thun 
auferlegt, und mit Gewalt abzwingt^ das nimmt die 
letztre allmähligan, ohne weiter darüber nachzudenken, 
besonders W4inn die Meinungen auch bevormundet wer*- 
den; — oder wenn der Erwachsene, wenn der Einzelne eine 



— 86 — 

gesundere Ansicht von der Sache g;ewinnt, so wagt er 
es nicht, sich der Allgemeinheit entgegenzustellen; oder 
endlich er übt sie nur im Stillen. Die Macht solcher 
Verhiltnisse , wo sie Statt findet, mufs in uns eher 
Bedauern erwecken , als uns zur Beschuldigung reitzen. 
€rehen wir nun zu dem Italiener über, so finden wir, 
dafs das Italienische Priesterthum , das südliche Klima , 
die geographische Lage des Landes einst den Handel 
zurToUendetsten Bluthe erhebend, dafs endlich die dadurch 
so wie durch die frühere politische Bedeutung noch jetzt 
angehäuften Reichthümer, einer ganz ungewöhnlichen 
Personeazahl ein arbeitsfreies Leben gestattend, auf 
die Richtung der nationellen Ausbildung den bestimmte- 
sten Binfiufs gehabt haben. Andrerseits finden wir unter 
den Torstehenderen nationeilen Charakterzügen einen mit 
vielen scbeufslichen Begleitern verbundenen Bigottismus; 
eine lebendige Phantasie : Mutter vieler schönen Künste; 
eine unbändige, unversiegbare Leidenschaftlichkeit: Quelle 
vieles Bösen, und oft zur Grausamkeit steigend; eine 
bestimmte Neigung zur Intrigue; eine höfische, alle 
Offenheit verbietende, erst nach einiger Uebuhg ver- 
ständlich werdende Höffichkeit; eine Scheu vor ernst 
anstrengender Arbeit; einen kaufmännischen Speculations- 
Geist , in einer dem Fremden nicht löblich scheinenden 
Richtung, alle Handlungen, selbst wo e» am unerwartet- 
sten ist, bestimmend, und Gewinn ohne schwere Arbeit su- 
chend; endlich gehören hieher die ganz eigeuthümliehen 
ehelichen und häuslichen Verhältnisse , deren QueUe in 
komplizivteren Grundursachen zu suchen jst. 



— «r — 

Vaa mehrern dieser nationellen JQgenthüadiclikettml 
wird sich unten Veranlassung ergeben, weiter zu spre- 
dien: hier nur Einiges von denselben. 

Wenn der Italiener alle anstrengende und andauernde 
Arbeit bei weitem mehr scheut, als sdae grofsen Ahnen 
gethan haben , so \\e^ der Grund davon vielleicht zum 
Theile in dem heifser gewordenen Klima Italiens^ Der 
Komplex politischer Verhältnisse,' welcher die Gewerbe 
im Inniade niederdrückt und den Handel nach aussen 
grofötentheils abschneidet, hat das Seinige dabei getihan; 
und die verfinderteli Religions-Ansichten sind im Verlauft ^ 
von Jahrhunderten wcrhl nicht ohne fiiiiflula gewesen. ^ 
Nur lavomo im glücklichen Toskana hat noch bedeuteA- 
deu auswärtigen Handel, aber er ist grofsentheils in den 
Händen dtigewanderter Fremden, zumal Schweitzer , 
oder Juden. 0och giebt es dort auch viele grofse Ita- 
liemsclie Häuser. — Der Italiener hält es nicht für ua- 
red&h. Andre im Handel zu betrugen. Betrug ist ihm 
kaofamonbche tirewandtheit und Ueberlegenheit. BSs 
steht dem Andern frei, alle Kaufbedingnisse 9U{;fl|.t(^en, 
wi^he er müI; vergifst er aber eine, drückt er sich 
nnbestiaimt darüber aus, und seye es auch die allerge- 
wehnlichste, sich von selbst verstehende, ^o ist es des- 
sen ^ae Schuld, welche der Italiener au seinem Vor- 
theiie benutzen darf. Alle Mittel der Ueberlistung, des 
Uebereiiens , des fifnschläfems bei dem Handel dürfen 
angewandt werden \ alle Heimath-Genossen helfen dabei 
susaimnen, um entweder Theii vom Gewinn zu haben, 
oder des Gegendienstes im ähnlichen FaMe versichert 
xu s^m. Diese -Art des Handels kennen wir bei uns 



nvr .darch die Schacher- Juden; dort aber ist nlan ge- 
wöhnlich bei, dem angesehensten Handeishause so wenig 
sicher, als beim Hausirer; und bei diesem nicht mehr 
als beim Privatmann, selbst in Verhältnissen, wo man 
sich seines Eigennutzes nicht Tersieht Ich habe Italienern 
lielseitige und zunächst uneigennützige Gefälligkeiten zu 
danken gehabt; aber Ich habe gefunden, dafs man diese 
nicht Immer als Beweise ansehen darf, dafs der Eigen* 
nutz nicht bei nächster Gelegenheit desto stärker alle 
Triebfedern in Bewegung setzen werde. Deutsche Kauf- 
/ le^te, welche sich, ohne den National-Charakter zuarst zu 
A^ kennen, in Italien in grofse Geschäfte eingelassen haben, 
mufsten ihre Unkunde und Ihr zu grofses Vertrauen in 
der Regel sehr bitter büfsen. Der Italiener aber, wels- 
cher in obiger Welse nicht verführe, wo die Gelegenheit 
sieh ihm bietet , würde von seinen Landsleuten sich d&k 
Vorwurf des Unverstandes, der Geschäftsunkunde u.8. w. 
zuziehen. Nur wenn der Betrug durch Lügen begründet 
wird, werden die Besseren ihn nicht bUligen, obschon 
er auch da nicht selten ist, wenn es geschehen kann, 
wo Beweifsmittel fehlen, oder zu spät beigebracht wer- 
den können. Ich will andre Beispiele aus meiner eignen 
Erfahrung hier beifügen, zwar nur von kleinlichen Spe- 
kulationen handelnd , aber um so charakteristischer^ je 
mehre Personen darinn zugleich befangen waren. li¥ah- 
rend ich in CastelF arquato fossile Kohchylien sammelte, 
fand sich allmählig eine grofse Anzahl von Personen , 
welche sich ebenfalls aufs Sammeln legten, und welchen 
ich alles mir noch Anstehende, Gutes wie Schlechtes, 
Gemeines wie Seltenes, um eine gewisse Taxe abkaufte, 



_ 89 — 

weil ich voraussah , daf&, wenn ich miöh einmal in Hau* 
dein einliefse , dessen Icein Ende mehr seyn würde, und 
dafs alle dahbi isich wechselseitig nnt^atötzen würden, 
die Preise zu steigern u. dgl. m. Dies ging eine Zeit 
lang recht gut an. Als aber meine Yorrathe sich häuf- 
ten , und bald nicht mehr in gleichem M aafse bei Seite 
geschafft werden konnten , fanden sich bald Tjlele Perso- 
nen aus Nahe und Ferne ein, sie anzusehen: Reisende, 
Geistliche, Apotheker, Wirthe, Kaufleute, benachbarte 
Gutsbesitzer, Grafen, und eine Menge mufsiger Personen. 
.Sie traten ein nach ihrer Sitte, den Hut auf dem Kopfe 
behaltend oder nur wenig verschiebend, während ich 
beschäftigt war, ohne von mir Notiz zn nehmen. Sie 
sahen sich Alles mit Müsse an, ohne jedoch in der Regel 
etwas anzurühren, mit auf den l!m;ken gelegten Händen, 
geriethen auch ohne Umstände in mein Schlafzimmer, 
wo ich Manches zu verwahren gedachte , und eben nicht 
immer Alles zur Schau ausgestellt war. Ich durfte ihnen 
dieses nicht wehren. Die Unbefangenheit, mit der sie 
allerwärt^^ieintraten, zeigte, dafs dieses in ihrem Natio- 
nellen begründet seye, und eben nichts Ungewöhnliches, 
Auffallendes unter ihnen haben würde, auch dafs ich 
wohl die nöthige Sicherheit habe, obschon Manches, 
von dem sie wufsten , dafs ich Werth darauf setze, offen 
da lag. Nichts wurde mir entwendet. Gleichwohl in- 
kommodirten sie mich oft. Durch ein Verbot würde ich zu 
grell eingeschritten seyn. Stiefsen sie endlich zufällig auf 
mich, so sagten sie mir, dafs sie gekommen 9eyen, mein 
„Museum^' zu besichtigen, dessen Reichthum Alles über- 
treffe, was man in dieser Art noch gesehen habe. Man 



— 00 — 
Si^ imn^ mekr an, mir nachmrechneD , welche Sum- 
men icii hier ausübe, und der Spekulations-Geist wurde 
audi in denjenwui re^, welche bisher die Sache für m 
unbedeut«id geRuten htrtt«n, oder wenigstens durch an- 
•tren^nde t^elange Arbeit nichts gewinnen wollten. 
Manche fanden sich nun , welche die Waare , nicht in 
Masse, sond«m in einzelnen seltenen Stucken darboten, 
und an Wenigem Viel xa gewinnen dachten. Sie kamen, 
}e 2 — S miteinander, erzählten mir, dafs sie sich mit 
Handels-Geschäften nicht abgaben, dafs sie jedoch eines 
iufserst seltenen Fund gemacht hätten, den sie mir zei- 
gen wollten. Nach vielen Umschweifen reidite einer mit 
^Tofser Vorsicht in die Tasche, brachte ein Papier her- 
vor, das er auseinanderfaltete, und worinn noch swei 
andre in einander eins^ültt lagen, bis denn endlich eine 
kleineSchneckezum Vorschein kam. Die Andern machten 
indessen lange Hälse und begierige Augen. Unter vielen 
Lobpreisungen der Schönheit und Seltenheit sagte .man 
mir, dafs man mir es für ß — 8 Francs überlassen wollte. 
Indessen waren diese Sachen nie so selten, dafs ich nicht 
schon einen Vorrath davon gehabt hätte. Ein Sammler 
hatte einmal drei Grofse-Thaler Tür eine seltene und 
schöne Scalaria gegeben, und mir machte man unge- 
heure Forderungen fär alles, was Scalaria hiefs, getaäa 
in der That 
I diese Leute 
zu bewahren. 
Tagen die er- 
n heran, mir 
a, 80 dafs ich 



— 91 — 

darüber erst verwundert war. Sie hatten indedaen dian 
Zweck, während dessen diejenigen Arten kennen zu ler^ 
Ben, welche ich am meisten suchte und am wenigaten 
fand. Dann machten sie den Plan , diese Arten aus den 
mir zu bringenden Yorräthen alle vorher auszusuchen, 
für etwas höhere Preise, als ich gewöhnlich gab, aufzu* 
kaufen, und zuletzt mich zu zwingen, sie ihnen nun noch 
theurer abzunehmen. Aber auch djese M aafsregel gab^ 
sie auf, als ich die gegebene Erklärung streng befolgte, 
dafs ich nie mehr etwas anders als von den ersten Samm- 
lern und um die gleichen Preise nehmen^ würde, die ich 
nur in den letzten Tagen meines Aufenthaltes erhöhte, 
wo ich mit den meisten Arten schon hinreichend vorger 
sehen war. — Noch andre endlich führten nur grofse 
Coups aus. Sie kauften, wenn keine Fremden da wa- 
ren , Yorräthe um geringe Preise , bildeten Sammlungen 
daraus, welche sie dann zu hohen Preisen an solche 
Reisende abliefsen, die sich nicht lange aufhalten konnten. 
So hatte einer, wie maii mir von mehrern Sdten er- 
zählte^ einem reisenden Engländer unlängst, unter der 
Bedingnifs, dafs er wenigstens 800 Exemplare nähme,, 
eine Sammlung, jedes Stück für 2 Francs verkauft Mir 
selbst waren vor 6 Jahren, vor meiner ersten Reise, 
auf briefliche Anfrage noch weit gröfsre Forderungen 
gemacht worden. Ich hatte nämlich einen namhaften 
Beamten und Schriftsteller in Piacenza gefragt , ob und 
unter welchen Bedingnissen fossile Konchylien der Ge- 
gend zu erhalten seyen ; worauf er mir erwiederte^ dafs 
wamxk sich an Ort und Stelle selbst dergleichen nur mit 
gvofsen Kosten und Zeit-Anfwand verscbairen könne 



wolle ich döfieichen bald erhalten, so könne er daher 
sie nicht erst sammeln lassen , nnd er biete mir aus be- 
sonderer Rücksicht seine oder seines Sohnes bereits 
vorhandene Sammlung an. D^e eine enthalte 60 — ^^70 
Arten, die andre weit Tollständigre aber 350 Arten ^!) , 
jede mit 1 — 4 Exemplaren. Die erstre könne er mir für 
1000, die/letztre für 0000 Franken ablassen; dann 
wolle er mir noch ein literarisches Produkt Ton sich zum 
Geschenke machen ! 

Aehnlich rerhält es sich mit der Italienischen Hof- 
Jichkeit. Der Deutsche ist toh Natur einfach; derFran- 
zose voll Komplimenten, aber er findet es rühmlich , sie 
in gewandtem Benehmen , in angenehmer lebendiger Un- 
terhaltung, oder in einer Menge Verbindlichkeiten zu 
suchen , die er der Gesellschaft sagt. Der Italiener aber 
nimmt Lüge und Verstellung zu Hülfe. Er halt es 
nicht für artig, für eines auf Bildung Anspruch machen- 
den Menschen würdig, dafs er einem andern überhaupt 
oder geradezu etwas abschlage , oder ihm widerspreche, 
wo er auch nie innerlich zustimmen kann. Ja er kömmt 
allen seinen Wünschen mit Anerbietungen aufs Verbind- 
lichste entgegen, ohne die Absicht, sie zu realisiren. Un- 
zahlige Male, wenn der Fremde an irgend einem Gegen- 
stande Wohlgefallen zeigt, erwiedert ihm der Italiener : 
„si serva, sene serva pure, Signor^^ (Nehmen Sie's, neh* 
men Sie's nur^. Aber der Fremde glaube nur nicht, 
dafs es Ernst seye , möge auch der Gegenstand noch so 
unbedeutend seyn. Nur wenn der Italiener ihm solchen 
selbst in die Hand giebt, darf er »allenfalls es wagen. 
Verlangt man seine Sammlung zu sehen, so wird der Ita- 



— 98 — 

liener pflichtsnafsig alsbald eine halbe Stimde opfi^rn, 
sie zu zeigen. Verlangt man sie zu studiren, so wird 
man sehr bald die Erlanbnifs mit vieler Artigkeit erhal- 
ten; aber wenn jene nicht unter Schlofs und Rfegel blei- 
ben kann , so wird man sie dem Fremden weder allein 
anvertrauen , noch alsbald die nöthige Zeit finden , de 
ihm selbst zu zeigen. — Doch ich lasse eine Erzählung 
folgen, welche der Französische Architekt in unserm 
Kranzchen in Florenz , nachdem er in einer Wette eine 
Bouteille Bordeaux gewonnen , uns mitgetheilt hat. Ein 
reicher Marchese war mit ihm in N. zusammengekodt- 
men , hatte erfahren , dafs der Zweck seiner Reise das 
Studium von Antiquitäten seye, hatte mit vieler Artigkeit 
sich nun seine Bekanntschaft beworben, ihm gesagt, dafa 
er mit ihm eine gleiche Neigung theile, auf seinem Land- 
sitze eine artige Sammlung von Antiquitäten habe, dafa 
in der Nahe mancherlei Interessantes, weniger Bekanntes 
zusehen, auch Mancherlei noch zu acquiriren seye, und 
Maßg noch Neues gefunden werde. Er solle ihiki daher 
die Freude machen, auf seinem Landgute ihn zu besu- 
dien, was ihn , wie zu hoffen, nicht gereuen diufe. Der 
Franzose nahm den Vorschlag des Italieners an, der 
fär einen sehr gebildeten Mann galt, und gelangte einige 
Wochen später auf seiner Reise nach dem Gute , in der 
Absicht, daselbst zwei bis drei Tage zuzubringen. Er 
fand den Marchese , und lernte dessen Frau , eine sehr 
schöne, sehr artige Dame, eine zahlreiche, liebenswür- 
dige Familie und einen rüstigen Abbate, den Lehrer der 
Kinder, als Bewohner des Landgutes kennen, das eine 
vortreffliche Lage hatte. Die ganze Familie zeigte dch 



— M — 

übqr 86iiie Ifin^st erwartete Ankunft sehr erfreut: Froh- 
liehkeit des ganzen Hauses bezeichnete die Ankunft des 
Fremden bald nach Mittag. Nachdem man ihm einige 
Brlrisehungen gereicht, ihn gebeten, sich es bequemer 
zu machen, Uin im Hause und Garten herumgeführt^ 
und ihm gesagt hatte , dafs man sicli zur Pflicht mache, 
ihm bald zu zeigen, was zu sehen er hauptsächlich hie- 
her gekommen, und dals man sich das Vergnügen nicht 
werde nehmen lassen , ihn auf allen Wanderungen , die 
er bei seinem hoifentlidi recht langen Aufenthalte ma- 
chen werde , selbst zu begleiten , war der Abend herbei 
gekommen : ein Spaziergang Ton ^ Stunde Weges wurde 
vergeschlagen. Man fragte während dessen den Frem- 
den , ob er musikalisch seye, und vernahm mit Bedauern 
die verneinende Antwort. Nach der Rückkehr unterhielt 
man ihn mit verschiedenen sehr schönen musikalischen 
Uebungen, setzte sich zu Tische, kündigte ihm an, dafs 
HMHi morgen sieh zum ersten Geschäfte machen werde, 
ihm die Sammlung des Hauses zu zeigen, worüber der 
Architekt viele Freude bezeigte, weil er nach drei Ta- 
gen längstens leider schon wieder abreisen müsse. Man 
wünschte sich wechselseitig gute Nacht, und am frühen 
Morgen stund der Franzose in seiner Ungeduld ange- 
kleidet im Zimmer. Aber es war stille und öde im Haus, 
und selbst ein offener Ausgang ins Freie nicht am ent- 
decken. Seine Geduld bestund eine harte Probe ; endUeh 
nach 9 Uhr wurde es etwas lebendig, der Bediente kam» 
seine Kleider zu reinigen, und ihm zu sagen , dafs man 
sieh bald zum Frühstück versammeln werde. Dies ge- 
chah um zehn. Man freute sich^ ohne zu fragen, dafs er 



, — 95 — 

80 langte gescbkfeii habe, und um 11 Uhr wurde er d«Rii 
in die Sammlung geführt. Nach zwei Stunden rief man in 
Tische, hielt darauf ein Nachmittag-Schläfchen ^ fandea 
dann zu heifs, um schon auszugehen, musicirte, machte am 
Abende denselben Spaziergange wie gestern, musicirte, afs, 
und ging zu Bette. Der Fremde drückte vorher noch 
die Bitte aus , dafs der Marchese ihn nun unterrichten 
möge , wie er morgen das Merkwürdigste des ihn Intere»* 
sIrenden in der Gegend kennen lernen könne, und bat, 
ihm einen Führer zu Terschaffen , falls er dergleichen 
nSdiig habe. Der Marchese sagte ihm , dafs es Ehren- 
sache für ihn seye , ihn überall selbst zu bellten, und 
dafs er morgen mit ihm die Sache überlegen werd^ 
Aber beim Frühstücke langten zwei musikalische Fremide 
an , der neue Tag rergieng wie der vorige , am Abende 
richtete die ganze Gesellschaft eine Spazier&hrt nadi 
einem nahegelegenen Orte, wo eim'ge Häuser antike 
Mauern besafsen , und antike Säulen als Bausteine in der 
neuen Kirche verwendet waren. Auf dem Heimweg ver- 
sicherte man dem Fremden , dafs er jetzt erst das We- 
nigste gesehen, und dafs er noch Wochen lang zu ihun 
finden würde ; der morgige Tag indessen seye zu, einer 
musikalischen Auffuhrung mit den neuen Fremden be- 
stimmt : man werde daher feiern. Der Architekt äufserte, 
dafs er leider nicht mehr länger verweilen könne, er be- 
sinne sich, dafs in der Nähe Spuren eines alten Amphi- 
theaters vorkommen sollen: er wolle daher morgen 
früh schon abreisen, um den nöthigen kleinen Umweg 
noch machen zu können, um sie zu sehen. Aber er 
fmd am Morgen aJle Ausgänge verschlossen , weil sein 



Weg Awteh die Zünmer führte, weiche ^ neuen Fremden 
eingenonunea liatten: er mufste sicli bis zum Frühstück 
gedulden, wo der Abbate sich bei Ankündigung seiner 
nahen Abreise Terwundernd Sufserte, wie er über dem 
Todten und Kalten das Lebende und Junge vergessen 
könne, womit die musikalischen Freunde einstimmten, 
auf Kosten des Arcliitekten viele Artigiceiten an die 
Marchese und ihre Töchter richtend, welche gleiche 
Meinung zu theOen schienen ; worauf dann der Reisende 
dankend Abschied nalim, und sich von einem Fülirer zu 
den Ueberresten des erwähnten Ampliitheaters begleiten 

liefs. Manche andre Erzählungen wurden an die 

jetzige angeschlossen ähnlichen Inhaltes, oder glänzende 
Belege für das Talent derintrigue der Italiener enthaltend, 
die ich jedoch übergehe, weil ein grofser Theil ihres 
Interesses auf zu persönlichen Verhältnissen beruhet. 



vm. 



Häusliche und eheliche Verhält- 

■4 

rume insbesondere. 



— — — Ora di qui, Signote, 
Yenne il rito gentil, che a fre^di spod 
Le tenebre concede e de le spose 
Le caste membra; e a toi, beata g«nte 
Di piü nobQe mondo , il cor di qoette 
£ il dominio del dl largo destina. 

Parini , poesie. 



JMirgead sind die Sitten und das Leben, die Anacliten 

«ad Begierden des Italienischen Megahts, des reichern 
Italienischen Ehemannes , der Yergniigongs^lustigen Ita- 
iienerinn besser, treffender nnd zugleich zierlicher jge« 
schildert .worden, als in Parini's Poesieen. Der Mor* 
l^a, der Mittag, der Abend, die Nacht berichten tren^ ' 
lieh , was in ihr Bereich gehöre , und waiB da vorgehe. 
Doch ich will mich hier nicht dnf die hofaren Slälnde 
allein, nicht faanptsachlidi auf sie einlassen. Die Tor- 
nehmen Zirkel iind vra vielea Beisenden schon geschil* 

Jlrofin, Reite 11. * 



^ 



^~~ Ifcf -^ 

dert worden ^ de gleichen sich bei allen Eoropaiscben 
Nationen am meisten. 

Das Italienische Weib als Weib, Hausfrau, Ehe- 
gattin, Mutter, ist himmelweit von dem Deutschen oder 
Franzosischen Terschieden. Die Gluth des südlicheren 
Himmels , der Eigennutz des Italienischen Priesterthums 
und die von Jugend auf eingesogenen Ansichten haben ihre 
Einlnldungskraft, ihre Neigungen, ihre Begierden zu 
einem unglaublich hohen Grade gesteigert. Die Ita« 
Uenerinn lebt, um zu leben. ArbeU iat für sie eine grofse 
Last , und nur der Druck der Verhältnisse kann sie dazu 
zwingen. Die Bäuerin , die Frau des geringen Handwer- 
kers unterzieht sich nur den dringenden, leichten Hand- 
arbeiten im Innern des Hauses. Die Haushaltgeschäfte 
sind sehr einfach : der heifse und lange Sommer nöthigt 
sie nur für wenige Kleider zu sorgen; die Sitte des 
Standes gestattet, dafs sie diese, wenn sie zerrissen 
und schmutzig sind, nur spärlich flicken und reihigen. 
Die zuzubereitende Nahrung ist so wohlfeil als einfach. * 
Wenige Kreuzer für Maismehl, ein Kessel toII Wasser^ 
eine Handvoll Reifsholz und eine halbe Stunde Zeit rei- 
chen hin , einer ganzen zahlreichen Familie ihr Polenta 
zum Mittag- und Abend- Essen zu bereiten. Die Küche 
ist zugleich die Wohnstube, ^e im Witater nur weiuig 
Feuerung bedarf^ und höchst wenige Zeit zur Rem!- 
gong erheischt. Der Mann bestellt das Feld, sorgt fn% 
den kleinen Holzvorrath auf den Winter , für Herbei- 
schafibng des allenfalls nothigen Laubes und sonstigen 
Yiehfutters, versieht auch meist die Fütterung selbst 
Die Kramersfrau , die Frau des wohlhabenderen Hand- 



— 99 — A>t^-^^ 

Univerßity « 

verkers, kann ifarem Vergnügen schon mehr opferifes ^/ C H ' 'y ^. - 
Der M^nn geht taglich nach dem Markte einzukaufen» 
weil eine Fran dieses Ranges Unannehmlichkeiten zu 
ffircliten hahen würde , wenn ;sie sich zeigte. An Sonn* 
tagen, zumal aher an Muttergottestagen, besucht sie 
eine Kirche in einem entlegenem Stadtviertel , Tor dem 
Thore, auf einem nahen Dorfe, irgend einem Heiligen 
zu Ehren. Sie kehrt dabei vielleicht ein, sie frühstückt; 
sie macht nach Tisch einen Spaziergang, und IsXst sich 
unterwegs bewirthen. Ist sie hübsch, gewandt, hat sie 
erwachsene Töchter, so weifs sie wohl auch einen Freni- 
den an sich zu ziehen , der sie dabei begleitet und die 
K4>8ten bestreitet. Der höchste Genufs ist , wenn sie so 
mehre zusammen eine Ausfahrt nach einem nah^n Dorfe 
machen , und des Abends zur Zeit des Corso im offenen 
Wagen nach der Stadt zurückkehren können. Das stei* 
gert sich allmählie bei der Frau des reichren Kaufmann 
nes, des Beamten, des Rentiers, des Marchesen und 
Grafen. In den Häusern dieses Ranges findet eben so 
wen% eine Haushaltung durch die Hausfrau Statt, ab 
sich daselbst weibliche Dienstboten finden. Der Koch^ 
der Küchenjunge, die Bedienten, deren Anzahl von 1 
auf 6 — 8 steigt , besorgen das Cfanze. Eine Gräfin 
wunderte sich einst bei einem Deutschen Kaufmanne, der 
eines ihrer Häuser bewohnte, und eine Familie von 7— 9 
Personen hatte, wie es möglich seye, dafs ein Bedienter 
und eine Magd (^was Frau und Töchter dabei i^elbst tha- 
ten, ahnete sie freilich nicht) zur Besorgung der häus- 
lichen Geschäfte hinreichend seyn- köimten , da sie und 
ihre Tochter allein von ihren 7 Bedienten so schlecht 



— 100 — 

he$&rgt würden. Einer datronnifachte den Haushofmeister, 
zwei besorg^ten die Küche , einer die Pferde , einer war 
Thürsteher, zwei stünden hinten auf dem Wagen, und 
sernrten bei Tische, wo taglich standesmäfsig 12-— 16 
Schüsseln allein für Mutter und Tochter aufgetragen 
wurden. Die Reinigung der Zimmer und des Hauses 

4 

theilten sie unter sich. Die einzige weibliche Bediente, 
aufser etwa ^inem Kammermadehen , pflegt 'eine alte, in 
der Familie fortgeerbte Amme zu seyn * ), die zugleich 
die Aufsicht über die kleinern Kinder führt, und für 
deren Unterricht und Erziehung bei sehr wohlhabenden 
Leuten ein in das Haus aufgenommener Abb^ sorgt, weil 
Vater und Mutter dazu nicht Zeit haben. So wohlfei) 
den geringeren Klassen zu leben möglich ist,, so grofse 
Summen müssen die oben erwähnten höheren Stande 
zur Bestreitung ihrer Haushaltung aufwenden. Der Luxus 
im Essen steigert sich, wie aus Obigem zu ersehen, sehr 
Schnell bei denselben. Die Unterhaltung der grofsen 
Anzahl Ton Bedienten ist nicht nur an und für sich kost- 
spfelig, sondern hauptsächlich darum sehr theuer, weil 
sie ohne alle Aufsicht und Kontrolle Ton Seiten der Herr- 
schaft sind^ weil jeder, was immer möglich, dabei zu 
erwerben sucht, und jeder zu den Unterschleifen de» 
anderen schweigen mufs, indem er selbst auf dessen Nach- 



*) Es wäre in politiflcher Hinsicht interessant, alle Folgen 
grandlich zu untersuchen und gehörig zn yerfolgen, die dar- 
ans entstehen müssen, dafs so fiele weiblichen Mitglieder 
des Staates : die einen aus den niedern Standen kein Unterkom- 
men als Bediente finden können ; die andern ans den höheren 
keiner Arbeit sich unterziehen woUem 



— 101 X. 

Sicht Anspruch zu machen hat Zudem sucht jeder der 
Bedienten seine Arbeit nach Möglichkeit sich zu erleich- 
tern , jeder fürchtet ein Geschäft des anderen zu Ter- 
richten , und jemehr derselben sind, desto wemger be- 
sorgt jeder das sein^e. Alle wollen möglichst unab- 
hängig Ton einander bleiben. Der Koch besorgt auf dem 
Markte mit dem Küchenjungen die Einkäufe ; das Meiste 
jedoch wird ihm zur Auswahl ins Haus gebracht. Eini« 
gar angesehenen Deutschen Kaufleute f^rauen, in Lom- 
bardischen Städten, versuchten es,^t der Magd oder 
dem Koche selbst auf den Markt zu gehen. Das erregjte 
Aufsehen. Viele junge Leute fanden sich dort ein, sie zu 
sehen; doch vergafsen sie der minder schönen bald, und 
auch den anderen ist wemgstens nie eine Unannehmlichkeit 
widerfahren, sobald ihr Benehmen zeigte, dafs sie nur 
nach dem Markte kamen, um ^ einzukaufen. Was fer- 
ner den Haushalt der vornehmem Klassen sehr kost- 
spieUg macht, «ind Wagen und Pferde, nach deren Be- 
sitz der Sinn jeder Italienerinn ewig strebt, und deren 
Anschaflung oft in den Ehevertrag als Bedingnifs mit 
angenommen wird. Wer es zu erschwingen vermag, 
mufs sie haben; wer es nicht vermag , miethet wenig- 
stens am Sonntage ein anständiges Gefahrte, um sich mit 
seiner Familie auf dem Corso zu zeigen. 

Ich lasse hier eine Uebersicht der Eintheilung des Ta- 
ges in Itaüen während dei^ Sommers folgen. Der Ita- 
liener, mit Ausnahme des Kutschers , des Handwerkers, 
des Reisenden erhebt sich vor 8 — 9 Uhr nicht aus sei- 
nem Bette, lim welche Zeit dann auch die Kaufläden ge- 
öflhet werden. Die Kaffeehäuser aber finden jene andern 



— 102 — 

Ton 5 Uhr an für sich offen. Ich habe mehre Italiener 
kennen gelernt, welche bis 12 oder 1 Uhr, im Sommer 
yfie im Winter , im Bette zubrachten, etwa lesend oder 
schreibend: eine Sitte, die jedoch auch von Fremden 
öfters nachgeahmt Mird, weil dort die Kamine der Zim- 
mer schwerer zn heitzen sind. Bis 9 oder 10 Uhr wird 
gefrühstückt; dann die Arbeit begonnen , welche bis 2-^ 
3 •— 4 Uhr währt In einigen nördlichem Gegenden 
zwar (Pavia, Parma) ifst man meist schon um 1 Uhr 
zu Mittag ; In Mailand und den südlichem aber später. 
Nach dem Mittagessen gegen fünf legt sich der Italiener 
meist ins Bette (^^ in letto) bis gegen 6 oder Y Uhr. 
Diese Zeit ist es denn auch , wo man meist Besuche zu 
machen pflegt , wo die Freunde des Hauses , der Beicht- 
vater u. s. w. sich nach dem Befinden der Hausfrau er- 
kundigen, mit der sie allein vorlieb nehmen müssen, weil 
der Herr Geschäfte hat. Um sechs oder sieben Uhr, 
•oder, je nach der Jahreszeit, früher, findet der Herr Ge- 
mahl sich wieder ein, um seine Frau, falls sie keine 
Abhaltungen hat, zur Spazierfahrt auf den Corso abzu- 
holen. Wer keine Frau dahin zu führen hat, macht ent- 
weder Besuch, föhrt oder reitet allein , oder begibt sich 

• 

^um Kaffeehause, wo die meisten Wagen vom Corso 
vorbei müssen. Um sehs Uhr bereits ist der schattige 
Marktplatz in Parma mit einer Menge müfsig umher- 
stehender Menschen , groftientheils Geistlicher, bedeckt. 
Um 6 Uhr findet man sich in Bologna in den Hallen vor 
den Kaffeehäusern ein, die auf der Schattenseite der be- 
suchtesten Strafsen liegen, und nimmt Besitz von den 
Hunderten dort breit stehender Stühle und Bänke. Aber 



— IW — 

mf den sonnigen Kays längs d^r Ufer des rflberwtlff- 

f en *^ Arno ist es noch öde und leer, und nur die an- 

stofsenden schattigen Qneerstrafsen füllen sich allmahlig 

mit Menschen, weiche toH Sehnsucht den Aogenblick: 

erwarten, wo die Sonne hinter den fernen Bergen über 

dem Fufse hinabsinkt. Jetzt strömen sie von allen Seiten 

nach dem Arno herein, das Katfeehaus öffnet sich, vor 

demselben reihet sich Sitz an Sitz; Fufsgänger wallen, 

g^eiibte Reiter traben , schön gebaute Wagen rollen mit 

, geschmückten Frauen, die nachföfsig darinn liegen, an 

der Seite eines Begleiters und gefolgt von hintenanfste- 

henden Jäg^n mit hochwallenden Federbischen: immer 

dichter und dichter drängt es sich nach dem Corso Tor das 

Thor. Jetzt stockt das Gedränge , die Wagen müfsen 

Schritt halten, einer reihet sich hinter den andern, und 

auf einer Seite der Strafse z^hen sie hinauf, auf der 

andern hinab. Nach 8 Uhr kehren sie zurück; aber das 

' Gedränge der Fufsgänger mindert sich nur mit Anfang 

des Theaters etwas, und hört erst gegen zehn Uhr fast 

völlig auf. Am Sonntm beginnt der Corso früher und 

ist viel lebhafter^ weil sich jetzt eine Menge Miethwa- 

gen zu den anderen gesellen, und zahlreiche Fufsgänger 

sich einfinden. 

Das täglich statt findende Theater, die tägliche Fahrt 
nach dem Corso, der regelmäfsig^ Besuch des Kaflee- 



*) Der Arno hat das schmutzigste gelbe Wasser, gleich 
der Tiber. Vom Silber-welligen Arno singt gleichwohl ein be- 
rühmter Englischer Dichter , den eine schone Italienerinn in 
Florenz fesselte. 



— IM — 

battses^ wo man eine zaUrdche Abend-Gesellschaft zu 
treffen sicher ist , und die Zeltungen liest , machen die 
bei uns gewöhnlichen Abend-Gesellschaften meist ent* 
behriich , so dafs sie selbst dann nicht Statt finden, wenn 
die Jahreszeit den Besuch des Corso nicht gestattet, oder 
wenn zufällig das Theater eine Zeit lang aussetzt. Mau 
sollte deffi^b denken, dafs die Italiener an solchen 6e- 
sellsdiaften keinen Geschmack finden. Aber keines weges! 
Di^i Deutsche Handelshäuser in einer Stadt der Lombar- 
dßj {so erzählte mir der Cbef des einen Hauses) gaben 
nieht nur für ihre Landsleute, sondern für ihre Bekann- 
4;en überhaupt, einen der letzten Winter hindurch ganz 
einfache Theegesellschaften, wobei sie einen etwas mon^ 
teren freien Ton einzuführen suchten. Mehre Italie- 
nischi» Familien nahmen regelmäfaigen Antheil, und 
bald wurden diese Gesellschaften «Is die Sanunelorte 
schöner Damen und die Zuflucht heiterer, Z^eremoniea* 
freier Unteilialtung bekannt Manche andre bewarben 
sich um Zutritt; aber so groüs auch der BeifkU war, den 
man der neuen UnteHialtungswe^ zoUte, so dachte doch 
nie ein Italiener daran, die ^che nachzuahmen. Bei 
^er besonderen Veranlassung wurden einmal 8 — 10 
Flaschen Wein aufgesezt, welche Verschwendung die 
Gesdlschafl in Erstaunen setzten, obgleich dort die Aus« 
gäbe dafür gum unbedeutend ist. Um Fastnacht schlug 
man vor, sollte die Gesellschaft den Tag nach Deutscher 
Weise in geschlofsnem e^nem Lokale mit Tanz und 
einem Glase jPunsch begehen, wozu jeder der Herren etwa 
2 Francs beitragen sollte. Als der Abend herbeikam , 
drangtdPsich Abonnenten und Nichtabonnenten ingrofser 



— IÖ5 — 

Anzahl in das Hans , die Gesdbchaft fand nicht mdir 
Platz in dem ihr hestimmten Lokale , yiele der Fremden 
wurden daher durch den Bedienten wieder hinaus^ewie- 
sen, da sie auf eine hoflichre Bitte nicht aditeten^ 
gleichwohl ärndtete nachher das Fest allgemeinen Bei* 

fall , aber -ein grofser Theil der Abonnenten blieb' 

seinen rersprodenen Beitrag noch bis heute schuldig« 
So scheint es , dafs der Italiener wohl für ungewohnte 
Vergnügen empfanglich ist; dafs er das Befsre nidtt 
▼erkennt, aber unfähig Ton der einmal ihm zum Bedürfe 
nisse gewordenen Form abzugehen, scheut er jede neue 
Ergötzlichkeit , wenn sie n^ie Ausgaben im Gefolge hat, 
•*-^ — IMe wenigen Gesellschaften in den Salons der ganz 
reichen Häuser der Residenzen sollen das Langweiligste 
seyn, was man kennt. 

Wir baten eines Tages in Florenz den, in Italien fast 
einlieimiscli gewordrai^i Schweitzer, uns seine Bemer- 
kungen, über die ehelichen Verhäitaisse des Landes mit? 
zutfaeileQ, über welche so maiuA«*lei Nachrichten Ter« 
breitet sind. Er that es mit folgenden Worten : ^3^* 
„kannt ist Italien des Gicisbeates wegen. Aber man macht 
„sich häufig unrichtige Vorstelluogen davon. Wenigstens 
„sind datei zwei fersonea «ehr strenge von einander zu 
„sondern, welche häufig als identisch angesehen werden, 
„ohne es nothwendig zu seyn: Der Cidsbeö uii4 d^p 
i^CaoaUer wrvente. Den letzteren zu besitzen, steht 
, jeder gebildeten Dame zu; sie mufs es sogar, wenn sie 
„sich nicht gegen den guten Ton verstoiTsen will. Denn 
„den'Bliinn wählt sie> dem Drange äuAirer Verhältnisse 
„folgend: feach dem Willen ihrer Verwandten, um sicl| 



— l06 — 

meinen hohen Kang, oder die Mittel su einem weiteren 
^^yergnngiea Leben zu TerschaiTen, oder endlich weil ihr 
„der Ehestand grofse Freiheiten gewährt. Sobald die« 
„aber geschehen, sncht sie sich einen Freund, der alle 
„Falten ihres Herzens zu erspähen sucht, alle Klänge ihres 
),Gemüthes verstehet, alle ihre Wünsche zuvor erräth, 
„alle ihre Verlangen vollzieht, sie auf allen ihren Schrit- 
„t«n begleitet, und sie beschützt. Die zärtlichsten Ihs 
„widerungen sind sein Lohn. Er hiat zu jeder Stunde 
„des Tages Zutritt in das Haus, was niemanden be- 
„fremdet Der Gemahl selbst sieht, vom Augenblicke 
„der Yerehelichung an, dem Erscheinen eines solchen 
„entgegen. Er selbst hatte bei einer andern Dame bis- 
„her eine ähnliche Stelle bekleidet, und .wufste voraus, 
9,was er nach derVerheirathung zu erwarten hätte. Sollte 
„er grillenhaft seyn, so ist die Dame klug genug, aufser 
„einer bestimmten Summe jährlicher Einkünfte, aufser 
„der Unterhaltung von Wagen und Pferden, auch noch 
9,die Duldung des Cavaliere servente im Hause und einen 
„Platz für denselben bei jeder Ausfahrt im Wagen, als 
„Bjßdingiusse in den Ehevertrag mit aufnehmen zu^ las- 
»,sen, wie man davon in Florenz erst kürzlich einige 
„Beispiele gehabt hat,^^ was auch der eben anwesende 
Italiener nnsrer Gesellschaft bestätigte. „Der Cavalier 
„servente fuhrt die Dame zum Theater, auf denCorso, 
„begleitet sie ungeladen zu jeder Gesellschaft, wohin 
„diese eingeladen ist, weil sich dieses von selbst ver- 
„steht. Er sitzt ihr dort zur Seite bei Tisch, und wehe 
„ihm, wenn er aus Complaisance diesen Platz — falls deren 
^,etwa bei Tisch fehlen sollten — etwa einer andern 



— lor — 

^,Dame zu überlasseh wagte! Es kennte ihm fdr immer 
„seine Stelle losten ! So weit indessen erscheint der 
„Cavalier serfente ^Is das, was er seyn ^oU, als der 
„Ritter, der Yertheidlger der Dame, ^en ein zärtlicher 
„Blick für alle seine Aufmerksamkeiten , für alle Mühe 
„überschwenglich belohnt. Alle Vergnügungen , alle 
„Leiden tragen sie gemeinschaftlich, und man hat so 
„manches Paar gekannt, dessen Zärtlichkeit bei allmahlig 
„eingetretnem hohen Alter noch aufs Jugendlichste 
„blühte. — So weit steht das Yerhältnifs in allen Ehren, 
„was in mehrern Gegenden dann aufhört, als ein ehren- 
„haftes zu gelten , wenn Ritter oder Dame öfters wech-* 
^seln, oder wenn eine Dame me^^rere Ritter um sich 
„duldet; während an andern Ort^n die Sache sehr stark 
„ausgeartet ist, und — ^ wenn ich nicht irre, z. 9. in 
„Genua — eine Dame unbefangen die andre fragt, wie 
„Tiele CaTalieri serventi sie besitze, und die Toskanerinn 
„bedauert, von der sie hört, dafe sie sich mit Einem be" 
„gnügt. Aber wie klein der Schritt Ton hier bis zum 
,,Cicisbeate seye, wie schwer beide zu unterscheiden, 
„und wie wenig dem letztern vorgebeugt werden könn<$, 
„wenn man das erstre Yerhältnifs nicht beseitigen darf, 
„ist wohl leicht zu ermessen« Die .Tugend der Frau ist 
„der einzige Schirm, der einzige Bürge, den der Ehe* 
„mann haben kann; und ich möchte nicht yersichern, 
„dafs diese Bürgschaft hier in der Regel viel werth seye. 
„Je weniger bei der Heii^ih im Allgemeinen die Neigung 
„des Mädchens befragt wird, desto Egoistischer tritt 
„diese nachher auf. So zurückgezogen das Italienische 
„Mädchen lebt, so schwer es ist, sich nur um ihre Be<< 



— 108 -r 

^aimtschaft zu bewerben, so sehr ihre Eltern als sie 
f^selbst sie Tor jeder Ausschweifung bewahren^ so ist ea 
„doch bereits so weit g^ekommen, dafs an Tiden Orten 
,)Wie in Rom, Neapel u. s. w., die Frau selbst dem 
„Manne und der Welt nicht mehr verhehlt, dafs ihr 
,,Umgang mit Jenem oder Diesem über das gewölmliche 
y^Verhältnifs zum Cavalier serrente hinausgehe, und der 
,,Art sej, dafs der Mann zur Eifersucht doppelt be* 
^rechtigt seje. Der Mann weifs es, und, so will es die 
„Tornehmre Sitte, er darf es nicht hindern, sich daran 
>,selbst nicht ärgern. Er spricht darüber mit jedem An- 
„dem , als Ton der gleichgültigsten Sache von der Welt. 
^,Er selbst betrübt sich mit seifier Frau, und tröstet sie, 
^,wenn sie den Geliebten rerliert. Die Italienerinn fröhnt 
„den Gesetzen des glühenderen Himmels, unter welchem 
„alle Farben in höheren Tönen prangen, alle Blumen 
„balsamischer duften. Sie liebt nur mit den Sinnen, und 
9,diese fragen dabei iiievials den Kopf um Rath. Daher 
^,l8tbald vergessen, was nicht mehr in die Sinne fallt. Daher 
„weifs aber auch der Ehemann, dafs alle seine Appel- 
„lationen und Demonstrationen an den Kopf vergeblich 
^„seyn würden. Widerstand würde nur die Leidenschaft 
„steigern, und den,. der ihn zu leisten versuchte, selbst 
.,ydem ganzen Zorne der Schönen aussetzen. Doch nur 
„der Frau gestattet die Sitte diese .Rechte, nicht dem 
,^adchen; daher auch das Mädchen vielleicht schwerer 
,„als in irgend einem andern Kinde sich v^rgifst, daher 
.,yes seiner stets Ihächtig bleibt , unabänderlich den ehe- 
^chen Stand als Ziel im Auge behaltend, unabänderlich 
4,nur ihn zur Bedingnifis machend, und selbst da, wo 



— 109 — 

,4nior schon seines Opfers g^ewifs m seyn ghnbte^ 
„plötzlich lind mit ^öfster Kalte sich wieder erhinert 
,Jenes Bedingnisses , anf dessen Erfalinng; hin nie etwM 
„voraus bewilligt wird. Wohl mag der Geliebte berms ^ 
),Aiii6rs Altar schmücken, wenn dadurch Hymen zur 
„Eile bewogen werden kann. So beherrscht sich dielta- 
, ^lienerinn inttinem un^laubliehen Grade, nur um sich nach* 
„her desto ungestörter ihren Sinnen überlassen zu können.^ 
Der Schweitzer hatte geend%et , und mehre Mitglie* 
der der Gesellschaft , die heute durch ein%e Landsleute 
verstärkt worden, äufserten ihre Freude > dafs es Jen* 
seits der Alpen doch besser seye. Vorzüglich der junge , 
kürzlich erst nach Italien gekommene, Deutsche ver- 
mogte einige bittre Vergleic^ungen zum Nachtheile Italiens 
nicht zu unterdrücken; worauf zu meineni Schrecken 
derPohle begann, welcher, meist stiller Gesellschafter, 
deii Mund nie öffnete, ohne auf Deutschland giftige Pfeile 
abzuschiefsen. „Loben Sie sich nur immefthre Deutschen, ' 
„und diese mögen sich nur immer über ihre Italienischen 
„Schwestern erhaben dünken. Aber bedenken sie woht 
„die Ungleichheit des Kampfes hier und dort? Gegen 
„die Italienerinn haben sich Amor und Priesterth'ttni Ter- 
„schworen. Alle Gottheiten der Naltur hat hier Amor 

„in seinen Bund gezogen. Der Himmel, die Sonne, der 

« 

,JHond haben sich mit ihm unzertrennlich vereinigt; in 
,jedes Lüftchens Schwellen giebt sich Zephyr als seinen 
„Verbündeten kund, der das Mädchen unaufhödich 
„neckend umschwebt, ihre Sinne ewig reitzt, und sie 
„für alle Genüsse empfanglich macht, wenn sie bei sin- 
,^ender Sonne hervortritt aus den Schatten ihres Hauses» 



— lld — 

,,wo keine Sorge sie kümmert, keine ernste Beächäfti« 
^igang ihren Geist bindet, keine Arbeit die zarte Eia- 
^Icitat der Muskeln und die üppige Entwickelnng des 
^^Corpers hindert, für welchen allein die Italienerinn TOr- 
„banden ist Es ist hier das Land, wo 8.chon den rauhen 
„Begründern Roms aus jeder Blume und jedem Baume 
„eine Nymphe freundlich entgegenlächel|;^ die heute 
„noch eben so freundlich winkt, wenn sie gleich. nicht 
„mehr als indifiduelle Gottheit gilt, während die Göt^ 
„ter des alten Germaniens ernst und düster aus dem 
„einsamen Dunkel schauerlicher Haine nur di6 Frevel 
„der Menschen zu strafen drohten. Kein starrer Winter 
„drücket in Italien düster auf das Gfemüth; heitre ge- 
„nufsathmende Bilder mögen nimmer verschwinden. — 
„Von der anderen S^ite verbieten der Deutschen Sitte, 
„Religion und Moral, was der Italienerinn die Sitte er- 
,4aubt und die Moral nicht mehr verbietet, weil das 
;,Priesterthum Ue durch eine mifsbrauchte Religion längst 
^,darum betrogen hat. — Doch Eure Deutschen haben 
„eine andre, an und für sich beneidenswerthe, aber 
„ihnen selbst vielleicht verderblich werdende Eigenschaft, 
„welche der Italienerinn oft gänzlich abgeht: die der 
>,Gemüthlichkeit. Ich glaube nicht, dafs eine Deutsche, 
j,wenn Natur, Sitte, Religion auf ihre Seite träten, wie 
„bei der Italienerinn, so genügsam seyn würde, als jene, 
„weil sie nicht nur auf Seiten der Sinne, sondern auch 
„auf der des Gemüthes und selbst des Kopfes, der wohl 
„bald selbst aufhören würde, als Talisman heilsam zu 
„wirken , allen Angriffen ausgesetzt ist. Manche an Ita- 
„liener verheirathete Frauen widerlegen diese Mdftung 



— 111 — 

^,80 wenig, daFfli sie Tidmehr zu dem schon alten SpHeh* 

„Worte Veranlassung gegeben Iiaben : Una Tedesca na« 

„zionalizzata ^ una diavola incarnata. Lassen Sie una 

^ydie Wahrheit suchen, wo sie zu finden ist, ^' sagte der 

Schweitzer. „Es war nicht immer so in Italien ge-, 

„Wesen. Seyn wir stolz auf die Sitte unsres Vater- 

„landes^ welche uns ein besseres Loos bereitet Die 

^, Fälle sind, gottlob, seltner, wo die Neigung des Mäd> 

„chens Tor einer Heirath gar nicht in Anschlag gebracht 

„wird. Die Sitte bewahrt sie nachher Vor Versuchung^ 

,,weiui nicht der Mann ihr alle Aufmerksamkeit ganz 

„versagt. Ihr Sinnen ist auf häusUche Geschäfte ge- 

„richtet. Sie ist Gattin, Mutter und Hausfrau zugleich; 

„die Italienerinn kann das erste nicht seyn, weil sie das 

„zweite und dritte nicht will. Die Zuneigung der Dent- 

„schen Mutter zu ihren Kindern bestärkt die zu ihrem 

„Manne. Vertraut mit den häuslichen Geschäften findet 

„sie hundert Gelegenheiten, das gemeinschaftliche Ei-^ 

^,genthum zu erhalten und zu vermehren; sie freut sich 

„ihren Erwerb zu dem des Mannes gesellen, aus eige- 

„ner Erfahrung die Anstrengungen, die Entbehrungen 

„bemessen zu können, welche er sich für sie und ihre 

„Familie auferlegt, und gewinnt ihn lieber defshalb. 

,,Der gemeinschaftliche Erwerb wird verwendet, die ge* 

„meittsehaftliche Elxistenz zu sichern, oder, wo sie es 

„schon bt, mit gleichen Mitteln die Zahl gemeinschaft- 

„lidier Genüsse und Vergnügungen zu vermehren, und 

„zu erhöhen. So steigert Entbehrung und Anstrengung 

„den Genufs, und muslichkeit wird der Talismann 

„ehelicheii. Glückes ; doch nicht, ^^ setzte er nach einigen 



— 114 — 

Gegenbemerknngen hinsa, ,,ak ob ich dachte» dafs die 
f^usfran sich darum au den Geachäften der Afag^ be- 
„qnemen seile. Kenntnifs der häuslichen Geschäfte, kluge 
„Berechnung, ein steter Ueberblick, Theilnahme an den 
„anstandigen Arbeiten sind daher eben so empfehlens* 
9,werth, als es Mangel an Einsicht verrathen, und dem 
^^wecke ganalich zuwiderlaufen würde, wollte die Haus^ 
«,frau aus übertriebenem Bifer sich jenen Geschäften 
„selbst unterziehen» weiche wenig Geschicklichkeit er- 
„heischen, oder wollte sie gtfr die Erziehung ihrer Ein* 
„der, wie es nicht selten geschieht, der Magd überlas- 
„sen , während sie deren Arbeit Tcrrichtet. — 

Der Schweitzer erzählte nach einigen Episoden wei-> 
ter, auf welche Weise sich der Italiener um die Be- 
kanntschaft eines Mädchens in mittlem oder geringem 
Ständen zu bewerben habe, wenn ihm nicht schon ohne- 
dies der Zutritt ins Haus freistehe. Einige Wochen 
lang geht er tätlich am Hause Torüber, wenn er sie am 
Fenster weifs, und grüfst sie, was man „far amore'^ 
nennt. Bleibt sie zur gewöhnlichen Stunde nicht aas, so ist 
es von ihrer Seite wenigfstens ein günstiges Zeichen für 
ihn. Er wird dabei von der Mutter bemerkt, und wenn 
die Eltern nichts gegen ihn einzuwenden haben, so wird 
ihm der Zutritt in das Hau« gestattet, doch nur icu be- 
stimmten Stunden der Woche» damit er nie ipierwartet 
komme, und nie mit ihr allein gelassen werde. Die 
Wachsamkeit der Eltern gesellt sich zur Behutsamkeit 
der Tochter. 

Uebrigens haben die Mitflider der Fanlilie wenige 
Geheimnisse wechselseitig zu verbergen. Vater mid 



— US — 

Muttör sprechen in G^enwart dier lO — 16j8iirig;en 
Mädchen von Dingen, welche bei uns nie berährt wer- 
den dürftön ; und ich sah im Hause eineisi Grafen ein 
solches die Gelegenheit aiu hören, sehr treulich benutzen. 
Eänen Gast sah ich dort dem Kammermädchen in Gegen- 
wart deir beiden Eltern in einer Art den Hof machen, 
die mich in Verlegenheit setzte , von letztem iber ohne 
Befremden oder Mifsfallen wahrgenommen wnrde. In 
Gesellschaft scheut sich der Jüngling nicht, vor Mädchen 
Ton Dingen zu sprechen , oder Gegenstände mit Namen 
zu nennen, worüber der Fremde erröthet, das Mädchen 
aber allenfalls lacht. Niemanden föllt es ein, zurückhält 
tend zti seyn mit Gesprächen über Dinge ^ die oft genug 
der Gegenstand seiner Gedanken sind, die man jedoeh bei 
uns wenigstens Terschweigen würde. 

Wie ist überhaupt die Erziehung beschalFeh , welche 
^er Tornehme Italiener seinen Kindern giebt? Wie sorgt 
die Mutter fdr die Bildung ihrer Töchter? Wird sie 
Wöchnerin, so ist eine Säugamme schon bereit , welcher ^ 
man das IQnd mit auf das Land giebt, wo es die zart-* 
liehe Mutter etw^ von Monat zu Monat besucht *)• ^^^f^ 
die Mutter das Kind sdbst säuge, ist ein so seltener 
f^ftU, dafs der Dichter Pindemontb die Gräfin THEOBona 
LiscA in einer seiner schönsten Oden priefs, als sie eine 
Ausnahme machte. Mit dem zur Welt .gekommenen Kinde 
schliefst die Mutter kalt den Vertrag ab : du sollst. essen 



*) YiTTOBBXiLi besclmeb in einem schönen Gedichte die Auf« 
gäbe der Amme ,Jiantttriece,'^ in seinen Anacreontiche (Verona 
1813. p. 21.) 

Brown, Reue, tl, ^ 



- 11* - 

und trinken und gekleidet werden, weil ich dich geborea 
habe , aber du darfst mir nieht unbequem seyn, mich in 
meinen Genüssen nicht stören, keinen Keim des frühzei* 
tigeren Verderbens meiner Schönheit aeyn. Deutsche 
Väter , welche die Kinder der Italienischen Mutter mcht 
dem Leichtsinne und der Nachlälsigkeit einer Saugamme 
auf dem Dorf e , nicht dem Schmutze ui|d Geschmeifse der 
Bauern Wohnung, nicht der Rohheit andrer Kinder über- 
lassen wollen, erlangen zuweilen mit Mühe, dafs es mit 
Müch u. dgl. im Hause aufgeflattert werde; denn um kei- 
nen Preis soll es möglich seyn, ^ine Italienisdie Säug- 
amme ins Haua zu erhalten. Zuweilen lassen sie sich 
wo es nicht zu entlegen , dergleichen aus Tyrol oder aus 
der Schweitz kommen. — Mit zwei 6der drei Jahren 
endlich darf das unglückliche Kleine wieder ins Täterüehe 
Haus zurückkehren an das fremde kalte Mutterherz, das 
sich jetzt an ihm mir zur Zeit der guten Laune und 
heitrer Stimmung , so etwa wie an einem muntern Aeff- 
* chen oder artigen Hündchen , oder auch nicht ganz so , 
ergötzt. Es steht unter der Aufsicht der Kammeijung- 
fer, oder einer alten, schon Ton den Grofsältern in 
das Haus aufgenommenen Dienerin. Endlich soll ea Un- 
tereicht erhalten. Ein Geilitlicher kömmt in das Hans, 
dieses zu besorgen; oder sind der Kinder einmal mehre, 
so wird er ganz in das Haus angenommen, die allseitige 
Erziehung der Kinder zu übernehmen. Der Unterricht 
erstreckt sich , erzählten mir die Mädchen eines Mar- 
chese, auf Lesen, Schreiben, Einmaleins, Religion, Ge* 
schichte, Mythologie und Poesie , Literärgeschichte und 
etwas Französisch; — Musik (^Gesang, Klavier) lernen 



— 115 — 

«e mit geringelt Anleitung, ohne euien melhodiflclien 
Lehrer. Der Knabe yrird vom Prjvatfehrer wie in der 
strengen, von Geistlichen besorgten Schule hanptsächlieh 
in der altern, klassischen Literatur der Griechen, Romer 
und Italiener eingeübt; er mufe ihre berühmten Schriften 
mit Leichtigkeit lesen, und selbst im Latein -Sprechen 
isich üben; die klassischen Italienischen Dichter und einige 
Philosophen lernt er durchaus kennen, indem er ihre 
Schriften auf alle Weise analysirt und combinirt. Andre 
wichtige Gegenstände werden aber sehr vernachläfsigt. Das 
Eranzösische yerstehen die Italiener zwar fast ron selbst . 
aber seltener ist , daf» sicf es nur mit einiger Geläufigkeit 
sprechen. An irgend eine andere Sprache, Deutsch <oder 
Englisch, denkt selbst yon zwanzig 6elehrten*kanm einer. 
Nur seit etwa einem Dezennium wird das Deutsche in 
Nord-Italien etwas kultivirt, yon soldien hauptsachlich ,, 
wel<^he eine Staatsanstellung suchen, und zuweilen wird 
eine Reise nach Wien unternommen , wahrend der Ge* 
lehrte andrer Italienischer Länder yielleicht einmal eine 
Rdse nach Paris macht. Ueberhaupt spricht die Italie- 
ner das Ausland wenig an; und' der Unterricht in der 
Geographie ist dermafsen vernachlärsigt , dafs es gar 
nicht selten ist, einen Gelehrten oder eineil Grafen fra- 
gen zu hören , ob der nächste Weg nach Frankfurt über 
Wien gehe ? ob Oestreich in Deutschland oder Deutsch- 
land in Oestreich liege? ob Preufsen auch zu Deutsch- - 
land gehöre? u. dgl. Viele können kaum begreifen, wie 
in Deutschland geniefsbarer Wein wachsen könne. Die 
wunderbarste Verwirrung geographischer und statisti« 
scher Begriffe findet man Gdegenheit auf dem Kaflee« 



_ 116 _ 

/ 

Hattse bei Zeitiingfliesern und Politikern wahrzonelimeiiy 
wo nicht setten Wien als dieHaüptgtadt von ganz Deutsch« 
hnd und der Oestreichische Kaiser als der Deutsdieii 
Kaiser gilt. ,Jfeit ein Bairischer Geschäftstrag^er hier, der 
meinen Pafs nach München zu visiren hat?^^ fragte ich 
den Polizeibeam'ten in Mailand. , Jst nicht nöthig, ^^ er- 
wiederte dieser, ,,Sie bleiben ja immer in den Ländern 
fieiner Majestät des Kaisers." 

■ 

- Eben so sehr, wie in der Geographie, wkd die Ita- 
lienische Jugend in der Muttersprache Ternachläfiiigl 
Wer nicht auf einer UniTersität gewesen, oder als Kauf^ 
mann eine ausgedehniere KorfesiM>ndenz zu fuhren ge* 
lernt hat, oder zufallig viel gereist ist, der spricht nur' 
den Dialekt* seiner Gegend, und versteht nur mit Miihe 
den bessern , weiin er nicht Römer oder Syeneser ist. 
Weiin daher ein Fremder in eine , wenn auch gebildete 
Familie eines Prorinzial-Städchens oder auf dem Lande 
kömmt, so findet er bald zu seiner Betrübnifs, dafs er 
Ton einem grofsen Theilie der Unterhaltung ausgescUös-^ 
sen ist ^ indem nur etwa der Herr des Hauses sich mit 
Leichtigkeit mit ihm unterhält, die übrige Familie aber 
nur mit Mühe, wefshalb auch alle Gespräche, die sie unter 
»iph führen , im örtlichen Dialekte Statt finden. Kömmt 
ein Besuch aus der Nahe, so ist man froh einen genügenden 
Yorwand haben, die mühsame Unterhaltung abzubrechen^ 
indem es unhöflich wäre, diesen Besuch in einem ihn 
belästigenden Dialekte anzureden. Der Fremde ist da- 
her bis auf einzelne Worte, die man an ihn richtet, ganz 
ausgeschlossen. Namentlich schwierig sind der Neapoli-- 
tanische , der Genuesische und Piemontesische , und der 



— 117 — 

gaaeiare VenezianlsiAe Dialekt, am schwierigsten riel- 
Idciit aus allen der der Gebirgfsbewohner in den höheren 
Parmesanischen und Piacentinischen Apenninen, indem es 
selbstnach Tieljährigfem Aufenthaltein Italien noch höchst 
schwierig bleibt, diese Leute zu rerstehen. 



I « 



IX. 



Leben auf dem Lande. 



Jo de^ miei colli ameni 
Nel bei clima innocente 
Fasserö i d^ sereni 
Tra la beata gente. 
Che di fatiche onusta 
E Yegeta e robusta. 

Pabini, la salubritä dell* 
aria. str. 8. 



X)ie Menge grofser Gutsbesitzer ist in Italien sehr be- 
deutend. Einen Theii ihrer Güter pflegen sie selbst 
zu bauen , einen zweiten Termiethen sie , einen dritten 
überlassen sie ihren Dienstleuten zum eignen Gebrauch, 
und an Zahlung Statt. Daher die Zahl der Dorfbewoh- 
nety welche eignes Feld besitzen, verhäJitnifsinärsig viel 
kleiner ist, als bei uns. Zur Zeit der Italienischen Re^ 
publiken und der Blüthe des Handels kauften sich viele 
der b^ütertsten und reichsten dieser Grundherrn den 
Titel eines CaTalier , eines Marchese, ei^es Conte, eines 



_ 119 — 

Doca. Aber diese Herrlichkeiten alle unterscheiden sich 
nach ihrer Bildung;, ihren Sitten, äirenBeschafti^ngen oft 
nar wenig vor denjenigen simpeln Leuten , weiche keine 
besondre Auszeichnung in Namen und Titel besitzen. 
Meist haben sie sich ein oder einige Landhäuser, ein 
Schlofs erbaut, welches manchmal hoch gelegen und 
selbst befestigt ist Dort besorgen sie durch ihre Haus* 
hofmdster die Administration der Guter, was ihnen selbst 
indessen wenig Zeit kostet. Die kältre Jahreszeit bringen 
sie meist in irgend einer gröfsern Stadt zu, wie in Mai- 
land y Turin u. s. if. , oder sie wohnen in der Stadt, und 
liehen nur im Sommer und Herbst Tom Juni bis Oktober 
(wo der Heisende häufig seinen Zweck in derStadt Terfehlt) 
auf das Land , wo es ihnen an Beschäftigung gebricht, 
weil sie höchst selten den Wissenschaften sehr befreundet 
oder zu ernstem Arbeiten aufgelegt sind. Indessen sind 
sie meist imstande, in einem Umkreise von 3 — 4 Stun- 
den ein ganzes Dutzend Familien gleichen Ranges und 
in gleicher Lage zu finden, was zu häufigen Wechsel-« 
besuchen Veranlassung gibt. Man. besucht sich, wenn 
man auf dem Lande ankömmt, und ehe man es wieder 
▼erläfst, wenn ein Familienfest oder sonst ein Ereignifs 
besondre Veranlassung bietet Hat man sich etwas ein- 
gerichtet, so erwartet man wohl auch Besuch aus der 
Stadt, Ton solchen Freunden und Verwandten, welche 
keine eigne Güter selbst beziehen, und welche bald auf 
einige Tage^ bald mehre Wochen in die Familie aufge- 
nommen werden, wobei indessen bedeutende Geschenke 
nntgdiraeht zu werden pflegen. Sine sdir grofse, An- 
zahl 4ßr Stftdtebew<Aner , dureb ihre Gesehäf te zurüde- 



— 12§ — 

gehalten, geht regelmafsig jeden Sonnabend «nd Sonntag 
auf das Land , um je nach der Jahreszeit nach Vögehi 
und Hasen am jagen, so dafs man mit Besuchen, zumal an 
diesen Tagen , leicht fehl geht 

Folgendes sind die gewöhnlichen Unterhaltungen auf 
dem Lande : 

Jagd n^eh schmackhaften Zugvögeln: die nach Schne- 
pfen, Becassinen, Wachteln, Drosseln, Lerchen ist ihrerEia« 
traglichkeit wegen zumal in der M aremme zwischen Pisa, 
Florenz, Sjena und ClvitaTecchia bei den Männern sehr 
beliebt, wo diese Vögel im Herbste, %er dort auch, zum 
Reisen die günstigste und gesundeste Jahreszeit ist, in 
ganz ungeheurer Menge ankommen sollen. Die Hoch- 
Jagd ist, wegen des Mangels an Wäldern, begreiflich 
sehr beschränkt Gutgearbeitete Hühnerhunde sind 
adten. 

Musik ist für die ganze Familie, wenn sie nicht zu 
den ungebildeten gehört, die wichtigste und allgemeinste 
Unterhaltung, welche Tide Stiinden des Tages ausfüllen 
mufs , hauptsächlich Gesang und Fortepiano , auch die 
Flöte. 

Das Federball-Spiel steht in Italien , wie in Frank- 
reich, an grofsen Ehren. 

Dm Billard'Spiel , in Piemont „trucco'^ genannt, ist 
nur mit drd Ballen gewöhnlich , und fehlt nicht leicht 

Das JSTegelball'Spiel, worüber unten. 

Auf Tiden Landgütern Ton mehr gebildeten Besitzern 
findet man nicht unbedeutende Sammlungen ron GetMU" ^ 
den , Ton Münzen und mancherlei anderen jintiqmtäten, 
Ton Mineralien, Versteinerungen, Muonchgtten, Vogekt • 



— 121 ~ 

der Gegend, meist reinlich nnd loxuriSs, doch ohne 
Eenntnifs aufgestellt. Der Anfstellang und Zubereitung, 
einem mechanischen Geschäfte Ton gelehrtem Anscheine, 
ohne Anstrengung zu erheischen, und daher meist aur 
Lieblingsunterhaltung geworden, wird meist sehr yiel Zeit 
geopfert. Irgend ein etwas gebildetrer Geistlicher, der 
Lehrer der Kinder u. s. w. ist dabei behiilflich. 

Für Lektüre ist mei|Bt schlecht gesorgt. 

Dagegen überraschte mich einst ein Podestä (^Orts- 
vorgesetzter]) eines Dorfes bei einer Exkursion. Wjder 
Willen nöthigte er mich auf sem Gut, sagte mir, dafs er 
sich freue^ wieder einmal mit einem Literator sich unter- 
halten 2U können , griff, sobdd wir auf sein Zimmer ge^ 
kommen waren, nach einem Papiere in seinem Schreib-» 
pulte , und las mir ein Sonnett auf die Gröfse der Natur 
im Yerhältnifs zum Menschen mit gröfstem Pathos vor» 
wovon ich leider, der Sprache noch sehr wenig mächtig, 
nichts verstand. Indessen ich mulste es loben ^ erhielt 
eine Abschrift davon, die ich zu meinem Bedauern später 
verlor, und nun durfte ich mich wieder empfehlen. 



X- 



Einzelne Züge. — Kleidung. 



„Gralant uonto'^ bt da AuMruck, der «eh im Deut- 
sdien dnrcliavg nicht wieder geben läüst. — Was heifst 
es wörtlich 9 „Art%er Maiiii*% ,, Gefälliger Mann^^ — 
oder gar „süfses Herrchen ^% wie mein Wörterbuch- 
Schreiber meint 1 Aber die ^eichbedentenden Deutschen 
Worte werben ^ie in ahniidier Absicht gebraucht. ,,6a- 
lant uomoT^ ruft einer dem andern zu, wo vrir ^^Lands- 
mann! Guter Freund!^ rufen. ,,Jo sonoun galant uomo^ 
Tersichert zehnmal in einer Viertelstunde der Venetia- 
ner. Fragt man: Kann ich mich auf Sie verlassen, so 
erwiedert er: „Jo son un galant uomo.'^' Er will riel- 
leicht damit sagen , er seye ein Mann, der nichts Un- 
rechtes thue, ein ehrlicher Mann? denn je öfter er es 
Tersichert, desto mehr mufs man auf seiner Hut seyn. 
„Glauben sie nicht , dafs der Kaufmann dort mir zu viel 
abgenommen hat?^' fragte ich einen Parmesaner. „No 
Signor, questo ^ un galant uomo. ^^ Und doch war es 
der Fall. Aber wie kommt jenes Wort zu der fremden 



— 123 — * 

BedeutoDg;? Und wie vngi der Debeiluteir, der lieber- 
thearer doch Ton sich zu behaupten , er Mje ein ,, CU- 
lant uomo/^ Ich habe den Schlüasel dazn schon fr&her 
mif^^etheilt. Uebenrörtheilen im Handel und Wandel, wo 
der andre sich Torsehen kann, hält der Italiener fnr er- 
laubt Der Fremde furchte nnr nie , anch durch das 
allerkranlendste Mistranen, welches er am zeigen glaubt, 
den Italiener zu beleidigen. Will der letztre auch be- 
leid^ scheinen, im Herzen lobt er die Vorsicht des 
Fremden, die nie für überflftss^ gelten darf. Und doch 
scheint der Italiener bei sich selbst eine geheime Stimme 
zu Ternehmen, welche ihm Terbietet, diese Grundsätze 
„ehrlich^^ zu nennen. Er trauet daher auch nicht ge- 
rade solches zu behaupten. Wenn 6r daher sagt: „Jo 
son un galant uomo/* so meint er: „ich bin keineswe-^ 
„ges ein Betrüger, ein Dieb, aber wenn der andre nicht 
,,aiif seiner Hut ist, so ist es seine Schuld.^^ Indessen 
das Wort hat noch andre Begriffe. Ich hatte mich zu 
Spezssia einige Stunden lang zweier Taucher zum Auf- 
suchen von mancherlei Seethieren bedient, und rorher 
schon mich um die gewöhnliche Bezahlung dieser Leute 
erkundigt. Ich bewirthete sie und gab ihnen dann etwas 
ftber die Taxe. „L' abbiamo bene servito, ma ci paga du 
galant uomo,^^ sagten sie zu mir: „Wir haben Sie gut, 
bedient, aber Sie zahlen uns auch wie ein galant uomo.^^ 
Die Bedeutung des Wortes nähert sich hier etwas mehr 
seiner ursprünglichen: denn „freigebig'^ darf darunter 
nie Terstanden werden; der Italiener würde unter 
ser Bedingnifs nie galant uomo seyn wollen. 



— 124 — 

Der Italiener ist zur Intrige geboren , und bedient 
rieh dazu manche Büttel, auf die ein andrer gar nieht 
Terfallen würde. Ich will mehre recht charakteri- 
atiache Beispiele Ton einem Individuum anfahren. Ein 
Prlyatmann besafa eine hübsche Sammlung; von Minera^ 
lien. Ein Herr B. besafs eine noch hübschere. Dem 
ersten fehlten noch die Mittel zur Bestimmung , und ich 
erbot mich, dafür zu sorgen, damit er übersehen könne, 
welche Italienischen Produkte ihm fehlten, und damit er 
im Stande seje, die Lücken zii ergänzen.* J)^ andre, 
hörte das, undTemahindie dazu festgesetzte Zeit. Von 
dem Eifer des ersten fürchtend, dafs derselbe nadh 
diesem bald zu einer eben so ansehnlichen Sammlung 
gelangen werde, als er, suchte er die Sache zu hintertrei- 
ben. Er fand sich daher am andern Morgen um 8 Uhr 
ein , uns mit seinem Besuche zu beehren , und blieb bis 
1 % Vhi*9 ^o es hohe Zeit zumiBssen war. Am zweiten 
Morgen fürchtete man dasselbe , begann die Arbeit eine 
halbe Stunde früher, und schlofs die Thüre. Wirklich 
fand sich B. eine Viertelstunde vor acht wieder bei uns 
ein. — Derselbe war früher Professor der Chemie ge* 
wesen. Er bewarb sich zugleich um die Professur der 
Naturgeschichte, und erhielt sie dazu. Lange Jahre zog 
er den Gehalt, ohne zu lesen , „weil keine naturhisto^ 
rische Sammlung da war.^' Ein Fremder, aus demüer- 
zogthume N., kömmt, um Zoologie und Mineralogie zu 
stndiren, und erhält, in Ermanglung andrer Gelegenheit, 
Unterricht von zwei reichen Einwohnern der Stadt, 
welche sich damit als Dilettanten beschäftigen , und ihm 
ihre ganz artigen zoologischen und mineralogischen Samm* 



— 125 — 

lungfen zur freien BenutziiDg in be^ümmlen Stunden 
überlassen. B^ furchtet von der Absicht des Fremden 
auf seine Professur. Er kennt einen der Prifatlente, 
und findet sich sechs Tage hintereinander täglich, dieses 
zu hindern, zu der Stunde zum Besuche ein, wo der 
Fremde Unterricht erhalten soll. Indessen Terbreitet er 
in der Stadt heimlich das Gerücht, der Fremde seye ein 
Spion des Herzogs von N. , , der auf alle politische Aeus* 
seruugen achte. Plötzlich sieht sich der Fremde, der 
^ Tordem in mehrern Häusern gut aufgenommen worden, 
allenthalben yerlassen, geflohen; spät erfahrt er den 
Grund, und besucht eine andre Universität. — Derselbe 
Professor war bei seinen chemischen Experimenten nieht 
immer glücklich in der Voraussagung des Erfolges ge- 
wesen , und viel minder als sein College , der Professor 
der Pharmazie, ein Apotheker der Stadt. Letztrer stirbt, 
and B. mufs sich diese Professur yerschalTen, um nicht 
femer bei den Studenten Gegenstand ungünstiger Ver- 
gleichung zu werden. Es ist von Wiederbesetzung der 
Professur die Rede , und zwei andv« Apotheker tragen 
Lust dazu. B. überredet sie beide, da sie doch in der 
Theorie etwas zurückgekommen seyen, bei ihm noch 
Unterricht zu nehmen. „Wer kann besser dieser Pro> 
fessur vorstehen, als ich?'' sagte nun B. „Nur zwei 
Competenten sind da, und diese gehen bei mir in die 
Lehre.'' Er erhielt die Stelle, mnfste aber die Profes- 
srur der Naturgeschichte abgeben. Nun fieng er sehr 
eifrig an , an Errichtung einer zoologischen Sammlung 
zu arbeiten, um, wo möglich^ auch die abgegebene dritte 
Professur wieder zu erlangen. — Dieses Handeln indesn^ 



— 126 — 

aen -ja^och immer ein „far da galant nomo." Warum 
«ollte auch der Mensch die Dosis List, welche die Natur 
ihm yerliehen.^ un^nützt liuiseii? Warum sie allenfalls 
nur im Kriege anau wenden sich erlaubend 

Das y,Dolce far niente^^ äaüsert sich in manchfaitigpen 
Formen^ in zahllosen scheinbaren kleinen Beschäfti^n- 
'gen ohne reelle Absicht, in Geschwätaigkeit und Plau- 
derei. Neugier mufs ihm oft noch aum scheinbaren 
Verwände dienen. Während meines Aufenthaltes in 
Ctutelf arquato war jeden Tag zu Terschiedenen Zeiten 
eine grofse Menschenzahl im Hause beschäftigt, sich um 
mein Thun und Lassen zu kümmern. Wohiti ich gieng, 
was ich gegessen, Ton wem ich gekauft, was ich gepackt, 
was ich gesagt, beschaffte sie fortwährend. Hatte einer 
darüber Nachricht eingezogen, so erzälte er es dem 
Neuankommenden bis ins äufserste Detail- wieder, und 
zuletzt mufste ich es selbst wieder anhören. Am Abend 
Tersammdte sich das halbe Dorf vor meinen Fenstern. — 
Bei der Reise durch Piacenza verlangte das Umpacken 
des Postwagens 1.J4 Stunden Zeit Es war derselbe 
Wagen > der wöchentlich Tiermal durch die Stadt geht 
Ein Junge blieb im Vorübergehen stehen, ihn anzugaffen. 
Zwei alte Männer gesellten sich dazu. Ein Weib, mit 
dem Gebet-Buch aus der Kirche kommend, ahmte ihnen 
nach. Ein Schlosser mit seinem Handwerkszeug aus 
einem Privathause heimkehrend, war der vierte. Ein 
Mädchen mit einem Kinde auf dem Arm kam dazu. Nie- 
mand ging mehr vorüber, alles blieb stehen. Als endlich 
der Wagen zur Abreise fertig war, veranlafste die ail- 
mählig zusammengekommene Menschenmenge ein grofses 



f 



— 12» — 

m , Gedränge, es waren ihrer Hunderte um den Wagen her Ter- 
nr j sammelt, alle «tumm und starr, oder kaum einmal eine 
Us! halblaute Aeufsemng wagend, nur den Wagen angaffeiid« 
— Auf öffentlichen Plätzen, um die Kasten der Polichi* 
eo nells, um die Marktschreier her, ist jederzeit augenblick« 
D' lieh eine grofse Menschenmasse versammelt ; 

a- Ein grofser Bigottismus in einem Lande, wo eifernde 

» Geistliche des einzigen berechtigten Glaubensbekennt- 
ifli nisses vielleicht gegen ein Zehnttheil der Bevölkerung 
I ausmachen, kann kaum überraschend aeyn. In CkistelV 
t mrquato angekommen, machte ich eine kleine ExcurMon, 
hauptsächlich um mehre Leute zu veranlassen, für mich 
^ zu sammeln. Mein Führer vernahm mit grofser Freude, 
r dafs ich längre Zeit dort zu verweilen gedachte, erzählte 
I mir viel von seiner Orts - und Sach-Kunde, und ^rühmte 
I sieh,, wie fleifsig er für mich sammeln wolle. Aber, 
setzte er nach einer Pause hinzu : „Dimani non si lavora, 
dimani si sente la santa messa.^^ Es war am Samstag 
Nachmittag $ ich versicherte ihm daher, daft ich morgen 
auch nichts erwarte, und ihn von seinem Kirchenbesuch' 
abzuhalten durchaus nicht beabsichtige. Nun so werde 
ich Sie um zehn Uhr zur Kirche abholen. Dies geschah, 
und damit hatte er zugleich seinen ganzen Zweck er- 
reicht. Ich war noch vier Sonntage in Castell* arquato ; 
aber der Mann verlangte nachher nie wieder^ weder mich 
in die Kh'che zu fuhren, noch selbst dahin zu gehen. 
Er war an Sonn- undWerk-Tagen gleich fleifsig auf seinen 
Verdienst bedacht So fleifsig auch die Damen nament- 
lich die Kirche besuchen , und ao sehr sie eine Sünde 
I durch die Unterlassung zu begehen fürchten würden, s<^ 



— 128 — 

wem; {[esdueht solches ans uad in wahrer Andadii Dte 
Kirche hauptsächlich ist der Ort, wo die Bendezrons 
gewöhnlich Terahredet zu werden pflegen. Die Anzahl 
der Schläge mit dem Fächer oder die Zahl der entfal- 
teten Strahlen desselben, ist in Florenz eine so bdkannte 
Bezeichnung der Stunde, dafs dies Zeichen nur mit gro*- 
fser Vorsicht noch gebraucht werden kann. 

Der Italiener ist bequem in seiner Kleidung^ und iAv 
Tornehmre sdhr reinlich« Namentlich halt er viel auf 
schöne neue Hute, und dann feine weifse Hemden, weil 
er sehr häufig in Gesellschaft andrer seinen Rock aus*- 
zieht. Die Hute sind gewöhnlich, Seidenhüte, die nur 
halb so theuer als andre sind (^Strdhhute nur etwa auf 
dem Lande^ , und nur eine sehr kurze Zeit getragen 
werden! Nach wenigen Wochen wird der heue Hut schon 
mit einem andern vertauscht, und jetzt kauft der Kutscher 
denHut, welchen vorher Tielieicht sein Herr getragen. Er ist 
noch in sehr gut^nZustande, aber schon nach andern 4 -~ tt 
Wochen bekömmt er abermals einen neuen Eigenthiimer^ 
der ihn dann auch wieder Terkauft Dieser Wechsel ist 
so bedeutend > dafs in den Städten oft eben so vide 
Läden sind, wo man mit getragenen Hüten handelt, als 
Hutfabriken. — Im Hause, in seinem tJeschäft trägt der 
Italiener gewöl^nlich ein gelbes oder grünes Wamms to» 
Nankin oder einem andern Baumwollenzeug, welches bi» 
weit über die Hüften herahgeht, und aufsen und inneu^ 
yorn nnd hinten mit einer Menge Taschen yetsehen ist#^ 
Damit fahrt und reitet dann auch wohl mancher änge^ 
sehene, reiche Kaufmann selbst am Sonntage auf den- 
Corso. ' — -- Eine ausgezeichnetem Nationaltracht hat sich^ 



— 129 — 

jedoch. nttY in dozdnen Gcf^eiideii rda elrhtlten, wi« 
t. B» in SaT^yett *) ^ In wailgcn besuchten Theilen des 
Römischen nnd NenpolitanischenGebietfaefii, dann an der 
RiTiera di Levante, wo manche an die Schweitzer^ 
Trachten erinnern. Die Bauern Ton Sarxana tragen 
Im Allgemeinen grob-tnchne branne Röcke, wie jene 
der Savoyarden zugeschnitten , Welche sie im Sommer 
meist nur über die Sdiultern hängen; eine kattunene 
Weste, oder gar kefae; dann kurae baumwollene Bein« 
kleider, welche zur gröfseren Bequemlichkeit an den 
Knieen häufig nicht zugeknüpft werden; Kamaschen > 
welche bis zu den Waden heraufreichen; darunter meU 
stens weifse Strümpfe. Das Halstuch liegt nur lose als 
Schlinge um den Hals ; das Hemde, an der Brust offen, 
ist dort, wie an den Aermeln, mit Manschetten besetzt* 
Den Kopf bedeckt ein runder, niedrer, schwarzer Filz- 
hnt. Die dort^en Bäuerinnen haben im Festtag-Afizuge 
die Haare hinten in ein schwarzes, weifses oder .buntes Netz 
gefafst, das in eine lange knotige Schnur mit einer Quaste 
endiget. Den Kopf deckt knapp ein kleiner (nur 6^^ 
breiter) fast ganz flacher^ ans Binsen künstlich gefloch- 
tener Strohhut mit Blumen -ähnlichen Verzierungen aus 
gleichem Material, und auf welchen Tom noch einStraufs 
lebendiger Blumen gesteckt wird. Ein zweiter, kleinrer 
kömmt hinter das rechte Ohr, Die Lieblingsblume ist 
stets der wohlriechende weifse Jasmin, Gelsomino, Jas- 
minnm offidnale , welchen man das ganze Jahr lündurch 



Band t S. 103--10&. 
Mroun, Rein IL 



— 1» — 

sieht.. Das Mieder , welehes hinten zngeschnilrt wird, 
ist braun^ blau n. s. w. , an den Annoffnnngen ringsum 
schmal roth eingefafst, mit 4 — 5 eben solchen Band* 
schleifen daselbst Ueber die Achseln sind darauf bunt- 
farbene Streifen (sogenannte HosentrSger^ angenahet 
oder gestickt Der obere Theit det Brust ist Tom schön 
weifsen Hem|de beideckt, und die Arme sind in lange 
weite Hemdärmeln mit Manschetten gehüllt Der Rock 
ist kapnzinerbraun , unten mit 1 — 4 facher schmal-band- 
förmiger rother Einfassung ; die Strumpfe weifs. — Die 
Fischerinnen Ton Lerici bei Spezzia haben Haarnetze 
ohne Strohhüte, steife Mieder Ton blauem oder pur- 
purnem Sammt, woran weite kattunene Aermel gesetzt 
sind. Sie werden hinten, einfach in der Mitte, oder 
zweifach gegen die Seiten hin, fest zugeschnürt, ohne 
weitre Verzierung. Vorn aber sind breite zikzacklau-- 
fende Schnüren auf weifse Unterlage aufgenähet Diese 
Tracht macht den Körper sehr voll und rund. — Die 
Matrosen haben an Werktagen offne Brust, ohne Weste, 
Beinkleider von weifsem, roth oder blau in die Queere 
gestreiftem Franzlein, eine gewobene rothwollene Spitz- 
mütze , oder einen runden niedern Hut aus Filz oder 
Stroh mit schwarzer Einfassung.* Sie tragen weder 
Strümpfe noch Schuhe. Ein schwarzes oder blaues 
Kamisol hängt ihnen über die Schultern, und ein rothes, 
wolines Tuch ist als Schärpe um den Leib gebunden. 
Am Sonntage tragen sie einen runden Hut, ein ange- 
zognes Kamisol, weifse leinene Beinkleider, ein bunt 
baumwoUnes Halstuch lose um den Hals geschlungen, 



— 181 — 

eine weif«e, oben offne Weste ,> weibe Strumpfe mit 
weitougg^eschnittenen Schulien; keine Schärpe. — Im 
Venetianischen sieht man auf dem Lande nur selten , an 
Festagen, noch etwas von der alten beltannten National- 
Tracht. 



XL 



Kaffeehäuser. 



^'Vfr besnebten an einem schonen Sonnia;* Abend einst 
das nahe beim Arno g^ele^ei^e, nene Franxdsische Kaf- 
feehaus , welches mit einer Zncker-Bickerei und Wein« 
und laqneur-Handlnni^, im namMchen Lokale, in Yer- 
bi^ung steht, und in Florenz wegen seiner elefanten 
Einrichtung und der besser subereiteten CFetrinke und 
Sorbette tou der schonen Welt Torzngsweise Beifall er* 
hält Schon waren die Stühle vor dem Hause im Sdiat- 
ten aufgesteUt, und zum Theile schon von Leuten in 
Berits genommen , welche die nach dem Corso wallende 
Menge zu sehen gekommen waren. „Bott^ga 1^' rief der 
Schweitzer am Eingange, während wir uns um ein kld- 
nes noch freies Tischchen niedersetzten, und wurde 
darauf ton dem kürzlich angdangten jungen Deutschen 
zur Erklärung veranlafst, dafs dies der gewöhnliche Ruf 
in allen Botteghe (Boutiquen, Buden) seye, wenn man 



- HS — 

eftw98 Terhnge. Die lehr besch^lftii^eii AufWiiter sdiie« 
len es indessen nicht gehört zu haben« Ais aber b«| 
eiaeni zweiten Ruf ein eben in die Nähe gelcommener 
Marquenr mit dem Worte ,,Padron^^ schnell herumfuhr, 
fra^ der Neuling verwundert , ob er nicht eben seinen 
JSk^utzheUigen (Schutzpatron) angerufen habe?' Jenes 
indessen ist die gewöhnliche Begrüfsung des Italieners. 
Er sa^y wie wir, „Ihr Diener :^ervo, Servo suo^ Ser- 
Titore di lei, Serra sna,'' ab^i^ fast häufiger noch ^ein 
Gebieter (^Herr^: Padron, Padron mio, Padrona mia,^^ 
beim Zusammentreffen, wie beim Scheiden. Wir frag- 
ten nach Gefror'nem , worauf uns der Aufwärter mit nun 

m 

notoner Stimme ein ganzes Register herableierte, so daft 
wir davon wi^nig oder nichts verstanden, und naeh der 
Karte zn frag^ genöthigt waren , welche man mit bei« 
gesetzten Preisen ausnahmsweise nur in diesem und we- 
nden andern der besten Kaffeehäuser angelegt findet Wir 
fanden Gefrornes, welchem ipan dnrcA Zusatz von Va- 
nille,. Chocolade, Kaffee, durch Saft von Zitronen, 
Orangen, von frischen oder eingemachten Himbeeren, 
IQrschen, Johannisbeeren,' Erdbeeren, Ananas, durch 
Butter, JBahm u. s. w« verschiedenartigen Geschmack ge- 
geben hatte, und welches man in Glasbechem und klei* 
neu Tassen entweder hoch au^ethiirmt, oder in For* 
men ausgestochen hatte, welche der Frucht glichen, 
wovon das Gefrorne einen Beisatz hatte (m pezzi^ Sonst 
sieht man dasselbe auch wohl in ovale Scheiben ausge- 
stochen, auf eine Untertasse gelegt und eine Probe des 
Zusatzes CC^o^ohd«) Kirsche u. s. w.^ darauf befindlich. 
AUe gefiromen Waaren werden meist erst um 9 oder 4 



— IM — 

Uhr des NadiiBfitags geferügt — Anberdem ist man vor- 
fesehen mit LuDomde (jaxu ZHronen^ mit Orangeade 
(aus Pomeranzen^, theils flüssig, theiisganikom^gefiro« 
ren ; femer mit Himbeer ^ and Kirschen-Wasser (^Wasser 
mit Znsats von eingemachten Himbeeren und Kirschen), 
mit gebrannten Wassern und laqnenren, womnter Aqua- 
vite (^gemeine Branntweine^» RosogUo, Alkermes, Rbnm, 
Absinth die gesuchtestM sind; endlich mit Chocolade 
nnd Kaffee , welche jedoch hauptsachlich des Morgens 
oder letatrer auch bald nach Tisch mit Biscuit, Butter- 
brödchen u. dgL genossen werden. Auffallend ist es, 
dafs die Italiener den Kaffee des Morgens häufiger 
achwan, des Nachmittags häufiger mit Rahm trinken. 
Nur in Mailand macht man eine Ausnahme, wo der 
Rahmkaffee ganz vorzüglich gut, und weit umher be^ 
rühmt ist. Noch besser soll dort im Sommer der oft ver- 
langte gefrome Bahmkaffee seyn. Auf Tischen und in 
61as-Schränken im Hintei^grunde des Zimmers pflegen 
mancherlei Zucker- Backwerke aufgestellt zu seyn. Dm 
das Zimmer hemm laufen gepolsterte Bänke ^ vor wel- 
chen, wie in der Mitte, viele kleine Tischchen mit Mar- 
morplatten stehen, nebst noch andern kleinen beweg- 
lichen Sitzen. Die Wände sind hübsch gemalt; einige 
Marmorsäulen tragen die weitgespannte Decke; die Be- 
leuchtung geschieht durch grofse Lampen. mit mattge- 
schliffnen Glasglocken, wodurch sich ein mildres Licht 
verbreitet. Zuwe ilen stehen die Kaffeezimmer mit einem 
Qarten in Verbindung, wie in Rom. Doch findet jene 
luxuriöse Einrichtung mit Spiegeln, wie zu Paris aux 
miile colonnes^ u. s. w* nirgend Statt. Keine Limonadiire^ 



— las -^ 

keine G^ante adeht die Fremden an; keine Nymphen^ 
keine Ciiinesen sorgen für ihre Bedienung. Einige Bur^ 
«che machen die AufwSrter, unter welchen in geringe- 
ren Kaffeehäusern nicht selten ein oder einige Krüppel 
sind. Die Bülardsale sind in der Regel getrennt , und 
auch die Frauenzimmer besuchen oft Torzugsweise nur 
ein gewisses Appartement In Mailand sieht man deren 
nur wenige erscheinen, in Florenz sehr viele und selbst 
aus den ersten Standen. 

Wie unentbehrlich dem Italiener das Kaffeehaus seye, 
geht aus der grofsen Anzahl dieser Institute hervor. Kein 
Dorfchen ist so klein, wo^nidit ein solche« wäre. Frei* 
lieh ist dann Bedienung, Einrichtung und Waare dar- 
nach. In den Haupt^trafsen der Städte ist, wie ich öfters 
abgezahlt habe, jedes zehnte, zwölfte Haus ein Kaffee- 
haus« Da trinkt der Italiener früh seinen Kaffee, oder 
JE!ier*Chocolade, oder Eis-Orangade mit Biscuit, vor 
Itfittag nimmt er im Vorbeigehen eine Limonade , nach 
Tisch trinkt er eine Tasse Kaffee, oder läfst sie sich 
in der heifsesten Jahreszeit in's Haus bringen, am Abende 
geniefst er einige Sorbette und liest die Zeitung, oder 
unterhält sich mit Bekannten, welche er dort antrifft, oder 
endlich er sitzt stundenlang starr und stumm, nur die 
Vorübergehenden betrachtend. Der Menge dieser Häuser 
ungeachtet sind alle Waaren hier so wohlfeil , dafe man 
de sich selbst in Frivathäusern nicht wohlfeiler bereiten 
kann ; und dafa selbst der Schreiner - und Maurer- 
Geselle die Kosten nicht abschreckend findet Gerade da^ 
durch , dafs jedermann ih*s Kaffeehaus geht , und der 
Besuch der Weinhäuser dagegen selten, und mei^t nicht 



— 1S6 — 

l&r anrtänd^ geselltet fat, wird jene WoUfeUheit nur 
noflich; nur dadordi wird erkliriich, wie ein hochaEf- 
getiiüniites Becherglaa toU Gefiromem, oder ein starkes 
Trinkglas Limonade nm 5**-6 Krenser gegeben werden 
kenne, was bei nns wenigstens doppelt so viel kosten 
wurde, obschon wir das nöthige Eis viel niher haben 
und Tiel leichter konsernren können. Denn dieses^ 
oder rielmehr ein nach öfters begonnenem Auflhanen 
wieder gefromer Schnee, mufs nacfi Neapel von den 
Abbmszen, nach Floreni Ton Yall'ombrosa gebracht 
werden. Grofse Eismagazine sind in den Gebirgen selbst, 
aus welchen man es von Zeit^xu Zeit mlchtiicher WeUe 
in die gro&en städtischen Eiskeller bringt, die es wieder 
jeden Morgen in der Frühe an die Kaffeewirthe in der 
Stadt und auf dem Lande- Tertheilen. Nadi Pisa und 
LiTorno liinn das Eis nur mit grofsem Verlust und Ko;* 
sten- Aufwände, wohl ebenfalls tou Vall'ombrosa her, 
gebracht werden, daher es dort theuer ist. — Die In-- 
gredienzien der Sorbette werden in blecherne Zjlinder- 
gefasse gebracht, durch deren Mitte ein zylindrischer 
leerer Raum hindurchgeht, so dafe sie Ton allen*Seiten 
mit dem schmejbenden Eise in Berührung kommen kön* 
neu, in welches man sie eintaucht, und eine Viertelstunde 
fortwährend schnell herumdrehet und rüttelt. Oft sieht 
man auch unter Tages Eis in Karren herumführen, auf 
welchen Boutiquen angebracht sind*, woselbst Eiswasser 
und Limonade, aus den schlechtesten Zitronensorten 
bereitet, ausgeschenkt, und von den ^^eringsten Klassen 
häufig kousumirt wird; 



• • 



Der ächweiüser erzählte mm noch, dftb sieh in der 
Sdiweitz eine Gesellschaft gebildet habe, welche in jeder 
bedeutenden ItaUenischen Stadt ein oder einige KaJfee* 
hinser eingerichet, woselbst alles zwar um die übDchen 
Preise, aber merklich besser verabreicht, und fir einft 
reinlichere Einrichtung gesorgt werde. Diese HBuser 
sind gröfstentheils von Kaffeewirthen aus den Italien!* 
sehen Kantonen in Bestand genommen, welche ikberhanpt 
die hauptsachlichste Heimath derselben zu seyn scheinen^ 
Midem Ton daher auch viele nach Frankreich und Deutsch- 
land gekommen sind« 

fahrend unsrer Unterhaltung üb v ^^^ G^genstlnde 
hatte es begonnen düster zu werden, die Wagen kehrten 
vom Corso zurück, und hielten in grofser Anzahl vor 
dem Hause, wo die Besitzer derselben sich theils Ge- 
tränke heranbringen liefsen, theils aber, Männer wie 
Frauen, aftstiegen und in die Zimmer selbst hinein- 
traten. Das Gedränge war sehr stark geworden, und 
wir zählten in einer Yiertelstund« nun 80-^100 Sorbette, 
welche abgegeben wurden. So währte es etwa 2 Stun« 
den fort, vorher und nachher war es etwas schwächeiv — « 
Hansirer mit allerlei kurzen Waaren drängten sich her« 
ein, solche den Fremden aufzudringen; Bfarmorarbdter 
boihen viele schöne Gegenstände feil, wodurch die Natur 
oft aufs Täuschendste nachgeahmt worden. Alle warfh 
berechnet, in die Augen zu fallen, der Werth nicht be« 
deutend 9 die Forderungen hoch , die Preise oft über- 
raschend gering, dem Fremden zu Leid, welcher durch 
ein geringes Gebot gedacht hatte ihrer los zu werden« 
Die Preise sind hier in der That weit unter jenen der 



— U8 — 

Magnliie^ wdl die Leste den firiheni Brie« hoch an- 
redmen. Mmitanten , Tatehenspieler, Bedtatoren, Im- 
forovisatorai süid dag^fen hier entweder selten, oder 
mit Aoiinahme der ersten fast nie aniutreffen« Vened^ 
Ist ihre Heimath. — Es war Zeit zur Heimkehr ge- 
worden. Indem wir ans dem Hause traten , bemericte 
derSchweitaer, anfeinen Jungen Englander deutend, der 
auf der dunklen Seite der Strafse einige Worte mit 
.einem Burschen wechselte, und dann ihm folgend in 
einer Sdtenstralse verschwand , er scheine nun endüdi 
seine Absicht erreidit zu haben. Er hatte diesen Britten 
unter Tag sdion nyhrmal auf der Strafse, vor deiJPost 
ondan andern Orten beg^net, und ihn noch am Abende auf 
der Arno -Brücke wahrgenommen, wo er, durch unge- 
wöhnliche Kiddung ausgezdchnet und überall mit auffallen* 
der Neugierde um dch gaffend , dch als Fronden be- 
merklicfa zu machen gesucht hatte. 



XU. 



Volks - Belustigungen. 



Xjiese Belustig^ang^en sind in Italien sehr manchfalt|ger 
Art, und haben manches Eigenthümüdie aus alter Zeit 
heräberg^ebracht, während sie in mehren Gegenden 
Deutschlands fkst gänzlich verschwunden, oder auf Essen 
und Trinken bei Eirchweih - n. a. Festen beschränkt sind. 
MitErs- und Trink-Gelagen haben Unsre ältesten Vorfah- 
ren ihre Siege und ihre Feste gefeiert; das Glas, der 
Walzer, die Karten: damit feiert der Deutsche Bauer 
in Gegenden, wo man ihn nach dem Zeitgeist fragen 
hört, ganz aliein jedes fröhliche ErdgniCs. 

Das gröfste und originellste aller Feste in Italien ist 
das des Cb/Tzeva^, welches theilweise nach andern Läq^ 
dem übergegangen, aber nirgend zu der Ausdehnung 
nnd IJngebundenheit gekommen ist, wie dort. Er währt 
vom Neujahr bis Aschermittwoch, und wird Tonversehie- 
denen Ständen in Terschiedener Art gefeiert, haupt- 
sächlich aber mit Opern und Maskeraden. Die schön- 



— 140 — 

flten Opern werden inuner im CameTtl gegeben, und 
jedermann besucht diese Opern wenigstens , nnd in de« 
Volkes Mnnd hört man ihre Arien bis anm neuen Jahre 
sich wiederholen. Der grofste Aufwand in dieser Hin- 
sicht wurde sonst in Yened^ gemacht, indem dieses 
gleichsam den Ton angab. Die Oper, weiche zum Game- 
Tal in Venedig aufgeführt worden, wurde das Jahr über 
in den übrigen Stidten Italiens wiederiiolt Aber Ve- 
nedig hat diesen Einflufs mit seiner alten Blüthe seit 
einem Dezennium allmählieh verloren. Aufserdem wird 
der Carneval am glänzendsten und allgemeinsten ge- 
feiert in Rom, Neapel und zumal noch in Palermo nnd 
Messina. Doch bin ich nie Zeuge dieses, von andern oft 
beschriebenen Festes gewesen. » 

Der Ckn'so ist gewissermafsen auch als ein Fest 
anzusehen, an welchem indefs nur die höheren Stande, 
wiQirend der schönen Jahreszeit taglich Theil nehmen. 
Ich habe seiner früher zu Turin^^ ausführlicher ge« 
dacht. Sehr anseh^ch ist er in Mailand, wo glanzende 
Wagen in Menge dahin rollen. In Florenz geht er Ton 
einem der Thore nach einem nahe gelegenen Lust- 
Schlosse, eine Stunde Weges. Diese ganze Strecke wird 
zu Verminderung des Staubes taglich , kurz vor Anfiing 
des Corso begossen. Ein grofser Theil der Wagen muf» 
noch in der Stadt eine lange Strecke am Arno hinatf- 
fahren , wo dann bei Sonnen-Untergang vor den Kaffee- 
Häusern, wie auf den Brücken, Bänke und Stühle zu 
beiden Seiten aufgestellt sind, dif$ unter Tages wi< 



Bd. I. S. 113. fL 



— 141 ~ 

wef^nommM werden, un die Trottdn breiter tit 
machen» Jedei^, der sich dort niederlafist, zahlt den 
lieuten, Welche dieses besorgfen, eine Kleinigkeit 

Sehifferstechen findet an gewiaaen Tagen jährlich xu 
Florenz anf dem jimo Statt 

Pferde-Rennen werden in mehren Toskaniadien 
Städten zu beatiramten Zeiten dea Jahrea gehalten. Flo- 
renz giebt deren jahrlich 8 — 4 ; unter andern am Jo- 
haaniatage, anf Peter und Paul, an welchem letzteren 
Ta^e ich daa Feat mit anaah. Bie Städte Florenz und 
Syena haben einen gewiaaen Fonds bestimmt, ans dessen 
Brtrag die Preise bestritten werden, welche die si^pen- 
den Pf^e daron tragen. In LiTomo dagegen werden 
solche aus einem vorher bestimmten Beitrage der zahl- 
reichen Zuschauer erhoben. Diese Preise betragen 
SQ _ 100 — ISO Gulden: Auch Prato', Pist<ya haben 

ihre PJEerde-Rennen; In Florenz sind als Benn'^ 

bahn einige breite, in möglichst gerader Richtung zur 
sammenhängende Strafisien angewiesen, welche an deip 
Thore beginnen, das nach dem Corso fuhrt Schon um 
4 Uhr sieht man längs dieser Strafsen zu beiden Seiten 
Wachen zu Fufs und zu Pferde ausgestellt, die nöthige 
Ordnung zu halten. Die gepflasterten Strafsen sind ^^^ — 
^// dick mit Sand überfiUirt Bothe, blaue und gelbe Tep- 
piche hängen Ton allen Fenstern, Ton allen Balcons her- 
ab, und kleine Gerüste und Bogen sind Isjiga der Strafse 
ailerwärts aufgeschlagen, wo der Baum es gestattet 
Schon um 5 Uhr war das Menscheygedränge erdrückend, 
obschon daa Rennen erst um sieben beginnen sollte. Bald 
nach sechs begam man sich die Plätze in den Logen zu 



— 142 — 

«neben; lahlreiehe Znaehaner füllten die Fenster. Det 
Grofshenog erschien mit seinem Gefolge in vier sechs- 
spinnigen Hof wa^n, begleitet von Lanfem, Reitknechten 
und der Leibwache sn Pferd, grofsentheils ans Bürgern 
▼on Florenz gebildet An diesen Zng reiheten sich dann 
nngehindert ein- nndzwdspinnige Wagen der verschie- 
densten Arten an. Sie hatten in den Seitenstrafl^n ge- 
wartet, bis der Hof den Zng nach dem Corso eröffnen 
ivfirde. Indessen er verliefs die Stadt nicht, sondern 
fuhr in der bezeichneten Ordnung im Schritte zweimal 
die breitere Iffilfte der Strafse auf und ab ^ stieg dftnn 
in einer besonders erbauten mit Pnrpi behangenenLoge 
hiebst dem Thore aus, wlhrend die Besitzer der übri^ 
gen Wagen ein Unterkommen entweder in ihren eige- 
nen] nahegel^;enen Hausern oder bei ihren Bekannten 
und Freunden, oder endlich in den zalilreichen Logen 
suchten, und ihre Wagen wieder in die Nebenstrafsen 
fahren liefsen. Die noch vorhandene Volksmasse wurde 
nun rechts und links auf die Seitenstrafsen zurückge- 
drängt. Ein grolser freier Platz blieb vor der Loge des 
Grofsherzogs. Drei Pferde (ohne Reiter}, einem Handler 
gehörig, wurden diefsmal allein herbe%efuhrt. Vom 
Rücken hiengen mehre Sdinuren auf die Seiten herab, 
an deren Enden gestachelte Kugeln befestigt waren, doch 
hoch unterlegt, so dafs sie nidit die Oberfläche des 
SSrpers selbst berühren konnten. Diese Unterlage 
Wurde nun behutsam weggenommen, und die Pferde auf 
ein gegebenes 2eiche9 losgelassen. Im Karriere flogen 
sie nun vor den Logen vorbei; die Volksmasse war auf 
den Seitenwegen nicht mehr zurückzuhalten , sondern 



- IM ~ 

drSa^fte sich ^e^^en die Mitte herdn, ihrer Ankiuift ent* 
g:e^en zu sehen , und vereng <rft die Bahn sehr, welche 
die Pferde , vor den tanzenden Kugeln gestachelt, unatif^ 
haltsiJBm durchrannten. Jedes derselben war mit einer 
Nummer versehen ; jedermann nahm die Uhr zur Hand, 
und nach Tier Minuten zeigte die Anzahl der in der Feme 
aufsteigenden Raketen die Nummer des Pferdes an, 
welches das Ziel zuerst erreicht hatte. Da jiedoch die 
Strafsen nicht ganz gerade waren ,#80 konnten nur die 
Personen in d^r grofsherzogüchen Lqg^, welche hoher 
wal" und freier lag, sie zählen. DerGröfsherzog streute 
dann mit ieigner Hand^ eine Menge Billets^ auf das unten 
znsammgedningte harrende Volk herah, welches darin 
die Nummer des siegenden Pferdes- angegeben fand* 
Einige Engländer zeigten sich über die gewonnene Wette 
erfreut ; langsam und schwerfällig bewegte sich die Masse 
r&ckwärts, die Kaffeehäuser füllten sich und ertonten 
von der Unterhaltung über das Wettrennen, woran am 
andern Morgen niemand mehr dädite, als der Pferde- 
Händler , welcher den Preis davongetragen. 

Weniger isf daä WettreUen ein nationeUes Fest Es 
scheint hier Englischen Ursprungs, und glrofsentheüa 
nur Tcin den in l^lorenz wohnenden ]||igländem gehalten 
zn werden. Man nannte mhr aufser andern die Pferde 
des Russischen, deä Englischen Gesandten, welche dar- 
an Theil genommen. Auf einem derselben ritt der 
Sekretair des Englischen Gesandten, als Jockey gddeidet, 
selbst 

Wagenrennen^ an die Spiele der alten Griechen wd 
Romer erinnernd, scheinen in der Weise nur in Italien 



— 144 — 

SUtt am lindai. Die Wagen in Ffarem, auf awei HSdern^ 
liaben gana die Form der alten Streitwagen , und aind 
mit mehrem Pferden bespannt, welche geübte FfUirer 
erheischen« Auch dieses Fest veranlafst au gewissen. 
Tagen des Jalires grofsen Znsammeolanf. Wagenreraieil^ 
Wettreiten nnd Pferderennen werden übrigens auch in 
Padoa gehalten. 

Stiergefeehie werden unter andern in Rom Afters ge« 
geben. Sie sind so fransam als unbedeutend, indem man 
1^ wenige HuAe eine Zeitlang auf den Büffel hetxt« • 

Das Sälard ist dundiaus in Italien einheindscfa. Man 
sieht es allerwirts, so zahlreich auch die Kaffeehauser 
sind. Aber es biethet weit weniger Abwechselung dar, 
indem es fast innner nur mit drei Ballen gespielt wird. 

Das Kugekpkl habe ich nicht ganz rerstanden , ob- 
schon man es in den Höfen der Wirthshäuser und auf 
der Landstrafse fast den ganzen Tag spielen sieht. Es 
sind gewöhnlich zwei Spieler. Eine kleinere Kugel wird 
▼I» einem derselben hinausgeworfen. Jeder ist nun noch 
mit einer Anzahl gröfserer, wie unsre gewöhnlichen 
Kegelkugeln, versehen. Jeder strebt, eine derselben 
zunächst an die kleine hinrollen zu machen, wöbet 
alle zubillige Unebyheiten des Bodens sorgfältig beach- 
tet werden müssen. -Wer die näher sitzende Kugel des 
andern Herdringen will, mufs entweder sich noch naher 
setzen, oder die andre so treffen, dafs sie entfernt wird, 
was gewöhnlich durch einen Bogenwurf frei durch die 
Luft geschieht, und wobei ein geübter Spieler in vier 
Malen wohl dreimal seinen Zweck erreicht. Meist wird 
umsonst oder um Wein gespielt, was dann sehr geringe 
Kosten macht 



-. 14S — 

Das FederbaUapiel sieht man häufig a%f frt^ien Plix* 
■eil in und Tor den Städten und Dörfern. Ja die gettbte* 
sten Ballspieler ganzer Gemeinden adehen zuweilen gegen 
einander. aus, um rieh an Geschicklichkeit zu messen; 
und diejenigen , welche den Sieg davon tragen , erhal- 
ten Ton den andern gewisse Vorrechte zugestanden. 

Am nationeUsten scheint indefs das sehr beliebte und 
häufige Spiel „Alla mora^^, welches sehr alten Ursprungs 
ist, und das die Römer „digitis micare'^ nannten. Die 
Au%abe besteht darin, dafs zwei voreinanderstehende 
Spieler, während jeder eine gewisse Anzahl Finger an 
beiden Händen ausstreckt, auch im selben Augenblicke 
zu errathen suchen , wie Tiel der andre ausgestreckt 
habe , was selr oft und schndl mit grofsem Affekte wie- ^ 
derholt wini Jeder fafst dabei den andern scharf ins 
Gesicht, und sucht die zu findende Zahl gleichsam aus 
sehen Mienen zu saugen. Eine grofse Anzahl von Zu^ 
schauern drangt sich mit der gespanntesten Aufmerksanr- 
keit ui|i beide her , welche oft eine halbe Stunde lang 
damit fortfahren. 

Noch za|ilreich und jeigenthümlich sind die übrigen 
VoHcsspiele, meist auf gewisse Tage festgesetzt, deren 
manche Reisende Erwähnung thun, und wovon sie uns 
ausfuhrliche Beschreibungen geben. Ich hatte andre an 
beobachten nicht Gelegenheit; --' dagegen ist der Italien 
ner kein Freund von Spatziergängen, es sey denn, wäh^ 
rend er auf dem Lande wohnt, und er die Zeit nicht 
hinzubringen weifs, oder sonst es sehr gemächlich haben 
kann. Die Umgebungen Genua' 8^ obschon kahl, bieten 
die schönsten Fem« und Rund-Sichten dar, welche man 

Brvnn, Reue. tf. 10 



— 144 — 

Imr fldieB kuuL Aber die Wirththiiuer, wddie den 
gantt^stea Paukten am niduten liegen, sind in einem 
wilirliaftjtninierliciien Zustande« Eifehk an Wirtiien, 
welche die Giate ansnaehen wiaaen ; ea fehlt an Gisten, 
welche fUr diese NatnnchSnheiften empfangücfa sind. Aber 
immer würde dort dodi die Ansahl einkehrender Frera« 
den nicht nnbetraditlidi aejn. Wir liefsen am Abende 
▼or einem Muttergotteafeate nnare moi^ge Ankunft in 
einem der beaaem dieser Hanser melden. Da gans nahe 
dabei > die Blarienkirche atand, so war der Volkaxnlaaf 
aehr grob> Aber wir fanden nnr Sappe ana Waaser, Brod 
«nd Käse, und Einen holaemen Lofel Cor Alle. 



XIU. 

Das LottospieL 



Sovente ancor it« la trascona 16111 
La perduta tra 1 giooo aurea m»neUL 
Nonmen, chealcaTalier, tuole a ladamd 
Lnnga vigilia cagionar . . • . 

Paeini , il mattino , p. 2S. 



Die Italiener . spielen mit Karten weniger nnd minder 
hocli als die Deutschen, mebr als die Franzosen, ans« 
genommen denn bei Abendgesellschaften in den Salons 
der Vornehmem. Auch die meisten Hasardspiele werden 
vielleicht nidit so leidenschaftlich gespielt, als in Paris 
nnd London. Doch sehr verbreitet ist das Lottospiel, 
wobei die Regierung selbst Bank hält , und welches deüs-- 
weyen das königliche, herzogliche u. s.w. genannt wird. 
Es findet sich in allen Ländern Italiens , und damit es an 
Gelegenheit nicht mangle, so haben Turin, Genua, Par- 
ma , Rom und jede irgend bedeutende Stadt ihre Bank 
und ihre Ziehungen. In diesen Städten selbst, wie in 
den kleinem übrigen ist keine Hauptstrafse, wo nicht 
ein CoUecteur seinen Schild mit „qui si prende per To* 
rino^^ u. s. w. ausgehängt hätte; es ist kein Dorf, wo 
nicht ein solcher wohnte , und wieder seine Agenten un- 
terhielte. Denn es genügt nicht , den Leuten Gelegen^ 
heit zum Spiele zu geben , sondern die Menge und Nähe 
)ler Einladungen mufs sie locken^ sie müssen den au^ 



— 146 — 

f enblicklich gefarsten bösen Gedanken vollziehen können, 
dhe. er. sie fferent Ans der Anzahl der CoUecteurs zu 
sehlie&en, miifs die Menge der Spieler ganz enorm sejn. 
Nahet denn ein Tag der Ziehung heran , so ermannt man 
sie, mit Looseu sich vorzusehen, ehe die Gelegenheit 
verstreiche , nnd die grofs gedruckten Worte „dopodi- 
mani , dimani si ehinde'^ verkündigen jedem Vorüber- 
gehenden, dafs er dazu nur noch wenige Stunden Zeit 
übrig habe. Wie viele , di^ sich vorgenommen haben 
mochten, nicht mehr zuspielen, entschliefsen sich, weim 
sie diese Worte lesen, es doch noch einmal zu versu-* 
chen! Ihre Vorsatze sind vergessen. Jetzt geht man 
nicht leicht an diesen Häusern vorüber, ohne Leute zu 
sehen, welche noch Loose kaufen. — Und nun gar 
,questasera si chiude!'^ Gott! wie eilt ^ich nun Alles , 
diesen letzten Tag nicht zu übersehen \ und dem Glücke 
nicht geflissentlich auszuweichen , dafs nun doch viel- 
leicht diefsmal sich ernstlich einfinden könnte ! Schon 
rückt der letzte Abend heran, und noch so Viele sind, die 
erst ein Zeichen des Himmels erwarten , das ihnen die 
Nummer ankündige, die sie wählen müssen, um Zuge- 
winnen. Und dieses Zeichen erfolgte nicht ! — Doch 
man mufs um so beharrlicher seyn, je unbeständiger das 
Glück ist, sagt sich der Soldat, welcher il%lich einen hal- 
ben Kreutzer seiner Löhnung zurückgelegt hatte, um sich 
Loose zu kaufen; so sagt sich der Packträger und manches 
arme Weib , die durch tägliches Darben nur wenige 
Kreutzer zusammenzubringen vermogten. So sagt sich der 
mäfsig Wohlhabende, welcherbal d sehr reich zu werden 
hofft , einsetzt) und indessen seine mäC^igen Glücksgüter 



— 147 — 

in der Aassicht anf den^ baldigen grorsen Gewinn, gim- 
lieh. Ternachläfsigt und einbüfst. So sagt sich freilich 
auch mancher Reiche , dem es an Mitteln gebricht, sein 
Kapital „ii^ diesen, schlechten Zeiten^^ sicher und gut an* 
zulegen. „Wenn es doch diesesmal einträfe, wie wollte 
ich dann . . /' ist der ewig wiederholte Sprach, an welchen 
sich eine Reihe glänzender Phantasieen knüpft, und der 
Bntschlafs ist gefafst Doch ist noch mancher Arme, 
der sich schwer von dem Wenigen trennt, das er mit 
Thräneü erübrigt hat. Er schleppt sich von seinem Tag- 
werk nach Hause, da man die Lichter anzündet, und 
in jeder Strafse liest ier ia transparenter Schrift „Questa 
sera si chiude^' oder ,, diesen Abend zum letzten Male/^ 
Da aberlegt er noch eine Stunde, und sagt sich tausend- 
mal, dafs es besser sej, das Wenige sicher zu bcjial*^ 
ter, als es auch noch zu dem längst Verlornen zu ver- 
lieren. Aber es schlägt neun! „Zögre ich länger, so 
wird's zu spät'% und fort geht auch er^ und hat schon 
Mühe, sich in das Zimmer des Collecteurs einzudrängen., 
Ein Mädchen , das Ton seiner Hände Arbeit sich küm- 
merlich nährt , und schon so oft vergeblich sein Glück 
aaf die Probe gesetzt hat, legt sich frühzeitig zu Bette, 
am de^to leichter jede Versuchung ^n überwältigen. 
Aber tausend Bilder gaukeln vor seinen Augen, von dem 
Glänze und dem Reichthum, den ein glückliches Spiel 
ihm verschaffen könnte, wie es schon diesem oder jenem 
Lotteriespieler geschehen. Der^Sfihkf senkt sich lallmäh- 
lieh in seine Augen, aber kaum hat er sie berührt, so 
träumt das Mädchen von drei Freundinnen. Sie rafft 
sich aus dem Schlafe auf, sie läuft durch die ganze Stadt, 



— 148 — 

noch die Niinimern ihrer Wohnungen ausfindig zu m«* 
chen, sie wälüt diese, sie wählt die Zahl Drei, sie wählt 
die Zahl der Altersjahre einer jeden, sie läuft zttm Col- 
lectenr , und — welch' ein Glück! ^^ die Tier ersten 
Zahlen wenigstens sind noch offen: welche herrliche 

Quatcme könnte das werden! Vom Theater heim^ 

kehrend, sehe ich ein altes Mütterchen an der Strafen^ 
ecke vor einem Mnttei^otteshilde stehen, dem es von 
jeher alle seine Sorgen anvertraut, und sicher schon 
hundert Kerzen angezündet, hat. Es fragt , ob es ein- 
setzen solle? ob es wählen solle diese? jene? Zahl, es 
sieht '^) den Kopf des Bildes sich bewegen, es sieht 
im Kerzenschein die Augen bllnzen, die Lippen sich ver« 
ziehen: getrosten Muthes geht es hin, sein Glück zu 
bestürmen , wie es schon hundertmal vergeblich gethan, 
tmd ihrem Nachbar , der ihr auf der Strafse begegnet , 
erzählt sie die ihr von der Heiligen widerfahrne Be* 
günstigung.*^ — Endlich kömmt der Tag, da die Ziehung 
beginnen soll, den man kaum zu erwarten vermogte. 
Der CoUecteur wird bestürmt; man will die herausge- 
kommenen Nummern wissen. Er hängt sie in gfrofsen 
Ziffern vor seinem Hause auf, um sich der Menge zu 
erwehren, ihr die Mühe zu erleichtern, und um auch jene 
Wenigen zu benachrichtigen, welche nicht öffentlich als 
Spieler gelten wollen. EndKch langt die Nachricht an , 
dafs eine Terne^ eine Quaterne herausgekommen, und 
sie hohe Summen gewonnen habe. Man druckt die 6e- 
schidite mit zollgrofsen Buchstaben, und heftet sie an 



*} Sind keine Erfindungen des Verfosseri. 



— 149 — 

alle Strafseneckea an: >yWenn ihr nicht blind s^d , nicht 
mit Füfsen treten wollt euer Glück, so kommt und kauft 

Loose, wie jene auch gethan/^ Doch ich vergesse, 

dafs ich ein Bild entwerfe, das vollkommen auf so Tiele 
andre Lander auch pafst , und dafs ich daher Vielen 
nichts Neues ersähle. Aber in einem Lande geboren, 
wo die Weisheit der Fiirsten sich Ton jeher dieser fürch- 
terlichen Einrichtung widersetzt hatte, war ich ganz Er- 
griffen > da ich aUes Unheil sähe, welches dadurch Ter- 
anlafst wurde, und welche, wie ich mich zu überzeugen 
Gelegenheit fand,. in vielen andern Ländern, selbst wo 
es verboten , nicht minder grofses Uebel anrichtet, ob- 
schon man letztres vielleicht mehr zu verbergen bemüht 
ist Weil es auf diesem Wege leichter ist, als auf an- 
dern , den Staatsschatz zu bereichern > darum suchen die 
Regierungen den Arbeitsamen zum Müfsiggange zu ver- 
locken; darum suchen sie den Bürger zu zwingen, seine 
sichre Wohlhabenheit zu verlassen , und zu wählen den 
Scheideweg zwischen schwel^i^Miem Reichthume und 
erniedrigender Armuth ; darum suchen sie ihm seinen 
grofslen Schatz und kostbarsten TaHsmami in allen Yer- 
iiHltulqieB,. den des' edlen Selbstbewufstseyns, zn un* 
teigraben^; damiir niibren sie den grilidichsten Aber- 
finAen dier Menge , nnd erkennen mit Frenden in der 
fcU^eMtelen RdigiositSt das sicherste Mittel, wie zu 
anderem Bösen , so zw A^nstflgnng aller Moralität ! Dar- 
mn aneir^n sie Hülfe von d^r Armuth und Trost von 
der Yersweiflnng ! So regieren Regierungen im Geiste 
des Gbriatenthums I 



y 



XIV. 



Theater und Nationalgesänge. 



Tu sai commoTere 
Gli animi al piantOt 
Ta gioia infondere 
Con nifOTo incanto, 
£ in ogni petto 
Con irario aifetto 
A tno talento 
Senat de^tar. 
Sonetto a Lüiaia Boccabadati Gazzvoli. 



T oa der Natur avsgest'attet mit einer blähenden. Pban- 
taste , ist der ItalieneF Freund und Vei^rer aller Künste, 
deren Grundlage die Phantasie Ist, wieder Franzose fast 
überall sich auszeichnet, wo Feinheit und guter Ge- 
schmack zu Rathe gezogen werden sollen. Die bilden^ 
den Künste im weitesten Sinne des Wortes sind das Feld, 
worin der Italiener die glücklichsten Anlagen entwickelt, 
und zu einer Zeit entwickelt hat, wo die Wissenschaften 
schwer darniederlagen. Derselbe Arm , der auf letztem 
so schwer lastete , oder sie wenigstens in enge Mauern 
einzwini^e, hatte die bOdendeu Künste begünstigt, und 



— 151 — 

in «einen Sold ^nommen, und grofse KapitaiTorHlthe , 
in Italien anfgehänft, hatten dein Künstler ein sorgen- 
freies Auskommen gestattet. In vielen poetischen Wer* 
len bewundern wir Kunst und Phantasie ; wir bewundern 
sie in Zeichnungen und Gemälden , in Bildbäuer'Arbeit 
und Bronze-Güssen, in Architektur und Musik;' aber > die 
Musen waren fast, ausschliefslich nur dem kirchlichst 
Kultus unterthan. Nicht in allen diesen Zweigen ent- 
wickeln sich noch jetset die Anlagen des Italieners in 
gleichem Grade; aber durch die Kunst-Produktionen fru-* 
herer Zeiträume ist Italien die Schule Europa's gewor- 
den ; ' seine klassischen Dichter ehrt der Italiener noch 
überaus hoch /und jede Musik klingt mächtig in seinem 
Gemüthe an: in dem des gebildeten Mannes, wie in je- 
nem des Packträgers. Die Anlage des Italieners Terräth 
sich weiter darin, dafs er keines methodischen Lehrers 
der Musik bedarf , daher es deren auch nur höchst we- 
nige gibt. Er lernt, indem er Andere musiziren hört. 
Aber seine Fertigkeit gewinnt dadurch eine etwas ein- 
seitige Biohtung, indem aufser dem Klavier und mitunter 
noch der Flöte und Violine, selten ein Instrument ge- 
spielt wird. Man beschränkt sich meist auf Gesang, 
worin die Oper die Hauptbilderin ist. Ist eine Oper ein 
oder einige Male angeführt worden^ so hört man bald 
allerwärts die Musik im Gesänge wiederholen. Aber der 
Italiener achtet in der Oper auch nur die Musik : Spiel 
und Anlage des Stückes sind ihm gleichgültig, keiner 
Aufmerksamkeit werth. Zwanzigmal hintereinander be- 
sucht er eine. gefällige Oper; aber er tritt nur ins Thea- 
ter, so lange die Ouvertüre wahrt, oder so bald eine 



— 162 — 

Iidkli]igs«rieii.dgL beginnt Ist dieses beeBd^l, soverUfst 
er den Saal, begibi sich in die nahen Kaffeehäuser, gehet in 
den geräumigen, im Sommer kühlen, im Winter geheitzten 
Vorhallen des Theaters spatzieren, stattet Besuche in den 
Logen ab, unä man unterhält sich ganz laut. Auffallend 
ist übr^ns die besondere Vorliebe für Rossm i'sche Mn* 
sik: man istTevsichert, das Hans gefällt zu sehen, wenn 
einis Bosssn'sche Oper angekündigt ist, und nicht selten 
ist es , dafs in Neapel auf 8 — #—5 Theatern zugleich 
dieser Fall eintritt. Diefs hat andrerseits den Nachtheil, 
dafi^alle Compositeurs der Opernmusik nur diesem Mu- 
ster nacheifern, und keuler sich in origjheller Weise 
Tersudit. Für Lust- und Trauerspiele ist meist keine 
besondre Musäc komponirt, und so geschah es mir, 
dafs ich in Florenz drei Abende hintereinander dieselbe 
Rossnri'sche Ouvertüre , erst zu zwei Lustspielen , dünn 
zu einem Trauerspiele, in Terschiedenen Theatern hörte. 
Jede kleine Stadt in Italien hat ihr Theater: Neapel 
hat deren wohl sieben. Aber TieUeicht nicht eines der 
gröfsem oder Opern-Theater hat ein ständiges PersonaL 
Es sind; Gesellschaften , welche sich für jede einzustu- 
dirende Oper besonders bilden , wie das Stück es nach 
Personenzahl und Stimmen nöthig macht, worauf sie 
dann ein halbes oder ganzes Jahr lang von einer Stadt 
zur andern ziehen, um dort 2 — 3 — 6 Wochen lang im^ 
mer dasselbe Stück wieder aufzufuhren, und zu welchem 
Ende sie lange voraus engagirt werden. Freilich wird 
der Titel eines Stückes oft mehrfach abgeändert, wenn 
& Gesellschaft wieder in eine neue Stadt kommt* Die^ 
Theatergebäude sind von der Regierung , der Stadt oder 



_ lös — 

\ 

I 

einer Prhat-Getelbidiaft erbavt. BSn Entrepreneinr mie- 
tbet ea ihnen fttr eine jährliche Summe mit der Beding- 
nlfs ab, dafs er (^ etwa mit Ausnahme der heifsesteii 
Jahreszeit*) für fortwahrende Belustigung des Publikums 
sor^e. Er besehreibt daher halbe oder ganz« Jahre lang 
voraus eine der bekannten Schauspielergesellschaften 
nach der andern, indem er sieh an deren Di|«ktoren 
wendet, welche mit etwa 8 — 8 Personen ihrer Familie 
allein standig dabei sind. Diese Direktoren accordiren 
nud miethen ihm nun das Lokal auf eine gewisse Zeit ^ 
a(b, sorgen Torschriftmiirs^ für Beleuchtung, und be- 
ziehen das Entr^e für sich. So erhebt der Entrepreneur 
seine Miethe mit einem Terl^ältnifsmafsigen Gewinne wie^ 
der, während der Gesellschaft überlassen bleibt, durch 
Zufiriedenstellung des Publikums das Haus zu füllen , und 
ihre Auslagen wieder zu gewinnen. In gröfseren Städten 
können natürlich nur bessre Gesellschaften bestehen, 
welche auch sehr hohe Miethe zu entrichten haben. Ver* 
irrt sich aber eine schlechte Gesellschaft dahin, so 
bleibt nach dem ersten oder zweiten Tage der Saal leei^ 
«nd sie können nun , im Sommer zumal , kaum die Ko- 
sfen der Beleuchtung erschwingen , indem dm Publikum 
nun andre Theater besucht. Sie finden ihre Rechnung 
in kleineren Städten, wo sie wenig Kosten haben, und 
das Publikum nichts Befsres kennt. — Eine andere Bin* 
riehtung findet zuweilen während des Carnevals oder zu 
SbngagUa wahrend der Bf esse Statt , wo alles sich nach 
deui Theater drängt , und der Entrepreneur seiner Ein« 
nähme gewisser ist. Er sorgt dann selbst für die Be^ 
leuditung , beschreibt und bezahlt die Sänger einzeln, 



— 154 — 

wea^piteiis theüweiie , und liehjt die f tnze ESna&hine an 
der KiMe for nch. In MaUand lafst man oft zwei Opern 
aufeinander wechseln , und gibt xn jeder Oper neue herr- 
iieiie Dekorationen. 

Um sicli des Besuches mehr zu versichern, da die 
Zuschauer wochenlang tigUch dasselbe Stiiclc anhpren 
sollen , mufe das Entr^e sehr gering angesetzt seyn. 
Abonnirte Plätze kosten anfserordentlich wenig: selbst für 
die Opern in gröfsem Städten oft nur 8 — 10 Kreu|xer 
jeden Abend. Für zwei Vorstellangen, jede von einem 
Monat, bezahlt man zu Bologna einen Platz im Parterre 
mit 12 fl.; eine Loge mit 00 fl. Der Eintrittspreis bt^eibt 
immer uuTerändert Dagegen zahlt man im Teatro alla 
Scala zu Mailand für einen Platz während einer Vorstel- 
lung gegen 2 francs im Parterre , und 2 fl. in der gros* 
seu Loge. 

Die Opern beginnen je nach Stadt und Jahreszeit um 
7. % , 8 oder Uhr (zu Parma) und endigen um 11 — 
12 — 1 Uhr des Nachts. Im Parterre sieht man aujTser 
^erm auch Frauenzimmer guten Standes , doch nicht ia 
allen Städten, weniger in Rom, dann mitunter auch einen 
Kutscher oder Sackträger, der nicht auf die Gallerie 
gehen mag. Man geht erst eine Viertelstunde Tor An- 
fang hinein. Damen Platz zumachen, ist nicht Sitte. Bei- 
fall wird sehr lärmend ausgedrückt durch Händeklatschen, 
durch Stampfen mit den Füfsen , durch den Ruf Bravo 
(^Brava , BraTi^ Bene, Benissimo , ETrira u. s. w. , das 
den Lieblingssänger des Publikums unzählige Male ^ selbst 
währendder ernsthaftesten Aktion unterbricht, und ^ ihn 

nöthigt , seinen Dank durch Verbeugungen auszudrücken« 
. i 



— 18* — 

Während eines Szenenwechsels wird der Akteur suwel- 
len 2— iSnial unmittelbar hintereinimderToni entsücktfSn 
Puhiikum auf die Bühlie zurückgerufen. Ein „bis^^ for- 
dert ihn oft zur Wiederholung auf, aber- darum lassen 
sich die Geschit^testen nicht selten durch unausg^esetz- 
tes Rufen vergeblich bitten/ so daUs indessen ganze Sze*- 
neri Terstrdchen , von denen man nichts versteht. — 
Aror fiir den Fremden' höchst empfindlich ist, wenn 
eine schöne Musik, begleitet von einer widerlichen Ak- 
tion, Verlangen zur Wiederholung veranlafst,' wie ich 
es es in Sjena' ansehen mufste, wo im Stücke ,^Amore 
secDndato dalF amicizia,^^ eine artige Sängerin, in Ver- 
zweiflung über die ihr entführten Kinder, von einem 
Chöre sdimutziger Bedienten unter beständigen Redta- 
üven wohl zehii Minuten lang sehr plump zurückgehal- 
ten, zuruckgestofsen und mifdbandelt wurde, während 
man an andern Orten diesen Akt zu bdeidigend fand, und 
ihn mit wenigen Gebehrden anzudeuten sich begnügte. — 

ff 

Ich wohnte in Bologna der Abschiedsvorstellung der Oper 
Semiramis vom Maestro Bossini durch die gefderte Fa- 
milie Maruni bei , mit wdcher sich die eben so gefeierte 
Sängerin Luigia Boccabadati verbanden hatte. Schon 
dreifsig Abende lang hatte diese Gesellschaft das Publi- 
kum durch ihren Gesang entzückt^ und für geschmack« 
volles Kostüm und reiche Dekoration war ebenfalls gt- 
sorgt gewesen. Dieser Abschied gab daher zur Wieder- 
holung besonderer Auftritte Veranlassung , die schon 
einige Tage früher bei der Benefice-Vorstellung der Boc- 
cabadati Statt gefunden. Diese Sängerin und Rosa Ma- 
aiAKi zeichneten sich in gldchem Grade durch Schönheit 



-- 156 — • 

des KSrpen und der Stunme, wie durch Rkbtifl^dl und 
Ferligfkeit des Gesaiifes mid der Aktion ans. Man bot 
die Portraits im Saale aus, und so wie in Terscbiedenen 
Akten diese beiden Kiuistlerinnen und Herr Mariam ihre 
TonngUchsten Vortrage beendigt hatten, ertönte es noch 
wahrend der Szene von ^^onetti, Sonettii^^ im ganaen 
Hanse. Der Saal Terdunkdte sich durch ehie Bf enge Ton 
Blattern mit Gedichten , welche von den obersten £mi* 
ken herabgestreut wnrden. Alle Hände tappten in den 
Logen und im Parterre, diese Blätter aufzufangen; in 
der Mitte des Saales, wo deren weniger hinkamen, stellte 
man sich auf die Sitze, und suchte noch in der Luft mil 
Höten und Stöcken sie sich zuzueignen. Das GetöSe 
machte Gesang und Musik verstummen, und. die Kunst* 
1er waren genöthigt^ mitten in ihrem Vortrage unterbro-* 
chen, dieses 5 — 8 Minuten lang mit anzusehen. Bei 
dem Beneflce der Boccababati wurde dieselbe von Per^ 
sonen aus den ersten Familien beim Austritte aus dem 
Hause empfangen , in den Wagen gehoben , und von die« 
sen in Gesellschaft des ganzen Orchesters nach Hause 
begleitet. Lange ertönte dort noch die schönste Musik 
und^bft wurde die Künstlerin durch lautes Rufen veran- 
lafst, sich am Fenster zu zeigen. Diese Vorgänge wur* 
den gleich nachher in einem zu Bologna seit fünf Jahren 
erscheinenden Journale berichtet , welches Theater« 
Nachtrichten hauptsächlich mittheilt, und den Titel führt: 
„Teatri, Arti e Letteratura'^ — Es wurde mnr erzählt , 
dafs in Bologna während des Sommers 1827 nur Engage- 
ments für zwei Stücke auf zwei Monate getroffen worden^ 
da man den heifsesten Theil des Sommers über vSüig 



— IST — 

anssetaeii woflte. Un^üdcHfiherwdK aber fiel du iwdte 
Stück ganae durch , der Yerfagser desselben, ein Belogt 
neser , 'war bei der ersten Vorstellung gegenwirti|^, und 
flücbtete sich, da der a%emeine Uninnth durch Lärmen 
und Pfeifen sich immer lauter knnd gA, xnietgt in frem- 
dem Wagen nach Hause, während die Menge seinen ei^- 
iien mit Pfeifen und Schmähen Teifolgte. — Indessen 
mag sich Lob und Tadel Tielleicht nirgend so lebhaft aus- 
sprechen , als in Bologna, welches jetzt seit Venedigs 
Herabsinken, in dieser Hinsicht in deuBesiti der er- 
sten Stimme zu gelangen sucht • welche in imdem eben 
SO grofseh Städten vielleicht wegen der Anwesenheit des 
Hofes nicht mit derselben Freiheit sich aussprechen 
würde. Ich lasse ausser dem obenstdienden , kleinen 
Gedichte noch zwei Sonette an die erwähnten Künstle- 
rinnen hier beifolgen : 

1^ al distintistfmo merito della Signora Ro^ M ariani, 
primo musico nelFopera del celebre maestro Rofssmi : 
la Semiramide , rappresentata nel teatro communale 
di Bologna, il giugno del 1827. Sonetto: 

£Gcel«a donna, «e a*BoaTi accenti 
Spiegbi la Toce , onde immortar tu bei , 
Liete t^applaudon le Felsinee *) genti, 
E di gloria al tao nome ergon* trofei. 

E le note soavi ed i possenti 
Modi, di che ti fet dono gli Del, 
^ E la nuoy' arte fen^ chio m^argomenti , 
Che tu diviiia, non terrettre, sei. 



*) Felfina : poetischer Name Ton Bologna. 



— 168 — 

, \ 

M« Chi esprimer pub inai Falio dÜettir 
Dell* arte esimia, di cnisei Fonore, 
Che «cende ^oavisüma nel petto ? 

Non certo umana lingual In te secnra 
Godi^ che il canto, onde faTilli al core, 
Mostra, quanto fra noi possa natura! 

2) Novello tributo di plauso al vero merito dell' e^egia 
cantante Luigia Boccababati, Modenese. Sonetto: 

Luisa a te , che al canto e al gesto muto 
Mirabilmente dai poBsanza e yita ^ 
Forte dolente della tua partita 
FeUina or manda l'nltniio saluto. , 

Fekiina , assai difficile al tributo ^ 
, Dalle tue care melodie rapita, 
Neil* arte in cui tu sei tanto perita, 
Grida, che il primo aerto ^ a te doTUto. 

J^priega, s'or da lei te tuoI dlTua 
Di Roma il desiderio, che la fama 
Tenga presto a nunciar: Tema Luisa. 

Ah, non fallisca la Felsinea brama, 
£ rinyidia ammutir yedrai derba ^ 

Dal Yoto universal di chi ti chiama« 

Jeder gebildetere Italiener mufs bei irgend einer Ver« 
anlassuiig einmal ein Sonett machen können. Sonette wer- 
den bei unzähligen Gelegenheiten vorgebracht Doch mö- 
gen die zwei vorstehenden zum Belege dienen zn dem , 
was man über manche neuere Italienische Poesie und na- ^ 
mentlich die der Improvisaitoren geäufsert hat , dafs es 
dem Italiener bei seiner volltönenden und an Reimen so 
reichen Sprache weit leichter sey, durch ein wohltonendes 



— 161 — 

Gedicht und prungende Worte zum OHwe^ als durch desseil 
Gehalt zum Gemüthe zu sprechen. Ist yieileicbt Am 
Sonett überhaupt Italienischen Ursprungs > und bedeur* 
tei ein leichtes Getobe? Sonare heilet ,5 tönen" und di|ä 
Diminutiv Sonettare „ Souettmachen/' 

Ich habe früher Ton den schönen Ballet® in Neapel 
und Mailand erzählt Es sind der Theater weni^ ^ wa 
dergleichen aufgeführt werden , aufser beiden geni^nntetl 
jiemlich nur noch jenes in Turin; in Floren? und eini^ 
gen anderen Städten aber sieht man nur Ballette einer geria- 
gen Art , wo es nicht auf Zierlichkeit und Leichtigkeit, 
nicht auf Geschmack in Dekoration und Kostüm und auf 
Riiditigkeit der Pantomimen , sondern auf Kraftsprünge^ 
auf Sprünge und Capriölen abgesehen ist , welpbe eine 
besondre Körperstärke , eine lai^ge Uebung besondre]? 
Art voraussetzen > und durch das Unerwartete oft überr 
raschen und Lachen erregen« Diese Sprünge werden 
,,Saltaggi'^ genannt. Dazu sind wenige Personen erfor^ 
.derlich. Sie Tcrhalten sich zu den andern Ballets , wifs 
der Hanswurst bei unseren Englischen Reitern und Seit- 
tänzern. Die Ballets i^erden entweder nach den grofsefi 
(^em oder in Malland zVrischen zweien Akten derselben 
gegeben, wo sie meistens noc;h viele Leute anziehen« 
Dieser Fall trat namentlich 1827 wieder bei den Ballett 
ten ,, Zaire ^ und ,,Pietro di Portogallo'^ ein« 

Wie auf jedem Theater ein Entrepreneur es unter^ 
nimmt ^ dem fiigenthümer einerseits seine Kapitalzins^n 
zu entrichten , anderseits aber für Belustigung des Pu-* 
bfikums 4Hn Verträge mit Schauspieler -Gesellschaften 
zu sorgen , und er letzteren die Theater wieder in After« 

Sronn, Reite iL 11 ^ 



— 1« — 

miethe glebt, so ist es auch ndt den konif liehen Thes* 
fem in Neapel, Mailand und Turin, nur dars Ein Bn- 
treprenenr diese drei Theater mit dem ItalienischeM In 
Wien gemeinschafUich übernommen hat. INe ansgezcleli' 
neteren Akteurs, welche demnach auf eine Anstellvng 
Id Irgend einem derselben Ansprach machen, stehen in 
seinem Solde , und er rerwendet sie je nach Bediirfnifs 
und je nach den an ihn gelangenden Forderungen und 
mit xihm abgeschlossenen Vertragen bald hier, bald 
dort, und wie mit den Sangern und Schauspielern, so hält 
er es auch mit den Ballet-Tanzem, welche nothwendig 
auf einem der Ton ihm gepachteten Theater unterkom- 
men müssen , und der demnach ein bedeutendes Mono- 
pol in Händen hat. Die Chortanzer werden wohl auf 
königliche Kosten an Ort und Stelle selbst gebildet wen- 
den. Man sagt rom Grorsherzog von Toskana, dafs ihn, 
seiner bedeutenden Einkünfte ungeachtet, nur die Ko- 
sten abhalten , das edlere Ballet in Florenz einzuführen, 
denn in allen Residenzen trägt der Fürst ein Bedeuten- 
des zur Unterhaltung des Haupttheaters wenigstens bei. 
INe Dekorationen mufs ebenfalls derBntrepreneur stellen. 
In Mailand sind sie mehr noch als anderwärts geschmack- 
Toll , und der Aufwand daf&r hebt sich in enormem Gra? 
de mit der Gröfse der Bühne. In den 9,Ultimi giorni dl 
Pompeji^' erscheint der ganze Ausbruch des Vesuves. 
Auch Rossim's Donna del Lago fand dort Tiel Beifall. 
Das Theater ist iur die Italiener nicht allein die Schule 
der Musik , sondern andi die der Sprai^he. Bin wieder- 
holtes Anstofsen jgogen die gote Ausspracflpbin öiitrea 



— 168 — 

m 

Versprechen kann den besten Sänger oder SchaHsptetef 
durchfallen machen* 

Ebenso vortreflnich, wiie ih derOper^ zeichnet sich dei^ 
Italienische Schauspieler auch im M e 1 o d r a m a, in ernsteii 
Familienscenen, Intrigue- Und Charakter-Stückeii 
aus. Ich habe Stücke der Art weriigstehs nirgend besser auf- 
führen seheUi Einige Frauenzimmer sah ich die verschie- 
denartigsten Leidenschaften durch die meistei-hafteste Ak- 
tion, durc^das schwierigste Gebärdenspiel ausdrücken^ sd 
dafs krampf- und fieberhafte Anfalle mit dem aüfßillend-: 
sten Farbenwechsel des Gesichtes begleit<^t würden t Körii^ 
Wuth^ Verzweiflung $ muthlose Entsagung, Itafs^ ftach- 
aucht) Koketterie, Falschheit^ alles war gleich >rolllcöili- 
nien dargestellt. Ja^ es war mehr als Kuftst : der Schati- 
Spieler täuschte sich selbst : er war wirklich gäiiz in dei* 
Lage j die er nur nachahmen sollte ^ er fühlte äÜ^s inl 
Augenblicke würklich so vorgehen: er wnfste nicht 
mehr, dafs er nur auf der Bühne ein auswendig gelerhtiöd 
Stück anffühi*te» Dagegen sah ich äÜe Darstellüngeil 
selbstbewufster Würde ^ Ehrfurcht gebietender Maj^tät| 
energischen Muthes, selbstüberwiiideiider Aüfopf^ei^üg^, 
und uneigehttütziger Grofsmuth vöil denselben Scbäüspie* 
lern völlig mifslingen, so selten sie auch vorkamen^ WäH} 
es Zufall gewesen ? -^ Sellteii diesä Züge dem Italie- 
ner heutzutage so fremd seyii ^ dafs ^r sie selbst nicht 
durch Kunst nachzuahmen vei'maglf Der t^oii feieitiei^ 
Stimme wird nur pathetisch iirid dumpf statt wüi*devoll 
tmd gebietend, alle Charakiergröfse art^t in Ostensätion und 
Charlatanerie aus. Ich sah nie eine gute Tragödie^ 
tnan hat dazu %uch kein besondres Personal« Dieselb«! 



— 164 — 

/ 

„comica compag^nia/^ welche teute eiAe Tr^ödie auf- 
srafahren versucht, glicht dann wieder acht Tag;e lan^ 
Lustspiele, Familienstacke und kleine Opern. Denn 
diesen komischen Kompagnien kommt alles dieses zu, 
Und ihre Aufgabe ist , im Gegensatze der Opern - Kom- 
pagnien, jeden Tag ein andres Stuck zu geben, so 
lange sie engagirt sind , was ebenfalls auf einige Wochen 
zu geschehen pflegt. Sie spiden, im einzigen Hause 
kleinrer Städte, während die Oper ruht, oder ftrtdauernd 
in den kleinen Häusern gröfsrer Orte, woron manche die 
Form dier alten Römischen Theater haben, Mi gemauer- 
ten Rundbänken übereinander versehen , und ohne Dach 
sind. Ein solches Theater nennt man ,,Arena," wie die 
„Arena del Sole^' zu Bologna, die Areua zu Ilorenz, 
zu Genua u. s. W^ Aber das Italienische Lustspiel ist 
fki^t nicht minder schlecht, als die Tragödie. Die Akteurs 
Mnd darin schwer, tmbeholfen, ihre Witze plump, ihre 
Laune langweilig. Am seltensten Verstehen sie sich auf 
feine Anspieltangen. Der Italiener will Lustspiele , wo« 
bei es darunter und darüber geht, Tische und Bän- 
ke umfallen, und wo es Schläge regnet Je derber 
lind natürlicher diese fallen, desto besser gefallen 
i^ie. Solche Prügeleien werden bis zum Ekel wiederholt 
Dahin gehört auch die Opera buffa. Nur eine Art de|k 
Lustspieles ist so belehrend und unterhaltend, al« vor- 
trefflich wiedergegeben: die Lokalposse nämlich, bei 
Welcher gerade obige Requisiten am gehörigen Orte auch 
hiebt fehlen dürfen. Man sdeht dergleichen in Florenz, 
Rimi , am besten aber in Teatro San Cariino zu Neapel. 
Die Akteurs mögen wohl mituhter ihr täuschendes Spiel 



— »65 — 

ihrer Gefcurt und ihre^ früheren Stande Terdanken; denp 
sie wissen a^es anfs Treneste, selbst bis auf den Schm^l^ 
in den Kleidern^ wiederzug^eben. Die Eingangspreise 
zu diesen Stücken sind immer bedeutend niedriger , vi$ 
fwr Oper , und das Publikum ist sehr gemischt. 

DieMarionetten-Theater in Rom, Mailand ei^ 
lösen ihfc^ Aufgabe ganz vortrefflich. Theils sind es Lus^ 
spiele, die man gibt; mitunter Uebersetzungfsn von Deut- 
schen, wo ich denn unter dem Namen „Legerezza e Boi|tli'^ 
unsere „beyden Klingsberge '^ wieder erkannte; und b«i 
Lustspielen der Art wird man leicht besser befriedigt, 
al§ bei den von lebenden Personen dargestellten, we^ 
man weniger erwartet. Theilä aber bemühen sich dip 
Marionetten -Theater die Stücke der grofsen Bühnen in 
Parödieen und Trarestieen wieder zu geben, die Schau- 
spieler dabei bis zum Kennen in Kleidung, Stimme und 
Haltung nachzuahmen, ihre Fehler und Nachläss^keiten 
zu rügen, und sich auf jede mögliche Weise über s]^ 
lustig zu machen. Der Italienische StaberJ, in jedef 
Provinz einen besondern Namen führend, in Mailand 
,^6irolamo,^' in Neapel „Pulcinella,^^ ptieistens aber ,,Ar- 
|ichino" genannt, darf in keiner Vorstellung fehlen. 
Aber er akkomodirt sich in jedem Stücke nach der ihm 
am ehesten anpassenden Stelle, ist jedoch meist ein rit- 
stiger Bursche, mehr mit der Weise des Yc^lks ^Is dei| 
^ittep der Salons bekannt , gutmüthig, naiv, überall d^s 
jDrtheil des Volkes auszudrücken bemüht, häufig in gu- 
^By darben Volkswit^ ausbrechend, oft gefoppt und 
hetro^en, fiber am ]Sndß stets Sieger bei Durchsetzun|[ 



piebier gutg^emeinien Absichten. 9 Jedes 9tuck wurde 
durchfallen, wo er überwunden würde, 

lieber die Künste des herumziehenden PulcineU 
isind wir in Deutschland hinreichend unterrichtet Je-» 
doch g[iebt es in Mailand noch eine in Form und 
^weck eig;ene Art dtesselben , nMmlich als Schattenspiel, 
Man bejg^eg^net dort Szenen aiis dem täg^lichen Lehen, ii| 
.welchen die Fehler, Schwächen und Eig^enheiten ver^ 
pchiedener Stände, Personen oder Zeiten oft derl^ 
durchgehechelt ii^erd^n, 

Da auch der Tagelöhner, d^r Packträger in den Stid-r 
ten so leicht eine mehrmals gehörte Musik mit grofsfr 
j^^iuhelt sich aneignet, daipit demn^ich beständig wech- 
selt, und mehr ai^f die Melodie als den Text ai^ht, 
so darf es nicht wundern, wenn man wenig Volksge? 
pänge, und ?ielleicht gar keinen eigentlichen Natio-: 
fialgesang hat» Zwar sind ipehre Lieder -Sammlnn-. 
gen unter diesem Titel ersdiienen, aber es sind nur 
fieue Lieder in Mailändischem, oder ir^ei^d eihem andera 
Dialekte gedichtet. Will man daher Volksgesänge auf-* 
Pnden, so ist man g^nöthigt, in entlegenen Gegenden; 

zumal des Venetianischen Gebiethes , nachzusuchea bei 

I 

Bauern, Jägeri^, Fischern, Schiffern u. s. w. Wir 
Icennen iri Deutschland selbst mehre schöne Gesänge^ 
Reiche Ton Venetianischen Fischern herstammen sollen. 
Andre recl^t artige follen sich bei den Fischern des 
Garda - See's u. s. f. auffinden lassen. Der Güte des Hern^ 
Professor Jan in Parma Terdanke ich die nachstehende^ 
Gesangs - Strophen, von den Schnittern herrührend, wel^ 
fhe in der Aerndtezeit, von den Gebirgen herab, nacli 



— l«r — 

der Maremme kommen *\ Ich miifs nnr bedauern, dafi 
ich mir die Melodie dazu Dicht zu Terschaffen vermögt«. 
— Sie Strophen, welche dem Sänger zukommen, sind mit 
I, die der l^gerinn mit II bezeichnet« Sie bilden nichts 
Zusammenhängendes* 

Canzoni dei montanari Toscanl, 

L Vidi un par d^occhj, ch'an la calamita: 
Stan pur beiüe a ühi li sa portare ; 
Mi fanno consumar qaesta mia Tita: 
lln ora non mi lascian riposare, 
E non mi lascian riposare an £ato, 
^ Padron di se non k, chi ^ innamorato. 

II. n Bole e rosBO e non perde rossezza^ 
Vo«tro bei Yito non perde colore. 
. O quanto ri ita ben la gentilezza: 
^nanto alla terira an tnanto di fiore. 

II. IH qok dai monti passan le noyelle, 
]>OTe ne siete toi , caro amor mio : 
La andate a yagfaeggiar qaeste piii belle ; 
Jo poverina perdo il terapo mio, 



*) Sie Mareminen To«]Lana*8 and des Kircbenstaat^s be- 
sitzen ihres ungesunden Klimas wegen nicht so Tiele Bewoh- 
ner, als zur Bebauung ihres änfserst fruchtbaren Bodens er- 
forderlich^ sind; und bedürfen demnach der Beihulfe der Ge- 
birgsbewohner gesünderer Nachbargegenden. Doch sind geradei 
ZOT Aemdtezeit diese am schwersten zu bekommen, weil sie 
dann von rerheerenden Fiebern angegriifen zu werden sicher 
sind. Aus den Gebirgen i»oo Fistoja aber wandern die Männer 
Anfongs Oktobers groGientheiU nach der M aremme aus, indem 
nun die gesunde Jahreszeit eingetreten ist, bestellen dort die 
Felder , und Icehren erst im Frühlinge in die Heimath zurück, 
WO indessen den Weibern alle Geschäfte überlassen gewesen. 



— 108 — 

Jo poTenna perdo e nötte e gkimo: 

Sei crudo; amor, se noti fax ritomo. 
i. Fcnsi, che vestir TOgliami di bruno, 

Per una yolta , che tu m'hai lasciato ; 

Fensi, ch^io TOglio far come qualcuno. 

Che per Tamante ras«! addoiorato, 

£ nfih ayrai giammai questo bei vanto, 

Gh^io yada fiddolorato per te tanto. 

( oder ; Ah , non tii mHl avrai tanto yaloro 

Ch*io Tada i|ddolorato per tuo amore.) 
II. Stateyi allegro, amor, se ve n'andate, 

Non yi pigliate al cor malinconia ; 

Se ciö fareste^ ne sarei turbata, 

Ch* andaste malcontento per la via. 
|. C^era una yolta, ehe con yoi parlaya: 

Ora non son piü degno di yederri; 

£ quanclp per }a yia yi rincontraya, 

Bassayo gli occhj , e*l cor si rallegraya. 

Adesso, che son priyo del tno araore, 

A^l?Ass<^' gl^ occhj, e mi conyien, che more. 
J{. C^era una yolta, ch'eri buono e hello, 

£ri un stajo di buona mlstura; 

Adesso sei caduto dal criyello^ 

£ sei restato nella «pazzatura. 
}. 0, sMo potessi per manier alcuna > 

In sali* amor di prima ritornare, 

Jo metterei la mia yita in fortuna^ 

fl fra ^ae spade la farei passare, 

Non guarderei ne'l yiver nel morire, 

Se in grazia yostra potessi Venire ; 

Non guarderei hcU ryvev hei campare 

Se in yostra grazia potessi tornare. 

'IL O hello, che di Maggio riyenisti, 
passasti per lo mezzo alla Toscana: 



/ 



' . 



— 109 — 

DoTe passasti , gli alberi fioristi 

D\>ro e d'argcnto portasti la rama, 

£ poi la sera dove tu dormisti , 

Rote e viole il tuo fiatö gettara; 

Alla matiua , quando ^i t^cchj apritti , 

AXora appunto il sole si levara. 

Bello d^Jinlflir ti* pogsoo» chiaqpißre ; ' ^ . 

I tuoi begli occly faano il sol IcTlure. 

X Ecco ramante tao forte piangente, 
Crudele donna., per te giunto al fine ! 
£ del mlo mal ne godi aUegrfiniente , 
£ ti soiaggi^dellQ mie jruine. 
Jo ben creder dorea simile cosa. 
Che sulla »pinä cogliesti la rosa. 
Mando or la Tita aottUerra sepolta: 
Addlo ü dico per F ultima Tolta. 

I. Se tu ti vanti , d^avermi lasciato, 
Jo mi rantei^ d'un* alhra cosa : 
Hi Tanterb , d'averti vagheggiato, 
AI tuo giardlv d'nter colto la r^nnm 
Ki yanterö d'esser atato, cid in ^nma 
Colse la rosa allä tua bella cima. 

n. GiÖTiiiettiii> che wißn dall* Aquidanta , 
Siete pur bello , se yi mantenete , 
Jja Tostra borca sempre ride e canta , 
Mio cor, che tuoI?, sen^ sospira a pianee. 

n. Oh 4 slo credessi, cVel mio amor seutisie; 
In alto , in alto manderei la voce ! 
£ppure h appresso, se mi tuo' sentire: — 
Egli fia il sordo, per mi far morire. 
Eppure h appresso , se mL tuo' ascoltare : — 
Egli f a il serdo , per farml peoare. 



•t 
# 



V 



XV. 

Universitäten. 



Xtalien bt die Wiege der Unirerritlten. Die teini- 
gen waren die frühesten, besncfatesten: gani Enropm 
strömte dahin. Sie haben TieUeicht am thätigsten für 
die Yerpflamning der Gelehrsamkeit aufser den Klöstern 
gewirkt Man ahmte die Errichtung derselben in Deutsch- 
land , Frankreich u. s. w. nach ; aber die JJfachbildungen 
haben lange bereits an Vollkommenheit der Einrichtung 
ihre Muster übertroffen. Sie sollen vielleicht jetzt dafür 
büfsen, wenn sie sur Zeit, da andre noch nidit existirten, 
Europa zu wichtige Dienste geleistet, und Katastrophen 
vorbereitet haben, welche aufser der Berechnung lagen. 
Ich bin nicht im Stande, Ton allen su erzählen; doch 
ist mir die Einrichtung einer grofsen Anzahl bekannt 
geworden; iii|d ich habe gefunden , das sie unter «ich 
im Wesentlicheren eben so übereinstimmen, als sie ton 
den Deutschen abweichen. Das Königreich Italien hat, 
aufsier einigen Ideinern Anstalten, die zwei Haupt-Uni- 
Tersitaten Padova un4 Pavia; das TonSardinien: TU" 
rin, Genua, und auf der Insel selbst Cagliari; die 
Herzogthümer Varma und Blodena habon die 2 Vni- 
v^rsitäteil gleichen Wamens nnd jene zu Piacenza; Tos« 



^ in -^ 

Cfliia hat die zu Pis a (ziT SyenaT?) und einige Profeg« 
euren für Natur - und Heü-Künde zu F 1 o r e n z. Im Kir* 
phenstaate werden Bologna und Rom als UniTeral« 
täten ersten Ranges Ton den fünfen zu Ferrara^ 
Perugia, Camerino, Mac e rata und Fermo als 
Universitäten zweiten Ranges unterschieden. DasKöm'g* 
reich Meapei besitzt eine in seiner Hauptstadt, und 
andre, wenn ich nicht irre, zu Palermo und Ca- 
ta'nia. Da die ganze Einwohnerzahl Italiens 18 Millio-» 
nen beträgt, und mehre dieser Universitäten nur unter- 
geordneten Rang haben ; dagegen die Theologen meist 
noch in eigne Kollegien gewiesen sind, so würde das 
Zahlenverhältnifs der tlnirersitäten zu den Bewohnern 
bedeutend gröfser seyn , als in Deutschland mit gleicher 
Seelenzahl &ls in Holland und mehr noch als in Oe^ 
streich ; obschon vielleicht wenig^ gelehrte Beamte an«^ 
gestellt werden als hier. Aber die Anzahl reicher junger 
Leute, welche sich auf Universitäten einige oberflächli4 
che Bildung erwerben wollen, um nachher von ihren 
Renten zu leben , o|ine nach einer Staatsanstellung zu 
streben, ist |ii Itfiliea weit bedeutender, als diesseits der 
Alpen. 

Ich hatte gehoflPt, eine vergleichende Darstellung 
der Italienischen Universitäten geben zu können; aber 
)la ich nicht aber alle ikiich unterrichten , und nicht über 
Me ein gleiches Maaßi der nöthigen Erkundigungen ein- 
nehen konnte , so würde ich furchten müssen , dadurch 
leicht zu unrichtigen Angaben geführt zu werdeid.' ich 
beschränke niich daher auf Mittheilung mündlieh einge^ 
logner Nachrichten und auf Auszüj^e aus den mir vev^ 



— I7i — 

schafften UniTertttäts - Reg^lements. Im Wesentlichen 
werden sie im Disziplinarischen keine, im Personalstand 
ufeni^eVeränderun^n in dem seither verflossenen Jahre 
erlitten habep. Das Disziplinarische und die allgemeinre 
Anordnung habe ich unten , wo von Parma, Pisa und 
Bologna speaell die Rede ist, nach den Quellen aus- 
f^l^rlicl^er dargestellt. 

Pi^ Italienischen Studenten sind ungefähr Leute , wie 
a|l4re auch sind. Die Regierungen machen mit ihren Uni- 
¥^sitaten nicht wechselseitige Jagd auf die Studenten an- 
drer Staaten, und streben selten nach dem Ruhme der- 
p^lbep |m Aiislande; Daher die Professoren wohl ihre 
Yarl^upgen halten, aber nicht durch Schriften beriihmte 
L^ute werden sollen ,- und man andrerseits den Studen* 
ten keine besondre Freiheiten gestattet. Es leben nicht 
verschiedene Nationen^ auf einer Universität beisammen; 
fS glebt keine Verbindungen , keine Duelle, k^ii^e Ab- 
xeicben in Bändern und Kleidung; wenn nicht die Studi- 
erenden vielleicht gerade in der Eleganz ihrer Kteidung 
^{ne Auszeichnung suchen. Diese ihre Tendenz findet 
9ian denn auch ganz unscl^ädlich , und weit besser, alf 
wenn sie sich zu frühe um Staats -Angelegenheiten be- 
kümmerten. Letztres war gleichwohl einmal vor meh- 
f ep ]lahren in Piemont, bei den dortigen unruhigen A^f- 
^ritten, der Fall. 

Auf den Italienischen Universitäten ist regelmäj«ig 
|n jeder Fakultät nur eine gewisse Anzalil von Professo- 
pren angestellt. Für jene Vorlesungen « deren Besuch 
4en Studirenden vorgeschrieben^ ist ein Studienplan^ auf 
4eigiBefi llefolgupg strenge gehalten w/rd. Pod^ giebt e$i 



— IT» — 

auch einige Torlesung^en , zu deren Besuch keine gesetc^ 
iiche Vorschrift verbindlich macht: ,^Cattedre libere** 
genannt; oder zu dereu Besuch nur Stipendiaten odelt 
nur in gewissen Fällen andre Individuen angehalten «ind; 
Das schöne Institut der Privat-Dozenten besteht dort nicht. 
Kein Professor braucht zu furchten, dafs einer sein6lr 
Collegen^oder ein „privatim docens '^ ihm seine Schüler 
abwendig macht; denn ein letztrer darf weder auftreten 
und Vorlesungen ankündigen, noch würde man die von 
ihm ausgestellten Zeugnisse berücksichtigen. Will je- 
mand dem Lehrfache an einer Universität sich widmete^ 
so wird er durch besondre Empfehlung dem bestellteil 
Professor seines Faches als Adjunkt oder Supplent bei- 
gegebeii , hat d^n in den Kabinetten und Sammlungen 
den Staub abzukehren, den Demonstrator und Repetitor 
2u machen, oder nach des Professors Heften, w^nit 
dieser etwa Bauchgrimmen bekömmt, oder aufs Land 
gehen mufs, einige Tage oder Wochen lang den Vor> 
trag zu besorgen. Für die Vorlesungen wird nichtai 
bezahlt : sie sind unentgeldlich , die gezwungenen we- 
nigstens. Kein Eigennutz und kein edlerer Wetteifet 
zwischen den Lehrern kann sie daher veranlassen , für 
die Stelle, die ihnen einmal übertragen worden, sich 
weiter auszubilden^ Ihre Sinecure ist ihnen sicher, selbst 
wenn sie ihr ganzes ferneres. Leben lang von eineni 
wissenschaftlichen Starrkrampf befallen würden, tmd der 
Dozent empfangt daher beim Tode seihes Meisters füt 
die mancherlei Leiden während seines Lehrlings - und 
Gesellen - Standes zuletzt einen würdigen Lohn, wäh- 
rend er früher gar nichts, oder nur eine sehr unbedeu'- 






tende jährtidlie Gratificätion, oder endlich nur eine EM- 
schändiguiig in Fällen 4 wo er länger Tikariren mufstcff 
erhielt« ^-» Es darf nicht Hrnudern ^ wenn Botanik hilf 
und wieder noch nach einigen Abschnitten aüd Linn^'s 
Philosophia botanica vorgetragen wird, und wenn man 
iit Mailand und Paria mit der Uebersetzung von Blumen« 
bachä Lehrbuch der Naturgeschichte, Behufs des aka- 
demischeü Vortragtes , doch bereits bis zur dritten Li«^ 
ferung vorangeschritten ist* Denn ein solches Unter- 
nehmen auf einmal zu vollenden ^ ist nicht mögliche 
Doch mufs ich , um den Lehrern nicht IJnrecht zu thun^ 
wohl bemerken, dafs die Regierungen dabei den gröfs-^ 
ten Theil der Schuld tragen. *Denn von ihnen selbst^ 
oder mittelbar von ihnen durch eine bestellte Kommis- 
sion , aus Mitgliedern der Universität oder auch anderil 
Personen gebildet, ist nicht nur die Stunde des Tages, 
sondern auch die Zahl der wöclientlichen Stunden füi^ 
jede Vorlesung bestimmt, oft ohne alle Sachkenntnifs^ 
BO dafs es unmöglich ist, in dieser Zeit. den Gegenstand 
auch nur in Umrissen darzustellen. -^ Das Lehrjahi< 
ist zwar öfters in zwei Semester getheilt^ welche aber 
/'f^ftie alle^ oder ohne bedeutende Unterbrechung in ein- 
ander übergehen. Die Ferien im Herbste währen vom 
Juni oder Juli an volle vier Monate, wovon aber einef 
gröfstentheils noc]|i über den jährlichen Prüfungen ver- 
geht, jSieht man aber alle , auch kleinere Ferien vom 
Jahre ab, so bldbeil kaum noch sieben Monate für 
den Unterricht übrig. 

Beim Schlüsse fast jedes Stüdienjahnes müssen über-^ 
all die Studenten sich einem Examen über die ge- 






l 



— ITS -- 

I hfirten Torleranfen anterziehen und darin best^en^ 
soQst dürfen sie nicht zum Besuch andrer Vorleann^en 
fiber;pehen. So ist es in Parma, Pisa u.a.a« Orten, wo 
man darüber Ausführliches finden wird« — Davon gt* 
trennt ist das Doktor-Examen ,,pro laurea/^ Es scheint, 
dafs in Pavia weni^tens, alie Dolctoranten disputiren 
müssen; denn ich sah dort sieben Disputationen auf 
einen Morgen angekündigt Auf gewisse Weise wird 

I den Akademikern das Studiren sehr erleichtert, theils 
durch die Aufstellung der su ihren Studien nöthigen 
{Sammlungen, theils durch die Menge von Stipendien; 
So sind in Paria allein zwei grofse Stipendien-Anstalten« 
In der einen ^ vom Cardinal Carl Boreomko gestiftet, 
werden fünfzig Mailander Studenten in einem besonderen 
Hause aufgenommen, wo sie Wohnung, Kost, Licht 
u. 8. w. frey haben« Auf Termogensumstände wird bei 
der Kfna]\me wohl nicht Rücksicht genommen, weil 
sonst , bei einiger Strenge , immer ein Theil der Stipen- 
dien vakant bleiben würden." Das andre ist vom Pabste 
Pnjs V. der aus Paria war, für siebenzig Studenten aus 
4er Gegend von Paria begründet worden« Die Theil* 
neltmer an diesen Anstalten (^Coliegia) beifsen Colle- 
giaies , und müssen sich durch fortwährendes sittliches 
lletragen auszeichnen, um ihrer Vortheile nicht verlu- 
stig zu werden. Damit die Augeh des PubMkums mehr 
auf sie gerichtet seyen, sind sie kenntlich gemacht durch 
eine grofse goldne Medaille im Knojpfloche und durch 
Hohe lange Ilüte« — Die naturhistorischen, anij^iplchen, 
patfaologiscfaen und ahnliche Sammlungen sind den Stu- 
direnden rieDeicht nirgend 80 bequem vor Augen gelegt. 



— 1»6 — 

hIs 10 Italien, und doch werden sie Tielleicht Terhiltnifs« 
taiifdg^ niri^end so wenig; benutzt Wie schön, mitwletie- 
lelrZweckmlfsigkeit, mit wie Tielem AoTwande dieSamm* 
Inng^en in Turin und Florenz aufgestellt sejen, habe ich 
bei meiner ersten Reise erzählt; und so strebt man aller«- 
wärts, mit einem grofsen Summen* Auf wände, alles nach 
Kl'rSften so aufzustellen, dafs es bequem, in gpitem Lichte, 
tmd von mehreren, von den instruktiTsteii Seiten gesäten 
werden kann. Nur die Bibliotheken lassen manches sii 
Wünschen übrig, was namentlidi tteichthum an austondi«^ 
■eher Literatur und Bequemlichkeit der Benutzung angeht 
Die Bücher werden an Studenten meistens gar nicht aM'^ 
geli^en, sondern man darf sie nur im Lokale selber gt" 
hrauchen; was auch dort noch mit besonderen Unbequem^* 
lichkeiten rerbunden ist Als ich in Paria Terwelite, und 
die dortige Bibliothek zu benutzen wünschte, hatt^einer 
der Professoren die G^älligkeit, mich einem Vorsteher 
derselben bekannt zu machen, und ihm mein Anliegen 
SKU eröfihen. Ich hatte damit nun die Brlaubnifs , die 
Bibliothek zu besuchen, so oft sie geöffnet ist: im April« 
monathe nemltch von 9 bis 12 und von 4 bis Ulir. 
Viele Studenten hatten an einer langen Tafel Platz ge« 
AOmmen, worauf gröfsere und kleinere Pulte stunden, 
um Bücher verschiedenen Formates darauf zu legen^ 
wllhrend sie lasen oder (^mit Dinte) exzerpirten. Es 
war trübes Wetter; die gröfseren Pulte stunden an dü^ 
strengten: ich bath daher, meinen Poli, da ich der 
Zeichnungen wegen mehr Licht bedurfte , mit nach ei* 
nem Tischchen am Fenster nehmen zu dürfen. Diefa 
in erlauben fand man unmöglich. , Da aber der Italiener, 



^ in ^ 

auch bei der g^ofsten Maliee , nicht leicht eine Bitte ge- 
radezu abschlägt, so wurde mir dagegen empfohlen^ 
den Folianten auf ein kleines , in befsrem Lichte ste- 
hendes Pult zu legen, worauf ei-, da es kaum die Grö- 
fse eines Oktarbandes hatte, aller Versuche ungeachtet, 
nicht liegen bleiben konnte *). 

Jedes Jahr wird auf den Italienischen Universitäten 
ein Yerzeichnifs der Mitglieder des Senates und der 
Professoren mit allen ihren Titeln und Ehrenzeichen', 
und ein Reglement über die Studienplane, die zu hal- 
tenden Vorlesungen, Zeit und Stundenzahl für dieselben, 
über die Benutzung der mit der Uniyersität yerbundenen 
Anstalten , die Ferien und über die Formalien bei Pro- 
motionen gedruckt. Ferner pflegt ein Kalender damit 
verbunden zu sejn , alle Festtage enthaltend , wo die 
Studenten die Messe, besuchen müssen. Die Kompen- 



\ 



*) Ich schalte hier ein acht charakteriBtiBches Probchen 
ItalienUchfer Industrie ein. £in andrer Torsteher der Anstalt 
lad mich bei jedem Besuche 4cr8elbeti ein, ihn doch auch zu 
Hause zu besuchen , und seine eigene Bibliothek zu sehen, die 
Tiel Merkwürdiges besitze. Er war Philologe, Historiker, 
Philosoph .... ich weifs nicht was noch. £r war mir^ mit 
Kleinigkeiten öfters gefällig gewesen , und ich mufste endlich 
förchten , durch längere Vernachlässigung ihn zu beleidigen. 
Ich kam , er zeigte mir einige Ausgaben Italienischer Dichter, 
and einige gedruckte, Ton ihm gehaltene lateinische Reden, 
die mehr Latinismen, als Latinität enthielten. Als ich sie 
nach einigen Bemerkungen weglegen wollte , bath er, da sie^ 
mich zu ititeressiren schienen, sie zu behalten. Ich protestirte 
weil ich ihn nicht l^erauben wolle. „O behalten Sie nur imr 
mer,'' sagte er, „Sie machen mir ein grofses Yergnügfen, 
wenn Sie dieses Andenken Ton mir mitnehmen : die drei Bro- 
chüren zusammen bekommen Sie fnr vier Zwaqziger.* 

Bronn, Reue II. ^* 



u 



— 178 — 

dien dürfen die Lehrer unter den nicht verbotenen 
Büchern entweder wählen , oder an anderen Orten sind 
sie auch vorgeschrieben. 

Die zwei gröfseren Universitäten des Königreichs Ita- 
lien haben . zusannnen 3000 Studirende, wie man mir 
sagte ; doch sind dabei in Pavia die Theologen noch 
nicht mit einbegriffen, indem daselbst erst eine theolo- 
gische . Fakultät gestiftet werden soll. Diek Studenten 
haben in diesem Lande noch mehr Freiheit, als im Pie- 
montesischen , wo sie unter der strengsten Aufsicht der 
Jesuitischen Geistlichen stehen, und in Wohnu!g und 
Tisch auf einige besondre Häuser beschränkt sind. —7 
Ein Rector aus der Zahl der Professoren, ein Studien- 
direktor, Dekan und Senior jeder Fakultät bilden den 
Senat 

PadMa. Nach dem „Regolamento degli studj dell' 
imperiale r. üniversitä di Padova" für 1826—1827 foi. 
hat die theologische Fakultät fünf , die juristisch -poli- 
tische sechs (^aufser drei Emeritis^, die medizinisch -chi- 
rurchisch - pharmazeutische vierzehn , die philosophisch- 
mathematische fünfzehn Professoren. Bei der vorletz- 
ten sind noch zehen, bei der letzten drei Assistenten. 
Die medizinischen Assistenten können wenigstens durch 
ihre Praxis und Anstellung an anderwärtigen Anstalten 
bestehen. Ferner sind zwei Mechaniker, drei Biblio- 
thekare mit Adjunkt, zwei Kanzelleibeamte , ein Kassier, 
zwei Schreiber , und sechs Pedellen und Custoden ange- 
stellt. Die Anordnung der Vorlesungen ist folgende, 
wobei nämlich bei den drei , ersten Fakultäten ein zwei- 
jähriges philosophisches Studium schon vorausgesetzt wird. 



U9 — 



t3 « 






S3 

e 

OD 

Cm 

O 
V« 

(14 



s 

8 

f 

o 



n 



e 






^ 



a . 



a 



i I 



a 






i^ S 



§ c5 Sd 






«9 



« a 8 



St 
00 



ii-:i 



•^ s ^1 



I 




o Cd tf iä 



d 



SP 



I 



2 ^ 

S I 

« g 

pC 0) 

H 2 

U 

^ 'S 

d 
« 



es 



I 



d 

a 

^ 'Sc 

:^ O 

'm »« 

* pd 

H 



(3 g 

'S § 



•M* i 



bo 

5 • 

g « « 

^ .d d 

S »S pd 

K4 » » O iS 



<B 

6C d 

'f; ® 

.§ 'S 



« d 



•t 



?L 'S Ä 






S 



e4 



i 


^ 


d 


d 


a> 





1 


^ 


V 


» 


H H 


d 


V 


« 


d 


9 





« 


d 


d 






« 


• 


.S 


TS 


ä^ 


ä 


S 


■«« 


•«* 


&i 


*?* 




4> 

C 


H 


» 


f^' 


« 


• 

9 





— 180 — 



S3 <^ 






M M e« lO 



e 



o 



»4 



5 

OD 

a 

SP 



U AB 




:: 8 



. 8 




I 









äs 



'S 

I 



-■s 



'S 



9 

SS 

I 3 
S Ol 



t5 



•9 

O 






e 

■S § 

a 



»4 
H 



08 






'S 



I 



9 *€ 
» 'S 

ja « 



s 

3 iH 



6 



tu 

I 



S 



OD 



*4 S 






a 'S 

« a 

Ja H 

s* 'S 

« .s 




»4 



& 


^ 


JSr 


• 






O 




■s 


•*4 


.• 


ffi 


^ 


03 


l-H 


S 


OS 


^ 


U 




(B 

^ g 

N 

'S ö 

s » 

•c -g ^ 
S S^ 





s 



9f 



ä 



IE 3 

S '0 



9 



fä 



• • • • 

iH N v-l iH 



— 181 — 




\ § 
i (S 



t« 



91 



9i 

" •*■ IH 

,ä e" ^ 



— 182 — 






• ^ ^ _• • • 

lA »A lO lO M lA 



lA lA lA 



h* 
O 
00 
90 

Cm 

O 






9 




I 



a 






es 
es 



■7^ Sl «S ^ 



&ü 



cd > 



o » ^ 

1 § s 



s S e 
S g « 



H 

n 









© 

o a "^ s "^ 

* s 



CO 

OD 




1 

es 

g 

es 

'S 

« 

1 





60 

e 

'S 

-es 

p4 

»4 



'Od 

1 

e 

•■4 • •■* 
« 9 « 

|3 S. 
" 5 



^ 



In 
OD 

a 



Oü 



M 



ä 



— 183 — 



s g 



kO 



lA 



lOlÖ.ie» lOlÖlO«^ «o 



\ # 



^hB^iMi«M 



e 

OB 

O 



I-:) 



I 



i 



I 



V 



OD 






S 



bo 

I 

3 






'S 



o 

s 




fifl fifl • 

5 5 :S :S 

w O tf aS 

C» O H S 

i3 P 3 n 

tf K 0Q PQ 



e 






V 



bo 






1 




n ea 



t 












TS 
S 

§ 

00 

O 



i 




a 






«4 



— 184 — 






^ 



ftO.iÄiftiöiOkOifl^iHiaio* 



lä i6 



s 

o 

OD 

Cm 

O 



ä i 



äs S & g e . . . 

ssiig^sgss 

Jjaa5§S5|| 



S e 

s g 






n3 



ap 



g 
O« 



es 

>2 



QQ 







60 *=] S 



.X3 



• 




ht 




V 








OD 


^ 


1 


5>' 


99 





e4 



/ 



185 — 



N 



« 



i^ 



5§ 








Ig 


iti 


lO 




MI 








« 








• 
s 






' 


V 








»^ 








o 






V 


00 




~ 




00 








-© 








'S 




ä 






§ 




• 




(S 


i§ 





N lA 






si M 






^ 
» 






O 



« » « 
« « » 

•^ :^. '^. 



60 

fH 
OD 

• 

d 

R .9 



C^ 09 



SB 



si 

Si 



SD 

e 

I 

0) 



3 ^ 



I 



9 

S 'S 
'S u 







JÜ ■ 








' V 








■M 






( 




1H 


ei 


f 


§ 


• 

NN 


NN 


K 


QQ 









•d 



d^ 




















11 


^ «i 


ti <^ 


xi 


■ai >a'iri 


J 


i 


6 1 

1? 


^1 


» 1" "ä 
ü ■«! Ä 3 






S 3 


2 


2 S S o 




a B- 


n Q 


5 
















1 


i 




SS' 


1 


i 


1 






s 




.1 




!^i1 



•I I ll 

1 -a ^ e- 3: 

So« . H 5 

llHii 

II S £ i 3 



■3 -S -ä ■§ 



I J _s'e 1 1 sf 



•" f S -5 1 ^ '5 ■! 
,2 1 £= 5 II I « 

t3 X. a ^ »a 



— 187 — 



«2 



tÄ^e(feöeii^e«itfSe!ieö 



• 




fl 




V 




»-I 




o 




QQ 




QQ 




-W 




Cm 




O 




kl , 


M 


0U 


s 




Wi 




•< 




OQ 






ä 




OD 




iH 


• 


> 


ü 


O 





'S 


•e 


SS 


pC 




» 


S '^ 


n9 





5» 






OD 



. . 'S 

«t: « .^ 
KW» 

« O g 

Sd Sd ^ 

•pm »m «H 



§ 



« « s « 



•?■ 'S W W 



.SP 



OD 

e 

SP 

'S 

»-9 






« i 

I 



1 



'S 



• 


h 

^ 




05 














s 


OB 

& 
'3 










■ 




■ 




« QP 


9 




o 








• .* 






^ OD 


^ 




p^ 








|8 






orts. 
me 


g 




pd 

o 


4> 

2 




« 


II 






rgerliche Bauloinst (F 
C. Für Feld 


-4^ 

1 

•r 


G 

1 

bD 

i 

tt 

1 


s 

l 

• 


iyersalgeschichte. 
gemeine Naturgeschic 


b£ 


1 

1 

•s 


storische Hülfswissens 
teinische klassische L 


• 

•So 

e 

'S 

s 

'S 

w 

-4. 

.■4 


• 

1 


PQ 


-8 

•PI« 




P 


tS^ 


«es 


O R Hl 


6 





CO 

s 

.1 

« ts 

o 

'S §.3 
o OS »4 

«"Sa 



s 



OD 

a 

«2 



— 188 — 

Die Bibtiothek ist, Mitwoch, Sonn- und Festtage aiu^noin- 
meu, Ton9 — 2 Uhr geöffneL Mit derUniyersitatTerbnn- 
dene Institute sind: der botanische Garten, die medizi- 
nische, die chirurg;ische, ,d{e gebnrtshülfliche, die okn- 
listische Klinik ; das natnr^eschichtliche, chemische, pa- 
thologische, anatomische Kabinett, jenes für materia 
medica, die Veterinalranstalt, die für yergleichende 
Anatomie , der landwirthschaftliche Garten , das Obser- 
Tatorinm, das physikalische Kabinett, das für Geodäsie 
und Hydrometrie, das für Architektur und Zeichnung, 
das für Antiquitäten und Numismatik. 

Für die Mediziner sind am Samstage , für die übri- 
gen Fakultäten am Donnerstage Ferien. 

B. Pavia *^^ die wesentlichen Einrichtungen sind 
wie oben, nur dafs die theologische Fakultät hier noch 
nicht existirt. * Bei der Juristen-Fakultät sind (^die Eme- 
riti ungerechnet^ acht Professoren und ein Adjunkt ; bei 
der Medizinischen 15 Professoren und 9 Adjunkte , ein 
Zeichner, ein botanischer Gärtner und zwei Anatomie- 
Diener. Die philosophische Fakultät hat fünfzehn Profes- 
suren und drei Adjunkturen, wovon eben eine vakant ist; 
dann einen Mechanisten. An das Observatorium sind 
zwei Astronomen und drei Eleven bestimmt. Die Biblio- 
thek hat vier Bibliothekare und Gehülfen , und zwei Bü- 
cher- Austheiler für die Lesenden. Kanzelleibeamte u. s. w. 
wie oben. Die Bibliothek ist täglich einige Stunden ge- 
dffuet^ Sonn- und Feier -Tage und Mitwoche ausge- 



*) Prospetto degli stadj dell' imperi^jj^ regia Universitk 
die Pavia per Itono 18*%,. Pavia foL 



— 180 — 

nommen ; die Tageszeit aber ist je nach den Monaten 
Terschieden. — Da die Studienplane nnd Stundenzahl, 
und oft auch die Lehrbiicher fast dieselben sind, wie 
oben, so beschränke ich mich, nur die Professoren und 
die Vorlesungen zu nennen , welche jeder Professor zu 
halten hat. Doch haben manche ihre eignen Lehrbücher. 

In der Juristischen Fakultät liefst Abt Prina über 
Kirchenrecht, Professor Bellabbi Granelli über En- 
cyclopädie und Naturrecht; Padoyani über Gerichtsver- 
fahren und Geschäftsstjd ; Prof. Be&etta über Römi- 
sches Recht und Feudalrecht (nach Boehmei^^; Pr. Yolpi 
über Oestreichisches Handelsrecht, See - und Schifffahrt- 
Recht ; Pr. ZuRASELLi über allgemeine Statistik Europas 
und Oestreichs insbesondre ; Pr. Reale über Oestreich'- 
sches Civilrecfat mit Berücksichtigung des Französischen ; 
Pr. LüiGi LANPRANcmJ^Suppl.) über Polizei- und Straf- 
gesetzgebung Oestreichs. 

In der Medizinischen Fakultät handelt Prof. Mara- 
RBLLi von der allgemeinen, animalischen und pharma- 
zeutischen Chemie; Pr. CAmoLivon der Einleitung in die 
Chirurgie, theoretische Chirurgie, vom Gebrauch der 
Instrumenten und Binden ; Pr. von Hilbenbrakd von der 
speziellen Therapie innrer chronischen und acuten 
Krankheiten , und gibt Anleitung zum Besuch am Kran- 
kenbette ; Pr. Panizza von der Einleitung in das Studium 
der Chirui^e und Medizin , von der Anatomie des Men- 
schen; Pr. BoNGioANNi von der Geburtshülfe , theore- 
tisch , mit Versuchen am künstlichen Weib , und im Ge- 

r 

bährbause ; Pr. Flareb von den Augenkrankheiten, theo- 



— löO — 

retiseh nnd praktisch bei Kranken ^^ ; Pr. Zendrini Ton 
der Mineralogie nnd Zoologie; Pr. Lauribt von' der Ve- 
terinärwissenschaft ; Pr. Dbl Chiappa Ton der Therapie 
innrer Krankheiten und Besuch am Krankenbette (für 
Chirurgen); Pr. Corneliam von der Diätätik , Catagra- 
phologie, Pharmazeutik , Materia medica, Gifte, aUge^ 
meine Pathologie, Aetiologie, Semiotik; Pr. Sionorom 
leitet den chirurgisch - praktischen Besuch am Kranken- 
bette, die chirurgischen Operationen an Leichen , und 
lehrt spezielle chirurgische Therapie; Pr. %6oi)ri von 
der höheren (y - sublimen^ Anatomie und Physiologie ; 
Pr. Platnbr von der gerichtlichen Medizin, von Ret* 
tungsmitteln bei Erstickungen; Pr. Scarebtzio von Phy- 
siologie , allgemeine Pathologie und Therapie innrer 
Krankheiten, Ton Materia medica und chirurgica, von 
Diätatik^ und Rezeptirkunst ; Pr. supplente Morbtti yon 
Botanik und Landwirthschaft ; PÜ suppl. De Cattanei 
öfters an der Stelle von Marabelli; Sgarpa, Nocga 
und Carminati sind Emeriti. 

In der philosophischen Fakultät lehren : Pr. Confi- 
GLiACHi mathematische und experimentale Physik; Pr. 
BoRDONi reine Mathematik , höheren Calcül , Hydrome- 
trie , Gäodäsie ; Pr. Fioccm lateinische Philologie , la- 
teinische klassische Literatur, griechische Philologie; 
Pr. ZuccAla Aesthetik, Italienische Sprache und Lite- 
ratur y Geschichte der schönen Künste; Pr. Zambrelli 



*) Diese Professur ist auf allen Italienischen UniTersitäten, 
der häufigen Augenkrankheiten wegen, sehr wichtig. Prof. 
FLiVRBB zählt einige hundert Kranke in seinem ophthalmiachen 
Polyklinikum. 



— 191 — 

Universalgeschichte, Oestreichische Geschichte; Pr. 
Baugnatelli Naturgeschichte nach Bluhenb ach; Pr. 
Clehenz Pädago^k, Deutsche Sprache, Deutsche Li- 
teratur; Pr. MoDENA theoretische Philosophie, Mo- 
ralphilosophie, Geschichte der Philosophie ; Pf. Lotteri 
höheren Calkül; Pr. Marchesi theoretische und prakti- 
sche Architektur , Servituten , Taxation der Häuser und 
Felder; Pr. Moretti Botanik, Landwirthschaft ; Pr. 
Aldini historische Hiilfswissenschaften : Archäologie, 
Numismatik, Diplomatik^ Heraldik; Pr. Majnardi ist 
dem Pr. Bordoni alsSnpplent adjungirt; Pr. suppl. Bor- 
QTüts lehrt angcMvandte Mathematik; Pr. suppl. Pietro 
Lanfranchi Religion. 

Zu den Emeritis dieser Fakultät gehören (^der in- 
dessen verstorbene ) Graf Volta , Mangili u. A. Ein 
grofses, neulich erst erweitertes Gebäude enthält alle 
akademische Anstalten in sich. Von der Ausdehnung 
und zweckmäfsigen Anlage des ökonomischen und bota- 
nischen Gartens habe ich schon bei meiner ersten Reise 
erzählt, und hatte ich auch jetzt wieder Gelegenheit, 
mich zu überzeugen. 

C. Piaceni^ "^3 ^^^ keine eigentliche Universität, - 
sondern nur einige Professuren für den philosophischen 
Vorbereitungs- Kursus uhd einige für den Beginn der 
medizinischen Studien. Wer die Vorlesungen daselbst 
in gesetzlicher Form besucht hat, und gute Zeugnisse 
aufzuweisen vermag , kann von den Aequivalenten in 



*) CorsS degli Btudj nella ducale Univenitä di Parma per 
Tanno 1826 — 27. Parma 8. p. 39—44. 



— 102 — 

Parma dipennrt werden, wenn er dort seine Studien 
fortzusetzen g;e8onnen ist: Die Anstalt hat einen Direk- 
tor , einen Prefetto della pietä , sieben ordentliche Pro- 
fessoren, einen Censor. 

Für den philosophischen Yorbereitun^kursus lehr^i: 
im ersten Jahre die Professoren Fioauzzi Logik und.Me- 
taphysik, 4% Stunden; Bügkila Elementar -Mathema- 
tik, 4^ Stunden; im zweiten und dritten Jahre Pr. 

VfiNEziANi theoretische und' Experimentalphysik 4^ 

* 

Stunden. 

In der medizinischen Fakultät lehren: im ersten 
Jahre Pr. Anguissola Anatomie und Physiologie, 4^/2 
Stunden; im zweiten Jahre derselbe desgl., und Prof. 
MoRioi Chirurgie und Geburtshülfe im Hospital. Professor 
BfiRTOLmi ist Substitut bei Anguissola ; Pr. Graf Afpati- 
CATi bei FiORuzzi. Ferner hat diese Anstalt nicht we- 
niger als sechs Professores emeriti und zwei honorarü 
(yfohei der jetzt verstorbene Cortbsi für Geologie^- . 

D. -PoTTtia hat etwa 500 Studenten, worunter bei 
weitem die meisten Juristen sind. Der Universität ste- 
hen Tor'''[)eih'Gror8kanz]er, ein Präsident, ein Yice-Präsi- 
dent, ein Kanzleibeamter und ein PreiM^o della Pietä, 
d. h. ein Geistlicher, welcher nachsieht, ob die Herren 
Studiosen an bestimmten Tagen und Stunden hübsch flei- 
fsig in die Kirche gehen. Ob sie aber dort lieber in 
Gebetbüchern oder in schönen Gesichtern andäc(itig le- - 
sen , das wird nicht so genau genommen. Wer übri- 
gens von diesem Manne kein „unverklausulirtes^' Zeugnifs 



♦) ebend. p. 1— 88. 



— 198 — 

beibringet, wird zum Examen nicht zugelassen. Die 
Universit|kt hat vier Fakultäten. Die Lehrbücher sind 
nicht Torgeschrieben. 

Für dreijährig^e yorbereitunge8studie^ sind folgende 
Vorlesungen zu besuchen : im ersten Jahre über Logik 
und Metaphysik , Elementarmathematik, Italienische Li- 
teratur, Griechisch-Lateinische Literatur; im zweiten und 
dritten Jahre über theoretische und Experimental-Physik, 
Naturgeschichte 9 Italienische Literatur, Griechisch -La^ 
teinische Literatur. Wer dieses Yorbereitungsstudium be* 
ginnen will , mufs ein Examen über Lateinische Sprache 
und Rhetorik , und — will er von Logik , Metaphysik 
oder einzelnen der genannten Vorlesungen befreit wer- 
den — über diese bestehen , und Zeugnisse beibringen, 
dafs er irgendwo „die Torgeschriebeue Zeit lang^' dar- 
über Unterricht genossen. 

Die theologische Fakultät hat sieben ordentliche, ei- 
nen ausgedienten und zwei Ehren -Professoren. Der 
Studienplan ist Tierjährig, wer promoriren will, mufs ihn 
zuerst ganz absolrirt , und drei Mal am Ende des Jahres 
ein gutes Examen bestanden haben. In jedem Jahre le- 
sen Fr. Tacchini über die Bibel; Pr. Taihagni dogma- 
tisch-scholastische Theologie; Pr. Piazza dogmatische 
Theologie und Kirchengeschichte; Pr. Zanoli Moraltheo- 
iogie ; Pr. V1T4LI über Orientalische Sprachen. Für alle 
diese Gegenstände sind an drei Wochentagen 1 ^ Stun- 
den Zeit festgesetzt. 

Die juristische Fakultät hat 8 ordentliche , fünf aus- 
gediente und zwei Ehren -Professoren. Im ersten Jahre 
lesen die Proff. Bolla und Crescini über Cirilinstitutio'- 

Brotm, Reite II. 13 



— 194 — ' 

nen und kanonisches Recht; im zweiten die Proff. Paz- 
zoNi, Crescini und GAeTANO Codi über den ersten Theil 
' des GiTilkodex (^Ton den Personen, Gütern, vom Besitz^, 
kanonisches Recht, peinliches Recht; im dritten und 
vierten zusammenhängend die Prof. Maestri , Mazza und 
Coccm über den zweiten und dritten Theil des Civilko- 
dex (^Succession und Schenkung ; — und Vertrage^ und 
über Civilprozel^Terfahren. Prof. Gerol. Godi ist Sub- 
stitut in den Lehrstühlen beider Rechte. Alle Vorlesun- 
gen werden wöchentlich 4^ Stunden gehalten. Die Be- 
dingnisse zur Doktorpromotion sind wie oben. 

In . der medizinischen JPakultät sind eilf ordentliche, 
drei pensionirte -und zwei Titular - Professoren y worun- 
ter der Wachsprofessor „Baratta: Professore scultore 
d'Anatomia in cera.^^ Der Kursus für Mediziner und 
Chirurgen ist sechsjährig, für Pharmazeuten yierjährig. 
Die Bedingnisse zum Doktorate sind 5 bis Gjähriges Studium 
und drei gut bestandene Elxamina nach dem zweiten, 
vierten und fünften Jahre ; und wenn sie die Erlaubnifs 
zu praktiziren verlangen, so ist noch ein Examen beim 
Protomedikate vorgeschrieben. Den Chirurgen , wenn 
sie nicht doktoriren wollen, sind nur zwei gutbestandene 
Jahresexamina, und ein fünQähriges Studium zur Beding- 
nifs gemacht. Wollen Pharmazeuten doktoriren, so 
müssen sie vier Jahre studiren , drei Jahresexamen ge- 
macht haben, wo nicht, so sind ihnen nur 2 Vorbereitung^- 
jahre , und ein dreijähriges Studium zur Pflicht gemacht. 
Vor der Uebernahme eines eignen Geschäftes müssen 
sie drei Jahre praktiziren^ und sich beim Protomedikate 
examiniren lassen. 



— 1Ö5 — 

Für Mediziner lesen im ersten Jahre' die Proff. Gcidotti, 
Jan nnd Pasquali 4^ Stunden wöchentlich. Allgemeine 
und spezielle Chemie, Botanik, Anatomie und Physiologe ; 
im zweiten fahren sie darin fort , und Pr. Mistrali leitet 
zwei Stunden tägh'ch die anatomischen Uehungen an Lei- 
chen. Im dritten Jahre setzt letzterer dieUebungen fort, 
und die Proff. Fragni, Toschi und Guidotti lesen wö- 
chentlich 4 '4 Stunden (letztrer nur 2 Monate lang) über 
Pathologie , über Arzneimittellehre und allgemeine The- 
rapie^ und über pharmazeutische Chemie. Im vierten 
Jahre geben die Proff. Speranza medizinische Institutio- 
nen und medizinische Klinik; Balestra chirurgische In- 
stitutionen und Yerbandlehre ; Gius. Rossi Entbindungs- 
unterricht: Alles in 4^/^ , nur die medizinische Klinik in 
6 wöchentlichen Stunden. Der Unterricht des fünften 
Jahres ist auf medizinische Institutionen und medizini- 
sche Klinik, der des sechsten auf letztre allein beschränkt. 
Bei den Chirurgen ist der Plan fast ganz derselbe, nur 
dafs an die Stelle der chirurgischen Institutionen , chi- 
rurgische Operationen, an der der medizinischen Klinik, 
chirurgische nnd geburtshülfiiche Klinik gesetzt wird. 

Für Pharmazeuten wird zwei Jahre lang alJgemeine 
und spezielle Chemie und Botanik, so zwei andre hin- 
durch Chemie und Arzneimittelkunde gelehrt , ^lles wö- 
chentlich 4y2 Stunden; die pharmazeutische Chemie 
aber nur 2 Monate lang. — Dr. Barbieri ist Substitut 
des Professors der Botanik. 

Die philosophische Fakultät zählt neun Professuren,^ 
worunter jedoch jene für Zoologie vakant ist ; dann hat 
sie zwei ProJTessores äggregati, drei honorarii und sechs 



._ 196 — 

emeritL Gleichwohl haben diese Leute nnr den oben- 
erwähnten Yorbereitun^sstudien und den mathematisch- 
physikalischen Torznstehen. Logik und Metaphysik liefst 
Prof. Casa, Elementarmathematik Lombardini; italieni- 
sche Literatur Lboni ; Griechisch -L ateinische Literatur 
Bbwelu; Physik ScXgnoni, oder als Substitut Mbllont; 
Naturgeschichte ... ... ( Tacat ). — Höhere Matheftiatik 

und Anfangsgrunde der Astronomie lehrt Pazzoni; Me- 
chanik und Geodäsie Cocconcelli, und als Substitut Cbrti; 
endlich ist noch ein Substitut da, Pr. Mogivaschi, 
der in allen Fächern brauchbar ist. Bemerkenswerth 
ist, dafs unter den Titularprofessoren auch ein „P. o. 
di Epigrafia'^ ist. Die meisten oder fast alle der ge- 
nannten Professoren haben wöchentlich nur 4^ , selten 
6 Stunden Vorlesungen zu halten. Ihre Herbstferien 
dauern über vier Monate, die um Weihnachten zehn Tage, 
um Ostern acht. Durchgeht man die Liste dieser Gelehr- 
ten genauer, so findet man, dafs mehre derselben schon 
2 — 3. der Terschiedenartigsten Professuren nacheinan- 
der begleitet, und so oft gewechselt haben, als sie es, 
in der Aussicht sich zu rerbessern, bewirken konnten. 
Fast alle haben eine Menge Ton Titeln. Ein grofser 
Theil derselben sind daher aufserdem Vorsteher geist- 
licher Orden , Professoren in Klöstern , Ritter , Lekto- 
ren bei Hof, Kammerherrn, Staatshistoriographen, Leib- 
ärzte, Medizinalkonsulenten, herzogl. Hausärzte, herzogl. 
chirurgische Hauskonsnlenten, TitularHrzte der Hospitäler, 
Finanzkonsultoren, oberste Revisionstribunalräthe, Staats- 
Patrimonial - Consultoren , wirkliche Staatsräthe , Ehren- 
Staatsräthe, Bischöfie, Rectoren im herzoglichen Adels- 



— 19T — 

colleg^um (Adliges Erziehungshaus^ , Ehren-Theolog^eit 
(teologo onorario}, erste Synodal^xaminataren, Distriktah 
Schulinspektoren, Spital - Inspektoren und Vize -Inspek- 
toren , Vize - Konsultoren , und andre toren. , Am 

trol%8ten unter allen Titeln indessen nimmt sich der 
Mazza's aus. Er ist nämlich „Professor des dritten Theils 
des CiTÜkodex. 1^ • — Bei dem naturhistorischen Museum, 
was bisher so sehr nicht existirte, dafs es dem Profes- 
sor der Naturgeschichte, der bisher Jahre lang die Be- 
soldung bezogen , zur hinreichenden Entschuldigung 
dient^, ^ um darüber nicht zu lesen, bis auch er neulieh 
zu einer einträglicheren Stelle überzugehen Gelegenheit 
hatte, ist ,,N.N. Direktor; Baoatta Mineraloge, und 
CoTTi Örnithologe/' 

Im Königreich Sardinien sind durch ein königliches 
Reskript vom 23. Juli 1822 mehre in der ProTinz ver- 
tfaeilte Fakultäten oder Theil-Universttäten unterdrückt, 
und Turin und Genua zu den 2 alleinigen Landes -Uni- 
versitäten erklärt worden *^. 

Pas Regolamento enthält folgende Bestimmungen. 
P o 1 i z e y : Studenten , welche nicht bei ihren Aeltern 
und nahen Verwandten, oder ihren Prinzipalea (Apo- 
thekern u. dergl.^ wohnen , dürfen sich kein beliebiges 
Logis oder Kosthaus suchen, sondern haben sich zu dem 
Ende an die Präfekten zu wenden, deren zu Turin vier 
für J9 ein Quartier der Stadt, zu Genua einer, aus der 
Geistlichkeit gewählt, und mit je 1500 Liren jährlich 



*) Regie Fatenti, colle quali Sua Maestä ordina la sopprcs- 
sione del CoUegio delle Proyincie , ed approva Tannesso Rego- 
lamento per le Unireraitä di Torino e di Genova; fol. 



— 108 — 

besoldet sind. Diese Piifekten sollen zaerst anf drei 
Jahre , dann Jedesmal anf eins gewählt werden , nnd 
nach dessen Ablauf wieder wählbar sejn. Wer von den 
Einwohnern Logis vermiethen, oder einen Kosttisch 
halten will, hat solches bei dem Präfekten zn melden. 
Ans den gemeldeten bestimmt der Präfekt mit Zuziehung 
des Pfarrers diejenigen, welchen Studenten iii Kost und Lo- 
gis gegeben werden sollen ; doch dürfen der letzteren nicht 
über zehen seyn. Will jemand einen befreundeten oder 
verwandten Studenten in sein Haus aufnehmen, will ein 
•Student während des Kurses seine Wohnung ändern, so 
darf solches nur mit Genehmigung des Präfekten gesche- 
hen. Mehr als 10 Studenten können nicht in einer Pen- 
sion beisammen seyn. Die Präfekten visitiren Ton Zeit 
zu Zeit die Pensionen , und benehmen sich wegen der 
weiteren Aufsicht mit dem Censor der ÜniTersität, wel- 

, eher darüber wieder an höhere Behörden referirt. — 
Verpflichtungen der Studenten. Zu Anfang 
des Kurses wenden sich die Studenten an den Präfek- 
ten , um gemeinschaftlich mit ihm sich nach einer Pen- 
sion umzusehen. Sie haben fast täglich (am Sonntage, 
und aufserdem 1 — 3mal jede Woche) die Kirche zu be- 
suchen, monatlich zu beichten, um Ostern gemein- 
schaftlich mit den Professoren noch besondern reli- 
giösen Uebungen sich zu unterziehen. Am Anfange 
des Kurses haben sie einen Besuch beim Pfarrer ihrer 

, Pfarrkirche und bei den Professoren ihrer Fakultät zn 

machen. Während der Vorlesungen sind alle Beifalls - 

-und - M ifsfallens - Bezeugungen verboten. Wer einen 

' Repetitor wünscht, mufs ihn unter den approbirten neh- 
men. Alles Zusammenrotten, alles Spielen auf den 



— 19Ö — 

Strafsen, in Kaffeehäusern n. a. a. öffentlichen Orten 
ist Terhoten. Bei Anfang der Nacht müssen die Stu- 
denten zu Hause seyn ; nach dem Theater u. a. öffentli* 
chen Schauspielen dürfen sie sich nur zuweilen hegeheu, 
und müssen sich dahei nach den Befehlen der Prilfekten 
benehmen. Wer dagegen fehlt , wird dem Magistrat an- 
gezeigt. Der Torgeschriebene Studienplan mufs vom 
Jahre der Zulassung zur Universität an genau befolgt 
werden. Der Kursus dauert 7^ Monate , in den letz- 
ten Jahren aber nur 6^ oder 5^^ Monate, worauf 
jedesmal die Examina und Promotionen folgen. Wer 
einen nicht bestätigten Repetitor annimmt, wird um 1 
Studienjahr, wer spielt und an Zusammenrottungien 
Theil nimmt, um 3 Monate, wer öffentliche Unord- 
nungen yeranlafst, um 4 Monate gestraft; veranlas- 
sen die Zuhörer einer Vorlesung grofse Unordnungen 
oder Tumulte, so werden alle um 1 Monat bis 1 Jahr 
gestraft; d. h. sie müssen um so viel länger Kollegien 
hören. Vor den Fakultätsstudien müssen gewisse phi- 
losophische Studien vorangehen. Studenten der Theo- 

9 

logie, Jurisprudenz > Medizin werden unter einem Alter 
von 16, solche der Philosophie unter 14 Jahren nicht 
aufgenommen. Wer studiren will, mufs zu Anfang 
jeden Jahres s^ine Testimonien über Absolution und Exa- 

• 

men vom vorigen Jahre, vollkonmine Zeugnisse seines 
Präfekten, solche seines Pfarrers vorbringen, mufs 
durch Attestate ausweisen , wo er die Ferien zugebracht, 
und dafs er auch während derselben festtäglich die Kir- 
che besucht und monatlich gebeichtet hat, mufs end- 
lich Namen, Vornamen, Alter, Heimath, Wohnung, 



— 200 — 

jund Repetitoren in die ihm vorgelegten Tabellen eintra- 
gen. Die Erlaubnifs zu studiren wird im Laufe des Kur- 
ses alle zwei Monate erneuert, nachdem, ^er Student 
jedesmal über die Terflossenen zwei Monate gute Te- 
stimonien Tom Pfarrer, Beichtiger, Prafekte und Ton den 
Professoren beigebracht hat. Diefe mufs jedesmal läng- 
stens binnen 14 Tagen nach abgeiaufner Frist gesche- 
hen; widrigenfalls sich der Student entweder über die 
nicht Ton ihm verschuldete Unterlassung durch Zeug- 
nisse auszuweisen hat, oder gewärtigen mufs, dafs ihm 
die Dauer des Studienjahres um so viel Terlängert wird, 
als er sich verspätet hat. — Prüfungen. Jeder Stu- 
dent, welcher in der Theologie und Chirurgie einen 
Grad erwerben j oder zum Studium der Jurisprudenz, 
Medizin und Mathematik zugelassen werden will , mufs 
zuerst Magister geworden seyn , nachdem er zwei be- 
sondere Examina über Logik , Metaphysik , Geometrie, 
und Lateinische Beredtsamkeit , dann über Moralphilo- 
sophie, Physik und Italienische oder (die Savojarden^ 
Franzosische Wohlredenheit bestanden hat; Juristen 
jedoch müssen darüber ausnahmsweise drei einstündige 
Prüflingen bestehen, Mediziner sich auch noch in der Che- 
mie examiniren lassen. Die Juristen müssen wenigstens 
in zweien;! jener Prüfungen einstimmig für bestanden, 
wenn sie arm sind , in allen dreien einstimmig für be- 
standen und in zweien als cum laude bestanden erklärt 
worden seyn. Auch Studenten, welche Stipendien wün- 
schen , müssen dieselbe Bedingnifs erfüllen ; bekommen 
sie aber bei späteren Prüfungen zweimal nacheinander 
nur die Mehrheit der Stimmen , so verlieren sie jenen 



— 201 — 

Yortheil wieder. Jene drei Examina werden von zwei 
Fakultäts-Mi^liedern und einem Kommissäi* gehalten, 
und für die Prüfung in der Beredsamkeit werden jedes- 
mal zwei Thesen zu einer Vorlesung am folgenden Tfige 
in geschlossnem Zimmer aufgegeben. — Auch nach je- 
dem der 3 — 4 Studienjahre in der Fakultät folgt ein 
Privat- Examen. Hierzu müssen durchaus alle Professo- 
ren der Fakultät anwesend seyn; keiner darf fehlen, 
aufser bei Krankheit oder im Dienste ; keiner darf sich 
willkührlich durch andere vertreten lassen ; keiner sich 
vor geschlossenem Examen entfernen. Der Stellvertreter 
für den fehlenden Professor wird von der höheren Be- 
hörde ernannt; fehlen aber zwei Professoren, so kaui^ 
das Examen nicht Statt finden, wenn nicht dringende 
Verhältnisse jene Behörde zur Dispensation veranlassen. 
In einer Stunde können nur 2 Kandidaten eximinirt wer- 
den. Nach beendigtem Examen wird votirt , zuerst : ob 
der Kandidat bestanden, und dann, wenn dieses einstim- 
mig bejaht worden, oh er cum laude bestanden? Das 
Ergebnifs wird in ein Fakultäts -Protokoll eingetragen, 
und dieses von allen Examinatoren und dem Universitäts- 
Sekretär unterzeichnet, widrigenfalls es ungültig wäre. 
Diejenigen , welche in früheren Prüfungen besser bestun- 
den, kommen in spätem Jahren auch immer früher an 
die Reihe. — Bei dem öffentlich zu haltenden Schlufs - 
Examen für die Licentia practicandi oder die Läurea bei 
den Juristen, Medizinern und' Chirurgen werden Zettel 
mit verschiedenen üeberschriften verschiedener Ab- 
schnitte in den gebrauchten Lehrbüchern in G^enwart 
des Universitäts- Sekretärs in eine Urne ge werfe», dann 



.\ 



— 202 — 

» 
herausgezogen und in vorgfeschriebener Weist; an die 

Kandidaten yertheilt , welche dann jene Abschnitte , wie 
sie sich treffen , zu Tertheidigen haben. Die Examinato* 
ren werden aus der UniTersitäts - Kasse bezahlt ; jedoch 
der Betrag für die ohne obenbezeichnete Gründe ausge- 
bliebenen halb an die gekommenen yertheilt, halb dem 
UniTersitäts -Aerarium überlassen. — Melden sich Per- 
sonen, welche als Fakultats - Mitglieder aufgenommen 
werden wollen, so setzt der Dekan eine Liste derselben 
auf, yertheilt solche an seine Kollegen^ bezeichnet die- 
jenigen, welche sich durch Religiosität, Anhänglichkeit 
an die Regierung, Fleifs, Talent und Aufführung am 
meisten ausgezeichnet haben, fordert zur weiteren Er- 
kundigung defshalb auf, und bestimmt einen Tag um 
einen Monat yoraus, wo die Prüfung Statt finden soll. 
Die Professoren bezeichnen nun yerschiedene Abband- 
lungen, woraus drei durch das Loos ausgeschieden und 
wozu drei andre yom Dekan hinzugefügt werden, welche 
der Kandidat nun öffentlich entwickeln und yortragen 
mufs; wozu noch Priyat- Prüfungen zu kommen pflegen, 
für welche die Fragen ebenfalls durch das Loos bestimmt 
werden. Die Doctores aggregati der yerschiedenen Fa- 
kultäten scheinen zum Theil die bestellten Repetitoren 
zu seyn, und Anwartschaften auf erledigte Professuren 
zu haben; sie müssen den Prüfungen u. s. w. beiwohnen, 
und yerlieren ihre Rechte , wenn sie jenes längere Zeit 
ohne gültigen Grund yersäumen. Viele dayon haben 
noch andre Anstellungen bei der Uniyersität (ila Biblio- 
thekar u. dergl.) , der Regierung > in geistlichen Orden, 
sind Professores emeriti u. s. w. — Die meisten Vorle- 



— 208 — 

sungen werden Vormittags g^ehalten und dauern 1 — 1^ 
— 1^2 Stunden. — Der Chef der obersten Studien -Di- 
rektion in Sardinien ist Graf Gloria . Er hat unter sich 
den Magpistrato della Riforma degli studj, welchem er 
prasidirt, und der aus 5 Reformatoren und 2 Censoren 
zusammengesetzt ist 

E. Turin. Bei der Uniyersität sind : ein Archiv-Di' 
rektor, 5 Sekretäre, ein Kassier, ein Oekonom und ein 
Architekt, 2 Bibliothekare u. s. w. als besondre Beamte 
angestellt. Rektor ist einer der Professoren. In der 
theologischen Fakultät sind angestellt *^ D. A. Pasio für 
scholastisch - dogmatische Theologie; G. B. Benone für 
die heilige Schrift; F. Parato für Moral - Theologie ; 
G. A. Garibaldi für scholastisch -dogmatische Theologie; 
G.Bricco, L.Guala undE. Fantolini sind als Direktoren 
moral- theologischer Konferenzen bestellt; dann sind 24 
>^g^Cfii^te Doktoren Torhafiden. — In der Juristen-Fa- 
kultät lehren: F. M. Demarghurita und G. B. Amossi Ci- 
Til-Recht; G. Boron kanonisches Recht; G. F. Vachino 
kanonische Institutionen; F. F. Merlo Civil -Institutio- 
nen. — Bei den Medizinern tragen L. Rolando Anato* 
mie , G. B. Chiesa theoretisch - praktische Medizin , C. 
Capelli Arzneimittel -Lehre und pharmazeutische Bota-« 
nik , G. L. Capelli theoretisch - praktische Medizin , G. 
B. TuRiNA medizinische Institutionen ^ L. Martini Phy- 



*) Hier haben nach denoi „Calendario scolastico coli' indi- 
cazione degli Impiegati nelle regie e pubbliche Bcuole per 
Fanno scolastico 1829 — 1830. Torino 8. später einige Nach- 
träge und Berichtigungen über den Personal - Stand Statt ge- 
funden. 



— 204 — 

siologie vor. — In dem Fache der Chirurgie lehren. 
G. Barovebo Therapeutik, Materia medico - chirurgica, 
Nosologie, Chirurgia forensis und chirargische Klinik; 
G. P. GaliiO theoretisch - praktische Chirurgie mit KU- 
nik; A. Riberi chirurgische Operationen und Geburts- 
hülfe; F. Dehicheus Anatomie und Physiologie. — In 
der Abtheiiuhg für Philosophie hält A. Marta Vorträge 
über Arithmetik und Geometrie; H. A. Abba über Logik 
und Metaphysik; G. SciolXa über Moral - Philosophie ; 
G. D. BoTTO über allgemeine und Experimental - Physik ; 
G. L. Piano über PJiilosophie. — In der mathemati- 
schen Abtheilung lehren: G. Bianchi Algebra; G. Plana 
Differenzial - und Integral -Calcul , G. G. Bidone Hydrau- 
lik und beschreibende Geometrie (Mechanik fehit^. — 
y. MicHELOTTi lehrt medizinisch- pharmazeutische und 
Thier - Chemie , G. A. Giobbrt reine , vegetabilische und 
technische Chemie, G. L. Cantii technische^ und G. La- 
vxNi medizinisch - pharmazeutische Chemie. — C. Bou- 
CHERON trägt Lateinische und Griechische Beredtsamkeit, 
A. Peyron Orientalische Sprachen vor; -^ St. Borson 
Mineralogie, F. A. Bonelli Zoologie (G. Moris Bota- 
nik), F. BoNSiGNORE lehri; Civil -Baukunst, G. Spalla 
Bildhauerkunst, G. B. Biscara Malerei, G. Talucchi Ci- 
vil - Baukunst und praktische Geometrie. Für die Anti- 
quitäten-Sammlung ist Direktor Barucchi mit einem Assi- 
stenten, für die Naturalien -Sammlung Borson und Bo- 
nelli mit 2 Assistenten und 2 Präparatoren; für das 
Aegyptische Museum Konservator Cordero mit I Assi- 
stenten ; für die hydraulischen Bauwerke die Direktoren 
MicHELOTTi und Bidone , für den botanischen Garten ist 



— 205 — 

Oirektor Prof. Moris und Kastos RoccnifiTTi angestellt. 
Der g^rofsen Anstalten beim ökonomischen Garten finde 
ich keine Erwähnung 

F. Genua. Im Studienjahre 1825 — 1826 wurden 
hier folgende Vorlesungen gehalten *^. 

In der theologischen Fakultät lesen Prof. Wankenes 
4^' Stunden über scholastisch- dogmatische Theologie, 
(Prolegomena der Theologie, Tradition, heilige Schrift 
und Kirchenväter^ ; Pater Honorics (^suppl.) eben so oft 
über Moraltheologie; Pr. De Albertis über die heilige 
Schrift und eine Stunde täglich über hebräische Gram- 
matik ; Pr. Agnino (AdjunktJ wird bei der Torigen nö- 
thigen Falles suppliren. 

In der juristischen Fakultät handelt Arbizzonius Pr. 
des Civilrechtes ein Fünftheil der Digesta (Buch 37 — 
49^ ab; Pr. Biale lehrt über das kanonische Recht; 
Pr. Bruzza über das Civilrecht nach den Institutionen; 
Pr. Mangini, Beschlufs des vierten Tbeiles der Digesta 
und Crlmihalrecht; Pr. BoNTä über Decretalia; Pr. Le- 
veroni über Handelsrecht, nach dem 1. und 2. !^uche 
des Handels -Codex. Alle lesen wöchentlich 4^ Stun^ 
den. In der medizinischen Fakultät hält Pr. Mongiardni 
täglich IV2 Stunden medizinische Klinik, Guiretti eben 
80 oft chirurgische Klinik; Leteroni lehrt wöchentlich 
4^ Stunden Gebi^rtshülfe , theoretisch und praktisch, 
und handelt von den Krankheiten der Schwangerschaft; 
Garibaldi eben so oft Beschlufs der Materia medica, Re- 



*) Uniyersitatis studiomm Genuensis elenchus professomm 
et lectionum pro anno 1825 — 1826. Eine Tabelle. 



— 206 — 

ceptirkimst , gerichtliche Arzneikunde; Htbron. Bottö 
wöchentlich 4^/2 Stunden, trägt den dritten Theil der 
Pathologie und allgemeine Therapie Tor; Mazzuvi ver- 
wendet eben so riel zur Anatomie und Physiologie des 
Menschen ; Gaossi desgleichen auf chirurgische Insti- 
tutionen und äufsere Entzündungen. — 

In der philosophischen Fakultät tragen vor: Paoano 
allgemeine und experimentelle Physik 4^ Stunden; Vi- 
TUNi Pflanzenphysiologie, künstliches und natürliches 
System, Uebung im Bestimmen der Pflanzen 4^/2 Stun- 
den; Badano Mechanik 4)4 St.; Mojon (nach seinen 
Corso analitico di Chimica^ allgemeine und organische 
Chemie 4^ St.; Sconnio Arithmetik und Geometrie 4^ 
St.; Lari Griechische und Lateinische Philologie, zumal 
Erklärung des Homer und Virgil; Bestöra Rhetorik 4^/^ 
St. mit Uebungen; Xaver Botto Algebra, Trigonome- 
trie und Geometrie 4^ St.; Leoni Moralphilosophie 4^2 
St. ; Tarelli Logik und Metaphysik 4^ St. Ferner sind 
in dieser Fakultät 2 Adjunkte, Pr. Garassini für den 
Lehrstuhl der Mathematik , und Pr. Elice , auf alle Sät- 
tel gemacht. 

Die Universität zählt eilf ausgediente Professoren "^y. 
Die Bibliothek ist , Mitwoch und Festtage ausgenommen, 
taglich 4 Stunden geöffnet. Mit der Universität in Ver- 
bindung steht eine Kunstakademie, wo Pr. Scotto für 



*) Bei der grofsen Anstrengang der Italienischen Professo- 
ren für ihre CoUegien darf diese bedeutende Zahl keine Ver- 
wunderung erregen. In Deutschland freilich müssen sich alle 
zu tod doziren^ und glücklich genug, wenn sie es schnell ge- 
nug machen , um ihren Ruhm nicht zu überleben. 



— 207 • — 

Malerei, PfiscHiBitA für Sculptur, Baaabino für Archi- 
tektur , Certetto für Ornamente angestellt sind. Biese 
Professuren wechseln alle drei Jahre unter den zahlrei- 
chen Mitgliedern der Akademie, Behufs des täglichen 
Unterrichtes. — Die natnrhistorischen Sammlungen sind 
noch unbedeutend. Aufserdem ist zu Moutiers eine 
Bergwerksschule» 

G. Pisa *). An die Stelle der alten UniTersität war 
Während der^ Französischen Regierung eine Akademie ge- 
treten. Durch Rescript Lbopolb's II. vom 9. November 
1814 wurde diese für unterdrückt und die Universität 
für wiederhergestellt erklärt. Doch wurden den dort 
schon befindlichen Studenten die bereits schon gehörten 
Vorlesungen angerechnet; nur die etwa versäumten Jah- 
res -Examina mufsten sie nachholen. 

I. Das Kuratorium der Universität ist übertragen: 
demGrofskanzler, Erzbischoff von Pisa; dem General- 
superintendenten der Studien des Grofsherzogtbums, 
welcher zugleich Auditor der Universität , ist und einem 
General -Pi^oweditore (Aufseher). — IL Die Zahl der 
Professuren ist auf mindesrt 'dreifsig festgesetzt, welche 
in die theologische^ juristische und medizinisch -physi- 
kalische Fakultät vertheilt sind. Jede der letztern hat 
ihren Prior (^Dekan), dessen Amt jährlich wechselt, und 
von den altern zu den Jüngern Professoren übergeht, 
mit Ausschlufs derjenigen, welche noch nicht fünf Jahre 

• 

*) Regolamento per la J. e R. Universitk dl Pisa. Pisa 
1826. 8. Diegee enthält die allgemeinen und auf längere Zeit 
gültigen Anordnungen. Für die jahrlichen Vorlesungen er- 
scheint dann noch ein besondres Programm. 



— 208 — 

in Diensten sind. Die letzte Fakultät hat jedoch zwei 
Abtheilung^en und zwei Prioren für die medizinische und 
die physikalische Klasse. Aufserordentliche Professoren 
^ebt es nicht ; aber noch Professores aggregati. — III. 
Die Nominal - Professuren sind: bei der Theologie jene 
1. für die heilige Schrift , 2. Kirchengeschichte , 3. dog- 
matische Theologie , 4. Moraltheologie , 5 Supplent für 
beide vorige, 6. Orientalische Sprachen; — bei den Ju- 
risten : l , '2 und 3 fürs kanonische Recht * ), 4. für 
Pandekten , 5. und 6. für CiTiMnstitutionen , T. für Cri- 
minal-Institntionen ; dann drei Professores aggregati , 8. 
für Logik und Metaphysik *^^^ 9. Griechisch-Lateinische 
Literatur; 10. Italienische Literatur; — bei der Klasse 
der Mediziner : 1. für Anatomie und Physiologie, 2. me- 
dizinische Institutionen (Pathologie, Therapie und^Se- 
miotik), 3. für praktische Medizin , 4. für klinische M^- 
dizin, 5. für chirurgische Institutionen und Geburtshülfe, 
6. für chirurgisiche Klinik und Operationen an Leichen; — 
bei der Klasse der Physiker: T. für Algebra, 8. für 
Astronomie, 9. Geometrie, 10. und. 11. theoretische 
Physik, 12. Experimental- Physik, 13. Naturgeschichte, 
14. Chemie und Materia medica, 15. Botanik. — Das 
Uniyersitätsjahr beginnt den 11. November und endet 
den 31. May. Ferner sind aber noch 7 Tage zu £nde 
des Karneval, ^ Tage in der Charwoche und die Kir- 



*) Diese meliffache Besetzang wird meist nöthig , weil ein 
Lehrer 2 — 4 Jahre an einem Gegenstande liefst, und die Schä- 
ler daher nicht bis zum Wiederanfang warten können. 

**) Bravo ! Was thun auch die andern Fakultäten mit Lo* 
gik ! and was geht dem Pbysiker die Metaphysik an ! 



— 209 — 

chenfeierta^. — V. Jede|r Tag ist von 8^ bis 2% 
Uhr in Tier Lektionen , jede von 1 % Standen getheilt. 
Jeder Professor hat in der Regel nur drei Lektionen 
wöchentlich und an abwechselnden Tagen zu geben; die 
Professoren der Klinik jedoch haben zu bestimmen > wie 
Tiel Tage sie brauchen; die Prioren der Fakultäten und 
der Proyyeditore haben nach obigen Bestimmungen die 
Lektionen so zu regeln, dafs jeder Student in jedem ^ 
Jahre besuchen kann , was er in demselben hören soll« 
Nur der Prof. der Lateinischen und Griechischen Lite- 
ratur bestimmt die Zeit selbst. — VI. Wer als Student 
eingeschrieben seyn will, mufs gute Zeugnisse morali- 
schen Betragens beibringen , am 7. November ein Eia- 
men in Latein und Rhetorik von % Stunde bestehen. 
Besteht er auch ein halbstündiges in Logik und Meta* 
physik, so kann er vom Besuch dieser Y^rlesüng be- 
freitwerden. Je drei Professoren, der Reihe nach aus den 
für die Orientalischen Sprachen , Logik und Metaphysik, 
Griechisch-Lateinische und Italieniwhe Literatur angestell- 
ten entnommen, examinfren ihn. — VU. Der l^tndienkursus 
für jeden Studenten ist vierjährig ; in jedem Jahre hat er 
sich acht Musterungen zu unterziehen , an Tagen , die 
zu verschiedenen Zeiten des Jahres festgesetzt sind , d. h. 
er mufs Namen, Vornamen, Strafse und mus, wo er 
wohnt, in ein besonders dazu aufgelegtes Buch in der 
Kanzelei mit eigner Hand einschreiben. Versäumt er 
eine derselben, ohne vomProvveditore nach strenger Prü- 
fung gültig befundenen Grund, so wird das ehtspre* 
chende Studienjahr dem Studenten nicht angerechnet. — 
VIII. Ein besondrer Artikel des Reglements bestimiiit die 

Bronn, Reite IL 14 



_ 210 — 

Yorleran^en , welche in Jeäem der vier Studienjahre bei 
den Fal^nltäten gehört werden müssen : meist drei der- 
selben in einem Jahre. Nur für die der Physik und Ma- 
thematik Beflifsnen ist nichts voraus festgesetzt; sie ha- 
ben sich jeder seinen Studienplan vom Dekan der Fakul- 
tät machen zu lassen. Jeder Professor legt in der Kan- 
xelei vor dem 25. May ein Zeugnifs über den Besuch 
eines jeden Studenten in seinen Vorlesungen nieder. 
War der Student in einer einzigen derselben unfleifsigy 
80 müfs er im folgenden Jahre alle Vorlesungen desjetzi- 
gen , auch wo er fleifsig gewesen , wieder hören "^^^ er 
sey denn krank gewesen.. — IX. Sollte es sich fügen, 
dafs einmal alle Zuhörer eines Professors an einem Tag 
ihr Ausbleiben mit Krankheit entschuldigten , so müssen 
sie das angefangene Studienjahr aushalten, und dann 
nochmal ganz von neuem anfangen **y Auch wird noch 
weitre Untersuchung eingeleitet werden. — X. Um von 
einem Studienjahre zum andern übergehen zu können, 
mufs sich am Ende de'a zweiten und dritten Jahres jeder 
Student einem präparativen Examen von je drei Profes- 
soren (und demDekan^ seiner Fakultät unterziehen, und 
die J^ehrzahl der Stimmen über seine Befähigung davonr 

tragen. Das Examiniren jedes Studenten währt wenig-. 
• 

*) Das heifst die Lente lehren, wie man seine Zeit gut an- 
wendet! . ' 



•»■^ 



Das Kollegien - Besuchen ist daher wohl die grorste 
Strafe^ und das wirksamste AhschreckungsmitteL Mit dessen 
Androhung^ erzwingt man gute Aufführung, wie man von ge- 
wissen Gegenden Deutschlands sagt, dafs man die Kinder in 
die Schule schrecke durch die Drohung, sie müfsten sonst 
vom dort erzogenen (satiem) Wein trinken. 



— 211 — 

stens % und nicht über % Stunden. Wer nicht beatehi, 
kann nach den Ferien nochmal examinirt werden; flUt 
er auch hier durch, so mufs er das vorig^e Studienjahr 
wiederholen. — XL Am Ende des Tierten Jahres kann 
das Doktorexamen folgen. Es bezieht sich auf alle bis- 
her besuchte Vorlesungen , geschieht Ton vier Professo- 
ren öffentlich in Gegenwart ihrer übrigen Kollegen und 
des Provieditore. Wer durchfallt , studirt ein Jahr wei« 
ter. — USX. Die praparativen Examina finden auf fol- 
gende Art Statt. Den Tag Torher ernennt der Prior die 
drei Examinatoren. Diese schreiben die wichtigsten Fra« 
gen über die gehörten Gegenstände auf eben so viele 
Zettel, und werfen diese in so viele Urnen als Vorle- 
sungen waren. Der Prior zieht nun aus jeder Urne der 
iReOie nach drei Fragen, die er dem Examinanden zur 
mündlichen Beantwortung übergibt. Bei den Medizinern 
werden nur die Namen der Organe , Krankheiten u. s« w. 
aufgeschrieben. Die Ordnung , in welcher die Professo- 
ren' examiniren, wird durch dasLoos bestimmt. Bei den 
präparativen Examina stimmen nur die drei Examinato- 
ren, bei denen für das Doktorat, alle anwesende Mitj^e- 
der der Fakultät. — XIII. Für die Examina ist dkr 
Anfang des Junius festgesetzt. Man hat sich daher am 25. 
May dazu zu melden , und zur Meldung ein Attestat gu- 
ter Aufführung von dem Pfarrer beizulegen 9 in dessen 
Pfarrei man bisher wohnte. — XIV. Die förmliche 
Uebertragung des Doktorates findet mit besondrer Feier- 
lichkeit im erzbischöinichen Pallaste Statt, und in Bei^ 
seyn der ganzen Fakultät. Alle Doktoranten kommen 
dort zusammen, legen ihr Glaubensbekenntnifs einzeki 



— 212 — 

in die Hände des Grofskanzelers oder seines Delegaten 
ab y worauf alle zu gleicher Zeit als Doktoren erklärt 
werden, ein Professor der Fakultät eine lateinische Rede 
hält, und ihnen die Doktor -Insignien überreicht. Von 
Nichtkatholiken begnügt man sich , statt dessen nur im 
Sapienz-Saale den Eid abzunehmen. — XV. Die Beamten 
der Universität sind : ein Bibliothekar, aus den Professo- 
ren gewählt, ein Kanzeleibeamter, ein Prosektor, ein 
Gehülfe der Professoren der Naturgeschichte^ mehre Cu- 
stoden uod 2 Pedellen. — XVI. Die ganze Gerichtsbar- 
keit und Polizeiaufsicht über säromtliche Studenten ist 
in die Hände des ProTveditore gegeben. — XYII. Die 
Professoren haben ihre Gegenstände in kurzen Abhand- 
lungen zu erledigen. Die erste Viertelstunde der Vor- 
lesnngszeit yerwenden sie zum Examen über das , in der 
letzten Stunde abgehandelte, Thema und zur Untersu- 
chung, ob alle anwesend sind; die zweite (wenn sie in 
dem Sapienz-Gebäude lesen) zur Darlegung des nunmehr 
abzuhandelnden Themas in Lateinischer Rede, die übrige 
Zeit zu Erläuterung dieses Themas in Italienischer Spra- 
che. Bei Vorlesungen in der Sapienz wie bei andern 
akademischen Funktionen erscheinen die Professoren in 
schwarzer Toga; auTserdem nur schwarz. Spezieller ist 
dann jedem Professor vorgeschrieben, |n wie vielen Jah- 
ren er seinen Lehrgegenstand absolviren müsse, und 
worauf er hauptsächlich zu sehen habe. — Ein gedruck- 
ter Tarif giebt Nachweisnng über die Zahlungen für die 
verschiedenen Examina und Promotionen. Die präpara- 
tiven Examina kosten 20 — 81 Liren, je nachdem sie 
das erste, zweite, dritte in dieser oder jener Fakultät 



— 21S — 

sind. Das Dokiorat kostet 152 Liren bei den Theolo- 
gen, ^ 2Y5 bei den Juristen, 161 bei den Aerzten und 
Physikern, wovon auch der Grofskanzeier seinen Be- 
trag zieht« Die Summen werden hinterlegt, und sind 
für den Examinanden Terloren, wenn er auch durch- 
fallt. — — Von dem botanischen Garten in Pisa , von 
dem Aufblühen der zoologischen und mineralogischen 
Sammlung daselbst unter der thätigen Fürsorge der Pro- 
fessoren Gaetano und Paolo Savi habe ich bei meiner 
früheren Reise erzählt *). 

Die Professoren der Uniyersität waren im Jahre 1826 
— 1827 folgende **): In der theologischen Fakultät: 
1. Samuelli, 2. pREzziNER^ 3. Battini, 4. (^Tacat^, 6* 
(yacat), 6. Rosellini. Emeritus ist YoLFmi; — in der 
Juristen -Fakultät: 1. Cantini, 2. Grassini, 3. Bowaini, 
4. Del Rosso^ 5. Giuliani, 6. DalBorgo, 7. CARnaoBrANf, 
— 8. Sacchetti, 9. Bagnoli, 10. Rosini; pensionirt sind : 
Vannucchi, Ciampi und Qcartieri. — Bei den Aerzten 
sind angestellt: 1. (provisorisch für Anatomie) Prosek- 
tor Dr. Pbretti, 2. Stüdiati, 8. Barzellotti, 4. Mo- 
RELLi und ToRRiGL&Ni, 5. Menici, 6. (vacat — proTiso- 
lisch )^ Menici und Dr. Cartoni als Adjütor (^dazu kömmt 
PoLTOORi für Physiologie und gerichtliche Medizin , für 
welche letztre im anfanglichen Plane keine Professur be- 
stimmt war^. •— Bei den Physikern sind ebenfalls mehre 
Abweichungen und Erweiterungen jenes Pl^JN^* Algebra 



♦) Vcrgl. noch unten, Abschnitt von der gegnostiBcheh 
Beschaffenheit der Apenninen» 

•*) Jeder ist mit der Nnmmer bezeichnet, welche oben 
(p. 207, 206;) die Professur erhalten faatte^ für die er angestellt ist 



— 214 — 

lehrt PiBKACciou (Emeriti sind Paou und Frullani);. 
Astronomie lehrt PiAniNi, zugleich Bibliothekar; Geo* 
metrie Faooi, theoretische Phjsik Gerbi (Emeriti sind 
Pagchiani und Libri^; Experimentalphysik Gatteschi 
mit dem Adjntor Dr. Dini;. Naturgeschichte Paul Sati 
(Sohn) ; Chemie und Arzneimittellehre Branchi mit dem 
Adjntor Dr. Pajssbrini; Botanik Caj. Sati mit dem Ad- 
jntor Dr.STAOi; Mechanik nnd Hydraulik (ebenfalls spä- 
ter zugesetzt) Poletti. 

H. Floren» besitzt nur einige Professuren für Na« 
turgeschichte und Medizin, zu welcher hauptsächlich das 
in Florenz befindliche grofse und reiche Hospital (dl 
Santa Maria Nnova) Veranlassung gegeben zu haben 
scheint. Die Vorlesungen, welche in Florenz gehört 
worden , werden in Pisa angerechnet. Chirurgen kön- 
nen sogar durch einen sechsjährigen praktischen Kursus 
in diesem Spital und durch genügenden Besuch der Vor- 
lesungen aller dabei angestellten Professoren dahin ge- 
langen, dafs sie in Pisa unmittelbar zum Doktorexamen 
zugelassen werden« Die Florentiner Professoren sind 
folgende : der würdige Ott. Tahgioni Tozzbtti für Bo*- 
t^nik (und Landwirthschaft); der Nestor der UniTersi- 
tat "^j; Bertini für Geschichte der Medizin^ Uccblu 
für. Anatomie, chirurgische Klinik und Lithotomie; Pons 
(ans Marseille) für Astronomie ; Sesti^i prof. . honor. 
für Antiquita^n; Nesti prof. honor. und Vorsteher der 
physikalischen nnd naturgeschicbtlicben Museen *^)j 



*) TiRcioia ist seitdem gestorben. 

**) Bekannt durch viele Arbeiten über fossile Osteologie 
in den Akten der Florentiner Akademie und dem Criornale de' 



— 215 -^ , 

und die Professoren honorii Tantini. und GioBGim 
für? — 

I. bis Q. Bologna *), Rom^ Ferrara, Perugia , Ca- 
merino , Macerata und Fermo. I. Eine „ heilige Stu- 
dien - Congregafion /' vom Kardinal -Staatssekretär, Kar- 
dinal -Kämmerer , Kardinal - Yicarius Roms und andern 
Tom Pabste zu bestimmenden Kardinälen gebildet^ un- 
ter welchen er auch die Vorsteher ernennt (^zuerst C. 
Bertazzoli^, dirigirt das gesammte Studienwesen im 
Kirchenstaate. Sie läfst, wo es nöthig, UniTersitäten 
und Schulen von Zeit zu Zeit visitiren, und alle Be- 
schwerden gegen dabei angestellte Personen werden 
vor sie gebracht. — II. Bologna und Rom sind Uni^ 
versitäten ersten Ranges, wovon jede wenigstens 38 Pro- 
fessoren , und die liöthigen: Sammlungen für den Untei^- 
rieht besitzen soll. Die andern sind vom zweiten Rang, 
jede mit 17 Professuren , und können nicht alle akademi- 
sche Grade ertheilen. Diese Congregation bestimmt die auf 
jeder zu haltenden Vorlesungen. — III. Die zwei erste- 
ren Uniyersistäten haben einen Präsidenten, der den Ti- 
tel Erzkanzler führt, der der andern heifst Kanzler. 
Der für Rom ist der Cardinal -Kämmerer, der für Bo- 
logna der dortige Erzbischof, der für die andern immer 



Letterati. Darüber und in Beziehung auf Targioni rergl. den 
ersten Theil dieser Reise. 

*) Regolamento degli stndj , da osservarsi in Roma e i|i 
tatto lo stato ecclesiastico in yirtii della bolla di nostro Si- 
gnore Lbomb Papa XII. dei 28. Agosto 1824. Roma 1824. fol. 
Kalendarium Archigymifasii Bononiensis, et horae, qui- 
bus lectiones habehtur, anno scholastioo 1826 — 1827. Bono^ 
niae. '8. 



— 21« — 

der BnUtcbof oder Biidiof des Orte«. IHese Sanskr 
haben ober Ordnung^ und Beobachtung der Regfolamente 
anf ihren Unfrersitaten zu wachen, haben in Universi- 
titasachen die Kriminaljnrladiktion, nnd können, taiit 
dem Yotum des Rektors oder eines bestimmten Justiz?- 
Coliegial* Mitgliedes des Ortes, bis zn ein Jahr Karzer 
erkennen. Bedeniendre Fälle aber kommen Tor das ge- 
wohnliche Forran. Die Kanzler: führen den Vorsitz bei 
Professor -Wahlen, Promotionen nnd Preis -Vertheiinn- 
gen. -— IV. Anfserdem hat jede Uniyersitat einen Bek- 
tor, von der Congregation ans den Consistorial-Advoka* 
ten oder sonst Torgeschlagen nnd vom Pabst bestati- 
get* Er funktionirt für den Präsidenten in dessen Ab^ 
Wesenheit, führt die Spezialaufsicht anf Fieifs nnd Sit- 
ten der Professoren nnd Stüdirenden , ordnet die Stun- 
den des Lektions- Kalenders so, dafs wichtige Collisio- 
neii Termieden werden, prüft die aufsei^ Zulassnngs* 
fSUii^eit der Studenten zur UniTersität, zur Promotion, 
zu Prämien, notirt die Professoren, welche Collegien 
▼ersinmen, oder zu- spat darin erscheinen, und mufs 
für den Fall einer Abwesenheit einen Vice -Rektor er- 
nennen, der ganz in seine Stelle tritt. — V. An jeder 
Dnirersitat sind Tier Fakultäten. Zur theologischen und 
juristischen gehören in Rom und Bologna zwölf Mitglie- 
der, auf den andern nur acht. Diese sind Professoren 
der Universität; in Rom jedoch tret^^n an deren Stelle 
in der Juristen -Fakultät zwölf Glieder aus dem Kolle- 
gium der Konsistorial- Advokaten, in der theologischen 
Fakultät aber der Padre Maestro des Pallastes, wel- 
eher bleibender Dekan ist, der Monsignor Sagrista, der 



— 21T — 

Commissarius S. Officii , die Patres Procuratores Gene- 
rales der Dominikaner, Konventualen , Au^^ustiner, Kar- 
meliter und Servi , zu welchen die Professoren der hei- 
ligen Schrift, der Theologie und der Kirchengeschichte 
an der Universität kommen. Die medizinische Fakultät 
im heiden Haupt-Universitäten hat zwölf Aerzte und sechs 
Chirurgen, zu welchen hei Berathungeil üher Gegen- 
stände ihres Faches noch die Professoren der Veterinär- 
kunde und Pharmazie kommen. An den Neben-Universi- 
täten sind nur sechs Aerzte , zwei Chirurgen und in be- 
sondern 'Fällen der Professor der Pharmazie. Die philo* 
sophische Fakultät hat auf den gröfseren Hochschulen 
zwölf, auf den kleineren sechs Mitglieder. Jede Fakul- 
tät hat den Dekan zum Präsidenten, und jedes Mitglied 
mufs Doktor und tadelfrei von Sitten seyn. Der Pabst 
ernennt durch die Studiencongregation die Jllitglieder 
dieser Kollegien^, diese entwerfen sich ihre Statuten und 
legen sie derselben zur Genehmigung vor. Hauptge- 
schäft der Kollegien ist , die Examen zu leiten , über 
die Wahl der Professoren zu votiren, Grade zu erthei- 
len , und auf Anfragen der Kongregation Gutachten zu er- 
theilen, oder letztrer selbst Vorschläge zu Verbesserungen 
zu maqhen. — VI. Die Wahl der Professoren geschieht 
durch einen Concursus auf folgende Art : der Konkurs 
wird einen Monat lang ausgeschrieben. Die Konkurrenten 
müssen Doktoren in der Fakultät seyn. Die Professo- 
ren der Fakultät schreiben jeder mehre Fragen, das zu 
besetzende Lehr&di betrejSend , auf, daraus wählt der 
Kanzler etwa dreifsig aus, die Konkurrenten werden in 
der Bibliothek eingeschlossen, deren* Bücher sie benu- 



_ 218 — 

tzen dürfen, und beantworten nun binnen sechs Standen 
eine Fragte , die durchs Loos aus den übrig^en gezogen 
worden, und zwar alles in Beiseyn des Rektors und 
zweier Mitglieder der Fakultät Die Arbeiten werden 
unterschrieben , in eine versiegelte Kasse geworfen , Ton 
der Fakultät nachher in einer, oder nach neuer Versie- 
gelung in zwei Sitzungen begutachtet, den Konkurrenten 
ein Tag zum mündlichen Examen bestimmt , dann über 
ihre Wahl tou der Fakultät, dem Kanzler und Rektor 
in geheimer Sitzung berathen, wo das jüngste Mitglied 
die erste Stimme hat , und endlich — mit drei schwar- 
zen und drei weifsen Kugeln tou jedem — gekugelt. 
Bei dieser Berathung haben in Rom und Bologna noch 
drei Kousistorial- Advokaten oder Magistratsmitglieder 
ebenfalls Stimme. Nur zu Besetzung gewisser theologi- 
schen Professuren in Rom hat je ein Ordensgeneral das 
Recht , dem Erzkanzler aus seinem Orden drei Mitglieder 
vorzuschlagen, welche dann von der Fakultät geprüft 
werden , worauf der Erzkanzler , Rektor und das Kolle- 
' gium zur geheimen Abstimmung schreiten. Jeder er- 
wählte FrMessor wird von der Congregation erst bestä- 
tigt. Ist ein Konkurrent durch seine Schriften schon be- 
kannt, so braucht er nicht examinirt zu werden, aber 
die Wahl ist dann dem Pabste vorbehalten. Ohne schwe- 
res Vergehen kann die Congregation selbst keinem Pro- 
fessor seinen Lehrstuhl entziehen. -^ VII. Wird ein 
Professor seine Vorlesungen zu halten gehindert , so 
zeigt er es dem Rektor und dem Substituten an, der 
nun für ihn den Lehrstuhl betritt Jeder Lehrer sott 
sich eines gedruckten ' Compendiums bedienen >:. das er 



— 219 — 

Ton der Congfregation g^enehmigen lafet, oder kann sei- 
nen Kur«us in Diktaten abhandeln, wenn er binnen ge- 
wisser Frist ein Compendium selbst drucken lassen will. 
Auch Zusätze kann er diktiren. Alle bedienen sich beim 
Vortrage der lateinischen Sprache, mit Ansna|Hne der 
Lehrer der naturhistorischen und mathematischen Fä- 
cher, und in einigen Fällen bei medizinischen Gegen- 
ständen. Eine halbe Stunde ist jedesmal zum Yortrag, 
die übrige Zeit zur Conrersation über das Vorgetragene, 
der Samstag zu Arbeiten über das in der Woche Vorge- 
kommene bestimmt. Ueber die Aufmerksamkeit der Stu- 
denten werden Register geführt. — VIII. In jeder Fa- 
kultät ist ein Piofessor substitutus oder supernumera- 
rius, bei den Juristen sind deren zwei. Wenn irgend 
ein Professor der Fakultät seine Vorlesung zu halten ge- 
hindert ist, mufs dieser augenblicklich für ihn funktio- 
niren. Die Substitute haben Ansprüche auf die nächste, 
in ihrer Fakultät vakant werdende Stelle, müssen jedoch 
mit im Konkurse erscheinen. Vorher bekommen sie 
keine Besoldung, sondern nur eine Gratifikation, wenn 
sie über 20 Lektionen geben mufsten. — IX. Der Bi- 
bliothek steht ein Bibliothekar Tor, der anwesend seyn 
mufs , so lange sie offen ist, das heifst das Jahr hindurch 
(^Sonn- und Festtage ausgenommen^ vier Stunden des 
Morgens, und so lange die Vorlesungen währen, %Y^ 
Stunden des Nachmittags. Kein Buch wird ausgeliehen. 
Wer lesen will, schreibt den Titel des gewünschten 
Werkes in ein aufliegendes Journal mit seinem Namen 
ein, bekömmt es, und gibt es vor dem Weggehen wie- 
der zurück. Verbotene Bücher werden nur auf Vorzei« 



gamg betoBdrcr EriaabBÜncliciiie renbrndsL — IL 
We Yonteher der Obseiratorien soUen tiig:lic|ie Beobach- 
tiiiig;eB maehen, mit answirtigpen lleiliii^ korrespondiren, 
vnd die Direktoren der natarhiBtorischeii Sammliiiigeii 
•ie Tiermal in der Woehe oifiien, und dort selbst znge- 
gegen seyn. Der botuiiscbe GirCner wird rom Rektor 
ernannt, nnd ist rom Professor der Botanik in adlen Ar- 
beiten abhangig. Die Pedellen ernennt der Rektor eben- 
£üls, nnd sie haben anf Ordnung nnd Rnhe in nnd anfser 
den akademischen Anstalten zu wachen. — XL In 
Rom ist der Rektor Verwalter d» Einknnfte der Uni- 
Tersitit , in anderen Städten erwählt der Magistrat den- 
selben , nnd die Kongregation bestitigt ihn. Im Anfang 
des Jahres entwirft der Magistrat das Budget, der 
Kanzler modifizirt oder bestätigt es; Zahlungen für un- 
TOfgesehene Bedürfnisse finden nur mit Grenelmiigung 
des Kanzlers Statt; im September wird die Rechnung 
gestellt, welche Tom Magistrat und Kanzler und end- 
lich Ton der Kongregation zu kontrolliren und zu geneh- 
migen ist — XII. Die Bischöfe haben zu achten, ob 
in ihren Diozösen die nöthigen Schulen vorhanden sind, 
nöthlgen Falls die Gemeinde zu deren Einrichtung anzn- 
halten, sie von Zeit zu Zeit zu yisitiren, die Lehrer dazu 
nach einer Konkursprüfung vor der Gemeinde durch Bai« 
lotage von deren Vorstehern wählen zu lassen und zu 
bestätigen. — Xlll. Die Meldung und Aufnahme der 
Studenten findet jedes Jahr von Neuem Statt durch Ein^ 
schreiben des Namens, Alters u. s. w. in ein Buch auf 
der Kanzlei vom 5. bis 10. November, nach Vorlage gu- 
te^ Sitten- und Studien -Zeugnisse, und wenn sich 



— 221 — 

einer zum ersten Male meldet, nach vorging bestände- 
nem Examen in Log;ik, Metaphysik, Ethik, reiner 
Mathematik und Latinität, oder nach Vorzeigung eines 
Diploms über einen aiiderwarlts bereits erhaltenen akade* 
mischen Grad. Sodann erhält er das Aufnahme-Zeugnifisi, 
auf dessen Rückseite jeder Lehrer, dessen Vorlesungen 
er besucht, drei Male im Schuljahre, periodisch den 
fleifsigen Besuch und die Aufmerksamkeit zu testiren 
hat. -^ XIV. Hospitiren ist yerboten. Kleine Verge- 
hen werden Tom Rektor nach Befinden bestraft, gro- 
fsre (_». Art XVI if.^ von dem Kauzler, Rektor und den 
Konsistorialräthen oder drei Dekanen andrer Fakultäten 
selbst mit Relegation von allen römischen Universitäten, 
was an den Thüreii der Universität bekannt gemacht 
wird. Redouten dürfen von Studenten nicht besucht 
werden. — XVI. Ueber den Besuch der Messe, die 
Religionsübungen und religiöse Feierlichkeiten gibt eine 
besondre lange Vorschrift ausführliche Konde. Zu An* 
fang jeden Universitätsjahres müssen alle Professoren in 
der Kirche vor dem Kanzler ihr Glaubensbekfenntnifs 
ablegen. 'In der Universitätskirche wird täglich „per 
comodo degli Studenti^^ eine Messe gelesen. Das nach- 
lässige Böslichen der Kirche wird in den Testimonien 
gerügt, gibt zu Strafen und selbst zur Relegation Ver- 
anlassung, wenn keine Hoffnung zur Besserung ist — 

XVII. Es gibt drei akademische Grade :^das Baccalau- 

« 

reat, die Licenz und die Laurea. Niemand kann einen 
späteren erlangen, ehe er den früheren hat. Die Laurea 
in der Medizin können nur die zwei Hauptuniversitäten 
ertheilen , die übrigen Laureae alle. Die Ertheilung der 



\ . — ' 



S entoi finde gesdiieht nadli dem UrtlieSe dreier^ 
TOD dem Beliar emaimteD FaknltiUs- Mitglieder. Den 
erstell Grad erlangt man durch genligendesExam«! nber 
alle im ersten Stadienjahre Torschriftmäfsig besuchte Vor- 
lesungen; den zweiten durch ein solches nachdem zweitea 
und dritten Jahre ; den dritten durch ein Examen über alle 
m einer Fakultät gehörige Lehrgegenstande, und die 
Laurea ist. gemeine , Lohn-, od^ Ehren -Laurea. Beide 
letzteren werden nur nach Torhergegangenem Examen und 
Konkurs zugleich ertheflt Zur gültigen Ertheilung des 
dritten Grades ist erforderlich: Gegenwart des Kanzlers 
oder Rektors und andrer sechs Fakultatsmifglieder beim 
Examen. Wer durchfällt, kann sich nach sechs Mona- 
ten nochmals melden , öfter aber nicht. Dieser dritte 
Grad wenigstens kann nicht ohne feierliche Handlung 
übertragen werden , womit die Eidesabnahme verbunden 
ist. Zu mehreren Anstellungen in Rom , wozu der Be- 
sitz der Laurea Bedingnifs ist, mufs diese noth wendig 
in Rom oder Bologna erlangt worden seyn. — XYUL 
Der Studienplan ist in allen Fakultäten der grofseren 
UniTersitaten vierjährig , für Chirurgen dreijährig. Ihn 
müssen alle regelmäfslg absolvirt haben, welche nach 
der Laurea streben. Er stimmt im Wesentlichen mit je* 
nem von Genua und Parma uberein, und wird hier defs- 
halb übergangen. — XIX. Die „Laurea ad honorem und 
ad proeminm^^Vird auf folgende Art erworben : Die erste 
erhalten jährlich auf jeder Universität (^nur die Medizi- 
ner müssen defshalb nach Rom oder Bologna kommen^ 
diejenigen zwei der darum konkurrirenden Studenten, 
welche das Baccalaureat und die Licentia bereits erlangt, 



— 223 — ^ 

im Laufe des letzten Jahres absoMrt , tadelfreie Zeag;«- 
nisse des Betragens , Fleifses in Kirche und Kollegien 
Ton den Professoren eihalten , in einem besondern Ver- 
bal -Examen von fiinf vom Rektor ernannten Kollegial- 
mitgliedern oder Professoren über die Hälfte der Stlm* 
men für Zulassung zum Konkurse erhalten^ und in dem, 
Tier Wochen vorher angekündigten , .Konkurse selbst die 
zwei besten schriftlichen Arbeiten geliefert haben. Diö 
laurea ad proemium erhalten jene zwei Studenten, wel- 
che den ersteren im Konkurse am nächsten kommen. 
Für diesen Konkurs werden wenigstens fünfzig Aufga- 
ben auf eben so viele Zettel geschrieben^ durch einan- 
der geworfen , davon eine herausgezogen , und von den 
Kompetenten bei verschlossener Thüre ohne Bücher und 
andere Hülfsmittel in einer lateinischen Dissertation bear- 
beitet. Wer die Laurea ad bonorum erhält, ist frei 
von allen Promotionsgebühren zu dieser Würde, und 
bekömmt auch wieder zurückerstattet, was er far das 
Baccalaureat und der Licentia schon bezahlt hat. Auf 
letztre haben der Erwerber der Laurea ad proemium oder 
die von andern Universitäten nach Rom und Bologna 
gekommenen Erwerber der Laurea ad honorem keinen 
Anspruch. Die Laureati ad honorem haben ferner bei 
allen Konkursen und Kompetenz -Fällen, caeteris pari- 
bus, den Vorzug. — XX. Die gemeine Laurea wird 
nach vorgängigem mündlichen Examen und sechsstündig 
schriftlicher Beantwortung einer aus hundert aufge- 
geschriebenen Themen herausgezognen Aufgabe (^ohne 
Bücher -Mittel), wenn wenigstens die ^älfte der Fakul- 
tätsglieder dafür stimmt , aufeer absolvirenden Studenten 



— 2M — 

andi Staattdieneni und selbgt sokhen ertbeBt, die sich 
■fdit uutm&aiea können, den akademischen Kursus ih- 
rer Zeit ^anz Tollendet zu haben, so ferne eine Staate- 
anstellnn^ , ein übernommenes Ehren-Amt n. s. w. ihnen 
solche notbi^ macht Wer einen früheren Grad, das Bac- 
caianreat oder die Ucentia, noch nicht hat, kann ilm an- 
g;ieich mit eriialten, und bezahlt lur alle drei die ge- 
setzlichen Gebühren, die er zurückerhält, falls er durch- 
&Uen sollte ^). — XXI. Wer als Arzt praktiziren 
will , mufs nach Erlan^ng tfer Laurea , wie vorhin unter 
den Gesetzen und unter Au&icht stehend, noch 2 Jahre 
lang die medizinische oder chlrorg^che Klinik der Uni- 
Tersitat besucht haben, seinen Fleiis alle Viertel- 
jahre Ton dem dort ang^estellten Professor sich attesti- 
ren lassen, und diese, so wie jene über fleifsig^en Be- 
such der Kirche dem Rector vorlegten, welcher ihn nun. 
zum praktischen Examen an das KoUe^um (^Fakultät^ 
rerwelfst , welches nach glücklich bestandenem Examen 
endlich die Erlaubnifs zu praktiziren ausstellt. — Sol- 
che klinische Anstalten sind jedoch nur in Rom und 
Bologna zu diesem Besuche vorhanden, für Aerzte in 
Rom nämlich das Erzspital del Santo Spirito in Sassia, 
für Chirurgen das di San Giaeomo degli Incurabili **^; 
in Bologna ist für beide das Magdalenen -Spital be- 
stimmt. .Die Klinika bleiben das Jahr hindurch geöffnet; 
ein Professor, ein Subsitut, Tier ununterbrochen wechsel- 
weise wachende Studenten, zwei Krankenwärter besorgen 



*) Dann werden die Examinanden in Rom wohl besser be- 
stehen, als jene in* Pisa! — 

**) Und darin sollen sie kuriren lernen ! ! Nun wer einem 
so gebildeten Arzt in die Hände föllt 



_ 226 — 

die ^Geschäfte im medizinischen Spitaie. Dort dnd 
nämlich Behufi) des Küniknms nur zwei Säle a^ewiosen^ 
dner mit zwölf Betten für Männer, einer mit sechs Bet* 
ten für Franen. Für die chirurgische KL'nik haben die 
Professoren das Recht die besten Kranken ans alien Spi* 
tälern der Stadt auszulesen. Die Kliniken liefern Stücke, 
zu pathologischen Präparaten brauchbar, an das ana- 
tomische Theater zur Aufstellung» -^ XXIL Pharma* 
zeuten hören binnen zwei Jalu'eii Chemie und Botanik, 
Materia medlca und Pharmazie, bewerben sich um die 
2 ersten medizinischen Grade, lassen sich examiniren, 
und. bekommen die Erlaubnifs zu praktiziren. — XXIII. 
Die Kosten für den ersten akademischen Grad sind zdm^ 
für den zweiten zehn, für den dritten Tierzig Scudi 
(^CouTentionsthaler^, für alle drei zusammen CO; für die 
Laurea der Chirurgie nach der der Medizin zahlt man 
die Hälfte. Söhne armer Aeltern , Verwandte und Ge- 
hülfen [reicher] Konsistorial-Adrokaten, Biutsyerwandte 
des ersten und zweiten Grades der Professoren der Fa- 
kultät zahlen nichts dafür» — - XXIV. Für die jährlichen 
Examen, Tor Schlufs des Kurses, fafst jeder Professor 
seinen Gegenstand in 15 Fragen zusammen, aus diesen 
ziehet der Kanzler eine heraus, und läfst sie von den 
Studenten unter Aufsicht binnen Tier Stunden ohne Bü** 
eher beantworten, prüft sie mit dem Rektor und drei 
ernannten Professoren, und erkennt den zwei besten der- 
selben eine Prämie zu. — XXV. Das UniFersitätsjahr 
währt Tom 5. Nov. bis zum 27. Juni, oder auf denNeben- 

UniTersitäten zum 20. Juli. Ferientage sind während des 

* 

Kurses , wie bei andern UniTersitäten. In Rom soll eine 

Bronn, Refite IL ^^ 



ToDkommne VeleriBindiiile eniditet werden. Lehrer 
der UniiHPWtiten , weldie durch ihre Sdiiifien der An- 
stalt ¥Ibre msches , sollen Primien hekonunen. Kener 
sber kann auf dem Titel eines Bochs sieh KoUegjalgüed 
oder Professor nennen, wenn nicht der Bektor es Tor- 
her schriftlich erlaubt hat. 

Zu Bologna insbesondre waren lur "das Jahr 18S6 — • 
1827 folgende Vorsteher und Beamte «ng;estellt: als 
Erzkanzler der ErzbischoiTQmzzoiii , als Rektor der Dr. 
Mdiameuä; als Rathsprofessoren: Ananosi, Osri, Tox- 
■ASiBTi *% Casinbuj , IScHiASsi; ids Prorektor Chieeigi. 
In der Theologen -Fakultät erklaren von 8 Uhr an tig^- 
lieh in den 5. aufeinander folgenden Stunden ^^^3' Prof. 
Mnixiin die heilige Schsift (^ nach Yeith); Ahbkosi die 
dogmatische Theologie (^nach daix' Oca's Institut. theoL) ; 
MoHTBTEiiTi die Moraltheologie (nach Vonr th. m. ); 
QuATTBfvi die dogmatische Theologie (nach eben zu dru- 
ckendem eignem Lehrbuch) ; Stephan Vizzardblu die Kir- 
ehengeschlchte (nach Ghatüson); Lucchesini „die hei- 
lte Beredsamkeit^^ (^nach BvoANZA, Zelt unbestimmt). — 
— In der Juristen - Fakultät haben Vortrage zu halten 
(wobei zuweilen zwei zur gleichen Stunde^ Vasconi 
über Institutionen des kanonischen Rechts ( nach Detoti^; 
über Institutionen des öffentlichen Kirchenrechts (yacat) ; 



*) ToMMASiNi ist seitdem nebst einem seiner Kollegen we- 
gen Freimaurerei entlassen worden. 

**) Es ist zu erinnern, dafs fost jeder an seinem angege- 
benen Thema zwei bis Tier Jahre liefst. Damit aber jedes 
Jabr das Studium begonnen werden könne, sollten mehre Fä- 
cher 2 — 3ftich besetzt seyn ; doch enthält fast keine Fakul- 
tät die oben festgesetzte Anaahl Professoren. 



— 22> — 

Su^TAifi Über den Tett des CiTÜrechts (nach Hkinnkc« 
cius ad pandectas]) ; Bajgtti über Natar - und Völker- 
Recht (nach Zallingbb) ; Giacohelli über Institutionen 
des Kriminal - Rechtes (nach Rbnazzi^; Gaoliardi Ci- 
vil - Iftstitutianen (nach Heinikeccius elementa jur. civ.) ; 
OsTi über den Text des kanonischen Rechts (nach ^al*^ 
i.iNGBR^; Yaleriani über oeconomia publica (^Staats - 
Ökonomie? — oder National -Oekoaomie? — nach «i- 
^enem Lehrbuche}; Venturoli über den Text desCivil- 
rechts (^nach Voet). — — In der mediadnisch-chirur- 
^chen Fakultät erklaren: Sasttagata: Chemie (nach 
eignem , theils schon gedrucktem Lehrbuch ) ; Gualanbi 
politische und Legal - Medizin ( nach Tortosa med« fo* 
reus.} ; Gozzi Pathologie , allgemeine Therapie , Materia 
medica (nach eignem zu druckendem Lehrbuch ) ; Me- 
Bici Physiologie , ebenso; Bertoloni '*'3 Botanik, eben- 
so; ToHMAsiNi theoretisch -praktische Medizin, ebenso; 



.*) Der thätige BrnTOLONi, der die Sudwestseite der Apen- 
ninen durch häufige Exkunionen kennen zu lernen bemülf t ge- 
wesen , ist Verfasser mehrer Schriften. Sein Handbuch der 
Botanik ist kürzlich wirklich erschienen. Im J. 1819 gab er 
Amoenitates Italicae in 4^ heraus ; enthaltend : 1. Observationes 
botanicae, 2. Pugiilus stirpium lunensium, 3. Rariomm Ita- 
liac plantarum decades, 4. Plantae genuenses, 5. Iter ad ur- 
bem Rayennam, 6. SpecimcnZoophytorumPortnsLunae (Spez- 
zia), 7. Appendix , 8. Historia fucorum maris Ligustici, 9. Flora 
Alpium Apuanarum. Es sind meistens Abdrücke aus den Opu- 
scoli scientifici dl Bologna. Jetzt arbeitet er an einer Synop- 
sis oder einem Prodromjis Florae italicae, wozu er seit 34 Jah- 
ren Material gesammelt. Iii der That, Tersichert man mir, 
sey sein Herbarium das reichhaltigste, zumal mit Rücksicht 
auf die Lokalitäten , unter allen der Italienischen Botaniker- 
Der erste Theil .jener Flora sollte in Kürze vollendet seyn. 



Cou praktitche Pbarmtzie, nach ej^em fer tl gc in Lehr* 
buche ; Tbbmabiuii theoretische Chirurgie und Gebnrts- 
hiilfe (^naeh eignen fertigen Lehrbüchern^ ; RooAn all- 
gemeine Pathologie und S^niotik (^nach denmacliat so 
dmckenden Heften^; AiiBsaANiiUBii vergleichende Anato* 
Bue und Veterinarkunde (^nach Pozzi Zoojatria^; Mos- 
»m (2mal täglich} Anatomie des Menschen (nach Cai.« 
B4Ki);^ ToHMAsna medizinische Klinik; Vbntueou chi* 
mrgische Klinik; der Torletzte hat den Pr. Covbui,, der 
letzte den Pr. Cayaba, und die ganze Faknltat den Pr. 
Babilli zu Substituten. — — In der philosophischen 
Fakultät wird vorgetragen: Logik und Metaphysik Toa 
Taouatiki (^nach Institutiones philosophicae ad usnm 
JBTentutis Lugdunensis?) ; höhere Mathematik Ton Ma- 
euvBiiii (nach Bbunacci); Ethik touCollita (nachDBA* 
BBvni); Mechanik und Hydraulik von Masbtti (nach 
Vjbrtdbou) Physik Ton Obiou (^nach eignen noch zu 
druckenden Heften} ; Algebra und Geometrie tou Casi- 
HELU (nach eignen gedruckten Heften und nach Lbobn-* 
obb} ; Einleitung zum Calcnl Ton Lapi (^nach Lottbei} ; 
Mineralogie und Zoologie von Ranzani ( erstre nach Ca- 
TULLO, letztre nach eignen theils schon gedruckten Hef- 
ten '*') ; Landwirthschaft Ton Conri (nach Re und Thabr !); 

*) Der gelehrte und tbätige Abt Ranzahi, Tor einigen Jah- 
ren Relttor der UniTenitat , hat in Bologna TicUeicht unter 
allen Profestoren die besten Sprachkenntniise und die schönste 
Bibliothek, worin man riele ganz neue Französische, Englische 
und Deutsche Werke findet. Er fuhrt eine starke Korrespon- 
denz , und seine zahlreichen Schrif]ten haben im gelehrten Pn- 
^bliknm Terdiente Anerkennung gefunden. Ich erwähne nur sei- 
nes Systems der Cirrhipeden , und seiner Elementi di Zoologia, 
wovon Band L die Introduzione , 11 — IV. die Mammiferen, 



— 229 — 

Optik und Astronomie von Catukboli (nachSANTna); Grie^ 
chische und Orientatische Sprachen voii Jos. Mezzofanti 
(^nach zu druckenden Heften); Archäologe Ton Schiassi 
(nachVERMiOLioLi); Beredtsamkeit und Poesie von Grtlu- 
Rossi {nachBLAiR^. Bibliothekar ist Jos. Mezzofanti , Vice* 
Bibliothekar Bbunl Als Doktoren und Mitglieder der 
Terschiedenen Fakultäten , doch ohne Angabe von Vor- 
lesungen, werden noch genannt, bei den Theologen: 
Kanonikus Jos. TERmANiivi, Kanonikus Carl ManzolutIi 
Kanonikus Franz Marhoccmi, Barbetti, Kanonikus Ba* 
Biifi , Prior Mandini ; bei den Juristen : Graf Saliha» 
Jos. Mezzofanti, Vmc. Gavazzi, Caj. Satini, Grilli- 
Rossi, Vioc. Berni, Carl Vizzardblli; bei den Medizi- 
nern Fantini, Vsratti, Conti, Giorgi, Zerri, Pisto- 
BiNi, bei den Philosophen : Vionabalferro , Camil. Gal- 
VANi; Jos. Venturou, Marian. Mbbxci; bei den Philo* 
logen, welche gegen obiges Reglement als besondre Fa- 
kultät aufgeführt werden : Marchese Angelelli, Bruni^ 
Graf Marchetti , Kanonikus Tartaolia , Marchese Amo- 
RiNi-BoLOONiNi, Stan. Tomba ; Graf Pepoli, UniFersi- 
täts - Rektor Minabelli, R. Bajbtti und Marchese Zappl 
Mit diesen würde freilich die oben festgesetzte Zahl 
der Mitglieder jeder Fakultät überroll , aber entweder 
ist ihr Rang überhaupt nur titular, oder wahrscheinU- 



V— Xm. die Ornithologie enthalt. Die Expetologie sollte 
1826 schon erscheinen, die Erwartung bedeutender Amphibien- 
sendungen aus Amerika hat sie jedoch yerspatet. "Während der 
Sommerferien 1827 gedachte er eine philosophische Kritik der 
bestehenden Mineralsysteme zu schreiben, einige Begea 
stark. 



eher dnd es Emeriti, welche andern noch den Platz ver- 
sperren ♦). — 

Die natnrhistorischen M nseen haben unter Ranzami's 
Direktion eine grofse Reichhalti^eit sich erworben , so 
dais nur ein geringer , etwa der dritte Theil derselben» 
im bisherigen Lokale aufgestellt werden konnte, daher, 
für dieselben ein nenes geräumigeres hergerichtet werden 
soll. Dann sollen mit der Menge vorrathiger Mine- 
ralien unter andern die oryctognostischen Systeme von 
Haut, von Mobs und Ton Bbizkuus ganz belegt und 
aufgestellt werden. 

Schliefslich **y wäre unter den gelehrten Anstalten 
Italiens noch der Bergwerksschule zu Moutiers in Sa- 
vayen zu gedenken, deren erster Vorsteher Hassbnfkatz 
gewesen seyn soll. Ich kann aber genaure Angaben dar^ 
über nicht beifugen, als dafs sie noch besteht und viele 
Eleven zahlt***). 

So rühmlich manche der bisher aufgezählten Gelehr- 
ten Italienischer Universitäten auch bekannt sind, so 
läfst sich doch im Aligemeinen ein Gegensatz in ihnen und 



*) Auch lebt in Bologna noch der Greis JlkfounA, welcher 
kürzlich seine Abhandlungen aus den Opuscoli scientifici ge- 
sammelt mid abdrucken lassen. * 

**) lieber Neapel ist im ersten Bande Manches erwähnt worden. 

***) In den Jahren. 1829— 1830 sandte die Sardinische Re^ 
gierung einen sehr unterrichteten und thätigen Ingenieur, Herrn 
M OTTA nach Heidelberg , seine in Turin begonnenen mineralogi- 
schen Studien in ihrer ganzen Ausdehnung dort zu Tollenden, 
dann einige Reisen in Deutschland zu machen^ um sofort bei 
seiner Rückkehr den mineralogischen Lehrstuhl zu Moutiera zu 
übemehm'en. 



— 231 — 

den Deutschen in Ansehung des Fleifses nicht verken- 
neu. Es ist wahr, dafs die Regierungen und der Zustand 
des dortigen Buchhandels ihnen ganz erstaunliche Hinder- 
nisse in den Weg legen, wenn sie mit der auswärtigen 
Literatur sich befcannt zu machen streben, oder ihre 
eignen Werke dem Publikum zu übergeben wünschen "*"). 
Gleichwohl aber, welche Yortheile geniefsen diese Gelehr- 
ten gegen alle des übrigen Europas» Ihr Amt nimmt sie 
in der Regel nur über den andern Tag 1 «— 1 ^ Stunden, 
oder höchstens täglich 1 Stunde in Anspruch. Ihre Hefte 
sind lebenslängUch ohne Verbesserung brauchbar , weil 
sie nicht zu furchten haben , dafs ein andrer ihre Schü- 
1er auf die unerwähnt gebliebenen neuern Entdeckun- 
gen, Ansichten u. dergl. aufmerksam mache. Kein Euro- 
päisches Land bietet die Menge alter Manuscripte, durch 
deren Benutzung sie sidi berühmt und Terdient machen 
kökmen, seye es auch nur^, indem sie dadurch die Zahl 
der Varianten in den Lesarten vergröfsern; kein Euro- 
paisches Land bietet die Menge von Antiquitäten zur 
Erläuterung klassischer Literatur und Geschichte, welche 
zu studiren die Gelehrte» aller Nationen nach Italien 
wallen ; keines , in welchem die Wissenschaften bis jetzt 
eine ruhige Wiege gefunden, bietet die Menge und 



*) Der gelehrte Rüsconi in PaTfa hatte im Jahre 182S 
ein lange bearbeitetes Werk' in Französischer Sppache über die 
Metamorphosen der Frösche mit ganz herrlichen Abbildfingen 
fast bis zu Ende drucken lassen, als die Verordnung erschieß, 
dafs im Königreich Italien , ohne spezielle Erlaubiiifs , kein 
Werk in auslan^cher Sprache gedruckt werden d^rfe. Er 
kam um diese Erlaubnifs ein , aber noch im Sommer 1827 
wartete er yergeblich darauf. 



^ 232 — 

MaB^faltigkeift ¥oh Natnreneiigiijtgeii, iwd eine so 
frobe Ansahl Ton ganz anbekannfen oder weni^ be- 
kannten Arten darunter ,. weabalb icb nur auf die Menge 
der noeh fans neuen Entdeckung^en von Seethiereti eines 
Riaso in Ntsaa, auf die Entdeckungen eines Sati in 
Pisa mich mi berufen nöthig habe. Aber es ist eine, 
anzählige Maie erprobte Wahrheit, dafs der Mensch 
nni so arbeitsamer wird , je mehr er zur Arbeit ange- 
halten und damit überladen ist. Er thut dann mehr, 
als er soll, während jener, weif her nur wenig au lel* 
sten Terbunden ist , in der Regel auch dieses Wenige 
nur halb thut. Glückliche Ausnahmen gibt es allerdings 
auch da« Dazu kömmt die. Unzweckmäfsigkeit der 
Zwangsmafsregeln, deren ^ch die Regierungen bedienen, 
um die Jugend zum Studiren anzuhalten, der Fesseln, in 
welche jede freie Thätigkeit auf den Universitäten ge- 
schlagen wird, die Unterdrückung alles Wetteifers der 
Dozenten. Dazu kömmt hauptsächlich noch der Neid, 
womit jeder denjenigen andern ansieht, der beginnt 
durch seine Arbeiten sich einigen Namen zu erwer- 
ben. Man hat den Deutschen oft Torgeworfen , dafs sie 
die besten Erzeugnisse Deutscher Gelehrten darum über- 
sdien, weil sie eben nur ron einen Innländer herstam'^ 
men; aber der Italiener geht weiter: er feindet sie an, 
er schmähet und Terkleinert ^ie. Der Grund davon 
Hegt allerdings nur im Gefühle der eignen Schwaige 
und Kleinheit , die ganz zu nichts herabsinken könnte, 
im Maafse die Bedeutung eines Ni^chbars sich rergrö- 
fsert und erhebt; und diese Schwäche begegnet man 
denn auch um so weniger, je mehr ein Gelehrter das 



233 — 



Bewafstseyn eigner Leistungen zu hegen yennag. Es 
ist mir oft widerlich gewesen, wenn ich so allerwarts 
und iiberall, wo ich irgend einer Terdienstlichem Schrift 
eines Italienischen Landsmannes Erwähnung that, mit 
Schadenfreude augenblicklich deren Fehler und Mängel 
von Leuten aufdecken hören mufste , die selbst nie et- 
was Bessres geliefert hatten. Soll der Italiener die Ver- 
dienste seiner LanMeute anerkennen, so müssen diese 
entweder schon einen unentreifsbaren Europäischen Ruf 
besitzen , oder , besser noch , schon wenigstens hundert 
Jahre todt sejn , sie müssen nicht mehr gleichzeitig ne- 
ben ihm stehen, um durch ihr Licht seine Blöfse desto 
kahler zu zeigen. Nur dann vermag er sich in Lobeserhe- 
bungen über sie zu ergiefsen, sich in Bewunderung hJui- 
reifsen zu lassen , und eine grofse Genugthuung , für sich 
selbst zu finden, wenn er es wagen darf, sie als bisher 
unerreichte Muster und Vorbilder zu schildern. Das gilt 
aber von niemand mehr, als von den Dichtern, die Ita- 
liens Ruhm sind. Darüber im folgenden Abschnitte. , 



XVI. 

Buchhandel und Lese -Anstalten 



fVenn der Buchhandel in Italien sich in einem inrk- 
lieh bekla^engwerthen Znstande findet, so liegt der Grund 
davon theils in der Unbesorgtheit der Italienischen Ge- 
lehrten um auslandische Sprachen und Literatur, die 
Französische denn etwa ausgenommen, wie sie auch aus 
Französischen Zeitschriften die Nachrichten über die lite- 
rarischen Productionen andrer Völker schöpfen!, theib 
in den Beschwerden , welche hohe Zölle und allzuSngst- 
liche Zensur -Grundsatze der Regierungen dem Einbrin- 
gen solcher Erzeugnisse entgegensetzen; theils in der 
schlechten Einrichtung des Buchhandels, wovon die Schuld 
grofsenthefls an den Buchhändlern selbst liegt, aber 
wohl auch mit am Italienischen literarischen Publikum,, 
das so wenige Bedürfnisse hägt , und die von den Buch« 
händlern etwa angewandte Mühe nicht belohnt Dar- 
über habe ich schon mehrfache Erfahrungen, insbeson- 
dre von Neapel aus, angeführt *). Die Einrichtung des 
Sortiments -Buchhandels ist von der in Deutschland ganz- 



*) Erster Band S.480 u. «. w. 



V 

— 886 — . 

/ 

lieh abweichend. Die Bücher haben keine festen Ter- 
kaufspreise , und/ keine allgemeine Convention hat die 
wechselaeitig^en Rechte und Pflichten der Handlungen 
geregelt. Jeder Buchhändler mufs über den Preis und 
die Art und Termine der Bezahlung eines zu kaufenden 
Buches mit der Verlags -Handlung erst überein kommen, 
oder es besteht allenfalls eine Convention zwischen je 
zweien Buchhändlern insbesondere , wonach sie sich bei 
wechselseitigen Bestellungen richten. Diese Einkäufe 
besorgen sie daher durch briefliche Uebereinkunft, oder 
durch Reisende, letztres zumal in Ansehung ältrer Bü- 
cher. Denn wohl jeder Buchhändler ist zugleich Anti- 
quar, nur in einem verschiedenen Grade. Daher ist es 
erklärlich, warum manche Bücher aus Italien gar nicht 
zu haben sind , wenn sie nämlich von Buchhändlern ver- 
legt worden, welche mit jenen, an die man sich gewen- 
det, in keinem mitielbaren oder unmittelbaren Verbände 
stehen; und warum dazu so viele Zeit erforderlich, wenn 
letztre erst die mittelbaren Wege einschlagen, und ein-^ 
zelne Bücher gelegentlich kommen lassen müssen , oder 
gar erst gelegentlich einmal durch einen Reisenden an- 
kaufen lassen. Von wissenschaftlichen Werken ist es 
höchst selten, in einem anderen Buchladen, als dem 
des Verlegers etwas vorräthig zu finden , und schon sehr 
viele Buchhändler nehmen der^eichen überhaupt nicht 
in Verlag. So sind die Schriften eines GJ^LTusai, Al- 
BBovANDi , BuNCHi , SoLBANi iu vielcu Handlungen selbst 
dem Namen nach unbekannt, und wenn man die Schrif- 
ten untersucht , welche die Wände ihrer Magazine über- 
kleiden, so sind es Tasso» Dante, Dante, und noch 



— 2S6 — 

fiiofsigiiial Dantk, — Ariosto, Alfibri, Mbtastsasio, in 
allen ihren verschiedetten Auflagen Tom gröfsten Oktav 
bis zum kleinsten Sedez, mit und ohne Kommentaren, 
ohne und mit Kupfer; fünfz%mal sieht man dabei Ci^ 
cero, Ovidius, VirgtUus, Tacitus, Livius, mehre ,^torie 
della letteratnra italiana^^, einige französische „ Abr^g^s d'hi- 
stoire^S einige „Cours de litterature'^, einige Sanimlungen 
von „Manuels de Charpentier, de Tailleur, de Chasseur'^; 
dann eine gute Anzahl Ton Grammatiken, Wörterbü«» 
ehern , Reisebüchern , einige philosophische AUiandlun- 
gen ; seltener schon in Uniyersitäts " Städten die verscfaie-* 
denen Lehrbücher, weil die Studenten diese einander 
wechselweise verkaufen, nachdem einer seinen Kursus 
beendigt hat. Nicht einmal ein Andenken an den Lehrer 
wollen sie behalten. Daher erwarte man in der Regel bei 
e&iem Arzte, Justizbeamten u. s. w. nur keine beträchtliche 
Bibliothek , oder Tielmehr man erwarte wenigstens keine 
medizinische , juristische Bibliothek. Sein Büehervorratii 
ist Tielmehr derselben Art , wie jener obenerwähnte der 
Buchhändler. So sah ich bei einem Botaniker , welcher 
übrigens ausnahmsweise eine Bibliothek besafs, worin 
kaum eines der seltensten altem oder neuern botankchen 
Werke Italiens fehlte , unter den übrigen Büchern zer- 
streut , mindestens sechs Ausgaben von DAiyre aus Ter« 
schiedner Zeit und in verschiedenem Formate. 

Zu den iftssem Buehhandlnngen g^ören wohl zwei- 
felsohne: MfiiNBRs (Corsia del duomo) und Petbr Gm- 
ouiR *) (^Corsia de' SerTi),zn Mailand ^ Nisrai zu Pka, 



*> I«t seitdem gestorben. 



— 28» — 

die Fbatblu Giachbtti zu Prato bei Florenz , welche 
wach im Besitz Tortrefilicher Druckereien seyn solieo. 

Gröfere Städte haben gewöhnlich eine Lese -Anstalt^ 
wo viele Italienische und einigfe.Französische, sehr selten 
Deutsche Zeitschriften gehalten werden. Die Anzahl der 
Italienischen Zeitschriften ist in der That überraschend* 
Es gab eine Zeit, wo in jeder Italienischen Stadt eine 
g^elehrte Gesellschaft sich bildete, welche irgend einen 
besondern Titel, als Akademie der Arcadier, Aka- 
demie der Narren u. dergl. annahm. Davon sind die 
meisten , so wie die von ihnen herausgegebenen Schrift 
ten wieder eingegangen. Einige davon haben sich er- 
halten, und andre, von Privatpersonen redigirt, sind 
hinzugekommen. Der Inhalt dieser Schriften ist sehr 
selten praktisch ^wissenschaftlich, sondern der Art, wie 
die oben angegebenen Bächervorräthe der Buchhandlun- 
gen. Auch hier ist kein Heft, worin nicht ein neues 
Gedicht produzirt, ein Kommentar aber irgend eine 
Stelle eines Römischen oder Italienischen Dichters gelie- 
fert , eine Abhandlung über Musik vorgetragen , histori- 
sche Anmerkungen über irgend ein Gemälde von Raf- 
FACL odei: Parmigiano beigebracht , irgend ein dramati- 
sches Kunstwerk gerühmt^ oder Canova ins Gedächtnifs 
zurückgerufen würde« Es dürfte wohl interessiren, d|e 
Einrichtung der Lese -Anstalt in Florenz, als der voll- 
kommensten ihrer Art in Italien, näher kennen zu lernen. 

Diese Journal* Leseanstalt ist von Herrn Yibussbux, 
einem Schweitzer, in einem der belebtesten Theile der 
Stadt, nahe am Arno errichtet. Man abonnirt sich 
Jahr^, oder Monat- oder Wochen -weise, oder zahlt für 



die SitKnng^ je nach der Stundenzahl, die man darüber 
Terbracht hat, in welchem letzteren Falle die Lectnre 
allerding;» sehr hoch kömmt . Die Jonmale liefen in 
mehrern Zimmern anf ; die Italienischen von den ans- 
ländiachen, Franzosischen, Englischen und Deutschen se- 
panrt (^einige Deutsche Zeitungen halt man in denjeni- 
gen Kaffeehäusern zu Mailand, Florenz u. s. w., welche 
von den Deutschen Kaufleuten am meisten besucht werden, 
neben den Pensions suisses^. Ich begnüge mich, diejenlg^en 
Italienischen anzuführen, welche dort taglich aufgelegt und 
deren frühere Jahrgäng^e ein^bnnden zu finden sind. 

1. ,La biblioteca Italiana. 

2. CoNFiGLiAccHi c BruGNATBLLi giomalc di fisica etc. 

3. Enrico Brambilla e 6iot. Batt. Capkuj : Epheme * 

ridi astronomiche di Milanq per Fanno 182T; cal- 
colate da Milano 1826. 8. (ein voraus be- 
rechneter astronomischer Almanach). 

4. Annali universali di Tecnologia, di Agri- 

coltura , di Economia rurale e dopiestica , di Arti e 
di Mestieri. Milano. 8. (^seit JuU 1826 monatlich 
ein Heft, drei Hefte auf einen Band. — Meist Ue* 
bersetzuDgen^. 

5. Giornale critica di medicina analitica, 

composto da una Societä di medici Italiaui e com> 
pilato dal Dott. Giot. Strahbio. Milano. 8. (seit 
Jänner 1826 monatlich ein Heft mit fortlaufenden 
Nummern, je drei Hefte einen Band bildend). 
5. Annali universal! di medicina, compilati dal 
Sign. Dott. ANNiB..OjitoDGi. Milano. 8. (^monatlich 
1 Heft von 12 Bogen , drei Hefte auf einen Band). 



— 289 — 

7. 6. Ricci, 6. Barotero, 6. L. Cantü Repertorio 

di medicina, di chirurg^a, di chimica medico- 
*fariiiaceutica. (Seit Jäoner 1826 hat die zweite Reihe 
begonnen, und erscheint monatlich ein Heft von 
mindest drei Bogen, mit fortlaufenden Nummern be- 
zeichnet; der Jahrgang kostet 12 Liren}. 

8. TAmico d'Italia, imsGellanea morale, di lettere, 

scienze ed arti. 8. ( seit 1822 jährlich 12 Hefte in 
2 Bänd^ *' 

9. II Propagatore, ossia raccolta periodica delle 

cose appartenenti ai progressi dell' indüstria, spe- 
cialmente dell' Agricultura, della Veterinaria e le 
arti. Serie seconda, tom. I. Torino 1827. 8. ( mo- 
natlich ein Heft). 

10. 11 nuoTO Propagatore (?) 

11. Giornale Ligustico di scienze, lettere ed 
arti. GenoTa 8. (Seit 1827. Das zweite Heft er- 
schien im März ). 

12. Mercurio delle scienze mediche. Livorno 
8. (Seit 1824 jährlich 12 Hefte in 2 Bänden). 

1&. ViBussBüx Antologia (seit 1821 jährlich 12 
Hefte in 4 Bänden^ 8. jedes Heft 10—12 Bogen 
stark. Diese Zeitschrift hat folgende Rubriken: 
Moral, Politik, Statistik, Reisen, Literatur?, Phi- 
losophie, schöne Künste, Archäologie, Naturwissen- 
schaften , Mathematik, Astronomie, Gesellschaften, 
meteorologische Beobachtungen von Florenz , Biblio- 
graphie; sie enthält Originalaufsätze und Auszüge, 
und ist mehr zur Belehrung des gebildeten Publikums 
und der Dilettanten, als der Gelehrten von Fach). 



ty 



— MO — 

14. RAVTAeLB Ljuaftuacmn, Lapo m Ricci, Cosno Hh 
BOLn: Giornftle a^rsrio Toscmno, compilato 
da (seit 1827 jihrlkh 12 Hefte). 

15. Opnscoli dellm Societik medico-chirnr- 
^ica d! Bologna. Bolo^a 8. Der 4te Band, 
neuntes Heft , erschien im Mai 1827. 

Id. Giornale arcadico dl scienze, lettere 
ed arti. Roma 8. (seit 1810 jahrlieh 12 Hefte in 
vier Bänden, so dafs das JahV ld|P^ mit Band 
XXXIII , Heft 07 begann). 
17. Giornale di scienze, lettere ed arti 
, per la Sicilia. Palermo 8. (seit 1822 jahrUch 
12 Hefte /in 4 Bänden. Der Jahrgangs 1827 be- 
gann daher mit Band XVII. Dieses Jonrnai enthalt 
die meteorologischen Beobachtungen Ton Palermo). 
Dagegen wunderte ich mich, einige sehr gnte Jonr* 
nale hier nicht zu sehen , wie z« B. das 
Giornale de' Lettera tL Pisa (bei Nistai) 8. (Es 
erscheint seit 1822 in 2monatlichen Heften. Heft«^ 
weise durph die Post bezogen, kostet es bis zur 
Grenze 21 , in ganzen Jahrgängen aber 18 Lires. 
Leider enthält es manche allzulange Auszüge aus 
andern Schriften. Im letzten Heft befand sich ei- 
ner Ton Gärtnee's Abhandlung über die Befruch- 
tung der Gewächse). Auch das Journal 
Tbatri, Arti e Letteratura ^Bologna 8.) fandich 

nicht. Es erscheint wöchentlich bogenweise« 
Giornale suUe scienze e lettere delle pro- 
vincie Yenete, seit vielen Jahren erscheinend 
(Nr. 00. ist vom Jahre 1^8) fehlte ebenfalls^ 



— 241 — , 

Dieses indessen sind noch nicht alle wissenschaftlichen 
Zeltscliriften Italiens. In Neapel erscheint ^eit einigten 
Jahren noch der ^^Osservatore medico,*^ ein 
„Giornale medico Napolitano,^^ welches erst 
neulich begonnen hatte, und der ),Esculapio>^' wo* 
von 1827 schon 8 Bande erschienen waren; in Turin 
,>Raoazzoni's Repertorio delF Ag^ricoltura pratfca^' etc. 

Aufserdem erscheint eine sehr grofse Anzahl politischer 
Zeitungen^ welche freilich wenig Politik enthalten, und 
der Censur wegen ärmlich ausgestattet sind, die aber 
gleichwohl immer ihr Publikum ünden, weil so viele Ita- 
liener das Bedürfnifs haben, eine Unterhaltung für die 
Zeit ihres müfsigen Aufenthalts auf dem KaiFeehause zn 
soeben. Diese Blätter nehmen dann wohl auch gele- 
gentlich literarische Aufsätze, Auszüge und Recensfonen 
auf; \7ie z. B. die Gazetta di Milano (fol.), der 
Nu ovo Osservatore Veneziano (foL) u. a. m. 



Bronn, B^iae IL 16 



XVIL 



Besuch der Heilquelleiu 



AU' onihi MdBlif en 
Le eure memim affida; 
Ecco Mn' io la Najadc^ 
Che le goTema e 



j:%;ei€h, wie Flora mit bnntstrahlenden Blüthen, so hat 
Hyfeia mit Heilquellen Italiens Schoosg^eaeg^net, und so 
sind dem fippigen Lande auch jene glücklichen Gaben zu 
Theil geworden, die nicht nothwendige Begleiter des 
sudlichen Erdkreises sind. Aber mehr als die jetzigen 
haben Italiens Urbewohner deren Kräfte geri&hmt, und 
sich deren Umgebungen zu freundlich -heimischen Wohn- 
orten eingerichtet; und noch weit mehr als in praktischer, 
bleibt in wissenschaftlicher Hinsicht Tielies in Ansehung 
ihrer zu wünschen übrig. Pibtbo Paoanini hat zwar im 
Jahre 1827 eine ToUstandige Aufzählung der italieni- 
schen Mineralquellen Tersudit '^'^i er hat ihre äufsem 



^) , Jf otizia compendiata di tatte le acqae minerali e bagni 
d* Italia, con ricerche anaUtiche snlla loro natura e milla me- 



— 243 — 

Verhältnisse ^ ihre phydsdhen Eigenschaften , ihre che- 
mische Zusammensetzung und ihre therapeutische An- 
wendung nach ^n vorhandenen Materialien nachgewie- 
sen , und seinerachrift ein Verzeichnifs der sehr zahl- 
reichen literarischen Erscheinungen über die einzelnen 
Quellen beigefugt. Und in derselben Zeit hat Hofratfa . 
KisFEiuiTBiN eine Eintheilung und Aufzählung '*'), wie der 
andern , so auch der Italienischen warmen und Mineral- 
Quellen mitgetheiit. Aber in der ersten dieser Arbeiten 
Termifst der Arzt neuere Analysen^ indem die rai%e- 
iheilten gröfstentheils aus- einer Zeit herstammen, wo 
das chemische Wissen noch weit unter seinem jetzigen 
Standpunkte befindlich war, wefshalb auch manche die- ^ 
ser altern Ergebnisse durch neuere Untersuchungen gänz- 
lich widerlegt worden ; auch bedauert derselbe hier nur 
die qualitativen, und selbst bei den bessern neüern Ana- 
lysen keine quiantitatlTen Angaben der Bestandtheile der 
Quellen zu finden. Bei der zweiten jeiier Arbeiten geht 
der Mineraloge fast leer aus , wenn er Nachweisurigeii 
zu finden hoift über die Natur des Bodens, welchem jene 
Wasser entquellen ; und die Theorie der Mineralquellen 
darf noch zur Zeit nicht helfen, grofse Beweisschätze 



dieinale loro appltcazione , del Dottore Pietbo Paoanini, R. 
PrbfesBore di clinica balneafia, 80 pp. — (Diese Schrift ist spä- 
ter in einigen medizinischen Zeitschriften Deutschlands über- 
setzt und ausgezogen worden). 

*) €h. Kbvbrs'Tbin : Zeitung für Geognosi^s Geologie und 
innere Naturgeschichte der Erde. Weimar 8. ; lY. Stück 1827. 
S.15 — 19. (Heifse Quellen), 56-^58. (Sauerquellen); VI. 
Stück 1828. S. 11—12. (Schwefelquellen), S. 21. 22. 24. 26. 
(venchiedene andre Mineralquellen). 



— 841 — 

«US diefiem , an und 'für sich dann reidien , Lande zu 
beziehen. ^ x 

S« ist meine Absicht denn nnr, eAs knrze Deber- 
sicfat der Verbreitung der MineralqueHen in Italien mit-^ 
zntheilen, diejenigen nan^aft zu machen ^ welche zn 
Badern dienen , nnd dann hauptsächlich einige Blicke auf 
/ den Besuch und die Einrichtung dieser Bäder zu werfen, 
und die Sitte des Italieners gegen die des Deutschen hiebe! 
zu beobaditen. Einige Nachweisungen über die Natur 
des Bodens, dem die Quellen entfliefsen, so weit mir 
solche bekannt, mögen den Beschlnfs machen. 

Veltelin. 

Beginnen wir mit der Italienischen Schweitz so fin- 
den wir im Veltelin ( VaUe TelUnß^ die Quellen von 
Mastno bei Sondriö und von Bormio ^ deren Wasser 
etwas salzig und stechend von Geschmack und kälter 
als die Atmosphäre ist. Einige Kohlensäuren, Hydrothion- 
gas, freies Natron?, salzsaure Kalk- und Talk -Erde, 
und Eisen sollen ihre Bestandtheile seyn.v Einige Wohn- 
häuser nehmen diejenigen auf, welche die Bade- oder 
Trink - Kur gebrauchen wollen. Colletta beim Corner- 
See hat etwas wärmeres Wasser , welches bei übrigens 
gleichen Bestandtheilen noch etwas Eisen enthält. 

Lomhardisch* Veneti'anisches Königreiche 

Durchgehet man dasselbe, von seiner östlichen Grenze 
unfangend, längs dem südlichen Fufse der Alpen, so 
findet man zuerst in der Provinz Padava , einige Stun- 
den südlich von dieser Stadt, eine reiche Gruppe von 
Quellen in der Nahe des Fleckens Abano, welcher 



— 245 — 

schon onter den Römischen Kaisern zn grober Berühmt- 
heit g^lanirt war. Das Wasser Ton Abano ist stechend, 
bitter -salzi§^, enthält salzsanre Natron -, Kallc* und Alaun« 
erde «Salze nebst freiem Hydrothion^^as^ Jenes von delia 
Vergme, und von Monte Ortone weicht wenig davon 
ab. Das Wasser wird rein oder in Sdilammbädem ver- 
wendet. Mehr davon verschieden sind die Quellen von 
Battaglia oder San( Elena ^ von San Bartolomeo, von 
Caeanuova und San Pietro Montagnene ; doch ist der 
erstre Ort am besuchtesten. Auch Mndegrotto IBndet 
vielen Beifidl, zwischen welchem Orte und d^ JElugä* 
neen eine unglaubliche Menge von Mineralwassern her^ 
vorkommt Ceneda ist wenig bekannt Die meisten 
Quellen haben eine hohe Temperatur von 24 — 8<F 
R.; einige wenige jedoch besitzen keine eigenthümliche 
Wirme. 

Mne andre, mehr zerstreute Gruppe findet sich In 
der Provinz Ftcef22a, worunter ^eeooro, nördlich von der 
Strafse nach Venedig am bekanntesten ist. Die Quellen 
enthalten freie Kohlensäure, Gyps und Bittersalz , etwas 
Eisenoxyd , setzen einen ockrigen Niederschlag ab , und 
ihre Temperatur ist unter der der Atmosphäre. Sie die-^ 
nen meist zum Trinken. Das Wasser von Falle diStaro 
enthalt Glaubersalz statt Gyps und viel Kiesel. Andre 
Quellen kommen im Barbarano und Albetone vor. Jene 
von CweUina soll aufser Gyps, Bittersalz und Kiesel 

das meiste Eisen unter allen Italienischien Quellen im 

• 

Zustande eines Deuto - und Protosulphates enthalten ; 
es ist stiptisch und kälter als die Luft 



— 246 — 

In der Provinz ^Ferona^ wenige Miglien von der 
Stadt gegen Picenza^ sind die alten Bäder Ton Caldiero. 
Das Wasser bat 21^ R., und etwas Salzgeschmack. Es 
besitzt Schwefelwasserstoffgas, salzsaare Kalk-, Talk* 
und Natron -Salze, Gjps und Glaubersalz, Kiesdi, Alaun- 
erde und Eisen. In der Nähe aiud noeh Lame und Re* 
verä di Veh , mit ähnlichen Bestandtheilen. 

Im Bergamenschen sind alte Bade^Anstalten zu 2Ve- 
acore^ zu gemeinen und Schlamm -Bädern. Freie Koh- 
lensäure und Hjdrothiongas , Kochsalz und Kalk sind die 
Bestandtheile der kalten Quellen. Die Quelle von San 
PeUegrmo enthält Kohlensäure, Kalk und Glaubersahr, 
und steht in Ruf; jene Ton Val d^ Imaga soll aufser« 
dem noch Hydrodiongas enthalten. 

Das Hersogthum Parma 
hat nur zwei bekannte Mineral -Quellen, nämlich zu Le-f 
99gnano und Tabbiano, beide 9—15 Miglien Ton der 
Hauptstadt in den Apfsnninen gelegen. Ihre Tempertitur 
ist unter der der Luft. Hydrothiongas, Kohlensäure, 
Gyps, Salzsäure Kalk- und Talk -Salze und Kalk wer- 
den als Bestandtheile, und theilweise als Ursache des 
Schwefelleber- Geruches angegeben. Sie dienen haupt- 
sächlich zum Baden. 

Das Herzogthum Modena ist reicher. 

Die kalte Quelle Marsaale della Bißcia enthält Salz- 
säure Talkerde und kohlensaure Salze. 

Die warme Quelle Ton Pieve enthält unter vielen Sal-r 
^en auch Eisen und hat 24^ R. 

Die warme Qu^ie Turräa di JFbrfqgnano , der Biti 
terling von Santa Chiara , die Salzquelle von Monte Zi-r 



— 24» — 

Mo ( Bitumen -reteh), die Quelle Ton Monte SeagUa und 
die SalzTQuelie von Querstolo in den Afennmen mit 
Schlammbädern sind meist in neuerer Zeit nicht unter- 
sucht, und scheinen, mit Ausnahme etwa der letztem, 
kaum in Gebraudi zu sejn« 

Königreich Sardinien. 

Wir wollen uns zuerst. an die Alpen gegen dIeSchweitz 
«nd in SaToyen halten; dann dnich Fiemont den Weg 
nach Nist%a und Gemüt Tersuchen. 

Gleich beim Eintritt ?on den Alpen her findet man in 
der Nähe der Si»it/i/!tMi-Strarse und in der des Logo mag- 
giore die künstlichen Bäder von OleggiOj ein Institut Pa- 
«AmBn's, vorzüglich begünstigt durch die schöne Lage und 
die Reinheit .der Luft, welche den meisten natürlichen 
Badern Oberitaliens mangelt. — In der Provinz Ossola 
liegt, ebenfalls nicht weit von der iSm/iion-Strafse, Craoeg- 
giä im Fegeszo -Thale mit 2 Quellen, deren Temperatur 
HZ 22® und 16® R. ist. Schwefelsaures und ess^aures 
Natron , schwefelsaurer und kohlensaurer Kalk und Bi- 
rnen sind die Hauptbestandtheile. Nur durch den Ge- 
ruch verräth sich etwas Schwefelwasserstoff- Gas*)» 

^ In Savqjen ist. eine Gruppe von Mineral-Quellen in 
der Nähe ded Montblano und des fclemen St. Serhhardy 
auf einer Fläche von 6 Bfiglien im Quadrate um Cer- 
mayeur. Die alte Quelle Jeanne Baptiste ist verschüttet 
worden. Man gebraucht jetzt die Quellen la Victoire 
und la MarguMte, welche in ihren Wirkungen ähnlich, 



*) Ragakeohi im Giomale dl Fisical827. X. S. 106—112, 
nach TAvammir. 



«MkiltarttotfeLtft,4Mhaiiidertfelelstes,iM. Vbn 
BcstandOcfle «od Erd-Sibe in YcrMnAng itft Emtm. 
La 8as9 cntwidlLdt viel SdiwefelwiasentDlT-Gw, uid 
gm Ia der Nihe eitten sdiwmneii Schwefel-liall^en Nie- 
denchlflg^. Ihre Temperatiir =10®R., wenn die der 
UA = 16« R. ift INe <{BeUe Prhs SL Didier htt 27» 
B., esthilt Kddeasiare, nach deren YerdüMtwi^ ne 
eine citenocia%-i»lk%e Brdfinde an den GcfiUeen ab-- 
•etat Audi in DoUane sind Badehinaer eiageriehtot 
Die feannde Lnft nnd die MancbftlftglLeit in der Zm- 
aanunenaeCzaqg dieacr l}aeMen gibt üinen einen graiaen 
Vorsag Ter andern. — Eine Quelle an St* Vinoetd ia 
Heraogtfanra Aonla enthilt dieaeüienBeatandtlieile wie Im 
Fietoire in noch grofarer Menge. Leider indeaacn er- 
legen die Reanltate der Torliandenen Analyaoi Ton dieaen 
Qndlen nodi nidit viel Yertranen in ilire Bicht^keit -^ 
JUS in Sacoyen iat eingerichtet anf den Rainen der alten 
Äquam Chratianae^ nnd beaitxt euie angenelune L^;e in 
einem Tlialkeaael am Baurgel-See. INe awd QneUeti 
haben 25« nnd 32« R., freie Kohlensinre, HjdrotUon- 
gas, koblenaanre Kalk-, Talk- nnd Biaen-Salae, aaia- 
aaure Kalk-, Natran - nnd Talk-Sabe, sdiwefebanre 
Kalk-, Talk- und Natron -Salae nebat Extractivatoir. 
Doch aind auch hier die Analysen aehr abweichend von 
einander *). 

In der Proylni Turin entquillt dem Gebiete von 
Castagneto eine Quelle bei der alten Kirche San €rene- 
giö, welche bei einer Temperatur von 9 — 11^ R. koh^ 



Italien«. YerhaniU. d. veremigt äntLGesellMb- d.Schwelti 1829. 1. 



I 



r^ 



— 249 — 

lensaui^ und SchwefelwasserstoflMjras^ kolileiiBaiii^sNa* 
troa and Kalk, Kochsale » Glanbersabi Kieseler^ und 
Erdverbindung^en enthält. — In einer andern Richtung 
liegen in geringer Entfernung von einander die drei Quel- 
len Ton Castigliöney Rwalia und Santa Fede bei Ca- 
vagnoU>. Sie enthalten Schwefel und Salze. 

In ^txfvoyka Alesaandria^ unfern £», köibnit'eine 
Quelle aus einem Sand *- und Kalkhügel herror, Tun 10^-^ 
21^ R., mit einer ähnlichen Zusammensetzung wie obige, 
einen schwärzlichen, gelbwerdenden Niedersatz hiati 
«end. Eben «o zwei andre Quellen bei San Sahaddi 

Sie Proiinz Voghera ist tlie reichste unter alle& 
Brei Quellen entspringen auf dem aus Thon und Kalk 
-bestehenden Berge Caüg^delleFkmtane hei Metarhido^ welr , 
«he nur 10 — 13° R. haben, undSchwefelwasserstoff-Gai^ 
kohlensaure und ^saksaure Salze , etwas Gjps und Bitu- 
m^l^rhalten. Tiefer in den Apenninen liegen die , Ton 
mancherlei Kranken besuchten Quellen von Camaratte^ 
yHOkGarUazolo di sötte, Losanna und Port* Alhera. Eine 
andre liegt bei Bobbio. Näher gegen Baviq entspringet 
die 2 Quell«! von Nava%%a und Mwadolo. Zu Brom 
ist die eisenhaltige Salz - Quelle deüa MoUa , zu Mk>a 
Nazzano die Salz-* Quelle Saäce. Alle sind kalt, reich 
n Alkali- und Ehrd- Salzen» zuweilen mit freier Kohlen- 
säure. Nur zu Santa GiuUettä ist eine warme Mineral- 
Quelle. 

Wenige Quellen der Art enthält die Provinz Acqui. 
Die von Crogniardo ist kalt, enthält freie Kohlensäure, 
kohlensaure Kalk- und Talk -Erde, Gyps und Eisen, 
und hinterfiifst einen sehr Eisenocker - oder Vitriol -rei- 



säiire, sakMure Natron-, Talk- und Kalk-^Salse, koh^ 
lenttture Kalk -und Talk -Erde, Glaubersalz, Gyps, Bit- 
tersalz , Thonerde und Kieselerde. — Doch auch diese 
Bade -Anstalten leiden durch die Nähe von Lucea, Ae- 
qua. St* Agnano, Bagno liegen in der Nähe von Püa, 
sind aber nicht mehr benutzte > ivarme Quellen. 

Jfo;2^era^mi8cheint ebenfalls ein sehr besuchter Ba- 
deort in Toskana. Man kennt daselbst acht Mineral- 

• 

quellen , wovon vier zu den Badeanstalten : Leopoldina, 
Bagno regio , Bagno Mediceo und Bagno del Tettuc^ 
cid verwendet, der PoxzettOj die Aciduta, die Sor- 
gente Calda und das Bagno della Regina nicht, oder 
nur erst kürzlich benutzt au seyn scheinen. Das Was- 
set von Tettuccio wird zum Trinken weit verführt. Ihre 
Temperatur ist 18 — 29^ R. und sie entwickeln sehr 
viel Kohlensäure. Kochsalz , kohlensaure und Kalk- und 
Talk-Erde , salzsaure Talk-Erde , Gyps , Thon und Kie- 
sel sollen darin vorkommen. 

Zu San Cassiano an der Toskanischen Grenze ent- 
springen reiche warme Quellen in einer sehr gesunden 
Landschaft. Die Quelle del Boasolo dient zum Trinken, 
die von Santa Lucia wird gegen Aug^krankheiten em- 
pfohlen; die Quelle della Ficoncella, die Docda della 
testa^ der Portico - grande dienen zu Bädern, welche 
zweckmäfsig und schön eingerichtet sind, und waren 
schon zur Römer-Zeit bekannt. Ihre Temperatur ist 30 
— 36^ R. Sie entlialten kohlensaures und Schwefelwas- 
serstoff- Gas, hydrochlorsauren und kohlensauren Kalk, 
kohlensaure oder schwefelsaure Bittererde. 



— »st — 

Chianeiano ixti Sgenesidchenl besüst eine. Schwefel« 
Quelle y reich an Bitumen und Extraktirstoff , mit Bfsen 
und Tielen Salzen. 

Chäignan del Rio hat eine Salzquelle mit freiem 
kohlensaurem und Schwefelwasserstoff- Gas. Die warme 
Quelle Santa Agneae del Bagno hat Wasser von aO<> R. 
mit ähnlicher Zusammensetzung; die kalte Quelle del 
SerragUo besitzt vielerlei Salze. 

Zu San Qutricif Vignone sind zwei QtieUen ahnli- 
cher Art, eine warme und eine kalte. 

Die warme Quelle zu Montaleeto hat ähnliche Be* 
schaffenheit^ wie jene andre. 

Die Quelle von Ptllo und zwei von Bifonka unfern 
Florenz sind kafte Quellen. 

Die von Santa Maria in bagno ist warm und enthalt 
Kohlensäure. 

Die Quellen della Eoaetta unfern Grosseto besitzen 
290 iL 

Die Quelle di PetroUo hat freie Säuren, nebst Salzen. 

Die warme QueUe von Monte rotondo ist reich an 
Schwefelwasserstoff- Gas und an Boraxeräure, kcrhlen- 
saurem Eisen und Bitumen. 

Die von Monte CerhoU ist kochend heifs, enthält 
Schwefelwasserstoff- Gas , Gyps, Glaubersalz und EHsen. 

Die warme Quelle Po%zo del Paiccio bei Laieri be- 
sitzt etwas Schwefel und Eäsen« 

In der Gegend von Volterra in den Maremmen sind 
viele Mineralquellen , und einige davon zu Bädern einge- 
tichtet."^ Ihrem Aufkommen steht dai^ ungesunde Klima 
entgegen. San Micheh deile Formiche hat Wasser von 



n^ VL WÜL kolüeiiMiireii Kalk- und Talk-Salseii, Olaii- 
benab, Besel, Eben, Extraktivstoff und 8chwefielwa»> 
aentoff-6aa. Auch Coutelletto, Saaso u. b* w» Hegt in 
der Nahe. 

Auch SU Monthfw bei Arevzo in der Nahe des Kir- 
chenataatea entspringen mehre Mineralquellen, mit freier 
Kohlensaure, Eisen und-Terschiedenen Salzen« 

Fabsoni nennt als Bestandtheüe: Freie Kohlensaure, 
Kochsalz, doppelt kohlensaures Natron, kohlensaure 
Kalk-, Talk- und Eisen-Salze, etwas organische Mate- 
rie und Kiesel. Die Quelle scheint aus tertiären Gebirga- 
Bfldungen zu entspringen ^> 

Aufserdem werden im Toskanischen noch angefühif 
Chiuuura bei San Mmiäto (heifs^, Sa^Fäippo bei ito* 
dkofani, -Massa di Maremma, 

Auf der Insel Elba ist die Quelle del Rio, welche 
Kochsalz j salzsaure Talkerde, und Elsenoxyd besitzt 
Der Kirchenataat, 

Durchgeht man denselben Ton Bologna an südwärts, 
so findet man 

woiPorretta^ 82 Miglien südwärts von Bologna^ viele 
warme Quellen, welche aus dem Saaso - cardo am Monte 
Porrettano hervorkommen. Die Fönte del Leone oder 
Porretta nuova^ das Bagno del Bue^ die Fhnte deUe 
donzelle^ das Bagno reale und das Bagno del Marie 
oder Bagno aacro sind die wichtigsten darunter. Ihr 
Wasser hat 24— 82<^ R. Kohlensaure« und Schwefel- 



*) A.FixBom in einer besondern Schrift, Florenz 188T, 
187 pp, 8. = Etculapio VIII. 1 39. = Fiin. bolL scieno. 
m^ 18291 Attü 98. 



— 2S5 — 

wtsserptoff-Gas, kohlensaurer Kalk, fleh^rfebanrai 
Natron nn^ Eisen , freies Natron , Eisenoiyd und Bita- 
men werden als deren Bestandtheile^ angegeben. Nicht 
weit von vorigen entfernt sind die Fönte della Pussxola, 
& J^mte della Parretta vecchia u. a. 

Unweit Fßenxa , anf der Strafse nach Smini gele- 
gen, entspringen mehre Mineral -Quellen auf der Seite 
der Apenninen , die Acqua Salsa^ die Quelle & Orüto- 
folro und die Quelle deU Olmatello^ in einem Ulmen walde 
gielegen. Das W&sser hat eine Farbe , wie wdfser Wein, 
der Geruch ist schlammartig und schwefeUg, die Tem* 
peratur ist nicht erhöht Mehre SchwefelTerbindungen, 
Bisen, extractive Materie finden sich mit mehren Sahen 
darin vor. 

Die Quellen Ton Nocera sind wen^ bekannt Sie ent- 
halten Bittererde. 

Gegen die westliche Seeküste hin ist eine grofse An- 
zahl von Mineralquellen ; jene Ton Cioita vecchia sind 
von den bekanntesten und bedeutendsten» Nördlich 
dieser Stadt kennt man unter andern drei warme Quel* 
len« Eine liegt in den alten Thermae Taurinae^ die 
^erra-cavaUi und die della Ficoncella ebenfall» in der 
Nähe. Die wärmste derselben hat 24^R. Die letztgenannte 
enthält salzsaure Natron- und Kaik- Salze , Glaubersalz, 
Gyps und Bittersalz, Kalk, und Kiesel-Eisen. 

Nicht weit davon liegt Tolfa. Eine dortige Quelle 
enthält nach Cabpi '*'), aufser freier Kohlensäure, sab^ 



«) P: Cabvi in.GioniaL arcad. 182& XXXIX, woraot: Revue 
biblTogr. d, 0cienc. nat 1829. 189. 



~ 9M -- 

tavre Natron - und Talkerde-Sahe, ad^wefebture Talk- 
erde , Kalk , Alaunerde , koh^enaaurea Eisen ^^ d Kieael-^ 
Biaen. 

Bei Eam selbst , zwiischen dem Mie aibeno und dem 
Bache Acqua acetosa^ ist eine andre Quelle, welche 
aich in diesen Bach ergiefst, und ihm seine saure Eigen- 
schaft mittheilt Sie setzt starke Kalk-Incmstationeli 
ab, entwickelt fortwährend viele Kohlensäure, und »it« 
hält kohlensaures Natron, salzsaure Natron^, Kalk^ 
und Talk-Salze, schwefelsaures Natron und Talkerde, 
kohlensauren Kalk , Oyps, wenig Eisenoxyd und Kiesel- 
Eisen ^). 

Zu Vüerho sind viele Mineralquellen und Bäder, ter- 
maU Caje genannt, noch aus alter Zeit herstammende 
Der letztem sind neun. Kohlensaures Gas, Schwefel- 
wasserstoff-Gas , Eisen, kohlensaure Kalk- und Talk- 
Erde sind deren Bestandtheile. 

Im Königreiche Neapel ist man so eben von 
Seiten der Akademie beschäftigt , die aalUrdchen Mi* 
neralwasser einer genauen Analyse zu unterwerfen'*''*'^. 
Die wichtigern derselben lassen sich unter folgende ESn- 
tfaeilung bringen. 

A. Aquae aeidulae aimplices, 
1. Die Acqua acetosella zu CaateUa mar^ di 



*) Denelbe a. a. O. 1829. XLI, und daraus IUt. bibl. 
1829. ISa --134. 

**) RoNCHi schrieb „Bemerkungen über die wichtigsten lEi- 
neralwasser des Königreichs Neapel" im „Osservatore me- 
dico 1827 Nro. 18." woselbst er die hier benntste Einthei- 
long ^der dortigen Mineralquellen aufstellt 



&abia, klar, geruchlos, Tiel Kohlensäure und etwas 
Gyps enthaltend. 

2^ Die Acqua del MuHno Salomone am GartgUäno 
(Lina) bei Sujo in der Campania feUcet, So reich 
an Kohlensäure, wie Tielleicht keine andre in der 
Welt , und groSa genug, um mehre Mühlen zu trei- 
ben. Andre Stoffe enthält sie nicht Tiele. Die Be- 
wohner der benachbarten Sümpfe heilen sich durch 
sie Ton häufigen Fiebern und Unterleibsbeschwerde. 

B. Aquae acidulae martiales. 

1 — 3. Die Quellen: Puz%ülo, Rösaa und Spezieria 
zu Castellamare , geruchlos, klar. 

4. Jene zu Neapel, am Meeresufer aus dem tSchio- 
berge (?) entspringend; etwas Jod -haltig. 

5. Die. zu Catafari [detta Tufarai] am Garigliano, 
überladen mit Kohlensäui^e und Tollständig aufgelöfs- 
tem kohlensauren Eisen, sehr klar, geruchlos, ohne 
andre Beimischung^ 

C. Schtvefe Iquellen» 

1 — 4. Jene TOm Ponte delt Oliveto bei Contursi, in 
der Campania felice, jene ün ^it^erof o - Thale , 
von Telese und Acerra. 

5. Jene von Styo in gleicher Gegend^ mit Schwefel- 
wasserstoff überladen, auch Kohlensäure, kohlen- 
saure Kalk - und Bitter-Erde enthaltend. 

6. Die Quelle Santa Lucio zu Neapel, viel Schwefel- 
wasserstoff-Gas und Kohlensäure , auch etwas Eisen 
und Jod enthaltend. 



— 268 — 

D. Salzquellen. 
a. Warme. 

1. Cfurgitello auf Ischias am Epomeo^ seit ältester 
Zeit berühmt, hat 60^ R., enthält kohlensaures Na- 
tron und Bittererde und wenige andre Salze. Auch 
als Schlammbad. 

2. OlmüeUo ebendaselbst , auf der Südseite der Insel 
am Meere hervorkommend , ist minder warm , ent- 
hält viel kohlei^saures Natron und Bittererde und 
etwas Thon. 

3 — 7. Acqua di Citara^ la sorgenie ^ Ischia, t ac- 
qua della Santa Reatüuta , das Bagno delV agUo, 
und Bagno del Cappone^ alle auf Isckia, sind we« 
nig von Gurgitello verschieden , und haben 50'' R* 
und darüber. 

8—9. r Acqua dt NitroÜ und della Ranetta auf 
Isckia weichen wenig von Olmitello ab. 

10. /' Acqua di Castiglione bei Gurgitello ist purga- 
tiv durch einen Gehalt an Glaubersalz und Bitter- 
erde. 

11. Pozzuoli und 

12. der Serapia - Tempel liegen Ischia gegenüber und 
haben Quellen mit demselben Gehalt, wie I9 ^^ 
sind sie etwas schwächer. Die erstre ^^Subvent no- 
mini'' genannt, hat 31 ^ R., die zweite 31 — 
350 R. 

18. Die PiaciarelU am Agnano. Sie entspringen aus 
d^m Abhänge der Solfatara, mit 60« IL Das Was- 
ser ist mcht ganz klar, styptisch mit Schwcfelleber- 



— 259 — 

Geruch, reich an schwefelsauren Salzen, an Alaun- 
erde und Eisen. 

14. Eine Quelle zu Sujo. Sie hat dieselben Bestand- 
' theile , bei 23 — 28° R. innrer Temperatur. 

15 — 16. Hierzu gehört wahrscheinlich auch die Fer- 
rato ' sulfurea und die Sulfurea am Meere zu Nea-- 
pely ^m Eingange des Caatello delV Uovo entsprin- 
gend. Sie haben 15 — 17° R.^ kohlensaures und 
Schwefelwasserstoff- Gas, Kochsalz, unter -kohlen- 
saures Natron und Kalk, nebst Kieselerde, auch 
Eisen. 

b. KaUe. 

1. t Acqua media di Castellamare ^ seit der Römer- 
zeit berühmt, entt|iält kohlensaures Gas, salzsaure 
Kalk- und Toyrde und etwas Kochsalz. 

2. VAcqua del Maraglione ^ wie vorige am Meeresufer 
entspringend und dieselben Bestandtheile besitzend, 
nebst Schwefelwasserstoff-Gas , mit mehr Kochsalz. 

3. tAequa di Trifisico entspringt neben dem Vol- 
turno bei Capua, enthält einige Erdsalze , etwas 
Kohlensäure und Eisen , und ist sehr yeränderlich. 

4. f Ac^ua di Riardo bei Pie di monte nächst dem 
VoÜumo ist geruchlos, reich an Bittersalz mit et- 
was Glaubersalz. 

Aufserdem werden zu PozzuoH noch angeführt die 
acqua della pietra mit 26° R., die acqua dei Caval- 
conti mit 30° tf., die del Cantarello mit 24— 25°R., 
welche in vorstehender Uebersicht nicht klassifizirt sind, 
doch von der bereiti^ erwähnten Quelle von Po%zuoli 



- 8» - ^ 

nicht sehr abweichen sollen. — Mioubtta macht 4 Mi- 
neralquellen am iS^a/»f8- Tempel namhaft, nämlich tait- 
qua delt antro, tacqua della fnacchma, P acqua dd 
Hpposi und taequa media ptUeolana *^. 

Die warme Schwefelquelle von Pisaofalcone enthalt 
noch kohlensaure Kalk -und Talkerde ^ Thonerde und 
Natron. 

Zu Bapolano sind zwei Quellen, welche Kohlensäure, 
kohlensaure Kalk- und Talkerde, salzsaure Talkerde 
und Eisen, die eine noch Glaubersalz, die andre noch 
Schwefelwasserstoff- Gas enthalten sollen. 

Das Bagno delle Calderaje, 5 Mi^lien von Castel- 
letto^ hat 28^ R., Kohlensäure, Schwefelwasserstoff-Gas, 
Eisenoxyd, kohlensauren Kalk , Gjps, Bittererde. Eben 
so die Quelle von Castelletto in uer Gemeinde Cbkardino, 

Die Quelle Armajolo y halbwegs ansehen dieser und 
JRapoIano gelegen, hat 24^ IL mit Kohlensäure, kohlen- 
saure Talkerde, Bittersalz, Glaubersalz, Natron und 
Thonerde. 

Die Quelle beim O bei Salemo im Prmcipato cHe^ 
riöre enthält freie Kohlensäure, kohlensaures Eisen-, 
Kalk -, Talk- und Alaunerde -Salze, Glaubersalz, Bitter- 
salz, Gyps ?. und besitzt IS«" R., bei 24<' R. Luft- 
wärme **). 

Im Abru%zo tUteriöre sind kürzlich zwei Mineralquel- 
len untersucht worden. Jene zu Senna , ehedem unter 



*) MiGUBTTA im GiomaL medic. NapoL I. 1. 115; L n. 286; 
I. in. 436 ; = F^B. bull, scienc. m^ 1829. Attü 94— Sa 

**) M ACBi im GiornaL medic. NapoL lU. m. 262. =: FiCb. 
bulL scienc. m^d. 1829. Ayril 92 — 



dem Namen Ventini mid Vitium bekamlt, enthält zufolge 
der sehr genauen Analyse von CorBLU , Lancblotti und 
SiRACusA doppelt kohlensaure Kalk-, Talk - und Eisen'* 
Salze, salzsaures Natron und Bittererde,. Bittersalz, 
Kiesel und organische Materie. Sie soll jener von Bark- 
ges zunächst stehen *y — Die Schwefel -Quellen von 
JhtrodocOy zwischen der FiUa JFblocrina und den Rui- 
nen Ton Cotüia^ wo Titus und Yespasiajv begraben lie- 
gen , ergiefsen sich, heutzutage nicht mehr als Bäder be- 
nutzt, in den nahen VeUno '^^). 

Auf^ der Insel Sicilien ist eine grofse An- 
zahl Ton Minerfilquellen; aber sie sind wenig in Aufnahme, 
mit Ausnahme jener Ton Termini^ 12 Stunden von Pa- 
lermo , wo die alten Badeansalten im Jahr 1818 unter 
den Auspizien des damaligen Herzogs von Calabrien 
prachtToll restaurirt worden. Im Jahre 1823 ff. erfuhr 
man davon aufserordentliche Wirkungen an den Kran- 
ken der Oestreichischen Armee. Nur 14 unter 200 da- 
hin geschickten Patienten wurden nicht komplet ge- 
heilt ***).. Es ist eine Schwefelquelle. — Ihrer Wir- 
kungen wegen wird von den Einwohnern noch mehr ge- 
rühmt die Sorgente di Sacha in der Nähe des mit Pal- 
men bedeckten Berges deUe Gemme. Eine Hohle auf 
der Höhe des letztern ent^^ickelt fortdauernd so viel 



*) Gbntili im Esculapio HI. i. p. 1. — = F^b. hulL so. 
mf$d. 1829. 477 — 478. 

**) FsTBm in eiaer eigenen Sehrift, Neapel 1829.= Fi«, 
i, c. AtHI 99. 

***) P. PoBTAL im Giorn. medic. NapoL HL m. 256. = Fia^ 
bulL sc mM 1829. AttÜ 98—99. 



Wärme aus ihrer Tiefe, dafs man sie zum trocknen 
oder Schwitz - Bad eingerichtet hat. Catanta , Milo 
n. s. w. , auch Lvpari und Vulcano haben heifse Quellen. 

Die Insel Sar dinien besitzt eine grofse Menge 
einst prachtvoller Badeeinrichtungen, welche jetzt in 
Trümmern liegen. Unter den Mineralquellen sind die 
bekanntesten: die Salzquelle von Sardana bei CagUari 
mit salzsauren Natron- und Erd- Salzen, und 35 — 40^ 
R. — Eben so die Quellen voA Fordingianu^ Villasi- 
dru , Ffumintmajor und S. AntiogOy die nur etwas mehr 
Kohlensäure enthalten. — Die Quellen Benetutti und 
Gargiegne oder S. Martmo auf dem Kap Sassari, die 
Ton Sedini und Otosei sind reidi an Schwefel und Sal- 
zen; die zweite enthält auch etwas Eisen. — In der 
Nurra beim Berge Argentiera sind einige kalte Quellen, 
welche für Alaun -haltig gelten. 

Wie bei uns , dient ein Theil der Bäder den Kranken 
Italiens zur Heilung, ein andrer wird mehr als Erboh- 
lungsort besucht. Aber in Ansehung der Lebensweise 
an letztern ist ein grofser Unterschied zwischen Deutsch- 
land und Italien. So gehören zwar Ahano, Eecoaro, 
Lucca und Ischiß zu den besuchtesten. Die zwei ersten 
jedoch sind ausschliefslich nur Ton Kranken benutart. 
Das anmnthige und gesunde Klima der zwei letztgenann- 
ten Orte bestimmt viele Italienische Familien, die keine 
Landgüter haben, einen Theil des Sommers dort, als auf 
dem Lande ^ zuzubringen, daher man auch nur dort ei- 
nige Bequemlichkeit und Gelegenheit zu Vergnügungen 
findet. Gleichwohl darf man nicht glauben, dafs es 
Orte des Wohllebens und der Schwelgerei seyen , wie 



— 263 — 

80 viele unsrer Deutschen Badeorte , aus welchen man- 
eher krank zurückkehrt, der g^esund dahin gegangen 
war. Keine Bank, kein Hazardspiel gibt Gelegenheit^ die 
mühsame Ersparnifs vieler Jahre in einem Abende zu 
verlieren "^3) ^^^^ ^^ einem Abende die durch lange 
Kuren wieder erlangte Gei^nndheit in Folge psychischer 
Affektion einzubüfsen. Keine entartete Schwester der 
Lais breitet Verderben aus in der Wohnung heilbringen- 
der Najaden. Nicht leicht wird Hygeja's Heiligthum 
entweiht Ruhe, Sorgenfreibeit, einige Abwechselung 
in der Unthätigkeit, eine reinere Luft, eine heitre na- 
türliche Umgebung ist Alles, was der Italiener wünscht* 
Aber auch nicht leicht steigt die Anzahl der jährlich 
eintreffenden Fremden auf mehr denn 400 — 600 Per- 
sonen^ M 

Am wenigsten sind die Schwefelquellen der Vortha- 
1er der Apenninen besucht, und darum entbehrt man 
daselbst aller Bequemlichkeit. Vielleicht aber verhalten 
sich, an mehren Orten wenigstens, Ursache und Wir- 
kung umgekehrt zu einander. Die Heilkraft dieser Quel- 
len äufsert sich hauptsächlich beim Baden# und insbe- 
sondre, wenn sie zu Schlammbädern benutzt werden. 
Ich habe mehre derselben gesehen, doch will ich mich 
beschränken, von meinem Besuch in Tabbiäfio zu erzäh- 
len, da dieser Ort wegen der dort bewirkten Kuren bekannt 
und noch einiger Maafsen mehr besucht ist, als andre 
unter dengenaAnten, — und dann ein kurzes Bild von 
einigen andern Orten zu entwerfen , welche zu den be- 

— '■ — • ■' . ■ 

*) Das Hazardspiel greift wenigstens an den ineiste^ Orten 
nicht s6 sehr um sich, es zieht nur wenige Personen an. 



— 264 — 

fluchteren gehören, oder wo das Baddeben eine cha^ 
rakterialischere Seite darbietet. 

An einem der seltenen Tage des Sommers, wo der 
Himmel gröfsten Theils Ton Wolken bedeckt bleibt , und 
die Sonnenhitze dadurch eiVas ertraglicher wird, be-- 
anehte ich Tahhkmo Ton Parma aus. In leichtem Wa- 
gen gelangte ich auf der Hauptstrafse bis Bargo San 
DmunOy in der Richtung Ton Pmcenza^ hoffend, von 
dort aus den- Weg seitwärts ins Gebirge noch minde- 
stens bis in die Nahe von Tabbiano fortsetzen zu kön^ 
nen. Indessen fmd ich bald, dafs der Weg sehr schmal, 
lehmig und Ton einigen Regengüssen der Torhergegan-!^ 
genen Tage an%eweicht war , so dafs ich mich genothigt 
sah, schon unfern Borgo auszusteigen , ^en Wagen mit 
Hülfe einiger Bauern aus dem Kothe zu ziehen und zu- 
ruckzuschicken. Der Weg Ton Borgo bis Tabhumo 
wird gewöhnlich nur zu Fufs, zu Pferd, oder in zwei- 
rädrigen , einspännigen Fuhrwerken mit sehr schmalem 
Gleise gemacht, und auch da ist es nur bei besserer 
Witterung ttenlich, wo die Wege nicht aufgeweicht sind. 
Ich sah mich gAöthigt , den Weg zu Fufs fortzusetz^i. 
Tabbiano liegt ^ — 2^ Stunden von der Landstnifse 
ab. Kein Wirthshaus ist in diesem öfter sonst einem 
naheliegenden Orte. Es besteht nur ans wenigen an-> 
einandergereiheten Häusern am Fufse eines alten, einem 
PriTatmanne gehörigen, und in sehr unbewohnbarem Zu- 
stande erhaltenen Kastelles auf der Höhe eines Berges. 
Wir mufsten beim Pfarrer des Ortes einkeften, wo, wie 
mau yersicl^erte , wi|r api ejiestep zi| essen finden wüF' 



^ 265 — 

deiw Seine Haushältetiii war krank , und ein AU: ans 
F%ren%ola^ der ihn zu besuchen g^ekommen war, machte 
d€n Koch. Ung^lücklicher Weise war es ein Samstag, 
und folglich in dieser Gegend um so weniger auf Fleisch 
zu hoffen. Wir fanden Afakaroni, Schnecken, Kä- 
se, Eier, Salat, gute Kirschen und einen schlechten 
Wein , was Alles uns mit grofser Bereitwilligkeit darge« 
reicht wurde. Käse esse ich nie, Salat ist in Italien mtr 
iner sehr schlecht und insbesondere wegen des trüben 
Essigs widerlich, die Schnecken wurden eckelhaftund un-^ 
geniefsbar gefunden, also meine Mahlzeit aufMakaroni, 
Eier und Obst beschränkt. Indessen ich wurde für die^-^ 

mal vollkommen satt, hätte jedoch nicht gewünscht, in 

• 

dieser Art fortleben zu müssen. — Fremde, welche 
hieherkommen, die Bäder zu gebrauchen, finden Kost 
nebst einem Bette im Hause des Pfarrers. Im Kastelle 
unterzukommen gelingt nicht allen , indem es besondrer 
Fürsprache oder Bekanntschaft bedarf. Aufserdem ist 
noch ein Landhaus vorhanden, näher bei den Bädern, 
dessen Eigenthümer in Borgo wohnt, und ebenfalls 
Quartiere abläfst. Indessen für beide letztern Wohnun- 
gen mufs man seine Bedienung, für erstre auch, wenn 
ich nicht irre , das Bette mitbringen , und die Küche 
selbst besorgen. Diefs sind denn die Wohnungen , de- 
ren sich wohlhabende Badegäste bedienen kannen. Es 
sind deren jedes Jahr einige hier, aus Bargo, Pcarma^ 
Piacenzß u* s. w. Mehre, welche ganz abgezehrt ge-^ 
Wesen, sollen sich beim Gebrauch der Schlammbäder 
binnen 20-^30 Tagen völlig erholt haben. — Der 
Quellen sind zwei bis drei vorhanden , doch nur die 



— 866 IT- 

stärkste ganz nuten im Thale , ^ Stunde, vom Ort entr 
legen, ist gefafsl Armsdick sprudelt sie aus den blauen 
Schichten der Subapenninen- Formation. Eine ganz 
schlechte steinerne Hütte schliefst sie nebst fünf Bade- 
wannen ein. Der Abflufs geht durch einen offenen Gra* 
ben , dessen man sich nach Gefallen zu Schlammbädern' 
bedienen mag. Das obenerwähnte zugehörige Haus liegt 
noch immer ^ Stunde davon entfernt, was beim schlech- 
ten Zustande der Gebirgswege den Gebrauch des Bades 
sehr mühsam macht Keine Gesellschaft, keine Zer- 
streuung erfreut denKxanken in dieser Oede. KeinSchat- 

• 

iengang erlaubt ihm in Ruhe die freie Luft zu geniefsen. 
Kein kühler Quell labt ihn mit frischem Trunk. Schlecht 
gebaute Felder , einzelne Kastanienbäume, Buschwaldun- 
gen , Berge und durxsh das Wasser steil abgerissene hohQ 
Lehmwände, die dem Naturforscher wenigstens einige 
besondre Arten fossiler Konchylieu darbieten, sind Al- 
les, was sein Auge unter dem Himmel sieht 

Auch um Pisa '^) sind, wie ich erwähnt, aufser den 
Schlammbädern , 1 Stunde etwa von der Stadt gegen das 
Hochgebirge , noch Heil - Bäder mit herrlicher Einrich- 
tung und n^rmornen Badewannen vorhanden. Ehedem 
waren sie sehr stark besucht, jetzt aber stehen sie ziem- 
lich leer, wenn nicht die Pisaner selbst sie gebrauchen, 
seye es , dafs ihre Heilkraft sich nicht hinreichend be- 
währt, oder dafs die Italiener hier den ländlichen Auf- 
enthalt vermissen, den sie bei ihren Bädern verlangen» 
Drückend schwül ist, wegen der nahen Maremmen und 



*) CoccHi und Algabotti haben über die Bäder Ton Pisa 
geschrieben. 



— 261 — 

der geg^en Nordost geschützten Lage, der Sommer, und die 
NVähe der Maremmen scheint ihrem Rufe zu schaden. 

Ein freundlicheres Bild bieten die Bäder von Lucca: 
80 werden sie gewöhnlich genannt, obschon sie von der 
Stadt 6 — 1 Stunden entlegen sind. Mit Entzücken 
spricht der Italiener von diesen schöngelegenen Bädern 
und ilirer schönen Einrichtung. Sie sind für Italien, 
was die Pyrenäenbäder für Frankreich. Montaighb 
und Fallopivs haben sie dem Paradiese Terglichen. Sie 
sind schon seit dem Ende des zwölften Jahrhunderts be- 
kannt. Bis zu Anfange des vierzehnten , wo schon 3 
Bäder hergerichtet waren, war der Zqgang den Fremden 
durch Erbauung mehrer Brücken erleichtert. Auch ein 
Hospital wurde für Arme erbaut. G^ntili bb FoLiowOy 
(^1340), Ugolino da Montecatino (1420), Mattbo 
Bentinblli (^1483), Laurenzio Bertolini (1504), Menoö 
Blanchbllo (]1513), Franciotti (1752) und viele An* 
dre haben von den frühesten Zeiten an über diese Bäder 

geschrieben, und ihren Ruf verbreitet. Aus der 

reitzenden , bergumkränzten Ebene , in deren Mitte das 
regsame Lucca sich ausbreitet, erreicht man bald das 
enge Th|L aus welchem der spiegelklare Serchio her* 
voreilt, in künsth'chen Wässerungen allenthalben die Fel- 
der tränkend. Hoch auf ragen die steilen Kalkberge, 
und nach zurückgelegtem ersten Drittheil des Weges 
treten sie schon so nahe zusammen, dafs kaum noch 
Raum für die eingeengte, oft durch Felsen gebrochene 
Strafse über den Flufse bleibt. Sie ist in so fahrbarem 
Zustande erst neulich hergestellt, und soll über die 
Apenninen gegen Bologna fortgesetzt werden. Der Weg 



— 2«8 — 

ist, dem jprofsten Theil seiner Länge nach, mit Pappel- 
reihen besetirt: der einzige Fall, wo Ich mich solcher 
Fürsorge In Italien erinnere , und gerne denke ich dar- 
um an diesen Weg zurück. Köstlichen Trank spenden 
frische Springquellen znm köstlichen Schatten. Ollyen, 
Kastanien und Elchen breiten sich in lichten Beständen 
über die Abhänge hin, und letztre bieten nicht selten 
dem Wanderer einen freundlich -heimischen Ruheort. 
Lorbeer, M^rrrhen und Halden nehmen, als niedriges 
Gesträuch, die höheren oder steileren Bergselten ein. 
Die Giebel freundlicher Dörfer ragen hin und wieder 
aus den Bäumen hervor: im Thalgmnde , wie auf den^ 
Berghöhen. Welche weit herrlichere Landschaft, als 
jene am entgegengesetzten Fufse der Apennlnen! -^ — < 
Endlich gelangt man zu einen Dörfchen , wo eine hohe 
Brücke über den Flufs führt. Es Ist Ponte SerragUo. 
Es /liegt am Fufse eines Hügels^ welchen vorn und rechts 
das Hauptthal, links ein Nebenthal begrenzt, so dafs 
er nur hinten mit der übrigen hohen Gebirgsmasse 
zusammenhängt. Ein Sandstein, Macigno genannt, und 
von gleichem Alter mit dem tiefer herrschenden Kalk- 
stein, bildet sein Inneres. Rings an den SeiteiL des Hü-* 
gels und an seinem Fufse treten die Quellen aus dem 
Schoose der Erde, hundert an Zahl, doch bald sieb zu 
kleinen Flüfschen vereinigend. 

Die Bestandtheüe des Wassers , das in verschiedenen 
Quellen mit 24 —35—48^ R. Temperatur aus der Erde 
kömmt, sind basische Erdsalze, ohne Irgend freie Gas^ 
arten, doch auch jenein geringer Menge, nämlich: ba-* 
sisch- schwefelsaure Talk-, Kalk- und Alaun-Erde, salz^ 



— 269 — 

saure Kalkerde, wenig kohlensaures Salz, und in den 
wärmeren Quellen Eisenaxy d und Kie8elerde>(8 : 1 «). Spezi- 
fisches Geweiht höchstens 1,0037. Die Analyse ist zum 
1^hel||lron Hcmphrt Davt in Folge eines Besuches der 
Bäder gemacht worden. Ihre ^Wirkung hat sich haupt- 
sächlich hewährt bei intermittirenden und andern Fie- 
bern, bei Unterleibs- und andern Krankheiten durch 
Aufenthalt in Sumpfluft veranlafst, bei Krämpfen aller 
Art, die nicht durch eine bleibende Lokalursache ge- 
nährt werden , bei krampfartiger Affektion des Magens 
^warme Bäder) u. s. w. Diese letztern und andre Nach- 
richten verdanke ich, nebst seiner eignen Schrift über 
die Bäder '^), der Güte des Badearztes Dr. Giagoho Fran- 
4:eschi, eines noch jungen Mannes, welcher Wien und 
mehre norddeutsche Universitäten besucht hat, und 
welchen ich gleich bei meiner Ankunft getrolBTen hatte. 
Er ist nebst einem Chirurgen von der Regierung besoldet, 
und verbunden vom Mai bis September hier zu wohn^. 
Arme Kranken mufs er gratis behandeln. Ich machte mich 
nach einer kurzen Erholung in einem der freundlichen und 
gröfstentheils besetzten Wirthshäuser selbst auf den Weg, 
die Anstalten zu sehen. Ein bequemer Weg führte links 
an einem Hügel, über dem Seitenthale hinauf. Vier' 
schöne geräumige Gebäude, immer eines höher als aas 
andre liegend, enthalten die Badegemächer, welche hoch, 
reinlich und mit Wannen von Carrarischeu Marmor ver- 



*) Ig^a de' Bagni, e piü particolannente dl quellt di Lucoa, 
Opera dirisa in due parti, di'Giacomo Franceschi, direttore 
de' Bagnifluddetti, medico«consiiltore della R. corte, P. Pro- 
f essore di terapla speciale , di Clinica e medicina farenae nel 
R. Liceo etc. Edizione seconda. Lucca 1820. 8^ 



— 2ro — 

sehen, docK sonst ohne Luxus, sind. Bei einigen kommt 
dfts Wasser hinreichend warm ans der Erde, bei anderen 
mufs es gewärmt werden. Diese Anstalten gehören 
meist Priyateigenthümern , zum Theil auch derl^egie- 
ruiig, und mit diesen ist ein geräumiges Hospital 
für arme Kranke verbunden. Acht und zwanzig Bade- 
wärter, zur Hälfte Männer und zur Hälfte Frauen, einem 
Aufseher untergeben , und alle vom Badearzt abhängig, 
sind gleichfalls von der Regierung aufgestellt Der Auf- 
seher zeigt dem Badenden das Lokal und die Stunde an, 
wo sie nach ärztlichem Outfinden, und ohne wechsel- 
seitige Störung zu veranlassen, baden sollen, und ver- 
theilt dann auch nach Bedürfnifs die Wärter zu ihrem 
Dienste. 

Jedes Privatbad kostet in sämmtlichen Anstalten 1 
Paolo oder 15 Kreutzer^ im gemeinschaftlichen Becken 
aber, oder ein Tropfbad % Paolo, und vom Oktober bis 
April ist der Preifs auf die Hälfte herabgesetzt. 

Bignonien und andre schattenreiche Bä ume bekränzen 
den Weg. Ein Kaffeehaus in der Nähe des Hospitals bie- 
tet Kühlgetränke und Erfrischungen. Weiterhin kam ich 
«durch anmuthige Kastanienwäldchen , zwar nicht in dunk- 
V lef Baumhalle, doch in erquickendem Schatten den Spa^ 
, tdergänger aufnehmend, und mit freien Stellen wieder 
abwechselnd. Auf der Höhe des Hügels, wohin man 
nach einer kurzen halben Stunde gelangt, hat man ab- 
wechselnde Aussicht nach dem ringsumziehenden Hoch- 
gebirge, welches, mit mancl^en Dörfern beißet, zu 
schönen Exkursionen Gelegenheit bietet — und herab 

f 



— 271 — 

niach Tershiedenen Seiten des Thaies. lUseiibänke laden 
zum Sitzen an , mehre Brunnen bieten gesunden Trank. 
Allenthalben gewahrte ich freundliche Häuser zer- 
streut, um die Fremden unter ihr Dach aufzunehmen. 
Wieder durch wechselnde Eastanienwälder hinab leitete 
mich den Weg nach der Filla, einem Oertchen, das 
nur eine Yiertelstunde Yon Ponte^ Serraglio entfernt ist. 
Auch hier ist noch eine Badeanstalt , durch neuliche 
Eirweiterung Tielleicht die geräumigste von allen. Viele 
Kurgäste sah ich auf Sitzen unter aufgespannten Sonnen* 
schirmen, die Damen aber in verschloisisenen Sänften nach 
den Baden tragen, oft über eine Viertelstunde ^eges 
weit Sonst war der Spatziergang verlassen , wie ich 
dachte, weil bei herannahendem Mittage die Hitze zu 
empfindlich geworden. Eine Reihe sehr grofser Wirths« 
häuser, mit 30 — 50 Ziipmern jedes, nimmt die Frem- 
den in der Villa auf. Man sagte mii", dafs bereits 
120 Familien sich hier befinden, und dafs täglich 
noch andre ankommen. Da Mittag vorüber war , so er- 
kundigte ich iliich nach dem Eursaale, um die glänzende 
Badegesellschaft zu sehen. Aber wie wurde meine Er* 
Wartung getäuscht ! Die Entlegenheit der verschiedenen 
Bäder von einander, deren jedes für andre Krankhei- 
ten, oder für landre Stadien derselben Krankheit verord- 
net wird, mehr noch die {Zerstreuung der Landhäuser, 
welche im Laufe des Sommers von gesunden, ganzen Fa- 
milien bewohnt werden^ vereinigen sich mit der Italie- 
mschen Sitte, derzufolge jcider einzelne oder jede 6e- 
sdUschaft für sich auf dem Zimmer , oder wenn auch im 
Gattzimmer, doch zu einer besondern Zeit und an ei- 



— 272 — 

nem dgenen Tische speifst , und so entbehren diese Bi*» 
der ganzlich eines taf liehen fröhlichen Versammlungsortes^ 
Selbst das Kaffeehaus, ^welches den Italienern noch am ehe* 
sten dazu dient, fand ich die Abende unbesucht Ich fugte 
mich in die Sitte, und afs allein: ziemlich gut, aber seltf 
theuer. Gegen fünf Uhr wurde dieStrafse von Ponte Serra- 
gUo bis zur Villa mit Wasser aus grofsen Tonnen besprützt^ 
welche auf Wagen fortgezogen wurden. Reiter und 
glänzende Equipagen fanden sich ein, theils nur um, wie 
^ beim Corso gewöhnlich, dort auf- und abzufahren und 
zu reiten, theils wollten die Bewohner der Terschiede^ 
nen Gast- und Landhäuser sich wechiselweisen Besuch 
abstatten. Man hatte mir das Theater, in der Villa 
gelegen , ds den Ort genannt , wo ich die meisten Frem- 
den versammelt sehen, würde. Ich beschlofs dahin zu 
gehen , und zwar auf dem, schon vor Mittag betretenen 
Wege , in der Hoffnung den Spaziergang jetzt mehr he« 
sucht zu finden. Aber kaum begegnete ich 8 — 9 Perso-* 
nen, welche sich des lieblichen Abends erfreuten. * Im 
Theater führt eine Französische Gesellschaft zweimal In 
der Woche Opern , viermal Lustspiele oder andre Stücke 
auf. Es beginnt meist erst gegen neun Uhr. Ausnahms- 
weise aber wurde heute vom Fürsten den anwesenden B»« 
degästen ein Ball im Theaterlokale gegeben, was ich erst 
bei meiner Ankunft daselbst erfbhr. Ich war nicht ball^ 
mäfsig gekleidet , auch mit keiner Einladungskarte ver- 
sehen > fand aber nebst mehren Andern , die in gleicher 
Lage sich befanden , als Zuschauer Platz in den Logei». 
Der runde , freundliche Saal war festlich erleuchtet und 
mit Blumengehängen geschmückt. Ein straff anliegender 



— ara — 

Tjßppif deckte den Boden. PoIsterbSnke reiheten gich 
rüifs nm einander^ den Damen zn Sitten bestimmt. 
Bin herzoglicher Kammerherr, zu den Honneurs beauf- 
tragt, empfing sie an der Thüre, führte sie zu denBän* 
keh, und tanzte spiter Tor. Es waren allmählcih an fünf- 
mg Damen und gegen drei&ig Herren erschienen. Letztre 
mufsten, mit Ausnahme einiger alten Minister oderson-^ 
stigen höhern Hof beamten, für welche einige Armsessel zu* 
refqhtgestellt waren, die ganze Nacht hindurch stehend und 
tanzend zubringen. Auch schien ihnen — mit Ansnah« * 
me jener — die Sitte nicht zu erlaub^ , sich den Da- 
men zu nähern, um sich mit denselben zu unterhalten. 
Wa^er, Quadrillen für 12' Paare und Gallopaden wech- 
selten miteinander. Um 11 Uhr traf der junge Herzog 
selbst von Lueca ein, ohne Störung zu veranlassen, be- . 
grufste sHUe einjge det ihm bekannten Familien , und 
mischte «ch unter die Tanzenden« In den Pausen wur- 
den von Kammerdienern und drei Kammerhusaren Erfri- 
adiungen herumgereicht — Da jedoch von d^ anwe- 
senden Herrn nur stets 8, W — 12 tanzten, so, war ein 
sehr grofiiea Mifsverhältnifs zwischen Tänzern und tanz- 
lust^n Frauen. M eüi Nachbar, ein Genueser, der mich 
schon auf Mehre» aufmerksam zu maphen sich angelegen 
seyn laesen, da sein Auf^ithalt hier schon längre Zeit 
wahrte, bemerkie ndr auch, wie der Kammerherr sich 
vergebliche Mühe gebe, die anwesenden Herren zum 
Tanzen aufzumuntern. Ich konnte nicht umhin, ihm 
mdne Theilnahme zu äufsern, die ich für die Menge 
blühender Madchen hegte , welche, die Augen voll Tanz- 
lust und hdmlichen Verdrussies, nie zu einem TaUze ge- 

Bronn, Reue IL 18. 



— 274 — 

lani^eii. Idi heteogte Ihm meine Verwmidernng, dafs 
die Italienische Galanterie und der ei^^e innere Drang 
80 Tieien Herren erlaube , müfslge Zuschauer bei dem 
unverkennbaren Verlangen der Damen abzugeben. In 
Deutschland wemgstens sagte ich ihm , würde so etwas 
nicht passiren. — Aber freilich ist auch die Hitze 
fürchterlich (Anfangs August). Ja die Hitze, sagte 
der Genueser, mag wohl auch manchen abschrecken, 
der, wenn er einmal begonnen hätte, nicht sei leicht wie- 
der aussetzen könnte, während die Damen bei ihrer 
Ueberzahl immfr wieder Zeit finden sich zu erholen. 
Dann aber müssen sie bedenken , dafs junge Herrn im 
Ganzen doch wenige hieher kommen, wenn sie nicht 
würklich krank sind, wo ihnen dann das Tanzen leicht 
verboten seyn dürfte, oder, wo sie wenigstens, falls sie 
sich wegen der grofsen Hitze inkommodirt finden soll* 
ten, dadurch leicht eine gültige Ausrede finden, die al- 
lein, welche Ungemächlichkeit und selbst Besehwer- 
de es immer seyn möchte, zur Ausrede zu gebrau- 
chen, die Italienische Galantrie nicht gestatten würde« 
Der Fall aber tritt bei den Damen nicht so leicht ein, 
sie besuchen in ganzen Familien , während des Sommers, 
das Bad, um auf dem Lande der Abwechselung willen 
ihre Zeit zuzubringen , haben auf ihre Gesundheit weni- 
ger Rücksicht zu nehmen, und sind bei ihrer grofsen 
Anzahl auch weniger Gefahr ausgesetzt — Aber war-* 
um, fragte ich, wechseln denn die tanzenden Herrn 
nicht wenigstens etwas ab^ warum wählen sie sich im- 
mer nur dieselben Tänzerinnen ? Je nun, sie sind, gleich 
den Familien, an welche sie sich anschliefsen , gröfsten- 



— 275 — 

theils aus Lueca selbst , meist nur gerade zum bent^en 
Feste hieher g;ekominen , und bleiben bei dea Familien, 
die sie näher kennen, oder, wo sie als CaTallieri ser- 
Tenti ihrer Pflicht zu achten haben» — Um Mitternacht 
empfahl ich mich meinem Nachbar, und yerliefs das Hans, 
weil ich um Tier Uhr des Morgens schon abzureisen ge- 
dachte. Der Ball mochte bis etwa 1 Uhr wahren. Au- 
fserdem werden jeden Mitwoch im Juli und August Balle 
auf Kosten der Administration gegeben, in einem Lokale, 
welches nahe beim Spital liegt und Casino heifst. Dieses 
Casino ist yom ersten Mai bis finde Septembers ge- 
öffnet, so dafs alle bürgerlich und anständig gekleidete 
Personen sich zu jeder Stunde des Tages daselbst Ter- 
«ammeln, und sich an den tarifmäfsig erlaubten Spielen 
Tergni&gen können. — Zwei Postbothen gehen abwech- 
eelnd täglich nac^ Lueca^ dort Commissionen der Baden* 
den zu besorgen. 

Aeufserst anmuthig ist der Aufenthalt auf der Insel 
Achia. Die See gewährt Tielseitige und leichte Yerbin'- 
düng mit dem unfernen Neapel. Die Insel wird haupt- 
sächlich durch einen holzbewachsenen Berg, den Tulka- 
nischen JEpomeo gebildet. Dörfer und Landhäuser de- 
cken seine Seiten, und schmiegen sich an seinen Fufs. 
Das Festland und mehre kleinere Inseln liegen ihm ge- 
genüber. Die meisten warmen Quellen finden sich auf 
seiner Nordseite. Je höher > desto wärmer sind sie. 
Jene über 470^ Seehöhe haben die Temperatur des ko- 
chenden Wassers. Die tiefern bis zum Meeresufer ha- 
ben 58— 48<*R. Die Herrn Lancellotti und Cotbixi 
Ton Neapel haben sie im Winter 1827—1828 analjsirt* 



— 278 — 

wmA üe Rcsditte ihrer Fondumgen werden ans wohl 
■idkt Torenthaltiai wenicn *). 

Reeoaro Uegt im Fwentmucien^ in einem tiefen 
Tlule am südlichen Fnfse der Alpen , nahe an der Ty- 
roter Grenze. Erat aeit wenig;en Jahren , enililte mir 
an Frennd, der ea öfters besucht, hat sich, nach 
Anl^nn^^ einer nenen Fahrstrafse, der Besuch bedeu- 
tend Termehrt Zwei- bis dreihundert Gaste aus der 
Nihe und Ferne, aus Toskana und den Jonischen Insehi 
so^ar finden sich ein , weil sein Sauerling; ndi bd tri- 
ger Funktion des Magens und Unterleibes selir heilsam 
bewiesen. Er wird jetzt auch in Krügen weit Tersendet. 
Uebr%ens ist die Lage nicht die glücklichste; denn die 
Sonnenstrahlen, ringsum Ton den Berghohen herab ins 
Thal gebrochen , machen die Luft unter Tages eben so 
heils, als sie dann am Abende kühl und selbst feucht 
wird. Das Wasser wird nur zum Trinken gebraudit, 
und wirkt schnell auf die Hamabsondemng: daher Be- 
kannte, die sich dort b^egnen, statt sich zu erkundi- 
gen wie es mit der Gresundheit gehe , sich wechselseitig 
fragen „come passa Facqua?^ Des Morgens wird ilei- 
big getrunken und spazieren gegangen. Ehedem muTste 
daa Wasser erst weit herbeigeholt werden , jetzt trinkt 
man es an der Quelle. Unter Tag ist ein Kaffeehaus der 
Versammlungsort. Um vier Uhr essen die meisten^anwe- 
senden Fremden an der table d'hdte. — Man erzählt 
Ton einem Italiener , wie er bei dieser Kur gar übel 



TergUFsoBiBP Noiia 1829. XXm. 111—182, aus Bi- 
bUoth. univen. 1828. Octob. — Cotkku ist teitdem gestorben. 



nr»iii>i 

— an -^ 

weggebHnmeii. Die Aerzte verordnen g^j^wcänllGh, eine 
gewnwe Anzahl von Pfunden (80—100 Pf.) dieses 
Wassers binnen 10, 15 oder 20 Tagten zu trinlEen. Der 
Kurgast aber^ weldier g^laubte, die Zehrungslrosten 
wahrend dieser lan^n Zeit ersparen zu können, nidim 
sich vor, seinen Centner Wasser binnen drei Tagen zu 
trinken, überstalid auch den ersten glüokllch, sah sidi 
aber am zweiten durch starke Zuf äUe in der Lage , mit 
setnei^ fordrten Kurmethode einzuhalten. 

BÜe Badewasaef ton Ahemo^ dem Apanos oder Schmer-, 
atemlas der Alten, so wie Jene d0r benachbarten Orte^ 
und nur dn^^e Abglien von Padua und von den Euga- 
neen «ntfemt Eitt%e rdche Quellen entspringen aus 
einem Hügel, bestdiend ans Kalk, Tuff und basaltisdien 
Substanzen, wie dieEuganeen selbst CinigeQueUen sind 
so warm, dafs man ein i^f dünn isiieden kann, und so 
reich y dafs m«a in ehiem ^r dampfenden Bäche ein 
Mühlrad ach umwälzen sieht, und bei einher Temperatur 
von 85 — 45<> IL leben noch Pflanzen und Thiere darin. 
— * Aber der Glanz des dten Aponos ist erloschen. Die 
prachtvollen Gebäude, deren dch zu den Zeiten des 
Tirm LiVius und Subtonii» immer mehre erhoben, sind 
in Trümmern verschwunden. Erst jetzt erheben sich 
wiMer einige neue Anlagen, aber noch soll keine Apo- 
tSeke und kehi guter Arzt da seyn. Ein Wirthshaus 
nimmt die meisten Fremden auf, ein Kursaal dient il|- 
nea zum Yersammlungs-Orte. Das erstre fafst bis 
2%0 Familien oder an 000 Personen* — Nach der 
Geige eines Blinden tanzen , Billard und Pharo spielen, 
auf dem Kaffeehaus liegen und die Improvisatoren aur 



I « 



~ 278 — 

h5reii, dieses sliid die gewöhnlichen Unterhaltmigsmit- 
teL An Lektüre fehlt es gänzlich« — Doch herrs^t 
im Sarsaal eine — für einen Englander auffallende — 
Fröhlichkeit und Ungezwungenheit. Die Kurzeit dauert 
vom Mai'his Ende August oder hei einzelnen hisin den 
Okiober. -^ Indessen sieht man Unter den Badenden, 
so erzählte mir ein Geheilter, welcher daher kam, 
wenige, denen der freie Gebrauch ihrer Glieder zusteht, 
▼iele sind hinkend , lahm oder KrüppeL Die wirksam* 
sten Kuren gewährt der warme Schlamm aus den Quel- 
len und Bächen , welcher , um den Körper oder die lei- 
denden Glieder geschlagen, einen heilsamen Schweifs 
herForbringt, dann weggeworfen, im Herbst wieder in 
die Wassergräben ^schöpft, und im folgenden Frühlinge 
auüsi Neue angewcMet wird. — Dagegen ist die Lage 
an und für sich ungesund , die Luft ist schwül , zwan^sig 
Personen aus jener Fremden -r Zahl sah man im Sommer 
an Wedhselfieber leiden, besonders schwächere Indivi- 
duen aus der ärmeren Klasse ; reiche und^ gesunde da* 
{legen werden träge und mislaunisch *y 

Für Seebäder sind im obem Italien Anstalten zu Lh 
pamo und zu Spe%%ia. Doch an letzterem Orte^ind 
erst seit kurzem zwei kleine Hüttchen errichtet. Früher 
begaben sich stets einige Fremde nach Porto Venere^ 
oder andre nahe gelegene Punkte , um im freien Mee]% 
zu baden. In der Nähe von Lerici sah ich eine sehr ar-^ 
tige Gesellschaft, Mädchen und junge Herren guten 
Standes, ihre Badehemden über, gegen «die Sonne durch 

•) Lettem from t^e North of Italy. (AnnfO. ^1. yoj9^. 1880, 
,la^v. 107— UO, — n. a. Seh.) 



— 270 — 

eioen groben Strohhut geschützt, zwischen den Klippen 
im Meere sitzen. Indessen, da sich das Wasser bald 
in den Badehemden.in die Höhe zieht, auch an den 
Theilen^ die nie unterg;etaucht sind, so ist diese Me- 
thode, wie ich selbst gefunden , sehr unangenehm, weil 
das geringste Lüftchen durch Verdunstung jenes Was- 
sers eine sehr empfindliche Abkühlung bewirkt. In 
Lwomo hat man mehr Bequemlichkeit, wefshalb sich 
dort stets sehr viele Gäste aufhalten.^ Aber alle leben 
zerstreut > die Stadt bietet, ihrer Gröfse ungeachtet, 
gar keine Unterhaltung , selbst das Theater ist sehr 
schlecht , und die niedrige , bald sandige , bald sumpfige 
Umgebung ist äufserst langweilig. . 



Wirft man nun einen Blick auf die geognostischen Be- 
ziehungen der Quellen, so findet man: 

1^ dieheifsen Quellen entspringen vorzugsweise 
da, wo vulkanische Kräfte noch jetzt thätig sind, oder 
unverkennbar thätig waren^ aus Lava -Gesteinen (ßi%i- 
Uen, Lipari, Fulcano, Neapel^ Gegend von Bom\ oder 
aus damit verwandten Basaltgebirgen (.filB^ga»ee»> Padova, 
Ficenza, Verona), ohne dafs hierbei das Mitvorkommen 
ursprünglich kalter Mineralquellen ausgeschlossen wäre, 
wenn schon glaubhaft ist, dafs solches in der Regel nur 
zufaUig Statt finde, und entweder durch Zufliefsen aus 
andern nahen Gebirgsschichten y o^r durch Beimischung 
gewöhnlichen Wassers veranlafst werde. Zwar entsprin* 
gen auch in Savoyen u.a. a.O. heifse Quellen aus Urge- 
birgen , wo Gesteine der oben bezeichneten Art in der 
Mähe nicht vorkommen. Indessen ist jene Erschemung 



— 280 — . 

für die Central-Gegcnd des Alpengebirges als eine sehr 
gewöhnliclie bereits von Andern bezeichnet worden. Das 
Hervorkommen heifser Quellen aufserhalb des Bereiches 
dieser drei Fälle ist seltener. 

2) Schwefelhaltige Salzquellen kommen ans 
Gebirgsformationen jeden Alters und fast jeder Art zum 
Yorsdiein. Allein den tertiären Bildungen scheinen sie 
vorzugsweise und mit Ausschlnfs andrer zuzustehen. 
Fast allerwarts in den Vorbergen der Apenninen, so 
weit sich daran die Subapenninen- Formation erhebt, 
trifft man Quellen und Tümpel an , welche durch ihren 
Schwefelleber-Gemch weithin ihr Vorkommen und einen 
Theil ihrer Bestandthdle Tcrrathen. Nicht selten sind 
ihnen einige bituminöse Theile b^gemengt Dergleichen 
konunen namentlich in einem geringen Umkreise um Ca- 
steir arquato mehre Tpr. Aber manche vertrocknen 
im Sommer, andre sind so schwach von Wasser oder 
von Gehalt , dafs sie in der obigen Liste nicht mit auf^ 
genommen wurden. Ihres widerlichen Geruches wegen 
erhalten sie von den Landleuten die Namen Puaao, Pux- 
suiolo u. s. w. 

In Ansehung der übrigen Quellen aber läfst sich um 
so weniger ein allgemeines Resultat ziehen, als aufser 
ihrer eignen Zusammensetzung gewöhnlich auch die Ge- 
birgsart, der sie entspringen« und die richtige Deutung 
dieser Gebirgsart zweifelhaft oder ganz ungewifs sind. 



( 



/ 

I 



xvm. 



Städtische Bäder. 



Or che GUeno appreita 
Acque salnbri a Don, 
O faretrati Amori, 
Yenitela a mirar! 

YiTTOBniU (a Dori). 



Jcis würde nicht überraschend seyn, wenn in einem so 
heifsen Klima auf die Bäder der Städte eine besondre 
Aufinerksamkeit nnd Fürsorge verwendet würde. Allein 
obschon es an beträchtlichen nnd schönen Anstalten dazu 
nicht mangelt, so g^eschieht im Ganzen doch Tielleicht 
weniger , als man zu erwarten berechtiget ist ; sie wer- 
den auch weniger bereit gehalten und benutzt, nämlich 
nur bei sehr heifsem Wetter, so dafs der Fremde oft 
vergeblich nach einem Bade sucht; und namentlich ist 
auffallend, wie weit allerwirts die modernen Bade-Anstal« 
ten gegen die der alten Römer an Eleganz zurückstehen. 
Zwar feht es in gröfseren Städten nicht an Marmor- Wan- 
nen, obschon diese im Frühjahre, ehe die Oberfläche der 
Erde allmählich recht durchgewärmt ist , viel mehr Holz, 
zu Heitsung des Wassers Erheischen, nnd dennoch die 



VHtere Schichte des Wassers darin fast eiskalt ersdieint, 
wihrend dasselbe an der Oberflache zum Verbrennen 
heifs ist In spätrer Jahreszeit empfindet man diese 
Unannehmlichkeit nicht mehr. Ist die Wanne nicht von 
diesem Materiale, so wird vor jedem Bade, der Rein- 
lichkeit we^en, ein grofses reines Linnentuch in dieselbe 
gehin^. Doch anstatt mich bei solchen Anstalten zu 
▼erweilen, weiche ¥on den unseren wenig libweichend 
sind, will ich Tielmehr jene in Florenz ausführlicher 
beschreiben, welche alle Annehmlichkeiten nndVortheile, 
die man sonst nur zerstreut findet, in sich yereint 

Ein Herr Pnppim hat die alten Römischen Bader, 
nichst dem Arno (^Piazza dei Santi ApostoU) , zu dem 
Ende erst kürzlich neu hergerichtet Der Eintretende 
lofset an der Thüre bei der Portiere eine Karte für 30 
Kreutzer, worauf dieselbe sogleich durch eine Glocke 
ein Zeichen gibt Darauf werden zwei Stiegen hoch, 
wo die Bader sind, sogleich zwei Kranen angelassen, so 
dafs man eine Wanne schon halb gefallt findet, wenn 
man hinauf kömmt In zwei auseinander laufenden 
Gängen sind die Bäder für Herren und Frauen getrennt; 
dort ist für männliche, hier für weibliche Bedienung 
gesorgt. Jedes Badezimmer enthält auf dem, mit wei- 
bem und schwarzem Marmor geplatteten Boden eine 
weifse Marmorwanne, 6^ lang und 2yj hoch. Zwei 
Röhren treten aus der Wand durch eine Marmortafel her- 
aus, worauf die Worte ,,calda^' und „fredda'^ eingehauen 
sind^ und angeben, welche Ton ihnen warmes oder kaltes 
Wasser führe. Am Ende der Wanne , auf dem Rande, 
wo der Badende den Kopf auflegt, ruhet ein kleines, 



— 288 — 

weiCs fiberzog^enes Kifschen, dessen Uebemig nach je* 
diem Gebrauche gewechselt wird. Jedes Zimtnerehen 
hat oben ein Fenster, mit fa^onnirtem Glase, damit 
man aus dem Nachbarhause nicht herübersehen kann, 
ein Gestelle, um die Kleider aufzuhängen, ein Nacht^ 
tischchen mit eineita Pot de Chambre, ein' kleines, hüb* 
sches , nur auf einer Seite mit einer Lehne Tersehenea 
Söpha^ Stiefelzieher , hol?;erne Sandalen mit einem 
Qujeer-Riemen zum Festhalten , welche man anzidit, mn 
nicht eine Zeit lang auf dem Steinböden stehen zu müssen, 
einen Kamm und etwas Pomade. Ein starkes Bttnd> un^ 
ten mit einem Queerholze, hängt yon der Decke über dit 
Wanne herab, dafs man sich mit dessen Hülfe leichter 
autrichten kann. Hat man sein Bad beendiget, so lau* 
tet man, und ein Diener bringt nun ein gewärmtes 
linnenes Hemde und zwei Tücher. Man tritt aus dem 
Bade heraus, und läfst diese drei Stücke fest um den 
Leib und die Beine herumschlagen, setzt sich dann 
damit eine Viertelstunde auf einen dazu Torhandenen 
runden hölzernen Stuhl ohne Lehne , läfst sieh auch 
wohl eine Zeitlang frottiren. In dieser Zeit trocknet 
der Körper, unter einem durchaus angenehmen Gefnhle 
vollständig ab. Hat man nun Lust , so kann man sich 
noch eine Zeit lang des Sopha's zum Ausruhn bedienen. 
Im nämlichen Hause sind Wagen und Pferde vorrätbig. 
Wollen sich eine oder zwei Personen derselben bedie- 
nen , so zahlen sie 45 Kreutzer jeder für Hin- und Her* 
fahrt. Gebrauchen drei oder vier den Wagen zu glei- 
cher Zeit, so zahlen sie etwas WenigeJs im Ganzen 
mehr. ESin Lesezimmer mit eiiler sehr kleinen und schleeh- , 



taHHteOHk wklcM%a MmZdbmgm uurt die 
FrcMica wtd, wddbe bd etwa n grobem Andrvge 
yith^t rfad, laf cui frchrerdeades Bad n warten. 
!■ ErdgetchMK kl lir die Badercit dae reeiit gvie 
■cttnnlioB, adt meiiFeni SpciseainiiBcni «id eineai 
UdMi, aber adr aiedlidics Gartea ciageriditet, wo 
BMI ciae Awwahi firender Weine findet — Abminirt 
mtm iidi anf aeben bii swaas% Uder, ao xablt man 
Bar Jedes mar 27 — 24 kr. Aafaer denjenigen Bidem, 
weldba Erfriaebnag and Befadicbkeit anm niebaten 
Zwecke beben, aind nnn im nimBcben Haiiae nodi 
meive Gemicber flir Sala-, Schwefel', Dampf- nnd 
Tropf-Bider eingericbtet, ein%e nadi mit gcofaen.So- 
pba'a für digen^en Teraeben, wdcben eine lingere 
Buhe nacb dem Bade Torgeacbiieben iat Dieae Kder 
kaaten dann 45 Kr. — IIL — lfl.45Kr. naarea 
Gddea. 



XIX 



Saline zu 8 also. 



/- 



Zwischen Fiorenzuola und Parma ^ 1^4 Stunden seit- 
wärts Ton Borgo San Damno y am Fufse der Vorhugel 
der Apenninen, liegt Salso ^ ein kleines Dorf , grofsen- 
theils nur bestehend aus den Saline - Gebäuden Wd den 
Wohnungen der dabei angestellten Beamten und Arbei- 
ter. Biese Saline ist di^ einzige von Parma ^ und wäre 
fähig den ganzen nöthigen Salzbedarf zu liefern, was in- 
dessen nicht geschieht. Da Salz ^nd Taback Regalien 
sind , so muls letzterer alle hieher gebracht werden, 
um mit dem Salze gleichzeitig in die Terschiedenen 
Theile des Landes an die zu deren Verkauf besonders 
aufgestellte Leute Tertheilt zu werden. Endlich wird 
hier mit der Soole zugleich eine grofse Menge Erd- 
Oeles gewonnen , womit die Strafsen der Stadt Parma 
das Jahr hindurch erleuchtet werden. 

Die herrschende Gebirgsart ist ein rauchgrauer Kalk- 
stein, welcher unserem Muschelkalk am ähnlichsteii 
ist, und welchem ebenfaUs ein grauer krystallinischer 
Oyps mit schwärzlichem Salzthone untergeordnet ist^ 
der an einigen Stellen oberhalb Salso zu Tage geht. 



Weitre HenAmAtnogea xn machen, Underte mich du 
n^eritdie Wetter; und ich kann daher iber die Ge^ 
birgaart nichts Niheres entscheiden. Doch yei^gieiche 
man den spiteren Abschnitt über die Geognosie Ober- 
italiens. Das Znta^e^^ehen jenes Thon-Gjpses, die 
Menge der Quellen, welche Soole liefern (es sind deren 
12 — 15 oder noch mehre^, der bedeutende Sätt^^nngs- 
Grad der Soole geben hinreichende Hoffnung, dafs 
man bei einigen, wenig kostspieligen Bohrrersuchen eine 
gröfsre Menge Tollkommeu gesättigter Soole finden wer-* 
de, und schon jetzt ist deren mehr vorhanden, als man 
▼ersiedet, was man mit der Kostspieb'gkeit der Verarbei- 
tung einer gröfseren Soolenmenge entschuldigen will. 
Aber wie leicht wäre es einer einsichtsTollen Admini* 
stration , diesem Uebel abzuhelfen , sich zur Förderung 
wohlfeilrer Kräfte zu bedienen, die Gradir- und Sud- 
Anstalten zu Terrollkommaen , den so Tielgebrauchten 
bei nasser Witterung jämmerlichen Weg bis Borgo zu 
Terbessem, und Tor allen Dingen das zum Versieden 
noth%e Holz, woran es hauptsächlich fehlt, in hinrei- 
chender Menge und auf wohlfeilre Weise herbeizuschaf- 
fen. Letztres nämlich wird auf langen und ganz er- 
bärmlichen Wegen ans den Apenninen auf der Achse 
herbeigefohrt. Dieses geschieht aber nur einen Theil 
des Jahres hindurch, auf einer beschränkten Anzahl von 
Wagen» Vor allen Dingen würde mit einer Ternünfti- 
gen Forstwirthschaft begonnen werden müssen, um 
die Menge des jährlich disponibel werdenden Holzes zu 
erhöhen und zu regeln, was nicht schwer wäre *^. Es 



*) Tergl. Abschnitt XX. 



— 2Mr — 

müfiaten die Wege verbessert werden. Es konnte gans 
wahrscheinlich sogar ein grofser Theil des Holzes, et- 
was gekürzt, im Winter und Frühlinge herangefiofst 
werden , wenn man den , nie ganz vertrocknenden Bach 
etwas herstellte , und mit geeigneten Schleufsen , oder 
selbst gröfseren Wasserkammern versähe. In derselben 
Jahreszeit und bei befsrer Fassung und Leitung, oder 
bei Anlegung von Wasserkammern selbst noch theii- 
weise im Sommer, liefse sich auch der Bach zur Soo* 
lenforderung und zur Bewegung andrer Mechanismen 
verwenden. Aber folgendes ist die jämmerliche ESin* 
richtung dieser Anstalt 

Die Soole wird aus einer HauptqueQe und einet 
Menge kleinrer Quellen gewonnen. Letztre sind zu de- 
ren Fördemng vollkommen wie unsre Ziehbrunnen cin^- 
gerichtet. Arbeiter müssen die Soole schöpfen und her* 
aufziehen. Von einigen derselben wird dieselbe nun 
auf Wasserleitungen, öfters auf Bogenmauern nach den 
Sndgebäuden geleitet. Yon den kleinsten Quellen aber 
mufs sie durch andre Arbeiter dahin getragen werden« 
Da diese Fördernngsweiere aber sehr kostspielig ist, so 
bedient man sich derselben nur dann und in dem Ver- 
hältnisse, als hinreichendes Holz in den Südgebäuden 
vorhanden ist. An der Hauptquelle aber wird die Soole 
mittelst eines Tretrades 200 — 300^ hoch in zwei gro- 
fsen £imern heraufgezogen. Das Rad mag 24 — 30^ 
Par. Durchmesser haben; die Welle aber, um welche 
nch beide Eimer- Seile auf- und abwickeln, hat eine 
überall gleiche Dicke von 7 — 8^ Menschen müssen 
dieses Tretrad bewegen! .Drei Arbeiter laufen oben 



Mif , swei libi drei derselben laufen innen. Im YerUDI» 
nifse als der weiter hinabsinkende leere Eimer den her- 
ai|fkommenden Tollstandig^er aufwieget, wird die Bewe- 
gung des Rades so stark, dafs die Lente kaum schnell 
genug lanfen können, nnd oft niederstürzen. Zwei 
Kompagnieen dieser Lente wechseln in sechsstündigen 
8c|iichten miteinander ab ; so also , dafs jede dersel]|»en 
zweimal binnen ^ ler nnd zwanzig Stunden an die Reihe 
kommt. Jeden andern Tag aber rohen sie ganz. Jene, 
welche oben auf lanfen, halten sich dabei an einem 
Seile ; die untern aber können sich begreiflich nirgend 
halten, und ermüden deshalb weit mehr. Doch wech- 
seln sie in einer Schicht nicht miteinander. Aber so 
oft ein Eimer heraufkömmt, haben sie einige Ai^;en- 
blicke Ruhe, bis derselbe namüdi ausgeleert, der untre 
aber gefüllt ist Wie Tiel geringer brauchte diese be- 
wegende Kraft zu sejm, wenn sie, statt vertilal über 
und unter der Achse des Rades, seitiich an dessen 
längstem horizontalen Radius oder Hebel angebracht 
wfire. Zwei , ja Tielleicht ein Arbeiter würde hier jene 
fünf ersetzen können, obschon er es wohl nicht so lange 
auszuhalten vermögte. Wie leicht aber liefse sich eine 
andere noch zweckmäfsigere Einrichhmg treffen. — Em 
sechster Arbeiter, mit dem Ausleeren des Eimers 
beauflr^^, fafst, wenn er oben angekommen, das ihn 
hebende Seil, und schwingt ihn damit seitwärts auf 
den Rand eines länglichen hölzernen Gefafses. Ein 
nahe am Boden des Eimers steckender Pfropf wira 
von innen mittelst eines eisernen Stieles ausgezogen, 
damit das Wasser (^natürlich nur langsam auslaufe. 



-^ 280 -^ 

Ikttil wird der Eimer wieder Iiilubfelasaen , mn den 
andern emporauziehen , was aber anfänglich der un- 
volktändigern Compensation vnd der Trägheit des m* 
henden Rades wegen nur sehr schwierig gtht Mit 
der Soole zugleich wird viel tirdöl gefordert, wel- 
ches anf ersteter schwimmt. Aber nur zu der Zeit^ 
wo mehr als ebcfu gearbeitet wird , ist es häufig genug, 
«meszu berücksichtigen^ weil näniliclb:i so lange wenig 
£oole gefordert wird^ dieselbe^ sich mehr ansammelt^ 
mit dem aufschwinmienden Erdöle zu höherem^ireau 
ansteigt j so dafs der Eimer, an dem stets gleiclulaiig 
bleibenden Seile, sich tiefer unter demselben fällen mufsi 
und weniger Erdöl mit fassen bann. So hörte ich eben 
jetzt den niedergehenden Eimer das Niveau desWasMrs 
weit friiher erreichen^ als der andre oben ankamw^ 
Man will aber Tielleicht daran absichtlich nichts Indern^ 
weil man annehmen kann , dafs an dem unten zufliefsen- 
den oder schon zugeflössnen Erdöle zu keiner Zeit et- 
was Terloren gehe^. wo es denn allerdings zweckmafsi^er 
seyn mag, eine grofse Quantität dess^ften in kurzer 
Zeit zu gewinne^, als das ganze Jahr hindurch täglich 
nur eiiie kleine. Sollte aber die Soole bei einer gewis- 
sen Höhe des Standes eine Abflufsöffhung erreichen, so 
würde freilich das Erdöl zuerst abfllerseui Das Oel wird 
Ton der Soole getrennt, indem man in den oben erwähn- 
ten hölzernen Kasten einige Schaaffelle legt^ durch 
welche, so wie durch einige kleine Löcher im Boden 
des Kastens, dieSoole durchrinnen mub. Um in einen 
gröfseren Behälter sich zu sammeln^ Das ErdN bleibt 



dann in der Wolle zurück und wird von Zeit zu Zeit aus- 
gedrückt Zur Beleuchtung in den Häusern vir^ das 
Erdöl nicht Terwendet , weil es zu übel riecht , und zu 
vielen Rufs absetzt. — Einige Reservoirs dienen dazu, 
die Soole von* den verschiedenen Quellen zu sammeln 
und bis zum «Yersieden aufzubewahren, da man sie nicht 
mehr gradirt Von da .wird sie durch Röhren zu den 
Siedepfannen geleitet, deren sieben bis acht sind, und 
welchb immer der Rei]}e nach beschickt werden. %e 
mögen ^2/ im Quadrat und über 1^ Höhe haben. 
Sie Aid von ^/jj* dickem Eisenblech, und stehen ganz 
frei' über dem Feuerraume , und ohne mit ihren Seiten- 
yränden^in denselben eingesenkt zu seyn. Dieser ist 
einftch, so lang und brdt, als die Pfannen selbst, 
etwa - 4^ hoch , und verengt sich etwas nach unten. 
Vorn ist er^mit einer grofsen verschliefsbaren Bogen^ 
thüre • und mit Zugöffnungen verschen. Ist die Soole 
einer P&nne versotten, so wird das Salz mit Krücken 
in einer Ecke derselben ausammengezogen, dort ange- 
häuft, damit die Mutterlauge sich etwas trenne^ und 
dann in ein darneben stehendes GeHifs aus hölzernen 
Bohlen abgeschöpft. Dieses ist länglich und versehma- 
lert sich gegen das eine Ende, gegen welches sich zu* 
gleich sein Bod^n etwas senkt. Mit einem, nadi Art 
einer Flügelthüre eingerichteten, Deckel kann es von oben, 
und durch ein kleines Thürchen an der offnen, schma- 
len Seite ganz geschlossen werden« Dieses Gefäfs fafst 
genau so viel Salz, als jede Pfanne von einem Sude lie- 
fert* Nach zwölf Stunden ist die Mutterlauge an dem 



\ 



— 2Ö1 ^ . 

genei^eren Ende des Bodens aus dem Kasten hinrei- 
chend abgeronnen, und das Salz wird nunmehr in das 
Magazin gebracht. Es hat, von dem noch ädhärirenden 
Erdöle, eine rothe Farbe. Gewöhnlich gibt man daher 
der Soole in der Pfanne einen Znsatz von Ochsenblut^ 
wornach das Salz jedoch noch immer etwas röthlich 
bleibt. Das Gebäude , worin die sämimtlichen Siedepfam- 
nen in einer Reihe nebeneinander mit den Abriniigefäfsen 
stehen y ist höchst unzweckmäfsig beschaffen. Yor den 
sämmtlichen Heerden ist noch eine niedre, breite, hinter 
denselben eine erhabene Bühne; die Umfassungsmauern, 
welche unmittelbar das Dach tragen, sind zwei Stock- 
werke hoch y und auf der Seite vor den Pfannen noch 
mit zwei grofsen Bogenthoren versehen, welche meist 
offen sind, auf der entgegengesetzten Seite sind mehre 
stets geöffnete y kleinre Thüren und Fenster. Welche 
ungeheure Wärmemenge in diesem weiten, oder vielmehr 
gar nicht geschlossenen, nur gegen Regen und Wind 
geschützten , Räume nutzlos verloren gehen müsse , ist 
leicht zu erachten. Wärmepfannen u. dergl. kennt man 
gar nicht. Nur in den Sammelkasten^ deren ein Theil 
noch ebenfalls in demselben Räume befindlich ist, und 
von wo die Soole in die einzelnen Pfannen abgeleitet 
wird, gelangt dieselbe zuweilen beinahe zur Lufttempe- 
ratur des Siedhauses selbst. Ich halte mich überzeugt^ 
dafs mit derselben Holzmenge bei einer besseren Ein- 
richtung der Siedanstalten der ganze Salzbedarf von- 
Parma hier gewonnen, und bei Verbesserung der übri- 
gen Vorrichtungen noch für das Ausland verkäuflicher 



t 



DebeiichiilSi gewomten werden kennte. Pttmn wiirdc 
dadurch Ten den Nachbargtuten imabhingiger werden. 
Man erinnert dch hier gar wohl, dafa wihrend der 
FranzMachen Regierung eine Tiel grolaere Thäti^eit, 
und ein xahlreicherea beachiftigtea Peraonal hier ge- 
weaen, auch eine grolaere Menge Salzea gewonnen 
worden aeje. 



J 



xx. 



Italienische Forstwirthschaft. 



SSnr spärlich und zerstreut sind die Nachrichten, wel- 
che uns über die Holzwirthschaft der alten Bewohner 
Italiens zug^ekommen sind, wahrend wir von andern 
Theilen ihrer Landwirthschaft, im weiten Sinne des 
Wortes genommen, Terhältnifsmäfsig viel mehr wissen. 
Schon daraus dürften wir schliefsen, dafs die Holz- 
zucht noch nicht Geg^enstand g^eordneter Studien gewor- 
den war, dafs sie an Holz wenig Mangel litten, und 
auf dessen reichliche Nachzucht zu denken nicht genö- 
thigt waren. Auch ist bekannt , dafs die Römer das 
nöthige Schiffbauholz grofsentheils aus den Wäldern er- 
oberter Länder zogen. Und sogar noch jetzt, wo die 
Waldungen Italiens gewifs sich sehr vermindert ' haben, 
kennt man dort keine eigentliche Forstwissenschaft. 
Die -Nachrichten über den Forstbetrieb in älterer Zeit 
zu sammeln , würde daher nur von verhältnifsmäfsig ge- 
ringem Interesse seyn* Zudem ist mir darin ein ge- 
wandterer Forstschriftsteller, von welchem wir in 
Zukunft eine noch vollendetre Darstellung zu erwarten 



— 204 — 

berechtig;! sind, schon zuTorgekommen *^« Indessen 
wird man ans der Yerg^leichnng seiner Beschreibung; mit 
folgenden Notizen entnehmen kopnen, wie wenig noch 
die heutig;en Bewohner Italiens von ihren Toraltem ab« 
{[ewichen sind, wie sehr demnach die Schilderong; des 
Verfahrens in dem einen Zeiträume anch fnr das im 
andern würde gelten können. BA selbst Tcrschmaht 
nicht, seine Vorschriften mr Holsmcht aus Cato und 
Strabo und aadem ScMftsteHeni der Uassisdi-Rdmi* 
mSkea Zeit su entlehnen. 

Aus eigentlichen Waldungen* wird nur ein kleiner 
Thefl der Hdxbedilrfnissc befriedigt, und diese Wal- 
dungen selbst bestehen grofsentheils nur aus lachen ^ 
und Kastanien «Niederwald, in ietatrem Falle nut iwi- 
schenstefaenden gröfsern Kastanienbaumen. Hochwälder 
sind sehr selten , wenn man nicht die, oft dichten Kasta- 
menbaum-Pflanzungen hieher rechiven will. Nur in der 
Nihe Fon Parma sah ich einige junge Laubholz-Hochwal- 
dungen, welche zu den Krongütern gehören, so wie die tief 
in den Apenninen längs ihrer ganzen Ausdehnung Torkom- 
inenden Walder entweder ebenfalls der Krone, oder aber 
dem Staate eigen sind. Diese letztern Hochwälder sind 
ihrer Entlegenheit wegen weder grofsen Beschädigungen 
ausgesetzt, noch Gegenstand besondrer Pflege. Jene soge- 
nannte Hochwälder aber , was ich hier ein für alle Mal 
bemerke , welche der Ebene näher liegen , sind von den 
unsem in so ferne sehr Terschieden, als sie nicht in 
dichtem Schlüsse erzogen werden , sondern die Bäume 



*) Herr Oberforstrath Professor PpBit nämlich, in seinen 
„Kritischen'' Blättern, Band II , Heft 2. S. 257— 332. 



— 285 — 

sieben ferne von einander , werden in der Jugend tnBger 
•fichneidelt , späterhin aber die nntern Aefete beständig 
mittelst der Axt ans^enutst; was die Trockenheit des 
Bodens sehr vermehrt , das Wachsthum der Bäume ver- 
mindert, in Kastanienwäldern jedoch bei einiger Um- 
sicht des Verfahrens einigen Yortheii gewährt/ — So 
habe ich selbst nie irgend einen geschlossenen Hochwald 
g^esehen, lichte Eichenwälder aber um Neapel^ in den 
u^bruxsen, .um Casteir arqUßto, Mailand und in den 
Hochapenninen Toskanas. * Der > meiste Hokbedarf wird 
von einzeln gepflanzten Bäumen, oder Ton Abfällen von 
Obstbäumen und dergleichen bestritten. . 

Ein geordnetes Forstwesen, eine Staats -Forstver- 
waltung in dem bei uns üblichen Wortsanne, existirt in 
Italien nicht Während Neapel durch einen Yii^konig 
Ton Napoleon regiert wurde, sandte man einige -Leute 
ins Ausland, sidi auf Reisen für die Forstverwaltung zu 
bilden; woraus aber meines Wissens keine Folge für 
das Land, nach dessen Heimfalle an seine alte Regie- 
rung, entsprungen ist. Auch die Stelle eines Forstdi- 
rektors in Mailand scheint nur in jener Zeit entstanden, 
oder doch gröfsres Gewicht gewonnen zu haben. Gav- 
TiBRi stand ihr unter dem Namen eines |pq>ettore ge- 
nerale ai boschi^' vor, und schrieb unter andern ein 
Lehrbuch der Forstwissenschaft, das ich mir jedoch 
leider nicht mehr Terschaffen konnte *^, Aufserdtem 

*) „Gavtieri: Nozioni elementar! sui boscbi'' Milaiio 1812 
8. Feraer gab er eine „Memoria sul pascolb nei botichi^' (Mi- 
lane 1823), ein „Trattato dei vantaggi e dei danni deriyanti 
dalle capre in confronto alle jpecore'^ (Mil. 1816) und eine 
Abhandlong „dell^ influsBo de' bosclii sullo statofisico de paesi'^ 
(Alilano 1814. 8^) berans. 



diid bei Jeder Waldttrecke^ je nach deren Grobe, einige 
oder je ein Lokal ^-Anftelier angestellt , mn auf die Er-*« 
haltnn^ der Grenzen zn aeht^i, bedeutenden Freveln 
▼orznben^en , die Ansdelinnn^ der Servituten zn hin- 
dern, und die nöthige Kontrolle bei Fällunj^ und Wie* 
deranban der Wälder zn führen. Diese Leute haben für 
ihr Amt keinen beaondem Unterricht g^enossen, mun 
fibertragt ^ ilinen aus Yerg^ünstigung , wie etwa das 
Amt eines Strafsengeld-Erhebers bei uns einem ausge- 
dienten Soldaten, oder auch öfters wohl — um mehr 
bei der Sache zu bleiben — das Amt eines Försters ei- 
nem Bnchsenspanner. Mit der eigentlichen Wirthschaft 
aber haben diese Leute in der Regel wenig zu thnn, 
denn gewöhnlich bekümmert die Regierung sich nicht 
speziell darum, sondern sie verkauft das Holz haubar- 
gewordener Wälder an Handels -Kompagaieen oder ein- 
zelne Entrepreneurs mit der Bedingnif», den Wald in 
einer festgesetzten Anzahl Ton Jahren wieder in Kultur 
zn bringen, was dann allerdings sehr säumig und un- 
vollständig geschehen magi. Denn' Entrepreneurs gehen 
darauf hinaus , die Fällungen und Kulturen mit möglichst 
geringen K^eh zn bemrken , den firlöfs möglichst bald 
zn beziehei^Die Kosten des Wiederanbaues möglichst 
spät zu bestreiten, und d& ibre Controlleurs keine forst- 
wirthschafüiche Bildung besitzen, so finden sie Gelegen- 
heit den Wald zu benachtheiligen , und Ausreden und 
Entschuldigungen genug, um den Erfolg dieser Benach- 
theilignng andern, aufeer ihrer Verantwortlichkeit li^ 
Inenden Ursachen zuzuschreiben. Der Zustand der Wäl- 
der niuffl! 80 Ton eipem Abtrieb zum andern imme^*- 



— 297 — 

schlechter werden, nnd stets mehr fflndemisae für spUre 
Kultaren herbeirufen. Bei dieser Verfahrensweise ist 
natürlich auch an keine bleibende nützliche Einrichtung 
oder Yerbesserung 211 denken. In den Apenninen sind 
immer noch sehr bedeutende, zum Theile unangegriffene 
Waldungen, insbesondre Ton Nadelholz , so grofs immer 
auch die Ausdehnung der TÖlUg kahlen Seiten der Apen« 
Hinen sejn mag. Aber jene Waldungen b|ingen dem 
Staate nur unbedeutenden Nutzen, weÜTon der Regierung 
für Transportmittel ganz und gar nicht gesorgt ist, auch 
ffie Entrepreneurs für den Absatz des ersteigerten Hol- 
zes binnen drei y vier Jahren keine Kosten ifür bleibende 
Einrichtungen aufwenden können. Das Fuhrwesen in Ita- 
lien ist überhaupt von schlechter Einrichtung , die Ge- 
spanina auf dem Lande bestehen in der Regel in Ochsen 
und Kühen, die sieh für weite Transporte nicht eignen; 
die Yizinalstrafsen in den Gebirgen sind alle sehr 
schlecht, und der Einrichtung Ton Flöfsereien stellt 
sich meistens noch das Hindernifs entgegen, dafs die 
Biche einen grofsen Theil des Jahres gänzlich versiegt 
sind. Dennoch würden sie bei regulirten nachhaltigen. 
Fallungen immer noch das beste und vollkommen ausrd* 
chende Transportmittel abgeben. So aber kann das Holz 
mancher Gebirgsgegenden gar nicht auf den grofsen 
Markt gebracht werden, andres, womit einige gröfsre 
Städte der Lombardei versehen werden, mufs doch um 
sehr geringe Preise abgelassen werden, weil die Trans- 
portkosten noch zu hoch kommen. — Andre W&lder 
finden nur dadurch Absatz und Verwerthung, dafs sie 
in der Nihe bedeutender Berg - und Hüttenwerke (^auf Ei- 



*^ 



aen vanAHrnftef) Hegen, deren Betrieb dann, n^eicli 
ndtdem Ertrage der Wilder, PriFatgeseUBcliiflen g^u 
I9ne Pachtgnmme überlasaen wird. 

So knn und* nnvollatindig anch die Nachweiamigen 
aind^ welche ich über die Admimatration der Italieni- 
adien Staataforate geben kann, nnd wenn gleich in ein- 
■efawn FUIen Abweichnngen von dem Geaagten Statt 
finden können, wie s. B. bei der Benntrang solcher 
Wilder, weiche eine günstigere Lage haben, sich dem 
grofiien Markte niher befinden, oder durch gnte Stra- 
ften damit in Verbindung steh^i, so mag dodi das An- 
geführte yollkommen liinreichend seyn, den Standpunkt 
n bemessen, auf welchem die Bewirthscliaftung der 
Staatsforste in Italien steht — Gerade weil es an ge- 
bÜiketen Forsfleuten, an Forstminnem vom fache, 
durchaus gebricht, mnfs es deni Reisenden sehr schwer 
werden« bei flücht^em Aufenthalte sich die gewunsde 
ten Belehmngen zu verschaffen. 

Aber auch die Verwaltung der Krön -Forste ist da- 
ron nicht yerschieden. Ich wiU yon jener in Parma ins- 
besondre sprechen. Sie haben dort eine sehr betracht- 
iiche Avsdeluiuiig; und da die Erzherzoginn sie ans 
dieser Rücksicht Werth achtet , so hat sie im Jahre 1826 
Horrn LniHAattT, einen jungen > kenntnifisiTollen Mann 
▼oll BSfers für sem Fach, aus dem Institute von Bfaria- 
brunn berufen , theils um eine regelmafsige WirthsdiaH 
in den schon vorhandenen Wäldern eiiizufubren , und 
die nSthigen Vorkehrungen zu Erleichterung des Absa- 
tzes zutreffen, theils um die weitläufigen Torhandenen 
Blofsen in Kultur am setzen. Unglücklicherweise aber 



— 299 — 

ittfigsen aUeYerbesgenin^sy<|r8€hlfij^e dieses neuen Font- 
dirdctors einer Commission rorgdegt werden, wdcbe 
mit der Administration der Krongfüter im All^meinen 
beauftragt ist, und können erst vollsogen werdoi, nach- 
dem sie von dieser genehmigt worden; worüber denn 
begreülich eine grofse Ansahl der schönsteii Pläne scbei« 
tem mnfs, weil in dieser Commission wieder niemand 
Ist, der den Wertfa dieser YorsehlSge von Wissenschaft* 
iteher oder praktischer Seite m bearüieilea Terauig -^ 
oder Tielieldit andi nnr gwiigend benrtheilen wUl; 
weQ manche dieser Vorschüge einige an^nhHcklidhe 
Voranalagen erheischen, oder weil sie — in letater In- 
stanz — als Nenemngen viel an Tide Bedeid^lfchkciteB 
erregen, und niemand die Ycnntwortlichkeil im FaHe 
eines UDgünstigen Ausganges auf sich nehmen will* Avf 
der andern Seite aber hat es auch seine Vortheüe, wenn 
diese Plane nicht übereilt werden, indem die tägliche £r« 
fahruog immer mehr ergibt, in wie abweichendem Yer* 
haltnisse, gegen jenes in Deutschland, die äufseren Ein- 
Aus sein Anrechnung gesetzt und berücksichtigt werden 
müssen, und wie häufig demnach eine Kultur- Art oder 
sonstiges Yerfahren vorgezogen werden müsse, das man 
bei uns Tielieicht allen andern nachsetzt. Unter diesen 
Krongütem findet mau Hochwaldungen ¥on Nadel -^ und 
Laubholz, und Buchen- u. a. Nieder-Waldungen , letztre 
mdst mit 4 — 6jährigem Umtriebe. Diese Betriebsweise 
ist überhaupt die gewöhnlichste, weil sie die einfachste, 
Kiefern (P. sylvestris, P. pinaster, P. pinea^ sind die 
gewöhnlichen Nadelhölzer; Fichten sollen fast gar nicht 
In den Apenninen einheimisch seyn, obschon sie nach 



di^geii damit angegteDten Spat-Veraidieii in den Vor* 
bogen der Apenninen wenigstens eben so gnt , als Kie- 
fern nnd Eichen gedeihen« Andre Holsarten) aber kom- 
nen an den öden, kahlen Abhangen derselben, welche 
▼on Ende April bis in den September oder Oktober m- 
vnterbrochen der Sonne ausgesetzt sind, nnd kaum 4 — 
fimal durch Gewitterregen flucht^ befeuchtet werden, 
noch weniger fort. Wahrend dieser letzteren und in 
der regnerischen' Jahreszeit des Herbstes nnd Winters 
tritt dann ein entgegengesetzter Nachtheil ein. Da jene 
steile Vorberge, selbst oft bis zu 2000—3000^ Höhe 
hinauf» meist nur aus losem Schutfgebirge, Sand und 
sandigem Lehme, bestehen, so müssen jährlich während 
des Regens grobe Gehänge einsinken und starke Ver- 
schwemmungen entstehen. Wird nun der Boden Behufs 
der Ansaat noch aufgelockert, so werden beiderlei Ue- 
bei, Trocknifs und Verschwemmungen noch gröfser, so 
dafs, theils um den Boden fester zu erhalten, theils um 
ihm noch durch das vorhandene Unkraut noch Beschat- 
tung und Festigkeit zu bewahren, die placken* und stu- 
fenweise Ansaat bei weitem die zweckmäfsigste, oder 
die allein ausfuhrbare ist. Die Placken erhalten nur 6^ 
im Quadrat zwischen dichten Unkräutern von 5^ — 8^ 
Höhe,' wobei sich die Feuchtigkeit sehr lange erhält. 
Dabei scheinen bei Ffchten und Eichen nur wenig Nach- 
besserungen nöthig zu seyn. Dieser Kulturart aber 
stellt sich nun wieder , zumal bei dem gelinden Winter 
Italiens , die unsägliche Menge Ton Wald - und Feld-Mäa- 
sen entgegen , welche überall einheimisch sind. Daher 
es denn scheint, dals man allein zu Pflanzungen seine 



— 801 — 

Kofliicht nehmen dürfe, bei Eichen insbesondre. Die 
Eicheln müsfiien zn dem Ende in ausgebrannten Tfaoi|- 
^ben , woselbst doch immer drei Viertheile dersel- 
ben ihre Keimkraft bewahren, überwintert, nnd im 
Frühlinge g;erade frühzeitig genug in die Pflanzgärten 
ansgesäet werden , dafs sie alsbald nachher keimen kön- 
nen. Ins Freie dürfen sie dann nicht ganz jung ver- 
pflanzt werden, weil sie den Mäusen noch immer zu 
' sehr ausgesetzt sind. Schon sind zu dem Ende Pflanz-^ 
gärten angelegt worden, obschon die gröfseren Kosten, 
welche diese Kulturmethode voraus verlangt, ihr bei 
Manchem keinen sonderlichen Beifall bereiten mögen. — 
Versuche mit Aussaat von Kiefern unter Hafer schienen 
aülSnglich den Erwartungen zu entsprechen, wurden aber 
durch Verschwemmungen ebenfalls zu nichte gemacht, 
da in diesem Sommer gerade ungewöhnlich viele und 
starke Gewitterregen Statt fanden. Furchensaat ist un- 
ter diesen Yrehältnissen am allerwenigsten anwendbar. 
— Indessen lassen sich auch noch bei obiger Methode 
der plackenweisen Ansaat viele . andre Besorgnisse nicht 
unterdrücken, namentlioh wie die Pflänzchen verschie- 
dener Art die bedeutende Nässe des Herbstes ertragen 
werden, wo es 5 — 6 Wochen fast unausgesetzt regnet, 
so wie auch wieder der Jänner und Februar sehr nafs 
sind; wie sie in dem mit Wasser voUgesogenen Boden, 
oft ehe er eine Schneedecke erhalten, den Eintritt der 
Kälte und das Wiederaufthauen aushalten werden, wobei 
sie in den ersten Jahren leicht auf die Oberfläche ge- 
rathen , auch wo keine Verschwemmungen Statt finden. 



/ 



— 802 — 

Primtpenonen und Gemeinden erziehen Hbren Hols-« 
bedarf entweder in Eichen - Niederwaldnngen mit 3 — » 
Ojähri^em Umtriebe , oder in lichten Kastanienwäldern 
dnrch Ausnutzung der untern Aeate, oder aber am 
häufigsten Ton einer Menge von Bäumen, weiche noch 
zu yerschiedenen anderen Zwecken längs den Strafsen, 
Feldwegen , Feldraine , Damme und auf den Aeckern 
selbst gepflanzt sind. Daraus ziehen wenigstens sämmt-» 
liohe Landbewohner ihren ganzen Holzbedarf , und viele 
dieser Leute sind im Stande , noch beträchtliche Bf en-' 
gen Holzes zu erübrigen, und nach der Stadt zu ver« 
kaufen, wo man öfters Hunderte von Fuhren^ frdlich 
fast alle nur mit Reisholz beladen, ankommen siehtr 
Vmi der Holzzucht aus jenen Feldbäumen bliebe nun« 
mehr noch insbesondre zu sprechen übrig. 

Von einem Höhenpunkte aus gesehen, gleicht die 
fimchtibare Lombardische Ebene nur einem grofsen Wal-* 
de , so betrachtlich ist die Menge der einzelnen Bäu- 
me ^ welche überall in den Feldern eingepflanzt sind« 
M^t kann man nicht eine Viertelstunde Weges weit 
zwischen denselben hindurch sehen, und von Dörfern, 
die der Strafae nahe sind, gewahrt man meist nur dn^ 
seine Giebel oder Thnrmapitaen, über den Bäumen her- 
vorragend. Aber es sind nicht jene Obstbäume, welche 
die Ebenen und Berghänge der Pfalz zum grofsen Gar- 
ten machen, und mit dem Schmucke duftender Blüthea 
im Lenze die Fluren weithin bedecken. Der ausge- 
dehnte Weinbau macht die Erziehung einer grofsen 
Menge von Baumobst , zur Cyderbereitung geeignet^ in 
Italien überflüssig. Die Feigen- und Olivenbäume ge* 



hören noch südlicheren Gegenden und dem Südwestab- 
haoge der Apenninen an; Orang^en- und Citronenbäume 
ziehen sich hier noch in die geschützten Lagen der 
Thäler an derselben Gebirgsseite zurück. Daher ist es 
ein seltener Fall^ unsre Obstbäume in Italien zu sehen, 
ohschon einzelne Gegenden, wie Nizza, Asti u. s. w. 
an Kirschen, Birnen und Aepfeln durchaus keinen Man- 
gel leiden. Unsre Nufsbäume werden durch den reich- 
lichen Olivenbau überflüssig, ohschon man sie einzeln 
noch auf den Bergen antrifit, welche die Lombardey 
umgeben, woselbst ihre Blüthe nie erfrier^, und sie 
idso einen sicherern Ertrag als der Oelbaum geben. Nur 
stellenweise ziehen sie sich dort in die Ebene hinein. 
Auch die Kastanie ist auf die Yorberge der Apenninen 
bis zu meK*ern Tausend Fufs Höhe hinauf beschränkt, 
wo sie lichte, aber oft weithinziehende Wälder für sich 
bildet. Die Bäume der Ebene sind hauptsächlich fol- 
gende: der Maulbeerbaum findet sich in Menge zunächst 
in und um die Städte, Dörfer und Landhäuser, wo Sei- 
denzucht getrieben wird, damit man ohne grofsenZeit- 
Terlust Ton ihm täglich das nöthige frische Futter be- 
ziehen könne. Oft zwar werden Ton ihm die Blätter 
nur gerade abgestreift; oft aber haut man die äufser- 
sten^ sonst nicht gut erreichbaren, dünnen Zweige ab, 
und nimmt erst alsdann das Laub davon weg, das Hob 
derselben sorgfältig sammelnd und aufbewahrend. Mei^ 
stens aber, wie ich schon früher erzählt, köpft man 
diese Bäume alle paar Jahre, um zu bewirken, dafs sie 
der Hand des Laubsammlers nicht allzusehr entwachsen, 
und um de zur Bildung vieler (?) jungen Triebe und 



•• 



-^ SM — 

stifarkern, MfUgeni Laubes zu TeniDlaMeiL IMe zweite 
Holzart dea Feldea , welche jahrlich etwas Hak liefert, 
igt die Rebe. Da sie in den meisten Gegenden der 
ganzen Ebene nicht an PfiUilen und ni Kammern erzo- 
gen wird y sondern an Bäumen , so erspart sie alles bei 
uns nöthige Wingert-Holz, nnd liefert durch ihre eigne. 
Aber die Bäume hin sehr lang auswachsende Aeste jähr- 
lich einiges Brennholz ^ dessen Menge ans dem Grunde 
doch nicht ganz unbedeutend ist, weil die Rebe in 
mehren Theilen der Lombardey fast auf allen Aeckem 
zu finden ist ^- Die Bäunle, welche man zur Stütze 
und als Trager bestimmt, sind' der Feldahorn, die Ulme, 
die Weide, die Pjramidpappel, die Eiche, die Esche; 
Torzüglich aber die Tier erstem, je nach der trocknem 
, oder nassem BeschaiTenheit des Bodens." Die Pyramid- 
Pappel sah ich nur in der Nähe von Neapel zu ihrer 
ganzen Höhe alifgeschossen^ und auch in ihrer ganzen 
Höhe mit Reben-Ranke;i überdeckt In nördlichem Ge- 
genden scheint sie in diesem Zustande die Trauben 
doch zu sehr zu beschatten. Man köpft sie daher alle 
8 — 4 Jahre, zieht die Reben nur bis an die Aeste 
hinauf, nnd ersetzt die Stamme alle ;^0 Jahre wieder 
durch neue. Die Aeste geben Pfahlholz für Rebbau in 
höhern Gegenden. — liie andern Bäume aber werden 
jährlich etwas ausgeästet, theils um zu hindern , dab 
sie sich nicht zu weit, zum Nachtheil des Feldes ausbrei- 
' ten , theils damit sie die Rebe selbst nicht zu sehr be- 
schatten. So gewinnt man zugleich, von ihnen wie von 
der Pappel , etwas Futterlaub. In Lagen , die sich zum 
Rebbau nicht eignen^ auf den höhern Bergfeldern, an 



— aas — 

4 

kleinen Rainen u. dergl., und wo Mangel an Wiesen, 
aieht maa die Ulme, Esche, Eiche und Pappel, auch 
wohl oft fiir sich angepflanzt, als Kopfholz behandelt, 
nm jährlich etwas Brennholz und Futterlanb zugleich 
davon zu ziehen, welches mehrmals im Jahre abge« 
streift und in Körben gesammelt wird. Diese, Be- 
hufs des Weinbaues erzogenen Bäume stehen sehr dicht 
m Reihen, welche auf den zum Fruchtbau benutzten 
Feldern, theils zu beiden Seiten der Strafsen, der 
Bäche und Wassergräben in einfacher oder doppelder 
Reihe, theils aber parallel mit und auf den einzelnen 
Ackerstücken hinziehen, theils endlich auf den gröfseren 
und kleineren Dämmen stehen, welche zpr Stauung des 
Wassers in den Reisfeldern angelet sind, wo freilich, 
auf den kleinern Dämmen wenigstens, die Reben weg- 

w 

bleiben müssen. Zur Abtrocknung des Feldes in der 
Ebene sind gewöhnlich je 10 — 20 Morgen Ton tiefen, 
mit Bäumen besetzten Wassergräben umgeben, von klei- 
Bern durchschnitten. Die Baumreihen zu beiden Seiten 
der Wassergräben stehen oft kaum 8 — 10^ von einan- 
der; sonst aberhaben sie 20 — 80^ Entfernung. Sind 
diese Bäume nicht zugleich für die Rebzucht bestimmt, 
dann stehn die Reihen selbst 150 — 200^ weit auseinan* 
der, aber die Bäimie in denselben stehen dichter. Im 
ersteren Falle , wo -die« geköpften Bäume einer Reihe 
unter sich sehr genähert stehen, bleibt unter ihnen al- 
lerdingsein schmaler, 8 — 4^ breiter Ackerstreifen übrig» 
der nicht gepflügt werden kann, und auf welchem keine 
Fruchte wachsen ; aber sie verdampfen verhältniüsmäfsig 
doch nur wenig unter sich An andern Orten stehen 

Mronn, Beiae Jl. 20 



Je 2 Pappelreilieii 100^ Ton einander entfernt, und hm~ 
Ben 2 Reihen Maulbeerbäume zwischen sich. Von allen 
diesen Bäumen wird jährlich eine gewisse .Quote gBMm 
srar Nutzung gezogen , und durch junge Stämme ersetzt. 
— Endlich liefern kleine, hin und wieder zwischen den 
Feldern liegende Gebüsche, Hecken und Hage dem Land- 
mann einiges Reisholz. — Auch M ajsstroh dient zum 
Brennen. ^-^ Die Stämme der so erzogenen Bäume müs- 
sen auch einen grofsen Theil des nöthigen Werk- und 
Bauholzes liefern. Meubles zum gewöhnlichen Gebrauche 
werden meist aus Kiefern- und häufiger noch aus Pap- 
peln- und Weiden «Holz gefertigt, daher sie gewöhnlich 
wurmstichig sind. Doch bedient man sich deren sehr, 
lange, iersetzt sie selten durch neue, und bewahrt sie 
gerne als Familienstücke. In einem Wirthshanse zu Pia- 
cenfM liefs uns der ^ Eigenthümer ' einen längst unge* 
brauchten, sch^eilaUigeH Vogelbauer sehen, der von den 
Faenssb herstammte, und Mefs uns seine „Bf aestä^^ be- 
wundern. — Bauholz wird fastuiusschlielsliGh nur tou der. 
Pyramidpappel bezogen, da die andern Bäume dazu ent-^ 
weder überhaupt zu klein, oder wegen der gewöhnli-. 
eben Behandlung als Kopfholz dazu untauglich gewor-. 
den sind. Da ferner in Italien die meisten Oekonomie- 
gebäude, «elbst Theile der Wohnhäuser, nicht mit aufge- 
mauerten Wänden versehen sind , sondern nur. ein Dach 
darstellen y das von einzelnen Mauerpfeilern getragen^ 
wird, so dafs^lso die /dem Wetter ausgesetzten Balken 
hohl liegen, so erkennt man das Bauholz aus Pappd- 
stammen baldi^ daran, dafs es sich an den nicht unter- 
stützten Stellen wirft und nied^senkt, oder einen ab- 



— 8W — 

wartsgehenden Bogen beschreibt. Wo es in den Häu- 
sern Tollkommen trocken lieget, ist es diesem Fehler 
minder unterworfen , doch sind in der Regel die Fufs«- 
böden ebenfalls krumm. — Da unter solchen Verhält* 
nissen nicht leicht ein Ort ist, wo nachhaltig eine be* 
deutende Menge Bau- und Werkholzes erzogen würde, 
und da anderseits auf dem Lande wenigstens jeder seinen 
eignen Bedarf davon selbst zu erziehen sucht , so hat 
man auch keine Schnittmühlen für Bretter und andre 
Nutzholz-Sorämente, sondern man sieht vor den Häu- 
sern der Tischler, Stuhlmacher u. s. w., deren Leute 
sich gewöhnlich sehr abmühen , jedes einzelne nothige 
Holzstück mit Handsagen zurecht schneiden. 

Ich glaufce wohl, dafs die ärmsten Klassen der Ein- 
wohner Deutschlands zum Kochen kaum mehr Holz be- 
dürfen, als in Italien. Der Italiener wohnt in der Küt 
che, und kocht so im Winter an dem nämlichen Feuer« 
das ihn wärmt. Der Deutsche kocht in seinem StubeOr 
ofen. Der arme Deutsche bedarf zum Abquellen der 
Kartoffeln , welche das gan^e Jahr hindurch seine Nah* 
mng ausmachen, auch nicht mehr Feuer, als der Ita- 
liener zur Bereitung seiner Polenta: für beides mufs 
nur ein Topf toU Wassers eine viertel Stunde lang zum . 
Kochen gebracht werden. Doch ersetzt diese Polenta 
dem Italiener das Brod , die Kartoffel dem Deutschen 
aber nidit gänzlich. Der Italiener bereitet sich die Po- 
lenta täglich einmal für den ganzen Tag. oder für je 2 
Tage ; der Deutsche kocht zweimal Kartoffeln. So 
könnte der Holzverbrauch zum Kochen in DeutschlaiMl' 
den Sommer über etwas gröfser ausfallen^ als in Italien« 



— «w — 

Der Hobverbraiich im Winter aber, zum Heitzen und 
Kochen würde in Italien, wegen der geringem and 
kurzem Kalte , kaum halb so grofa als in Dentsdiland 
ausfallen. — Leute Ton einigem Besitze dagegen, jene 
Ton geringer und mittlerer Wohlhabenheit, leben in Ita- 
lien noch fast eben so einfach, wie erstre; in Deutsch- 
land nicht mehr. Die yerschiedeneu Pasten, insbeson- 
dre Macaroni, und Reis Tertreten die Stelle der Polenta, 
wo dieselbe nicht mehr die einzige und ausschliefsliche 
Nahrung ausmacht ; und die Leute begnügen sich noch 
mit diesem einen Gerichte, wo der Deutsche schon zwei 
oder drei, selbst Tier Terlangt, oder schon häufiger Fleisch 
geniefst, und auf diese Weise weit mehr Holz für die 
Küche bedarf« Allerdings mufs man auch berücksichti- 
gen, dafs man in Italien nur ganz freie Heerde, oder nur 
in Wirthshäusern und in den Städten mit Casserolen, 
hat, und schlechte Kamine statt der Oefen. So glaube 
ich jedodi, könne man im Allgem^en in Italien 
halb so lielHolz zur Heitzung, zwei Drittheile so viel 
zum Kochen, als in Deutschland, ansetzen. — Beim 
Bauer aber fällt in erstrem Lande aller Holzbedarf 
zur Dielung der Boden , aller für Gesimse und Getäfel 
an den W^änden, und ein grofser Theil für Meubles 
weg, welcher bei uns selbst in gemeinen Bauernhäusern 
noch Stattfindet; und der grofsen Weinproduction un- 
geachtet, wird dort sicher nicht halb so viel Holz fiir 
Fässer, als in Deutschland nöthig, da man den Wein 
weder aufbewahrt, noch ausführt. Alle Kübel u. a. 
hölzerne- Wassergefafse sind durch solche von Kupfer 
oder Eisenblech ersetzt Die Bettgestelle sind einfa- 



— 309 — 

eher, und in mehrem 6eg;enden (;denStidten) ^ni ran 
Eisen; zuni Sitzen hat man in den Banerhänsern g;e- 
wohnlich nur eine Bank , und einige noch zu andern 
Zwecken bestimmte Holzblöcke, Kisten u. dg^l. 

So sehen wir in Italien, die CoTTA'sche Baumfeldei^ 
wirthschaft *)^ in der von den Lokalyerhältnissen be* 
dingten Form, realisirt. Doch sind bereits auch die Ver-^ 
hältnisse nachgewiesen, weshalb der Ertrag der Baum* 
felder - Wirthschaft dort eher, als in Deutschland, aus- 
reichend werden kann; und hauptsachlich, auch jene, 
wegen deren die Vereinigung der Wilden -Baum -Zuckt 
mit der Feldwirthschaft der letztern nicht nur weniger 
nachtheilig , als bei uns , sonderh sogar für sie Torthcii- 
haft und selbst nothwendig werden mufs. Die Verhält- 
nisse der letzteren Art treten aber bei uns durchaus 
nicht ein , "und es würde daher scheinen , als ob obiger 
Wirthschaftsplan ein für uns durchaus unanwendbarer 
wäre , wenn wir nicht eine ähnliche Art der Holizucht 
auch in einigen Gegenden der Niederlande und der 
Norddepartements yon Frankreich seit langer Zeit eilige* 
fuhrt sähen. Torf und Steinkohlen machen für die 
Niederlande zwar das Holzbedürfnifs geringer^ und dar- 
um die zu lösende Aufgabe leichter. Aber in beiden 
genannten Ländern', den Niederlanden wie dem nörd^ 
liehen Frankreich, ist jene Wirthschaftsart doch nur dar«» 
um hauptsächlich ausführbar geworden > weil das Gründe 
eigenthum in grofsen Besitzungen beisammenliegt, und der 
Elgenthümer daher in dessen Behandlung unabhängiger 
i«t; dann aber, weil Wiesen- und Weideland -dort das 



Vergl. Band I. S. 128-130. 



— nt — 

tmbtmAiade M, md ihrdi die BtBAiMmng ki 
•der anr nd geringeren SdiadeB kid^, ab das Acker- 
land, woraof die Pflansen einer langen Periode nnr 
Tollendnng ihrea Wadiathnmea, oder eines starken Son- 
nenlichtes xnm Reifen ihrer Fridite bednrfen, nnd die 
starke Feuchtigkeit selbst Nachtheü bringt 

Veriiiltnisse der Art aber treten in einem grolsen 
Theile Ton Denttehland nnd namentlich in den Bheinge- 
genden nicht ein, wo die TheObarkeit der Güter warn 
Bztreme gekommen, und das Grasland anf die Niede- 
rungen unmittelbar um den Bhein selbst beschrinkt ist. 
— Sollte nun aber die BaumfelderwirthschafI auch m 
der Ton Cotta erdachten Weise nicht überall in Deutsdi- 
land Anwendbarkeit besitKen, so haben, wie aus obi- 
gen Darstellungen erhellet, diejenigen Forstschriftstd- 
1er doch oiTenbar Unrecht, welche die Banmfelder- 
whrthschaft überhaupt als absolut unausführbar und als 
in der Wlrklichkdt nie bestanden anzusehen geneigt 
sind. 

In den Elchen- und Buchenwddungen werden dne 
Menge Schweine gemastet , die man dort dntrdbt und 
ganz rieh selbst überlafst Anderwärts bringt man . die 
Eicheln zu Markte. 

Noch will ich hier mit dn^^en Worten der forstlichen 
Nebennutzung, der Jagd, erwähnen. Da die eigentli- 
chen Waldungen grofsenthdls auf entlegene Gebirgsge- 
genden beschränkt sind, so kann begreiflicher Weise 
in den Ebenen und Vorbergen der Hochwildstand nir- 
gend yon Bedeutung seyn. Bei Parma fehlt das Hoch- 
wild ganz , und zu Colpma hält man einiges Rothwild 



. ^ 111 - 

nur in ein^ehagten Platzen, und füttert es dm gaue 
Mir hindurch mit fichleditemHeu ! doch kommen Füdite 
nad Haasen in den henachbarten Wäldern vor. Von 
einer 'geregelten Jagd darauf aber haben die Italiener 
so \r^n\g Begriffe, dafti fde ohne Rücksicht auf den 
"Wind sich anstellen , oder mit den Treibern und Hun- 
den zugleich durch den Trieb gehen. Die Jagdhunde 
sind i^stens von Hühnerhund Race. Die Feldjagd 
schemt gegen Lösung eines Scheines jedem gestattet, 
oder (^wenigstens auf den grofsen Gütern^ demEigen- 
thümer ganz frei gegeben zu seyn; daher denn auch 
Haasen im Felde sehr selten sind. Gleichwohl sieht 
man viele Italiener sich einen Theil des Jahres hindurch 
mit der Jagd beschaffnen , nämlich nach Vögeln , als 
Tauben und Hühnern *yerschiedener Art, Wachteln^ 
Drosseln, Schnepfen, Becassinen u. s. w., welche mei- 
stens durch ganz Italien Torkommen, nirgend aber, zu^ 
mal im Herbste und vor Eintritt des Winters, häufiger 
sind, als in den Römischen und Toskanischen Marem- 
men und auf den Inseln Corsica, Sardinien u. s. w. Ihre 
Menge ist dort zu dieser Zeit ganz aufserordentlich, 
sey es , dafs sie in diesen ungesunden und entrölkerte»), 
aber fruchtbaren Gegenden selbst jung geworden , oder 
aber dafs sie, was wohl grörstentheü« der Fall, aus 
nördlicheren Breiten dahin gelangen, entweder um dort 
zu überwintern, oder Ton da gerade oder über die Grie* 
chischen Inseln (^wie Einige meinen)^ nach Afrika über- 
zusetzen. Die Zeit der Jagd ist auch die gesunde Jah- 
reszeit in jenen Gegenden , so dafs dieselbe in doppel- 



— . «2 — 

ter Hfaifidit dcB Batenden vidi den Mareaimea em- 
fSotiea werden invb, welche freflieh, Ton den Hanpt- 
wegen ab, Immer grobe Vorsicht von Seiten der Ret- 
tenden, xomal der AnjBÜnder., für Ihre personliche ES- 
cfaerhelt erheischen, da die Eingeborenen, wie dort 
gereifste Italiener mir selbst Tersicherten, eben nicht 
mit dem strengsten Gewissen versehen sind. 



XXL 

Marmorarb eiten. 



Mßie berühmten Marmorbrücbe Ton Carrara und jene 
▼on Serravezsa sind eine unerschöpfliche Quelle des 
Einkommens für diese Geg;enden. Doch mufs ich g^e- 
(stehen, dafs ich bei der reichlichen Arbeit > welche 
dieselben schon seit Jahrhunderten ununterbrochen den 
Einwohnern gewährt haben, mehr änfsere Zeichen des 
"Wohlstandes erwartet hätte« Indessen sind die Bewoh- 
ner dieser Gegenden grofsentheils von anderen Hülfs- 
mitteln gänzlich entblöfst; diese Art des Verdienstes 
hat eine beträchtliche Anzahl Ton Arbeitern hier zu- 
sammengedrängt , mit deren Anzahl die Ausdehnung 
und Güte der Felder in den tiefen und engen Thälern, 
and auf den steilen, felsigen Berghängen in keinem Ver- 
hältnisse zu stehen scheint Dabei sind die mechanischen 
Vorrichtungen, welche jene Arbeiten erheischen, auf ei- 
ner kläglichen Stufe der Ausbildnng stehen geblieben. 

Von Masaa *) aus, welches am westlichen Fufse der 
Apenninen in der niedrigen und schmalen Rwiera di 
Levante zwischen Spezsia und Ptetra Santa ^ auf der 
Strafse nach Pisa Hegt, gelangt man auf einem schd- 



*) £0 wird Afott^a di Carrara genannt zur Unterscheidung 
▼on Maasa RoaOj welches unfern davon in Lucca, und Ton ei- 
nem dritten Maha , weichet £Ka gegenüber in Toskana liegt 



— S14 — 

Den W€^ über einen nemlidi hohen BergrnAea mA 
dem in einem Thmie etws 1% Standen entlegnen Car- 
rata. Bi sjnd die bedeutendsten Orte In dem Ueinen 
Heraog^thnm Carrara^ welches wohl nach dem Tode 
der In Wien lebenden Fürstin durch Erbschalt an Jfe- 
dena fidlen wird. Einige Standen südlicher, Ton Pvstrm 
Santa seitwärts im Gebirge, liegen die Flecken Serra- 
vezxa and Sta%aema^ welche mit Pietra Santa eben- 
ftlls ein isolirtes Gebiet ansmaehen, das nun zu Tos- 
cana gehört. Carrara liefert den weifsen komlgeii, 
SerraoevsM und Stassasenia den breccienartigen , weiis, 
roth, braun, grün u. s. w. geäderten Marmor, ^fiimr' 
morbreccie von Serravezxa^^ genannt. Ah xwanzig 
kleine Ortschaften der Gegend nihren sich durch 
Gewinnung, Verarbeitung und Versendung des ro- 
hen und yerarbeiteten Marmors. Massa selbst hat 
Im Falle del Frigido alte und bedeutende Bruche w^- 
fsen JUarmors besessen. Fahrgleise von BSdern sind in 
dem dahin führenden Wege tief in Quaraanassen des 
Gneises eingeschnitten > obschon jetzt fast gsr kein 
Fuhrwerk mehr dahin gehet, seitdem diese Brache ver- 
lassen worden, da, wie man sagt^ die R^erung immer 
Carrara auf Kosten Ton Massa begünstigt hat Doch 
scheint die spböne Kunststrafse , welche zwischen bei- 
den Orten über den Berg fuhrt, neuerer Entstehuiig, 
und früher mag alle Ausfuhr aus Carrara gerade durch 
das sich weiterhin ausmündende Thal Statt gefunden 
haben, ohne Massa zu berühren. Indessen hat dieses zu 
dem Ende eine sehr günstige Lage« An derHeerstrafse 
zwischen Genua und Pwa, und nur etwa eine halbe 



— 315 — 

Stande vom Meere g^eleg^en, ist es im Stande^ nnunter* 
brochne.und direkte Verbindungen zu unterhallln. Da- 
her hat Massa^ aufser etwa einer kleinen Anzahl von 
Anstalten zur Fertigung g^eringer Marmorarbeiten , ron 
jenen Brüchen nur durch Spedition und durch die An- 
kehr Ton zahlreichen Fremden Gewinn, welche, die 
Brüche zu besuchen, von der Landstrafse ausbeugen. 
Gerade jetzt lagen mehre Schiffe bei Massa , um Mar- 
mor für die neue Kirche in Neapel zu laden , welche 
nach dem Muster der Peterskirche in Rom erbaut wird. 
Bestellungen für gröfsre Entfernung werden Ton Massa 
n^T bis Spexzta oder Gemia gesandt, wo sich Gelegen- 
heit findet, sie mit gröfsern Schiffen weiter nach Hol- 
land, häufiger nach England,, auch nach Amerika u. 
8. w. gehen zu lassen. Viele Bildhauer reisen selbst 
nach Carrara , um die Blöcke für ihre Arbeiteil selbst 
auszusuchen und erst im Rohen zu voUendeni damit sie 
versichert seyen, bei der weitem Bearbeitung nicht' so 
leicht auf, durch Spalten , Drusen , Schwefelkiese oder 
.Flecken, fehlerhafte Stellen zu gerathen, welche die 
gehabten Transportkosten und Arbeit vergeblich machen. 
Der weifse Marmor von Carr.ara wird, lange Zeit 
frei an der Luft liegend > grau und schwärzlieh , so wie 
der schwarze Marmor von Porto Venere bei Spezsia 
heller, grau und weifslieh wird. Daher man dieMd- 
hau^arbeiten davon nicht frei aussetzen dar£ Bei Be- 
treibung der Brüche geräth man oft auf mächtige Mas- 
sen eines weichen, durch Schlagen mehlartig zerstäu- 
benden Marmors, welche man sorgfältig vermeidet Bs 
«ind drei steile schmale Thäler um Carrara. welche 



— 31« — 

den guten Bfmnor ans sa&lreidien BrficheB liefern^ 
namentdch f^aüe di Torrano (?*). - Man gewinnt die 
Marmorblocke durch Spreng;en mit Pniyer, und fordert 
dieselben nachher meist durch Menachenkralt aus den 
oft steU in den Berg* hinab gearl>eileten Brüchen. Keine 
Maschine wird zu Erleichterung der Arbeit rerwendet: 
höchstens legt man, wo es angeht, Walzen unter. Je 
zwanzig bis dreiCaig Menschen spannen -sich dann an 
die Seile. Von den Thälem nach Carrara herab fuh- 
ren, des taglichen Gebrauches ungeachtet, noch keine 
ordentlidien Wege. Die Torhandenen werden [fast täg- 
lich aus den anstofsenden Brüchen mit neuem Schutte 
▼erdeckt; sie sind bald steil, bald eben, ohne Verthei- 
hing des Falles ; bald steigt das rechte , bald das linke 
Fahrgeleise höher an. Die niedrigen Wagengestelle, auf 
denen die Blöcke herabgefiihrt werden, sind äufserst roh 
und plump gearbeitet, und 6 — 8 Paare Ochsen müs- 
sen angespannt werden , um diese geladenen Wagen auf 
den abhängigen oder ebenen Wegen in Bewegung zu 
setzen. Yor Carrara begünstigt ein schöner, stets le- 
bendiger Bach die Anlage Ton Sägewerken. An den 
beiden Enden der Wellen der Wasserräder befindet sich 
einte Kurbel, welche, durch Gelenklatten, je zwei Stein- 
sägen in horizontale Bewegung setzt, welche in unge- 
fihr gleicher Fläche mit dem äufsern Wege gehen, mn 
das Zu- und Wegbringen der zu s%enden Blöcke zu 
erleichtem. Die Sägen selbst haben die Form gewöhn- 
licher Holzsägen mit etwas stärkeren^ höheren, 6 — IIK 
langen Sägeblättern, ohne Zähne. In die Schnittlinie 
wird Ton Zeit zu Zeit Wasser eingesprützt , und feiner 



— SIT ^ 

Quarassand eingestreut, der, wenn ich nicht irre, durch 
Schlämmen aus dem Seesande des Golfes Ton Spezsua 
ffewonnen wird. Die Reibung der feinen Sandkörner 
zwischenr dem Steine und der hin - und hergehenden 
Säge ist es hauptsächlich , welche das Zerschneiden be- 
wirkt. So gewinnt man Marmor -Tafeln und Bänke ssum 
Platten der Böden, zu Fenstersimsen u. dergl. , welche 
nachher durch den Bildhauer weiter ^ausgearbeitet und 
mit Verzierungen versehen, oder nur einfach polirt 
werden , was ebenfalls mittelst feinen Quarzsandes , und 
zwar, wie ich höre, immer durch Handarbeit bewirkt 
wird. Die Marmorstücke für kleine Arbeiten werden, 
ohne besondre Kosten zu machen, auf den Halden der 
Brüche von den Künstlern aufgelesen, wo sie Gelegen- 
Jbieit finden, Stücke des schönsten, härtesten, reinsten, 
durchsichtigsten Marmors zu entdecken. Die Herzoginn 
liat in Carrara eine Academie dei^tthönen Künste, nach 
dem Muster der Floren tinischen , errichtet, 'wo. Unter- 
richt im Zeichnen und in der Sculptur ertheilt wird, 
und viele GypsmodelJe nach den Mustern ältrer und neu- 
rer Meisterwerke der Kunst aufgestellt sind. Auf dem 
Markte hat man eben eine grofse Statue des versterbe-^ 
neu Herzogest errichtet. Marmor ist im Orte selbst 
Bau- und Pflasterstein, da die Steine zu beiderlei Zweck 
hier die wohlfeilsten sind, und viele ohne alle Kosten 
als Abfall sich ergeben. Die Fenster- und Thürgestelle, 
Bodenplatten und Kaminsime im geringsten Hause sind 
von geglättetem oder- weiter bearbeitetem, weifsem 
Marmor. 



— S18 — 

Die Gewümnng des Marmors von Serravezza ist von 
der des Torigen etwas abweichend. In den steilen Abhän- 
gen des engen Thaies bricht noch weifser Marmor ; weiter 
hinein aber, an 2 Stunden weit bis Stazzema^ kömmt 
nnr die sogenannte Breccie vor, die aber nur nach Ih- 
rem Ansehen, nicht nach ihrer Entstehungsweise, die- 
sen Namen Terdient. Denn alle Theü» derselben , so 
▼erschieden sie auch gefärbt und so scharf die ver- 
schiedenen Farben von einander getrennt sejen, sind 
gleichaeitig entstanden , doch scheint, hauptsächlich die 
Menge und Mannigfaltigkeit der Metalloxjde, welche 
diese Farben herTorgerufen, auch die Festigkeit des Ge* 
Steines wegen leicht beginnender Verwitterung gemindert 
zu haben, und man trifft daher zur Verarbeitung brauch- 
bare Breccie oft nur aderweise an, weshalb zu deren 
Gewinnung oft lange und ungleiche Gänge in das Grebirge 
getrieben sind. Jed^ Bruch gibt andre Farben -Niian- 
zen, oder doch einen Terschiedenen Charakter des Mar- 
mors durch Vertheilung der gleichen Farben. — We- 
gen der Länge und schlechten Beschaffenheit des Weges 
verschiebt man den Transport grofser Blöcke oft bis 
zum Schnee. Wer nur gelegentlich die Schönheit, Man- 
nigfaltigkeit und Dauerhaftigkeit der Serratezzer-Brecde, 
und die Gröfse der Blöcke, worin sie gewonnen wird, 
beurtheilen will y findet die beste Gelegenheit dazu auf 
der Durchreise durch Pietra Santa ^ wo in der Haupt- 
kirche die schönsten Altäre^ und die verschiedenen 
und überaus grofsen Säulen daraus gefertigt worden 
sind. 



In Carrara selbst sind Tide Arbeiter, welche die 
gebrochenen und geschnittenen Steine für Reliefs , Ka- 
pitaler^ Simse n. dergl. entweder im Rohen verarbeiten, 
nm das Gewicht für den Transport zu vermindern, und 
vor der Versendung noch etwaige Fehler des Gesteines^ 
zu entdecken, oder, wenn sie weniger Kunst verlangen, 
wie Badewannen u. dergl:, sie ganz ausarbeiten. Auch 
findet man Yorräthe von vielen dort gefertigten Kleinig- 
keiten au^ Marmor. Des gröfseren Marktes wegen aber 
werden eine noch gröfsre Menge von Gestein-Abföllen und 
selbst kleinre Steinblöcke in Livomo y Genua und Flo- 
renz zu Gute gemftlft. So sind in Florenz, namentlich 
längs des Arno, mehre Magazine, von wo aus die mei- 
sten fertigen Marmorarbeiten in das Ausland, nach 
Frankreich, Deutschland, Holland, Rufsland versendet 
werden. Diese Magazine werden theils von den gedun- 
genen Arbeitern des Eigenthümers selbst gefüllt, theils 
kauft er , um geringere Taxe , vielen in der Stadt um- 
herwohnenden armen Marmorarbeitern, welche nicht 
lange feil halten können, ihre Waaren, je nach Bedtirf- 
nifs ab. Die meisten Reisenden besuchen diese Maga- 
zine, um wirklich etwas zu kaufen, oder auch zunächst, 
um sie nur anzusehen j in welchem letzteren Falle sie 
natürlich auch eine Kleinigkeit nehmen müssen Da aber 
diese Fälle oft vorkommen , und die Besuchenden dann 
snnächst nach dem wenigst kostspieligen fragen , so wer- 
den gerade diese Kleinigkeiten verhältnifsmäfsig höher 
im Preise angesetzt , als die gröfseren und mühsameren 
ArbeiteA. Wenn man sich nicht scheut, die Hälfte des« 
%^u au biegen, was verlangt wird, so wird man viele 



— t20 — 

dieser Sachen erhalted, oder nur noch wenig nachzu« 
bieten brauchen. Freilich kann man g;erade dann we- 
niger handeln; indessen vdrd man selbst im billigsten 
Falle noch immer das Doppelte oder Anderthalbfache 
TOn dem bezahlen, was man jenen armen Arbeitern 
selbst gibt, wenn sie ihre Waare in Kaffee -oder Wirths- 
häusern hausiren tragen. 

Diese Arbeiten bestehen hauptsächlich in Urgestei- 
len und Vasen Ton den mannichfaltigsten Formen und 
Gröfsen, in Marmorstücken von manchfacher Gestalt 
zum Beschweren des Papieres beim Schreiben, in maur 
cherlei Urnen, Brunnen, Statuen f Cruppen Ton Zoll- 
bis fast zur Lebens-Gröfse, welches meist kleine Ko- 
pjeen von den berühmtesten Werken grofser Meister 
sind , welche man in Florenz und Rom auf den öffent- 
lichen Plätzen und in den Gallerieen findet. Wer sol- 
che Kopieen wünscht, wird fast i|lle TÖrräthig finden. 
Auch schöne Früchte aller Art werden nachgeformt und 
mit Hülfe einiger Farben aufs Täuschendste nachgeahmt. 
Es ist unbegreiflich , wie wohlfeil manche Ton diesen, 
oft Tiele Arbeit erfordernden Gegenständen sind, wie 
ganze Trauben n. dergl. Aufser den in Marmor ausge- 
hauenen Gegenständen finden sich auch einige in Ala- 
baster. Auch verarbeitet man harte Steine : Achate, 
Laren, Grünsteine (Verde di Prato: schwarzgrünj zu 
Brunnen , zu Thieren yerschiedener Art u. s. w. — 
Endlich fehlt es in diesen Magazinen nicht an einge- 
legter Arbeit Ton harten Steinen, nach der eigenthüm- 
lichen Florentiner Welse, von welcher unten noch ge- 
sprochen werden wird. Auch fossile Zähne von 



— 521 — 

Glephanten hat man angeschliffen, nnd kleine Samm- 
lun^sii lingeschliffnei^Marmor-Arten und harter Steine 
Ton ^öffiter Manchfaltigkeit werden in Vorrath gehal- 

■ 

ten , wo auf der Rückftite einea jeden Name , Fundort 
B. 8« w. bemerkt ist. Die Preifse dieser letiten sind 
nngeßllir folgende: Eine Sammlung, in hobeme Käst- 
chen gepackt, mit 
160 Stück Ton 2/^Par« im Quadrat kostet^aMMlffihen 

150 . - 1%Ü ■ ^ - 1» - 

150 -' . 1// . . . • » - 

rso - .34//^-'. . "5 . - 
120 • -* .^/^'' - - - •. » - . 

Die Wirtzeuge au diesen Arbeiten sind äufserst einfach. 
Biie Drehbank dient, die runden SaAeU' abzudreheii. 
Sage und Folirapparat fehlen wohl nicht, ^och hab^ 
ich sie nicht gesehen« Aufserdem bedienen sie pjch fast 
einzig des Fäustels und Terschiedener Meiset — Eines 
der schönsten Magazine besitzen Moui^ cBazzantiIuiit 
go I'Arno Corsini, nel piccolo albergo Schn^derjiof 
^r. 4174. , 



\ 



BroiM, Beite tt 



si 



♦ 1 



Florentiner Mosaik. 



fVie die Römischen Mosaikarbeiten, wo ein pachinbil- 
dendea Gemälde ana einer Menge g^leicbgeatalteter und 
gleichgrofser Gfiisatifte von den manchfalti^ten Farben- 
Nüanaen^uaammengeaetzt wird, so sind auch die Ar- 
beiten in Florentiner Mosaik einzig in ihrer Art Wie 
die künstlich gewobenen Gemälde der Savoanerie an Pa- 
na nnr für das königliche Hans nnd auf dessen Kosten 
gefertigt werden, so auch die Florentiner Mosaik auf 
Kosten des Grofsherzogs Ton Toskana. Denn die Arbeit 
geht zn langsam von Statten , die Kosten sind zu be- 
trachtlich,- als dafs eine Privatperson sich damit be- 
schäftigen , und durch den Verkauf ihrer Arbeit sich 
ernähren könnte. 

Die Florentiner Mosaik unterscheidet sich dadurch 
von der obenerwähnten Römischen, dafs ^ie nicht aus 
Glasflufs-Stiften, sondern ganz aus natürlichen Steinen 
gefertigt wird, welche hart genug seyn müssen, eine 
Politur anzunehmen. Diese Steine werden nicht in kleine 
Stücke zerschnitten, sondern jeder Theil des Gemäldes, 



80 weit er Reiche FarbiB uhd g;leichen Schütten behält, 
wird aiisi einem einti^en polirten Steinstücke gfebädet. 
Soliche Stücke können demnach bald «elir grof«, bald 
niir aufaerordentlicfa klein seyn. ' Verfiiefsen aber auf 
dem Gemälde yerschiedene Farben sehr allmählich in ein- 
ander, atnfen sich die Grade der Schattirnng; in ein- 
ander ab, so sucht man ein Steinstück, welches diese!* 
ben Farben-Abstnfüngen und Modifikationen des Schat- 
tens m&gtj aufzufinden, und es so einzusetKen, wie<dafl 
Gemälde es erheischt. Denn so genau auch die Stein- 
theilchen an einander gefügt werden mögen, so bleibt 
doch immer eine Linie zwischen je zweien derselben 
sichtbar , wenn auch längs der ganzen Grenzlinie einer 
und derselbe Farbenton herrschend wäre. Solche 
scharfe Linien aber dürfen durchaus nur da seyn, wo 
im Originalgemälde ebenfalls eine Linie ist, um den 
Umrifs einer Figur, eine Theilung dersell>en, eine 
schärfere Begrenzung des Schattens n. dergl. anzudeu- 
ten. Gin Blatt z. B. würde aus so vielen Stücken zusam- 
mengesetzt sejn müssen, als dessen Oberfläche durch 
stärker ausgedrückte Nerven in verschiedene Felder ge- 
(heilt ist; jedes einzelne dieser Felder mag nach sei- 
nem natürllbheu Farbenspiel, nach seiner Wölbung und 
der Wirkung des auffallenden Lichtes noch so viele Ver- 
schiedenheiten in den Uebergängen des Tones zeigen, 
so darf es doch nur aus einem Stücke bestellen, um 
nicht eine Linie, eine Theilung anzudeuten, welche im 
Originale nicht ist Es kömmt also nicht nur darauf ah, 
harte, politurfähige Steine (wenn ich nicht irre, ist 



— 324 — 

» 

indessen Marmor noch daTon auggescüiiossen^ von cien 
yer8Gl|iedenart]|pteii Farbeuabstnfungen aufsufinden^ son- 
dern hauptsächlich mässen^ sie auch manchfaltige liebere 
S&nge derselben, intensiv wie extensiv genommen dar- 
stellen. 

Diese Anstalt nimmt einen grofsen Raum und viele 
Zimmer in der Accademia delle belle arti ein. Eine 
Mustersammlung der verschiedensten polirten Steine ge- 
wahrt eine Uebersicht des verarbeitnngsiahigen Mate- 
rials , und erleichtert die schnelle Auswahl der zur Zu- 
sammensetzung eines Clemäldes nötfaigen Steinarten. Um 

I 

aber auch die Uebergänge des Farbentones in denselben 
je nach Bedürfnifs richtig, wählen zu können , mufs stets 
ein grofser Yorrath angeschliffner Platten jeder Steinart 
gehalten , und selbst hier noch öfters durch Anschleifen 
in etwas andrer Richtung mehr oder weniger nachgehol- 
fen werden. Natürlich bleibt dabei dem Zufalle noch 
immer ein grofser Spielraum übrig, um zur gehörigen 
Zeit gerade ein, dem Bediirfnisse möglichst entspre- 
cl^ndes, Gesteinstück herbeizuführen. 

Die Auswahl der für jedes Bild nöthigen Steine isi 
daher eines der schwierigsten Geschäfte, und setzt am 
meisten Kenntnisse der Malerei voraus. Bei dem Ge- 
schäfte wird nunmehr etwa auf folgende Weise verfah- 
ren. Ein geübter Künstler kopirt alle Contouren des 
nachzubildenden Gemäldes auf ein Stück steifen Papie- 
res , so nämlich ^ dafs überall , wo auf dieser Zeichnung 
eine Linie vorkömmt , in der Mosaikarbeit genau nach 



— 825 — 

Serseiben Richtung^ zwei Stücke verschiedner Steine an- 
einander gefiig^t werden dürfen. Diese Zeichnung; wird 
dann in der Richtung; einiger dieser ^Cct^touren in vier^ 
sechs, acht Stücke so zerschnitten, und ein jedes Stück 
einem andern Arbeiter zur Nachbildung Torgegeben, 
dafs jeder ungefähr g^eichlange^daran zu arbeiten habe* 
Den Arbeitern wird nun angedeutet, welche Steine sie 
för jedes Feld ihrer Arbeit verwenden sollen ^ und das 
Gemälde ist in dem Hause irgend wo so aufgestellt, dafs 
jeder es, so oft es nöthig, in Ansehung des richtigen 
Farbengrades und der Art des Ueberganges der Töne,; 
leicht Tergleichen kann , wo -sie jedoch beständig unter 
der Aufsicht eines Chefs stehen , und nach dessen Vor- 
fichriiften sich richten müssen. Ist für irgend ein Feld 
die Gesteinart und das passende Stück derselben rieh* 
tig gewählt, so mufs dieges Stück aus der yorräthigen 
Steintafel , zu dei: es gehört, herausgeschnitten werden. 
Zum Schneiden bedient man sich einer Stahlsaite, wel- 
cljl, in einen Bogen gespannt, wie eine Säge bewegt 
wird. Sie streicht dabei beständige über ein Blättchen 
mit feuchtem Schmirgel weg, der sich daran anhängt, 
und so zugleich in die Schnittlinie eingetragen wird. 
Andre bekannte Schneide-Yorrichtungen sind wegen den 
mannchfaltigen Krümmungen der Schnittlinie meist ganz 
und gar nicht anwendbar, obschon ihre Wirkung bei 
geraden Linien oft schneller seyn mag. «iTas genauere 
Zuformen, um die Steinstücke an- und meinander zu 
fugen , geschieht mittelst feiner , stählerner Feilen Ton 
verschiedener Gestalt und Stärke. Das Verfahren beim 



— «» — 

Poliren sah ich nickt, doch kann darin kein Oebeimnib 
liegen* ^ ßtt ^ Stein^tück terüg und angesetzt ist, 
, schqei^e^ d^., Arbeiter ni^n das entsprechende Feld in 
aeinef (jiQearzeicIinung heraus, weil er dann in den 
Stend gisi$eizt wird, die Conturen des nächstfolgenden 
geanner mt der Zeichnniig .u vergleicheD ond .diu- 
passen. Die Aneinanderfugung der einzelnen Stacke 
geschieht auf folgende Art: Eines nach dem anderen, 
im Maase sie .fertig geworden, wird mittelst eines gu* 
ten, feinen Kittes auf eine Lavagna- Tafel (^Thon- 
schiefer Ton Lavagna)^ von nöthiger Form und Gröfse, 
auf-, und an die bereits befestigten angekittet, bis je- 
del* Arbeiter das ihm Torgiegebene Stück Tollendet hat. 
Diese einzelnen schon zusammengesetzten Stücke werden 
dann noch unter sich aneinander gesetzt, und zu dem 
Ende auf eine g^rofse Layagna- Tafel von der Form 
des ganzen Gemäldes aufgekittet, und das Ganze nun 
nochmal polirt. Man mufs aber bei dem Aufkitten selbst 
schon darum sehr sorgfältig seyn, die einzelnen Stimme 
alle genau in dieselbe Fläche zu legen, damit man bei 
dem letzten Poliren an einzelnen Stellen nicht zu tief 
eindringe, und dadurch die Grenzlinien zu breit mache, 
da die Steinfelder nämlich nach unten immer weiter ans- 
einanderweichen, und nur unmittelbar an der Oberfläche 
ganz genau aneinanderschliefsen. Wie langsam diese 
Arbeit voran^chreite , wird man daraus entnehmen kön- 
nen , dafs eine eben fertige , wohl für einen Tisch be- 
stimmte Porphyrüifel , von etwa 4' Länge und i%' 
Breite, woran nur ein Kranz und in der Mitte ein Feld 



' — 827 — 

▼on vng^eBlir 1 Qnadratfaf« Fläche efaigesetit wovdeii^ 
awölf Menschen vier Jahne langf nnnnterbrochen be^ 
flchaftig^ hat Mosaik in re^lmifsi^ mathematischen 
Figparen ist wohl die haafi^te und einfachste, weil 
dort jedes einzelne Feld Ton gleichbleibendem Tone 
der Farbe ist. Mosaik, Gemälde lebender Körper 
darstellend, ist die schwieri^te. Indessen wendet 
man sie gewöhnlich an Frucht - und Blumen - 
cken an. 



ifVMpHMHNVP 



xxm, 
Seide -Manufaktur* 



JLch hal^e früher von Niz%m ans gemeldet, die ,,Verar- 
beitong aller Italienischen Seide solle in Frankreich und 
England Statt finden ; wenigstens sollten in Italien keine 
bedeutende Manufakturen seyn ^^ "^^^ und mufs, um Mifs- 
Verständnissen vorzubeugen, noch hinzufügen, dafs jene 
Bemerkung sich dort nur auf das, zwischen Frankreich und 
den Alpen liegende Italien, hauptsächlich nämlich die Graf- 
schaft Nizza und das Fürstenthum Menaco beziehe. Indes- 
sen ist auch im übrigen Italien die Seide-Manufaktur weit 
hinter, der Englischen und Französischen zurückge- 
blieben. 

Die Lombardische Seide steht im Rufe , an Güte alle 
übrige in Italien zu übertreffen. Die Seidezucht ist be- 
sonders um Maüand^ C&mo^ Bergamo und die fleifsige 
und freundliche Stadt Brescia , um Ferona^ sehr hedeu* 
tend« Es scheint dort keine grofsen Spinnereien wie in 
Nizza ^ zu geben; wenigstens sah ich in sehr vielen 
BauerhäHsern gewöhnliche Seidehaspeln stehen, und 



*) Yergl. dieser Reifleii Band I. Seite 175. 



— 320 — 

die Leute ihre selbstgezognen Coccons abhaspeln. In 
anderen sah ich siß auf gfrofsen Z^rnmaschinen zwir- 
nen. Mehre Städte der Lombardey haben betrachtliche 
Seide- Webereien , wie Cömo , Mailand n. »• w. Aber 
Genua versieht dieselben doch mit den geübtesten Ar- 
beitern insbesondre zur Fertigung^ faponnirter Stoffe. 
ESne der g^'ofsten Manufakturen besitzt Herr Rbjnü zu 
Mailand. Sie Uegt in dem Theile der Stadt, welcher 
das Paradies heifst; die Niederlage aber befindet sich 
neben dem Hotel Reichmann. Etwa 25 Stühle und die 
dazu nöthigen Spul- und Scheer- Maschinen sind da- 
selbst im Gang , alle durch Handarbeit in Bewe^ug ge- 
setzt Es werden hier hauptsächlich einfache g^latte 
Seidenzeuge, sammtne Zeuge, dünne Gaze -artige Zeuge, 
auch verschieden fa^onnirte und selbst geblümte Seiden- 
zeuge zu Mefsgewändern u. dergl. gefertigt. ^ Doch sind 
nur die einfachen Italienischen Seidezeuge , wo es mehr 
auf Güte, als auf Dessin und Geschmack ankömmt , ihrer 
Güte wegen gesucht. Alle künstlichre , feinre Arbeit, 
wie seidne Shawls u. dergl., vermag bei der unvoUkomm- 
neren Einrichtung der Maschinen und der Ungeschick- 
lichkeit der Arbeiter, weder im Preifse noch als Waare 
die Concurrenz mit den Französischen und Englischen 
Erzeugnissen auszuhalten. 

Eine vollständigre Beschreibung der Apparate , wel- 
che den Zweck haben könnte, den Stand der Seiden- 
Manufaktur in Mailand genauer zu bezeichnen , würde 
wegen der Zusammengesetztheit der Maschinen weit- 
laufig ausfallen müssen , ohne dafs jedoch daraus über- 
haupt etwas Neue» hervorgehen würde. Wenigstens 



habe ich beun Spnleo, Scheeren, beim Weben geblüm- 
ter Zeuge dergleichen nicht beobachtet: das Verfahren 
ist alt und bekannt Beim Weben des (geschnittenen^ 
Sammtes jedoch werden 8 — 10 Ruthen hintereinander 
eingewebt, ehe man die Poil- Fäden mit dem Dreget 
durchschneidet, wodurch die Arbeit wenigstens mehr * 
gefordert werden mufs , als wo man. deren nur 2 — 4 
anwendet — Beim Spulwerk setzt ein Mädchen 10 — 
12 Spulen und Haspeln gleichzeitig durch einen Tritt in 
Bewegung, entwirrt die Seide, und legt neue Stränge 
um, wenn die alten abgelaufen sind. — 



\ 



XXIV. 

Ackerbau 



im 



Herzogthume Lncca, 

und Bemerkungen über die Bwiera di Levante bei Genua, 



\ 



Viel zu ausgedehnt ist der Umfang der Landwirtln 
Schaft, viel zu kurz war mein Aufenthalt in Italien, 
als dafs ich darüber etwas AiJgemeines, Umfassendes 
ans eigner Beobachtung zu geben vermögte. Und was 
fremde Erfahrungen betrifft, so habe ich schon friiher 
auf die Werke von Africo Clbmentb, Sihonbb, Rft 
n. A. yerwiesen, und einzelne Beobachtungen über Ter- 
schiedene interessantere Gegenstande ' selbst mitge- 
theilt *^* Aber willig folge mir der Leser in die zao^ 
brisch- üppigen Fluren des kleinen Herzogthums Lucca, 
und er soll es — verspreche ich ihm — nie bereuen, 
diesen entlegneren, seltener betretenen Weg Tersucht 
zu haben ♦♦). 

*) S. den ersten Theil dieses Baches. 
**) £ine benachbarte Gegend wird Ton SmomiB f&r die flei- 
fsigste und bestkultiTirte des anstoCienden Toskana erklärt und 
beschrieben: da« Thal von yievole nämlich, mit dem Haapt- 
orte Peacia awischen Lucea und Ptattja, — Snonnn: agricol- 
tnra Toscana. p. 6. — . Cabkll besc|ii;eibt die Wirthschaft des 
i- Thaies In der Biblioth. oniTers. 1881 p.78, in welcher 



Es war der erste Sugust 1827, wo ich Pisa ver- 
liefs , um meine Reise nacli Lucca und Genua über 
die Ligurischen Apenninen anzutreten , welche Gegend 
ich früher noch nicht berührt hatte. Kaum noch brei- 
tete der Tag sein erstes Licht umher , als ich um die 
Ecke bei Pisa hinfuhr, welche der Apennin dort, süd- 
westlich vorspringend, bildet,. 

„perch^ i Pisan' Lucca Teder' non ponno.^^ 

Ein Landmann aus dieser Gegend hatte sich zum 
Kutscher gesetzt , bis ich ihn bath , sich des freien Pla- 
tzes neben mir im Wagen zu bedienen. Die Aecker 
waren wenig mit Bäumen oder Reben bepflanzt, ein 
Theil w^r dieses Jahr ganz brach geblieben, der andre 
lag seit der Weitzenerndte (Mitte oder Ende Juni) 
noch in Stoppeln. Der Boden schien nicht sehr reich, 
hin und wieder sogar etwas sandig, doch nirgendwo 
Ton absolut schlechter Qualität zu seyu. I^ach und nach 
holten wir viele Wagen ein, welche, mit je zwei Ochsen 
bespannt, mitgrofsen, fast fudrigen Tonnen beladen, und, 
wie schon der Geruch vermuthen liefs, alle gefüllt wa* 
ren mit guter konsistenter Mistjauche. Auf dem fünf 
Stunden langen Weg bis Lucca trafen wir deren wohl 
über dreifsig. Später kamen uns einige wenige, mit 
Strohmisi beladene, entgegen. Auf meine Erkundigung 
erzählte mir mein Gefährte, dafs die Pisaner ihre Jau- 
che alle nach Lucca verkaufen, und dagegen Mist oder 
vielmehr nasses Stroh von dort beziehen. Die Lue- 



Zeitscbrift fut in jeden Jidirgange idteretsante AufsatBe über 
Italienische LandwirUiBchalt vorkommen. — Tergl. nodi die 
Joiurnale S. 288. 239. 



— 21« — 

caner langen des Abends spät, nachdem sie zur Her- 
reise mit ihren Ochsen sieben Stunden Zeit aufgeM^en* 
det, in Püa ein, futtern, laden die Jauche, und be* 
ginnen wieder vor Tages Anbroch ihren Rückweg. — 
Und haben sie denn, fragte ich, diese Jauche umspnst, 
dafs sie so viele Zeit und Kosten allein zur Abholung 
derselben aufwenden können? * — nein, die Last, 
welche ein Pferd zieht, bis zu jener gröfseren, welche 
diese beiden Ochsen ziehen, kostet je nach der Güte, 
der Waare, 9 — 20 francs. — Aber )de finden sie 
denn Vortheil bei Anwendung eines so theueren und 
doch nur flüchtig wirkenden Düngemittels? — Das ' 
sollen sie schon selbst sehen, wenn wir nur erst in das 
Luccaner Gebiet .kommen, sagte der Landmann. Wir 
fuhren noch anderthalb Stunden lang dahin, zwischen 
kleinen Höfen und Landhäusern reicher Pisaner und ei- 
niger Fremden , hier angesiedelter Familien. Uns zur 
rechten senkte sich längs des Weges in geringer Ent- 
fernung der Apennin sanft herab. Niedriges Eichenge- 
büsche mit einzelnen Gruppen sehr mäfsiggrofser Bäu- 
me bedeckten viele Stellen des Abhanges. Die Bäume, 
durch Rebeugehänge verbunden, mehrten sich auf dem 
Felde. Auch zur linken erhoben sich jetzt Hügel, hö- 
her und höher ^u waldbedeckten Bergen ansteigend, 
und wir fuhren in ein anmuthiges, breites, ebenes Thal 
hinein. Kleine Parks mit exotischen Hölzern umgaben 
mit reichlichem Schatten die Landhäuser. An der 
Stelle die Eichen traten oft Oelbaum Wäldchen, und Fei- 
geubäume breiteten sich in der Nähe der Wohnungen 
aus, und Zitronen • und Orangenbäume blickten häufig 



— »4 — 

mit bimüterem Gran ans den übr%en Hobern heiror. 
Alles Terkündete ein günst^ea lOima, einen besseren 
Boden, Spieg^elklar und munter strömte ein en^^fafs- 
ter, schiffbarer Flofs ans dem Thale. Wilderschatten 
nnd ein klarer , anch in der Hitze des Sommers nnTer- 
•iegbarer Flnfs — welch' ein seltener, froher, dem nor- 
dischen Wandrer heimisch anlichelnder Anblick in dem 
gepriesenen Italien! Dieser Flnfs, sagte mein Begleiter, 
ist der Serckw : der Segen und das Glück der Lncke- 
ser. Aber, fragte ich, könntet ihr Pisaner nicht, wie 
die Lombarden thnn, mit Hülfe dieses Flusses eure 
Wiesen bewässern, und eure vertrocknenden Felder, 
die jetzt nach langst beendeter Aemdte noch immer in 
Stoppeln oder ganz brach liegen, um tou der Sonne 
immer noch mehr ausgebrannt zu werden ? — 

O, wir brauchten das Muster gar nicht tou den 
Lombarden zu nehmen: die Luckeser bieten es uns 
Tiel naher. Aber die einen sagen , Wasserungen würden 
bei uns mehr schädlich als nützlich seyn, weil derBo« 
den zu schlecht, zu nahmngslos seye. Sie sagen, unsre 
Jauche würde auf diesem trocknen Bpden das YeTbren* 
' nen der Pflanzen zur Folge haben, und man müsse 
vielmehr Strohmist anwenden, der weniger, aber in 
diesem Boden weo%stens vortheilhafter wirke. — Aber, 
meinte ich , der Unterschied des Bodens ist in dieser 
Gegend weder sehr grofs , noch auch ein ausreichender 
Grnnd, den besseren Dünger auszulangen, um die 
Jauche nach Lueca zu verkaufen. — Darum, fugte er 
hinzu, setzen andre die Ursache, dafs das Beipiel der 
Lnickeser so wehig Nachahmung finde, in die verschie- 



— 8S5 — 

dene VerhiltnfsBe des 6nmde%eiithiim8. Der Baver 
bearbeitet hier das Feld des Elf enthümers um den hd- 
ben Ertrag. Sein Termin ist jahrlich ans. Daher er 
an keine bleibende, kostspieBge Bessemn; denkt, so 
wenig als sich der Eigenthumer dämm bekümmert Alle- 
Kulturen, deren Ertrag die Arbeitskosten nicht merklich 
übersteigt, fallen dabei von selbst weg. Der Luckeser 
Bauer dagegen, welcher sich mit dem Eigner in Geld 
abfindet, und für seine Besserungsauslagen bei frnhieiti- 
grer Zurücknahme des Feldes Tom Eigenthümer Ent- 
schädigung erhalt, schaltet noch hin und wieder eine 
Frucht ein, ohne die Hauptkultur zu Terdrängen, und 
ist lufrieden , wenn diese Zwischenkultur ihm nur den 
Arbeitslohn bezahlt, und ihn so ernährt, während «r 
damit beschäftigt ist. Er ist Herr des Feldes , und der 
Eigenthümer hat nicht darnach zu fragen, wenn er des- 
sen Ertrag aufs Dreifache bringt , denn er erhält nur 
seinen fest bedungnen Pacht *)» Der Bauer wendet die 
Jauche an, deren Wirkung sich aufs erste Jahr be- 
schränkt, und ihm seine Auslagen) sogleich ersetzt, mag 
dann auch der Eigenthümer sein Felld im folgenden Jahre 

*) Im Yenetianinchen findet ein solcher Pachtrertrag sni- 
weilen auf Lebzeiten des PUchters hinaus Statt, hier ge- 
wohnlich auf 4 Generationen hinaus, wo bei Antritt der 
Pacht 12 — 16 Procent Tom Werthe des Gutes, und dann 
jahrlich der Pachtpreifs entrichtet wird. Zuweilen wird auch 
auf kürzere Zeit gepachtet. Im Allgemeinen aber "sind 'die 
Pächter doch auf Lebenslänge gesichert, im Besitz des Pachts 
xa bleiben, weil dem Herkonimen gemäfs, kein andrer mit 
ihm concurrirendaill^ ehe ihnen bereits schon aufgekündigt ist, 
und weil überhaupt wenige Bauern sind, welche dem £igen- 
thnmer Sicherheit zu leisten im Stande sindjt 



ktttiicknehmen. Doch fehlt es auch an soliderer Dfin- 
gniig^ nicht. Die Art, wie die Pisaner Gnmdeigenthümer 
ihr Feld verpachten, mag in andern Ländern besser, 
als bei uns, taugen, da hier nur etwa alle 30 — 40 
Jahre, einmal ein Hagelschli^ oder ähnliches Unglück die 
einzige Hoffnung des dürftigen Landmanns, den Lohn 
seiner Arbeit, zerstört; sonst aber die Aerndten im- 
mer gesegnet sind. Denn in diesem Klima kennt man 
die Mifsjahre nur dem Namen nach. Ja, wäre das Feld 
als Eigenthum gleich unter die Bauern vertheilt, so soU- 
ten wohl diese Stoppeln jetzt nicht mehr im Pisaner 
Gebiete zu sehen seyn. Ich stünmte dieser Meimuig 
bei , bedenkend , wie weit mehr den Italienern die Ver^ 
tljeilung des Grundeigenthumes , wie sje'an^ Rheine 
Statt findet, zu Gute komnjen würde, während die 
Weise der Pisaner in unserem ungünstigen Klima in 
manchem Betracht minder nachtheilig, als hier , wäre^ 
Indessen, petzte mein Begleiter hinzu, mögen die bei- 
den angegebenen Ursachen, der Unterschied des Bo- 
dens und, in höherem Grade, der Unterschied der Ei- 
genthumsverhältnisse , zusammenwirken , um den Acker- 
bau der Luckeser vor dem der Pisaner zu begünstigen. 
Vielleicht thut auch in Lucca die Regierung etwas mehr. 
Denn obschon in Toskana die Regierung für das Wohl 
des Landvolkes sehr väterlich beisorgt ist, so wird soi-» 
che doch in einem kleineren Staate weit mehr mit 'den 
Verhältnissen des Lebens vertraut, als in einem grö- 
fsern^ oder^ wenn der Wohlstand des Landes von äu- 
fsern Verhältnissen nicht gestört wirdf so lafst er sich 
in einem so kleinen Lande eher durch einige durch- 



— sa» — 

greifende M aafsregeln schützen, als bei den manchfaltigen 
Verhältnissen in einem gröfseren. Wenn sie weiter rei* 
sen, so kommen Sie noch eine Strecke dutch Modene^ 
sisches Gebiet. Die Felder sind zwar nicht gaius so 
schon, als in Lucca; aber Stoppeln werden sie 
dort sicher so wenige mehr sehen, als Brachfeld. Ich 
hatte in der That mich schon früher an der schonen, 
fleifsigen Felderbestellung^ iin Herzogthnme Modena er- 
götzt, als ich von Parma nach i?oi[o^i2a reiste, und 
durfte auf dieser Seite der Apenninen wohl erwarten, 
dafs das günstigre Klima mehr noch den Fleifs der Be- 
wohner erregte. Nun aber — fuhr der Fisaner fort — 
ist der Herzog Ton Modena zugleich Gastwirth, Post- 
meister, Landwirth, besucht in eigner Person den 
Ochsenmarkt, kennt das Interesse des Landmannes' 
genau, und freut sich, wenn er gut bestellte Felder 
findet. Der weifs denn auch, uro unser einen der 
Schuh druckt. — Wir waren indeiSsen zur Douane ge- 
langt, dieser leidigen Plage des Reisenden, die sich in 
Italien bei jedem Schritte seiner bemächtiget! aber 
kaum nahm man hier Notiz Ton uns. Binnen einer hal- 
ben Viertelstunde Weges bemerkte ich eine gänzliche 
Umänderung der Dinge. Alle Brachäcker, alle Stop- 
pelfelder waren verschwunden, «bschon der Boden nicht 
besser zu seyn schien , als längs der letzten Hälfte des 
Weges auf Pisanischem Gebiete. Türkischer Weitzen, 
Zwergbohnen, Hanf und Moorhirse waren die einzigen 
Ackerfrüchte, die ich von nun bis Lucca gewahrte. 
Und in welcher Folge bauen sie diese Früchte? fragte 
ich meinen Nachbar. — . Im Herbste Winterweitzen, 



— 888 — 

den man In der Mitte Juni*8 irndtet, und dann durch 
6 — 8 halbwilde, in bnschig^en Walddistrikten der Ge- 
birge ohne Kosten ernährte Pferde austreten läfst. 
Dann türkisches Korn, das vor Ende Augusts reif 
wird '^); damit streuen sie Zwerg^bohnen aus, welche 
vor diesem schon geärndtet werden können, und ihm, 
da sie viel niedrig^er (1^^ hoch) bleiben, keinen Schaden 
bringen. Zuletzt läfst man öfter noch Rüben (^Rape, 
sagte er : ich habe dergleichen nie gesehen), oder ir- 
gend ein ähnliches Futterkraut , ein grün abzumähen- 
des Getreide u. dergL folgen. Indessen werden die 
Trauben reif > die sich in sehwerbehangenen Rebbogen 
Ton Baum au Baum ziehen, und diese -Bäume, Pap- 
peln gewöhnlich, geben den meisten Landleuten so Tiei 
Holz, als sie zum Kochen und zum Heitzen während des 
^rzen und gelind^ Winters bedürfen. Die Torhan- 
denen Eichenniederwaldungen, abgängige Oelbäume, das 
Rebholz u. s. w. ersetzen das Fehlende. Die ganze 



*) T. Mabtens steht in einem sonderbaren Widersprach 
mit R£ u. A. , obschon sich beide «nf ihre Erfahrung beru- 
fen. Nach ersterm wird der „Quarantino^* nicht darum so ge- 
nannt, weil er in 40 Tagen reife, sondern weil er so yiele 
Tage nach der Weitzenämdte ausgesäet werde; er reife riel- 
mehr erst in 4 Monaten (Reise nach Venedig TL 1822. p. 109.). 
R£ gesteht zwar zu, dafs weder der „Quarantino'''noch der 
, Cinquantino ^' genau in Zeit yon 40, resp. 90 Tagen reife, der 
aber darum Ton Einigen mit besserem Rechte „Zea bime- 
stris*' genannt werde (also doch längstens in 60 Tagen zur 
Reife 'komme). (Element! di agricolt U. Milano 1818. p. SO.) 
Aus demselben Grunde heifst er bei Siheondb „ Sessantino'' 
( tabl. d. r agric. Tose. 79l). Endlich nach Bürger Terlangt er für 
das nördliche Italien 70 — 80 Tage Reif zeit, für Säd« 
Deutschlaad 14 Wochen (Na^esch. d. Alays p. 53, 54.) 



— 239 — , 

WUschkorn-Aernilte wenigstens, mit den Bohnen, gebt 
un« Pisanern verloren; — und dann noch die leidige 
Brache! — Aber wie i|n zweiten Jahre? fragte ich. — 
Im zweiten, im dritten, im vierten, im zehnten Jahre 
ist es dasselbe^). Darum hacict un'd wässert der Luclce- 
ser, darum wendet er die Jauche an. Ja zuweilen vard 
Hanf eingebaut (^ich sah auf 30 M ajsäcker kaum einen 
Hanfacker}^ welcher zu Ende Juli, oder, wie dieses Jahr, 
in den ersten Tagen Augusts ausgezogen wird. Oder 
statt des Mayses baut man Moorhirse, die dann viel spä- 
ter reif wird ^ als jener ^ und daher eine kleine Abän* 
demng zur Folge Jliat. — Wir fuhren weiter voran, 
und ich lernte dann an diesem und den folgenden Tagen 
einsehen, wie es unter diesem glücklichen Himmels-Stri- 
che möglich sey , dem Boden Jahr für Jahr eine fünf- 
fache Aerndte abzuzwingen. 

Der türkische Weitzen war, wie es schien, reihen- 
weise eingepflügt, die Reihen ly^ — 2^ von einander 

« 

entfernt. Er hätte jetzt eine Höhe von 2 — 3^ Viele 
überflüssig, zu dicht stehende Pflanzen davon wurden 
zu Grünfutflikr ausgezogen. Nur hin und wieder war er, 
mit einer Höhe vpn # — 41^^ der Reife nahe, dann aber 
war er sichtlich früher als jener andre, ohne Vorgang 
von Weitzen, gesäet Zwischeninne , in denselben Rei- 
hen, fanden sich fast allenthalben Zwergbohnen, jetzt 



*) Winterweitzen soll in Italien Mitte Oktobers (hier am 
Lticea gewifs etwas später) wieder ausgesäet werden; Denn 
die früher ausgefallenen Kömer keimen in diesem heiPsen Kli- 
ma vor Ende September oder Oktober nicht. RA nuovi ele- 
menti di agriGoltura IL (Milano 18ia) 8. 9. 



— 840 — 

etwa 1 — 1 %' hocL Ibre Reife mochte noch um 18 — 
20 Tage entfernt seyn. Die Erde längs dieser Früdite 
war erhöht y und eine Furche trennte je 2 Reihen Ton- 
einander. Das Umhacken des Bodens zwischen den noch 
jungen Pflanxen zur Lockerung und Vertilgung des Un- 
krautes, und das Anziehen des Erdreiches an die Rei- 
hen , um die Zwischenfurchen zu bilden, geschieht mit- 
telst Handarbeit und kleiner Hacken an \%^ langen Stie- 
len, bei deren Gebrauch sich der Arbeiter stets bikken 
mufs, was in dieser brennenden Sonnenhitze doppelt 
lästig wird, weshalb man den Luckeser Bauern wen^- 
stens deii Vorwurf nicht machen darf, daft sie Arbeit 
und Anstrengung scheuten (^der Piemonteser bedient 
sich dazu, wie ich firüher gedachte, eines besonders 
gebauten Pfluges). Wahrend desBehackens nun begiefst 
man sämmtliche Pflanzen einzeln mit Bfistjauche aus 
kleinen Töpfen. Jedes einzelne Feld ist mit dnem tie- 
fen Graben umgeben. Diejenigen Graben, welche an 
der höchstgelegenen Seite der Felder hinziehen, ent- 
halten meist fliefsendes , klares , frisches Wasser. Oef- 
ters, vor wie nach dem Behacken, wird A Wasser in 
diesen Gräben geschnellt, und in die tiefem Furchen 
fiberzutreten genöthigt, um das Maysfeld zn bewasaem« 
Oft aber liegt der Wasserspiegel zu tief; dann sieht 
man, etwa wie an nnsem Feldbrunnen, zwd Bauetn 
einen Hebebaum in Bewegung setzen, der auf drei, oben 
zusammengeneigten Stutzen ruht Damit senken und 
heben sie wechselweise einen, am kürzeren Hebelarm 
aufgehängten Eimer aus einem der Wassergräben her- 
aus — füllen und leeren ihn aus, zu welchem Letzte^ 



— »*1 — 

ren noeh zwei andre Leute behülflich sind. Auch diese 
Arbeit ist ohne Noth durch die rohe, unpassende Vor- 
richtung erschwert, und erfordert m viele Menschen* 
krSfIte. Darum suchen oft mehre Feldnachbam ausam* 
men mit vereinten Kräften eine Schwellung des Was- 
sers zu bewirken, die freilich alsdann- nicht, wie erstre 
Methode, täglich vorgenommen werden kann. Sie legen 
in verschiedener Höhe übereinander zwei Bäume queer 
über den Graben, doch den höher liegenden etwas 
veiter stromabwärts. Darauf setzen sie Pfähle in [den 
Graben ein, dicht nebeneinander, und so, dafs sie sich 
an den oberen, wie «i den unteren Queerbaum anleh- 
nen» hie Zwischenräume werden verstopft. Zuletzt 
decken sie ein Stück wergnen Zeuches über diese Pfähle 
nach der ganzen Breite und Höhe des Grabens, und 
bewerfen solches noch mit Erde, wodurdh denn die 
Scdiwellung und das Uebersteigen des Wassers, bis zu 
8—4^ Höhe, sdir vollständig bewirkt, und die Wässe- 
rung schnell beendigt wird. Indessen ist keinem Zwei- 
fel unterworfen, dafs nicht durch bessre Fassung der 
Wasserleitung und durch eine aAveckmäfsige Leitung 
und Pßvellirung derselben nach »Lombardischer Weise 
die Wässerung sehr vereinfacht werden könnte , so dafs 
sie dann durdi Anwendung eines sehr geringen Theiles 
der Kräfte^ die jeti;t erfordert werden, sich bewirken 
liefse. 

Diese Einrichtungen sah ich bis Lucca, wo das 
Thal sich zu einer schönen Ebene erweitert, von ho- 
hen Bergen umschlossen, und wieder in dem herrlichen 
Thale , welches einige Stunden weit nach den Bädern 



— 842 — 

hinanfzleht. So fand ich sie auch Jenseits Lueca g^n 
die Mpdeneslfiche Grenze hin* 

Es bleibt nun noch übrige einigte andre Beispiele' rei« 
eher Kulturen anzuführen, welche unter dem Schutze 
eines so ^glücklichen Klimas län^s dem westlichen Fuffle 
der Apenninen die Mühe der' ^ewerbfleif8ig:en Bewoh- 
ner lohnt. Doch bleibt auch zu bedauern , wie oft die 
^nziiche Unkunde in der Mechanik die Aufwendung 
edierer Körperkräfte erheischt, welche diese thätigfcin 
Küstenbewohner auflserdem g^ewifs auch nicht unnütz 
ruhen lassen würden. 

Eigenthümliche KulturTerbindungen liefs mich das 
Modenesische , ror Pietra Santa , beobachten. Dichte 
Olivenwälder zogen von den Berghängen bis in die Ebene 
hinab , und der^ wegen des kleinen Laubes dieser Bau* 
me nur halb beschattete Boden war Ton tiefen Graben 
durchschnitten. An vielen Stellen war man eben be- 
schäftigt, die Wurzelri der Bäume, zwei Fufs breit um 
dfen Stamm , aufzugraben , guten Dünger dahin zu brin* 
gen, und sie wieder zu decken. Von Zeit sfeu Zeit wer- 
den die Gräben mit Wasser gefüllt und so der Boden 
(ohne Ueberschwemmnng) getränkt. Dieser bleibt je- 
des zweite Jahr öde liegen, jedes andre zweite Jahr 
aber wird er mit Hanf eingebaut, der im Halbschatten 
der Oelbäume, 6 — 10^ Höhe erlangend, herrlieh 
gedeiht. 

Berge treten weiterhin, steil abschiefsend bis zn 
den Sümpfen vor , welche die Nähe des Meeres in den 
weitgedehnten Niederungen veranlafst, die sich von 
Pietra Santa über Massa hinaus erstrecken; der 6e- 



— 8M — 

winnuDg des Marmors sind alle Kräfte zugekehrt. Von 
Sarxana an starrt der Apennin hoch empor über das 
Mefer, d,e8sen periodisch wiederkehrende Wellen sich 
an seinem Fufse schäumend brechen« Aber wenn man 
die awei langen Tagereisen über die Höhen desselben 
zurück gelegt, so findet man um Sestri und Chutvari 
wieder flache .HOgel und kleine Ebenen, zwischen dem 
Hochgebirge und dem Meere eingezwängt Auch hier 
wie um Lucea baut man gröfstentheils Mays, jetzt eben 
blühend: den 10. August, wie es scheint, als zweite 
Frucht, doch ohne Bohnen. Jeder Acker hat einen 
gegrabenen Brunnen, fast wie jene in Lucca erwiSinte 
Brunnen gebaut, wo man mit 4-^5^ Tiefe Horizontal- 
Wasser Tom Meere findet. Jeden oder jeden zweiten 
oder dritten Tag schöpft man dasselbe 1 — 2 Stunden 
lang aus, um den Boden zu tränken und das Wachs- 
thum der Pflanzen zu fordern, damit Raum werde für 
andre , die ihnen nachzufolgen bestimmt sind *3- 



*) lieber ähnlidbe Bnumen bei AsH^ die ebenfolls häufig 
benutzt werden, 8. diese Reise Band I. S. 151. 



XXV. 

Jagd nach Fischen und Weichthieren 

im 

Golfe von Spezzia, 



Die häufigste and einträglichste Art des Fischfanges 
um Spezsaa ist jene der Palancellen (oder Balancellenf^, 
•der der mit einem Verdecke versehenen Fiseherboote^ 
welche in die hohe See gehen ^ dort ihre Niotie anssn- 
werfen. Diese Fahnenge, mit 6 — 7 Mann besetit, wd- 
die im Falle eintretender Windstille die Ender gebrau- 
chen, bewegen sidi bei günstigem Winde mit aufseror- 
dentllcher Schnelligkdt, indem sie — 7 Seegd anüni* 
spannen haben *^. Sie entfernen dch 'S — 4 Meilen 
weit über den Golf hinaus in das offne Meer, und 
bringen dort oft einen Theil des Tages damit su, 
dafs sie Austern herausziehen, mit welchen auch Ca- 
i^rophyllia' caespitosa und drd Gorgonien vorkommen. 
Sie ordnen sich xum Fischfang reihenweise, und indem 
immer je 2 dn gemeinschaftliches Nets auswerfen, des- 
sen beide Enden in diesen Booten befestigt sind, und 
das sie im Bogen hinter dch herschleppen, durchdehen 



*) Band I. S. 357. 



— M5 — 

«ie breite Strecken des Meeres mit solcher Cfesehwfai- 
digkeit, dafs die Fischt , wdcbe dort in der Nähe der 
Oberflache sich aufhalten, ihnen nicht entgehen können. 
Die lÄnge dieser Netze betragt einige hundert Fube, 
und an beiden Seiten endigen sie in noch in eben so lange 
Taue, welche nämlich die fast parallelen Theile der Seiten 
des Aogens ausmachen, den die Netze bilden , wenn sie 
Ton zwei Booten nachgeschleppt wer^n. Korkstucke 
halten den obem Rand der Netze an der Oberflache, 
unter die sie mit dem untern ft — 8^ weit hinabreichen. Ge- 
gen beide Enden hin sind die Masehen wohl Y^^ weit^ 
sie werden' aber nach der Mitte stets enger, und 
suletzt so enge, dafs man kaum mehr einen Finger 
durchstecken kann. Die Mitte des Netzes selbst ist 
Hl einen mehre Fufs langen Sack fortgesetzt/ Alle 'drei 
Ms sechs Stunden wird das Netz «i - und auf eines der 
beiden Boote heraus gezogen« Sie , enthalten nun alle 
Fischarten dieser Gegenden, grois und klein, eine Menge 
Sepien u« a. Seethiere. Gewöhnlich kehren sie des 
Abeitds um sieben Uhr zurück , um des Morgens um 
drei oder vier Uhr wieder auszulaufen, was sich nadi 
der Jahreszeit und der herrsch^iden Richtung und Umän- 
derung der Winde richtet, mit denen sie gehen müs* 
sen. Wird aber gegen Abend der Wind stärker, so 
können sie ihrer schnellern Bewegung halber auf guten 
Fang rechnen^ und dann bleiben sie oft die Nacht hin- 
durch aus. 

Dieser ahnlich ist eine Methode des Fischfanges, die 
man innerhalb des Golfes treibt. Das^Netz ist ganz wie 
oben beschaflfen , liegt aber in einem kleinen Fisdher« 



V 



boote', das mit 8 — 10 Menschen besetit ist, welche 
radern und das Netz aniielien. Ans dem Kahne wird es 
nfimlich so ausgeworfen, dafs es einen Bog^eu beschreibt, 
der sich in der Bütte 800 — 500 Fufs Tom Lande an ent- 
fernt Die Taue beider Enden liegen auf einer allmtUi- 
lieh ansteigenden Stelle, des Ufers. Diese werden nun 
beide von der gelandeten Mannschaft gleichieitig angeso- 
gen , und so dVNeti luletit auf den Sand des Ufern 
hinausgeschleppt und dcir Sack ausgeleert Das Anxie* 
hen erheischt sehr grofse Anstrengung, und um es bea* 
ser bewirken am können , haben die Xente eine Gurt 
über die Schulter liegen , deren beide losen Enden über 
und unter dem Arme sich in kurze Seile Terlängem, de* 
reu Enden (eines ist mit einem hölzernen Knopfe Terse- 
hen^ sie nur einmal um das nasse Tau des Netzes hei^ 
umschlingen, und dadurch hinreichend befestigen, iim 
sich nun daran zu spannen, und so mittelst der Schul« 
tem das Netz herauszuziehen. Der Torderste mufs sich 
dann Ton Zeit zu Zelt immer wieder hinter den andern 
anspannen. Der Fang mittelst dieser Netze ist weniger 
ergiebig an Fischen, aber da sie mit dem unteren Rande 
über den flachen Seegrund hinstreifen, ehe sie das 
trockne Land ganz erreidbeii, so wurde die Beute an 
andern Meeresbewohnem (Kondiylien, wie Murex bran* 
daris, 4i[rabben, Comateln^ gut ausfallen, wenn anders 
der Golf von Spe^asia eine grofse Manchfaltigkeit der- 
selben enthielte. 

Einzelne Schiffer befahren die am Ufer befindlichen 
hohen Felsen, auf denen sie mehre Angelmthen mit 
langen Schnüren befestigen und ausziehen, wenn em 



— «4T — 

Fisch sich daran Terbissen hajfc. Andre begehen die Fel- 
sen an seichten Stellen unter der Meeresoberfläche Tor- 
kommend, und stofsen mit Stachelstöcken zwischen 
die Felsen und in die Ritzen. Beide trachten nur nach 
g^ewissen Arten , welche die Uferfelsen Torzngsw'eise zu 
ihrem Aufenthalte zu wählen pflegen "*")« 

Die Dattelmuschef - Sammler (^Mytilus litho]phagns 
Lin^ betreiben ihr Geschäft auf eine eigne Weise. Sie 
sind mit kleinen Leitern, einem Brechei<9en, Meiseln 
und einem 6 — 8 Pfund schwerem Fäustel versehen. 
Aus mreuy an den Cferfelsen befestigten Booten hän- 
gen sie nun die Leiter hinab in das Meer, und prüfen 
die Oberfläche der vom Meere bedeckten Kalk -Felsen 
mit den Händen, ob sie daran diejenigen kleinen Oeff- 
nungen wahrnehmen, wodurch die Höhle, in der die 
Muschel liegt , mit dem Meere kommttnizirt. Sie haben 
Grund, dergleichen Höhlen zumal in solchen Stellen 
des Ufers zu vermuthen , wo die Brandung minder heftig 
ist Entdecken sie dann dergleichen, so schlagen sie 
Felsstücke mit dem Fäustel ab, und Terkleinern sie 
dann im Boote weiter, um die Mi^schdn daraus zu er- 
halten. Es scheint, dafs die Area barbata und Area 
Noae die einmal geöffiieten und verlassenen Höhlen der Li- 
thodomen oder Dattelmuscheln vorzugsweise gern zu ihrem 
Aufenthalte wählen. Wenigstens sah ich deren darinn 
eine grofse Menge auf diese Art in den Uferfelsen bei 
Porto Vettere vorkommend. Sie befestigen sich darinn 
mit ihrem Byssus , der durch die klaffenden Muschel- 



\. 



*) Ueber den Sardinen - Fang b. Bd. I. S. 209—210. 



— ais — 

scbaalen heraustritt, und die Form ihrer Schidde ist 
duin genöthi^, steh nach Beschaffenheit der oft noch 
grofsentheils geschlossenen Hohle in rieten, In die 
sie sich eingenistet haben.« 

Endlich eine , für den Matnrforscher mdir , als für 
den Fischmarkt ergiebige Art des Fanges ist der mit- 
telst Tauchern. Ich fand zwei derselben an Leriei^ die 
ndch bei einer Ausfahrt begleiteten. Für sich selbst ge- 
hen sie mebt nnr ans, denSpondyfais garderoptis, dem sie 
auch den Namen ,, Auster'^ geben, Ton einer Bank 
nichst der Insel Pahnana 6— ICK tief heraufzuholen. 
Hxet schwer konnte ich ihnen begreiflich madien, dafs 
iliir andre gröfsre und kleinre Muscheln, Steine, Tange, 
Zoophyten, selbst Sand aus dieser Tiefe willkommen seyn 
Wiirden, weil ich überall wieder andre ansitzende Seekor- 
per zu finden hoffen dürfte. Indessen erhielt ich doch 
auf diese Weise von jener Stelle Chama gryphoides und 
eine andre, rechtsgewundene Art ^fCh. gryphina lau« 
Ch. sinistrorsa Bbocch. , non Bauo.) Area Noae und A. 
barbata, Lima squaraosa, Emaigiimla fissura, Buccinum 
maculatum, mehre Spongia- Arten, Halimeda tunaLAH. 
u. a. Zoophyten und Tange. 

In dem seichten Kanäle, welcher bei Porto Venere 
die Insel Palmaria vom Lande trennt, Tersuchte ich 
selbst wiederholt, im Sande, Schlamme^ oder zwischen 
Seegras die dort in 2^ — 4^^ Tiefe Torkommenden 
Seethiere au&ufinden; aber ich vermochte diese Arbeit 
nie lange fortzusetzen. Entkleidete ich mich in der hef- 
tigen Sonnenhitze dazu ganz, so verursachte dieselbe 
nach wechselsweisem Nafswerden und Abtrocknen bald 



ajA 

' ( 

ein unertra^Udies Brennen und naehheriges Atochalen 
der ganzen Haut Warf ich mein fiadehemd über, so 
wurde mir, sobald dieses einmal durchnäfst worden, die 
Abkühlung unerträglich, welche von der diurch das Hemde 
'beforderten Verdunstung des Wassers herrührte, selbst 
wenn durchaus kein Lüftchen sich zu regen schien. So 
fand ich ColumbeUa rustica, Olonodonta OGTierii und 
Bf. Draparnan£i Patb , zwei andre Trochus -Arten, 
Venus decussata minor, V. gallina, V. verrucosa und 
zwei andre, Cardium rusticum Laih. und eine kleine Art, 
Chiton "RtödcuTaris, Patella granularis, P. Bonnardii, 
Patb; Volraria - Arten, eine kleine Bulla, Pyramidel- 
la, mehre Rissoen und Paludinen, Nucula margaritacea ? 
Ostrea? . 

Obschon es wahrend meines Aufenihaltes in Spe%%ia 
fast täglich stürmte, so warf doch das Meer fast gar 
nichts von Werth aus. Nur Lepas (^Anatifa^ muricata 
PoLi, an faulem Holz, Schilfwurzeln n. dergl. festsitzend, 
erfreute mich. In letztern entdeckte ich auch einen iieuen 
kleinen Teredo. Sonst fand ich nur Mactra istultorum 
(^alba^, Pecten sulcatus Lam., Murex trunculus und M u*- 
rex brandaris, Klappen von Anomia electrica und A. 
cepa % 

Ganz im Hintergrunde des Golfes^ eine halbe Stunde 
südlich Ton l^e%%ia ist eine etwas schlammige Stelle, 
kaum J4 — IV2' tief unter Wasser, aus der viele Bin- 
sen-Büsche hervorwachsen, wo ich indessen Cardium 
rusticum Lah«, Donax?fabagella La»., Amphidesma . . . 
. . . . , Cerithium alucoides PoLi (vulgatumBauG.) 



— 350 — 



und eine kleinre Art, dann Conus mediterraneus major 
einsammelte. 

Die in diesem Golfe vorkommenden Pflanzenthiere 
sind nach BisaTOLoini spedmen zoophjtomm Portns Lu- 
nae (in dessen Amoenitates academicae) folgende: 1. 
Caryophyüia caespitosa Lam. 2. C. r<mea Laut. 3. 
Eschara taenialis Lax. 4. Retepora reticulata. 5. R. cel- 
Inlosa Lam. 6. Cellepora pnmicea. 7. Nnllipora calca* 
rea B. (N. byssoides, N. nodulosa, MiUep. informis 
Lau«) 8. Gorgonia ceratophyta syst 9. G. verrucosa 
(G. tubercnlata Esp.). 10. G. moUis Fall (Ennycea ra. 
Lamk.^. 11. Lobularia pälmata Lam. 12. Alcyonium co- 
ralloides Bert. (^G. coralloides Fall. Lam.). 13. Spon- 
gia communis Lam. 14. S. acicularis (Ale. incmstans 
Esp. Lamk.). 15. S. domuncula (Ale. dorn« Oun). 16. 
Pennatula rubra. 17. Sertularia pumila Lam. 18. Flu- 
mularia cristata Lam. 19. Fl. (Sertularia) pumila Syst. 
20. Sert. polyzonias. 21. Cellaria salicornia Lam. 22. 
Crisia reptans Lam. 23, Cellaria pyriformis, Bert. (Vor* 
ticella polypina £sp.). 24. Anguinaria spathulata Lam. 
25. Corallina officinalis. 86. C. rubens. 27. Olivia an- 
drosace Bert. (Acetab. medit. Lam.^ 

Auf dem Lande an Mauern leben Helix caespitom, 
Pupa cinerea und ein Cyclostoma, das zwischen C- ma* 
culatum u. C. obscurum in der Mitte steht. 



p 



XXVJ. 

U e b e r 
die 

geogn ostische Beschaffenheit 

der 

Apenninen Ober - Italiens 

im Allgemeinen '*'}• 



Mit einem Gebirgs- ProfU auf .Tafel II. 



L^antor preadainitico assicura^ 
Che quel bruciato computo parlara 
D^una riyoluzion della natura, 
Gbe per altro non ben spezificaya; 
l Onde non si «apea, se la prodosse 

O acqua, o fuoco, o coaa diarol fasse« 

Casti animal. parL II. 298. 



JNur wenig sind die geognostischen Untersnchungen 
p, über die Apenninen -Kette rorangeschritten, seitdem 
r ÜAüsmANsr uns seine Forschungen und Ansichten darüber 

mitgetheilt **). Und das Wenige, welcEes darüber ins 



*) Dieser Anfsatz ist mit einigen Vexbesserangen abge- 
gedrnckt ans t. Lkohhabd's Zeitschr« 1828, I.p,214 — 25(1. 

**) „De geognostica Apenninorom constitutione,^ vorge- 
lesen am 16. Not. 1822 in der Tersammlung der Gottinger 
Sozietät der Wisaensdiaften , mid ausgezogen in y. LfloinuBD's 



-- S62 ~ 

Pabliknm gekommen, steht gröfstentheOs zerstreut in Ita- 
Uenischeü Zeitscbriften, die in Deutschland kaum bekannt 
rind. Ich glaube daher keine unwillkpmmene Arbeit zu 
unternehmen , M^nn ich mwie eigenen wenigen Erfah- 
inngett in Verbindung mit den Auszügen ausjenenZeit- 
flchriften setze >. und sie so ^darlege. Doch kann sich 
dasselbe nur auf denjenigen Theil der Kette beziehen, 
der von f^male an über Genua bis in die Maremme , an 
der romischen Grenze , hinabreicht, theils weil ich auf 
meiner letzten Reise andere Glieder fast gar nicht ken- 
nun gelernt, theils weil auch die erwähnten fremden 
Forschungen sich hauptsachlidi nur darauf beschränkep. 
Was jedoch die Südseite der Alpen, hauptsächlich des 
Veronesischen und Vicentinisrchen, und einiger Züge im 
sudlkhen Tyrol angeht, so sind darüber die neueren 
Forschmigen BfAnAsCHiNfs'^) seit 1824, jene Catdl- 
£o's *'^) aber seit 1827 in eignen Werken milgetheilt 
worden. 

Für die oben bezeichnete Strecke der Apenninen- 
Kette hatte Herr Professor Hausmann folgende Sätze 
aufgestellt : 

A. Ur- Gebirge kommt nicht vor, als etwa am 
s&dlichsten Ende, wenn anders der Granit und Gneifii 



min. Taachettb. 182S3, S. 684 bis 702. (YergL inoch HavaMasii^ 
u^en Götting. gel. Anzeigen 1819 , S. 233 ff. und y.ILbon- 
■abd'0 Taschenbuch 1821 , XT. S. 562. 563.) 

*) PiET&o BlAiuscmHi snlle fdrmazioni delle rocce del Ti- 
centino , Saggio geologioo. Fadova 1824. 8. 

**) Im „Saggio di soologia fossile delle proTincie anstro- 
▼enete ^\ f oL Yicenza 1827, und im Aaszuge mitgetheilt in ▼• 
Lbomb. Zeitsobrüt 1828. 1. p. 445—475. 



, . — 858 — 

der Maremme und der Inselii GigUo und Elha nicht 
der Uebergan^szeit ang;ehört. 

B. Uebergangs-Gebirge setzt dagegen dte 
ermähnte Strecke hauptsächlich zusammen: Qrau- 
wacke, Thonschiefer, Kieselschiefer , Taik- 
"« G h i e f e r , Kalkstein, bald dicht , bald krystallinisch* 
körnig (Marmor^, bald dicht und brekzienartig^ bald 
körnig und brekzienartig , (Brekzien-Marmor Ton ^S^- 
rca)ezza)^ endlich Gabbro mit Serpen tin, nicht 
in bestimmter Lagerungsfolge, sondern mannichfach mit 
einander wechselnd. 

C. Von älteren Flöz -Gebirgen kommt nur 
ein dichter, weifser (??) Kalkstein (Apen- 
ninenkalk^ vor , welcher dem Jurakalke am ehesten zu 
entsprechen scheint , aber weder durch seine lieber- 
lagerungs-Yerhältnisse , noch durch vorkommende Ver- 
steinerungen hinreichend charakterisirt ist , ja selbst 
weder in Hand^Stücken , noch in Gebirgs- Massen sich 
überall vom oben erwähnten dichten Üebergangskalke 
unterscheiden läfst. Er ist von Toskana bis Neapel 
fast allein herrschend. 

D. Bei Otranto gibt Brocchi einen Kalkstein 
an , der neben Ammoniten auch die Versteinerungen 
der folgenden Gebilde enthält. 

E. Terziäre Gebirge sind aliverbreitet am 
Fufse der Apennmen. Sie erscheinen als Mergel, 
Thon, Sandstein, Sand und gröbres Konglonierat , wo- 
von die ersteren jene zahllosen Konchylien-Reste ent- 
halten, welche Brocchs beschrieben. 

UroRfi^ ReiBe. IL 28 



— 854 — 

Dieae Skizze soll uns Anhalt Meten , bei der 
Aneinanderreihung; späterer Beobachtungen , aus wel« 
chen sich ergeben wird: 1. eine bestimmtre Reihen- 
Ordnung der Ur- und Uebergangs-Gebirge , 2. be- 
stimmtre Anhalt-Punlcte für das Daseyn mehrer ältren 
Kalk-Formationen, 3. ein ju^endiichres Alter terziarer 
Formazionen, als des Grobkalks in der Gegend voa 
Parü. 



ZaA.B. tJr- oder Uebergang^s-Gebirgei 

Lo&ENZo N. Paretö Ton Genua ^ weicher jetzt 
grÖfstentheiis in der Schweiz verweilt, um ihre Ge- 
birgs- Bildungen zu studiren , so eine Grundlage zur 
Bestimmung der noch weniger durchforschten ^pen-^ 
ninen zu gewinnen , und sich dadurch zu einem 
gröfsren Werke über die jäpennmen vorzubereiten^ 
wozu das Material ^Öfstentheils bereit liegt, ist ver- 
traut mit den HAUSMANN^schen Arbeiten , theilt aber 
seine Ansichten nicht ganz. Ef war mit Hausmann 
in der Auvergne gereist , hat- die Gelegenheit , mit 
seinen Ansichten bekannter zu werden , benüzt , und 
dann einen Italienischen Auszug aus dessen Werk 
über die jugendlichen Gebilde Nord - Deutschlands 
bekannt gemacht *. Etwas später liefs er eine Ver« 



* Im Giomale Ligustico di acienze , lettere ed arti, Genova. 
Vol. I„ 1827. 8. 



— 805 — 

gleichung zwischen den Formazions- Beziehungen der 
Alpen und Afennmen drucken , lind theilte seine 
Ansichten über die Formations - Epochen der älte- 
ren Gebirgsarten in den Apennmen Oh^-ItaVem 
mit *• Zum Urgebii'ge zählt er mehre Gebirgs« 
Züge , hauptsächlich zusammengeseat aus Glimmer-^ 
schiefei* {VoUri) mit körnigem Kalke und Quarz^» 
fek (^NoU)^ aus kalkhaltigem Granite (Protogjrne) 
iind Gneifs , aus Gabbro und Serpentin und aus 
Grauwacke ( Col di Tenda , NoU^ ^ aus dichtenl 
Kalk- und Thonschiefer > welche Reihe dichtet^ kry^^ 
staUinischer und Trümmer - Gesteine auf Terschiedene 
Weise mit einander in Wechsel - Lagerung getroffen 
Werden, wie Bbüdant ganz das Gleiche bereits auch 
in -der Tarentake nachgewiesen bat -^ Abeir doch 
finden sich diese Gebirgs - Arten' meist auf gewisse 
Weise gruppirt» Serpentin und Gabbro finden sich 
zumal mit Tälkschiefern ; körni^fer Kalk mit Speck«> 
stein wird meist von mass^em oder^ bei zligemeng- 
tem Talke, schiefrigem Quarzfelse begleitet ; TaUc^ 
Granit ist gewöhnlich tou Gneifs umgeben , so wie 
von einigen Tälkschiefern^ und scheint auf gewissen 
Punkten in Gabbro überzugehen; schwärzlicher Kalk« 
stein und Kalkschiefer herrschen \ wo Thonschiefer 
mit Quarzadern vorkommt. ^-^ Die Ausdehnung die^ 



* Ebendaselbst t, .fiefl 3 (Mai \&Pi), lä. 122 bts 1Z&, 
,,i)i alimne relazione ^ ehe esistano tra la costituzione g4o* 
gtwHieü deW Apenmno Liguro, e quella deJT Atpidi SsooyA«'^ 



— 85« — 

ser Grnppen lifst sich ebenfalls ^naner nachweisen. 
So besizt die Bocehetta^ nördlich Ton Genua, 
schwinlichen Kalk , Thonschlefer, Serpentin , Cryps 
mit Talk nnd kornigein Kalke. Die davon westlich 
liegenden Berg^e haben ^^Ise Serpentin- nnd Gab- 
bro-Massen {^Giavare) , in Verbindung; mit g;limme- 
ri^n Talkschiefern voll Granaten und Titanerzen 
(Pegli). Diese Gmppe zieht dann von Yoltri nach 
Arezzano und Cocoleto , und findet sich auf der 
Nordseite in dem Stura-^ Olha- und .£>to -Thale. 
Die Berge von SteHa y Faragme, Albisasola und 
Qadibona zeigen Gabbro , Gneifs und Talk-Granit, 
und ziehen, noch Schiefer aufnehmend , bis jensdt 
SoDona. Zu Noh'^ Fmate , Toirano und dann bei 
Ceva auf der Nordseite sind körnige Kalke mit 
Speckstein, Quarzfels und Schiefer. Bndlich naher 
am CoUo dt Tenda nehmen sie noch Grauwacke, 
Talkschiefer und talkigen Gneifs Auf, bis zur Vaüe 
della Stura pud Ckd deUa Mula^ — Zu der Ue- 
bergangs-Pex jede aber zählt Herr* Parbto die 
gleisten Gesteine des weiter nüdUch herabgehenden 
Gebirgs - Zuges , obschon sie in Ansehung ihrer oryk- 
tognostischen Zusammensezzung oft mit den vorigen 
übereinstimmen. Es sind hauptsächlich ein graulich-^ 
schwarzer, dichter, oft feinkörniger Kalkstein (^Porto 
Venere bei der Spez%ip) in Wechsel^ Lagerung mit 
kalkschiefer , Thonscliiefer (^Lavagna) , Grauwacke 
und Grauwackenschiefer (^Sestri^ Spezzia^^ wozu 
dann noch als Lokal - Bildungen ein bunter, dichter, 
oder schieferiger Jaspis (^Rocchetta^ Rovegno), Gabbro 



— 86T — 

mit grauem oder metallischem Diallagon (^Braeco^ 
Mqcchetta) , und der Serpentin mit Asbest « füh- 
rendem und Diallagon- reichem Gabbro hinzukommen. 
Die Schichten sind mannichfaltig genest und sehr 
gewunden , und die Bildung zieht selbst bis in die 
Thäler der Trebbia, des Aveto, und bis zu jenem 
des Tarv hinab. Hierzu mufs nun wohl auch da» Ge- 
stein am Leuchtthurme von Genua gerechnet werden; 

Herr Girolamo Guidoni zu Massa bei Carrara 
hat seine Untersuchungen bis jezt nur auf die Ge- 
gend Ton Massa und auf den €rülf von Spema be- 
schränkt. Die leztern stehen zuerst in einem Ausztige, 
welchen Herr Rvbtti am 5. April 1827 der Akademie 
in Morenz* vorgelegt hat , nachher aber sind sie am 25. 
Febr. 1829 in einer Vorlesung bei der Societat für die 
Geographie , Statistik und Naturgeschichte Toscana's 
ausführlicher nutgetheUt worden. ^"^ 

Manche mündliche Erläutel*ungen verdanke ich den 
gütigen Bemühungen des Verfassers selbst, der mich 
auf mehren Exkursionen mn Maäaa begleitete. Im er- 
wähnten Aufsatze handelt Herr Guh>oni in fünf Ka- 
piteln Ton den frühern Autoren über die Gegetid 
von Spes%ia , von der aufsern Beschaffenheit der 
Berge beiderseits des Golfes^ von ihrer Geognosje, 



* Er ist abgedruckt in TnusflBvx'li ^nf otbgta 1827 , Heft 3. 
8, 146 bi» 149. 

** Giornale ligustico di scienze , lettere ed artL 18J88. Giul. 
AgoBt. 335. Settemb. Ottob. 427. — F^ boll. scienc nat- 
1829. Aoiit 162 — 167. — Ich finde in diei em leztern Jour- 
nale nicht» Nene« von Belang mitgetheilt« 



^ ' 



— 858 — 

▼OQ Vorkomiiien einfacher MineralieQ, und Ten den 

<{aellen nnd andern Merkwürdigkeitei). Die Berge 

bestehen ans Kalk, Grauwacke und Thoi^schiefer. 

An der Oatseite des Golfes beobachtet man von d^ 

Infsersten Landspitze einwärts: a. weifslichen , kmv 

oll^n Kalk mit Brnchstucken weifsen Quarzes , Quai<z- 

adern mid Talk -Schuppen. Er bildet besonders den, 

durch seine Farbe kenntlichen Fels Bianca^ an 

der äufsersten Spizze des Capo Corvo, h^ Talk-^ 

schiefer, diesen Kalk überlagernd, c. Grauwadce> 

sehr wechselnd in Farbe und Korn« aus bald faust-, 

bald erbsengrofsen , gerundeten Stücken gebildet, 

und gebunden durch ein quarzig ^kalkiges Zäment, 

d^ Kalk 9 dicht und durchscheinend , ^ durch Beiment* 

gungen von Eisen und Talk wechselnd in Farbe und, 

sonstigem Ansehen, e. Darüber \tgt sich beim Fort 

Sßn Teren%o wieder ein feinerer Sandstein oder 

Grauwacke , dessen Feinheit nach dem Hintergrunde 

des Golfe» immer mehr zunimmt, und der einförmig 

ger und aschgrau wird, wie der Macigno. Dichter 

Kalk und Grauwacke wechseln [?? wechsellagesn ] 

auch Ton hier hh zur Post Ton Borghetto , wo ^ nach 

T. Buch Gabbro auftritt. Auf der äufseren oder 

Westseite des Golfes nimmt man TOn der kleinen 

Insel Tino an der änfsern Spizze bis zutn Capo 

iel Mesoo eine lange Masse tou Flözkalk [?] wahr, 

der iwar keine organischen Reste einschliefst , über 

welchem aber, auf der Höhe des Berges Öoregna, 

ausgewitterte Bruchstücke tou Ammoniten und Be-* 

lemniten Torkommeh. Sbendaselbst ist der Kalk 



— 859 — 

Überdeckt mit einem ocketigen Thone, welcher beim 
Aufgäben in eine Menge kugeliger Massen und kon- 
xentrlscher Sdiaalen zerfallt, welche den Charakter 
Ton Hauy's ferro idratieö geodico haben, und von 
den Bewohnern ^^palle^ di fulmme^^ und j^paUe di 
tron^^ genannt werden. Darum hält Hr. GumoNi sie 
für Aeroiithen 9 ^,die . in den frühesten Epochen der 
Natur Yom Hlmm^j! gefallen/^ [ ! ] 

Ich fuge hinzu , was Hr. Guiboni mir über die 
Gegend von Massa mündlich mttgetbeilt hat. Der kör*- 
nigQ Kalk Ton Carrara erhebt sich am Monte Sucre 
bet Carrara , MIe übrigen Feisarten unterteilend. 
Zweifelsohne sezt er unterirdisch bis zur Bianca^ 
am Golf von Spe%7^a fort. Glimmerschiefer über- 
lagert ihn bis zu bedeutender Höhe über der Vaü^ 
del Frtgido. Eine Art Rauchwacke hat sich über 
dem körnigen K^lke an tieferen, Stellen abgesezf, 
Aufserdem findet man toii der Bümcß au bis gegen 
Massa in folgender Ueberlagerung r Talkschiefer, 
Grauwacke , Uebergangskalk , Kohlen - Sandstein mit 
den Kohlenwerken von Caniparolß (^ sind oben unter 
^ c. d, e% erwähnt}, und dann näher am Mcfnt- 
Olwero: dichter Kalk, Thonschiefer und Glimmer- 
Sandstein, welcher aber, yom Thonschiefer übergreie 
fendt ^^^^ Au^ körnigem Kalke liegen soll. Auch 
diese|^ Glimmer - Sandstein aber war zweifelsohne 
von HAusMAifiy als Grauwacke angesprochen. Wenn 
nun aber HtitfBniANiv versichert , bei Carrara die 
Grauwacke im liegenden des körnigen Kalkes ge- 
funden zu haben , so läugnet GumoNi solches Vor^ 



kommen , indem er auf allen seinen häufigen fixknr- 
sionen in jen^r Gegend etwas Aehnliches nie beob- 
achtet , und vermuthet , dafs sich Hausmaivn eben 
auf jene Stelle , an der Westseite des Monte Brückt- 
na und im Thale unterhalb Carrara , beziehen wolle, 
wo man unfern dem körnigen Kalke jenen Glim- 
mer " Sandstein oder jene Grauwacke finde , deren 
Schichten sich sogleich wieder unter einem röth^ 
liehen Kalke einsenken; der im Bruche uneben- 
splitterig , nicht aber von krystallinisch - könuger 
Textur sey. Ebendasselbe führt auch Evanuel Ri- 
PBTTi'*', wahrscheinlich auf Guidoni sich stiizzend, 
an, in einem Aufsazze, welcher ganz speziell über 
verschiedene , Ton ihm beobachtete , Brüche des Serra- 
Tezza - Marmors handelt. 

Professor Paolo Sati in Pisa hatte zu Ende 
^es Jahres 1826 , oder zu An&ng 1827 die Ma- 
remme bereist, diesen, wegen s^ner ungesunden 
Luft , der schlechten Beschaffenheit der Strafsen und 
Wirthshauser , und wegen einiger Unsicherheit, von 
Fremden so sehr rermiedene Landstrich. Seine Bebb> 
achtungen sind von höchstem Interesse, und sollten noch 
im Laufe des Jahres 1827 » in dem zu Püa erschel- 



") Suüa fisica siruttura deW jipenmno di Pietra Santa, 
considerata principtdmente sotto ü geognosHöo rapporto deUe 
9ue rocee marmoree , in occanone di un gito al Monte AltiS' 
simo. In Yibussevz's Antologia 1826, He||; 5 , S. 50 bi§ 74. 
Schon vorher hatte er geschrieben : Cenni sopra V Alpe 
Apuana ed i marmi di Carrara. Firenze; doch sind beide 
Sehrifteii sonst wirklich ohne geognotisches Resoltat. 



— 361 — 

nendeu Giornale de' Litterati ausführlich mitgetheilt 
werden. Die interessantesten Orte , so er g^efnnden, 
sind die Gegenden von Massa di Maremma nnd 
der Monte Argentaro. — Die bedeutendsten Ergeb- 
nisse sind: dafs ein weifser, krjstailinisch - körnig«r 
Kalk, jenem Ton Carrara ähnlich, doch grofsblätteri- 
ger (^er nennt ihn Dolomit [??])) überall die tiefsten 
Stellen einnehme , namentlich unter Gabbro und 
Serpentin mit Asbest - Schnuren , wo der erstere 
jedoch nur als Trümmer - Gebirge vorzukommen 
scheine: dafs er Hornblende < Massen , derben, oder 
nur selten krystaÜisirten Lierrit , wie in Mba , nebst 
verschiedenen Eisenerzen enthalte , dafs er bald in 
einen Kalk - Porphyr [porphyrähnlichen Urkalk?]» 
bald durch Aufnahme von Quarz , Glimmer und 
Feldspath in ein Granit - ähnliches Gestein übergehe. 

Schöne Muster - Stücke dieser verschiedenen Modi^ . 

\ 

fikationen • des Gesteins konnte ich in der akademi* 
sehen Sammlung zu P»?a sehen. 

Herr Professor Stubbr machte*, währentl seines 
Besuches in CastelTarquato , einen Ausflug gegen 
Prato. Er fand sehr viele Serpentin ^ Blöcke und eini- 
ge Stunden tief im Gebii^ge , soll Serpentin mächtig 
anstehen. Die bedeutenden Eisenwerke zu JP^erriere^ 
zehn Stunden einwärts von CaatelTarquato , bauen in 
Serpentin, und die Gangart soll viel Bunt - Kupfererz 
führen*. Sonst wurde hier Vitriol bereitet, den Parma 
jezt vom Auslande zieht (^Guibotti^* 



> II I' 



* S. Stvdbr in y. Lbonhirb's Zeitscbrift 1829. 1. pag. 134 — 147. 



Ich selbst habe SMso im Panaesamschen ^ daim 
die Gegenden von Pietra Mala^ tou Figline , Ton Pk- 
9ole^ Yon Lucca^ yon Masaoy Carrara und Serravexza, 
ven der Spezstia , von Borghetto über Sestri bi» C%ia- 
fMiTf, Ton Genua besucht, aber dieser Theii meiner 
Reise war Ton so vielen Unglücksfallen begleitet , dafg 
ich lange nicht Alles , was ich gehofiFÜ; hatte , zu beob- 
achten im Stande war. Die erste derselben war die Be^ 
Schädigung meines Fnfses im Arno-'Thale, die mich bin- 
derte, starke Excursionen zu machen. 

In der «S^9s«i verweilte ich vergebens 5 bis 6 Tage, 
erwartend, dafs der Sturm nachlasse, welcher den 
Zugang zur Bianca von der Seeseite unmöglich , von 
der unwegsamen , steilen Landseite aber sehr geßhr^ 
lieh machte. Er ^n^rte noch lange nach meiner Ab-« 
reise fort. Aber ich hatte darüber auch die lezte 
mir zu Gebot stehende Zeit versäumt , ich konnte mich 
in den nunmehr aufgeschlossenen Apenuinen bis 
Sestri nicht mehr verweilen, ich mufrte meine Reise 
beschleunigen. 

Zu Salso bei Borgo San Donhio , steht ein Kalk-' 
Gebirge mit Gips -^ Lagern an. Der grane Gips ist je« 
uem des Muschelkalkes am Neckar ganz ähnlich , und 
wahrscheinlich auoh die dortigen Salz - Quellen ali^ 
mentirend. 

Ueber Pietra Mala , Fiewle und I^^ca , weifs ich 
nichts zu den Beobachtungen zuzufügen, welche die 
Herrn Al. Brononi^rt * und Hausmann schon mitgetheilt. 



* All. B&OHfiNiART sur le gisement ou la positiim relative- 
des ophioUtes , etiphotides , jaspes etc., de ^[uetquea pmik% 



Im Glimmerschiefer der Volle del Fngido , bei Massa, 
scheiden sich oft sehr starke Qaaras - Massen aus , oft 
wird der Glimmer ganz talkig oder thonig. Dafs 
der Brekzien- Marmor tou Serravezza keine Brekzi^ 
sondern ein gleichzeitig gebildetes Ganze , und mit dem 
Carranschen Marmor gleichen Alters sey, darüber 
kann man mit Hausmann nicht zweifeln. Auch der kör- 
nige , weifse , oder schwarzgraue Kalk von Maasa ist 
oft mit sehi^ starken , unregelmäfsigen Talkflasem durch-» 
mengt, wie der Talk hauptsächlich in jener Brekzie, 
durch besondere Färbung und ungleiche Yertheilung, 
die eigene Bildung zu bedingen scheint Bei Serra- 
pezza unterteuft , nach Hausvann's Angabe , der Cbio^ 
ritschiefer diesen Brekzien- Marmor. Auch ich glaubte 
dort dasselbe zu beobachten ^ auch nimmt jener über- 
all die tiefen Stellen , dieser die Hohen ein ; doch ist 
die von mir wahrgenommene Lokalität (jäie übngeiifi 
die Ton Hausmann beobachtete, dicht hinter Serra^ 
pezza, sejn mochte) nicht geeignet, ganz sichere Auf- 
schlüsse zu geben. Dag^en will Hr. Guidoni , wie 
oben bemerkt, an der Bianca den Talkschiefer, und 
bei Masga den Gllmmerschief|r über dem kernigen 
Kalke beobachtet h«iben. Jener Chloritschiefer geht in 
Glimmerschiefer über, und dieser enthält Eisenerz bei 
Stazsema , wodurch beträditliche Eisenwerke bei 
8errave%za in Thätigkeit gesetzt werden. Der körnige 



de« Jpennins; in den Annales des mines tom FI, 1821 (Parts, S,) 
p. 176 bis 238, und insbesondere 194 und 214 (über beide erst- 
genannten Orte). " 



— SM — : 

Kalk von Carrara besitzt durchaus keine eigentliche ge» 
regelte Schichtung , sondern nur mehr oder weniger 
deutliche Absonderungen ohne Parallelismus und ohne 
' Beständigkeit in Richtung und Erstreckung. Oft sind 
sie in der Höhe sehr steil , scheinen sich aber am 
Fufse der Berge mehr zu Terflachen. Dieser Kalk ent- 
halt Schwefel , dicht und in Krystallen , Kalkspath- 
Drusen ([Fastwürfel und m^ta8tatique)y Quarz-Krystalle 
in Drusen ([sechsseitige Säulen , sechsflächig zugespitzt), 
Gips , Eisenkies und Magneteisen. Der Rauchkalk , so 
wie ein Trümmerkalk über dem kömigen Kalke Ton 
Carrara scheinen mir nur ganz zufallige Lokal - Bildun- 
gen , durch Zerstörung älterer Kalk - Schichten Ter* 
anlafst , und ohne Schichtung zu zeigen. Sie hatten 
in der steilen Falle di Thrrano , unterhalb der Caoa 
di Cretolu^ die Thalschlucht von unten in Form eines 
Dammes geschlossen , welcher aber später wieder sehr 
tief durchschnitten worden , bis selbst auf seine Sohle ; 
doch hat der Thalgrund y oberhalb des Dammes , wohl 
durch Ausfüllung, die Gestalt einer kleinen Ebene* 
Jeher Trümmerkalk ist eine Art Nagelflue ; die ihn bil- 
denden GeröUe sind kö|pig oder dicht, und von den ver- 
schiedensten Farben ; aber nicht sehr innig miteinander 
verkittet. Thalabwärts von Carrara triflft man zuerst 
dichten Kalkstein unter 40^ W. , und dann einen Glim- 
mer-Sandstein Cohne Zweifel auch Grauwacke) unter 
20<^ W. fallend. Der letztere macht die Hauptmasse 
des Otoero- Berges nördlich von Masrn und Carrara 
aus. Wenn nun an diesem Berge, wo die Strafse von 
üiktssa herüber kommt, Haushaiin Grauwacke, Thon.- 



— 865 — 

gclifefer und dichten Kalkstein im Lieglsnden des Icörni- 
gen Kalkes gesehen hat, so mufs ich wiederholen, dafs 
weder -Hr. Güiboni diese Beobachtung je gemacht hat, 
noch dafs ich die angeführte Stelle auffinden konnte 
dafs aber dort , in jedem Falle , allen mir bekannten 
Lokal - Verhältnissen nach, der überlagernde körnige 
Kalk und die Grauwacke mit Thonschiefer und Kalk- 
stein unmöglich mächtig seyn, sondern dafs nur allen- 
falls ¥on einer kleinen Wechsel-Lagerung im Hangenden 
des körnigen Kalkes die Rede seyn könne. Der, Ton 
GuiBONi hier angezeigte Glimmer- oder Kohlen -Sand- 
stein dürfte wohl ebenfalls der Grauwacke angehören, 
lieber dessen Beobachtungen im Golfe der Spe«süi 
habe ich einigi(Berichtigungen anzuführen. Handstücke 
des körnigen IGMces Ton der Bianca sah ich bei Hrn. 
GuraoNi, und in Genua bei Professor Viviani. Aber 
es ist unrichtig , dafs am Fort San Teren%o dichter Kalk 
sich zwischen zweierlei Sandstein- oder Grauwacke- 
Massen einlagere, sondern ein grauer, dem obigen 
Rauch- oder Trümmer - Kalke ähnlicher, ebenfalls 
nicht geschichteter , sondern senkrecht zeiidüfteter, 
Kalk-, Quarz- und Grauwacken^ Bruchstücke und Ge- 
schiebe in geringerer und gröfserer Menge enthaltender 
Kalkstein ist nur hin und wieder , wie bei San Te- 
renzo^ beim Fort Sau Bartolomeo^ auhserhalb dem 
Fort von Lerici bis zu 400^ über dem Meere abf 
die Grauwacke aufgesetzt. Oft bekommt er mehr 
Gleichförmigkeit und dolomitische Textur. Die verschie- 
denen Stellen sind unter sich ohne Zusanunenhang , die 
Auflagemngs- Flache schiefst stark landeinwärts (10° 



— 4«6 — 

SWO ^^ 9 ^^^ ^^ ^^^^ scheint in dieser Rich&ng; 
bald ganz auszugehen. Wo die Ufer * Felsen senkrecht 
abfallen, sind oft bedenteilde Bergmassen , von die- 
sem Trümmer -Kalke gebildet, ins Meer herabge- 
stürzt. Der Sandstein, welchei* nördlich und südlich 
von diesem Kalke an der Erd '^ Oberfläche zum Voi^^ 
schein kommt , ist derselbe > Mje man «deutlich sieht, 
wenn man die senkrechte Küste zu Wüäder Terfolgt 
Aber in der Richtung gegen die Bianca, nimmt dieser 
Sandstein immer mehr den Charakter der Grauwacke 
an. Er nimmt grofse verschieden gefärbte Quarz *" Ge-* 
schiebe auf, und wird Ton 2^^ bis 6^^ mächtigen Quarz^ 
Gängen häufig durchsetzt (San Teten^aö^^ worin sich 
grofse Quarz ^ Drusen ausbilden > ja ßk ganze Massö 
scheint stellenweise nur Quarzfels zfr seyn. In der 
Nähe Ton üerici gewinnt derselbe eine grünliche Farbe. 
Er ist gröfstentheils gebildet tou Talkschiefer -Splittern, 
sehr mächtige Talk^chiefer^Gange durchsetzen ihn (tIcI« 
leicht richtiger : Talkschiefer Wechselt liiit ihm in 
schwachen , senkreckten Lagern) , ja dicv Talkmasscs 
kommt stellenweise in solcher Menge und Art Tor, 
dafs das Gestein selbst in Talkschiefer überzugehen 
geneigt scheint. An andern Stellen endlich sind neue 
abgerundete Bruchstücke einer altern , härtern , grob-* 
körnigen Gl^auwacke^ nebst grofsen Talkschiefer- und 
Quarz- Geschieben in eiiier Jüngeren gebunden. Land^ 
einwärts aber , oberhalb Spei&tid , ist diese Grauwacke 
bereits sehr fein , und in allen Eigenschaften demSand^ 
stein der bunten Mergel am Neckar täuschend ähnlich 
geworden. Gegen Saraana aber wird sie thoniger^ 



/ 

schieiViger , schwärzer« Der die entgegengesetzte, west-^ 
licfae Seite des Golfes bildende dunkle, dichte, oft dolo^ 
mitische Kalk scheint von gleichem Alter mit jenem, 
der in diesem ganzen Striche der Apefminen herrschend 
ist. Oft wird er schwarz , und nimmt gelbe Kalkspath-^ 
Adern auf ([Marmor von Portövenere). Von SpesBiaä 
bis Borghetto * kommen wechselnd Grauwäcke und 
Kalk vor, doch konnte ich dort> bei Nacht reisend^ 
nichts Genaueres beobachten. Von Borghetto bis zur 
hoch gelegenen Post von^ Montanara , hat man zuerst 
lange Zeit nichts als Grauwäcke , welche nach der 
Höhe hin stets fester > und durch zahllose Thonsdiiefer^ 
Splitter dunkler geförbt wird ^'^^ Dann aber folgt , sich 
plötzlich steil erhebend , Serpentin , in welchem sich 
grofse Gebirgsndassen von Gabbro ohne bestimmte lieber- 
lagerung ausgeschieden haben'*''*''''. Von Montanara führt 



* Siehe hierzu das Profil auf Tafel 11, 

** Dieses Gesteii^ ist seitter Festigkeit und Formtiarkeit 
Wegen, zum Bauen, zu behaueifer Arbeit u.8. w. allgemein an- 
gewandt, und ist der eigentliche Macigno der Arbeiter. So 
wie es glimmerreicher und mürber wird , Wobei es mehr 
ockerige Farben anzunehmen pflegt , eignet es sieh wenig 
mehr zum Gebrauche , und heifst dann Arenaria u, s. W. 
Aber auch andere gute Bau - Sändsteihe heifsen Macigno. 

*** Nach Hrii. t. BüoA kommt zwischen Borghetto und 
Montanara ununterbrochen Gabbro Tor. Ich mufs aber 
glauben, dafs zur Zeit seiner Reise die Strafse zwischen beiden 
Orten über andere Berge geführt habe , als die nunmehrige 
neue. S. L. t. Bitoh im Magazin der. Gesellschaft natorfor- 
sehender Freunde zu Berlin. lY. (Berlin 1810. 4.). S. 128 
bis 149 „über den Gabbro/' und insbesondere S. 141 
bis 142. 



der Weg wieder abwirte über Gabbro und Serp^ttin, 
weldier dann sehr deutlich einen Thonschiefer überla- 
gert, dessen Schichten mit denen eines dichten, dun- 
keln Kalkes wechselnd , auf mannichfaltige Weise ge- 
b^gensind. Oberhalb Bracco beg:innt eine Grauwacke 
wekhe mit Thonschiefer in SKiemlich horizontaler Schieb- 
tungwechsellagert, die einzelnen Lager 1^ bis 20^ mächtig. 
Ob sie das Torhergenaunte Gebirge unterteufen , oder 
umgekehrt , blieb mir zu untersuchen nicht Zeit, es 
würde jedoch leicht auszumitteln seyn. Dieser Th^ 
der Strafse scheint der zuletzt beendigte und weniger 
untersuchte zu seyn, — Gelegenheit zu vielen interes- 
santen Beobachtungen soll der Weg Ton Sarzana über die 
jipermtnen nach PontremoU^ und jener von Cftiovart nach 
Borgo Taro bieten. Die jetzige Strafse von Genua nach 
Mailand führt nicht mehr über die Bocchetta^ son- 
dern über eine minder hohe Steile des Apenninen- 
Kammes ; doch hatte ich dort zu Beobachtungen keine 
Gelegenheit mehr. Alle diese Beobachtungen und Be- 
richtigungen zusammengef^ißt, ergeben sich folgende 
Sätze : 1. Die Gebirgs-Arten vom Granite an bis zum 
Kalke, der Grauwacke, dem Serpentine und Gabbro, 
sind nirgend scharf als Formationen gesondert , son- 
dern wiederholen sich wohl in yerschiedenen Perioden, 
wechsellagern oft , oder tragen sonst die Zeichen an 
sich , dafs sie , in verschiedener Gruppirung , doch 
gleichzeitige Glieder weniger Formationen sind. -■ — 
2, So schwer es ist anzunehmen, dafs allesammt einer 
und der nämlichen Formations - Epoche angehören, so 
schwer würde es dagegen auch seyn , die Grenz - lanien 



för. Fßrschjedene . Epocheu zu -. ziehen, ^r' S« Gnüit nui 
Qneifs riiid wahrsoheinlicb die Sltestea Uldiingeii. Die 
Aiialog;ie, spricht dafür, keine dirokle Eirfabrung in j^iett 
Gegenden dawider, Pa&kto fuhrt sie als solche an. 
ÜAUsniABrN spricht gleiche Meinung ans« — ^ 4. Daran 
scheint sich der körnige Kalk und der Ser raTez2a- 
Marmor zu reihen. Er kommt mit vorigen und Quarz- 
fels in gleichem Gebirgs - Zuge Tor (\vk Ltgurien -^^ 
Faslktq ; uuf Elba^, oder nimmt, womanjene nicht kennt, 
die tiefsten Stellen unter anderen Gebirga-Arten ein (in 
der Maremme — Sati ; zu Massa und Carrara — Guidoni^ 
an der Bianca — derselbe^. Hat er nach Haushamv 
zwischen Masaa und Carrara .wirklich dichten Kalk, 
Grauwacke und .Thonaichiefer im liegenden, was GcinoHl 
bezweifelt, so kann nur von einer schwächerenvWecbael^ 
Lagerung in seinem Hangenden , nibht tob der gani;eh 
Gebirgsmasse die Rede seyn. Uebrigena will man hier 
nur hauptsächlich die Thatsache festsetzen, dafs k&r^ 
n%er Kalk, im Gegensatze, de» dichten^ die tieferen 
Stellen einnehme. *^ö. Talk -und Gl immer -Schief er, 
ohne bedeutende Mächtigkeit > scheinen den Torigen oft 
zu überlagern (^J?uziica und JUassa -^^ GumoNi). ^^6* 
Thonschiefer mit di c h t.e m K a 1 k e wechsellagernd, 
Mecchetta^ Monte Ferrato bei Prato ^ Pietra MakL, 
? Poggw del Gakbro^ ? Monte CerboK -^ Brongnubt 
--^, Montanara, Genua bis Ronco^^ Thonschiefer mit 
Grauwacke (jffracco, Lavagna)^KBXk9lUta {Porto Venere, 
Pka ^ viele andere Theile der jiipennmen) scheinen^- 
wechselseitig sich vertretend, nur die I^ücke auszufitllen, 
zwischen den vorigen und folgenilen, wo diese vorkoni'* 



— t» — 

mm. An deiiTOa Biosghubt erwUmlen Orkn lliidai 
pich üur die swd ersten« Zn Bracto ist es nodi sw^ 
felbsft; ob diese über oder unter der Ghnnwacke ttiit 
Ksik liegen. Die Menge ron Tlionschiefer - SpHttem, 
welcbe den Maeigno znsammensetsen helfen, mschea 
wahrscheinlich, dafs dieser im Allgemeinen späterer Bä« 
dnng, als der Thonschiefer sey. Anch scheint letzterer 
nach seiner chemischen Yerwandtsdiaft, am. ehesten 
den Tal]k- und Glimmer-Schiefer ersetzen zu können, 
iirelche öfters auf dem körnigen Kalke folgen« Bei Lerid 
enthält die Grauwacke Trümmer des tiefer gelegenen 
Talkschiefers. — 7. Jaspis, im Tiefsten, dann S e r p e n- 
tin undGabbro ohne wesentliche Alters- Verschieden- 
'heit, machen den Beschlufs dieser Dir- oder lieber- 
gangs-Gebirge (Bocchetta^ Monte Ferrato^ Pietra Mala^ 
? JPoggio del Gahhroy ? Monte CerboU und viele, andre 
Orte — Brononubt; .Mantanara). Wenn andi unter 
einem Theile der vorgenannten Felsarten hervorgehoben, 
scheinen sie doch nie höher als bis in das eben bezeich- 
nete Niveau anzusteigen; bestätigen sich aber Parkto's 
Beobachtungen in den Ligurischen Alpen^ und Brocchi's 
Angabe vom Monte Argentaro ^ so giebt es auch noch 
eine ältre Formation dieser Art — Specieliere Angaben 
konnten aus dem Aufsatze Parbto's nichf entnommen 
werden, weil er zwar von der Gruppirung der verschie- 
denen Gebirgs- Arten , aber nicht von der Aufeinander- 
folge dieser Gruppen, nach den Alters - Beziehungen 
redet. Aber doch scheint aus ihnen hervorzugehen, 
dafs, im Bf aase die Zahl der Beobachtungen sich mehrt, 
die Reihen-Fölge noch etwas compUzirter werden wird. 



— »1 ,- 

So setst er iwar die Hauptmasse des kornfgen Kalkes 
in die Ur-Periode , führt aber eben daselbst, noch dich- 
ten Kalk mit älterem Thonschiefer uiid Granwacke an, 
weil sie in Oebirgs- Zügen yorkommen, welche hätfpt- 
sachlich ans Granit, Gneifs und körnigem Kalke zusäm- 
mengesetxt sind, aus welcher Angabe allein aber ihr 
Alter sich nicht mit Evidenz erweisen läfst. Die ttbri«> 
gen. Beobachtungen stehen mit den oben aufgestellten 
Sützen nicht in Widerspruch. — 

ZuC. Sekundäre Formationen. 

Brocchi'*') nimmt unter dem dichten Kalke einen der 
Uebergangszeit angehörigen, längs der Küste des Mit- 
telmeeres ^ und einen Flötzkalk, mehr in der Nähe 
des Adriatischen Meeres an ; aber zu jener Zeit man- 
gelte es zu sehr an Hülfsmitteln der Bestimmung , und 
die Ansichten über die Flötzkalk - Formationen waren 
von den jetzigen noch zu Terschieden, als dafs er bei 
der nähern Bestimmung ein für uns genügendes und 
sicheres Resultat hätte gewähren können. 

Herr Brongniart zählt die vorhergehenden Ur- und 
Uebergangs-Biidungen vom körnigen Kalke an, aus- 
Bchliefslich desselben, zu den Flötz-Bildungen> und findet 
sie namentlich dem Alpenkalke der Sckweitz entspre- 
chend. Aber theils ist dieser letztere als eigeiithüm- 
liehe Felsart noch selbst nicht hinreichend nachgewie- 
sen, da seine Lagernngs-Folge nicht entscheidend genug 
ist, seine Versteinerungen mit denen des Jura überein- 
stimmen (Studbr's mündliche Mittheil.), und noch 



*) C&mthiologia FoBmit 1. 



gir mABehe andre €hrilttde die Sadie sweifeihmft 
macben. Theils konnte Herr BaoNoviAET wohl nur dar- 
um ateh mit dieser Anaicht ao Idcht begnügen , weil et 
die genannten Felaarten ohne Rückaicht auf ihre 
Altera - Beziehnng en au Granit , Gneifa und köni%em 
Kalke betrachtete. 

Hn HAcaniAwif unteracheidet Ton den vorhergehen* 
den nach Bbocchi u. A. den meist weifsgrauen sogenann* 
ten Apenninen - Kalkstein , und zahlt ihii' zur Flötz- 
Periode, und zwar zur Jurakalk -Bildung. Nachdem er 
aber selbst den dichten Kalk der Ligurischen Alpen bis 
in die Maremme hinab für Uebergangskalk anspricht^ 
nachdem jener von Florenz und Bologna vom nämiicheo 
Alter ist , nachdem in dem Herzogthume Parma der 
Serpentin unfern einem ganz ähnlichen Gyps-führenden 
Kalke ansteht, nachdem er auch die Uebergangs - For- 
mation in den Abbruzzen und in Kalabrien nachgewle^ 
aen, nachdem Brbjslack Ortbozeratlten"^ im KaLke von 
Ca^tello a mare anführt, nachdem er selbst weder die 
Grenzen zwischen beiden Kalk - Formationen , noch 
sonst welche Unterscheidungs - Bf erkmale anzugeben im 
Stande ist, und die Ueberlagerung nirgendwo etwaa 
entscheidet : — was fiir Gründe kann man aus aeiner 
eigenen Abhandlung zu Unterstützung seiner Mdnung 
noch entnehmen? Die Aehnlichkeit mit dem Jurakalke 
der Schweüz in Handstücken, und mit dem des Karates** 
bei Trtestl Doch solche Aehnlichkeit haben eben sehr 
'o& auch jene dichte Schichten des altern Kalkes der 



"^ Möglicher Weite Hippnriten? 

** Welcher sudem jetst für Kreide gUt 



_ S73 -- 

Jtpetminen. Aber sie ist dort doeh herrschend ^ ^ 
tfeseni iiiehtv Gnt ; m steht doefa , wie' der Verfascdfr 
selbst augieht, diese Bestimminigf derFormations-Epoch^/ 
wie die der jß'omiation , auf sehr ungetiiigenden Gran- 
den. Aber auch Parbto trftt dieser Metnafig in so fern 
hei, dafs er einen altern Flözkalk annimmt, ohiie ihn 
mit einem der sonst gebräuchlichen Namen 2u be^eiohneif, 
und so nem Alter nicht ganz genau bestimmt. Dieser 
Kalk soll zumal m Volle del Taro^ bei Velleja^ 
m'Val dt Nuray Antola^ Ruta ^ Rapallo Terbreitet 
sejn, und yiele Gjps-Lager haben (^Cast^lt del Ges^^ 
Scandiano nel Reggiano, Santa ^gata- T&ttanese^. 
Ais Haupt^Stützpunkt dieser Formation wird das Vor- 
kommen Ton Resten des Fucusmtricatua Brongn. ange- 
fahrt, ganz wie man ihn. im Kalke zu Oherwyl bei Bern 
beobachte. Aber Hr. F. gesieht ein, dafs^ er noch immer 
nnt kleinen Lagern' von Macigno wechsele. So läfst 
sich auch aus dieser-Angabe keine Sicherheit entnehmen.; , 
Dagegen gedenkt er des Jnrakaikes bei Nizza, als eiiies 
secundären Gebirges, [ er soll Ammoniten und Belem- 
niteaenthalten], und der gränen Kreide, welche Brono- 
jsiASLT ebendaselbst zuerst beschrieben;. Unentschieden ist, 
wohin das Trümmer-Gebirge toU Enkriniten und Fenta- 
kriniten gebracht werden müsse, welches um Lerma 
Hügel zusammensetzt [Catullo hat dergleichen bekanntlieh 
auch im Grobkalke gefanden], 

Hr. BouE vermuthet, dafs der Macigno zum bunten 
Sandsteine gehöre^, und mufs daher auch dem^ThcMi- 



* Bou^, Edmbn Philos. Jonr.; 1824, p. 371. Jim. des Mtl.; 
1824. Kefbrstbin, Deutschland (ab«r sekundäre Gebitg9 am 
Nordrande der Alpen; ; III, 3, S. 450. 



— tT4 — 

0cUefer md Kalke eine tpitere Stejk in der Reihenfolge 
der Feisarften anweisen. Zn einer aolchen Annahme 
mag man sich an gewiaaen Orten dnrch daa Anaehen 
und die Zoaammenaetinng dea Macigno wohl rerleftet 
fnhien, wie namentlich bei Spezxiä in aadücher Rieh- 
tnng^, und am Monte Olwero !>ei Maamt. Beobachtet 
man aber bei weithin an^eachloaaener Eratrecknng^ die 
Teründerongen, welchen allmählich daa Gestein unter* 
Heft, so mufs man von dieser Neigung^ so lange zurück- 
kommen, bis gewichtigere Grande sich zugesellen. Ich 
habe daher auch eine frühere Ansicht selbst wieder 
aufgegeben. * 

Hr. KEFBasTsiiv dagegen rermuthete Uas-Sandsteiii 
im Madgno^^ zu finden, und zufolge einer spitem, 
brieflichen Mittheilung sieht er den Carrarischen Mar* 
mor für Kreide an. Indessen ist gegen die Meinungen 
der beiden letzten Gebirgsforscher ebenialls nur zu 
bemerken nöthig, was oben gegen jene Bronciniart's 
gesagt ist, um dieselben noch unwahrscheinlicher als 
diese zu machen. 

So soll denn das Vorkommen von altern Flötz-Ge- 
birgen , aufser jenen bei Ni%%a , gänzlich gelaugnet 
werden? Ist es wahrscheinlich , dafs die ältere Flötz- 
Formation, die am südlichen Fufse der Alpen, wie im 
f^eronesischen und Ftcentmüchen noch sehr ausgebildet 
ist, so plötzlich ganz aufhöre? Schwerlich; doch lafat 
sich über Ausdehnung; und Erstreckuiig derselben in 
Italien gar nichts sagen, und über die Formation aelbat 

* Bdb I, S. 6S2. dieser Reiten. 

**^ KsrzMTBm, Deutechland; III, 5, S. 59i. 



— t»5 — 

hat jeder der neuerea Atttorea eiaenttdere Afeinang 
vafgesteüt Das Yorkommen des F^ucua miricatus darf; 
nicht übersehen werden. Herr Ad.. BaoNGNiAaT zitirt 
diesen Fucoides^ (^Gigartmitea) mtrwatua im Mergel-. 
kalke zwischen Jnrakaik und Kreide zn KaJUenberg^ 
Swermgj Kloster Neuburg bei Wien^ zu. Bidaehe bei 
Bayarme, an der Westküste Ton Getma , nach, PA'aETO». 
asu uilbaro bei Genua , und za JF2oren». Ferner den 
.P^ueoidea (Gtg*y aequalia in gleicher Oebirgsart zu Sjk 
vertage Bidaehe und Florenxj zu Vemaaco bei Piacensug, 
mit i<^e« (^Crfg.^ reetin^tMi und zu San Dahnaxio im 
Modenesisehen j und endlich den jPVfc* (^Gig.) furcafus^^ 
in gleicher Formation zu Florenz , Vemascq , Surzana^ 
Gmua (^nach PAaaTo J und ^len ; eine Varietät aber 
zu Stonesfield bei Osfard [diese doch wohl in der 
untern Juraformation?]. Er zitirt zu dieser Art die 
KNoaa'sche Ffgnr I. Tf. YII. üg. 4., welche indessen mit ^/r 
gacitea granulatus y. Sghloth. ganz übereinstimmt, und 
sicher aus dem Liasschiefer von BoU stammt, und die ich 
nach Ansicht natürlicher Exemplare von daher weit lieber 
zu JB^c. (Gig.) Targionii bringen mögte, welcher nach 
BaoNONUat zwar ebenfalls in Italien , und zwar im Ma- 
^gno Ton Florenz y aber auch in der chloritischen 
Kreide der Voirona bei Genf^ und zu Bignor in Süsses 
vorkommt. Alle diese Angaben deuten auf das Vor- 
kommen junger Flötzgebirge hin; obschon myi bei der 
indiiferenten Bildung Ton niedrigen Gewächsen oft 
schwer die Identität der Art beweisen , und so auf die 
derGebIrgsarten schliefsen kann*. Dann hat Hr.GuinoNi 



* Ah. BaoHOMiAaT Hiatoire de« T^tftsaax foMÜM. Pari« 
tt». fol. L p. 56 -- 62, u. 84 Not#. 



aitf dtr Hiähe de« Cangßm * Beiget bei der l^^exua 
Tiiiniiiier toh Terkiestea Ammoniten «iid Belenmiten 
gefanden , die iich, ihrer UnFoilstaiidigkeit willen', 
schwer genau bestimmen lassen ; die aber grofse vn- 
▼erkennbare Aehnlichkeit mit einigen - Arten des' 
Eisensandsteins zwischen der Lias - und Jura - For* 
madon besitaen. Reste tou jim. costulatus^ Am, coro^ 
fudus ond einer dem Am. cogtatui ähnlichen Art sind 
wwiigstens nicht zu yerkennen. Aber w*as ist das Ge- 
birge, das sie umsehliefet ? Man kennt es Hiebt Sie 
liegen auf der obersten 8|liase des Berges , über dem 
dertigen Uebergängskalke, zersti^eut, mudibreAbrnndung 
leigt, dafs- sie den Einflüssen der Atmosphärilien sehr 
lange Zdt ausgesetzt gewesen seyn müssen. Das feste 
Gestein des Berges selbst enthält keine Spur solcher 
Reste, und steht mit dem schwarzen Ufarmor von Porto 
V€n$re^ der sich durch BTärte, Ppliturffliigkeit und 
schwarze Färbung von andern auszeichnet, in ununter- 
brochenem «Zusammenhange.' ' Die Schichtnng, obschon 
▼ielem Wechsel imterworfen, läfet an keine Auflagerung 
einer Formation auf ^ilie viel frühere denken. Eine 
sehr stark dsenschnssige Thonerde, oftzuThon-Eisen- 
stein w€tdend, der massig TOTlcommt, oder sich zu 
Kngelfl- aussondert, noeh öfter aber in Bohnerz-Form 
Torkommen mi^ iJPaUe ü fidmine bei Gciaoin^, 
füllt unregeln^äfsige Vertiefongen an,* derOlierfläche des 
Gebirges aus, und könnte wohl jene fossilen Thier- 
Reste ebenfalls enthalten h^ben, denn sie bestehen zum 
Theil aus gleicher Masse. &o deuteten auch die mine- 
ralogischen Kennzeichen auf obige Gebirgsart Ii^dessen 



— 877 — 

bt es mir bei aller ang^ewandten Muhe nur .gelangen^ 
diese Erde , nicht aber jene KonehyUen an Ort nnd. 
Stelle zu finden*. Dann aber verdanke ich. der Güte, 
des Hrn. Prof. Ranzani in Bologna ein Exemplar eines 
Ammoniten , deren sich mehrere kurzUch ia der Nähe, 
Ton Vrhmo gefunden haben , anscheinend _ ebenfalls in; 
eisenschüssiger Thonerde. Dieser Ort würde sicher die 
Bemühungen eines geübten Geognosten lohnen. Der 
Ammonit hat grofse Aehnlichkeit. mit Am. costatua und 
Am. crenatu$ ▼. Schl. -— Aber diese Entdeckung ist. 
nicht neu, denn schon PAssuai.und BaoccHi'*'* gedenken 
des Vorkommens verschiedener Versteinerungen, na- 
mentlich der Kerne von Ammoniten an den Bergen 
Cataria und Nerone im Herzogthume I^^ftso,^ und in 
jenen von -GuBbio und Ternt^ von Furlo^ Carpegna und 
Foasombrofie. Beiemniten kannte Baqlivi um Bologna 
8(^on i. J. 1705'*'''"*'; (^Ammoniten um FeUri beasehrieb 



' Später aber hat db la B^chb im Marmor von Porto 
Venere^i edoch [?] auf demCoregna-Berge, Ort Äocer(w,(ähiiIich dem 
O. elongatum der Lin«^ und dem O* Stemhaweri der Kohlen- 
formation), Alveolen von Beiemniten, und 15 Arten von Am- 
moniten gefunden , nämlich A, erugatua Phil, , dem Lias^ ji» 
Bucklandi, A, Listen und A. hiformis, letztre beide der Kohlen- • 
formation entsprechend ; die übrigen Arten «ind nach Sowbrbt 
neu, (Philos. Magaz. and Annais 1830. Febr. 144 -^ 145). 
Jedoch kann de la B^chb keineswegs beweisen , dafs sie 
"wirklich im Marmor von Porto f^enere oder dessen Zwtsctien- 
•eblchten vorkommen: si« finden sich an der Oberfläche auf 
der Höhe des Coregna ! , 

•* Brocchi, Conckiologia fossile; I^p.JjULu^ 24. — Passbri, 
Storta dei fossile dd Pesarese, 1T75. < 

^ Comment, Bofion, I. p. tl* u, Bbocchi. a. a. O, J. p. XXIV«XXV» 



— SYS — 

Omaabi 1761 * , Amnioniten und Bdemniten am Muma^' 
beife MAHLom***) — Endlich ist tninfiUiren, dafs Hr. 
Profeaaor Guibotti in Parma mir Gryphiten gezeigt^ 
iwcifelaoline in Crr. cymbhsm t. Schl. gehörig , die er 
bei Fi^oleno im Groblcalke j^efonden zu haben rer- 
■ichert, dafa aber diese Muachelart aiqh Ton andern 
Versteinerungen des Grobicalkes durch die ihr gewohur* 
lieh anstehende dunkle, hier bleigraue Farbe unter- 
schied, während alle andern in jenen Schichten weiOi 
kslainirt, oder in gelblichen Kalkspath rerwandeltsind^ 
dafs Hr. STDusa mit vieler Mühe yergeblich an Ort 
nnd Stelle nachsuchte, dafs auch selbst der Fuhrer, 
in dessen Gegenwart Hr. Gcidotti jenen Fund gemacht, 
sich auf nichts an besinnen wnfste. Dann aber hat 
BaoccHi '*'^'*' bei Ricca zu Syena ahnliche Gryphiten 
aus den Apermmen der Gegend gesehen. In Campamen 
ftnd BasisLAK Ammoniten, Pectiniten und Fischabdrncke 
SU Pietra Rqja^ Ammoniten-artige Versteinerungen auf 
Capri etc."*"*^^ Diefs wäre dann ungefähr Alles , was 
wir für das Vorkommen einer, oder mehrer Jß*lötzkalk- 
Formationen in den Apenninen aufzuführen wüfsten. — 
So dürfen wir denn, so lange .unsere, bis jetzt aus 
Beobachtungen abstrahirten, Gesetze über die Verbreitung 
der Versteinerungen des Flötz-Gebirges nicht als nnj 



* Sui eorpi morim dd FeUrmo : ■. Bnoccm L p. XLV. 
** PietrifieazunU M M« Müma. Bergamo 1812. Baoccn h 
p. LXXYin. 

Bbocchi , Conehioiogia fossäe ; U., p. 474. 
Viaggi Utologiei ndla Campania^ and Baoco« Concfttol« 
I, p. LXXI. 






erwiesen Bind, das Vorkommen der Lias-, Anrakalk- und 
etwa Kreide -Formation an mehren Stdlen der Ap^n^ 
nmen annehmen. .. 

. Zn E. Tertiäre Gebirgabildungen. 

Was die Tertiirgebilde am aüdiichen Fufse der 
Alpen, welche dem Pariser Grobkalk und dem blanen. 
Thon und g^elben Sande der Subapennmen betrifi, 
die der Schweitzer Molasae nnd dem Cedcaire moellan 
entsprechen , so verweise ich auf die folgenden Ab*- 
schnitte, wo von ihnen insbesondere g^ehaadelt wird; 
Hier nnr Ton den AltersbexielhuBg^en ieioi^er lakalecen 
Tertiirf ebilde , eines Arannkohlengebildes , ■ nSmiich, 
einiger Safswasser-Bildong^en'*', dnes Schutt-Gebirges bei 
Turm'^'^^ und des Osteolithen-Schuttlandes su FtgUne***. 
Andere tertiäre Bildungen kommen erst bei Mom nnd 
noch* südlicher mit Tulkanischen Eraeugnis«;en' vor. 

Zuerst also mufs ich des , von Paebto erwiänten, 
aber zu keiner bestimmten Formation Terwiesenen, 
swischen Grobkalk und Jurakalk aufgeführten, Kalkes 
Ton Feresst bei .P«na2e. gedenken, welch^ Austern und 
Pektiniten enthält« Nach .in Getma gesehenen i Hand- 
atudcen, wo er, wenn ich nicht irre, auch als Baustein 
dient, kann ich ihn nnr bei der Subapenninen-Formation 
anführen. Aber dieser ist dann, was in Italien selten, 
Wi festes Gestein, porös, röthlich - weifslich , scheint 
ans Kalksand sämentirt, und liefs mich Abdrücke von 
Pektiniten sehen. 

Die groben Gerdll -Ablagerungen bei Turin^ 



■b*. 



* Th« L S. 503 bis SOA, dioaes Baches. 
** Ebendas., S. 120 bis 124« 
*** Sbendas., 8. 500 bis 503« 



die Geröll-, Sand*imd ThoinSdiiditte im TlMl-BedMB 
nl^KRie durften sidi an den Turhergehenden aiireiliett 
lassen. Denn theils g^ht die Subapennfaien-Fminationy 
Ton unten nach oben, Ton einer feinen und tluMiifen 
Zusammensetanng immer mehr aur g^robem und sandigen 
über, welcher Sand bei CästelFarquato^ namentlich auf 
der Hebe der Berge, neralich grob wird; theils ent- 
halten doch die oberen sandigen Schichten Toraugsweiae 
die fosaflen Knochen untergegangener Land-Saugethier&, 
Nuii aber haben die meisten Schichten des u^mo-Thale* 
gans jene aandig-thenige Zusammensetaung ^ theils ent- 
halten aie gerade die aahllosen Reste ganis derselben. 
Land-Siugethier- Arten y nebst nodi lielen andern; Die 
Schliefanng des Thal-Beckens bei lacüa, und die Ter- 
bindung desselben durch ein langes, enges Thal mit 
dem Meere möchte dem Eindringen der Torhergehendea 
Meeres-Formation im Wege gestanden sejn, oder doch 
bewirict haben , dafs keine See - Konchylien in jenem 
Kessel sich anzusiedeln Gelegenheit fanden. Aber etwas 
Gewisses tibe#die Altersfelge dieser Bildung möchte 
sich jetzt nicht angeben lassen. 

Spuren Ton Braunkohlen finden sich hin und 
wi^er in den obem Schichten der Subapenninen-For- 
mation. Sie haben dann sehr wenfg Veränderung er- 
litten, so namentlich Holz, Kieferzapfen, Nüsse von 
Juglana c»iereau.s. w., in der Gegend von Cns^^^or^im^«. 
Auch eine stärkere Ablagerung von Holz-Stimmen soll. 
etwas weiter ron diesem Orte , und noch eine in jenem 
Schutt-Gebirge bei F^igUne Torkommen. Aber bauwürdige 
Flötze kennt man bis jetzt, aufser jenen» in Bereitung 



— S81 — 

^er Trapp-Oebilde ^«iii sMifehen Fafse der Atpen^ die 
demnach w«kl aaoh derSabappenniaen^Foimation abfe<- 
setzt worden, nur belCfar<fift<maund bei Ckmiparola^ an der 
Südseite der JUgurischeH Apermmen. Von ersterem hat 
Hr. Paketo eine ansfährllche Beschreibung; ^eiiefert"*^. — 
— Cadibona lieget awei Stunden Weges Ton Savona^ 
westlich Genua. Das Grundgebirge ist taikig-glimmerig,, 
und seine verschiedenen Foraien gehen in einander 
über: wie Talkschiefer, talkiger Gneifs und talkiger 
Granit , die zur nahern Bestimmung des relativen 
Alters der Kohlen-Formation nicbte beizutragen im Stande 
sind, welche 300 Meter über dem Meere, und 20 Mi- 
nuten Tom Orte entfernt liegt, eine starke halbe Stunde 
im Quadrat einnehmend. Vom Granite an aufwärts sieht 
man : 1. ein Pudding-Gestein , ans grofsen Rollsteinen 
▼on Giinmier- und Talkschiefcr , Granit und Gabbro; 
2. talkigrglimmerigen , welfsenThon mit etwas Sandf 
S. Thon mit Spuren von Ligniten und Blätter^Eindrücken^ 
wie Ton Kastanien - Blattern , 1^ mächtig; 4. weiche; 
thonige Masse, 5^; 5. das Kohlen-Flötz selbst, und zwar: 
a. „f? mtiro^^ 5^ machtig, ein unreiner, thoniger, schie-^ 
ferlger Lignit; b, „tZ banco,^^ die ei|g;entliche Kohlen* 
Schicht, 4 bis ö^ mächtige im Baue stehend; die Masse 
ist kohlig mit Eisenkies, pechschwarz, dichte glänzend, 
im Queerbruch grofsmuschelig, im Feuer weder fliefsend, 
noch sich blähend, sondern zerreiblich werdend , und 
sich mit dichtem Rauche entzündend, etwa 0,06 eisen- 



* L.Pabbto^ deserizione deüa cave di eombustibUe fossile 
fieUe vicmaze di Cadibona; im Giomälä LigusHeo I, P. 1. 
p. 24 — 8t. (Genovß 1827. 8.) 



lultife Asche hinteriasgeiid, «pesifisehes Gewicht = l,S#3r 
hii 1,S60; c. ein dosneres L«g;er eiae« minder reinen^ 
«diieferigen Limites; A^^la corona^^' 6 bia 7^^ maeht%e, 
pechachwarse , i^Inz^nde, etwas achieferige Masse, in 
welcher fast alle Anthrakotherinm - Knochen gefandea 
worden aind. Letztere haben ein graues, erdiges Aus- 
sehen, sind Ton Kohle durchdrungen, von Schwefelkies 
begleitet, einige scheinen arosammengedrückt; e. yjUi 
ehtappa^^^ 8^ machriger» sehr unreiner Lignit, jenem 
Ton a, sehr ähnlich; (die ganze Höhe der Schichte 6, 
bis hierher mag 2 Bieter betragen f) /• noch ein 4^ 
mächtiger, erdiger, schieferiger, unreiner L^it. — 6. 
4 bis 5^ weifsen, quarzigen Sandes mit Quarz-Bruch* 
stucken; 7. weifser, glimineriger Sand mit Spuren Ton 
Lignit , 1 ^^ mächtig ; auch gelblicher Sand mit klein- 
köriiigem Pudding und kohligen Eindrücken ; 8. Pudding, 
rother und grünlicher Sand, mit Sandstein-Partfaien und 
BSndrücken; 9, kleine Scliicht mit Lignit-Theilen; 10. 
grüner und rother Sand mit GeröUe , regelmäfaig ge- 
schichtet; der. aber vielleicht schon zu dem darüber 
liegenden neueren . Schutt - Gebirge gerechnet wer» 
den mufs, welches wieder Bruchstücke Ton Granit, 
Gabbro , Serpentin , Talk - und Glimmerschiefer , oft 
such Sand Ton diesen Gebirgsarten enthält , welche 
sämmtlich in der Nähe anstehen. — Die Blätter Ton 
dikotyledonischen Gewächsen , die Beschaffenheit der 
Kohlen, ihr Verhalten beim Brennen, lassen auf ein 
sehr jugendliches Alter schllefsen ; und der Verfasser 
glaubt, nach dem Vorkommen der Antrakotherium- 
^Restcj des Bastberges in plastischem Thone, annehmen 



BU dürfen, dafs dieses Kohlen-Lager in gleicher For» 
mation gehöre. Auch scheint ihm ein sehr ähnliches 
Gebilde zwischen ^ilimola und Varagme unter die 
dortige blaue Subapennlnen-Formation sich einzusenken"^. 
Was nun aber die Anthrakotherium-Reste des Elsasses 
angeht, so ist seine Meinung irrig, denn jene kommen nicht 
in dem plastischen Thone des Basibergesj sondern bd 
Lobsarme Tor , unter einem Süfswasser-Gebilde und einem 
sandigen Flötze, welehesYoLTz, von OBTNHAUSEif und seine 
Begleiter der Molasse der Schweüz zuzurechnen geneigt 
sind'^'*'. Hr. BaoivGBiiAaT aber setzt das Gebilde Ton 
Cadibona im Alter dem Pariser Gypse gleich'*'^^. — — 
Unter Caniparoh liegen die ^ofsen Güter des Map- 
chese Malaspina : etwa zwei Stunden nördlich von Massa 
an der Strafse. Jener Ort aber befindet sich auf der 
Höhe eines Berges^ an dessen Fufs die Guter liegen. 
Das Kohlenwerk in Betrieb zu stezen, hatten früher ein 
Englander, und wieder ein Franzose versucht ; aber es 
schien ihnen an Kenntnissen und Hülfsmitteln zu gebre- 
chen. Nicht einmal über die Mächtigkeit und Erstreckung 
des Lagers wufsten sie sich einige Kunde zu Ter- 
schaffen. Jetzt hat der Marchese die Bearbeitung einer 
Gesellschaft von etwa zehn Personen , meist Deutschen 
übertragen, worunter, wie ich höre, sich ein Herr 



* Nacb Qrn« Dr« Sassi's in Genua Meinung aber „über 
^eselbe «ich berzulagern,'^ wie er mir mündlicb lagte. 

•• CuiTME , owemcn» /lw«rc» ,• IV, 500 — 802. — Voltz , in 
T« LaoNHARD^t Zeitachr. f. Mineral.; 1825, April, 8/355. ^ 
T. OnnfiiAusBir, v. Dbcebn und t. Laroche, geognostische Um- 
rifse der Rheinländer; II, 890 ^ssen, 1825, &). 

*** Cwira, I. c, ni; 896 — 404. 



BuixHABBT in Püa , seiner Eryttallglas-Fabrik we^eu, 
liaüptsichlicli dtfur interesrirt. Diese Oeseiischaft hat 
denn ferner Tom König von Sachsen einen Berg- 6e- 
adiwornen erhalten , nnd unterhält noch zwei jon^e 
Sächsische Berg> Verständige. Jener fand nun einen 80^ 
tiefen Schacht, nebst einer kurzen Streclce vor, wodurch 
man die Sohle des Lsgers in einiger Tiefe wieder 
erreichen wollte , da die Kohle am Ausgehenden nur 
geringmächtig und schlecht gewesen, aber das Lager 
nach der Tiefe mächtiger zu werden schien. Doch jene 
Strecke hatte das Lager noch nicht erreicht, und sollte 
daher weiter getrieben werden, wobei man sich, durch 
böse Wetter und durc]i schwierige Wasser - Lösung 
gehindert sah, indem es schwer ist, dem Wasser Abfluss 
zn versdiaffen. Gegen erstere leistete ein Wetterkanal, 
durch die Strecke führend , und am Schachtmunde mit 
einem Windfaage in Verbindung gesetzt , keine Dienste. 
Bf an begann einen Wetter-Schacht abzuteufen ; als man 
aber in der Mitte des Juni bis zu 40^ Teufe nieder- 
gegangen , nahmen die schlechten Wetter in diesem 
Schachte selbst so überhand, dafs die Lichter ver* 
löschten. Man sah sich nun genöthigt, bis zu Wieder- 
eintritt der kühlen Jahreszeit auszusetzen. Im Schachte 
findet man znerst wenig Sand, darunter Thon, Kohle, 
Thoh. Im Hangenden des Lagers sieht man längs dem Bette 
eines vertrockneten Baches zu Tage gehen : schieferigen, 
erhärteten Thon und Bänke blaugrauen Meigelkalkes, 
alles mit starkem nördlichem Falle. Die Kohlen-Schichte 
ist mehre Fufs mächtig , die Kohle schwarz, sehr 
leicht, theils pechartig, dicht, mäfiug glänzend, theils 



— 885 — 

imit Torj^er ia dünnen Streifen wechselnd, matt, parallel- 
faserig scheinend, doch nicht von eigentlicher Holz- 
Struktur. Sruch flachmuscheh'g, zuweilen Spiegelflächen 
entblöfsend. Im Thone über der Kohle fand man Holz- 
Stücke von rundlichem Durchschnitte , doch so sehr 
zusammengedrückt, dafs beide Durchmesser = 6^^; 
2^^ waren^ Demungeachtet gehörte dieses Holz zuver- 
läfsig Dikotyledonen an, indem man auf das Deutlichste 
dicht gedrängte Jahresringe und Spiegelfasern daran 
SBVL erkennen Termogte. Auch die Masse war nicht 
gänzlich verändert. Nur die Rinde und eine, vielleicht 
durch Fäulnifs vorhandene, ebenfalls breitgedrückte, 
Höhle in der Mitte war gebildet oder erfüllt von Kohle, 
der vorigen ähnlich , die an der Rinde würfelig zer- 
rissen ^ innen ganz war. Früher hatte man im Thone, 
der Kohle zunächst auch einen Blatt-Abdruck gefunden, 
der indessen wieder verloren gegangen. Man verglich 
ihn dem eines Kastanien-Blattes. Diese Notitzen ver- 
danke ich beiden jungen Bergleuten, da der Berg-Ger 
schworne , bis zur Wiederaufnahme der Arbeit , wie 
man sagte, iiach Elba verreist war. Das Gebirge ist 
offenbar ein tertiäres, zweifelsohne mit dem vorigen von 
gleichem Alter ^ und da keine Anthrakotherium-Zähne 
hier vorkommen^ wird man noch um so eher geneigt 
sey n , beide nicht zum plastischen Thone zu bringen. Aber 
älter als die Molasse, älter als die Gebirge mit Elephanten* 
und Nashorn-Knochen im Piacentmüchen und am AmQ 
mögen beide doch seyn. 

Das Süfswasser-Gebilde von FlgUne enÜkäX 
unter acht Arten von Süfswasser^Konchylien wenigstens 

Bronn, Reite. IL 25 



— 886 — 

drei von noch lebenden Arten, abfer anch wen^t^is 
ebenso viele von aiQ8g;e8torbenen. Es gehört folglich 
nicht zu denjenig^en, deren Absi^tzungp nach der urwelt- 
lichen Zeit stattg^efünden hätte y aber doch wohl aeiem^ 
lieh an Ende derselben. Da nun das Yerhältnifs der 
atu^estorbenen zu den noch lebenden Arten in der 
Subapenninen-Fomftation ungefähr dasselbe ist, da die 

Bildung dieser Forinatiön so lange fortgewährt hat, ohne 

• 

daTs sich eine allgemeiue Unterbrechung erkennen liefse, 
da endlich diese Formation , in charakteristischer Ge* 
stalt, vom Thal-Becken von FigUne ausgeschlossen waif) 
so kann man wohl jene Süfswafser-Formation als lokales, 
aber gleichzeitiges Erzeugnifs ipit ihren .jiingern Schichten 
ansehen. Zum Theil dieselben Arten, welche bei .Fl^/me 
vorkommen, fuhrt Brocchi, nebst noch andern, im Tuffe 
von ^arteano und \on Stügia bei Poggibonzt im Syene^ 
sischen, oder mit See-Konchyüen zu San Gmsto bei 
Votterra an, welches letztere Vorkommen die ob%e 
Meinung bestätigt. Die in jenem Tuffe vorkommenden 
Arten aber sind alle noch lebende, und dieser ist, auch 
nach seinen mineralogischen Merkmalen, wohl jüngeren 
Alters. 

Ueber einen Gyps, welcher bei Ptibiä vorkommen 
soll, und wovon ich schöne Tafeln bei Herrn Grafen 
BoaRomso gesehen, kann ich weiter nichts Geognostisches 
anfuhren. Er ist voll Blätter - Abdrücken , mit deren 
Untersuchung Hr. Prof. MoBBTti sich beschäftigt^ und 
welche sämmtlich lauter noch lebenden dikotyledoni- 
ischen Gewächsen, meist Holz-Arten «ngehören sollen. 

Zur Subapenninen-Fonnation gehört wahrscheinlich 



— im ^ 

imch der Meigel, in welchem sich tiuf dem Monte d$ 
PademOj 4 Milien ron der Porta Skm Mamoio m Bo- 
logna der bekannte Bolog;neser Späth findet : ein un- 
reiner stralig-faser^er oder -blätter%er Baryt, Welcher 
in nnregelmfifsig eiförmigen Bfassett zusammenhangende 
Nester und Adern biidet, doch ohne geregelte Erstrek- 
knng und Mächtigkeit. Nie finden sich Kristalle dabeti 
Br wird durch Schurfarbeit, Raubbau und, wo er durch 
Regen ausgewaschen worden, gewonnen. Kalzinirt, 
wieder gebunden und polirt gibt er den Bologneser 
Phosphor. 



itm 



xxvn. 



Ueber die 

Fabrikation 

der 

Florentiner Strohhüte 

und 

vVergleichung derselben 

mit der 

Strohhut-Fabrikation 

im Auslande. 

Tafel I. 



§. 1^ Vorbemerkungen. »Schon bei meinem 
ersten Besuche in Italien habe ich Nachrichten über 
diesen wichtigen Industrie - Zweig zu sammeln gesucht« 
Da aber die Torgeriickte Jahreszeit keine Beobachtungen 
mehr über die Eultur^Art des Strohes gestattete und 
die Manchfaltigkeit neuer und anziehender Gegen- 
stände während meines so kurzen Aufenthaltes in Florenz 
mir nicht genügende Muse gewährte , um die Fabrik- 
Anstalten als ruhiger geduldiger Beobachter zu besuchen, 
so war ich genöthigt, mich auf Mittheilung der an Ort 
und Stelle von mehren sachverständigen Personen ein- 



— 389 — 

g^ezog;enea Nachrichten zu beschränken'*'. Dabeijaher konnte 
Ich die Richtigkeit aller dort gelieferten A;igaben nicht 
verbürgen. Wenn ich nun auch jet^t noch Einiges 
zweifelhaft lassen mnfs, so wird vielleicht die Andeutung 

m 

desselben künftige Reisende um so eher zur Beobachtung 
und Aufhellung veranlassen. — Seither hat sich das In- 
teresse an diesem Gewerbszweige vergröfsert, die Nach- 
richten aus Toskana hahen sich vermehrt, man hat 
solche In mehren gewerbswissenschaftlichen Zeitschriften 
bekannt zu machen in Deutschland ^ Frankreich und 
England sich ernstlich angelegen seyn lassen, in der 
Hoffnung die Befreiung von dem Tribute sich zu er- 
ringen , den jene Länder , wenn auch nicht in solchem 
€rrade wie Amerika, dem Flelfse Toskana* s zollen. 
Darum war ich bei meiner zweiten Anwesenheit in 
jP/oreras bemüht, mich nach Kräften genauer über die Fabri- 
kationsweise der Strohhüte zu unterrichten. Aber ich er- 
reichte Toskana erst, als das Stroh soeben vom Felde 
genommen worden ]yar, und ein unglücklicher Fall traf 
mich , ehe ich meine Nachforschungen und den Besuch 
der Fabriken vollenden konnte. Gleichwohl glaube ich^ 
hier eine gründlichre und voUständigre Beschreibung 
liefern zu können , als sich aus der Gesammtheit alles 
bisher darüber Bekanntgemachten entnehmen lassen 
mögte. 

§. 8. Literatur. Zwar sind einige Schriften 
über Stroharbeiten besonders erschienen. Aber es sind 



*) S. memer Naturhistorisch-ökonomischen Reise I« Bd. 

von 1824, S. 478—482, 



sehr diirfl%e Zwwmmcniitdhmgcn des diriber bAinnt 

gewordenen oder nnsnreidiende Unterweisnn^n, wie ? 

P. BoiLBAc's ond Anderer gesammelte Erfahmngen smr 
Yertertigung aller. Arten Strohhute und Blumen 
aus Stroh. Leipzig. 8. (^Hir nicht ans eigener An- 
sicht hel^annt]) 

Die Fabrikation der feinen Strohhute und die Kunst 
Blumen aus Stroh zu rerfertigen, nach dem neuesten 
Englischen, Italienischen und Französischen 6e- 
schmacke, nehst Anleitung zur Zubereitung des 
da^i dienlichen Strohes. Ldpzig 1806. 8. 

Anweisung die schönsten künstlichen Blumen ^us Ter- 
schiedenen Zeugarten, sowie aus Stroh und Fisch- 
bein zu verfertigen , und die geschmackTollsten Ita- 
lienischen* und Englischen Strohhüte nebst sonstigen 
Strohgeflechten zu bereiten. Aus dem Franzos. 
Qnedlinb. n.Lp9. 1826. 8. (Aneinanderreihung ein^r 
Uebersetzun^en, die in Draoi-Bft's Journal stehen.) 

Pofpn , Tedinologisches Lexikon. V. (^Stutlg. u. Tübiiig.^ 
1820,8.) S. 165—175. 

Die übrige Literatur, 8ic|^ mehr auf einzelne 
Theile der Fabrikation beziehend, ist in iieien Journalen 
zerstreut, 

Ueber Strohglitterei ond Strohfirberei. -^ Hildt's Hand- 
lungszeitung IVr. Jahrgang. Gotha. 17^. 8. S. 
302. ff. 

Von der Stroharbeit zu Hüten, Tischdecken etc. Im 
Dorfe Trebltz bei Wittenberg. — Wittenb. Wochen* 
blatt f. d. J. 1788 — 1789. S. 385 ff. 

Verfertigung der Toskanischen Strohhüte, ^tti deüa 
80cieiä patriotica di Mäntw. III. 1704. V. 

Verfertigung der feinen Stroharbeit in Sachsen. — Hildt, 
Handlungszeit. Jgg. XIV, 1707. S, 413, 

Ueher die Italienlcben Strohhüte , und die Art , wie das 



— »1 — 

Streh zu denselben asnbereitet wird. — Journal für 
Fabrik, Manufaktur, Handlung^ und Mode. XiV. 
^ (Leipzig 1795.) S. 466—473. 

Proben aus der Strohwaaren-Manufaktur der Geschwister 
Engblharb in Dresden, welche aiki ersten das Stroh 
durch Aufschlitzen, Glätten und Färben, verfeinerten, 
zu Hüten etc. Journal f. Fabrik XV. (1798,) 
S. 426 — 427. 

Ueber die Sachsische Stroh-Manufaktur^ — ENOBLiLiaB's 
Erdbeschreib. v.Chursachsen. HI. Lpz. 1804. 8^ S. 267. 
ff. ^IV. 1805. S. 261. ff. 

Von Verfertigung der Strohhüte und Zubereitung des 
dazu dienlichenStrohes. — Das Neuesteund Nützlichste 
d. Chemie. Fabrikwiss. III. (Nürnb. 1800; 8, ) S. 
104. ff. 

• 

Muster gepressten Strohes aus der Manufaktur des Hrn. 
Friedr. Nitzb et Comp, zu Berlin. — Journal für 
Fabrik XVIII. (1800.) 434 — 435. Taf. fll.) 

lieber die Englischen Strohhüte. — Harnes neue Hand^ 
lungszeitung. Jgg« II. Weimar 1801. S. 324. 

Strohspaltmaschine. — Magazin aller neuen Erfindungefi 
It Lpz. 4<'. 1802 — 1803. S. 312. 

Hüte und Blumen aus gespaltenem Stroh za verfertigen.. 
Magaz. etc. 111.(1803— 1804.) S: 118^ 1»1. 

Verschönerung aller Arten von nStr^oh durch Bleichea des- 
selben in oiygenirter IS^^lzsäure. -r- Das Neueste und 
Nützlichste d^r Chemie etc. VUr.l800.8'>;S. 104, 

Ueber dasBleichen des Strohes ipit Chloroxy d. — WS^illy, 
annal, des arts ^ manufactures cm XII J* Nro, 65. 
Journal für Fabrik etc. XXX. (1806.) S. 153. ff. 

Cokston's StüQhhÜte in England seit 1804. -^ Ebendas. 
XXXII. 1807. (Jänner) ^ 11. ^ GfJ^L teckn.repos^ 
1824. j^pril. S. 263. — Oingl. pol. Jour. XIV. 1824.. 
8.287 — 229, 



Beschreibung eines Verfahrens, die Strohhüte zupressen 
und zu formen. — Mag. all. neu. Erfind. VT. S. 
180 ff. N . 9 

Beschreibung des Verfahrens , Hüte und Blumen aus ge- 
gespaltenem Stroh zu verfertigen. — Ebendaselbst 
VI. S. 197 

Strohhut-Fabrikation in Toskana. — de Chatbautieüx's 
lettres äcrites de tllaUe ä Mr. JPictet 1812 — 1813. 
Paris et Geneve 1820. 8. 2e edÜ. pag. 91 
— 93. 

Mat über Strohhut- Fabrikation. — Hermbstädt's Bullet, 
d. Neuesten und Wissenswürdigsten etc. VIII. S. 
9T — 112. — Hermbstädt, gemeinnütziger Rath- 
geber. I. 160.- 163. (1. 1818.> 

Strohhut-Fabrikation in der Schweiz« — Seringb mSlanges 
botaniques I. (Berne 1819. 8^) S. 222 — 227. 

Strohhut-Fabrication zu Tryberg im Schwarzwalde. — 
V. FAHNBNBERe's Magaziu für Handlung IV. (^1813.) 
S. 31. ff. — DiNGLEE Journal VII. 1822. S. 321. 
Anmerkung. 

Strohhut-Fabrikation in Bayern.— Dingcer's Bericht von 
d. 4ten Industrie- Ausstellung zu Augsburg im Octbr. 
1821. S. 13. 

Strohhut-Fabrikation in Toskana. -^ Valentin veyage 

en Italic^ faite en 1820 —1824. 
Handbuch für Reisende in ^Italien , übers. ¥. HBLOMANBr. 

Basel, 1820. S. 278 — 280. 

Maignier, Maschine zum Plätten der Strohhüte, in Paris 
erfunden. Bulletin de la Soci^tö d^encouragement 
pour Findustrie nationale, 1821. S. 6. — Dingler's 
polytechnisches Journal. V. 1821. S. 254 — 255, — r 
Webbr's Beiträge zur Gewerbs- und Handels-Kunde. 
I. Berlin. 1825. S. 413 — 414. 

(^Dr.HöcK.^ Ueber Verfertigung der Strohhüte und ande* 
rer Strohwaaren — Diivgl. Jour. VII. 1822.S. 320—337. 



— S93 — 

SiLVBSTRfi, zur Geschichte der Strohhutfabrikatiou in 
Frankreich. — Bulletin di L Soc, d^encour, uro. 
CCXII. S. 56. — DiNGL. Jour. VIII. 1822. S. 385 

— 386. 

Ueber den Ertrags der Strohhutfabrikation für Toskana. 

— Sul prodotto m denaro dei capelli di pagUä m 
Toacana. — Vibussbux's Antologia di JF^enze, 

1822. fascie. IT. 

Uebe^die Cultur des Hutstrohes in Toskana. -t-Sillinan 
american Journ, of Scienze und arts (JSfew-Haven) 
^ lY. 1822. — Gill's techmcal Repoaitory 1822. My. 
S. 1. — Dm6L.Journ. IX. 1822. 134—135. 

Verferti^ng der Strohhüte in ToslRina. —- Biblioth^que 
universelle 1822. Mai. — Jahrbücher des polytech- 
nischen Instituts in Wien. V. 1824. S. 387— 388. 

W. H. TON KcitRBR über das Bleichen des Strohes und 
der Strohgeflechte. — Dinol. Journ. X. 1828. S. 
191 — 204. 

R. Frith Grofse Verbesserungen in der Art, mit ver- 
schiedenen Farben zu färben und zu drucken , so 
dafs sie auf Stroh etc. fest und haltbar werden. — 
Bepertory ofafta^ manufacturea and agricuUure nro. 
CCXLIX. 1822. Febr. S. 134. -^ Dinol. Journ- X. 

1823. S. 324 — 331i* 

Frau S. Well's , über ihr neues Material zum Stroh- 
flechten (^eine wildwachsende Grasart) : TVansact. of 
the Society for the encouragement of arts , manu- 
fadures and commerce, vol. XL. -:- Gill's 
technic.repos. 1823. S. 383. (^im Auszug). — Dingl. 
pol. journ. XI, S. 15 — IT, 

I. Parry über Verfertigung der Florentiner Hüte, und über 
das Nähen derselben. — Transact etc. vol. XL. -^ 
Gill's techn. repos. 1823. S. 187. im Auszuge. — 
Dingl. Journ. XI. 1823. S. 18 — 21. — London 
Jßurnal of arts and scienee. vol. V. 1823. S. 264. 

— Webbr Beiträge I. 1825. S. 468—411. 



Ueias Lank jun. Verbesflernng im Strohflechten und im 
Verfertigen der Hüte und anderer Strohflecht-Arbeit^ 
(^gespaltenes Stroh, auf Toskah. Art geflochten). — . 
London Journal etc^ V. (nro. 25) 1829. S, 11. 

— DiNGLEH Journ. XI. 1828. 8. 409 — 411. — 
Webbr's Beitrage I. 1825. S. 411. 

Ueber [in Irland gefertigte und mit Preifsen erkannte 
Hüte aus einheimischen Grasern. — Gill's techn, 
repos. 1824. Febr. S. 142. — Q^GLba's #ourii» 
XIV. 1824. g. 186. 

i^BW. Ollerbnshaw Maschine zum Zurichten der Hüte 
(auch bei Strohhüten anwendbar.) ^^- London 
Journ. etc. nrdi 89. 1824. März. -. Weber Bei- 
trage I. 1825. S. 270. — Jahrbuch, d. poüt. Inst 
etc. VIII. 1826. S.*252 _ 254. 

WiLH. CoBBETqpi Über Anwendung EngUscher Graser zu 
feinen Florentiner Hüten. -^ TransacL ofthe Soc. etc. 
voLXLI, — GiLL'stechn.repo8. 1824. März. S. 167. 
DiNGLBii polyt. Journ. XIV. 1824. S. 220 ^ 227. 

— Webbr's Beitrage I. 1825. ^. 411 — 418. — 
Sinclair hortus gram. Wbbumemis (Stuttg. 1826) 
p. 411. — 414. 

Pabbt über geeigneten Boden jeu Floreqtiner Stroh. — 
Gill's techn. repos. 182^. Apni. S. 248. .— 
DiNGL. Journ. XIV. 1824. S. 2(27 — 229L 

Fortschritte der Strohhut-Fabrikation in England (Sur- 
rogat belohnt), -<>- Transact of th'e Soc. etc^ vol. 
XLII. — Gill's tech. repos. 1825. März. S.612, 
. ^ Desgl. polyt Journ. XVII. 1825. S. 847 — 860* 

Bbonn : Strohhut-Fabrikation in Toskana : — S. dessen 
Ergebnisse meiner naturhistorisch - ökonomischeo 
Reisen. Heidelberg I. 1825. S. 478 — 482. — 
Verhandlungen des Vereins zu Beförderung des 
Gartenbaues in Preussen. Berlin. III. 1827. 848 — . 
849. Anm.^FBB huU. sc.agric. VIII 1827. p. 185 



Strohhat^Fabrikation in Toskana d. d. Florenz 24, Jnly 

1825. Neues Woehenblatt des Landwirthsch. 

Vereins in Bayern. V. Jhrg. 857. — Verhand- 
lungen des Gartenbauvereins etc. II. 1826: S. 457. 
—458. — Schlefswig-Holsteinische neue landwirtb^ 

• schafüiche Hefte. Heft II. 1827. p. 7a 
Wbber über die Anwendung der Halme von Poa pra- 
tensis nach Ital. Art — - Verband, d. Gartenbauv. 
II. 1826. 445 — 447. — Fkr. bull. d. sciensc. 
agric. VIIL 1887. »3 — 94. 

T. N. Maschine^ zum Pressen der Strohhute (in Eingl.) 
— Mechanica Magastine. nrQ. 129. 1826. Febr. 
S. 264 — 265. — DiNGL. Joum. XX. 1826. S. 
152 — X5S. Tf. IV. Fg, 1 ^ 11. 

W, Salisburt über das Stroh , woraus die Florentiner 
Hüte'geflochten werden (TSriY. turgidum) — Tramact 
ofthe encouragem. Soc. XLIII. 1825. -^ Gii,l'8 techn. 
repos. 1826. Mai. 814. — Dwgl. pol. Journ. XXI. 

1826. S. 188 — 139. ^ Verhandl. des Preuss. 
Gartenbau-Vereins. III. 1827. S. 847 — 848. — 

Y Magaz. d. neuesten Erfind. Neue Folge. III. 8^ 
(uro. 21.) S. 86 ^ 87. — Bayer, landw. Wochen- 
blatt 1826 Heft. 4. — Schleswig -Holst Und^r^ 
Hefte. Heft II. X827. p 100. — FäMuss. buU sc. 
agric. 1826. V. p. 878. — Journal SagrimUure, 

1827. V. 375. 

Besnos Strohhut - Fabrikation auf Florentiner Art auf- 
gegeben. — Bulfet. des scienc. technol. 182Q. Mai^ 
295. DmGL. Journal. XXI. 1826. S. 191. 

Ck>wi.«Y und Stabves überCultur des Nordamericanischen 
Grases zu Florentiner Hüten. — Transact. of the 
enoourag. Soc^ t>of. XLIJI. — i- Gij^l's techn. reposit, 
1826. Mai. S. 285, — Dingl. Journal. XXI. 1826, 
S; 191 — 192. 

Thom. WalIiEr: Gewisse Verbesserungen an Strohge- 
flechten zu Verfertigung von Hütea« (Italienisches 



Stroh nach Eng^lisch. Weise Terarbeftet, ist stärker.^ 
-^ London Jmim. of arts etc. XII. 1826. Sept. 
p. 66. — DiNGL. Joiirli.*XXII. 1826. 332 — 333. 

Strohhut'Fabrikation in £ng[land (historisch, über Me- 
thode).— DiNGL. Jonrn. XXII. 1826. S. 333— 342. 

lieber den Anbau und die Zubereitung^ des Strohes in 
Toskana. — Jahesom New-Edinb. Philos. Jonrn. 
1826. nro. IV. — Prechtl Jahrbücher des polytechn. 
Inst. 1828. Xn. p. 188 — 190. 

Rt. f. Neue Maschine anun Pressen der Strohhute in 
Eng^länd, mit Abbild — Mechanics Magaz. nro. 175^ 

1826. Dec. S. 546. — DraoL. Journ. XXIU. 1827. 
426 — 427. 

Weber 9 Vorzeigung; von Hüten aus andern Grasarten 
in England gefertig^t und 

¥. Witten , über drei , aus Italien erhaltene Weitzen- 
, arten, welche zum Strohflechten dienen. — Ver- 
handlungen des PreuCsischen Gartenbau-Vereins in, 

1827. S. 108. 

Heber Strohhut-Fabrikation und Kultur des dazu erfor- 
derlichen Weitzenstrohs. ^- Neues Wochenblatt 
des Bair. Landw. Vereins; Vir Jgg. Heft. 2. — 
Verhandlungen etc. m. 1827. 347 — 349. 

Toskanisehe Strohhüte haben die Conciirrenz der 
Englischen nicht zu furchten. — Annaü unwersali 
dt tecnologia 1826. ^ug. Ä 128. — Bullet, des 
scienc. tecn. 1827. März 174. -^ Dingl. Journal 
XXIV. 1827. S. 370. 

Neueste Fortschritte der Strohhut-Fabrikation in Eng^ 

land. — lyansact of the Societ. of encourageth. vol. 

XLIV. — Gill's techn. reposit. 1827. März & 

118. — Dbsgl. pol. Journ. XXIV. 1827. S. 373, 

— 374. 

Hall's (In Florenz) und Boswell's (in Kingcausie) Nach- 
richten über die Weise , wie man im Florentinischen 



t > 



— MW — 

das Sttoh 2u Florentinerhüten baut und zubereitet *^ 
Edinb. New PMos. Joum. 1827. März. 380. — 
DiNGL. pol. Joum. XXIV, 182T. 450 — 452. 

John Guy und Jag Hariuson : Verbestserte Methode^ 
Stroh und Gras zum Flechten der Hüte zuzube- 
reiten. (Das Stroh wird früher als gfewöhnlich ge- 
schnitten, und in kleinen Bündeln ausgebreitet.) — 
Repertory of Patent Itwentiön , IV. voL ; SuppL 
1827. Juni. S. 431. Dingl. pol. Joum. XXV. 1827. S. 
2^— 2tö. — London Journal of^rt 8. 1828. Juni. S. 
150. — DiNGt. pol. Journ. XXIX. 1828. S. 114 — 115. 

A. Ch. DB Bernariwjbre's Verfertigung von Hüten aus 
Französischem Stroh (1818). — D^scrvption des 
brevets ejcpir^s. tom. X. — Prbchtl Jahrbücher des 
pol Instit. 1828. XII. p. 191. 

I. Klindt, das Strohflechten in Ahrensburg. — Schles- 
wig - Holsteinische Neue landwirthsch. Hefte. H. III. 
Alton. 1820. S. 210 — 222. (Eine äusserst beleh- 
rende Nachricht , wie der Verfasser Fortschritte im 
Strohflechten machte^ und es einführte, ohne nur 
Anleitung dazu gehabt zu haben.) 

Th. Wallbr, Verbesserung in Verfertigung von Strohhut- 
Geflechten. — Repertory of patent inventiofis. 1830. 
Febr. pag. 83. — Diwgl. pol. Jour. XXXV. 1830. 
pag. 478. 

§.8. Art des Strohes. Zu den Florentiner- 
hüten bedient man sich nur desStrohes vom 
gemeinen Weitzen, und zwar der Varietät 
mit gegrannter, unbehaarter, weifser 
Aehre: Triticum vulgare^ spica laxa aristata 
glabra alba, nach Sbringe's Bestimmungs- 
methode."^ 



* N. Ch. Sbbinge monographie des cMales de la Suisse, 
im zweiten Hefte des ersten Bandes seiner M^langea botaniques 



Unter den Ctetrddegatton^n wfirde der Roggen woU 
ein zu sprödes, die Gerste ein zn dickes weiches Stroh 
liefern. Das des Weitzens iiesitst, mit Feinheit vereint, 
t*est%keit, Oianz nnd Elastizittt. Vieüeicht «her würdeil 
andere Weitsenärten dieste E^enschaflen in gleichem 
Grade verbinden. Indessen ist die ohenerwihnte Art 
Und Varietät diejenige, wdche man in Italien ani All- 
gemeinsten baut Zuweilen bleiben die Granneii sehr 
knrznnd dann nähert sich der Weitzen der andern Varietät 
j^ica mutica glabra (dha^*' welche ich in meiner frühem 
Nachricht angegeben« Den Halm habe ich, gegen ^e 
Versicherung einiger Andern, nicht markig, sondern 
jederzeit hohl gefunden, wo er sich Tielleicht besser 
zusammenpreisen Üifst^ ohne bei angezogener t^enchtig-^ 
^ keit wieder aufzuquellen. Mehre Schriftsteller^ haben 
noch andre Weitzenarten genannt, aus welchen die Flo^ 
rentiner-Hüte gefertigt wurden ; aber obschon ich er^- 
klärt, dafs ich den gemeinen Weitzen nicht geradezu für 
den allein brauchbaren halte, isö zweifle ich doch, dafs 
andere Arten in solcher Absicht um i^renz gebaut wer^ 
den. So will Hr. W. Salisburt aus dem Saamen, wel* 
chen der Kapitän Roper im Jahre 1819^ von Flofenst 
an den Herzog von Sussbx mitgebracht, Träieum tut'- 
gidum erzogen haben , wie man ihn in mehren Theilen Eng- 
lands baue'*'. Jedofdi möchte ich hier entweder eine unrich- 



(Beme 1819. S) p. 84. und 87 — 89« — I. Mbtzgbb Europaische 
Cerealien. (Hetdelb. 1824. fol.) pog. 1 ^ 2. Tf. L 

* Sali8Bubt in Transacthns of tke Society for tkicouräge- 
ment of arta voh XLIII« ; daraui in Gikl's technkai Repository 
1826.1[8i#p. 314; dann inDiKauKft^i polytechnischem Journ« XXI* 



\ 



tlg^e BeStittunang''' furchten, oder mehr noch, dafs Herrn 
RopBR der Saame irg^end einer andern Weitzenart ab- 
Bichtliöh eingöhäiidi^ woi^ded, nvie denn auch Baron 
t<ON Witten dreierlei Weitzenkörner ans Italien erhal- 
ten. Worunter gerade jene, die das feinste Stroh liefern 
Muten, sogleich durch beträchtliche Dicke Verdächtig 
wurden , und nachhet eita gröbres Sortiment gaben l"*'^ 
Ich habe Stroh von Triticwn ttA'gfdum nie^ weder zum 
Bleichen ausgebreitet, noch in d6n Händen der Arbeiter 
gesehen. Südlich versichert Cobbkt gar, dafs man ihm 
ans Lworno Hutstroh gesendet, aus drei yerschiedenen 
Gräsern^ nämlieh Hafer, Weitzen und Mauergerste be- 
stehend'^'*''^. Wenn aber in diese Angabe eine Irrung von 
Seiten Herrn CoBbBtT's selbst mit eingelaufen wäre> so 
dürfte uns solches Ton einem Manne nicht wundern^ 
der weder Pöa pratensis init Sicherheit zu be- 
stimmen vermag, noch zu wissen scheint, wie gemein 
dieses Gras in England ist (a. a. O.) 

§. 4« Boden %ur AueaaaU Die 2ur Aus« 
'saat gewählten Aecker huben eine sonnige 
Lage und einen trocknen etwas steinigen 
Mergelgmndk Sie dürfen eben so wenig ganz 



1826. p« 138 — 139 ; in den Verhandlangen des Preufgischen 
GtUrienbän-Yereins« Bd» III« 347 — 348* ; im Magazin der nend»- 
■ten Erfindungen. Neue Folge nro. 21. (HI. m.) S. 36 — 37« 

* Sicher wird wenigstens in Italien oft TVtttcum ciurtfiii 
mit TVtt* turgidum verwechselt* 

^* y.WrrxBN in den Verhandlungen des iPrenfsischeu Öar7 
tenban-Vereins* Bd* tÜ . S. 108* 

DiNQL* Journ, "XPf. (1824) S* 220—221« 



««• 



-^ 400 — 

(erschöpft, als mit «chaelltreibendem Dün- 
ger frisch {gedüngt seyn. 

Das herrschende Gebirge im Amothale ist alter 
Kalk, hin und wieder in Verbindung mit Thonschiefer, 
Grauwacke' und Gabbro vorkommend. Aber dieses Ge- 
birge ist allenthalben überlagert von mächtigen blafe 
Ockergelben Mergel-Ablagerungen, die hin und wieder 
mit Kalksand-Schichteif wechseln , oder mit diesem siiüi 
vermengen. In gröfserer Ausführlichkeit habe ich schon 
früher der Beschaffenheit des Bodens am obern Arne 
gedacht*. Ganz ähnlich ist er im untern Arnothale 
unterhalb Florenz, nur dafs der Grauwacken-Sandstein, 
Aiacigno, öfter al$ Grundgebirge erscheint. Eine Probe 
des Schuttgebirges aus dem Arnothale bei Figline findet 
sich in den geognostisch-petrefaktologischeuLieferungeii, 
welche das hiesige Mineralien-Comptoir ausgiebt , unter 
Nro. 07. (zweite Lieferung); und zwar zeigt diese Va- 
rietät gerade die am meisten verbreitete Zusammen- 
setzung, nur etwa dafs sie mehr Eisen als gewöhblidi 
enthält , und findet sich allenthalben zwischen FigUn^^ 
Florenz^ Pisa , Livorno und Syena^ wenn gleich ihre 
Stelle in der geogiiostischen Reihenfolge an diesen 
Orten nicht ganz genau die nämliche zu seyh scheint. 
Der Zusammensetzung nach würde ihr der Löfs unseres 
Rheinthales'*''^ am ehesten entsprechen***. Von diesem 

* Meiner Reisen erster Band« S. 497 — 505. 

** Ebendas. S» 5 — 6 ^ und von Leonhabd^s Naturgeschicbte 
der Felsarten S, 722« 

*** Höchst interessant sind Herrn Parry^s in England 
gemacht« Beobachtungen, über den Einflurs verschieden 



— 1« — 

Boden/ trilill man ntdil ebeil den b«it«ft mn , tondert 

verwendet jene Modifikationen sfcttm fitutstrbh ^ AÄIit% 

^RT^lche leiehttr und etwas steinig sind^ nnd, an der ge-* 

Wohnlichen Weitzenknltur ttiihder geeignet, im BHrag 

ttn Stroh nnd Korn aurüokstehen würden. Dieser Boden 

darf ferner nieht itafs oder stark fencfat, noch Töh: 

Bäumen n. s. w. beschattet S^yn/Anf die sonnige Lage bat 

man freilich in Italien minder an sehen, als bäi uns 

ii6f hig seyn würde. Ein gana erschöpfter Boden würde 

die grofse Menge, wenn auch kleinerer Halme so wenig 

zu tragen yermdgen , als dagegen zu bl)f ürefaten stehen 

wi&rde , dafs im frisch und stark gedüngten, die schwa^ 

chen Halme leicht fallen würden« Bei einem lieber- 

treiben der Halme durch starke Feuchtigkeit oder frischen 

Dünger würde die Fertigkeit und Blastiaität d^ 

Halme leiten, und ein gana uogedüngter, armer Boden 

würde wenigstens nicht im Stande sejn, mehre Aerndtisn 

der Art hintereinander an geben , weil nidU eittttMl 

dieStoppeln zurückbleiben, lim seine gUnalleUe Erschi- 

pfung au hindern. -^ Diese mir selbst nnd tiekn andern 

ertheilte Nachrichten scheinen nic&it mir si^her^r. sondern 

um 80 wahrscheinlicher, als einige gegentheilige Berichte, 

wonach Tauben-, Schaaf- nnd Ziegen -Mist über das 



Kasammengesetzter Bodenarten. Starker Eisengehalt des Thon« 
Bodens macht das Stroh leicht fleckig ; Stroh Ton Qmirz' 
■and-reichem Boden wird brächig ; dagegen, solches Ton Kalk- 
boden sich durch Elastizität und Glanz auszeichnet« S« 6ill*s 
techn. Repos, 1824 April« S. 263. ff„ n. DufOKBii's polytechn. 
Jouni. XIV. 182/]. S. 229' 

Mr9fM, tUfȤ IL 29 



— 402 -- 

Fdd gestreut werden soll. (^JovrAal für Fabrik, Ufa* 
mifaktur etc. XIY. Leipzig. 1708. S. 469.) 

§.5. Die Zeit der Aussaat fällt gewöhDÜcIi 
in die ersten Tage des Märzes, und es ist 
daher eine an die Frühlingssaat gewöhnte 
Weitzenart (^Sommerweitzen, Tritümm vulgare 
oes^n'tfm), welch e'm an zu wählen pflegt. ^ 

Obschon jene Zeit der Aussaat die allgemeiner 
übliche ist, so habe ich doch auch sagen hören, und 
Terschiedene Schriftsteller führen es an, dafs man 
die Saat auch im Herbste vornehme. Ich glaube nicht, 
dafs diese Saatzeit irgend einen nachtheiligen, doch noch 
weniger, dafs sie einen Yortheühaften Einflufs au/ die Qua* 
lität des Strohes selbst äufsere, sondern, wenn für einen 
geringern Theil die Herbstsaat gewählt wird, so ge* 
schieht es sehr wahrscheinlich nur, um den Strohflech- 
terii durch die etwas frühere Aerndte auch frühere Be- 
schäftigung, und den Hntappretur-Anstalten früher Ma* 
terial zu liefern, woran es ihnen in der Frühlingszeit 
leicht zu fehlen pflegt, so dafs sie einen Theil ihrer Arbeiter 
entlassen müssen, und ihr Grundkapital nur geringe nützen 
können. — Oder sollte der Somn. jrweitzen, wie Burobe* 
TomspätgesäetenSommerrocker .rzählt, auch an sich dünn- ^ 
halmiger bleiben, als der Winterweitzen ?'*''*' — Bei uns 



* BiJBQSB'i Lehrbuch der Landwirthschaft« 11« S. 36« 

** Merkwürdig genug werden in der Abhandlung eines 
Ton Frankreich nach Italien gesendeten Beobachters die Tor- 
■üge des Strohes vom Sommerweitzen gegen jenes vom Winter- 
weitzen so sehr gerühmt, als ob dieses dazu kaum brauchbar 
sey, aber bemerkt, afs man die Aussaat im Noyember ulid 



-.403 — 

kl Detttschland mögt« wohl sehr zu fürchten gejn, dafs 
bei Eintritt streng^er Winter ohne Schnee die Winter- 
saat zu sehr leide, nnd sich Tiel zu dünn stelle, nm 

Stroh von g^ehöriger Feinheit geben zu können. . 

Nach LiCHTBBrsTBiN (Oken's Isis 1830. S, 6T4.) «oll Tri- 
ticum spelta znr Erziehung des Strohes angewendet 
werden , welches ich überhaupt in Italien nie gesehen 
habe. Wahrscheinlich übrigens sind andre Weitzen-Arten 
nicht unbrauchbar. 

§.6. Art der Aussaat. Das Saatkorn wird 
ausserordentlich dicht und möglichst gleich- 
förmig mit der Hand ausgestreut. 

Das dichte Säen bezweckt die Feinheit der Halme, 
indem solche dadurch schlanker aufschiefsen , gerade 
wie man um Falenctennes die Feuiheit des Flachses für 
die Brabanter Batiste erzielt '^. Je dichter die Ausdaat ge- 
schieht, desto, feiner müssen auch die Halme werden. 
Aber die Dichtheit der Saat findet dennoch früh genug 
ihre Grenzen, wdl, wenn die Zahl der Halme ganz 
übermäfsig würde, 'sie sich wechselseitig *die Nahrung 
im Boden und den Ein ''nCm der Luft und des Lichtes so 

Dezember Tornehme. J^rrnal für Fabrik, Manuiuktur etc, 
XrV. (Leipasig 1798) p. 469?" Hack $cbeint ihm nachzuschrei- 
ben , wenn er die Aussaat des Sommerweitzens im Noyembcr 
und Dezember empfiehlt. Dingl» polyt. Joum. VlI. (1822) S. 
320 — 327. flF. 

* Mittheilungen aus dem Tagebuch eines Reisenden in 
den Jahren 1821 — 1822. Leipz. 1824. S. 25 — 30. Da man 
dort noch starke Düngung anwendet, um die Flachsstengel 
zugleich 3^ hoch aufzutreiben, so ist man genöthigt, Baum« 
äste über das Feld auszubreiten, um das Fallen der Stengel 
zu Terhuten» Das Feld wird auf 20 lahbe für den Flachsbau 
unbrauchbar. 



— «M — 

mtkr miä^dmk mibten» Mk rie «IlnddeHi, FieUMcbt 
aneh n weich blelbeH worden« Nttiriich bkibca mU 
iok Hidnen auch die Aehrea und die Komcr m d^ 
Gröfse xorncL Die Aebren haben gewöhnlich nur drei 
bia Tier entwickelte Aehrchen; drei bis fünf SchnppeSy 
nnterhalb derselben an der Spindel aitsend, deuten eben 
so Tiele abortirte Aehrchen an. Nicht in der Hiifite der 
aonit antgebildeCen Aehrchen tetsen sich gnte Komer 
ap, sondern sie schlsgen entweder gani fehl, oder bUdea 
sich nur in der Form leerer Hinte ans , wahrscheinlich 
weil vielen nicht die mm Reifwerden nöthige Zeit ge* 
stattet wird. Da nun auch die guten t[dmer nicht halb so 
grofs als jenoTon auf gewöhnliche Art gebautem Weltien 
werden, so hat man davon doch nur ein verhalt» 
nifsmafsig kleines Maas xur Saat nödiig. Indem es klar 
ist , dafs die geringe Gröfse der Kömer nur von der 
dichten Aussaat herrfthrt, nidit aber einer besonden 
Weltiensorte entspricht , so können auch gewöhnliche 
Weltzenkömer zu dieser Saat angewendet werden, und 
man wird vielleicht schon da^ Erstemal, sicher aber nsch 
einigen Generationen eben Scheines Stroh, ds aus jenen 
an erziehen vermögen , wenn die sonstigen Vorschriften 
defshalb genau beachtet werden ^, Nach dem Berichte 



* Nach einem Aafsatse im ,^euen Wochenblatte de« 
landwirthschaftlichen Yereins in Bayern'^, 6r Jahrg. 2b Heft 
(Verhandlongen des Preufsischen GartenhauTereins III. 347v) 
hat man in England 8 — 9 Scheffel Saamen auf den Preafsi- 
■chen Morgen als richtiges Maas befunden ; aber es wird nicht 
angegeben, ob Ton gewöhnlichen, oder Ton kleiner gebliebenen 
Saamen. Ich konnte in Italien, wegen Unbestimmtheit der 
Maase darüber keinen Aufschlafs erhalten. 



^tea Herrn Foubkibii m Genf an SAuaimiT mUtet isaa 
den Weitien , wenn er emge Zoll hodh gewordea, ludil 
wehr sehe am Beden ab ^ und wiederheit dieses so oft» 
Ma die nachwachsenden Hahne sdilank und dünn genug 
wenden»'*' Ich kann aber Terrfchern ^ dafs dieses wen%« 
fliens nicht die gewöhnliche Methode latf sondern bd 
lier Frühlingssaat treibt nnd liehalt jeder Saame nnr 
Bmen Hahn« 

§.7» Die Zeit der Aerndie von dem im 
Frnhling ausgesaeten Weitaen ist knrzTor 
«nd noch mit derAerndte des Winterwei- 
tsens^ wenn die ersten Saamenköriier sieh 
der Zeitignng nähern, in der Mitte und 
theils auch noch bis gegen Bnde Juni (für 
Italien^, 

Die Hauptärndle, Ton dem in den ersten Tagen des 
Mirzes ausgesaeten gemeinen Wdtzen , findet auch im 
Anfang des Jnni-Monates statt » während die Aerndte 
des gewöhnlichen Winterweitzens in nnd nach der Mitte 
des Janfs zn fallen pflegt. Im Sommer 1827 war sie 
etwas Terspätet. Fabrikanten jedoch, welche sehr Tiei 
8tr<A consuDiiren , säen wohl anch einen Theift gegen die 
Mitte oder das -Ende des BCärzes ans, und ärndten dem- 
anfirfge erst in den letzten Tagen des Juni ^ oder selbst 
zu Anfang des Juli > wie ich noch iin obem Arnothale 
gesehen. Bei dem ansserordentlieh dichten Stand der 
Halme müssen nothwendig yiele unterdrückt werden, 
so dafs kaum die Hälfte oder drei Ylertheile eine 
genügende Länge errdchen und kleine Aehren ansetzen, 



Salibbitby an dem oben angeführten Orte. 



nhne mit d«i ftbrigeii zugldkA blüben imd Stamen bildä 
la können. Eben go hat der dichte Stand snr Fol^e^ 
dafs selbst an den höchsten Halmen Ton 2^ Höhe Tiele- 
Saamen unentwickelt bleiben ( §. 6.\ Die Saamen bilden 
sich sehr ungleich und ungleichzeitig aus. DieAerndte miiJb 
nun erfolgen , ehe welche davon ganz reif werden, weil 
dann schon das Stroh zu hart und brudiig, und zu dunkel oder 
fleckig werden würde. Die ersten Saamen sollen aus- 
gewachsen , aber noch nicht hart seyn, die übrigen aber 
kaum die Blüthe überstanden haben. 

§. 8. 'Art der Aerndte. Die Halme werden 
sammt den Würz ein büschelweise, soviel man 
deren mit einerHand umspannen mag, ausge- 
zogen, von der leichtenErde durch Abschüt- 
teln befreit, und sogleich über der Wurzel 
mit Binsen etc. zusammengebunden. 

Das Zusammenfassen der Halme geschieht mit bei- 
den Händen. Sie dürfen aber nicht von einem zu 
grofsen Raum zusammengefafst werden, um sie mit 
einander auszuziehen, theiis weil sonst die Wurzeln in zu 
ungleiches Niveau zu liegen kommen , wenn man sie 
bindet, theiis weil die Büschel zu grofs , und die weitere 
Behandlung erschwert werden würde. Ein Büschel von 
der angegebenen Oröfse enthalt ungefähr tausend 
Halme, von sehr verschiedener Länge. 

§.9. Erstes Trocknen und Bleichen. Jene 
Büschel werden darnach auf einer kahlen 
trocknen, sonnigen Fläche einige Tagfe 
lAng^9 gegen Regen bewahrt^ ausgebreitet^ 
bis 9ie vollkommen trocken geworden, und 



— 4«Wr — 

dabei sirgleich statt der grünen eine blafs- 
gelbliche Farbe angenommen Miben^ 

Das Ausbreiten geschieht entweder auf dem abge- 
ärndeten Acker selbst, wenn er geniigend trocken und 
nicht zu entlegen ist, oder lieber, wo es angeht, auf 
den kiesigen Flachen längs der Flufsufer , nie aber auf 
grasigen, oder sonst bewachsenen Flächen, die stets 
feuchter sind, und leicht ein Fleckig werden des Strohes 
zur Folge haben sollen. Das Trocknen mit der Wurzel 
ist wahrscheinlich von sehr wesentlichem Einflüsse, 
denn Termuthlich würde ohne solche das Stroh schneller 
trocknen als bleichen, und daher mehr grün bleiben, 
gleich dem Heugrase. Sollte es nicht auch elastischer 
werden? Bemerkenswerth ist nach Herrn Gobbbtt, dafs, 
wenn man von verblüheten grünen Gräsern nur 
die obersten Gelenke abschneidet und bleicht , sie 
schwinden und unbrauchbar werden, dafs sie aber^ mit 
dem ganzen Halm gebleicht^ wohl gerathen.'*' — Man 
legt die Büschel'*'^ nebeneinander, und breitet die Halme 
aufwärti^ Ton der Stelle an, wo sie gebunden sind, 
fächerförmig, gleich den Radien eines Halbkreises aus, 
und fürchtet die Befeuchtung durch den Thau nicht, 
sondern findet sie vortheilhaft. Aber man ist sehr be-' 
sorgt , dafs das Stroh während der Zeit des Trocknens, 
welche unter steter Bewachung 3 — 5 Tage und Nächte 



* DiTOL. Journal. Xiy. (1824.) 2^2 — 223- 

*♦ Nicht j^aufen", wie Hock (a. a. O. S, 322.) nach 
einer schlechten Ueb^rsetzung im Journal für Fabrik \iy. 
S. 470. anfahrt. 



iHftrl, kcifteni R^c^ MMgvtctel wevd«. Sram isl w 
■itlalf , w- die« 9r9ii4« 9« erioneni, h diöer 
Jahretseit kommeii keine andere als heftige ^Ge- 
witterregen Tor , wo dorch das Herab&Uen der 
Tropfen das Stroh mit Erde besprvtit, oder sol- 
ches an abbangigen Stellen sogar durch Verschwenfr- 
mnng beschidigt werden würde. Die Daner dieser 
Regen ist iwar gewöhnlich knn » von einigen Stniide« 
Bnr : aber erfolgen sie des Nachmittags , so würde das 
Stroh d<ich wenigstens 15 — 18 Stunden durc^niljrt 
bleiben > was schon um so leichter ein Sporig- oder 
Fleckig-Werden durch Gahrung aur Folge haben würde, 
ab die Halme noch unreif und grün sind« Noch weniger 
kann das Stroh wahrend eines Regens eingethan werden, 

r 

i9^eU es dann aufeinandergehäuft sich schnell erhitsen 
und schwarz werden würde. Daher, und weil der 
Verlust guten Strohes sich im nämlichen Jahre zum 
grofsen Schaden der Arbeiter und Fabriken nicht wieder 
würde ersetzen lassen, hilft Alles schleunig und treulich 
zusammen^ um das Stroh ein^Eubringen^ sobald ein Regen 
droht. — Dafs man das ausgebreitete Stroh absichtlich 
wechselweise begiefse und trockne'*'*, finde ich aus den 
zuerst angegebenen Gründen kaum wahrscheinlich, noch 
habe ich es je gesehen , obschon ich solche Strohblei- 
chen doch öfters Tiele Stunden hiutereinander tor 



* So meldet man im ,,Neaeii Wochenblatte des land- 

^wirtbachafüichen Terems in Baj«i:n'', Jahrg^. V« Hall 4 8.857. 

— Yerbandlaogeiv dea Fve^fisiachaa OjEurti^tüma-VaraiAs II S. 

457. — Bann Foubjnib» in aeinam Baikhte an SiusnEiT 

a. d. a. O. 



Aiqpe» Iwtte: «8 jrilfite dam etir« a«f gns Mbw 
nadl gephtteten Boden tof ufend eine geUade WeUlB, 
daA dag Stroh BkU rernnrein^t werde , ao wie dvrdi 
den ThaUf geaeheben können. 

$. 10. Jluswahl der brauehiare^f^ Hulme. 
Btnn aohneidet an Jenen Bnacheln die Wur- 
■e)n ab, nnd wählt ana den Halmen die fei« 
n4ii»eii Hnd bleicheren ana, nnd achneidet 
daa oberate Glied von dem rorletzten Kn<^- 
t e n an ab* Die Wurseln dieaer nnreifen Pflanien aind 
wekh nnd konnex, gleich dem lum Flechten unbranch- 
baven Theile der Halme ,\ anm Yiehfutter yerwendet 
werden; dain wirft man nämlich auch noch die zu dicken, 
die fleckigen oder aonat nicht gut gebleichten Halme 
nnd d§a unteren Theil der übrigen mit den Blätter% 
nachdem man daa oberate feinate Glied (Intemodium^ 
Vit der Aehre anr Flechtarbeit abgeschnitten hat, denn 
der dazu brauchbare Antbeil der Halme darf kdnen 
Knoten, mehr enthalteiv Dieses Glied hat je nach der 
Feinheit der Halme 3^^ -^ 14^^ Länge , d<)ch kann ea 
inr letzten Falle oft nur zum Theile gebraui^t werden, 
iroil ea nach unten schon zu dick wird. Beide Halm^ 
lilld«^ nikiiasen mögUckst gleiche Dicke besitzen. — 
Sehe« Tovher soll das Stroh zu Gewinnung der Körner 
godrofchen werden , waa aber nothwendiger Weise 
viele Halme beschädigen mufs, und dabei überflüssig 
ist, indem die wenigen Körner beim weitern Bleichen 
von selbst aus den Aehren fallen und gut gesammelt werden 
können, weil die Unterlage sorgfältig gewählt seyn mufs. 

§. 11. Letzte ZtLriahtung des Strohes. 
Die Halme werden nun zuletzt nochmal 



— 4M — 

einigte Tmg^e in der heifsen S^nne g^ebleicht, 
• och noch geschwefelt, durch Kinde r s or- 
tirt nnd Bündel-weise verkauft. 

Das Bleichen konnte bei dem ersten Trocknen nicht 
yollendet werden , weil die Bfischel noch zn dick waren, 
nnd Tiele der besseren Halme, nnter den Blattern nnd 
unter den schlechtem versteckt, die ESnwirknng der 
Sonne nur sehr nnToUstandi^ erfuhren, weil das toU^c 
Ausfallen und der Verlust aller Komer auf den Aeckem 
und Kiesfeldem zu furchten gewesen , und endlich weil 
sie in jener rohen Gestalt noch ein zu grofses Volumen 
besafsen, als dafs man das Bleichen bequem rollenden 
konnte. Nachdem sie aber soweit zugerichtet worden, 
können sie auf den .tennenartig geebneten und gestampf- 
ten Höfen, auf Mauern , oder auf jedem Boden auf 
tfnem ausgebreiteten Tuche vollends in der heifsen 
Sonne gebleicht werden. Die noch ausfallenden Saamen 
lassen sich so auch bequem aufsammeln. Sie dienen zur 

Wiederaussaat oder zu feineren Backwerken. Doch 

I 

wird das Saatkorn auch besonders gezogen, indem man 
gemeinen Weitzen, y« so dicht als zu Hutstroh aussäet, 
und reif irndtet.^ Mit dem Bleichen fährt man 6 — 8 
Tage fort. Man sagte mir, dafs man, für die feinen 
weifsen Hüte wenigstens, das Stroh jetzt schon einmal 
in einer verschlossenen Kammer, oder in einem wohl- 
verschlossenen Kasten schwefle, nachdem man es znyor 



* Dieses nach einer Angabe der Herren Hall u* Boswbcl 
in Jameson Edinb. new, phäosopkical Journal 1827. März, S. 
380. — DmauiB polyt. Journal XXIV. 1827. 450 — 452. 



— 411 — 

> 

und so aii%eitellt habe. Doch weifs ich nicht, ob 
solches bei allem Stroh geschieht Endlich werden 
Kinder atigfestellt , die guten nnd unbeschädigt geblie^ 
benen Halme nach ihrer rerschiedenen Dicke zu sortiren^ 
wo jedes derselben nadb einem Torgegebenem Muster 
nur eine gewisse Sorten auszulesen hat Dieses geschieht 
liach einiger Uebung lediglich nach dem Atigenmaafse. 
Der Sorten sind anfanglich nur etwa acht. Da man aber 
daraus Hüte von sechzig verschiedenen Graden der 
Feinheit fertigt, so mufs das Sortiren immer weiter 
fortgesetzt werden, und zum VheÜ bleibt es den 
Flechterinnen nberlafsen, für eine vorzügliche Feinheit 
die Hahne noch genauer auszulesen , und bevor sie 
jeden Halm verflechten , den untern Theil desselben so 
weit abzukneipen, i^ er^noch zu dick ist, so dafs öfters 
jaur 2^/ — 3^^ lange Endspitzen der Hahne verarbeitet 
werden: Halme von Nro. 32, welche noch eine der 
^obsten Sorten ist, haben im Mittel 0,4^^^ Paris. Dicke 
auf 10^^ Länge ; die von Nr. 50. haben nur 0,25"^^/ 
Dicke aiif 5^^ ^— 6^^ Länge u. s. w. Man hat geglaubt, 
diese Arbeit zu erleichtern und zu verbessern, indem 
man alle Halme durch runde Oeffnungen, deren 60 
von verschiedener Gröfse in einer Blechjicheibe befiod- 
lieh, zoge^ aber dadurch sollen so ungleiche Halme in 
einerlei Sortiment gekommen seyn, dafs man sie noch- 
mals nach dem Augenmaafse auslesen mufste. Ohne 
Zweifel ist dieses Verfahren viel zeitraubender , und 
leicht wird dabei ein dünnerer Halm beim Durchschieben 
durch eine weitere O^ffhung derselben anpafsend geach- 



-^ 41t - 

M, «ior «r idMint Mk te «teer engem nur wemig 
m «vingeiif gehört aber 4eniongeachtel tchen elncar 
vettchfedenctt Nummer an; deHn wie gering der Uster- 
•diM der Bnrdunester ron iwei einipiter nahen Btafan- 
Kmmmmrm «eye , friieUt ana Obigem. 

^ISL Dm$ flechten dee Strehee geaehiehtt 

• - '^ 

allenthalhe.a genau auf dieaeihe Weiae» Je 
dreiaehn Halme werden nu achmalen Inngen 
Bindern ao Terflochten, dafa je seeha nach 
der rechten und aieben nach der linken 
Seite n* u. gerichtet sind, und jeder Halm 
ateta ahwechaelnd über und dann unter 
swei andern nebeneinander liegenden hin- 
weggeht. Zuletit achneidet ma^n alle auf der 
Unterseite der Bänder noch Torstehende 
Halmspitien mit der Aelfre %b. 

IMe Art und Weise , wie die dreiaehn Halme beim 
Flechten der Bänder übereinandergdegt werden > wird 
sich ans dem oben Gesagten genügend ergeben^ wenn 
man etwa noch die Abbildung (^Taf. I. F^. 1.), oder 
einen StroUiut cur Hand nehmen will. Die Anzahl der 
Halme bleibt beatandig dreizehn^ obsebon man bei einer 
oberfläGhlichen Zählung deren nur 6 und 7 zu sehen 
glaubt, und an Terschiedenen Stellen deren weniger 
angegeben werden'*'. Zwar gibt ea noch mand^ andre 



* So habe leb selbst früher zu wenig und in anbestimm- 
ter Zahl („sieben , auch nenn etc.*^) angegeben. A. a 0. S. 
480, — Nach einer anckn*n Angabe solRen deren nur sechs 
seyn. S. BibUoiheque wuperwUe^ und daraas in pRBCiiTL's Jabf- 
büchem des polytechnischen Instituts in Wien. Y. 1824. S. 
387 — 388. 



~ 41S — 

'Weiten, Höte aus Flechtwerk m yettetügea^ aber 

«eiißhe Hüte, an weichen viel gekünateU m aeyn pflegt, 

sieht man im Ganaen doch sehr aelten, nnd sie werden 

nielit lur Ausfuhr gebracht Die Flechter ^ meist MSd« 

chen und Weiber, tragen stets einen Yorrath dea 

möthigen Stroh-Sortiments, in Papier gewickelt, im Gürtd 

aait sich herum ^ während sie Hechten, und liehen, so 

irfl sie eines neuen IMoiea bedürfen, einen solchen 

hervor, um ihn an den xn Ende gegangenen anxurei* 

hen. Sie fimgen immer mit dem dienern Ende der 

Halme an, das sie über dem au Ende gegangenen.Halm so 

einschieben , dafs es durch die andern schief daruber- 

gehenden Halme verdeckt wird, während das dünnre 

Ende des vorigen mit der tauben Aehre auf der Unter* 

aeite des Geflechtes 1^^ — 2^^ weit hervorstehen bleibt. 

IMe Länge des Bandes ist abhängig von dessen Feinheit; 

denn je schmäler ein Band vermöge, seiner Feinheit 

wird, desto länger raufs es werden, um zur Fertigung 

eines Hutes hinzureichen. Seine Mnge beträgt daher 

nngefiUir 150 •- 400 EUen. Im Maase seine Länge 

annimmt , bindet die Flechterin dasselbe wieder neu in 

einen Kneuel zusammen, den sie ebenfalls am Gürtel be* 

festigt ,hat. Die Breite der Bänder für gewöhnliche 

Strohhüte von Nro. 32. beträgt dann ungefähr 3^^^, von 

Nro. 60. nicht l>/^^^^ von Nro. 84. kaum l^V. £a 

sehien mir, als ob man absichtlich einen Theil der 

Bänder (für den Hutrand) etwas bogig flechte, damit 

sie sich als Spirallinien besser aneinander legen 

lassen. Alle vorstehenden Halmspitxen und Aehren 

werden zuletzt ziemlich nahe am Bande selbst 



~ 414 — 

nii ejner Scheere abjeschnitteiL — Die Fertigfcetf, 
welche sidi die Flechterinnea erwerben , ist so ^ofe, 
dais sie sich, bei etwas grobem Sorten wenigstens, da- 
mit selbst beim Gehen über die Strafse, nach der 
Schnle u.«8. w. beschäftigen , ohne Tiel darauf zn sehen. 
Die feinsten Sorten aber verlangen grofse Ruhe imd 
Aufmerksamkeit bei diesem mehre Monate währenden 
Geschäfte, «nd. das Stroh dazu soll nafs verflochten 
werden. Ehe man die Bänder zusammennäht, läfst man 
sie wahrscheinlich, noch zwischen zwei hölzernen Wal* 
zen durchgehen , um sie zu pressen« 

§ 13. Da^ Zusammennähen der Hüte ge- 
schieht für den Kopf nach einem. Modell, 
woran nachher der Rand angesetzt wird. 
Man legt die Strohbänder in Spirallinien zur 
nöthigen Form mit den Randen nebenein- 
ander, und nähet diese Ränder mit feinen 
Seiden fä den zusammen, so dafs diese Fä- 
den abwechselnd unter einem zurückgefal- 
teten Halme am einen, und dann wieder 
unter dem am andern Bande durchgezogen 
werden, ohne auf der Oberfläche sich zn 
zeigen. 

Dieses Nähen erfordert sehr groCse Aufmerksamkeit 
und sehr feine Nadeln. Denn erstlich dürfen die Stroh- 
bänder nicht, wie bei den in manchen andern Geben- 
den gefertigten gröbern Hüten mit den Rändern aufein- 
ander, sondern nur nebeneinander zu liegen kommen. 
Dann müssen sie so fest neb^joeinander liegen, dafsr 
man die Anfügung durchaus nicht bemerkt, und auch 



- 416 - 

Tom Faden, der aus nngesponnener Seide besteht, 
niclits wahrnimmt/ Da nnn in den Strohbändem jeder 
Hahn, so oft er im Geflechte bis zum Rande ^ekorn* 
men, wieder schief zurückg^eleg^t , und nach dem 
entgegengesetzten Rande hingeführt worden , ^ so 
schiebt man die Nadel gerade unter der Umbiegung 
jedes einzelnen Hahne» durch, verfahrt dann am 
''zunächst gelegenen Halme des benachbarten Bandes 
ebenso, kommt wieder zum ersten zurück n. «• w. 
Nur wenn es sich nicht gut fügen will , wird 
ein^Halm auf der einen oder der andern Seite 
beim Nähen übersprungen, aber dieses darf nicht zu 
oft geschehen, weil sonst sich die Bänder weder nahe 
genug aneinander legen, noch die Hüte die nöthige 
Festigkeit erlangen, um die folgenden sehr anstrengen- 
den Appretur -Arbeiten ohne Schaden ertragen zu 
kö9bn. Dieses Verfahren ist daher vielleicht im stren- 
gen Wortsinn kein Nähen, sondern ein wechselweises 
Durchschleifen eines Fadens :; unter . die aufeinander 
folgenden Rand-Halme des einen und dann wieder des 
andern Bandes, und ein Anziehen des Fadens, um 
dadurch denselben möglichst zu verkürzen, und die 
beiden Ränder einander zu nähern. (Vergleiche zur 
Versinniichung Taf. I. Fig. 2. a. und b. , wo zwei Me- 
thoden angegeben sind , deren Anwendung sich wohl 
hauptsächlich nach der Feinheit der Hüte richten m^). 
§.14, Die Feinheit des Hutes wird be- 
stimmt nach der Anzahl der nebeneinander 
liegenden Strohbänder des Hutrandes von 
gleichbleibender Dimension. 



— 41« — 

Me Fona der Hüte, des Köpfet , des Rtades bleibt 
an Fraven« und anHerren-HfitenJm AUgemeinen dieselbe. 
Die Breite des Randes an Damenhoten betraf 7 
Quadrinl oder ungejßihr 7 starke Pariser Zoll (]eioe 
gute Spanne} und die Nummer der Feinheit wird be* 
stimmt nach der Anzahl tob Strohbindern die im 
Rande nebeneinander liegen, um ihm die vorgeschriebene 
Breite zn geben. Ist er tufUlfg ^ Zoll schmäler oder 
breiter geworden ^ so wird diese Diffei^en« bd dor 
Feinheitsbestimmnng bemessen und in Anschlag gebmbt 
Die geringste Nummer (einige ganz grobe Sortimente, 
welche die Bauern hin und wieder bei ihren Feldarheftoft 
gebrauchen , abgerechnet) ist daher etwa 20 , oder Jene, 
wo 20 umeinander liegende Strohbänder den breiten 
Rand* bilden. Die höchste Nummer ist etwa 85, und 
man hat nur sehr wenifg Beispiele dafs dieselbe errdcht 
oder gar übeftroffen worden seye. " 

§. 15. Im nun gebildeten Hut m&ssen alle 
ungleichen, dicker oder dünner erschei- 
nenden Halme ausgezogen, und durch andre 
ersetzt werden. Zugleich werden die noeh 
Torhandenen kurzen Halm-Enden vollends 
abgeschnitten. 

In keiner der bisher mitgetheilten Nachrichten habe 
ich über diese Yerbesserungsweise der Hüte etwas Nih»- 
res gefunden. Auch wird sie oft bei den geringmi 
Sorten von Herrenhuten , bei solchen nämlich, die im 
Lande bleiben, und allezeit bei jenen, die gefihrbt 
werden, nicht vorgenommen. Erst wenn das ganze 
Fiechtwerk ausgebreitet nebeneinander befestigt Jkgt, 



■ — #1T — 

Werden voller aabeachtefe nnd an sich ferin^e Unter- 
«chiede in der Dicke der Halme recht auffallend. Man 
«ucbt daher diesem Mangel abzuhelfen, und dadurch 
die Qualität um ein bedeutendes zu erhöhen. Das Ab- 
schneiden der ungleichen Halmstücke geschieht mit 
ideinen Scheeren, das Ausziehen derselben und das 
Einschieben der neuen in die Lage, welche jene beses- 
sen, mit Hülfe feiner Zängchen. Mit dem Einsetzen 
beginnt man erst, nachdem alle ungleichen Halme schon 
ausgezogen worden. Dieses Geschäft erfordert eben so 
Tiele Geduld ^ als Uebung und Handfertigkeit^ Zu 
^leicherZeit werden auch die noch hervorstehenden kur- 
zen Halm-Enden ganz gleich an der untern und Innern 
-Oberfläche! des Hutes abgeschnitten. Denn es ist be- 
merkt , dafs bei dem ersten Abschneiden der Enden 
an den Strohbändern solches nur in einer kleinen Ent- 
fernung Ton der Oberfläche geschah. Die Arbeiterin 
halt dabei den Hut auf dem Sohoofse. 

§. 16. Die abgecTchnittenen Halm-Enden 
werden nun an der Unterseite des Hutrandes 
mit Bimssteinstückchen abgeschabt 

Obschon diese Enden nun nicht mehr über die 
Oberfläche des Geflechtes hervorstehen, so sind sie 
doch beim Anfassen des Hutes noch sehr fühlbar, starr, 
und würden bei der folgenden Anwendung verschiede- 
ner fest darüber hingleitender Instrumente sich an 
diesen sperren, und so eine stärkere Anstrengung des 
Hutes zur Folge* haben. Um dem zu begegnen , wird 
der Hutkopf umgekehrt in den runden Ausschnitt einer 
glatten Tafel von hartem Holze gestützt, so dafs der 

Brotm, Beiw U. 27 



— 418 — 

Rand des Hntes ringsum auf dieser Tafel auflief, fito 
werden nun die Enden der Halme auf der Unterseite 
des Randes mit kleinen Bimsstdn-Stücken Tollends ab- 
geschabt, während der Hut beständig gedreht ^¥ird. 
Sie werden zwar dadurch nicht mehr bedeutend i^eiv 
kürzt, aber diese Enden werden schwächer , verlieren 
an Starrheit, werden so weniger fühlbar > und bei den 
folgenden Arbeiten minder schädlich. Es gehört Uebnng 
zu diesem Geschäfte , um Flinkigkeit mit Sicherheit zu 
▼ereinen, damit nicht auch die eingeflochtenen Haha- 
theile Tom Bimssteine angegriffen werden. 

§. IT. Endlich werden alle Fasern, die 
sich noch auf der Unterseite des Randes 
befinden, durch Aneinanderreihen derRän- 
der, von je zweien erwärmten Hüten ent- 
fernt. Zu dem Ende befeuchtet man die Hüte, 
schichtet sie in einer Tonne, auf deren Boden ein Kohl- 
Becken steht, locker übereinander , nimmt je zwei 
erwärmt heraus, drückt den Rand eines Hutes umge- 
kehrt auf einen Tisch an dessen v Seite, und reibt den 
des andern darüber hin und her, wobei allmählich alle 
Stellen in wechselseitige Berührung kommen müssen. 

§. 18.. Die Hüte werden nun zu Entfer- 
nung des Schmutzes mit Seifenwasser ge* 
bürstet, getrocknet und abgerieben. 

Reinliche, längliche Waschbecken, 2^ lang und 4^ 
breit , gefüllt mit Seifenwasser , sind zur Hälfte ihrer 
Breite nach durch eine glatte Tafel von hartem HoIzq 
oder selbst von Marmor bedeckt, welche. in Rahmen 
so eingefafst ist^ dafs das Wasser davon nur wieder 



/ 
I 



— 419 — 

' nach dem Geßfge ablaufen kann« Jede Tafel hat ein 
" rundes Loch, grofs g^enug um den Kopf des Hutes 
darein einzulassen , damit sich der Rand auf der Tafel 
aüshreite. Etwa 8^^ davon auf, der Tafel ist ein oben 
abgerundter Holz- oder Marmor-Zjlinder^ über welchen 
^ der Hutkopf gut aufpafst , um ihn auch von oben zu 
i bearbeiten. Dichte, nicht alizusteife Bürsten werden 
nun in das Seifenwafser getaucht, und damit die Hüte 
darchgebürstet Durch dieses Verfahren will man den 
Schmutz und Schweifs entfernen, der während der gan^ 
zen bisherigen Arbeit sich in das Stroh gesetzt hat. 
Denn zumal im Winter ist es schwer, Ton den Bäuer- 
innen reingehalteiie Hüte zu bekommen. Sicher müssen 
noch die Hüte nach Anwendung des Seifenwassers mit 
reinem Wasser abgebürstet werden. Nachher trocknet 
man die Hüte auf dem Lattengerüste eines warmen 
Zimmers. 

§• 19. Nunmehr werden die Hütenafs 
in der Schwefelkammer gebleicht; dann am 
Lattengerüste in einem warmen Zimmer 
getrocknet. Wenn sie, vorher genäfst, auf leichten 
Gerüsten in der Schwefelkammer ziemlich dicht über- 
einander geschichtet sind , wird eine Schaale mit 
Schwefd angezündet, die OeJBTnung der Kammer luft- 
dicht verschlossen, und vor 2 — 3 Tagen oder wohl 
noch länger, nicht wieder geöffnet. — Dieses Verfahren 
würde wohl überflüssig werden, wenn man das Schwe- 
feln des Strohes (§. 11.) weiter triebe , und die Ver^ 
besserungen anwendete , deren jene Behandlung fähig 
ist Durch jenes wiederholte Nätz^n der Hüte und 



— 420 — 

durch das Aufhängen Terlie^en aie viel an Form , der 
Boden wird noch mehr g^ewölbt (oder eingedruckt^ 
als anfanglich, und die Oberfläche durch das AufqueUen 
rauher und unscheinbarer. 

§.20. Erste Appretur des Hutrandes. Die 
Ränder derHüte werden auf einem Tische mit- 
telst eines gestielten keulförmigen Holzes 
gereckt, der Kopf über mehren Formen aus- 
einander getrieben, dadurch der Boden ge- 
ebnet, der Hut regelmäfslger gestaltet, 
während der Rand durch heifse Bügelei- 
sen vollends geglättet wird. 

Um einen langen Tisch mit glatter, 8^^ dicker, etwas Tor- 
stefaender Tafel, sind 6 bis 7 Arbeiter beschäftigt. Der erste 
au der Tischecke stehend, schiebt den Hut liegend über die 
Ecke herein, so weit es gehen mag, und drückt den 
Rand desselben Ton oben in gleicher Richtung atif dem 
Tische an. In der andern Hand hat er ein starkes, 
keulförmiges, unten scharfrandiges Holz mit 2^^^ — S^^ 
langer Schneide , das er an einem kurzen dicken , in 
einen Knopf endigenden Stiele oder Griffe hält. (Taf. L 
Fig. 3. a.b.} Die scharfe Kante setzt er mit möglichst 
starkem Drucke queer auf den Hutrand auf, so dafs sie 
darauf in der Richtung eines Strahles ruht, und 
rückt das Holz auf demselben, die Schneide gegen sich 
gekehrt,, in derselben Richtung weiter, schiebt den 
Hutrand, den Hut um den Mittelpunkt seines vertikalen Bo- 
dens drehend, etwas von sich weg, so dafs eine neue SteUe 
unter das Holz kömmt, und zieht Rieses nun wieder unter 
starkem Drucke ge^n sich. So geht er einigemal rings über 



\ 



— 421 — 

^n ganzen Hotrand weg, nm denselben in jeder Breite 
gleich zu bearbeiten , und übergiebt . den Hat seinem 
Nachbar. Dadurch werden alle Halme Tollends flach 
gedrückt, alle Bänder gleichmäfsig ausgereckt, ihre 
Lage geebnet, und ihre wegen des eingeschobenen 
Fadens gewöhnlich etwas dickern Rander zusammen* 
^eprefst. Diese Arbeit geht, obschon sie sehr anstren* 
gend ist, und einen starken Arm erheischt^ doch zierni^ 
lieh schnell Ton Statten. 

Der Hutrand soll jetzt durch Bügeln geglättet wer- 
den. Aber dieses geht nicht an, so lange der Kopf 
noch nicht seine endliche Gestalt und Ausdehnung er- 
halten hat , wobei die Form des Randes nothwendiger 
Weise sich wieder ändern müfste, sondern beide Ope- 
rationen müssen gleichen Schrittes Toranschreiten. Die 
fünf folgenden Arbeiter ziehen daher die Hutköpfe 
über senkrechte, oben flach abgeschnittene, zylindrische, 
«Ich Ton oben sehr wenig verengende , Holzklötze herein, 
so dafs die Ränder auf dem Tische aufstehen. Jeder der- 
selben scheint einen etwas dickeren Zylinder Tor sich 
zu haben, um den Hutkopf immer mehr zu spannen. 
Zu gleicher Zeit wird der Boden des Hutes mit emem 
schweren Holzstücke bedeckt, wodurch er sidi, wäh- 
rend der Kopf sich erwdtert^ ausebnet, und ringsum in 
einer stets schärfer werdenden Kante sich an den Sei- 
tentheil anfügt. Üer Hutrand wird nun jedesmal mit 
heifsen Bügeleisen von gewöhnlicher Form ausge- 
bügelt^ wenn der Hut auf die angegebene Weise auf 
einen neuen Block aufgesetzt ist, wobei er sich wohl 
gleichmätsiger ausdehnen mufs. Ja um den Hutkopf 



— ^2 — 

noch stärker aaszarecken, die Strohhalme und BMader nocli 
straffer aneinander zn legen, und die Formung des 
Hutes zu vollenden , sind die. Blöcke der zwei letzten 
oder der des letzten Arbeiters senkrecht gespalten, und 
können , wie bei gewöhnlichen llutmachern mittelst 
einer durchgehenden Schraube nach einer Richtimg 
auseinandergetrieben werden. Der Arbeiter setzt daher 
den Hut auf, zieht die Schraube an , dreht den Hnt 
dann um ^ Kreisbogen herum, und zieht die Schraube 
wieder an, damit er auch in dieser Riclitung ausgereckt 
werde. Dann wird der Band wieder gebügelt 

§. 21. Pressen des Hutrandes. Man 
schichtet unter Schraubenpressen die Hut- 
ränder auf mit glatten dünnen Brettern 
wechselnd, die in ihrer Mitte ein rundes 
Loch haben, grofs genug um die Hutköpfe 
4urchzula88en, deren denn immer einer im 
andern steckt . 

Die Bretter , zwischen denen man die Hutränder 
aufschichtet, sind Tiereckig, 1 Elle im Quadrat haltend, 
yj^ dick, TOtt hartem, ganz tadelfreiem Holze und 
TÖllig geglättet In der Mitte hat jedes Brett ein run- 
des Loch, durch welches der Hutkopf durchgdassen 
werden kann , während sich der Rand ringsum über 
dem Brette ausbreitet Darauf legt man ein zweites 
Brett, und abermals einen Hut darüber, dessen Kopf 
durch das runde Loch des Brettes in den Kopf des 
Torigen Hutes hinabgelassen wird , wefshalb alle Hüte 
oben wenig enger und von fast gleicher Gröfse seyn 
müssen« So fährt man mit Aufschichten fort, so weit 



— 42S — 

es der Raum der Preerse erlaubt , 10^ — 15^ faoeh) 
90 dafs 150— 200 Hüte auf einmal eingesetzt werden. 
ÜSuletzt' wird die Presse zug^ezog^en, aber mit welcher 
Kraft und auf welche Dauer ist mir unbekannt. Diegese- 
b^nen Pressen waren Schrauben-Pressen, mit einer Ter- 
täalen Schraube, welche durch Aufwickeluug eines da- 
mit verbundenen Seiles um seine Tertikaie Säule, mittelst 
eines langen Hebels an dieser , zugezogen wird. Sind 
zwei Pressen vorhanden, so können sie wechselweise 
in Thätigkeit gesetzt, gefüllt und ausgeleert werden. 
Dafs man auch den Boden der Hüte prefste , habe icli 
wenigstens nicht beobachtet. 

Anmerkung. Ob dieser und die zwei folgenden 
§§. in der richtigen Folge stehen, weifs ich nicht, 
weil man stets bemüht war, in den Fabriken mir 
Alles ausser der wahren Reihenfolge zu zeigen, 
und mich sobald als möglich weiter nöthigte. 
Aus diesem Grunde darf man auch bei Beschrei- 
bung der folgenden Maschinen keine yöllige Ge- 
nauigkeit, sondern nur eine Angabe des Wesent- 
Uchsten ihrer Einrichtung erwarten. 

§.22. Mittelst einer besondern Blaschine 
werden auch die Seiten der Hutlköpfe durch 
Pressen und Bügeln appretirt. 

Die fast zylindrische Form der Kopfe macht die 
Anwendung der Maschinen leichter, als sie beim Rande 
ist. Ein Arbeiter setzt ein Schwungrad bb. (Tafel I. 
Fig. 5.} mit der Kurbel a, in Bewegung, dessen eiserne 
WeUe sehr verlängert, und nebst einem damit in Ver- 
bindung stehenden Theile der Maschinerie in einen eben 
so langen schmalen hölzernen Kasten cccc. einge- 
schlossen ist , der auf mehren Füfsen d. d^ d, d. ruht 



<\ 



— 424 — 

Zu beiden Seiten des Kastens und unter Irechtem Win- 
kel zn jener Welle treten zwei horizontale^ eiserne 
Achsen herror, an deren Enden ein hölzerner, nach 
aussen sich etwas verdünnender Zylinder X^. e.), als 
Hntmodel, festsitzt. Die eisernen Achsen dieser Modeln 
werden durch Eingreifen in die Hauptachse oder Welle des 
Schwungrades wahrschei^ioh mittelst einiger Rädchen 
im Innern des Kastens in langsame Umdrehung; Ter- 
setzt, so dafs je eine Drehung auf etwa 2 Sekunden 
kommt. Bei /. /. ist eine eiserne Stange (/%. «/%.} so 
an den Kasten befestigt, dafs sie sich nicht nur um ihren 
Befestigungspunkt etwas auf* und abwärts drehen läkt^ 
sondern auch horizontal mit ihrem Ende h. h. etwa 
YiQ Kreisbogen zu beschreiben im Stande ist. Mit der 
Mitte g. g. liegt sie auf dem Holzzylinder (e. e.) 
auf, ist dort etwas breiter (etwa 3^0 ^^^ ^^^^ ^*'* 
tieft, mit sehr dünnem Boden, auf welchen bestän- 
dig heifse Bügeleisen eingelegt werden können. Das 
Ende h. der horizontalen Stange ist hakenförmig ge- 
krümmt und in den Haken ein Gewicht kk. (jwohl 
lJ/2 Centner schwer} mittelst, der Stange kk. einge- 
hängt, um einen grofsen Druck der Bügeleisenstange 
fh. auf den Zylinder e. zu bewirken. Von nun an 
findet einige Abweichung im Baue der Vorrichtung 
statt, durch welche die Bewegung der Bügeleisenstange 
fk, fh, geleitet oder gehemmt, und ihr Druck auf 
die Unterlage gemindert oder aufgehoben werden kann. 
Nämlich bei Fig. A. läfst sich jenes schwere Gewicht 
k. aushängen , wenn man die Gabel iL , welche bei s. 
durch ein vertikales Gelenke an der Tragstange mn. 



— «5 — 

befestigt ist, und bei t. unter einen dicken Knopf der 
Gewicbtstange hk. eing^reift, an ihrem läng^ern Ende 
L niederdrückt , und sie in dieser Lage durch irgend 
eine Vorrichtung, wie z. B. durch die Gabel, op* uie- 
derhält, nur mufs dieses leicht mit einer Hand gesche- 
hen können, während der Arbeiter die andere Hand 
etwa noch bei e. braucht. Um nun die Bügeleisen-. 
Stenge ganz vom. Hute zu entfernerf, kann sie mittelst 
des Ringes f. an dem Haken r, des Armes qr. aufge- 
hängt werden. UeberUfst man nun die Bügeleisen- 
stange Uirem eigenen Gewichte, so gleitet sie, vermöge 
ihr^r beweglichen Einlenkung bei /. , während der Zy- 
linder e. sich um seine Achse dreht , über denselben 
nach aussen (über den Rand lierabzukommen mufs sie 
gehindert sejn) herab, weil er nach aussen etwas ver- 
engt und folglich abschüssig ist ; und der Arbeiter hat 
daher nur nöth%, dieselbe dann wieder zurückzuschie- 
ben , damit das Bugeleisen allmählich über alle Stellen 
des Umfangs in der Höhe des Hutes hingeführt werde. 
Jenes kann er ohne Anstrengung thun, wei{ der Grad 
der Abschüssigkeit' sehr unbedeutend ist. Bei Fig. B. 
ist die Säule m^n^ selbst oben und unten durch 
die Arme m^(K und n^p. um die senkrechte eiserne Säule 
bei 0. und p. etwa Vg Kreisbogen beweglich, während ihr* 
unterer Theil in dem bogenförmigen. Geleise qr. Unter- 
stützung findet Die .Bügeleiaenstange . übt entwe- 
der durch ihre eigene Schwere , oder wegen des 
angehängten Gewichtes k, einen starken Druck auf e. 
aus, aber ihr Bude h. ruht befestigt auf dem feder- 
artig elastischen Gabelarme ta. der Säule m^n^^^ 



— 42« — 

irddier irikdist «. an dendben angefSgt ist , nud die 
BfigebtaDge nur leicht unterstätit Wenn man nun die 
Tragsaule m^nK in ihrem Geleise qr. hin und her 
bewegt, 80 mufa das Ende A. der .Bügelstange ebenso 
hin und her gehen und über die sich drehende Hut- 
form auf- und abgleiten , wobei die Elastiaität des Ar- 
mes %t. das Aufwärtsgleiten noch erleichtert Will 
man das Bügeleisen ganz tou der Hutform wegbringen, 
80 schiebt man die Tragsäule min^. bis r., wodurch die 
Bttgelstange zwischen den Kasten und den Hutrand der 
Hutform kommt, der tou jenem etwas entfernt ste- 
hen mufs. Besser aber ist auch hier, wenn man die 
Bügdeisenstange aufhängen kann , weil sonst der Hut- 
rand hinderlich wird, wenn man das Bügeleisen auf 
den Hutkopf hereinziehen wiU. Ist nun die Vorrichtung 
getroffen, dafs durch die Maschinerie selbst die Trag* 
Säule, oder die Bügeleisenstange hin und' her bewegt 
wird, und steht die Anzahl und Schnelligkeit fieser 
Bewegungen mit jener der Umdrehungen von e. in ei- 
nem gewissen Verhältnisse , so wird die ganze Arbeit 
einförmiger und sicherer^ nur mufs dann auch gesorgt 
werden, dafs man beliebig die Bügelstange von der 
Hutform entfernen und zur Ruhe bringen kann. — Ist 
nun ein Hut auf die Form e. e. aufgezogen worden, so 
Jegt der Bügler ^ um das Verbrennen des Strohes zu 
hindern, ein Stück dicken, glatten weifsenPapieres um den 
Hutkopf, so breit als dieser hoch ist, uiid so lang, dafs 
es einmal um seinen Umfang herumreiche, und läfst 
nachher das Bügeleisen seine Bewegung beginnen. Bei 
der Bewegung der Form, welche inmier fortgeht, ist- 



— 427 — 

er noch besorgt , dab , wenn das Papierstück mit dem 
Hute fort^zogen, zu Ende gelaufen ist^ sogleich dessen 
Anfang wieder zwischen Hut und Eisen komme, was 
ünmer die eine seiner Hände in Anspruch nimmt« Mit 
25 — 30 Umdrehungen des Hutes ist er hinreichend 
gebügelt, und so in höchstens 2 Minuten dieses 6e« 
Schaft Tollendet. 

§. 23. Endlich wird auch der Boden des 
Hutes mittelst einer analog gebauten Ma- 
schine geprefst und gebügelt. 

Die wesentlicheren Theile der Maschine sind die- 
selben, wie oben, nur haben sie zum Theil eine andere 
Lage. Die Hutform e. steht vertikal über einem Tische, 
und wird mittelst eines Schwungrades und eines im 
Tische (ccccj versehlossenen Räderwerkes, hori- 
zontal um ihre Achse gedreht. Das Bügeleisen, mitten 
an der Stange fh, (^Taf. I. Fig. 4.^ ist so lang , als 
der Boden des Hutes breit ist, aber nur halb so breit. 
Es geht, indem sich die Stange weniges um den Punkt 
/. dreht, horizontal darüber hin und her. Bei A. ist eben- 
falls ein beträchtliches Gewicht aufgehängt. Der Bügler 
legt zuerst eine runde Filzscheibe auf die Hutform, 
stürzt den Hut darüber, und legt dann auf dessen Bo- 
den wieder ein rundes Stück dickemi weifsen Papieres, 
ehe er das Bügeleisen darüber bringt So wie das Pa' 
pier sich bräunt > ist das Eisen zu heifs, und gebräun- 
tes Papier mufs wieder durch ganz weifses ersetzt werden, 
damit man jedes Uebermaas der Hitze wieder augenblick- 
lieh wahrzunehmen yermöge. Soll nicht gebügelt werden, 
so wird die Bügelstange auf irgend eine Weise angehängt. 



— 428 — 

§. 24. Eine Maschine, welche alle Th'eile 
des Hntes, Boden, Wand und Rand, zug^leich 
bügelt, sollte nach dem Muster einer zu 
Paris erfundenen^ jedoch für Filzhüte be- 
stimmten, konstruirt werden, aber man 
fürchtete, nicht allen Theilen die nöthige 
Wärme geben zu können, sondern den einen 
durch ein zu heifses Eisen zu yerbrennen, 
während der andre nicht heifs genug werde. 

§. 25. Die Florentiner Hüte werden in 
der Regel nicht gefärbt. Nur bei geringern 
Sorten wendet man schwarze Farbe an, um 
ihre Fehler zu yerstecken. 

Hat ein Hut solche Fehler , die sich nicht mehr 
ausbessern lassen, ist er schlecht gebleicht oder fleckig, 
so wird er schwarz gefärbt, und darum stehen die 
schwarzen Hüte im Werthe unter den weKsSn , denn 
auch die Ungleichheit der Arbeit läfst sich auf dem 
hellen , glänzenden Grunde noch besser erkennen. 
Sollen die Hüte eine helle oder bunte Farbe erhalteii, 
wie manche an die Bauern benachbarter Gegenden ver- 
kauft werden, so Rrht man die gebleichten, Strohbänder 
vor dem Zusammennähen oder das Stroh vor dem Flechten. 

§.' 26. Man*fertigt um Florenz Damen- 
und Herren-Hüte, letztre von verschiede- 
n er Zusammensetzung. 

Die Form der Daraenhüte mit niedrigerem Kopfe, 
und 7^^ breitem Rande ist allgemein bekannt.^ Man hat 
sie stach den Graden der Feinheit von Nro. 25 — 
Nro. 85., weifs und schwarz. 



Die Herren-Hüte haben einen 7^^ Paris, hohen Kopf 
von fast ganz zylindrischer Form ,. und mit nur 5^^ 
breitem, schlaffem Rande. Oder man giebt dem Rande 
nur 3^^ Breite, fertigt aber den Rand nebst einem nie- 
drigen Ringe tom Untertheile des Kopfes doppelt an, 
und nähet die Rander dann auf einander, wodurch sie 
dauerhafter und steif genug werden , um den Hut am 
Rand anfassen und abnehmen zu können. Oder endlich^ 
man lafst Hutkopf und Rand noch ganz getrennt, 
ersteren etwas niedriger , als oben angegeben worden 
und giebt zu je zwei Hutköpfen nur einen Rand. Ans 
diesem werden dann bei der Anfertigung des Hutes 
selbst zum Gebrauche zwei Schilde, wie zu Mützen ge- 
schnitten, und die Hüte so getragen. Die zwei letzte- 
ren Sorten der Herrenhüte gehen hauptsächlich nach 
Nordamerika, England und andern fremden Gegenden, 
die erste Sorte wird am meisten im Lande getragen« 
Die meisten dieser, so wie der Damenhüte, sind von 
Nro. 18 — 60. 

§.27. Die Preise der Hüte sind abhangig von 
den Graden der Feinheit, von der Gleichheit 
der Halme und Bänder, von der schönen Far- 
be des Strohes, und von der Sorgfalt, womit 
sie genäht sind. 

Folgendes ist eine ungefähre Uebersicht der Preise 
der Damenhüte 9 nach dem Grade der Feinheit, wie 
sie von den Fabrikanten in Florenz einzeln verkauft 
werden. Sie kosten: 

Nro. 25 . . . 8 — 10 Francs. 
„ 30 . . . • 10 — 20 „ 



Nro. 


, 40 


?* 


50 


^f 


00 


n 


70 


»» 


80 


«t 


85 



— 4M — 

... 85 «— 40 Francs. 

... «MP "*■" oU ^ 

... 100 — 800 „ 
. . . 300 — 400 ^ 
. . . 800 — 1000 „ 
• . ohne Preis. 
Die Differenz des Preises, den zwei Hüte von glei* 
chem Nnmmer haben, woTon aber das Stroh des einen 
sor^fsamer ausgelesen, und die ganze Arbeit gieiehlor« 
miger als beim andern ist, kann so grofs seyn^ als ob 
letztrer um zehn Nummern der Feinheit tiefer stünde. 
In der That habe ich einen Hut Ton Nro. 00. gesehen, 
der einen andern von Nro. 70. ganz yerdunkelte^ 
§.28. Arbeits-Eintheilung. Die in §§. 4 — 

14 beschriebeilen Akte werden von den Ter» 
schiedenen Arbeitern nur individuell und 
auf eigene Rechnung betrieben, in den Fa* 
briken kauft man nur die schon zusammeli- 
genäheten Hute auf und appretirt sie. (§. 

15 — 25.) 

Da der Preis der Hute durchaus nicht allein Tom 
Qrade der Feinheit des angewendeten Strohes , son- 
dern noch sehr Ton der Uebnng und gieichmäfsigen 
Arbeit (§. 2Y.) abhängig ist, und da zum Flechten 
und Nähen jeder bei andern Geschäften erübrigte Au- 
genblick angewendet werden kann, so geschieht sol- 
ches von den IndiTiduen der damit beschäftigten Klasse 
zu Hause. In den Fabriken handelt man nun die ange- 
botenen Hute, mit Berücksichtigung obiger Punkte 
(§. 27.) ein , erhöhet ihren W^rth durch Ausbesserung 



(^§•15.) und nockmaUges Schwefeln, mid weifst tön 
nun an jedem Arbeiter der Fabrik einen bestimmten 
Akt zur steten Beschäftigung zu , und indem derselbe 
nunmehr sich darin Uebung und Fertigkeit erwirbt, so 
gewinnt er an Zeit und die Waare an Qualität, und end- 
lich erlauben manche Bearbeitungs-Akte eine gleichzei^ 
tig^ Anwendung auf viele Hüte zugleich , Wenn man sie 
beisammen hat (§§. 17. 10. 21. 25.). Durch die m 
den Fabriken mögliche Aufsicht läfst sich die bessre 
Arbeit beim Flechten und Nähen nichts wohl aber beim 
Ausbessern, Schwefeln, Bügeln, Pressen etc. erzwingen; 
Jedoch giebt es auch geringere Anstalten, wo junge 
Mädchen unter Aufsicht arbeiten müssen, um es zu 
lernen > wo man nachher eine geringere Menge von 
Hüteh Torräthig hat, und in diesen Anstalten selbst 
appretirt. Da aber zu letzterem die kostspieligeren und 
besseren Maschinen, die Einrichtung und die geübten Ar- 
beiter mangeln, so fällt die Appretur an diesen, gröfs- 
teutheils schon durch die Arbeit geringeren Hüten auch 
schlechter aus. 

§. 29. Arbeits -Verhältnisse. Das Einsäen (§i 
4 — 6.) erfordert wenig Arbeiter, deren Zahl sich 
nach gewöhnlichen Feldarbeiten leicht berechnen läfst, 
indem sehr wenige Morgen hinreichen , um alles in 
Toskana nöthige Stroh zu liefern. In jedem Thale wird 
daher ein kleines Stückchen Feldes, y^ Morgen u. dgl. 
damit eingebaut. 

Auch die folgenden Arbeiten (^§. 7 — 11.) sind 
kaum in Anschlag zu bringen , wenn man die Menge 
der Hüte berücksichtigt, welche darnach gefertigt wer* 



y 



den, und «sf deren Preii die PradnUieMiifroflfcn dei 
Strohe« rieh Terthefloi mvaaeiL Zndeto werden alle 
Bunder anstrengenden Arbeiten, Anslnrelten dea Stro- 
hes, das Abbrechen , daa Sortiren der Hüme , diirdi 
Sinder nnd meist dnreh jnnge Midehu Tenriditet. 

Das Flechten nnd Nihen (§. 12 — IS.) b^sachifl^t 
allenthalben hanptsachlidi die IjandmideheB. Doch sieht 
fnan in freien- Stunden andi viele Weiber, hin nnd 
wieder Knaben nnd jnn^ Bursche sidi mit Flechten 
abg^eben. Sind es gtobe Stndisorten, weldhe rerioch- 
ten werden , *so kann solches bei einiger Uebnng Im 
Gehen über die Strafse, nach der Sdinle, nach der 
Stadt etc. geschehen. EBrtre Arbeiten jedodi beneh- 
men den Fingern die Hdthlge Gelenkigkeit ; dl e Arbelt 
geht langsamer Ton Statten, und wird sdilechter. 
Hauptsächlich beim Nahen darf die Geduld nidit aua- 
]gehen, wenn die Arbelt nicht sehr leiden soll« Das 
Flechten und Nahen eines Hutes von Nro» M kostet 
schon einige Monate , das der feinsten Sorten selbst 
ein halbes Jahr und darüber. 

Für die Fabrik-Arbeiten habe Ich In einigen der 
gröfsten Fabriken folgendes ungefiihre Yerhältnifs der 
Terschiedenen Arbeiter wahrgenommen ; etwa 45 weib- 
liche und 25 männliche Arbeiter. 

Nämlich 42 Mädchen, welche die Hüte ausbes- 
sern (§. 15.). 
3 „ welche mit Bimsstein ar- 

beiten (§. 16.). 
3 Männer, wefche die Hüte wärmen und ihre 
Unterseiten abreiben (§.17.). 



— 41» — 

4 81 inner , weiche sie ndt Wasser bürsten 

(§.18.}; das Schwefeln und 
Trocknen besorgen dieselben 

(§. 1Ö.> 
6 „ welche die Hüte recken und 

die Rander bügeln (§. 20.). 
Z ,, welche die Ränder pressen, 

(^§. 81.) aber wahrscheinlich 

in den Zwischenxeiten noch 

sn andern Dingen Terwendet 

werden. 
4 ,) welche die Seiten bügeln und 

das - Schwungrad drehen 

(§• 22.). 
3 „ welche den Boden bügeln und 

das Rad drehen(^§. 23.). (Doch 
scheinen mir auch diese gleich 
den vorigen nicht stets gleich- 
seitig beschäftigt zu seyn.) 
2 Färber. 

Einige andre halten Aufsicht y yerricfiten 
Bothen-GeschäftC) bringen die 
^ Hüte aus und nach den Maga-* 
einen , verpacken sie u. s. w. 
Die Zahl der Arbeiter wird manchmal im Frühjahre 
gemindert , wenn nahezu alle aufgekauften Hutyorräthe 
appretirt sind, und noch keine Von neuem Stroh gefer- 
tigt werden können. In andern Fabriken wird nur etwa 
die Hälfte dieser Arbeiter angewendet In den ganz 
kleinen, §. 2T. erwähnten Anstalten ist nur 1 Arbeiter 

ßroim, Rei'se II. 28 



— «4 — 

^nf 4 — 6 Midchen , und dieser iift nicht ttgüdi be- 
schäftigt, weü diese Mädchen nicht aiiein appretireot 
sondern hauptsächlich flechten und nähen. 

§. 30. Der Verdienst der Arbeiter jeder 
Klasse ist sehr beträchtlich, Mädchen, welche 
geübt sind, ohne gerade zu den bessern Arbeiterinnen an 
f ehören, Tcrdienen mit dem Flechten nüd Nähen g;ro- 
berer nnd mittelfeiner Hüte S (^seltener 4) Paoli, d. L 
45 ( — 00) Kreutzer Rhein. EbensoTiel erhalten dieje- 
nigen , welche die Hüte in den Fabriken ausbessern (^§, 
lö.}. Um sich den häuslichen Verrichtungen , zu wel- 
chen die Landmäddien ihren Aeltern verpflichtet sind, 
zu entziehen, «welche theils mehr Anstrengung eriiei- 
sehen , theils nichts eintragen , theils endlich die Gfe- 
lenkigkeit der Finger zum Flechten Termindem worden, 
stellen >sie oft Dienstmädchen , die zu dem Ende aus 
entlegeneren fiebirgs-Gegenden kommen, für ihre Hans- 
arbeiten um geringen Lohn ein, und erfliechten sich 
so binnen einigen Jahren ihr Heirathsgut. *) — Die 
Männer erhalten sicher mehr in den Fabriken, weil 
ihre Arbeit zwar wemger Geschicklichkeit, aber theils 
starke körperliche Anstrengung, theils viele Aufmerk- 
samkeit erfordert Besonders lästig ist , während * der 
Sommerhitze in den geheitzten Räumen zu arbeiten. 

Von dem Total-Erlöfs für einen fertigen Hut rechnet' 
man, nach der mir früher mitgetheilten Angabe eines 
Kaufmanns 0,20 für Ankauf des appretirten Strohes, 
0,40 Arbeitelohn, 0,40 Handelsgewinn brutto ; nämlich 

* Handbuch für Reisende in Italien, übersetzt von Held- 
JUMM (Basel 1820. 8.) pag. 278 -^280. 



— 435 — 

einschliefslich der Zinsen vom Grund- und Handels-Ka- 
pital, und des Arbeitslohnes fiir die Fabrik-Unterneh- 
mer selbst , welche zugleich auch die Handelsleute im 
Grofsen' wie im Kleinen sind. 

§. 31. Toskana's ErlöTs aus Strohhüten. 
Die verschiedenen Angaben über den Total-Erlofs stim- 
men sehr ^enig miteinander überein. Der Fabrikant 
läfst den Fremden nicht gerne in Seine Rechnungen 
blicken , und zudem gebricht es namentlich dem flüch- 
tigen Reisenden meist an Mittel bei so heterogenen 
Angaben der öffentlichen Stimme, das Wahre vom Fal- 
schen zu unterscheiden. Doch ist man einig, dafs er 
seit mehreren Jahren bedeutend gesunken seye, und 
namentlich der Absatz nach Amerika und England ab- 
genommen habe. Die darüber in Vieussbux's Antologia, 
Fascic. 15. gelieferten Angaben , welche vielleicht ' die 
brauchbarsten seyn würden, sind mir leider jetzt nicht 
zugänglich. 

In Florenz selbst sind 9 — 12 gröfsere Fabriken, 
unter denen sich hauptsächlich jene von Carbon aj, und 
und die von Gukrbbr, Gonin et Comp, ([zweien Schwei- 
zern und zweien damit vereinigten Italienern) durch 
Ausdehnung auszeichnen. Aufserdem sind noch fast in 
jeder besuchteren Strafse, in der Nähe gröfsrer Hotels, 
viele der oben gedachten kleinen Anstalten, welche 
viele Waare an Fremde verkaufen, da die Fabriken 
meist mehr entlegen und versteckt sind. Aber dieser 
Fabrikations 'Zweig ist nicht allein auf die Hauptstadt 
Toskana's und ihre Umgebung beschränkt ; sondern 
wenigstens eine grofse Fabrik ist noch im obern Arno- 



— M6 — 

Tliale zu FigUne ^ und vide andre gind m S^ena 
und zu Pöa, auch wohl zu Uoomo , imd Hberally wo- 
hin der erstamite Wanderer daa Auge richtet, w«Dn 

er die Denkmiler des hochgelegenen Fie9ole 1»ejradit^ 

• 

wenn er die Thiler des jimo oberhalb nnd unterhalb 
Fhrenst^ der Elsa, der jfiära und den ganzen Land- 
gtrich zwischen Pha^ FigUne und Syend^ durchzieht, 
sieht er Tor den Häusern und unter den Thüren blü- 
hende Hadchen in reinlichem zierlichem Kldde sitzen, 
oft viele beisammen, die mit Scherz sich die Arbeit 
kürzen. Es ist kein Dörfchen so klein, wohin diese 
Erwerbsart nicht Wohlhabenheit und Frohsinn zum 
Lohne brachte. Nun sendet das Haus Gubrbbr, Gonim 
et Comp, für das Jahr 1827 aUein 18,000 Stück Stroh- 
hüte nach Amerika, eine Schiffsladung ausmachend, in- 
dem sie 300 Kisten füllen , deren jede 50 Hute ent- 
halt. Ausserdem hat es noch auf andern Wegen sehr 
starken Absatz. Wenn nun auch die 20 — 24 andern 
grofsen Fabriken^ welche wenigstens noch im Lande 
sind , an Grölse meistens nachstehen müssen , wenn 
auch die Erzeugnisse der kleinern Anstalten ganzlich 
im Lande bleiben , um die Consumtion des Inlandes 
zu bestreiten, so reichen diese Angaben schon immer 
hin 9 sich eine Vorstellung Ton dem ungeheueren Er- 
trage dieser Productionsart zu verschaffen. Die ge- 
mäfsigtesten Angaben bestimmen ihn auf 5,000,000 
Francs , die übertriebensten für die Zeiten wo der 
Handel am blühendsten war , auf 35,000,000 Francs. 

Einen ebenfalls nicht ganz unbedeutenden Handels- 
artikel macht das gebleichte Stroh selbst, dessen Aus- 



— 48» — 

ftibr ebedem nicht (gestattet war, aber seit «chon 15 — 
20 Jahren nach England , Frankreich nnd Deutschland 
statt findet, ünK Hüte thells nach Florentiner, theils 
nach andrer Weise, daraus 'zn fert^en. Öoch die fein- 
sten Sorten dürften auf diesem Weger dem Auslande 
nicht zukommen 

§.32. Aus dem übrig^en Italien werden nur 
die Reisstroh-Hüte aus deraVenetianischeu 
ausgeführt 

Hüte Ton Weitzenstrdi, auf dieseHie Weise geftoch- 
ten und von der nämlichen Feinhe^ wie die Toskani- 
sehen sind , werden ims übrige» ItaHen nicht gefertigt.. 
Im Römischen hat man zwar die Kultur des Hutstrohs 
aus Toskanischem Saamei» versucht , aber nicht mit 
Erfolg*. Die feinen Hüte,, welche man in der Loni^ 
bardei und zumal im YenetlaniisiGhen verfertigt und aus- 
führt , sollen bauptsichlicb aus geflochtenem Reisstroh 

• 

. seyn''''^, aber ich kenne die Fabrikationsweise nicht, und 
wundre mich , daifo ich bei zweimaliger Dnrchreiise und* 
Aufenthalt um MaiUmdy, Verona^ Fteenza, Padua nie 
etwas davon gesehen^ noch durch meine Erkundigungen. 
Nachricht einziehen konnte. Allerdings tragen die Land- 
leute noch allerwärts im übrigen Italien Strohhüte, welche 
in der Gegend selbst gefertigt zu werden pflegen ,^ aber 



♦ DiMGLER polyt, Journal XXIV. 450, — 451. ; au» Jamebon> 
«eir. Edinh. philosophieal Journal 1827. März* 380 ff«. 

** Seringe^ milang. hotan. p. 221. Nach Dingker (polyfc 
Journ. 1822. VII. 320. Anm.) werden um Verona^ besonders 
zu Asiago jährlich für 3 MUlionen (Mailänder?) Lire Stroh- 
hüte und Strohbänder gefertigt, aus ? — 



— 4»8 — 

sie tiad. ohne elegante Form, g^b und wcAlfeiL 
So tragen die Bäuerinnen . der Bwiera , zwischen 
Lucca und Genua, ganz niedrige flache geflochtene 
Hütchen mit schmalem Rande » oben mit vielerlei Bin- 
men und krausen Zierrathen Tersehen. Aehnliche flache 
Hüte tragen hin und wieder die Matrosen und Schiffer. 
Hohe Hüte aus nebeneinailder gelegten Strohhalmen 
tragen hin und wieder die Landleute um Parma, Bologna 
und Florenz. Die geflochtenen hohen Florentinerhüte 
werden übrigens im Lande selbst fast nur von Landmäd- 
chen , .Bauernburschen oder Ton reichen Florentinern 
etwa nur während des Aufenthalts auf dem Lande getragen. 
Nur die niedrigem Damenhüte , wenn sie fein sind, 
können Frauenzimmer Ton Stande jederzeit tragen. 

§. 83. Wie bedeutend aber auch ausser- 
halb Italien die Strohhut-Fabrikation seye, 
läfst sich aus folgenden Notitzen ersehen. 

Fast in der ganzen Schweis werden Strohhiite, und zwar 
auf sehr abweichende Methoden, verfertigt. Die Sendungen 
gehen vom Canton Aargau bis nach Rufsland. Auch wird in 
England erzogenes Stroh für England verarbeitet, wobei 
letzteres der hphen Eingangszölle, ungeachtet des nie- 
drigem Arbeitslohnes. in der Schweitz wegen, noch im- 
mer 0,25 gewinnt."*" Im Baderi&dien Schwarzwälde 
werden seht viele Hüte um Tryherg.^ Neustadt u.s. w» 
verfertigt Kürzlich hat man verschiedene neue Me- 
thoden versucht. Schon vor mehren Jahren erwarben 
sich in Amt Dyberg 1500 Personen mit groben und 



DnTCHSB Jonrn. XI. 1823, S. 16. 



— 4» — 

850 P^sonen mit fdnen Geflechten jihriidi, 860tM^ fl.tr 
und die Arbeiten der letzteren kommen der mittleren 
Hbskaniscken an Fieehtart und Werth g^leich. Jetzt 
nimmt die Fabrikation noch stark zu» . 

Anch der Würtembergüche Schwarzwald liefert Stroh- 
hüte. In Biofem ist besonders die Produktion des Land- 
gerichts JFeäefi im, Oberdonan-Kreise beträchtlich, wel- 
ches dafür jährlich 40 — 50,000 fl einnimmt.^* 

Auch in Thfrol werden Tiele Strohhüte gefertigt , so 
wie im Kirchspiele Jauchen in Kram^ Seit wohl einem. 
Jahrhunderte blühend ist. die Stcohwaaren -Fabrikation im 

• 

Königreiche Sachsen^ woselbst 5000- Menschen in> 50 
prtschaften des Meisenet Kreises jährlich wenigstens 
230,000 Gulden damit erwerben.'*''*''*' Besonders ausgezeicht- 
nete Waaren lieferoi' JTreücha bei Bresden ,. und Tt:ebü% 
bei Wittenbergs und der Absatz geht nicht nur nach 
Rufsland , Schweden etc. sondern auch nach dem südM- 
ehern Europa und selbst nach Italien, dessen Fabrikat sie 
selbst an Feinheit (gespaltene Halme) übertreffen. '*"*"*"*' 
Allein im Lande werden 100,000 Stück Hüte abgesetzt« 

Auch in Schlesien und im Leümerüzer Kreise Böhmens 
wird eine bedeutende Strohhut>Manufaktur betrieben. 

Endlich haben Berlin und Wien Mannfakturen, welche 
sehr feine Waare liefern.. 



* DiNO£E& (ttach ▼. FuiNKiaiEiio'8 Magaz.) TIL 1822. S» 
321. Anmerkung. 

** Hock (nach Dingleb'b Berichf ▼. d« vierten ItidUstrie-- 
Ans^^lhing zu. Augsburg) a. a. O. 

*** Journal für Fabrik XXX. (1806.) S.153L 

••*♦ HöGKa. a. O, S. 626. 



— 4» — 

Wie beträchtlich schon im Tori^en Jthrhaiideit £e 
Strohhut-Fabrikatioii ia JP^ankreick gewesen seyn müsse, 
ergiebt sich ans dem Umstände, dafs nach Eng^land ge- 
kommene Auswanderer diesen Gewerbszwei^ dort vor dem 
Schlnsse des Jidirhnnderts sehr scimell yerbreiteten. 
Dm Lgtm werden noch sehr Tieie Strohhüte gefertigt« 

In England seihst aber war schon in der Mitte der 
neunziger Jahre Cabsvont als sehr thätiger Fabrikant 
bekannt. Er baute 1804 auf 45 Acres schlechten Lan- 
des Stroh für die Geflechte Ton 1800 Stück Hüte, de- 
ren jedes 164^ Länge hat. Demungeachtet aber führte 
England von 1794 bis 1808 jährlich noch 80,801 
Stück fertig oder in rohen Geflechten aus Dänemarl^ 
Flandern, Deutschland, Frankreich, Gibraltar und Ita^ 
lien ein.'*' Seitdem hat die Fabrikation in England sehr 
bedeutend zugenommen, und im Jahre 1807 theilte die 
Society for the encouragement af arts allein 000 fl. 
an Preisen für schöne Hüte aus inländischem Material kus.** 

§. 84. Die verschiedenen Strohhut-Mate* 
rialien, ausser Italien verwendet, bestehen 
theils in anderm Getreidestroh, theils in 
denHalmen perennirender Gräser, die indes- 
sen nicht mehr zu leisten versprechen, was 
man von ihnen gehofft hatte. 

In Deutschland, der Schweiz, Frankreich und Eng- 
land bediente man sich, tiieilweise schon seit hundert 
Jahren, groben Goti'eide-Strohes , wie von Weitzen, 
Gerste, Roggen, welches erst im reifen Zustande, theils 



*« 



DiNOusB Joiirn. XIY. 1824. S. 227 — 229. (aob.) 
Ib. XXIY. S. 373, (Hute aus ausländ. Gräsern.) 



— «1 — 

gamr, tkeiki Berftpalten an^ew^idet wurde. Die erstre 
Afetbode scheiiit am längsten schon in Sachsen zu be- 
stehen, and nach Eog^land wnrde sie vor 50 Jahren 
durch Französische Auswanderer gebracht. * Im ganzen 
Zustande war dieses Stroh auch lediglich nur zu 
den gröbsten Arbeiten geschickt , im zerspaltenen 
zwar zuletzt selbst zu viel feinern, als die Toskanische 
ist, aber da bei dem Verflechten nothwendig bald die innre 
bald die äuTsere Seite der aufgespaltenen Halme nach aus- 
sen gdcehrt werden mufs, so erhielt dadurch das Geflecht 
eine etwas yerschiedene Farbe und einen verschiede- 
nen Glanz. ^ Der reife Zustand des verwendeten Stro- 
hes eiiiöht den Glanz, welchen man bei den Hüten 
wenigstens nicht in hohem Grade liebt, Vermehrt die 
Bruchigkeit des Strohes, wetm es trocken ist, und 
schwächt so seine Dauer. Endlich ist das reifere Stroh 
selbst theils nicht so vollkommen zu bleichen, theils 
kam dazu nicht die heifsere und beständigre Sonne 
^ Italiens zu Hülfe. Doch half Carston seit etwa 1796 
einigen dieser M ifsstände dadurch ab , dafs er zu un- 
gefärbten Hüten nur denjenigen Theil der obern Ge- 
lenke des Roggenstrohes verwendete, welcher in den 
Blattscheiden eingeschlossen, also lichter und weicher, 
folglich biegsamer, matter und bleicher ist, als der 
übrige. Und da er das Korn auf schlechtem Boden 
so dicht säete , dafs er nicht einmal den zur Aussaat 
verwendeten Saamen wieder gewann, so wurde sein 
Stroh zu gleicher Zeit so fein, dafs er daraus. Hüte zu 
fertigen vermogte, welche nach dem Zeugnisse von etwa 
20 Strohhut-Händlern so schön wurden, als ächte Tos- 



% 
\ 



— «Ö — 

I 

kaner , doch — von wdcher Klane — irird niciit be- 
merkt , flOttdem Mm , dafs er sie nur um 18 SUllingci 
verkaufte (etwa 1 Louisd'or). Schon daraus ist ersicJit- 
lieh, wie wenig dieses Fabrikat eine Concnrrenz mit 
dem Italienischen ansmhalten Termo^e. Das Stroh 
hatte Ton der Wnmel bis nur Aehre nur 15^^ — 24^' 
Lange'*'. 

In neuester Zeit aber scheint man zuerst in Frank- 
reich auf die Verwendung feinrer perennirender Gras- 
arten des Inlandes Terfallen zu sejn, um daraus Hüte 
von gleicher Feinheit mit den Italienischen zu verferti- 
gen^ SiLVBSTRB erzählt, dafs zuerst bb BnBivARDi&mB 
sich zwar ein hrevet iTmportation für Italienisches Stroh 
auf 5 Jahre erworben , aber wohl nur, um das Publi- 
kum zu tauschen, denn seine Hüte scheinen aus Phleum 
pratense bereitet zu seyn, und Pbtbh Cot&zb zu Samte 
Melahe im Ca&^adbs-Departement habe 1815 eine Fa- 
brik für Hüte ebenfalls aus Phleum pratense errichtet, 
und 1819 ein Patent auf 10 Jahre gelofst , womach er 
nun jährlich für 40,000 Francs Hüte absetze.** 

Andre Versuche mit einheimischen Gräsern wurden 
in America im Konnecticut-Staate begonnen. Frau 
Wells, eine Pächters^Tochter, verfertigte ein«i sol- 
chen Hut, der an Feinheit und Schönheit des JüfaterialB 
die besten Toskanischen übertreffen sollte, und wofür 
sie 1828 oder 1823 die Medaille der EngUschen Auf« 



* Jounial für Fabrik, XXXH. 1807. S. U -- 12. 
DiHOL. Joiun. XIV« 1824. S. 227 — 229. (s. ^ben.) 

'* DiN«K. TOL (1822.) S. 884 - 



rauiiteniiigs-GdseUsehaf tr erhielt t. Ewmrden Muster der 
Grasart und Saamen mit eingescliidkt , aus welehen 
leüstern man in EngUmd überall ein leicht ^gedeihendes 
perennirendes Gras erzogt"*", das bald für Phhum pra^ 
tenae^ bald für Poa pratensis ausgegeben wurde'*''*''*', und 
worüber sich die Gesellschaft selbst nicht bestimmt er- 
klärte. Wbber erzog dieses Gras zn Berlin mittelst ans 
England erhaltenen Saamens, und erkannte es fdr Poa 
pratensis f. Seine Flechtproben ergaben dasselbe Re^ 
sttltat , wie die Nordamerikanischen , nur schien die 
Grasart kein so festes Geflechte zu liefern, wie der 
Itaiienische Weitzen. 

Der aus Nordamerika gekommene Antrieb brachte 
Grofsbritannien in Bewegung. Zuerst machte 1823 eine 
Dubliner Gesellschaft die Verfertigung der Hüte aus 
inländischen Gräsern zum Gegenstand von Preis-Be^ 
Werbungen. Miss Collins erhielt den ersten Preis für 
einen Hut aus Avena flaveseens^ der so schön gewesen 
seyn soll , als jener , wofür vorher die Herzogin von 
Berry 1000 Francs bezahlte. Den zweiten Preis er- 
hielt Mifs GoiMLEY für einen Hut aus Oynosurus crista- 
tus, den dritten Mifs Campbell für einen aus Agrostis 
vulgaris gefertigten jp^. Auch die Society for the en- 
eouragement of arts setzt, viele Preise auf gelungene 






Düfcii. Joam. XI. (1828.; S. 15 — 16. 

DiNAL» Joum. XXI. (1826.; 191 — 192. 

DiNOL. Joarn. XIV. (1824.) S. |pl. , 
t , yerhandlangen des Gartenbau - Yereiiis II. 1826« S. 
445 — 446. 

+t Dw«. XIV. (1824.) S. 186. 



— §M — 

Hite ans inliodiBdien wttdwvehseDdeH Gfisem ^elertagi 
Herr Gobübtt, welcher beauftrag war, über obiges ameri^ 
kahisehe Gras, was Art und Bereitang angfeht, Nachricht 
einzuaiehen , machte darnach selbst viele Yersiiche mit 
andern englischen Grisern: namentlich mit MeUca coe- 
rulea^ Agrostis stoUmifera^ LoUum perenne^ Avena 
ßavescens, Cynosurus criatatus, Anthosanthum odoratum 
Agro8ti8 eanma* , woraus sich ergab , dafs alle diese 
Grasarten sehr brauchbar schienen, wenn sie auch nidit 
in allen Stücken dem besten Florentinerstroh gleichkom- 
men. Nachdem die Gesdischaft Herrn Cobbbtt für 
seine Bemühungen die grofse silberne Medaille ertheilt, 
setzte sie Preise von 180, fl. auf alle diejenigen Hüte 
aus inlandischen Grasern , welche den livoraem 
ganz gleichkommen würden. Schon wurd^i drei Hüte 
des Preises würdig erkannt , zwei abermals aus Oyfto- 
9uru9 crütidus^ einer aus Ahpeeurus pratensis. Auch 
aus Avena flaveseens ward noch ein schöner Hut vor- 
gelegt, und von der National-Schule zu Nutmey gemel- 
det, dafs sie Phieum pratense verarbeite. Diese Hüte 
namentlich sollten feiner und gleichformigel* geflochten 
seyn, als alle Italiener"^*. Noch viele andre Gräser wur- 
den aus Veranlassung der Herzogin von BenFonn in 
Ansehung ihrer Anwendbarkeit von SibtclAib geprüft, 
und gefunden^ dafs viele derselben das Italienische Ma- 
terial an Feinheit übertreffen, manclie auch an Zähig- 
keit und heller Farbe. Unter diesen dürften haupt- 



•♦ 



DiNQL. XIY. (1824.) S. 220 — 227. 
DiNGL. Joarn. XYH. 1825. S. 347 — 390. 



— 44S — 

sädilich Nardu8 strieta wegen LItoge, Feinlieit, Zihig- 
keit und Gleichheit der Halme, Poa angustifaUa, 
Hordeum pratense, und mehre ^grostü-Axten wegen 
Länge, Feinheit and Reinheit zu nennen seyn, und den 
obigen theils gleichkommen , theils sie noch über- 
treffen'*'. Bleiben die inländischen Erzeugnisse auch 
in Reinheit der Farbe u. s. w. hinter den Italienischen 
zurück, so hoffte man diese Schattenseite durch Ver- 
besserung der Bleichmethode beseitigen zu können. — 

So grofs aber auch die , diesen Gräsern ertheilten 
Lobsprüche gewesen, so sehr man sie in Vergleich mit 
dem Toskanlschen Strohe hochstellte , 'so begann man 
doch bereits 1826 und 1827 einzugestehen, dafs keines 
derselben alle Vorzüge des Toskanlschen Strohes in sich 
Tereinige, und dafs die daraus gefertigten Hüte an Fein- 
heit, an Stärke'*'''' und sonstigen Eigenschaften selbst 
die mittleren Toskanlschen nicht zu erreichen vermag- 
ten^*** wenn sie auch zur Fertigung geringerer Qualitä* 
ten gleich dem inländischen Getreidestroh hinreichten. 
Wa£lbe führte daher wieder Italienisches Stroh ein. 

§.35. Die Versuche des Auslandes , Wei- 
tzenstroh auf Italienische*Weise zu Hüten 
zu erziehen, sind bisher noch nirgends ge- 
lungen, lassen aber die Hoffnung, Itali'en 
nahezu zu erreichen. 



* DiKGL. Jonni. XXII. (Id2&) S. 384 — 337. 

** Thomas Wai.lb& bei Dimgleb Journ« XXII« (1826.) « 
S. 333. 

*** DncGL. Journ« XXII. (1826.) S. 333 — 342. Verhandl. 
d.Prear8. Gartenbau-Gesellschaft m. 1827. S. 109. 



— 4M — 

Frudüreich schieii am frölwten bemalt^ die Bereit 
tmigs-Mejtliode der Florentiner Hüte kennen zn lernen, 
und zur Nachahmung zu empfehlen. Schon in den nenn* 
ziger Jahren aammeite ein in Italien unterhaltener Com* 
misaar des Französiachen Ministeriums der auswärtigen 
Angelegenheiten Beobachtungen y welche er dem Ans- 
Schusse des öffentlichen Unterrichts in Paris zustellte, 
der solche sofort dem Museum der Naturgeschichte 
mit der Aufforderung überliefs , möglichsten Nutzen 
daraus zu ziehen. Man säete den zugleich erhaltenen 
Saamen aus% aber alle Bemühungen schienen bestimmt, 
schon an der Erziehung des tauglichen Strohes zn 
scheitern, wozu freilich auch die , von jenem Commis- 
säre gegebenen Lehren selbst zu unYollsändlg waren. 
Nach STLTfiSTBü's Bericht an die Ermunterungs-Geseil- 
Schaft für die National - Industrie liefs Graf Lastetrib 
im Jahre 18l>5 abermals Saamen aus Italien kommen, und 
Thovin baute ihn aufs Neue im Garten des Nationd* 
Museums "^"^j doch ohne Erfolg. Was für Material in 
den Fabriken der Wittwe Rbyhb zu Falence und des 
Herrn Desnos, welcher zuletzt den Handel mit Italie- 
nischen Hüten Tortheilhafter fand , verarbeitet worden, 
läfst sich aus der angeführten Stelle nicht ersehen. 

In England hatte man schon seit längerer Zeit theils 
Italienische Hüte nach der jedesmaligen Englischen 
Mode umgeflochten, theils Italienisches Stroh zur Ver- 
arbeitung eingeführt Die ersten Anbau-Versuche nach 



* Journal für Fabrik XIV. (1^98.) S. 466. 
*♦ DncfiL. Jour. XHI, (1822,) S. 385 -^ 386. 



— 44» — 

t 
. 9 

Itelieiiischer Wme wurden vor fiist 20 J«hren auf dem 
Gute des Grafön von Upfsr Ossery zu AmpMhMt g^e-* 
macht , die aber^ wie an andern Orten, nur eine sehr 
mittelmäfsige Qualität des Strohes lieferten. Diese Ver- 
trache wurden während und nach der Continentalsperre 
wiederholt , aumal in Hertfordskire , Bedfordahire^ 
Buqftnghamshire*^ woselbst zwar das Material für viele 
Fabriken gewomien wurde , die aber doch bald nach 
der Daner des Kneg^es wieder eingingfen'*''*'. Auch im 
Jahre 1824 liefs «Sinclair wieder aus Italien erhalte- 
nen Weitzen aussäen, fand aber, dafs er einer Varietät 
angehöre, die man auch in Bngland anbaue, die aber 
in diesem feuchten Klima zu sehr vom Roste leide, 
um sich zu Flechtarbeit zu eignen. Femer blieben die 
Halme, der dichten Saat ungeaditet [10 — .15 busheis 
für 1 Acre ~=^ 4 — 7 Scheffel für einen Preufs. Mor- 
gen, waren noch viel zu wenig], noch immer zu grob. 
Auch Spelz erhielt ei: aus Italien, mit der Angabe, dafs 
man sie zur Gewinnung des Hutstrohs aussäe, und nach 
dem Aufgehen so oft wieder abschneide, bis die Halme 
hinreichend dicht und schlank erschienen , was ihm 
jedoch in den ^kurzem Sommern Englands nicht aus- 
führbar schien. Die Kosten des Anbaues allein zu Ge-* 
winnung des Strohes achtete er für viel zu beträcht- 
iich '*''*'''', welche Aeufserüng um so unerwarteter. ist, da 
die Anbaukosten desr Strohes für hundert Hüte gegen 



* DiNOL. Journ« XL (1828.) S. 15. 

♦♦ DiN«L. Joom. XVn. (1825.) S. 348. 

*♦* DwGi. Journ. XXII. 1826 S. 383 — 842. 



Prcto der ktiicni nuMsr iw mkr obedleHtenl 
s^n konneiL Alle Bemtiliiiqgen Tereinleii ridi In die*- 
•er Periode; sdioiie Htte wbm nagend einer inlindiedMa 
Gnnrt ia tertig&L, Aber hM f^ettind man, dmTc kei* 
nc9 derselben zn Hnten taugen, welche alle Yornge 
der Toakanischen in dch verein|gtea^, selbst nidit der 
mlttelfeinen. Anb Nene Uefa man Toskanische^/Saa- 
men kommen , der wieder nidht gedeihen wollte. ^]>odk 
bant man jetzt an versdiiedenen Orten En^bnda nnd 
selbst auf den Qrl:fie3r''In8eln Weüxenstroh nach Flo- 
rentiner Weise, und TerlliGht es so. Man aaet 2i 
bnshels Saamen anf 1 Acre (8 — 9 Scheffel auf 1 
Prenls. Morgen) guigedüngten Sandbodens , schneidet 
das Stroh in der Blnthe, bindet es untoi in 2^^ — ^^ 
dicke Büschel, stellt es in Kofen, nbergiefst es mit 
siedendem Wasser, breitet es nach ^ Stonde über 
Sand ans , wendet es fleifsig , wo es bei guter ^Rtte- 
rang binnen 2 — 3 Tagen genügend trocknet und blei- 
chet. Fällt aber eine einzige nebelige Nacht ein, so 
wird das Stroh schimmelig, nnd man hat 0,50 Verlost^ 
wefshalb man noch anf eine bessere Bleichmethode be- 
dacht sejn mnfe. Im Jahre 1826 baut; man so sdioa 
5 Acres Stroh, zu 4000 Hüten hinreichend, welche 
60,000 fl. werth sind und 500 Menschen beschafUgen. 
Der ganze jahrliche Verbrauch an Strohhüten in Eng- 
limd mag 6,000,000 fl. in Werlh betragen^^. Bald nachher 



Verha^dlangen des Preafsiflchcn Gartenban-VereinB UL 
1827. S, 109. 

** DiNGL. Jonrn. XXIV. (1827.) S. $73 -- 974. 



— 440 — 

lieÜBCfi sich 6i7T uud Harmson in Cumberland ein Pa- 
tent auf eine Bleichmethode ertheilen, die von der Ita- 
lienischen in nichts wesentlich abweicht Das ans^- 
segene Stroh soll in nur 150 Halme fassende Bündel 
gebunden, diese fächerförmig ausgebreitet, drei Tage und 
Nichte lang in Sonne und Thau gebleicht , dann je 
dreifdg in gröfsere Bündel gebracht, des Nachts einge- 
than, am Tage noch mehr getrocknet ., und nun belie- 
big einen Monat oder selbst ein Jahr lang zumTölligeii Aus- 
bleichen angehoben werden \ Zur weitern Verarboitung 
Bach Italienischer Art soll man sich in London auerst (schon 
früher^ Italieniseher Jüdinnen« bedient haben. Paset 
scheint 1822 diese Methode zuerst selbst studio t, mit 
Itali^s6hem Sti'oh genau nachgeahmt, und anJ70 Per- 
sonen gelehrt zu haben, für welche Bemühangen er 
wenigstens von der Englischen Aufmunterungs-Gesell- 
sehaft eine Medaille erhi^lt'^'''. Doch werden in England 
noch jetzt fast alle Hüte, etwa aus eingeführtem Italie- 
mschem Stroh (Waller*'*''^), nat;h der dort üblichen altern 
Methode gefertigt; einige Schweizer, in Florenz nie- 
dergelafsene Kauflente lassen bereits Toskaniscbes Stroh 
auf Italienische Weise in der Schweiz verarbeiten, und 
hl Wien geschieht es durch italienische Arbeiterin- 
nen sdbst. 

§. 36. ^Ausser-ltalienische Methoden des 
Strohbleichens. 



* DiNU. Journ. XXV. (18270 S. 244 — 245. 
** — — XI. (1823.) S. n — 21, 
*•* — — XXXV. (1880.) S. 418, 

Äronn, Reise U. 29 



j 



— *50 — 

) 

Da^i Bleichen des Strohes mit Laugen und Ausbrei- 
ten an der Sonne scheint ziemlich überall aufgegeben 
zn seyn. Die ältre Methode des Strohbleichens bestund 
und besteht noch an den meisten Orten lediglich im 
Trocknen des ganz reif gewordenen Getreidestrohes, ' 
womach das Taugliche etwas ausgelesen und geschwe- 
felt wird^«. So ist begreiflich, wie das Stroh in sei- i 
nem reifen Zustande «lange nicht so weifs werden 
konnte / als das Italienische. 

Als eine grofse Verbesserung aber, von der 
man nirgend in Italien selbst Gebrauch macht , ist 
das Bleichen mittelst . des wässrigeh Chlores an- 
zusehen. Chaptal brachte es zuerst in Vorschlag, 
in England versuchte man es ohne Erfolg, weil man ndt 
der zn konzentrirten Chlorine die Pflanzenfaser zaglei^ 
beschädigte. Fischer in Wien fand diese Methode zu- 
erst im Grofsen ausführbar, und TervoUkommnete de* 
Doch wendete er sie nur nach Behandlung mit Pott- 
aschenlauge an, welche zuerst den ausziehbaren Färb- 
stoff entfernen mufste, während die Chlorine lediglich 

auf' di^ Pflanzenfaser wirken soll» Durch beiderlei Ver- 

» ... 

fahren wird letztere ganz weifs und zugleich viel ge* 
schmeidiger. Andre haben jene Methode nachgeahnit 
und verbessert "^^^ und von Kcrreb hat uns die wirk- 



* Hebmbst. Bullet, des Neuest, und T^ssensw YIII. S. 100. 
f , Sebinge mel. bot. I. (1819.) S. 225., und Kvbrer in Dingl. 
Journal X. (1823.) S. 192 — 193. beschreiben das Verfahren 
des Schwefeins, welches vom Italienischen nicht wesentlich 
abweicht, ausführlich. 

*' Journal für Fabrik. XXX. 180CI. S. 154 — 158. ' 



— 451 — 

samsten Bleichmethoden durch abwechselnde Anwendaiii^ 
der schwefligen Säure und alkalischer Laugen oder 
wässrigen Chlore» gelehrt'*', wornach keinem Zweifel 
unterworfen ist, dafs das Stroh bei uns nicht weifser 
noch gebleicht werden könne, als in Italien mittelst 
Sonne und Schwefel. 

Der obigen Methode verwandt ist diejenige, deren 
man sich in England zum Bleichen der grün 
geschnittenen Gräser bediente. Nach der Angabe der 
Nordamerikanerin Wells soll man die obersten Inter- 
nodien, nach dem Verblühen der Aehre gesanmielt, 2 
— Smal abwechselnd in siedendes Wasser legen und 
trocknen , bis die Blätter mit der Scheide abgehen, sie 
dann mit einer Auflösung tou Seife und etwas Pottasche 
befeuchten , im Boden eines Kübels aufreiht stellen, 
daselbst Schwefel in einer Schaale anzünden, und den 
Kiibei verschliefsen. Das * Schwefeln soll man öfters 
wiederholen, bis etwa nach 2 Stunden das Gras trocken 
geworden. So ist das Gras zum Flechten fertig, nur 
mufs der vollendete Hut nochmal geschwefelt und dann 
geglättet werden'*''''. Die so gefertigten Hüte sollten an 
Schönheit der Farbe die Florentinei" übertreffen. Herr 
CoBBBTT versuchte darauf das Bleichen mit mehren 
Englischen Gräsern. Er band die ganzen Halme der, 
während des Blühens geschnittenen Gräser bündelweise, 
6/^ dick, zusammen, brühte sie in heifsem Wasser zehn 
Minuten lang zu Entfernung des extraktiven Farbstoffs, 



* DiNGL. Journ. X. (1823.) S. 191 — 204. 
•* — XI. (1823.) S. 16 — 17. 



— 452 — 

Zockentoffg n, s. w., breitete sie aaf jongem Rasen fio 
weit aus, dafs kein Halm den andern berührte, wende- 
te diese täg^Iich einigte Maie , und bleichte .sie so voll- 
ständig während sieben bis eiif Tagen , je nach der 
Witterung. Er durfte nichts wie Frau Wells/ die ober- 
sten Internodien allein briihen und bleichen, weil sein 
Gras früher geschnitten war: sie schwanden sonst zn- 
sammen. Hellgrüne Grasarten gaben ein heileres, blau- 
grüne ein tiefer gelbes Stroh *. Pottasche wendete 
CoBBBTT nicht, oder doch erst, nebst Schwefel, nach 
Vollendung der Hüte an. Aber Sinclaia wendete nach 
dem CoBBBTT'schen Verfahren auch noch Sdiwefel an. 
Am Stroh hängen gebliebene Wassertropfen Terursach- 
ten Flecken'*''''. Es wurde bemerkt, dafs die nach letz- 
ter Methode gebleichten Gräser schöner gerathen 

seyen'*'**. Aber folgende Weise fand Sincladi viel 

• 
schneller wirkend, und ohne sonstige Nachtheile, wenn 

die Halme noch ganz sind. ErlegtesielSMinuteninein 

Maas Salzsäure mit zwanzig Maasen Wasser verdünnt, 

und bleichte sie vier Tage lang auf jungem Rasen. 

Oder er legte sie zehn .Minuten lang in starke Höbe- 

säure, und setzte sie dann der Einwirkung von Scfawe- 

feidämpfen aus, und bleichte sie so eben so weifs, 

wie oben, in 8 Tagen f. Andre Methoden s. §. 34. 

§.37. Ausser-Italiensche Weisen das 

Stroh zu verarbeiten, sind ursprünglich da- 



* DiNGL. Joarn. XIV. (1824.> S. 220 — 227. 

** — — XXII. (1826.) S. 338. 
''* — — XVII. (1825.) S. 349. 
^ - — XXn, (1826.) S. 338. 



— 453 — 

von und unter sich in sehr vielen Stücken 
verschieden. 

a^ Die einfachste und leichteste Methode, Hüte 
aus Stroh zu fertigen, ist diejenige, wo mittelst 
feinen Bindfadens ein Strohhalm neben 
den anderj^spiralförmig festgebunden wird, 
in solcher Lage, wie es bei jedem die dem Hut zu ge- 
bende Form erheischt. So wird nur grt>be8 reifes 
Weitaen- u. a. Stroh zu gemeinen, wohlfeilen Hüten, 
verarbeitet. Aber da keine Vorarbeiten, keine Auslagen^ 
und wenig Uebnng dazu erforderlieh, so ist es eine zweck- 
mäfsige Beschäftigung vieler armen Leute. Diese Hüte 
werden zumal in der Schweiz , im Schwarzwalde , in 
Baiem, selbst in Italien gefertigt, sind jedoch in 

' Deutschland, wegen schönrer Sortimente, nicht mehr 
so viel getragen, als vor einigen Jahren. 

by Bei den übrigen in Frankreich, Eng- 
land und Deutschland einheimischen Me- 
thoden flicht man meist reifes ganzes oder 
gespaltenes Getreidestroh, und nähet die 
geflochtenen Bänder mit ihren Rändern 
übereinander. Diese Weise ist jedoch in verschie- 
denen Gegenden oder Fabriken abweichend durch die 
Art des Getreidestrohes, die Art es zu spalten^ die 
Feinheit der. Spalten und die Anzahl der Spalten , wel- 
che zu einem Bande geflochten werden. Das Str^h ist 
meistens entnommen von Weitzen oder Roggen, und 
Reis. Ganz verarbeitete man dieses Stroh nur ariföng- 

. lieh, bis vor etwa 50 — 60 Jahren. Um es zu spal- 
ten, erweiclite man es 2 Stunden lang zwischen zwei 



— 464 — 

CeaditeBlebieMBTtdieni, seUitete. es mit eiaeni feioen 
hakenßmifgeii Messerdien der Linge nach auf, be* 
fenditete es nocbdials so, doch etwas weo^er, wo die 
an^esdüititen Halme sich flach auseinander l^en und 
spaltete sie dann in mehr oder wenig^er, parallele 
Theile , indem man mit 5 — 15 dicht nebeneinander 
befesi%ten Naddspitxen oder einem ähnlichen Instro- 
mente der liUige nach über jeden an^gebrdtet liegen- 
den Halm herabfuhr"^. Nachher mufsten die Spalten 
noch unter Rollen ^prefst nndg;e^attet werden. Zweck- 
maisiger Ist folgendes neueres Instrument : Ein kleiner 
Griff Terlangert sich in eine feine , rechtwinkelig um- 
gebogene Stahlnadel, woran hinter der Spitze in Form 
TonStrahen 5 — 7 feine Schneiden angebracht sind. Die 
Spitze steckt man nun in das dickere Ende des hohlen noch 
geschlossenen Halmes hinein, fiihrt damit durch denselben 
herunter, und zerspdtet denselben so In 5 — 7paralldeThd- 
le'^'*'. Anfanglich waren die Strahlen dieses Instruments 
an ihrem äufsem Ende noch durch einen Ring mitein- 
ander verbunden'*''^'*'. Auch wurde nach Hol« eine 
' Maschine angegeben, mittelst der sich sieben Halme zu- 
gleich spalten liefsen. Zu den gewöhnlichen Hüten 
werden meist nur 5 — 7 Spalten in ein Rand verfloch- 
ten^ und zwar meist auf die bei den Italleuischen Hüten 
angezeigte Weise. Dabei aber ist nicht zu vermelden, 
dafs nicht wechselweise die äufsere glänzende und die 






Magaz. d. neu. Erfind. III. (1803 ^ 1804.) S. 118 — 121. 

Sbbingk mdlang. bot. I. 1819. 

Magaz. d. neu. Erfind. H. (1802 — 1803.) S. B12. 



— 455 — 

Innere matte Seite des Spaltes im Geflechte oben auf 
komme , und der Schönheit des Hutes schade. Dem 
suchte daher Urias Lanb zu begegnen, indem er mit« 
telst eines kleinen' Kunstgrifis jeden Halm , der bis zum 
Rande des Bandes eingeflochten war, und nun zurück- 
geschlagen werden mufste , doppelt umschlug , uiid da> 
durch immer wieder dieselbe Seite des Spaltes oben 
hin brachte. Er schlang dann auch die Bänder anein- 
ander , statt sie über einander zu nihen.'*' Doch scheint 
der Rand der Bänder hiedurch dicker werden zu müs- 
sen , als der übrige TheiL — Mehre andre in England 
übliche Weisen des Flechtens werden von Waller nam« 
baft gemacht, aber lucht beschrieben'^'*'. 

c) Während man in England einheimische 
Grasarten verarbeitete, flocht man sie un- 
gespalten, und in allen Stücken ganz nach 
der Italienischen Weise. 

§.'38. Die ausser-Italienischen Weisen, die 
Hüte zu appretiren, verhalten sich wie die 
Verarbeitung. 

Die weitre Appretur der genäheten Hüte war meist 
ziemlich einfach. Sie bestund häufig in nochmaligem 
Schwefeln, oder im Waschen mit Seifenwasser , in 
Tränken mit Gummiwasser oder einer gereinigten 
Abkochung von Pergamentschnitzeln und Elfenbein- 



* DiNGL. Joarn. XI. (1823.) S. 409 — 411. Seine Erfin- 
dung bestand also keineswegs blos in der Weise ^ die Halme 
beim Fledliten mit der Hand zu fassen. (Wbb. Beiträge. I* 
411.) 

*' AiMU. Joura. XXIL (18ST.> S. 339. 



-^ 4M — 

•pineii "^ , um mehr Steifheit and €%ns su gthen, 
meist von innen heraus , oder en^ch in Pressen und 
Bökeln mit Handg^erathen, womit jedoch ein Arbeiter 
täglich kaum 24 Hüte'*'^ fertig bringen konnte. Indessen 
hat man zu letzterem Ende in Frankreich und England 
anch besondere Maschinen erfunden. 

Jene Ton Maionies, für den Hutfabrikanten Thibavlt 
in Paria gefertigt , bügelt mit drei unbeweglichea und 
mittelst Hebeln angedrückten SsenBoden, Umfang wid 
Rand des nacheinander auf eben so vielen sich drehen^ 
den Walzen befestigten Hutes ; wobei 1 Arbeiter ISg^ 
lieh 120 Stuck fertigen kann. Die Vereinigung der 
drei Eisen auf einer Maschine zu gleichzeitiger Wir- 
kung hat sieh weniger vortheilhaft bewiesen'*''*''*'. 

Der von Eduaba Oulerbbtshüw in Manchester erAm^ 
denen Filzhut-Plittmaschine f ähnl^h findet sich eiHe 
in der Strohhut-Fabrik des Herrn nHfiimBDSB in 
Berlin ff. Zum Plätten des Bodens , des Umfangs, 
der Ober- und Unterseite des Bandes mufs der Hut 
auf drei verschiedene Formen gezogen und an drei 
verschiedenen Spindeln aufgesteckt werden. Eine Welle 
setzt durch einen Riemen ohne Ende die Spindeln in 
Bewegung y und der Arbeiter drückt das BögeleiseB 



DiNGi.. Journ. XXn. (1826.) S. 339. 
vingt-quartre, oder quatre vingt? — 24 schreitet Bwcii., 
8a beriehtel Webbr (ISeiträge 1. 1825. S. 413.). 
*** DiNcuL. Journ. V. (1821.) SL254 <- 255. 
t Wiener polytechnisch. Jahrb. VIII. ( 18BR > S. 
253-254. 

ft Wbubb Beitr. L 1825. S. 27Ö. 



** 



— 4W — 

i 

iberali mit der Hand an, und znletst reibt er die sich 
drehenden Hüte mit einem plüschnen Kissen. 

Ein Ung^ittinnter beschreibt eine in mehren Fabri- 
ken Englands gebräuchliche Plättmasehine , wo Boden, 
Umfang und Krampe unter demselben Eisen , aber auf 
yerschiedenen Formen geplattet werden. Jedodi Ist 
die Beschreibung so unvollständig und ungenügend, dafs 
kaum begreiflich ist, wie sie so in Deutsche Journale 
angenommen werden ihogte^. Als bedeutend wohlfel- 
. ler empfiehlt ein anderer Ungenannter eine ebenfalls 
In Gebirauch befindliche Maschine. Das Bügeleisen be* 
findet sich an einem horizontalen Hebel, und dieser 
sitzt mit seinem* befestigten Ende an einem senkrecht 
ten Stifte , der in zwei Ringen auf- und abgeschoben 
werden kann-, je nachdem man das Eisen tiefer untenr 
auf die Krampe, oder weiter oben auf den Boden de» 
Hutes wirken lassen will. Zugleich dreht sich jener 
Stift um seine Achse, und so lafst sich das Elsen auch 
über eine zur Seite befindliche, horizontalliegende Hut^ 
form bringen. Aber die Form mufs zum Bügeln der 
verschiedenen Theile gewechselt werden. Das Drehen 
der Stifte , auf welche man die Formen aufsteckt, 
geschieht durch je zwei an jenen befestigte und sich 
kreuzende zweiarmige Hebel, wie es scheint, von einem 
besondern Arbeiter**. 

§. 39. Das Färben der Hüte, zumal minder-- 
feiner Sorten, findet ausserhalb Italien weit 
mehr und auf manchfaltige Weise statt. 



** 



DiNGL. Journ. XX. (1826.) S. 152—158. tf.iy.f.7>-ll, 
DiNOL. Journ. XXIII. (18S7.) S. 42^ -^ 49T. 



— .4fi8 — 

Anweisttog dam geben Hock * , Faith ** und 

Andere. v 

§, 40« Bedeutend sind demnach die Vor- 
xüge. der Toskaner Hüte Tor den übrigen, 
und sie bestehen in Weifse, .gleichmäfsiger 
Zusammensetzung, Dauerhaftigkeit, Elasti- 
zität, Feinheit und Gleichheit des Fadens, 
in. Appretur und in Wohlfeilheit. 

Die Feinheit der mittleren und besten Sorten 
soll, der anfanglichen Yersicherungen ungeachtet, durch 
die Englischen Gräser doch nie erreicht worden seyn 
(§. 34.)- Die Feinheit des in England gezogenen Wei- 
tienstrohes kommt den feinsten' Italienischen Sorten 
nicht bei, welche auch in unverarbeitetem Zustande 
aus Italien wohl nie jiusgeführt werden. Mit gespalte- 
nem Stroh läfst sich freilich die Feinheit des Italieni- 
schen errei eben und selbst übertreffen , aber dann nur 
auf Kosten andrer wesentlichren Eigenschaften. 

Die gleichförmige mattgelbe Weifse auf 
dem, in Italien üblichen Wege zu erreichen, dürfte für 
uns doppelt schwer seyn, weil die Sonne bei uns 
weniger heftig und andauernd einwirkt, und bei Eintritt 
von > einigen Regentagen , vor vollendetem Trocknen, 
leicht die ganze Strohärndte für diesen Zweck verloren' 
gehen kann. Vor allen Dingen wolle man aber nicht 
hoffen , ganz reif gewordenes Stroh auf diesem Wege 
so vollkommen zu bleichen. Das Behandeln mit heifsem 



* DmQL. Joum, VII. (1822.) S. 324 — 325« 
** DiNOLSB Journ« X. (18230 S. 324 — 331. 



— «9 — 

Wässer zu Aasziehung des exIraktiTen Farbstoiffes, die 
Anwendung von Chlor und Ton Alkalien zur weiteren 
Efitfärbmig der Faser und Auflöblichmachung einiger 
anderen v^etabilischen Theile , in Verbindung . mit 
Schwefeln gebraucht, haben zwar einen Tollkonuneiie- 
ren Erfolg, als die Italienische Bleichmethode , aber 
ganz weifs gewordenes Stroh liebt man auch nicht 
Zerschlissene Halme haben auf der äussern und innern 
Seite verschiedene Farbe und Glanz, und wenn man sie 
nach Lanu's Methode flicht, damit immer die äussere 
Seite oben hin im Bande komme (§, 30.^, so mufs 
^ohl eine der Schönheit nachtheilige Verdickung der 
Sandränder entstehen. 

Die gleichmäfsige Zusammensetzung der 
Bänder, indem man sie mit den Rändern nicht über, son- 
dern nebeneinander nähet, erhöht wesentlich die Schön- 
heit der Hüte, während zugleich jeder Fehler im Ge- 
flechte, jede Ungleichheit dabei mehr in die Augen 
springt. 

Die Dauerhaftigkeit der Italienischen 
Hüte hängt von mehren Umständen ab. Theils da- 
von, dafs die Halme ganz, nicht geschlissen sind. Theils 
Tom Grade ihrer Reife, wo das Stroh weder überreif 
und brüchig , noch unreif und zu wenig fest ist. 
Beide Umstände bedingen die Elastizität der Italie- 
nischen Hüte, vermöge der sie bedeutende Eindrücke 
ertragen, ohne Schaden zu leiden, und gleichzeitig die 
breiten Krampen nicht allzuschläff herabhängen. Letztern 
Zweck sucht man anderwärts durch besondere Appre- 
tur zu erreichen. Ihre Dauerhaftigkeit gewinnt ferner 



dadurdi , ilab die Fidcu ittoi 2ii8aiiiiiieii8ehliiige& der 
Binder «nter den Halmen dnrchlanfen, und kein Durch- 
stechen der Halme nöthig machen, ao wie da- 
dnreh, dafa die ganze Oberfläche glatt , nicht darch 
die übereinander liegenden Bandrander uneben und 
helperig iat. 

Die Appretur, aoweit solche durch Preaaen und 
■igeln bewirkt werden kann , iat an den Florentinor^ 
Hiten ao voUatlndig , und mit ao grofaer Anatrengnng 
an Stuide gebracht, ala nur irgend. Die Toskaner 
▼erachmihen , Gununi, Farbe und ahnliche Mittel zu 
HnUe zn nehmen, und in der That dürften ihre Hüte 
dadurch kaum gewinnen. Gummi macht die Ränder 
atetf, und somit die Herrenhüte zu Begrüfsungen beqoe- 
mer, aber diese Hüte leiden dann auch mehr, wenn 
aie zufallig einem Regen ausgesetzt werden. 

Zwar noch einen Vorzug sollen die Italienischen Hüte 
besitzen, der, wenn er aich bestätigt, das Einschreiten 
der Regierungen zu Emporbringung der Strohhut-Fabri- 
kation bei uns nöthig machte: den der grofsen Wohl- 
feilheit bei gleicher Feinheit — hauptsächlich jedoch 
bei den übergewöhnlichen und feinsten Nummern. Wo 
nur dieser Vorzug seinen Grund finde, ist kaum begreif- 
lich. Zwar ist wahr , dafs selbst wohlhabende Land- 
leute äusserst wohlfeil leben können , da ihr Haus we* 
niger Emrichtuug, Küche und Ofen wenig Holz er- 
ford^n, und Mais und Weitzen, im Ueberflusse ge- 
baut, Pollenta und Makaront zur täglichen kräftigen 
Nahrung um Spottpreise liefre. Es ist ferner wahr, 
dafa eine grofse Zahl weiblicher Arbeiter ui diesem 



— 4«1 — 

firwerb konkurrirc(n, die in andern Theilün Ilalieilg auf 
kaum begfrleifliclie Welse Beschäftignng^ finden mögen, 
indem d|e .Manner fast alle Haushaltnngs- Geschäfte 
TerrichteA , welche bei uns den Frauen und Mädchen 
oblieg^en. Aber der tagliche Verdienst der Stroh*Arbei- 
terinnen ist doch 45 kr. bis 1 fl. ; .und darum kann ea 
in Deutschland nirgend an Arbeitern mangeln. Der 
Qrund mufs wohl zu suchen sejn in der Konkurrenz 
der Strohflechterinnen in so ferne , als aie eine über- 
aus grofse Menge von Hüten zu Markte fordern, und 
dadurch die Errichtung so grofsartiger Fabrik-Anatalten 
möglich machen, dafs bei der Appretur selbst bedeu" 
tende Zeitersparnifs statt haben könne. 

§. 41. Demnach würde zu Verbesserung 
der Strohhut-Fabrikation bei uns die Italie- 
nische Methode in fast allen Stücken nach- 
zuahmen seyn. 

Wiederholte Versuche mit der Aussaat des 
Weitzens nach Maasgabe früherer Andeutungen (^§§. 3 
— 8 und §. 34«^ werden uns sicher zuletzt Stroh- 
Sortimente liefern, welche an Feinheit zu Florentiner- 
Hüten Ton Nro. 60 — 70 hinreichen , und wenn wir 
auch nicht weiter gelangen , so kann die Entbehrung 
feinrer Sortimente kaum zwei bis drei Personen im 
Staate betreffen, der Verdienst daraus kann je zuweilen 
4 — 5 Personen entgehen. Fortgesetzte Versuche mit 
perennirenden Grasarten , jedoch nach gleicher Anwei- 
sung, würden wohl ein ähnliches Resultat geben. Zo 
früh geschnittene Gräser geben immer eine schlaffere 
Arbeit« 



— 4«8 — 

Es scheint, dafs man ausser Italien weit -weniger für 
eine sorgfältige Auswahl gleicher Halme für jede Num- 
mer Bedacht nimmt \ ein Fehler , dem sich jederzeit 
wird abhelfen lassen. ^ •• 

Wenn zum^ Bleichen uns der Himmel weniger gün- 
stig ist, als dem Italiener , so sind wir im Stande doch 
gleichweifses Stroh durch Kunst und ohne sonstigen 
NachtheU zu erreichen. Nur eines wird zu bedenken 
seyn , dafs nämlich, bei Anwendung extrahirenden Ver- 
fahrens und starker alkalischer Mittel nicht die Festig- 
keit und Elastizität der Halme Noth leide. 

Nur durch das Nebeneinandernähen der Bänder, nur 
durch das Verstecken des Fadens unter den Halmen 
können unsere Hiite an Schönheit und Dauerhaftigkeit 
gewinnen. Nur durch Verarbeiten ungespaltener fast 
ausgereifter Halme kann ihre Elastizität ohne Gummi u. dgl. 
vermehrt werden. Da letzteres jedoch die Hutrander 
steifer macht , ein bei unseren Sitten an Herrenhüten 
sehr fühlbares Bedürfnifs, so wird der Verkäufer sich 
flach den Wünschen der Abnehmer, fügen, wenn er 
nicht für feinre Hüte wenigstens die Krampen doppelt 
aufeinanderlegen will. Was nun aber die übrige Appre- 
tur angeht, so enthält sie weder ein Geheimnifs, nocb 
sonst etwas für uns Unerreichbares. Indessen halte 
ich die Italienischen Plättmaschinen für zweckmäfslgci* 
als die angegebenen Englischen , (den Französischen 
nähern sie sich sehr §. 36.) , wenn auch nicht durch 
die Qualität, so doch durch die Quantität ihrer Lei- 
stung. Nur müfste die gemeinschaftüche bewegende 



— 468 — 

Kraft, da sie ^leichfmii^ zu wirken hat, eine 
minder kostspielige seyn, als die. des Menschen. ' 

Was nnn endlich die Preise der Hüte angeht, so 
mufsten hier die Regierungen, für den Anfang wenig- 
stens, durch Aqsetzung so hoher EingangszöUe für die 
Italienische Waare einschreiten , dafs die inländische 
Manufaktur mit der ausländischen die Konkurrenz zu 
vecsuchen im Stande seye, Sache der Fabrikherren aber 
wäre es einerseits, stets mehr Strohflechterinnen auf- 
zumuntern und zu beschäftigen, andeverseits ihren Fa- 
.briken eine der Konkurrenz angemessene Ausdehnung 
zu geben. 

So würde man sicher bald nicht mehr nöthig 
haben , die guten Strohhüte aus Toskana einzuführen, 
dessen Haupt - Absatz noch nach Amerika besteht , 
der, wenn er plötzlich aufhören sollte, dem Gewerbs- 
fleifse und Wohlstande Toskanas vielleicht einen 
harten Stofs bereiten könnte , obschon ein Italie- 
ner glaubt, die Englische Konkurrenz darum nicht 
fürchten zu müssen , weil sie ein anderes 'Material 
Terarbeite. * 

Und wie vieler Armen arbeitlose Hände würden 
sidi dieser Gewerbsart zubilden lassen, und Beschäf- 
tigung und Verdienst linden y ohne langwierigen Unter- 
richts und unerschwinglicher Vorauslagen zu bedür- 



* AnnaU unhersäli di tecnologia, MUano. 1826. August« 
S. 128. — DjNGi. Jwm. XXIV. (1827,) S. 873. 



— «M — 

finis dae BemUtÜgang ao geagaei in den Winfer- 
tMgm für Tide Unter dem Ofen mUOg UßgeMe 
Braem , ao %wetkaabag für viele KnnlEe , de- 
nen anstrengende Arbeit nicht znngt , so diensam 
Ar Arbeitshinaer , deren Teradiiedenen Bewoliner 
andi eine gewiaae ManchCdtigkeit der Be8cliiftig;ungen 
▼erlangen ! -^ 



IM^MM^—— 



XXVIIt 



lieber 



noch einige Petrefaeten-8amm' 
lungen in Italien.* 



Xch habe, in Folge meiner frübereti Reise, Nachricht 

von mehren Italienischen Samminngen fossiler Thier- 
nnd Pflanzen-Reste gegeben; namentlich von jenen zu 
^ikiriny Settime, Verona^ Fkensa ^ Jfforenssj Ftdt 
^Amo^ Pisa und Sk^ena. Dnrch die gegenwärtigen 
Nachträge aber glaube ich eine ademlich Toilstandige 
Uebersicht aller, in Italien vorhandenen, bedeutenderen 
Summlnngen der Art i^ufstellen zu können. 

1} In Mailand vt hauptsächlich die Sammlung des 
ConmgUo delle AfiK7ziere*wichtig, welche mit Bluse zu 
untersuchen mir durch die Güte des Hrn. Dr. MAhAr- 
CARNB, des l^ekretairs bei jener Behörde, gestattet war. 
Denn es ist dieselbe Sammlung, welche auf Befehl des 
vorigen Vize<Königs von Cortesi in Piacema angekauft 
worden, deren Hauptreichthum in köstlichen und sehr 



' Als Ergänzung zu den Mittheilungen im I« Bande, Die 
Mittheilangen siad auch- ausgezogen in y. LfiONniBB^s Taschen- 
Imch 1824. XVIII, d38— d43. Die Ergänzungen ebendaselbst 
1828. I. 417 -- 429. 

Bronn, Reite. IL 3Q 



ToUttidl^goi Deberresien von WirbdtUera besteht, 
welche von CoBTsn selber beschrieben worden *^ imd 
die CuTun'R so reichliches Materisl bei Ansarbeitm^ 
seiner Reekerekes wr les oaaemens fosHles geliefert 
Endlich ist es dieselbe Sammlung, wornach Bbocghi 
hauptsächlich den zweiten Theil seiner Qmchiologia fos- 
sile subapennina ** ausgearbeitet , und die er eigenlian- 
dig mit Etiquetten versehen und geordnet hat. Aber 
diese Sammlung, welche, die Or^inalstücke zu den 
Beschreibungen in mehren so berahmten Werken be- 
sitzend, in einem wohlgeordneten Zustande erhalten voBi 
gröfster Auetoiitit und bedeutenden Werthe gewesen 
seyn würde, befindet sich gröfstentfaeOs in einem sehr* 
klsglichen Zustande. Zwar die Skelette der Wirbel- ^ 
thiere sind unverkennbar und behalten stets ihren Werth. , 
Es sind: ein vollständiges Wallfisch-Skelett (JBo&ie* 
9to/ilfera^, ein vollständiges Delphin-Skelett (Phocaend)^ 
Beste dnes zweiten, Trümmer eines Elephanten (^üfe- 
phas pnmigefmm) mit einem Schulterblatte, Thdle 
eines Rhinozeros {^Bhmoceros kptorhmus^ , woran na- 
mentlich der Kopf ganz gut erBalten , auch die Zähne 
fast alle noch an Qirer Stelle sind , aber die Kronen , 



^ 6iUB. CoBTBBi, Saggi geoiogid degU Statt di Parma e 
Piacenza (^Piaeenza, 1819, kl. Fol.); p. 45—88. Taf.nbisYn. 

^* Man erzählte mir, dafs der Ankauf der CoBTBsi'schen 
Sammiong und die Herausgabe des Baocom'sclien Werkes 
hauptsächlich veranlafst worden seyen durch eine Absendnng 
des Hm. JUi^abo de la Gbotb Ton Seiten der FransosiBchen 
Akademie^ um eine Arbeit über die Ablagerangen der fossilen 
Körper in den ApemUnen' :m. unternehmen, der man aber auf 
diese Weise suTor gekommen. De Lamabck hat später lieles 
▼on ihm Mitgebrachte in seiner Histaire naturale des Jnimaux 
Sans vertebret beschrieben. 



— 4!fft -^ 

theils durch Kefsplittemiig, theils weH sie init ein«« 
sddechten Mörtel überschmiert sind ^ sich nicht unter'- 
«neben lassen. Mit den JKwichglien dagegen , welche 
iwei Olas^hranke ausfallen, sieht es um so schlimmer 
aus. Kaum die Aälfte derselben scheint mehr vorhan«- 
den zu seyn. Viele Arten fehlen ganz. Selten sind 
mehr als eiq bis zwei Exemplare einer Art vorhanden, 
Zuweilen liegen drei, vier bis fünf Arten beisammen in 
einem Kästchen. Oefters fehlen die Zettel, oder sind 
offenbar verwechselt. Gleichwohl war es mir immer 
sehr werthvoll, dafs ich diese Sammlung durchgehen 
konnte, weil ich manche Arten kennen lernte, die ich 
früher nie gesehen, und dann, weil meist noch die un** 
verkennbarea , von Broecni abgebildeten, Exemplare 
vorliegen. Meine spezielleren Bemerkungen verspare 
idi für einen späteren Ort. 

23 CoRTBSi in Piacenza hat seitl8(^, wo jen6r Ver- 
kauf Statt gefunden, (bis zu seinem Tode, 1828]) sich 
wieder eine andere, nicht viel minder bedeutende, 
Sammlung angelegt. Die Wirbelthier-Reste sind nicht 
ganz von gleichem Belange, wie die iPrüheren, aber die 
Konc^ylien sind reichlicher und schöner *, Von Wir- 



* TVle hoch man die fostilen Konchylien in Italien selbst 
im Preis halte , und sieb damit auf Speculation lege , mag 
ans einem Briefe Cobtbbi's erbellen , in welchem er mir auf 
eine Anfrage antwortete, die ich Tor meiner ersten Italieni- 
schen Reise an ihn gerichtet hatte. Ich wünschte nämlich eine 
Sammlung fossiler Konchylien von Piacenza von ihm zu be- 
kommen, and , obscho n er sich sonst mit lianfmännischen Ge- 
schäften nicht heÜEissen kann, so hatte er doch die Gefälligkeit, 
mir zwei Sammlungen anzubieten: eine von 60 bis 80 Arten 



— 4«8 — 

belthier* Resten sind vorhanden : ä^ ein Thetl des 
RunpfeSy nebst einem Unterkiefer-Aste eines sehr gr&B- 
sen fFallflaeheß , letsterer allein 9^ lang; (schon a. a. O. 
beschrieben^, b) Ein vollständiges, doch etwas Ter* 
hiilltes, ^a^cA-Skelett, etwa 10^ lang (ebenfalls schon 
beschrieben), c) Ein anderes , eben so grofs , minder 
vollständig, doch freier liegend, noch unbeschrieben. 
d) Ein neuerlich gefundenes DelphrnSkeieii^ woran der 
gröfste Th^il des. Kopfes mangelt e) Ein fast voUsttn- 
diger Unterkiefer von Rbmoceros leptorhmus mit allen, 
doch schon sehr abgenützten Zahnen, f) Einzelne 
Zähne von Elephanten- ^ Hai' und andern Fiaehen. 
g) Vlisk Fisehsehädel [?], von Erde ausgefüllt, mangelhaft, 
doch der schnabelförmig verlängerte Oberkiefer und ^e 
Lage des Mundes wie bei Acdpenser StuHo, und grofa 
wie etwa bei einer fünf- bis sechspfündigen Forelle. 
IT) Eckzähne und mehre andere Knochen von Bären. 
Die Exemplare in der Konchylien - Sammlung sind 
von s^tener Grobe und Vollständigkeit, alle aus- dem 
Piaeentmüchen. Angeblich sollen sie von 450 Arten 
seyn , woran ich aber sehr zweifle, denn ich selbst habe 
nach vielwQchentlichem unausgesetztem Sammeln nur 
etwas über 350 Arten zusammengebracht , und obschou 
Hr. CoBTssi ungefähr 30 schöne und ausgezeichnete 
Arten besitzt, die ich nicht habe, so fehlen ihm da- 
gegen sehr viele kleine , unansehnliche , nicht in die 
Augen springende A rten gänzlich; Alle9 liegt ungeordnet 



und niit einfachen Exemplaren; eine andere mit 350 Arten 
und ein- bis vierfachen Exemplaren. Ersterc wollte er mir für 
1000, letztere für 6000 Francs lassen. 



_ 400 — 

durch einander, and der Eigenthünier selbst scheint 
kaum einige Geschlechter zu kennen, vielwen^er über 
Arten abzuurtheilen im Stande zu sejn. Auch sammelt 
er nicht selbst, sondern läfst sich nur periodisch von 
einigen geübteren Sammlern, unter den Bauern der 
Gegend ausgesucht, Exempiai^e einliefern. Ausgezeichnet 
sind ein^e schöne Scalarien^ Pecten-^ Tritonmm- und* 
Os^rea- Arten, merkwürdig auch einige Feldstücke, 
durchbohrt von Pholaden^ Ciavagellen ^ Läkodomen 
und Saxica^en, deren fossile Reste noch in den Höh- 
lungen der Felsen liegen, und welcher er schon selbst 
eigens gedacht hat. * Endlich sind einige Seeigel und 
^öfse Korallenstöcke vorhanden. 

8^ Die Sammlung des Hrn. Prof. Guidotti in Parma 
istm fossilen Konchyh'en vielleicht die' bedeutendste und 
werthvoUste in ganz Italien, obschon er nur Konchjlien 
des Parmesanischen iind Piacei^tinischen, und seit Jiur- 
Bern erst auch Korallen der Gegend sammelt Er selbst 
behauptet, über 800 Arten von den bezeichneten Orten 
SU besitzen. Ich habe aber allen Grund zu schliefsen, 
dafs er kaum über 000 Arten besitzt, und von diesen 
müssen, da er die Arten nach sehr geringfügigen Merk-' 
malen zu unterscheiden scheint, sichel'lich 100 bis 150 
gestrichen werden. Aber ich selbst i>in überzeugt, dafs 
fldne Sammlung über 500 gute Arten entibalte, von wel^ 
chen mindestens 100 neu. Sie ist an Praehtstückiett 
verhaltnifsmäfsig nicht so reich, als Gobtksi's Sammlung, 
aber enthalt viele Seltenheiten, Exemplare von unge- 



* Saggi geologici; p. 35 bis 42. 



wm IKMUeten. Der BjgwilMwrr fangt jihr&ii a^bst 
clH%e Wodm led%licli mit Snumda la. Die seltoH 
ftea Gegeaftiade lut er alch imrA wiederfcottea Be- 
säe^ einher, sonst tu^t bekaantcs, Fuidorte TeradiaSt; 
wie JbbUanOy sechs Studoi toh Parma^ ia den 
jtpemdnem gegen dss Piseentinische ; dsm indeaCkjgen* 
den Ten TraversettolOj Gaaaobiy Mtamano, Les^nmmo 
M Bmgm gegen die Madßoemdie Grense; endüdi dfe 
Ckgend von VigoUmk, swisdien dn^ltarqmaie wad Tdk- 
kkmo , dodi tiefer ia GeUrge, wo die mdsten Sadken» 
in Ksllrspstii rerwindelt, in einem Ssndstdne FoikoBH 
men sollen der übrigens nsch den Arien selbst in 
nrtheilen, ebenfidls der Sabspenninischen Fonnalien 
snsteht, nvr Tielleicht in ihren tie&ten SduGhlm ge- 
hSrt Auch GrjfpkUeM egmUnum von Schlotb. behauptet 
Hr« GeniOTTi daher xn haben , aber alle Nachforsdran- 
gen des Hm. Prof. Stcdbk an Ort und Stelle waren 
fimditlos, und selbst sein Fahrer, in dessen €reseUschaft 
Hr. GuniOTTi den Fond gemadit an h^tiien Tersicba'te» 
konnte rieh darauf nicht mehr KesinBen. Aach war es 
anffallend, dafs jener GryphU seine gewohnliche donkie^ 
Bldähnliche Farbe behalten hatte, während die übrigen 
Versteinerungen der Formation weifs kalainirt oder durch 
Eisen schwach ockeriggelb sind. Mit Vergnügen bemerkte 
ich in seiner Sammlung, als weitere Belege derUeberein- 
s timmung der altern Glieder dieser Fofmation mit jener 
von Pffr»; QUva pUcaria, Valuta costaria mi<dL Valuta 
crenulata^ die Bbocchi noch nicht gekannt hatte« Dann 
eine schöne vollständige PUcatufa^ einen grofsen Spondglua 



— »l — 

odt beiden Khippes , die fAeh Sffiien lasse« , sechs bis 
filebe» TßrehraUila-AMten (^Tgreir. Sleudif Terehr. abtia 
'LArnJ^r schönes Anämie», zwei schone Exemphre einer 
seltenen Nerüa^ etwa drei Arten von Manoeeros^ eine 
VmbreUay und vorauglich Tollkommen die Tuhkoleen 
der Gebend« Echhuden von Ftgoleno' sind etwa acht 
icorhanden. Aber über so manche Arten, die Lahärck 
nadi Mi^NABD de la Gbotb in dem Piacentinischen anf- 
fuhrt, konnte ich eben so wenig hier einen Anfschlufa 
erhalten., als meine Nachsuchungeu darnach.^ an Ort 
und Stelle, von Erfolg waren* 

4}. Die SammluDg des Hm. Prof; Jjoi itt Parma 
enüiält, aufser vielen Fossilien VJonBngUmd, von Paris 
imd dem: Fieentmiacken , auch an 350 Arten der Ge- 
gend von F^enssufda im Piäcentmüchen, Vorzüglich 
werthvoU sind : ein Exemplar der oben erwähnten Uror 
brella und Bruchstücke einer schönen Q^ranukij nut 
€hrofmla diadema nahe verwandt, doch gut unterschie- 
den , und Corotmla b^Ua von mir genannt. Dann ein 
unversehrtes Exemplar der schönen und seltenen Pmtut 
tetragona Baoccm.. Es. ist. zu erwarten., dafs diese 
Sammlung binnen zwei bis drei Jahren die meisten 
übrigen hinter sich, lassen werde. 

5} Die Sammlung der Universität Ptwia ist sehr 
reich an fossilen Resten. Unter den fossilen Knochen 
jedoch sind nur jene von Elephanten und ein Hirsch- 
Schädel (C, eurifcerua) , mit ansitzendem, sehr schönem 
Geweihe, bedeutend. Von .F&c^-Abdrücken des Monte 
JEfolca ist eine nicht unbedeutende, gute Auswahl vor- 
cäthig. Noch kürzlich sind zehn der gröfseren Stücke 



(^ttfimHch fünf Paare^ acquMrt worden, Jedes zn 88 S; 
Ans den Subapennmischen Hiig;eln hat man viele Kotichg- 
Uen^ nnd selbst eine bedeutende Anzahl aus alteren 
Gebirf^rten, aber alle weder geordnet, noch mit An- 
gabe der Fandstätten. Die letzteren jedoch durften ans 
Deutschland dahin gekommen seyn. Ueberflnssige Don- 
bieten sbid sehr zahlreich. — Ein Stück sehr reinen 
Bemgtemes ans der Ostsee wiegt etliche nnd ißnfzig 
Unzen. 

6) Ein Beamter (Lo Spezi ale des Hospitales) sii 
Lodi soll eine ausgezeichnete Sammlung fossiler Kon- 
chylien oft eigenthümlicher Arten von San Ooiombano, 
zwischen Lodi^ Piacenxa^ Ptwia und Pizsighettone be- 
sitzen. Doch scheinen die einzelnen Fundorte etwas 
entlegen von einander, und meine Zeit gestattete weder 
jene Sammlung zu besichtigen, noch selbst in jener 
Gegend zu sammeln. 

7^ Die Sammlung des Grafen Borrombo in Maäand 
ist mehr in mineralogischer Hinsicht, als wegen der 
Petrefakten bedeutend; indem der oryktognostische Thdl 
allebi 4000 bis 5000 Nummern , und dabei eine grofse 
Anzahl ausgezeichneter Prachtstücke enthält. Die Breis^ 
LACK'sche Sammlung ist gänzlich damit verschmolzen. 
Unter den Petrefakten jedoch sind einige interessante 
'von Lodi. Das seltenste davon : eine schöne, 2^^ grofse 
HaUotfy, hat der Eigenthümer an Professor Bucklabti» 
abgelassen. Sie ist meines Wissens die einzige, welche 
im fossilen Zustande existirt, wenn nämlich jene, deren 
ich zu Wizza gedacht, anders, wie ich vermuthe, einer 
nicht mehr urweltlichen Formation angehört. Der Brach- 



— 4W — 

studceiin der Sammliiiif zu Tuam habe ieh ebenfalls 
früher Erwähnung gethaa , and Ich selbst habe 'später 
die halbe Schaale einer kleinen Art im ^mfona-Thale 
aufgefunden. — Dann finden sich einige Pkd^ vom 
Bfolcüj Kohlen von Sorgen u^ s. w. 

8) Die SamoiliiDgen den.firafen Sanvitale inParmay 
und die der dortigen Universität sind wenig bedeutend. 
Die Vorräthe fossiler Konchylien der akademischen Samm- 
long zu Bologna sind, wegen bisher Statt gehabten 

• 

Mangels an Raum, nicht angestellt gewesen, wie es 
auch mit vielen Blineralien der Fall ist Aber es sind 
hübsche Knochenreste von Hirschen^ Pferden und Ma- 
atodonten da. Paris hat An&ploiherien und Paläothe- 
rien geliefert — In Vwenia und Caateltarquato stehen 

* 

einige Sammlungen aus der Gegend , lediglich auf Spe- 
culation gemachte, vorräthig/ Prof. Borson in Ttirm^ 
der. in seiner Orittogrqfia Pienumtese * 600 Arten Pie- 
monteser fossiler Konchylien^ (^Anneliden und Cirrhipe- 
den mitbegiiiTen^ beschreibt, worunter freilich viele. 
DuUosa , muis selbst eine bedeutende Anzahl derselbeu 
besitzen, und verdankt viele der erhaltenen Beiträge 
der Gräfin Auenas zu BaUmgero^ und dem Grafen di 
Cbb«s zu Baldichieri bei Aetü Nicht minder reich an 
den fossilen Ueberbleibseln der verschiedenen Gegen^ 
den Italiens mufs unter Bonklli's Leitung die akademische 



* Saggip äi orittogrt^ pkmumUae ^ in den Memmie deliä 
reaU JecadenUa deUe Seiensfe äi Torino; VoL XXV, p. 180 bi» 
280; XXVI, 297-305 und XXIX, 'p. 251-818, mit Abbil- 
dungen. 



— 4T4 — 

Sammhiiig im flcrm wgewaclMen seyn, da der erwftlwte 
Zoologie IVachtrage zv Bkoceni'a Werk berauaso^ebe» 
beabsichtigt. Von Sim darf man den» aHch erwarten» 
dafa er' einige« Licht über die riekn Dunkelheiten in 
BdaaoBflB Arbeit Terbrdten werde, die selbst dareh die 
logefBgten, in&erat schlechten Abbildangen van letate- 
rem noch Termehrt werden. Endlich soll Hr. Professor* 
Casf. Hazn in Syena^ lediglich ans der Umgegend dieser 
Stadt, eine der schönsten und bedeutendsten Sammln»- 
g&k (dnreh eigene Nachsuchungen_) sich FerschaflfI 
haben, und an einem ähnlichen Werke, wie Bonb&lf,. 
arbdten. 

9y Dr. AoosTiNO Sassi in Genua' hat die- ibsdlen 
Keste der Subapenninen- Formation*, *hr der Nihe rott 
Genua und von Fmale (Albvatolay, gesammelt, woselbst, 
auf der Südseite der ^penmaeHj das Vorkommen dieser 
Formation, gleich jenem von i^iissa, Brocchi'ht unbe- 
kannt geblieben war. Da die Ablagerungen nicht sehr 
machtig, so ist auch die Aosbeute an fossilen Körpern 
wenig beträchtlich; doch mögen gegen zwanzig neue 
Arten vorkommen , welche nächstens im Giomale UgU" 
siico beschrieben werden sollen. Mehrere, anderwärts, 
selten vorkommende, Arten sind hier häufiger gefunden^ 
worden. Die wichtigste Entdeckung indessen , welche 
wir Hrn. Sassi verdanken, ist die, dafs die Serptäar 
pohfthalamüi Brocch. (non Linn.^ = Serpula dentifera, 
vor/ c, Lam., lebend noch an Felsen im Haven von Genua 
vorkommt, dafs aber, der regellosen Bildung des 6e* 
häuses ungeachtet , das Thier ein neues Geschlecht der 
MoUusca Gmteropoda PecUmbranchia bilden müsse» 



— 41» — 

dem Geschleclite Fermetus AnBAiva. Torwandl; voft^^Qi 
68 sich jedoch anter Anderem durch den Hangel eines 
Deckels unterscheidet. Bs soll SerpulerUs genannt, 
und ebenfalls im Giomaie Ugustico beschrieben werden» 

lUf) Keine Sammlung ist wohl reicher an ansgeswft 
ten Exemplaretf fossiler Fische vom Manie Balea , als 
Jene des verstorbeben Cüstbllini an Oastelt gomberta 
bei Vioenza; selbst die des Grafen OAssoiiA in Fhronay 
und wahrscheinlich selbst jene der Universität Padova * 
Hfdit ausgenommen. Auch sonstige Yorkommi^se. jener 
Schichten de» Monte Bolea^ die Fossilien der festen Groln 
kalk-Bänke von CasteV gamberiOy wo die Schaden gai^ 
in Kalkspath verwandelt sind , und endlich die Könchy-' 
lien der durch Trapp-Bildung modifizirten Grobkalk- 
Schichten von Boncä und andern nahe gelegenen Orten 
möchten sich hier vollstand^er, als irgendwo, finden. 

Von J%cA-Abdrucken sind 270 Nummern vorhanden^ 
nämlich jede Nummer in der Regel aus einem doppelten 
Abdrucke bestehend. Unter den leichter erkennbaren 
aeichnen sich ein JY^rpadoj einiZa/a, ein Sgualus und 
aufserdem noch etwa zwanadg andere durch ihre Grofse 
aus. Unter den Zoophyten vom Bolca erfreute micl\ 
sehr, eine, zwar nicht bestimmte, aber unverkennbare 
Pennattäa im Abdrucke zu finden. Auch unter den 



* Ueber die akademische Sammlung in Padova kaim ich 
aus Autopsie nicht urtheilen. Der seither yerstorbene Prof« 
Rbnibiii, der Direktor jener Sammlung, bei dem ich mir haupt- 
sächlich über Tiele meiner noch unbestimmten Konchylien des 
Mittelmeeres Aufschlnfs verschaffen zu können geglaubt hatte, 
pflegte die Ferien in Venedig zuzubringen , und die Schlüssel 
SU den Sälen dann mit sich zu nehmen« 



— 4T6 — 



Pflanxen von daher sind eiiiig<e eigene Forme». — Da- 
gegen befinden sich unter den fossilen Zoophyten und 
KonchjUen Ton Castelt gwnberto nnd Roneä viele sehr 
schlechte Exemplare, aber die Anzahl im Ganzen Ist 
sehr grofs. Dann ist dabei eine reiche Mineralien- 
Sammhing, gröfstentheüs aus der Gegend zusammen- 
gebracht, tbeils auch am Vesuv gesammelt, theils 
endlich ander^rts znsammengdcauft Da CastblunI 
seit efai^n Jahren tod ist, so ist die Sammlung Terkanf- 
Uch. Für die fossilen Reste wom Bolea werden 12000, 
für die übrigen Petrefakten 4000, und für die Minera- 
lien' ebenfalls 4000 fl. verlangt, doch unter der Beding-^ 
nifs, dafs Alles zusammengenommen werde. Auch er- 
bietet man sich zur Ablassung g6gen eine Leibrente. 



XXIX 

Brocchia, 

ein neues Konchyliengeschlecht aus der 
Familie der Ckdyptnween Lamk. 

Taf. III. Fig. I. 



Das Linneische Creachlecht Pateüa ist seift der anato* 
mischen Untenfnchung der Thiere selbst in eine be* 
deutende Anzahl verschiedener Geschlechter zerfiUlt 
worden, welche in Ansehung ihrer Organisation sehr 
Ton einander abweichen, und auch in der Schaale Unter- 
schiede auffinden lassen, die grofstentheils durch dfe 
der Thiere selbst bedingt sind , und daher mit Sicher- 
heit auf erstere schUefsen lassen. VmbreUa^ Scuhsa^ 
•Emarginula f Rimularia^ Fiawrella^ Capulus^ Cahfp^ 
traea, Crepidulaj ^ncy/ti« sind daraus entstanden. Aber 
einige foasile Konchylien besitsen Bigenthümlichkeiten 
der Bildung, welche auch eine eigenthümliche Organisa- 
tion des Thieres, abweichend von allen Torigen, an- 
tieuten. Sie gehören zwei verschiedenen Arten an, und 
haben im Allgemeinen die Form des Geschlechtes Oa- 
puhis (Püeopsia Lam.^, so dafs die eine dieser Arten 
bei oberfliohlicher Untersuchung selbst mit Capuüss 
Hungaricus yermischt worden zu seyn scheint. Ihre 



— 4*8 — 

l*onii bt demnach eine Mütxenform mit sdiwacher , in 
senkrechter Fliehe nach Tom liegender Windung. ITehri- 
gena ist bei beiden Gesdilechtem die Form nnd inabc'^ 
sondere die des Randea etwaa nnregelmafsig, weil der 
letitere sich an die anfälligen Unebenheiten der Unter- 
lage überall fest anschliefseu mufs , ohne jedoch darauf 
festzuwachsen, sondern so, dafs die Schaale nach dem 
Willen des Thieres aufgehoben und wieder fest ange- 
drückt werden kann. Die zufälligen Biegungen des Ran« 
des scheinen zwar bei jedem IndiTiduum dadurch etwas 
Geregeltes erhalten an müssen, dafs das Thier die 
Stelle des Felsens n. s. w., worauf es einmal sitzt, 
wenig oder nicht indert Andrerseits jedoch vergröfsevi 
sich , so lange das Thier zuwachst, der Umfang ron 
der Basis der Schaale fortwihrend, so dafs er allmihUeh 
ganz andere Theile der Unterlage berühren , also auch 
allmihlich sich immer wieder daran anpassen und daher 
•eine. Form Indem mufs , wefshalb denn die Form und 
'sogar die Znwachsstreifiing weder an allen Individaen 
einer Art gleich, noch selbst letztre an den einzelnen 
Individuen parallel seyn kann. Nun aber haben die 
zwei hier zu beschreibende Arten das Bigenthümlidie 
zur Unterscheidung tou den wirklichen CSaptf&w-Arten, 
dafs stets auf der linken ^Seite eine aufwärts ausgeho* 
gene Stelle des Randes vorkömmt, welche sich bei allen 
Individuen und in jedem Alter — wie verschiedene 
Exemplare und die Zuwachsstreifung lehren — erhalt^ 
welche demnach von der Form der Unterlage nicht ab- 
hangig war, darauf nicht aufruhte, und höchst wahr- 
scheinlich dazu bestimmt war, irgend ein Organ seitwärts 



\ ' 



-^ 4» — 

imter dem Rasde hervortreten aa lassen , wUiremd der^* 
selbe an den übrigen Stellen anfisafs. Nodi etwas mehr 
nach vom sieht eine dllgedrückte Falte Ton dem Rande 
an aufwärts bis gegen die Sfpitse. Der Mnsknlardndruck 
Ist übrigens hufeisenförmig, liegt auch an derselben 
Stelle, wie bei Captdus^ nämlich unter der spiralförmig 
eingebogenen iSpitze, und zieht sich auf der linken Seite 
bis an oder unter die ausgebogene Stelle des Randes, 
ich bilde demnach aus den beiden e];wähnten Arten ein 
eigenes Geschlecht, dessen Namen an den thätigen, 
auf mühsamer Forschungsreise uns zu frühe entrissenen 
Brocchi erinnern soll, welchem wir aufser andern nütz* 
liehen Arbeiten auch die treffliche Conchioiogia foasäe 
subapennma verdanken. 

Brocchia nob. 

Char. esseni. Tetta waDabüj oblique et inflato* 
eomea^ ealyptraeformi^ apice antroreum epiraUter 
meurvoj apirae piano eubpetpendieulari ^ margmi 
anteriori immmente. Aperturae eubrotundatae margo 
smister emu amplo escisus, Plica impressa einum mter 
et marginem anteriorem apicem versus ascendens. 
Itnpressio muscularis elongata^ arcuata^ transversa^ 
intus ad Hmbum anticum. 

Species 1. Br, sinuosa nob. testae totere antico et 
dextro plicis complurtbus verticalibus exdrato. 

Synon. Br. sinuosa (nob.) v. Leonhaiu». Zeit- 
schrift 1827. II. p. S38. Patella sinuosa 
Brocchi conchiol. subap. II. p. 257. Tf. L flg. 1. 
Pilopsis sinuosa (^Koenio) icon. sectH. I. p.4k. 
Tf. VII flg. 87. 




tiotrc ei destro pÜeiB ibMÜhit^* 
leom: Tb. UL ßg. 1. a. h.\ 
HmhiU . . . ? fomSIUy emm prmecedmU^ rmrmr. 

Ab dritte Art gehoTt wahncheialich faia« Püeoptm 
ifeituta 80W. mk eamdL YL 8St. TT. WT. %. 1 — & 



XXX. 

Diplodonta, 

ein neues Muschelgeschlecht aus der 
Familie der Nymphaceen. Lamk. 

Taf. III. Fig. 2. 



Obschon gewöhnlich einer verschiedenen Organisation 

der Mollusken auch ein verschiedener Bau ihrer Schaa- 

• 

len entspricht, so finden sich doch auch nicht seltene 
•Fälle , wo eines von beiden nur allein eine abweichende 
Bildung besitzt. Auch stehen selbst die konstanteren 
Bildungs-Verschiedenheiten der Schaale nicht immer in 
nothwendiger Beziehung zu den Organisations-Verschie« 
denheiten des Thieres, sie sind nicht immer durch 
letztere bedingt , und man könunt daher bei Untersu- 
chung der fossilen Weichthierreste häufig in den Fall 
der Unsicherheit, ob man wegen gewisser Abweichungen 
des Baues der Schaale auf einen besonderen Geschlechts- 
Charakter in der Or^^anisation des Thieres schliefsen 
dürfe, oder nicht. In solchen zweifelhaften Fällen nun 
machen Zoologie und Geognosie entgegengesetzte For- 
derungen au den beschreibenden systematischen Malaco- 
logen. Die Zoologie fordert*ihn auf, die Zahl derThier- 
geschlechter nicht wegen einiger Abweichungen in den 

Bronn, Beiae II. 31 



THtanoieni der ivlseni imoTganfadieB TlieOe lin^C 
wieder nntergegangener Erdbewehner m TerndBkügeOj 
da nicht bewiesen werden könne, dab diese letsteni 
wirUidi ancli besondem Gesciilechtem angehörten, und 
da ja doch die weientUekem Merlunale dieser Gesdüech- 
ter nicht bel^anal seyen, noch bekannt werden würden. 
Die Geognosie aber ertragt es eher, dafs nahe ver- 
wandte Arten unter verscliiedene Geschlechtsnamen ge- 
stellt , als dafs nicht verwandte Arten unter gleichen 
Geschlechtsnamen begriffen werden. Sie will lieber, 
dars swei Arten desselben Geschlechtes unter zweierlei 
Geschlechts-Benennung beim Thonschiefer und Jnrakalke 
z. B. aufgeführt werden» als dafs man in beiden For- 
mationen zwei einander sehr fremde Arten mit gleichem 
Geschlechtsnamen bezeichne , weil nämlich im enteren 
Falle der zoologische Charakter von beiderlei Formatio- 
nen sich bestimmter ausdrucken lafst Aus diesem 
Grunde trennt der Geologe Euomphahts von TVocitfs, 
weil ersterer vielleicht nur im Uebergangsgebirge vor- 
kommt, letzterer aber in Kreide und tertiären Gebil- 
den, so wie in der noch lebenden Schöpfung häufig 
auftritt; Während der Zoologe von obenerwähnter An- 
sicht ausgehend lieber beide Geschlechter* mit einander 
vereinigt lafst. So lafst er auch Ceritkium und Pota- 
mides verbunden, obschon jenes im offenen Meere, 
dieser aba" an der Mündung der Flüsse lebt, wahrend 
der Geognost beide trennt, um die See- und Süfswas- 
ser- Bildungen besser charakterisiren und erkennen zu 
können. Das Gleiche findet bei Nerüa und Nerüma 
Statt. Dieses Verhältnifs bestimmt auch mich, zwei 



— 483 — 

Mttsehelarten aus Italien lieber als besoaderc« 
Genus anfsugtelleii > als sie irgend einem andern ver- 
wandten Gresclilechte, dessen Charaktere überdiers doch 
erst etwas geändert werden müfsten, beisufiigen. 

Der ^Charakter dieses Geschlechtes ist auf ziemlich 
indifferente Merkmale gegründet. Ks gehört an d^n 
Dmyarien , und bietet nicht die vorstechenden Kenn- 
xeichen, wie die Geschlechter der ganzen Abtheilnng 
der Crassipeden und Lameüipeden^ sondern schliefst 
sich an die Tenuipeden^ Unterabtheilnng mit äufser* 
liebem Ligamente , an. Es gehört auch nicht zu jener 
Familie der Tenuipeden, welche be Lamark Lithopha* 
gen nennt, indem die Schaale fast rund, Tolikommen 
regelmafsig und ohne klaffenden Rand ist, und mufs 
folglich zur grofsen Familie der Nymphaceen gebracht 
werden, wo die frei liegende, gleichklappige, regelmas- 
sige Schaale wenig oder gar nicht klafft, ein aufser« 
liebes Band , und in jeder Schaale nur höchstens zwei 
einfache, regelmäfsige, ungezähnelte, regelmSfsfg stehende 
Schlofszähne besitzt. Es gehört nicht zu Sangumolanäj 
Psammobüi^ Paammotaea oder Tellmides Lamabck's, weil 
die Schaale am Rande nicht klafft^ noch zu Tellina^ Tel-' 
limdes^ Carbi» ^ Lucina oder Donas Laiharck's, weil . 
sie keine Seitenzähne besitzt, und nähert sich daher 
mehr den Geschlechtern Capsa und Craseina Lam. 
(^jistarte Sow., Nicania Leach) und Macoma Lbacb^ 
welche BtAumLLB alle unter fVitt«^ vereiniget. Aufserdem 
weicht es noch durch die gröfsre Zahl der Schlofszähne 
(beiderseits 2) von Psammobia^ Psammotaea und Macoma 
ab, durch die Form der Schaale von &}i2^ttfl»o/aria, durch 



— 484 — 

den Mangel der randlicben Falte von Tellina und (hr- 
Mr ^ , durch die nicht abgekürzte Hinterseite von Do* 
ftas, durch den nicht verlängerten vordem Musknlar- 
Eändmk von Lucina ab, bei der übrigens die Seiten- 
iihne auch oft verschwinden und die Beschaffenheit der 
SIhne gleich, die Form der Schaale ähnlich ist. Bei 
genauerer Untersuchung des Muskeleindmckes wurden 
vlelldcht noch einige bisherige Luema- Arten mit dem 
gegenwärtigen Oeschlechte vereinigt werden müssen. 
Von Capsä und Astttfte aber unterscheidet sich dieses 
SeHcUecht dadurch, dafs in beiden Klappen zwei gleiche 
Sdblofasähne sind, von den meisten Agtarte-hrien noch 
durch den nicht gekerbten Rand. In jeder iQappe ist 
einer von beiden Zähnen zweithcilig. Dieses GeschJecAt 
ReTse sich demnach auf folgende Art charakterisiren. 

Diplodonta n. g. 

Ckaraet, essent. Testa libera , bwalvis , aequwal- 
^ vis ^ regularis, maequüatera ^ trigono-orbicularü, 
clausa. Ligamentum esternum.' Dentes cardinales 
utrmque duo^ subaequales / reguläres ^ regularüer 
posüi välvae destrae posterior et emistrae antertor 
bißdi. Dentes kUerales nulU, Impr^ssi&nes muscu- 
lares duae magmte; palUaris simples. 
Synonyma: Veneris spp. Bmoccni chonchoL 
subapenn. 



* De^n auch Corbis beutzt die Falte , wie Tellina bei 
allen fossilen Arten, nur etwas undeutlicher; wie denn auch 
LimiiiCR «le bei der lebenden Corhi» fMrriata als znfßlfig Tor- 
•kMBiiieiid anfuhrt. B«ide Geschlechter sind daher nach der 
Schaale allein wohl nicht zu unterscheiden , zumal da jcae 
selbst bei manchen Telliaen sehr undeutlich wird. 



' ' _ 185" _ 

I 

Spee$e8 1. B. lupin us nob, QVenus lupinut 

Bmoconi. l c. Wp. 063. Taf. XIV. flg. 8.^ mar- 

gme Cardmali fere rectiUneo, 
Habit, in mari mediterraneo ; fosaüis m formatione 

tertiaria mbapennina agri Piacentini et PedemMi" 

tauK Praecedente dnmdw mmcr. 
2. p. trigonUla n, 8p. margine cardmali intua 

rotundato^ extus in umbcnem rectangulum producta^ 
Habit. . , .? fossilis cum .praecedente. 



XXXI. 

lieber 

die Zuwachs - Vefhältoisse der 
JBo/anti« - Schaalen. * 

Taf. IV. 



Ai» ich mich mit der UntersachuDj^ vider fosdlen, om 
Jlsti und Piaeenza gesammelten Reste aus dem Bcdamu- 
Geschlechte beschäftigte, war ich in Verlegenheit, be- 
ständige und in die Augen fallende Art-Charaktere dar- 
an aufzufinden. Zwar war die Farbe in lielen dersel- 
ben sehr gut erhalten, aber bei manchen Indinduen, 
offenbar lu gleicher Art gehörig mit den vorigen , war 
sie erloschen, indem die ganze Schaale schwärzlich ge- 
worden war. Die Deckel zeigen, je nach den Arten, 
oft einige, sehr beständige Unterschiede der Form; 
aber nur seltener kann man sie noch lose im Inneren 
^ aufiinden. Die Form der ganzen äufseren Schaale imd 
die ihrer einzelnen Klappen ist vielem Wechsel unter- 
worfen, vorzüglich von der Unterlage abhängig. So 
hoffte ich dennoch in der Beschaffenheit der Ober- 
fläche gute Kennzeichen aufzufinden, dem Typus der 



* Während des Abdruckes finde loh , dafs auch Dbfk^ncb 
in AmwX. d. scienc. nat. 1824 (U, 16—200 ähnliche Beoh^ 
achtangen znsammeiigestellt hat, doch ohne* zu einer klaren 
Ansicht der Sache namentlich bei den Balanen zu gelangen, 
deren Wachsthums-Art noch nicht recht bekannt seyc; Sogar 
die Farben ihrer Unterlage scheinen manche aufgewachsene 
Konchylien zu koplren. 



— 48» ■;- 

Art entsprecliend; aber wider Erwarten fand idi aucli 
diese theiiweise in fester Beziehung aar Unterlage 
stehend^ und da nun manche Balanen-Arten sich vorxngs- 
weise, wenigstens in gewissen Lakalitaten, nur auf diese 
oder jene andre Konchylienart befestigen, so war die 
Bfodification der Oberfläche der Baianen auch Ton einer 
gewissen Beständigkeit. Diese Beobachtungen^ und der 
Umstand, dafs ein gröfseres Individuum während dersel- , 
ben sehr glücklich in die sechs Klappen zerfiel, aus wel- 
chen diese Schaalen zusammengesetzt sind, veranlafstea 
mich «1 weiteren Untersuchungen, die ich jedoch fast 
alle nuir an fossilen Exemplaren anznstdlea im Stand« 
war, indem mir bei den lebenden Arten die Exemplare ^ 
nicht so in Menge zu Gebote stehen, um^ umfassendre 
Vergldchungen machen zu können. Es ergiebl sich da- 
durch , aufser dem Emflufs der Unterlage auf die Bil- 
dung der Oberfläche j die Riektigkeit einer ven Bnu" 
GUiJkMB aufgestellten Ansicht über dae fFaeksthumsver" 
hältnifs der Schaale^ durch eine neue Beebachhtiig 
nachgewiesen^ gegen eine spätre einsieht van CunxM; 
wobei ich noch die Gelegenheit benütze, dem Publikum 
den Bau der Baianus -^haalen durch Zeichnung ihrer 
einzelnen Theile deutlicher, ak bisher geschehen, vor 
Augen zu legen. 

Die Baianen gehören nothwendig zu den unregel- 
mäfsigen Eonchylien. Denn, mit der Oberfläche der 
Schaale selbst auf fremde Seekörper von frühester Ju- 
gend angewachsen, sind sie in dertAusbreitung der er* 
sten bei weiterer Entwicklung abhängig von der Form 
der Unterlage und von den verschiedenen Hindernissen, 



üe sie eaiweder sdion an derselben vorfinden, oder 
dfe. durdi deren eigne Eni Wickelung oder Ortsverande- 
mBg derselben 'für sie noch entstehen können. Bi- 
ntge Arten jedoch leben meist isolirt, andre stets in 
dichten Gruppen beisammen. Letztre beschränken sich 
wechselseitig in ihrer Ausdehnung, indem sie grofser 
werden ; erstre sind Wesem Einflüsse nicht , sondern nur 
solchen Ton mehr zufalliger Art unterworfen. . Manche 
setien sich immer auf der Oberfläche gröfserer Indivi- 
duen ihrer, eignen Art an. Eine Species, die ich B. 
peetiaarms nenne, und welche Kuobr schon abgebildet,* 
kommt immer nur auf Pecten flabelltfornUB nob, ( Ogtrea 
ßabeU^arnUa Baocc.) vor* \Endlich findet sich eine Art 
mit stets gut erhaltener Farbe, die sich immer nur auf 
der Spitze der Windung andrer Kouchylien oder auf 
isonst spitzen Körpern ansetzt, daher nur isolirt tot- 
kömmt, eine stets eingedruckte Basis hat, und defsbalb 
von mir j9. concavus genaont worden. '*''*' Diese Thiere 
haben eine mehr oder weniger starke Neigung, die hori- 
«ontale Lage zu behfiupten. Senkt sich daher der Kör- 
fcr, an, welchem ,sie ansitzen, während ihres Wachs- 
thamS|. einseitig, so erhalten sie eine aufwärts gebogene 
Form. — Aufser der stärkeren oder feineren Längen-, 
streifung ihrer Oberfläche findet sich daselbst noch 



* Kkobb Sammlung von Merkwürdigkeiten der Natur und 
de« Alterthams (Nürnberg, fol.) II« ii. Taf. K. 1. fig. 1. 

♦• Ebend. fig. 6. X 
Diese Art findet sich auch in fossilen Exeoiplaren in der 
^weiten Lieferung der geognostisch - petrefoctologischen Samm- 
lungen des Hddelberger Mineralien-Comptoirs. 



— 489 — 

eine meist sehr feine Quetstreifuug', TÖm stofenweisen 
Zuwachsen der Schaale herrührend (Zuwacfasstrelfmig), 
in weicher sich die Oberfläche der Unterlage of t anf 
sehr eigenthümliche W^e abspiegelt, und zn deren Er- 
klämngnöthig wird, anf einige anatomische Verhältnisse 
der Schaale des Thieres einzugehen. 

Erstres ist schon von BrugciIir^ sehr genau besehrie« 
ben.* Ich werde mich daher nur darauf bäscfaränken^eiiiü 
Zeichnung der Schaale von Bnkmtis sulcatus Lübi.'^''' (auf 
Taf.IV.) zu geben ^ und das iVöthige zu deren Erklärung 
beizufügen. Die äufsre Schaale ^on abgestutzt kegelförmiger 
Gestalt ist gebildet Ton sechs gleichscheiüclig dreieckigen 
Klappen , deren Basis die schmälste dei^ drei Seiten ist. 
Eine hintre, eine vordere und zwei an den Seiten stehende 
sind gewöhnlich breiter als die zwei anderen seittichenKlap- 
pen; alle aber sind mit ihren Spitzen ungefähr in gleicher 
Höhe gelegen. Unten liegen diese Klappen mit ihren Rfin« 
dern aneinander, verschmälern sich aber am obem EiiMle 
Tiel schneller, so dafs diese End^i als dbensovieleSpiteen. 
Ton einander abstehen. Die Klappen sind: oft> je nachdem 
der Typus der 'Art solches mit sich bringt, der Länge 
nach gefurcht öder gestreift, mit oben convergireucten 
Furchen oder Streifen, oder sie sind glatt Afiui mufs 
jede Klappe ansehen, als aus dreierlei S^hicfat^i zuisam* 
mengesetzt. Die äufsre, welche ich Rindenschichte nen* 
nen will, ist dünn, aber dichte von unten nadh oben 



* Encyclopddie methodique. -^ Hi«toire naturell« des VerB. 
vol. VI. (Paris IWJ. 4.) p. 161. 

Knor» 1. c. Taf. K. %. 4 5. 



«* 



■ich gMdhföni4s mspitieiid , so dab nur die Basen 
diesor «ecbs Rindensehichteii dch van beiden Seiten be- 
fihren, aber nach oben aich immer weiter mit ihren 
Bindern von einande-r entfernen. — Die Mittel-Schichte 
ist die dickste, von unten nach oben ans lauter verlän- 
gert pyramidformigen Röhrchen zusammengesetat, welche 
an der Spitie kouTergireu, oben jedoch nur in halb so 
starke Aniahl Vorhanden sind, als an der Basis, and 
nur durch sehr dünne Lamellen von einander getrennt 
werden, welche sich einwärts verdicken und nach einer 
Seite umlegen, um so die Röhrchen von jener Seite 
zu scfaliefsen, wihrend dazu von aufsen die Rinden- 
schichte beitragt An Stellen aber , wo sie sidi nicht 
findet, ist es, wie an der hmern Oberflache. Dean 
diese Sdiidite nimmt in jeder Klappe einen viel brei- 
teren Raum ein, als die vorige, ihre beiden Seitenran- 
der laufen bis in die Nahe des obern Endes jeder Klappe 
unter spitzerem, dann aber unter stumpferem Winkel 
zusammen , so daTs sie die Lucken , welche die Rander 
der Rmdenschichte übriggelassen , fast in der ganzen 
Höhe der Schaale schliefsen. Jene beiden Sdtenfander 
Bind mit zahlreichen, feinen, queerziehenden Kerben 
versehen, wodurch sie sich, wie manche Knochen: durch 
Nahte, aneinanderfügen und befest^en. * Unten sind alle 



* GuTus spricht von Arten, wo die Klappen nicht durch 
gekerbte Nähte aneinandergefügt, sondern mit mnander an 
den Rändern verwachsen seyen, deren ich jedoch keine kenne. 
Memoire snr les Animaux des Anatifes et des Balanes. p. 15. ; 
eingeruckt in M^moires du musdum d^histoire naturelle. II 
Paris 1815. p. 85 — 101 ; und in seinen M^moires pour servir 
k Fhistoire et a Tanatomie des MoUasques. Paris 18X7. 4.^* 



— 401 — 

jene RShrchen nach Innen su offen, und «ndi diei^ 
Kerben ' scheinen mit den Rohrchen doreh sehr feine 
Oeflhongen in horisontaler Verbindnng; su stehen. Ihre 
Anzahl ist jedoch bei weitem profser, als die der S5hr« 
chen. — Die dritte oder innre Schichte endlidi geht von 
der Spitze der Klappen an nur bis zur Hlifte ihrer 
Höhe herab, und ihre innre Oberfliche hat eine viel 
senkrechtere Stellung, als die 2 andern Schichten selbst 
Daher bewirkt sie eine bedeutende Verengerung des 
Cfehäuses bis zur Mitte herab. Sie ist nur oberwirts 
fest mit der Mittelschichte verbunden, unten erscheint 
sie als Dupllkatur von derselben getrennt. Von der einen 
der breiten Klappen (Flg. 6.) breitet sie sich zu beiden 
Seiten so sehr aus, dafs sie die innre FKche der zwei / 
schmalen Seitenklappen oben ganz überdeckt. Von diesen 
zweien (5.) dagegen setzt die innre Schichte bedeutend 
über die innre Seite der zwei anliegenden breiten Sei* 
tenklappen Falzen-ähnllch hinweg. Eben so legen sieh 
diese f^4.) wieder mit dem entgegengesetzten Hände bei- 
derseits über die sechste Klappe (S.) herein, wo dann die 
innre Schichte viel schmaler ist, als der übrige Theil der 
Klappe. Die Rander dieser Innern Schichte sind nidit 
gekerbt. — Dieser abgestutzte Kegel steht bei den eigent- 
lichen Baianus -Arten '*') auf einem ihni analog gebau- 
ten Boden (2.^ , der aus lauter strahlenförmig di?er^- 
renden, ebenfalls verlängert pyramidformiger Rdhrchen 
zusammengesetzt ist Diese Röhrchen sind durch dünne 



* Nicht bei Lepaa depres9a und L. «leOato FoLX (Testacea 
utriusque Siciliae. Tom. I. Fannac 1791. fol. p, 27. u. p. 29* 



— «12 — 

Lanellea getrennt, von oben ond nnten geseUossen und 
«n der Peripherie offen, mit yorstehenden Leisten, 
swischen welchen jener abgestutzte hohle Kegel ndt 
seinem unteren Hände eingelenkt und so daran festge- 
halten ist, wie sich die Klappen wechselseilig durch 
(hre gekerbten Ränder festhalten« 

In diesem Gehäuse nun sitst das Thier, * vom Mantel 
umschlossen, welcher sich überall an die Wandungen 
des Gehäuses anlegt , am Boden und herauf bis sum 
unteren Rande der Innern Schaalenschichte* Von dort 
aber tritt er nach der Mitte zurück, und schlieist vier 
beweglich aneinandergefügte Klappen in sich ein, zwi- 
schen Haut und Oberhaut, wie es bei andern Testaceeu 
auch der. Fall, und durch welche ein stumpf- und 
aehief - pyramidförmiger Deckel gebildet wird , der die 
Schaale Innerhalb ihrer oberen Oeffnuog vollends schliefst, 
durch . welchen aber dann die Organe desThieres her- 
vortreten können. An zweien dieser Deckel -Klappen 
sind Muskeln befestigt, welche sie mit der äufseren 
Schaale verbinden. Diese Deckelklappen wachsen nun, 
w^e auch die anderen unter der Oberhaut des Thieres 
liegenden Konchylien, durch Ausscheidung und schichten- 
weise Absetzung kalkiger Masse durch Vermittlung des 
Mantels, so nämlich, dafs immer die neue Kalkscbiebte 
sich innerhalb der alten absetzt , und an einem Tbeil 
des Randes vor der früheren weiter vorspringt. Dieser 
Theil des Randes ist nun hier der untre. Eigentbüm* 
licher Art aber ist das Zuwachsen des äurseren Theiles 



* FoLi und CvTiBB a. d, O« 



— 49S — 

des Gehäfises. Das Thier nämlich erweitert den Böden 
desselben dadnrch, dafs es fortdauernd sammtliehe 
strahlenförmige Rohrchen, woraus er zusammengesetzt ist, 
an der Peripherie verlängert, wodurch der Boden eine 
konzentrische Streuung erhält Da aber der Boden so- 
mit gröfser werden würde, als die untere Peripherie 
der äufsern Wände, so werden auf ganz ähnliche Weise 
auch diese verlängert, wodurch ihr Umfang, wegen der 
kegelförmigen Gestalt des Ganzen, ebenfalls vergröfsert 
werden mufs. Die Absetzung der Kalkmasse soll nach 
GuviEB unter Vermittelung kleiner , von ihm aber nicht 
anatomisch nachgewiesener Fortsätze des Mantels vor 
sich gehen, die sich in die Röhrchen der Wandung 
durch die erwähnten Mündungen derselben an der inne- 
ren Basis inseriren. Bbuouiirrb hatte eben solche faden- 
förmige Fortsätze supponirt, die sich in jene Oefihun- 
gen hineinziehen sollten, aber nur zur Befestigong des 
Thieres. "^ Er wurde zu dieser Annahme lediglieh durch 
die Unbekanntschaft der Funktion jener Röhrdien ge- 
leitet Indem also am unteren Riihde der Wildungen 
immer ein Stück um das andere angefügt wird, so ent- 
stehen auf diesen letztern, änßierlich besonders, ^eer^ 
streifen 9 den konzentrischen Zuwachsstreifen des Bo- 
dens entsprechend. Diese Queerstreifen nun sind je nach 
Verschiedenheit der Art mehr oder minder stark. So 
lange die Bodenfläche sich nun auf einer ganz ebenen 
glatten Unterlage ausbreitet, so lange sind sie auch ho<- 
rizonlal und unter sich parallel. Senkt sidi der Boden 



** Bbvg. in der £ncycl, a. a. O. 



- 1 



~ 4Ö6 — 

derIeD, schon 13 Jahre früher die Sache ganz getreu in 
der Encyclop^die m^thodique beschrieben. * Nämlich 
die Erweiterung der obern Oeffnung wird dadurch be- 
wirkt, dafs die sedis, den abgestutzten Kegel biidendeii 
Klappen, während sie sich von unten verlängern, auch 
an beiden Seitenrändern ausbreiten. Diese Ausbreitung 
geschieht nur an, den gekerbten Rändern der Mittel- 
sdlichte, und der ganze beiderseits der Rindenschichte 
vorstehende Theil derselben ist lediglich auf diese Weise 
^mäfaliGh gebildet worden. Diese Theile. sind an den 
obersten Punkten, mit welchen die Klappen sich anein- 
anderlegen, am breitesten, nicht als ob sie dort schneller 
wachsen , sondern weil sie dort schon am frühesten sich 
8U bilden angefangen haben, wodurch die kegelförmigen 
Schaatenmit dem Alter stets zylindrischer werden müs- 
sen. Denn diese Kerben, im Fall sie auch die bidier 
angegebene Funktion wirklich haben sollten (eine ge- 
kerble Naht zu festerem Zusammenhalt der Klappen zu 
biideii)y . sind nichts als die Endpunkte sehr schief und 
;eiBn Theile selbst horizontal liegender Lamellen, zwi* 

* 

«chea . weicht! sehr zahlreiche enge Kanälchen von 
jenen nach der Spitze heraufziehenden Rohrcheo nach 
dm Seitenrändern hin veriaufen. Sie haben daher 
«w^fels(dme die Funktion > die Säfte hieher zu führen, 
danut durdi Absetzung von Kalkmasae aus denselben 
Iperade 80 wie am nntern Rande, dne Ausbreitung der 
üspfeat an den Seiten möglich werde. Den Zusam- 
mie&haig dieser sdiiefen Kanal^oi mit j^nen, die nach 



* Encyl. m^thod. a. a. O, S. 161 bis 162. 



— 497 ^ 

der Spitse der Klappen sieben^ lehrten ans Injektionen 
mit gefärbten Flüssigkeiten. Brugui&eb batte diese nach 
den Rändern ziehenden Lamellen und Röhrchen nicht 
gekannt und folglich sie nicht sur Erklärung des ton 
ihm sonst Beobachteten benützen können. Auch wird 
sich nunmehr die spätere CcTiBR'sche Hypothese * ron 
selbst beseitigen, wornach die Erweiterung der oberen 
Oeffnung durch eine successive Zerstörung dies obern 
Theiles der Schaale yermitteist einer abreibenden Be^ 
wegung (frottement^ der Deckelklappen (^mechanisch 
siso ! Wo in aller Welt hat man je etwas Analoges be- 
obachtet? **) Yor sich gehen sollte, weil bei den Arten 
mit yerwachsenen äufsern KlappeA eine andre Erklä- 
mngsweise unmöglich, bei den mit einer sogenannten 
Naht an den Klappen rersehenen Arten aber der Vor- 
gang doch wohl im Wesentlichen übereinstimmend seyn 
müsse. Ich gestehe nun, daf# fch die Arten mit Ter- 

* „C*e8t mdme le seul niöyen , que Tesprit puisse admettre 
dans les esp^ce», dont 16 tube calcaire n^a point des suturet 
longitadinale«'' M^moirj) etc. 1. c« p. 15. 

* HaHi3 man ja doch die Aushöhlung Ton Kallcfelsen durch 
mechaifitche Reibung der Kalkschaalen verschiedener Mollus- 
ken (Pholas, Gastrochaena, Saxicava, Yenernpis, Lithodomus) 
erldaren wollen. 

Die Möglichkeit ist nun freilich bei ungefähr gleicher 
Härte beider Stoffe, bei der oft mit dünnen Spitzen und einer 
sarten Epidermis bedeckten Oberfläche dieser Schaalen gar 
nicht einzusehen. Und dann kann ich wenigstens Tcrsichem , 
dafs die Schaalen einiger Arca-Artcn, welche die 'von den Fi- 
schern aufgeklopften Höhlen der Lithodomen bezogen und sich 
darinn mit dem B jssus befestigt hatten, durch die Bewegung , 
welche die Unruhe des Meeres hervorbringen mochte , äufser- 
lieh selbst ganz abgerieben waren» 

Brom, tiei9€. IX. 82 



i 

I 

wachsenen Klappen nicht kenne. Nachdem aber die 
Sache bei den anderen ausgemacht ist , so darf man 
woU jetat umgekehrt ^chliefsen, dafs der Vorgang auch 
bei jenen mit verwachsenen Klappen irgend analog seyn 
müsse. Es bliebe daher nochmals zu untersuchen, ob 
es solche Terwachsene Klappen wirklich gebe? und ob 
sie nicht etwa erst dann verwachsen, wenn die Schaale 
ihre endliche Gröfse schon erreicht hat? Dafs die Kerben 
der Seitenr&nder der Klappen nicht hauptsächlich eine 
nahtförmige Verbindung hervorbringen sollen, sondern 
dafs die Lamellen, deren Endpunkte sie sind, vielmehr 
die Klappen in verlängerte Röhrchen zur Leitung der 
Säfte abzutheilen bestimmt sind, geht auch aus dem 
Umstände herifor, dafs diese Kerben auch am obersten 
Theile des Randes der Mitt^lschichte noch vorhanden 
sind , wo die Klappen gar nicht mehr miteinander in 
Berührung stehen, sondern den winkelig ausgeschnitte- 
nen Rand der Oeffnung bilden. Ich begreife auch schwer, 
wie man diese äufsre Schaale im Gegensatz des Bekels 
unorganisirt nennen dürfe, sollte ich selbst auch aufser 
Stande sejn, die Fortsetzung organisirter Theile in 
diese Schaale nachzuweisen. 

So wächst die Rindenschichte lediglich in die Höhe 
durch Ansatz neuer Kalkmasse von unten. Die Mittel- 
Schichte wächst eben so , aber auch von beiden Seiten- 
randern aus in die Qneere, was jedoch bei den schmä- 
lern Klappen auf einer Seite oft nur ganz unmericlich 
ist Die innere Schichte aber wächst abwärts. Die An- 
Setzung der Kalkmasse geschieht ebenfalls von unten; aber 
da die Schichte von der Spitze der Klappen^ wpsie ange- 



— 499 — 

wachsen ist, immer mehr über den Boden emporgehoben 
wird , so findet sie Raum ihrerseits wieder nach unten 
▼orzurücken. Aufserdem aber, wie die Zuwachsstreifung 
verräth, die zuweilen sehr elegant ist (B. concavuiy 
wächst sie auch an einen oder an zweien ihrer Seiten- 
ränder , je nach der Stellung der yerschiedenei» Klappen, 
hk die Breite. Wie Deckelklappen wachsen hauptsächlich 
nach unten. Der Boden nach der Peripherie. *) 

Cdtier verglich die Weise des Wachsthums der g^ 
wohnlichen Eonchjlien der der einfachen , aber die de^ 
Balanenschaalen jener der von ihm sogenannten zusammen- 
gesetzten Zähne, wie ron Diodon und Tetraodon**^ in- 



^ 

* RBAunuBE und Oliti haben über das Zuwachsen der 
Konchjlienschaalen beobachtet und gesdirieben, doch keiner 
dabei der Balanen gedacht. Gelegentlich sei es mir erlaubt, 
zu bemerken , dafs der letztre durch eine falsche Methode zu 
falschen Resultaten gelangt ist. Er fand die Zunahme in die 
Länge und Breite in unter sich gleicher, jene aber in die Dicke 
in einer beschleunigteren Proportion fortschreitend. Er fol- 
gerte dieses aus der Ausmessung der Länge, der Höhe und 
des Queerdurchmessers in Terschiedenen Wachsthumsperioden. 
Er hätte aber zu richtiger Yergleichung nach den drei Dimen- 
sionen die Breite und Länge über die Wölbu i^g messen 
müssen. Da die Schaale »ach der Länge und Breite sich mit 
. dem Alter immer mehr einwärts krümmt^ so mufs die Zunahme 
in einer spätem Periode , wenn sie auch mit der in einer 
früheren absolut gleich ist, doch den Längen- und Breiten- 
Durchmesser weniger, aber den Quccrdurchmesser beträchtlich 
stärker yermehren , und letzterer wächst gegen erstere , also 
nicht blofs in einem zufällig starkem , sondern nothwendig in 
amgekeh]:tem Verhältnisse. ( YgL Oliwi Zoologia adriatica. 
Bassano 1792. ^ol. p, U — 38.) 

** CuTiBB Legons d'anatomie comparee HL p. 114 und 125; 
11. S. 100 — 112 von Mbckbl's Uebersetzang. 



— Mo- 
dem auch diese aus einer Menge ron Rinde nmachlo«- 
•ener Röhrchen bestehen. Indessen Ist ihre Wachsthnms* 
weise nicht so zusammengesetzt, als selbst nur bei einer 
Klappe der iufseren Schaale der Balanen. 

Ich mufs mich begnügen,, die geometrischen Yer- 
indemngen derSchaalen wahrend ihres Wachsthums an« 
anzeigen. Die Physiologen, welche die Schaalen mit 
ihren Thieren frisch oder lebend beobachten können, 
mögen zeigen , welche Organe und auf welche Weise sie 
bei Absetzung der Kalkmaterie aufser- der Peripherie 
des eigentlichen Thierkörpers thatig seyen. 



Erklärung der Abbildungen. 



Tafel IV. 



Fig. 1. Baianua peetinarius nob. auf der Schaale yon Peeteit 
flabeüiformis sitzend und den Eindruck oder die Abspie- 
gelung der strahlenförmigen Doppelfnrchen der Pekten- 
art auf seiner eignen Schaale zeigend. 

Fig. 3. Der Boden Ton Baiamts suleatus Lam. gebildet Ton 
strahlenförmig auslaufenden Lamellen ^ wodurch ebenso 
Tcrlaufende oft dichotomische an der Peripherie aus- 
mündende Röhrchen gebildet werden. In die, durch 
die LameUen gebildete Kerbung des Umfang« fugen sich 
die sechs Klappen mit ihrer Basis ein. 

Fig. 3. 3.* Die eine der am Ende stehenden symmetrischen 
Klappen Ton aiipRen und innen. Beiderseits am Rande 
sieht man die Mittelschichte mit ihren schieflaufenden 
Lamellen und Randkerben vor der Rindenschichte vor- 
stehen. An der inneren Seite liegt die hier sehr kleine 



— 601 — 

innre Schichte, die obere Hälfte einnehmend. Untea 
sieht man bei 3* die Mündung der aufrechtstehenden, 
-ron Lamellen gebildeten Röhrchen der Mittelschichte 
wie auch bei 4,* 5* u. 6/ 

Fig. 4. 4.* Bie eine der xwei breiten unsymmetrischen Seiten* 
klappen, welche beiderseits der vorigen liegen. Bei 4 
sieht man die Rindenschichte, links die vorspringende 
innere , rechts die vorspringende Mittelschichte. Bei 4* 
rechts und unten links die gekerbten Ränder der Mit- 
telschichte , oben die innre Schichte rechts vorspringend. 

Fig. 5. 5.* Die eine der zwei schmalen unsymmetrischen Seiten- 
klappen , welche auf die vorigen beiderseits folgen, von 
anfsen und innen Bei 5 die Rindenschicht, links die 
vorspringende innre j rechts die vorspringende Mittel- 
Schichte. Bei 5* links und unten rechts der gekerbte 
Rand der Mittelschichte, oben die innre Schichte rechta 
vorspringend. 

Fig. 6. 6.* Die am anderen Ende, der 3. 3.* gegenüber- 
stehende, symmetrische Klappe von aufsen und innen. 
Bei 6 die Rindenschichte, beiderseits mit vorstehender 
innerer Schicht. Bei 6* unten der gekerbte Rand der 
Mittelschichte, oben die innere Schichte. 



#♦ 



XXXII. 

I 

« 

Noch einige Anmerkungen über die Ge- 
schichte der Verschüttung von Hercu- 
lanum und Pompeji. * 



xiirst einige Zeit nach dem Drucke des ersten Bandes 
ward ich in Stand gesetzt^ diejenige Uebersetznng des 
dritten IdPPi'tchen Briefes an Wkrmbr nochmal nach-* 
loschlagen, welche Hr. Blobde im ersten Bande der 
,,Au$wahl aus den Schriften der Gesellschaft für. Mi- 
neralogie in Dresden (JLeipng 1818. a^" S. 67 — 125)'' 
mitgetheilt hat, und wobei er die entgegengesetzte ge- 
schichtliche Ansicht, dafs mehre Städte darch einen 
blofsen Aschenregen verschüttet worden, mit einiger 
Modifikation aufs Neue vertheidigt und durch naturwis- 
senschaftliche , zum Theile schon von der Akademie.in 
Neapel Torgebrachte, Gründe unterstützt. Ich erlaube 
mir daher, einige durch diese Lektüre veranlafste Be- 
merkungen hier noch nachfolgen zu lassen. 

Vor Allem gestehe ich, dafs liicht alle von Lippi 
aufgestelitei^ Beweise das ONMPge der Haltbarkeit an 
sich tragen, was ich in meinem obigen Auszuge nur mit 
Zeichen [?] anzudeuten für nöthig achtete. Ferner er- 

* Zu Seite 204 des 1. Bandes der Reise. 



— M» - 

imiäre ich, dsfs ich sellist die Gründe angefahrt, 
warum die Ansicht Lippi's für sich aliein nicht ansrei^ 
ehend seyn Icönne zu Ericlarun^ alier Phinomene; dafs 
aber gleichwohl die BLOBDü'schen Gegpengriinde mich 
nicht haben bewegen können, die, nach eigner Lokal- 
ansicht und aus den Lippi'schen Beobachtungen ge« 
schöpfte > E<rklärnngswei«ie zu verlassen, um zu einer 
andern überzugehen. Ich werde meine Bemerkungen 
theils aus den so eben angeführten Gründen, thctis um 
■icht zu weitläufig zu werden, auf wenige entscheidende 
Punkte und Berichtungen beschränken. 

Ir 

- Pliniüs sdieint zwar anzuzeigen, dafs jene Städte 
durch einen blofsen Regen von Asche und Steinen ver- 
schüttet worden. Lippi aber will, dafs die vom Vesuv 
ausgeworfenen Massen, hauptsächlich durch Regenwas- 
ser, von der ersten Lagerstätte hinweg über Herkula* 
num und Pompeji hingeschwemmt worden sejen. Blobdb 
dagegen tritt der ersteren Meinung bei, bemerkt jedoch, 
dafs durch lokaN vorkommende Flüssigkeit oder durch 
später sich einsenkendes Wasser noch manche Velrhält- 
nisse, wie namentlich die Erhärtung des an Kalk- und 
Puzzolanerde-reichen Gebirges haben herbeigeführt wer- 
den können. An Schlamm • Ergiefsungen zu denken , 
wie mehre Autoren wollen, erlaubt die Beschaffenheit 
der überdeckenden Massen nicht. 

Was nun Plinius anbelangt, so ist zu bemerken, 
dafs derselbe nicht näher an den Feauv, als bis in die 
Gegend des heutigen Caateüo a mare gekommen, dafs 
er. dort zwar einen starken Stein- und Aschenregen 
während des Ausbruches hat niederfallen sehen , auch 



ntehts vmk Wuser^Eegen «m ersten Tcge erwUint h- 
dessen hat er an den folgenden Tagen, schon vom Tode 
überrascht, nicht mehr beobachten können, und es ist 
bekannt, dafs die gleichzeitigen heftigsten Regenergies- 
snngen sich ganz auf die nächsten Umgebungen des Ye- 
sttTs beschrinken können , wie es 1689 wahrend dreier 
ganzen Tage geschehen: ein Fall, den Blobbb selbst 
anfahrt. Fand jener Aschen - und Stein-Regen zu Sia- 
büie Statt, so wird niemand liugnen wollen, dafa der- 
•dbe zu Pompeji und Hercuianum nicht noch atiiler 
gewesen seyn müsse. Erfolgten aber gleichzeitig , oder 
einen Tagen spMter, starke Wasserergiefsungen , so 
mufsten die auf den Strafsen jener Orte niedergefaOenen 
Massen wohl ebenso fortgeschwemmt werden, wie iie 
Ton höheren Punkten entnommenen durch das Wasser 
dahin gefuhrt wurden. — Obschon Lippi indefs mehr- 
mals bestimmt nur tou Regenwasser spricht , so könnte 
das Wasser doch auch ans dem Boden selbst hervor- 
gehoben worden seyn, wie das öftere Vorkommen meeri- 
scher Bivalven (^Negkbb) in analogen Schichten Termu- 
.then läfst. — Aus den geschichtlichen Nachrichten ist 
mithin wohl kein Beweifs gegen Lippi's Ansicht zu ent- 
nehmen. 

Aus dem Bemerkten ergiebt sich nun ferner, dafs 
die Annahme des Hrn. Blobdb , Pompeji habe nach der 
Geschichte seine einzige, Hercuhmum aber wenigstens 
seine erste Bedeckung durch einen blassen Aschenregen 
erhalten, nicht begründet ist. Auch lafst sich nicht mit 
ihm behaupten, dafs die Terschiedenen nachfolgenden 
Schichten bei Hercuianum vom Einstürze des K^els 



_ fi«5 — 

henrfthrten^ da thcjb die im Chmzea feine, znsamiiieft* 
gebackene Materie jener von Pompeji zu ähnlich ist» 
nm diesen Gedanken aufkommen zu lassen, theils M 
so schneller 'Verschnttnng zuverlafslg noch mehr Rlume 
hätten leer bleiben müssen, als bei dnem einfacheB 
Aschenregen. Auch fand keine Bedeckung durch Lavi^- 
ströme Statt, worüber alle Beobachter einig siujd, Q^ 
schon Hr. Blobsb sich S. M. zu dieser Annahme Iiia- 
neigt. Ueberhanpt würde derselbe in . dem Kommentar, 
welchen Lippi über obige Sätze gegen die Akademie in 
Neapel abgefafst, noch manche Erlänterung und Berich* 
ügnng haben finden können. Dieser Kommentar 8teht> ia 
der angef. Schrift (S. 167 — 293). 

Lippi längnet in seinem ersten Beweifsgrund alles 
Vorkommen vulkanischer Asche über beiden Städten. 
Wahrscheinlich will er indefs nur von Asche im reinen 
Zustande sprechen, wie sie an vielen Orten sich findet, 
während hier allerdings Bimsstein- und Lavastücke den 
weit vorwaltenden Be^tan^heü ausmachen , und die da« 
mit vermengte feinre Erde wenigstens theilweise duriil^ 
Reibung dieser abgerundeten Stücke entstanden seyn 
könnte. 

Dafis die Lava - und Bims-Stücke etwas abgerundete 
Kanten haben, wie Hr. Blobbe bemerkt, ist allerdings 
nicht zu übersehen. Indessen kann von den Meteor- 
steinen, deren Bildungsweise uns unbekannt ist, wahrlich 
kein Beweis hergenommen werden , dafs diese Abrun- 
düng nur auf dem durch die Luft genommenen Wege habe 
erfolgen können, und sie wird daher weit sichrer vqü 
der Reibung jener Steine, bei ihrem Fortrollen in Wasser 



flildirt werden« Venchieclen ht freilich die Ursache 
der Abnindnng bei den sogenannten Bomben , weiche , 
ans Terschiedenen Gesteinarten gebildet , hanfig zngieich 
konzentrisch -schädige Absonderungen zeigen. — Wenn 
Lippi den nnveranderten Znstand der zwischen den 
Bimsstein- und LaTa-Stücicen vorlcommenden Kallcsteine als 
Beweis ansieht, dafs beide erst von Wasser dnrchein* 
andergemengt werden iconnten, so bemht solches alier- 
dings anf der nnzuTerlafsigen Voranssetznng, dafis die 
Bimsstdn- und Lava-Stücice in noch flüssigem Zustande 
ausgeworfen worden. — Die Ausfüllung des Kellers in 
Pompeji^ des Theaters und der Wasserleitung in Her^ 
eulanum läfst sieh wolil auf keine Weise durch ein- 
fachen Aschen- und Rapillo-Regen erklären. Mag such 
die Asche 9 dem Schnee gleich, durch Terhiltnifsmäfsig 
kleine Seiten -Oeifnungen vom Winde in die genannten 
Räume geführt werden können, so läfst sich doch weder 
dasselbe auch von dem Rapillo aQnehmen, noch ist ein* 
ansehen, wie diese Räume dadurch ganz ausgefüllt werden 
ll^nnten : will man nicht behaupten, dafs die Ausfüllung 
regelmäfsig an den, von den Oeifnungen entferntesten, 
Orten angefangen habe, und alimählich bis zu diesen 
fortgeschritten seye. Diese Annahme widerspricht allen 
analogen Erfahrungen , und möchte namentlich bei der 
gedeclLten Wasserleitung ganz wegfallen müssen. Auch 
ist nicht zu übersehen, dafs nach Lippi die Ausfüllung 
in der Wasserleitung von gleicher Natur ist mit der 
iufseren Umgebung. Indessen ist ein hieher gehöriger 
Hraptgrund Lippi's in den genannten Briefen gar nicht 
naher detaiUirt worden. Jener Keller nämlidi hat mehre. 



— «w — 

in gietcfaem Nbeaa liegende, und dabei ehdge Isebr 
kleine, seitliche Luftlöcher an seinem östlichen und 
westlichen Arme, welche, unter sich parallel > an einem 
Ende durch einen dritten Arm unter rechtem W^el 
Terbnnden werden. Aeufserlich am Keller haben sich 
^u untere Rapillo und Asche, darüber die leichtere Gar^- 
tenerde abgesetzt Die Oberfläche beider Schichten falll 
etwas in der Richtung der 2 parallelen Kellerarme ein. 
Der Rapillo indefs steigt mit seinem Niveau nicht so hoch 
an , dafs er vom Wasser durch jene Luftlöcher hätte in 
den Keller gefuhrt werden können, mit Ausnahmen von 
dreien oder vieren derselben, an deipjenigen Keller* 
Ende befindlich, wo sein Niveau sich etwas über solche 
Oeffnungen erhebt, und wo man auch einigen Rapillo^ im 
Keller findet» Die Gartenerde aber lagerte sich aufserr- 
halb des Kellers über dem Rapillo ab> und stieg zu einer 
Höhe an> welche die des Gewölbes weit übertrifft. Diese 
konnte daher mit dem Wasser in den Keller eindringen,, 
und denselben bis zur Hälfte, d. i. bis in die Nähe jener 
Luftlöcher ausfüllen, wie es sich wirklich findet. Nach 
der geschichtlichen Ansicht möchte diese Erscheinung 
nicht so leicht zu erklären sejn. — Herr Bloede wun« 
dert sich ferner, wie Gartenerde so habe erhärten 
können, um mit dem Abdruck der Brust einer von den 
In dem Keller aufgefundenen Frauen aufgehoben 
und aufbewahrt zu werden, und dennoch bemerkt er 
selbst an einem andern Orte richtig, dafs d/e Garten- 
erde um Neapel hauptsächlich aus vulkanischer Asclie 
und ähnlichen Stoffen bestehe, welche mit Wasser leicht 
erhärten. Indess^ ist es ziemlich gleichgültig, ob die 



9^ 



AiufUfanig des Kellen GartcBerde oder Aidie war. — 
WenB Lim und Fbubb mit einander im Widenpradie 
■teilen, wts den IcaUdnirten Zustand der in diem 
Sdifditen vorgefondenen Koncliylien anlielai^^t, so rührt 
dieser Widersprocli tlieils von derselben YoraDSseUiiag 
Lim's Iier, weldie oben Statt gefunden wegen de8Vo^ 
kommens unTeranderter Kalicsteine nwischen RsplUo. 
Etwas kalsinirt sind übrigens die, in diesen Sdiichtei 
vorgekommenen , Konchylien auf jeden Fall, in so fene 
man dnrcb jenes Wort naeh der gewobnlicben Sitte nv 
angeben will, dafs die Konchylien ihre Epidemus, flu« 
^ Farben, theiiweise ihren Glanx nnd ihre Fesf^eit 

eingebüfst 

Anm. Hr. Büosbb wurde nch vielleicht derlom'sdieiii- 
•icht nicht entgegengestellt haben, w^n er tiÜMr 
den, im Briefe an WsHEiBn allzu kategonBcb wat^ 
•prochnen Satsen Lim's noch die Commentare d«i 
letzteren in seinem obenerwähnten Buche hätte berück* 
nchtigen können. Uehrigens aber ist es geratliaitfi 
•ich an die in froheren Aufsätzen Lim's angßfobiU^ 
Thatsachen selbst zu halten, als seinen RaisonnemeHto 
in späteren Abhandlungen grolsen Werth beisalegei, 
da er zu dieser Zeit schon etwas an Schwachsiiiiiigko^ 
litt — 



Uebersichi 
der 

fossilen Ueberreste 

in den 

tertiären subapenninisehen Gebirgen. 



JMeine Absicht ist hier eine mög^Iichst vollstandig^e 
Uebersicht der fossilen Reste der subapenninisehen Bil- 
dungen zu geben, derjenigen sowohl, welche ich selbst '^ 
zu sammeln oder zu sehen Gelegenheit hatte , als jener, 
die ich nur aus zuTerläfsigeren Schriftstellern kenne. 
Ich schliefse aus diesem Verzeichnisse daher die mei- 
sten neuen BoRsoiv'schen Arten aus , deren Diagnosen 
und Abbildungen so unToUkommen gediehen sind, dafs 
es aufsei: den Grenzen der Möglichkeit ist^ sich, ohne 
seine eignen Hand-Exemplare zu besitzen, über seine 
Arten Gewifsheit zu Terschaffen. Und eben so verhält 
es sich mit den meisten neubenannten Arten Risso^s , 
welcher 9 eine Geisel der Wissenschaft, nicht nur die 
bestbezeichneten BaoccHi'schen Arten oft wieder mit 
unzureichenden Diagnosen unter neuen Benennungen 
aufführt , sondern bei dieser Verfahrensweise auch be- 
quemer und gerathener gefunden hat, alle Synonymik 



4- 



— 510 — . 

SU Temachlirfli^h , so dafs Dbfrance und A. sich zur 
nämlichen Beschwerde-Führung, wie ich, reranlaTst .ge- 
sehen. Auch die zahlreichen microscopischen Poljtha- 
lamien, so weit ich sie nur aus den Werken von Bianchi, 
SoLDANi und DfissALiNKs d'Orbignt kenne, mufs ich mich 
beschränken, nur nach den Geschlechtern und der 
Artenzahl aufzuführen, weil ich über das Genauere 
ihrer Lagerung weder unterrichtet bin, noch denBeob* 
achtungen jener Autoren. noch etwas beizufügen wüfste. 
Meine Absicht bei dieser Arbeit geht dahin, viele neue 
Arten zu beschreiben , die Sjnonymie mit Bezug auf die 
Ton mir untersuchte BroccHi'sche Sammlung "^^ zu be- 
richtigen, die Fundorte nach den Gebirgsschichten genauer 
anzugeben, und dadurch das nothige Material zusam- 
Xnenzustellen , um in einem folgenden Abschnitte nicht 
nur die tertiären Ablagerungen Italiens unter sich, son- 
dern auch mit solchen anderer Länder nach Maasgabe 
ihrer fossilen Reste Toliständiger zu vergleichen, als 
solches bisher geschehen ist. 

Die Ton mir zitirten Schriftsteller werden durch fol* 
gende Abbreviaturen bezeichnet : 

Ba. M. B. Da Bastbrot: description g^ologique du bassin 
tertiaire du Sud-Onest de la France : Premiere partie 
— in den Mdmoires de la socifjtd d'histoire nafurelle de 
Pari» IL I. (1825. 4.«>) p. 1 — 100. 

Bl. D. DB BLiisYiLLE *. dic fossilen Fische ; überg, y. Krügbb. 
Quedlinb« n« Leipz« 1823. 8.® 

Bo, BoRBON : Saggio di Orittografia Fiemontese ; — in den 
Memorie della R, Accademia dclle Scienze di Torioo. 
4.0 Tom, XXVI. ff. 

Bbch. G. Brocchi : Conchiologia fossile Subappennina. Mi- 
lane 1814. iS Tom. n. 



*) S. S. 465. ff. 



— » 511 — 

BftG, As- BBONGNiABt: Memoire snr \e% tenrains 4e B^imeat 
Bup^rieurs calcaröo - trappi^ens du Ticentin. Paris. 182S. 
kL fol. 

Bbn. Bronn : 1) im Cataloge der Tom Heidelberger Mineralien- 
Comptoir Terkäufllclien Konchylien- , Pflanzenthier - und 
anderen Yersteinerungen — in v. LEONnABD^s Zeitschrift 
för Mineralogie. 1827. %.^ S. &29 — 544. 

2) Die fossilen Art*en Siebenbürgen' s werden nach mei* 
ner Sammlung citirt. 

B&v. BauGviERB in der Encyclop^die m^thodique. 

Bu. L. y. Buch: über die Yon Eichwald und Dvbois aua 
Podolien eingesandten Versteinerungen, in Karsten'« 
Archiv, f. Mineralogie u. s. w. 1830. I. 126 ^ 132. 

Ci. Catvllo (Brief über die Geognosie des Monte Postale) im 
Giornale di Fisica. etc. 1826. yoI. LX. (Bimest. 5.) p. 404« 

Cv. 6. DE CvviER : Recherches ^ur les Ossemens fossiles. 
VI. TolL Paris. 1821 — 1824. 

Df. Defrance im Dictionnaire des sciences naturelles« 
Paris. 8.<> 

Dh. 6. P. Besbayes: description des Coquilles des environs 
de Paris. VoL I. livr, 1 — 6. u. Vol. II, Uvr. 1 — 6. 
Paris. 1824 — 1828. fol. 

jDm.« Al. Brongniart et A. 6. Desharest: histoire naturelle 
des Crustac^s fossiles. Paris. 1822. fol. 

Fifia. De Fi^bussac : tableaux syst^matiques des animaux 
mollusques, class^s en familles naturelles« Parlsw fol. 

Gh. Gmelin. s. Lin. 

Go. A. GoLBFuss: Abbildung und Beschreibung der Petre- 
facten der K. Preuss. Rheinuniversitat zu Bonn. Düs- 
seldorf. I. fol. 1826. 

Kö. (König) Icones sectiles. Lond. fol. 

Lmk. De Lamarck : histoire naturelle des animaux sans ver-^ 
tebres. voll. VII. Paris. 8.» 

Lux. LAMOVRorx : exposition mdthodique des genres de Fordre 
des Polypiers. Paris, 1821. 4.^ 

liiN, C. LiNNi^: Systema naturae, cd. (XIII.) Gmbun. 1790» 

Mf* Dj^nis be Montfort : Gonchyliogie systdmatique. II. voU^ 
Paris. 1808-1810, 8.«» 

Mv. V. Münster : über die Versteinerungen des feinkörnigen 
Thoneisensteins und grünen Sandes am Kressenberg bei 
Traunstein in Bayern — in Keferstein: Deutschland 
geognostisch dargestellt. VI. i. 1828. p. 93 — 103. 

Nb. Nesti (verschiedene Aufsätze in Italienischen Zeit^^ 
Schriften. ) 



— 512 — 

OL Oun: ZMlogia Adriatica. BaMnao lltS. kl. fol, 
D*0. D^OsBiaNT : tableau mi^thodique de la claMe de« C^ 

phalopodes, extrait des Annale« des sciences dlijstotre 

naturelle. Paris. 1826. 8. 
Pa. PATBAuniAV : Catalog:ue des Annelides et des Mollasques 

de risle de Corse. Paris. 1826. 8. 
Po. PoLi ; Testaceograpbia atrinsqne Siciliae , II. toIL foL 
Ra. Rbmibri: Prodrome etc. (ein blofses NamensTeneiduiilii 

der Konchylien des Adriatischen Meeres,) 
Bl Risso! histoire natarelle des prineipales prodnctions 

. de TEurope m^ridionale. Y« toIL Paris. 1826. a» 
SoBT. T. SoHLOTHSiM : die Petrefactenkunde. Gotha. 1820. 8." 
ScHF. J* 6. SchlIpfer: Verzeichnifs der Natnrkörper seiner 

Natnralien-Sammlung. St. Gallen. 1827. 'S, 
Se. Mabcbl DB Sbrbbs : Göognosae des terrains tertiaires. 

Paris. 1829. 8. 
Sol» Sou>Aifi t Testaceographia ac Zoophytographia parva et 

microscopica. III. toU. fol. Sjena. 1789 — 1198. 
Sow. SowBRBT : Mineral Conchologie of Great Britain. Y.toIL 

8.** London. 
8t« B. Stubbr , Beiträge zu einer Monographie der Molasse. 

Bern. 1825 8.'> 
To. (Yolta) Ittiofitologia Yeronese* Yerona. 1196. fol. 

Steht einer dieser Namen in runden Klammem ( ) , so ist es 
ein Zeichen, dafs der nachfolgende Auetor sich auf ihn he- 
ruft, ohne dafs ich diese Berufung theile. 

Die Konchylien- und Korallen-Arten, welche ich selbst in 
meiner Sammlung besitze, sind mit einem ! Tor den Na- 
men bezeichnet. 

Die Fundorte sind der Kürze wegen auf folgende 
Weise gegeben worden: 

An, Andona-Thnl, bei Verona^ als an Ftcewaff, 

Äa, Atii in Pienumt nördlich. 

Be. Bacedasco bei Cq, Rff, Reggio, 

Bo, Monte Bolca, Ro, Rtmcdzwi9chenCg',u»Re. 

Cq, CaHeW arquato zwischen Sa, Salccdo, in derselben Gre- 

Parma und Piacßnasa. ' gend. 

Cg, CaateW gomherto bei Su, Superga -Berg bei T\irm, 

Vieensa, Sy, Syena, 

Ni, Nizza, Ta. Tabhiano , links zwischen 

^'- ^»«' Cg, und Parma. 

Re, Reeoaro , etwas näher an To, Toaeana. 



— 618 — 

Für die Formalions -Glieder sind folgende Zeiclien 

gebraucht : 

u. Fester alterer Grobkalk, meist am Fafse der Alpen. 
h, Tlrappischer Grobkalk ebendaselbst , theils su a, theils 
zu c. wid d. gehörig? 

c. Jüngerer Grobkalk, blau^ thonig, in den jipennmen. 

d. <,, ,, gelb 9 sandig, über vorigem. 

«. Osteollthen-Schuttland im .^mo-Tbale. (S. Bd. L S. 500 u. f.) 
/. Süfsvasser-Grobkalk zuFi^lme, S^ena etc. (Bd. I. S. 5111; 
II. S. 385.) 

Ist eines dieser Zeichen in. Klammem () eingeschlossen, 
so bedeutet dieses ein yerhaltnirsmäfsig nur seltenes, Tiel-* 
leicht mehr' zufälliges Yorkommen in der dadurch beieichr* 
neteii Gebirgs-Scbicht. 

Die jeder um CasteU'arquato yorkommenden Art beigesets- 
ton Zahlen drücken das ungefähre Yerhältnifs der Höidlgkeit 
nach der IndiTiduen-Zahl daselbst aus^ ohne Rücksicht auf 
die Schicht, velcber sie angehören. Die IndiTiduen-reichsten 
«Arten daselbst sind Buccinum terratum (SySOO) u. PeÜ- 
talium elepkantinum (3,000). Die Summe aller einzelnen 
Yerhältnifs- Zahlen ist 71,000. 

/. Säugethiere. 

1. yeapertilio, in Sardinischer Itnochenbrecde (WaOit.). 

2. Urans spelaeus BLinuEidi. 1) in den Höhlen ron' Felo 
(Bbk.) u. Seha diprogno (Bach. Ca.) im Veronesisehen , vom 
Coi yieentino im BeÜunesischen (Ca.)« Ton CassOna bei la 
Spezziä (Sati) , Ton Etba (Ne.) , von Palomharo bei Rom 
(Ganau , Pentland) ; 2) im Sande bei CaHeÜ'arquato (Gm- 
DOTTi's u. CoBTEsi's Samml.) ; 3) in der Knochenbreccie 
Ton Romagnano (Brh. Samml.). 

3. Üraus cultridens Gu. (V. Etruscus Gv. früher; Ü« 
drepanodon Ne.) im Osteolithen-Scbuttlande des Arrto-^ 
Thaies. 

4. Canis spelaeus 6o. Cv. ebendaselbst. 

5. „ crocutaeformis Scrt. ebendaselbst. 

6. „ (Cv. lY. 508.) ebendaselbst. 

Ueberreste unbestimmter Art auch in Sardinischer Kno- > 
chenbreccie (Wagn.) u. in der Knochenhöhle von Cussana 
(Sati). 

7. Felis spelaea Go. Gu. in der Knochenbreccie von Nizza ; 
und mit 14. zu Mogagnana bei Viterho, 

Bronn, Beüe. IL 33 



_ 614 ^ 

%, l^e it>» n t i q Q a Cv. mit voriger an beiden Orten (Oir.) , O; ini 

jimo-ThsiU (Nb.) 
9. Sorex in Sardimscher Knochenbreccie (Waghbr). 

10. jirvicola (Cv. lY. 178. 192. 200. 20S. n. Wagjseb) in der 
Knochenbreccie Ton Nizsa^ Sardkueiiy Sicäien, Pisa? 

11. Mus desgl. (Waon.). 

12. Lagomys Sa r das desgl. (Wach. Bbm . Samml.). 

13. Hystrix (Cv. Y. ii. 517.) im Osteolithen-Schuttlande des 
^mo-Thales. 

14. JSiapAa« meridionalet Nn. (bei £. mammonteus 
Cu.) ebendas. (Ne. Cv.), und in der Knochenhöhle von 
Pdlenno (Bitoha - Bbritabdi). Yielleiebt noch eine klei- 
nere Art (TAaaioNi's Samml.). 

16. Mastodon angustidens Cv. Im^mo-Thale; beiSjyena; 
am Monte verde bei Rom; bei Padua; bei Monte PulcMnto. 

ü. H ipp apotamu* major Cd. Nb. Knochen u. ganze Ske- 
lette im y^nio-Thale (Nb. Cu. Brn. Samml.), n. in der 
Knodienhöhle Ton Palermo (Bit. - Bben.) ; ^uch nm Rom 
(CiJ.). 

17« Hipp opot an« « minutus Cv. In der Knochenhöhle von 
Palermo^ ganse Gerippe (Bit. - Bbbn.). 

1^. Tapir ebendas. (Bit. - Bniur.). 

19. Su8 ? in der Knochenbreccie Ton Nizza (Brn., Samml.). 

20. Ai^tnoeero« leptorhinus Cv. Nb. Im ^mo-Thale 
(Cv. Nb.) ; zu Perugia im Römischen (Cv.) ; am Ufer des 
Po, 18 Stunden oberhalb Piaeenzai am Mont^ Pvigiutaco 
im Piacfnthisehen im Subapenninen-Gebilde. (Co&tbsi.). 

21. Rhinoceros Pallasii (Ri. UI. 17 — 18.). Knpchen, 
Zähne u. Kinnladen in der Knochenbreccie Ton Nizza. (Ob 
wirklich Ton einer eignen Art?) 

22. ? Elasmotherium Fisch. In der Knochenhöhle Ton Pa- 
lermo (Bit. - Be^n.). 

23. £^1111« (Cv. II. II. 109. u. Y. ii. 503.; dann Aldrotardi 
de monstris marinis'). Im ^r^o-Thale (Brn. Samml.). 

Zi,^ Lophiodon (Cv. IL 220.) im ^rno-Thale. 

25. Anthracotherium magnum Cv. In den Braunkoh- 
len-Werken Ton Cadibona» 

26. Anthracotherium minus Cv. ebendast 

27. ? Auchenia (Cv. lY. 190.). In der Knochenbreccie Ton 
^ Nizza. 

28. ? Ovis (Waon.) in Sardinischer Knochenbreccie. 
: ? Ovis, an? Antilope {Cv. lY. 18T. 188). In derKno> 

chenbreccie Ton Nizzf^ Biese oder eine andere Art auch 
im y^rno-Thale. (Tabcsioni^s Samml.). 



— 615 — 

M Cervu» eary cerus AuooT^HiiBBft« (Gert)«« gigaa« 
ton« BsvMSNB^ Go. Cv.; C. megaceros Habt.). Im 
Schattlande Terschiedener Gegenden Ober-ItdUen$^ am Po^ 
(Beoh.);¥ in der Kohlenhöhle von Patermo (Bit. - Bxftir.). 

Sl. Cervu9 Tarandus foMilis Cu. im ^mo-Tlialo. 

81 . „ (Gü. IV. 188. Nro. 3.; 191. Nro. 9. 10.). In der 
Knochenbreccie Ton Nizza. 

n, Cervus (Gv. TV. 189. Nro. 4.) 190. Nro. 5.; 192. Nro. 10.) 
ebendaaelbit. / 

84. Cervu8 (Cv. IV. 195. 196u). In der iütoefaenbreccie Ton 



85. Cervus (noT. fp. Brn. SammL) ebenda«. 

86. . „ Elaphus fontilia Gu. In der «ogmannten Kno* 
chenbreccie von Hofnag^nono (Gu. Bnir. Samml.) u. Nizza 
(Gü. IV. 188. Nro. 2.). 

Auch konimen Hirschreste in der Knochenhöhle Ton Go^ 
9ana bei la Spezzia Tor (Sati). 

87. £0"$. Im ^mo-Thale (Nb. Tabaioiu^s SammL; dietea Ba* 
che« Bd. I. S. 494.). 

88. Phoeaena (Gv. V. i. 809 — 812. GonTB«.) in den blauetf 
Schichten taaStramonte etc. bei CaaieU'arquato; einige Ske« 
lette seit 1793. gefunden. 

80. Balaenoptera (Gv. V. i. 390. Gobtbsi.) In den blauen 
n. gelben Schichten am Monte Ptdgfuueo etc. im PiaeeaÜ-' 
nwcften wurden seit 1800. mehrere Skelette gefnndon» mit 
aneitxenden Austern, swischen Hai-Zähnen etc. 



FögeL 



1. Von der Grdfse der LercAe od. den St aar 9 

2. ,, „ ,) einer Amsel 

8. ^ „ „ eines HeÄ er« rw.««^ 

4. „ „ „ „ Raben ^ CWaon.>. 



in Sardinischer 
Knochenbreccie 



r. Reptilien. 

1. Alligator (j^W. Allig. « e I e r o|» «) Sooh» bchaca , imter« 
tiären Boden des Vicentiamehefi bei Lonigo. 

S* o n > r (in der Sardinischen Knochenbreccie (Waon.)« 

IF. Fische. 

1. Squalu$ Lamia veni« Bl. Zahne vom BoUa, n. aus den . 
gelben sandigen Schichten tou CasteWarqwtto mit Balae- ' 
noptera (Bbm. Samml.). 



— dl« — 

S. Squaiu» (Bw. Samml.) mit letsterem. 

S. „ cfttala.s/«Mt(»8 B&. (Sq. cirrhatiis Yo.) AIh 

« dmck Tom Bolco. 
^..Squalua ? glancas foanHa Bk. Abdruck Tora Boiea, 

5. „ . innominatns Bi^. (Sq. Carcharia« Yo.) 
• desgL 

6. Squalus cornnbicus Bi.. Zäbne mit 1. o. 2. 

7. Narcobatus giganteas Bl. (/{ aj a Torpedo Yo.) Ab- 
druck Tom Bolca. 

8. Trygonobatus (Raja) crasBicaudatus Bii. desgl. 

9. t, „ Tulgaris Bk. {Raja muricata Yo.) 
dengl. 

1#. ^etoftatt«; Schwanzstachel, aus den gelben Schichtea 
bei CastM'arquato (Bair. Samml.). 
. 11. Diodon ? r e t i c u 1 at u s fossiUs Bl. Abdruck Tom Bolca, 
12. Tetraodon Ho nVenii fasnUs Bi.. desgl. 
18. „ ? h i s p i d u s fossQis Bl. desgl. 

14. Baliste» dubius Bl. (flstraeion turritus Yo., Cy- 
elopterus lumpus Yo.) desgl. 

15. Palaeobalistum orbiculatum Bl. (Diodon orhi-' 
cu latus Yo.) Abdrucke u. Zähne vom Bolca, 

16. Syngnathua t y p h 1 e fossüh Yo. Bl. Abdruck Tom Bolca. 

17. Clupea dentex Bl. Abdruck Ton Murazzo struzkmo in 
einem Steine dem des Bolca ähnlich. 

18. Clupea muraenoides Bl. (Salmo muraena Yo.) Ab- 
druck Ton Bolca, 

19. Clupea cyprinoides Bl. (Sahno c. Yo.) desgl. 

20. „ thrissoides Bl. (Clup, thris«a Yo.) desgl. 
21« „ oTolans Bl. (^Exocoetus ey. Yo.) desgl. 
22. Esox longi rostris Bl. (ßsox belone Yo.) desgl. 
28. „ sphyraena fossiUs Bl. desgl. 

24. ,, ? falcatus Yo. Bl. desgl. 

25. „ macropterns Bl. desgl. 

26. Cyprinu» ^ (Monopterus gigas Yo.) desgl. 

27. „ ?? im Gyps.Ton SinigagUa (Brw. Samml.), 

28. Gadus ? (6. merluccius Yo.) Abdruck Tom Bolca., 

29. Pleuronectea quadratulus Bl. desgl. 

80. Ophiocephalus^ (Perca punctata Yo.) ebenso. 

81. Blochiua longi rostris Yo. {Es^ox belone Fortis) 
desgl. 

82. Muraena anguilla fosaüia Bl. (M. cong-cr Yo.) desgl. 
88. Blennttt« cuqeiformis Bl. (Bl. ocell aris /omit« Yo.) 

desgl. 

34. GobiuaVeronensis Bl.(6. Y. et G. barbat us Yo) desgl. 



_ 617 -. 

tt. Lahr US tnrduii fosnUg Vo. desgl. 
36. „ p a n c t a t n s fossäia Vo. desgl. 

67. „ merutti fossiUa \o, desgl. 

88. ,, TectitronBBL.(Sparu8 Boleanus^Labrua 
eiliaria Vo. desgl. 

39. Sparu8 Tulgaris Bfi. (Sp. dentex, Sp. sargus, Sp. 
macrophthalma, ? Sp. chromis, ? Sp. brama» 
fSp. salpa, ? Sp. erythrinirs Vo.) desgl. 

40. Lutjanus ? ephippium fossilis Vo. Bk. desgl. 

41. HoloeentruB macrophthalmns Bk. (H. sogo fos- 
ailis Yo.) desgL 

4SLMugil brevis B&. (PolsfiTemitf« qainquinarius 
Vo.) desgl. 

43. Mugil cephaluB /oMtlw Bl. desgl. 

44. Perea for moBVL foaaiUs Bl. (P. Amerieana Vo.) ebenso. 

45. Seiaena (Sc. Plamieri /o^nTw Yo.) ebenso. 

46. hophius Ganelli fossÜis Bl. (L. pt«catortus Yo.) 

47. S comb er (Sc. p e l>a m y s /o««t2ii9 Yo.) desgl. 
altalnnga fowUi» Yo. Bl. desgl. ^ 
(Sc. c o r d y 1 a fossüi» Yo.) desgL 
t hy n n u s fossiUs Yo. Bl. ebenso. 
(Sc. trachurus fössiUs Yo.) ebenso. 
(Sc. Kl ei nii /o«n7i9 Yo.) desgl. 
(Sc. ignobilis Yo.) desgL 
(Sc. speciosu nfoss, etSc. g 1 a a c a s/ow. Yo. ebens. 
(Sc. pelagicas fosHUa Yo.) desgl. 
(Sp. c h 1 r i s fossüis Yo.) ebenso. 
O r c y n n 8 fossiliä Bl. ebenso. 
(^Perea Arabica et P. Aegyptiaca Yo.) 

59. Scomber ? (Lutjanua Yo.) desgl. 

60. Zeua platessus Bl. {Coryphaena apoda Yo.) desgl. 

61. „ rhombus Bl. (Scomber rhombns Yo.) desgl. 

62. Ckaetodon ignotas Bl. (Ch. macrolepidotns /o«- 
ttlw, Ch. rostratus^ Ch. orhiB foaaiUa Yo.) desgl. 

68. Chaetodon papilio Yo. Bl. desgl. 

64. „ pinnatif ormi 8 Bl. (Ch. pinn ata b/o9- 
aiUa Yo.) desgL 

65. Chaetodon rhombus Bl. (Ch. mesoleucus foaaUia 
Vo.) desgL 

66. Chaetodon subareuatns Bl. (Ch. arcuatus foa- 
aUia Yo.) desgL 

67. Chaetodon rnbstriatus Bl. (Ch. striata« /o«m2w« 
Ch. asper/MtilM Yo.) desgl. 



49. 


n 


50. 


n 


51. 


»? 


52. 


' « 


58. 


n 


54. 


1» 


55. 


« 


56. 


« 


57. 


n 


58. 


n 




ebenso. 



— 518 — 

66. Ckaetodön tnbvespertilio Bk. (Gh. Tespertili« 
foanlii Yo.) desgl. «* 

^.Ckaetodön velifer Bl. {KurtuB velifer Yo«) 
ebenso. 

70. ChaetiHlon velicans Bl. desgl. 

71. ^ Argus Yo» Bl. desgl. 
7Sb* „ (Ch. lineatns Yo.) desgL 

73. „ (Ch. ctinun fomlu Yo.) ebenso. 

74. ^, (Gh. chirargns /M»2t» Yo.) ebenso. 
79. „ saxatilis fosHUs Yo. Bl, ebenso. 
76. „ (Ch. triostegus Yo.) ebenso. 

77« „ (Ch, triiirüs et Ch. Tomer Yo.) ebenso. 

78. „ in kugeligen KnoUen bei Sckio , mit Thoa 
and Quansand in Kalklagem. 

79. CAaetoifonf, in Papierkohle am Monte Vude (Bnir. 
Samml.) 

80. Fi9tularia Bolcensis Bl. (F. Chinensis/oMiI»» Yo.). 
In Abdrucken vom Bolca, 

81. Fi8t^larim dubia Bl. (F. petunha/oM. Yo.) desgL 
8Z. Centriaeus aculeatus Bl. Xl/^rano^eopu« rastrani 

Yo.) desgl. 
83. Centriseua longirostris Bl. (C. velitaris /ots. 

Yo.) desgl. 

Ausserdem kommen am Monte Bolea noch gegen 80 Fisc^- 
arten Tor, velche Yolta meistens abgebildet hat, deren Ge- 
schlecht jedoch Blaimtillb nicht mit Sicherheit aussumittela 
Tennochte. 

V. Weichtkiere. * 

A. CephalopodeD. 
^Tutttnus semilunaris, N. snlcatus, K. Reinecki 

Riss, aitirt Ritso (lY. 10.) im tertifiren Kalke Ton Nisam, 
Nodoaaria D*0. 14 Arten um %efta, 4 ui^ CagteWarqnatOj 

3 um Coroncma, (Brh. n. 12 ^^ 14.)- 
Frondicularia D*0. Yon Syena 1., yon CasteU*arquato h 

(c), Ton Coroncina 3 Arten. 
Vaginula D^O. Um N%z%a lArt lebend u. fossil (Risso). 
Marginulina WO. Um Syena 1., um Casteü'arquaio 1., um 

Coroncina 2 Arten, um Nizza 1 Art lebend u. fossil (Risso), 
Planularia D'O. Um CasteU^arquato 1., um Corsfietna 1 Art 
Textularia D'O. Um Casteü'arquato^,^ um Syena 1 Art 
Polymorphina D*0. Um CasteWarquato 7. , um Coronetna 

1 Art. 
Firgulina D'O, Um Syena l Art. 



— 510 — 

Sphaeroidina D'O. Um Si^^na 1 Art 

Clavulina D^O. Um i%efia 1 Art, um CatteU'arquato 1 A|rt. 

Uvigerina D^O. Um Syena 2 Arten. 

Bulimtna D^O. Um Syena 2., am Coroncina 1 Art. 

Aotalm D*0. Um Sterns l.j um Coroncina 1., um CüsteWar- 

qtuito 5 Arten. 
Glohigerina D'O. Um CaHeWarquato 1 Art. 
^ 6 yr o t cf tna D'O. Um Syena 1 Arf. 
Diseorbis Risso (TV, 18.). Um Nizza 2 Arten. 
TurfrfnuKna Risso (lY. 18.). Um Nizza 3 Arten. 
Truneaeuttna D*0. (Risso IV. 19.). Vm Nizza 1. , um 

Casteü'arquato 1 Art 
Operculina D^O. O. complanata D'O. Lenticulit^s 

complanata Bast. Um Grantola bei Ferona. (Auch 

zu Dax,), 
Soldania D'O. Zu Coronetmi 3 Arten. 
^Polystomella WO, Zu CaaieÜ'arquato 1. , am 2Vt««a 1 Art. 

(Risso IV. 20.). 
^Robulina WO, Zu CastelVarquato 1. , zu Syehä 4. , zu CWon- 

eina 4 Arten. (Brn. n. 10.). 
Cristellariu WO, Zu CasteWarquato l.> zu^Slyeno 4., zn Co^ 

roncina 11 Arten. (Brn. n. 11.). 
Nonionina WO, Zu Caateü'arquato 2., zu i^ena 1., zu Co^ 

roncina 2 Arten. 
Nummulina D^O. 

N. complanata Lmk. Df. 35. 224 Ao. 6. 

! N. laevigata Lmk. Sb. Df. Ro. a., Bo. a. 

N. nummiformis Brgn. Brn. n. 9. 

Phacites fossilis Bluhbnb. 

lienticulites denarius Sohl. 

! N. scabra Lhk. Brn. n. 8. Rc a, 

N. moneta Df. 35. 225. Ro. 
'N. ? lenticula Df. 35. 226, Pisa. 

N. fragilit Risto (IV. 23.). Nizza. 

N. L e a Rnso (IV. 23.). Nizza. 
Biloculina WO. Um CasteWarquato 1 Art 
Spiroloculina WO^ Um CaateWarquato 4 Arten. 
Triloculina WO. Um CastelVarquato 4 Arten. 
Quinquelo eulin a WO. Um CasteU'arquato 7 Arten. 
Adelosina WO, Um CagteU'arquato 2 Arten. 
! jilveolina DX>. (Afiltolttefi Brn. Reise I. 560.). Bo. a. 

Die microffcopischen Polythalamien scheinen uberhaapt vor 
der Kreide niekt Torzukomradn, und aach diese enthalt weit 
weniger .Arten , ale die Tertiär - Gebilde. 






B. Trachelipoden. 

Conus. 

h ! pelagicas BBcn.289.; Ri. TV. 229., SB.cCq. c, d, 65. 

127.; Bbw. n. 19. \1SL 

8. ! alsioius Brq. 61. Ho. 6. 

Nicht Windung und Batis allein, son- 
dem die ganze Schaale ist in die Queere 
gestreift. ^ 

Fossil auch zu Dax, (Baa.). « 

8. ! striatulus Buch. 294.; Baif. n. 18. iCq. e. d. 350. 
ß. obsolete striattts. \^n, 

4. . canaliculatus Brch. 636.; Sa. 263. An. 

Gegraben auch in Süd^Frankreich. 

5. ! deperditus Bru. Lmk. VII. 528.; Bao.r 

61.; Rl IV. 230.; Baif, n. 15. y^' "5 ^«. 

C. TirginaliB Baca. 290. et coüect. Sb.>^^* ^' ^' ^' 

Conilites cingnlatns Soht. ( * 

«. ! spira declivi. Cg.c.d.dO.^C^.a, 

fl. ! spirae anfractibuB plank. An. d. 

jr. ! «ptirae on/racti&tw cana2»ciitotw. Ho. ft. 

Gegraben noeh um Port« und Bordeaux 
(Lmk) , in Süd'Frankreich (Sa.). 

6. ! semisnlcatns nov. ^. Sif, 

C, teata cylindrico -turbinata , parte media 
et inferiore ndcia acutis densis aculpta^ spt* 
rae obtuae corneae anfractibus decUvibus, in- 
distinctiSy laevi&u«, exteripre rotundato. 

Gestalt und Gröfse ganz wie bei C. p^ 
rvJta , aber durch die Furchen unterschieden. 

7. ! Brochii Bbh. n. 11. Cq. e. d. 150. 

C. deperditus Brch. (excl. synon.) 292. et 
coOeet.'^ Sa. 127. 

Gegraben auch in Süd-Frankreich. 

8. ! antediluyianuB Bau. Liwk. YII. 529.; 
Broh.291.; Df. 10.263.; RlIY. 230.; Bv. Cq. o. d. 450. 
Brn. n. 16. Ni. 

Fossil auch zu Courtagnmi (Lhk.)^ in 
PodoUen (Bu.). 

9. I pyrnla Brch. 288.; Ri. IV. 230.; Sa. C^. (Bbcr.). 
127. • An. d. 



— 581 ~ 

I 

CT^graben Btfieli in Säd-Frankf^h. 

10. . tttriricala Brgr. 288.; Se. 127.; Mt. %., NL? 

? G. tttrriculus Ri. IV. 230. 

Fossil noch am Kressenberg (Mü.); und 
in Süd'Fratüereich, 

11. ! fnlminans nov, sp. Cq. e. 1. 

C testß suhfusiformi'dongata^hasi vix 
striata; spirae eUmgato - corneae anfractihus 
decUvüms, subiiuUstmetis ^ spiraliter dense 
airiatis, ttUmi angvXo ehtuso;. superfleie ejr- 
teriore tota Uneis angulato ^ftexuosis svhre- 
motis Umgitudmalibus fuscis exomata. 

Ganz die Form und Gröfse von C turri" 
cida , aber verschieden durch die Beschaf- 
fenheit der Windung und durch dieZeichnung. 

12. ! ponderosus Brn. n. 20. Cq,c,d.5ß,;Par- 

a, spira obtusa; C. ponderosus Buch, lasch; Coüe ; 
293.; Ri. rV. 229. Ce«ena(BBCH.). 

ß, spira dongata: C. Noae Bbch. 293.*^;! 
Brg. 61. \Cq, d. 3.; Sv. 

? G. antiqutts Bboh. ; 

Diese Varietät — auch am Kressenberg 
fossil. 

13. ! betnlinoides Lmk. ann. d. mus. XV.\ 
440.; hiiBt. VII. 527. W d, 

Broh. 286. ; Kd. n. 47. ; Se. 127. 7 

' f G. laerigatuB Df. 10. 263. 
? Gegraben auch in Süd-Frankreich, 

14. . antiquus Lstk. VII. 527.; Brch« 286.; Piemont 
Df. 10. 263. 

15. . AldroTandi Bbch. 287.; Ri. IV. 228.; 

Se. 127. Sy. ; Bolog. ; iVi. 

Gegraben noch in Süd-Frankreich. 

16. . Mercati Bbch. 287.; Ri. IV. 230.; Se. 

263. SanMiniato;M. 

Gegraben noch in Süd^Frankreich. 

17. ! yentricosns n, s. Cq, c. d. 3. 

C. testa erasstty eomco-subovata, undique 
eonvexa ; spirae convexo^conicae depressae an- 
fraetibus eonvexiusculis ^ deeUvibus, sttbindi- 
stincUsj obsolete substriatis^ anguto extim 
obtuso; basi flexuoso-eulcata. 



— AM — 

Ist lunächst mit C. Mercaii verwiiMit 
in Gi^be und Firimi ; aber die äalilere Kante 
der Windung ist wenig Torstehend , und 
die Seiten sind der Queere nach convex. 

18. . avellana Lmk. VII. 528.; Bbch. 294.; 

Sb. 127. Piemoni. 

Gegeben auch in Süd-Frankreich, 

19. . intermedläs Lmk. VII. 528.; Bkgh. 

294. Bologna. 

f Df. 10. 262, ans Ita- 

llten , yermochte ich 

♦ . C. Pedemontannsr ^^^ ^^„ eingesam- 

• . C. coloratus Igelten Arten nicht 

\sa erkennen. 

(Ri. IV. TS», k^kttmen 
tim Nizza in quarfia- 
ren Bildungen vor, 
.* V C p ostdilu viA'nasVund ^ndmir übrigens 

/ebenfalls nicht be- 
Vkannt. 

Oliva, 

• 

29. . Picholina Ba«. 63. Su. 

21. r hispidula? 

Voluta hispidula (Lin.) Brch. 315. 

[non Lnr.]. Sy.^ Piemoni. 

Steht der Gestalt nach in der Mitte swi- 
sehen O. ebnrnea u. O. Brongniarti. 

22. ! Brongniarti n.«. Ro. b. 

O^testa oylindrica; sphra conico-acuminata\ 
eohanella caUo sesympUcata , supeme plicis 
subquinque remotis. 

Länge fast 0,a2m., Dicke 0,006in.^ Mund 
nach unten nicht sehr erweitert, die Fal- 
ten der Spindel und Spindelschwiele schief, 
ziemlich horizontal, stark, entfernt ste- 
hend. 

* . Voluta ancyloides Ri. IV. 251. fg. 

141. scheint auch zu diesem Geschlechte 
zu gehören. JM. 

jinolas, 

23. . inflata Bo. Bug. 63.; S^. 127. S». 



— iai 



Fossil auch in Süd-Frankrekh ^ *zii Ko» 
rytmea in Pglm^ in äkbenbürg^^ (Bbn.)* 
24. . obsolet a nob. M. 

Buccinüm obsoletnm Brch. 330. 



Terebellum, 

25. ! convolutum Lmk. YII. 411. 
Seraphs convolntus HIf. II. 375. 

Fossil noch zu Grignon. 

26. . obTolutnm Erg. 62. ; Ca. 



Cg. a. 



As. h,; Bo, tu 



Cq, a. 2. 



j4n, d. 



Cypraea. 

a. testa laevi. 

27. ! r uf a fosnUs LsiK. VII. 406. 
C. elongata BacH. 284.-; Ri. lY. 240. ; Sa. 

126. ; Bau. n. 23. 
ß. Idbro dextro aupra haam impresso (num 

distincta speeies?) }M, 

Lebt nach Lmk. auch im Mittdmeer und 
am SenegdL 

Gegraben noch in Süd-Frankreick* 

28. ! physis Brch. 284.; Sb. 126.; Brr. n.24. Cq. e. d. 3. 
C. pyrula Lmk. YII. 405. 

Gegeben auch in Süd'-Frankreieh, 
! antiqua Lmk. YII. 406. 
! porcellus Brch. 283.; Kö, n. 22. 
! truncata n. «. 

C testa ovato ' subglohosa , imniarginata ^ 
apertura latere subdepressa , ad spiram trun'^ 
cata, basi obtusa; labro sinistro derUibus oft- 
brematis, subtus emarginato. 

Schaale in Kallcspath Terwandelt, 0,03n}. 
lang, 0,02m. breit, 0,015m. dick. 
82. ! utriculata Lmk. YII. 405. ; Bau. n. 25. Cq. e, d. 3. 
C. inflata (Lmk.) Brch. 285. [non Lmk.]. \ 

. inflata Lmk. YIL 407.; Bac. 1)2.; Ci. Ac. 6.; Bo. a. 
Cypraeacites inflatus Schl. 118.' 

Auch gegraben um Grignon (Lmk.), um 
Mainz (Brn.). 
.mos fossiUs Lmk. YII. 405. ; Sb. 126. Cq. 

Lebt nach Lmk. auch im Mtttdmmere waA 
i|n AmeriJusmsehen Osean. 

Gegraben auch In SüdrFrankreich (Sa.). 



30. 
31. 



Ro. b. 
Cq. d. 1. 

Cg. a. 



33. 



84 



— 9H — 

SS. . rnderalis LxKf YIL 4M. Ao. h, 

M. . annnliif fostäU (Lhk.) ^kb. 282.; 

Be«..62. ^ jis.; Ro. h. 

Lebt im M iMelmeere , im ^tfcmtMeAen und 
MoliiibJtitcAen Ozean. 
Fossil noch um Bordeaux. 
ST. . annnlaria Ba«. 62. Su, 

Fossil noch um Bordeaux. (BaN.). 

88. . amygdalum BaciL2^2.BEG.62.Sa.l26. J$.; Ro, b. 

Gegraben audi in Süd-Frankreich. 

89. . lyncoides Bao. 62. Su. 

Fossil noch um Bordeaux. (BaN. eoü.). 

40. . f abagina Lhk. YII. 406. M. 

41. . flavicula Laue. VII. 406. Cq. 
' . C tumidula Kö. Nro. 2L kenne ich nicht 

hinreichend. 

b. testa transTeraim suicata. 

42. ! sphaericulata Lm. YII. 408.; Df. \ 

43. 38.; Baw. n. 21. )Cq. c. d. 90. 

<^ C. pediculus BacH. 282. /An. 

48. ! coccinella/o^nfw Lmk. YII. 408.; Sa. 

126.; BaN. n. 22. Cq, d. 65. 

•^ G. pedicttlas Babn. 282. 

a. vor. sulcoaa. 

ß, vor, laevigata (rara). 

Lebt im Adriaüsehen und MiUdlandiUehen 
Meere, 

m 

Fossil noch um Grignon^ Angers (Lbik.) 
in Süd-Frankreich etc. 

44. ! dimidiata n. «. Cq. d. ^ 

C, mthuto, ohlongo-ovata ^ troMversim sul- 
cata^ svlci» laeoibus mbramoHa , Unea dor- 
8aU impressa simplici, 

Ist so grofs, als die Torige, ihr nahe 
yervandt, aber weniger kugelig, mehr ver- 
längert, längs des Rückens mit einer ein- 
fachen geraden Furche. 

Erato Risso. 

45. ! cypraeola Ri. lY. 240. fg. 85. \Cq, e, d, 800. 
Yoluta cyprae^oia Baca. \Am4. 
Marginella cypraeola Ben. n. 28.;iM«. 

Sa. 126. 



— Ct5 — 

Zahne der Cy|>rBeeii, Form der Mar- ^ 

ginellen, doch keine Falten auf der 
Spindel. 

Gegraben auch in Sud-Frankrekh. 

Ovula. 

46. ! 8 p e 1 1 a Lhx« Fa. Bnir. n. 27. Cq, e. d. 8. 
Bulla «pelta (Lnc.) Ol, Bbch. 278. 

¥ Ovula hirostrit fostilia Ln. Tu. 
371. 
Lebt im Mittekneere. 

47. ! paBserinalie Lmk. Tu. 871.; Bbn. 

' n. 26. Cq, e, d, 8. 

Bulla birostris Beck. 278. (non Liw. 
Lmk.). 
Nur fossil. 

Volvaria. 

48. ! p i n e a n. «. Cg, a. 

V, testa fua\farmi'Ovatay glahra^ laevi, 
spüra exterta «uftcoftiea, apiee obtuaa; labro 
dextro cofwexo, plicU trihua^ man^estü. 

Hat die Form Ton T. tri t i cea, ist aber 
etwas ipröfser, die Windung länger, und 
hat nur drei deutliche Falten. Länge 
0,012in. 

*.y. septemplicataRi. IT. 234. quar- 
tiär, bei Nizza ^ ist mir nicht genügend 
bekannt. 

Marginella. 

49. ! auris leporis Df. 29. l46. Ta, c, 
Yolnta auris leporis Becr. 820. 

50. ! auriculata MiNAED. F^b. Ben. n. 29.;/ 

Bü. (Cq. c. d. 2600. 

Yolnta buccinata Ren. (Ba, An. Ni. 

Yoluta buccinea Begh. 319. 645.; 

Sb. 125. 
Yoluta pisum Beck. 642. 
Auricula pisum Df. «3. Suppl. 134. 

FiftE. 104. Sb. 99. 
Auricula buccinea Sow. Y. 100. 
Auricula yentricosa Sow. Y. 
Auricula^urgida Sow. Y. 143. 



Aarical« ringen« Lmk. YII. SS9.; Dh. 
^Zl.; Dv. 3. 'tnppL 134.; Ba. 
? Harginella buccinea Sa. 126. Ri. 
IV. 28«. 

ff. vor. laevis: Aur. bncGinea Sow. Cq. c£. 

junior j eaÜo eolumeUae et margme lahri 

m^tiiuiü formatü : YoL piaam Bac«. 

ß. vor* iranavermm ttriaia: Aar. Tentri- 

cosa Sow. Ba, e. 

jumor: Aar. turgida Sow. 

Di0 in den blauen Subapenninen-Sdiich- 
ten YorkoniBienden Individaen «ind ge* 
wölinlich gröfeer, bauchiger, mit kürzerer 
Windung, die der gelben Sandsebichten 
•ind meitt klein, mit spitzerer Windung^ 
gllnzenderer Oberfläche , deutlicherer Strei- 
fang. Dieses nämliche Verhalten bemerkt 
man auch bei einigen andern Konchylien- 
Arten, welche in beiderlei Schichten zu- 
gleich Torkommen. An Uebergangto der 
Form fehlt es nicht. Sind die Schwiele und 
der obere Zahn des linken Mundsanmes und 
der verdickte Rand des rechten bei A, venr- 
trieosa noch nich^ auiigebildet , so hat man 
A, turgida Sow., und ebenso verhalten sich 
A. huecinea Sow. u. Fol. pisum Brch. ge- 
geneinander. 

Lebt im Adriatüehea und im MiUelmeere* 

Gegraben auch in England, um Bor- 
deaux, Pturis , in Champagne, in Süd-Frank- 
reich^ in Siebenbürgen (Bbn.) u. PodoUen 
(Bü.). 
51. ! OTulata Lmk. Cg, a. 

Auch um Paris gegraben. 
92. ! clandestina n. 

Voluta clandestina Brch. 642. Sj^. 

Lebend im Mittelmeere, 

53. . eburnea (Lmk.) Bro. 64. iSangonim. 

Ai^ch um Paris fossil (Lmk.). \Ro, h, 

54. . phaseoluli Ba«. 64. Bo. 6.; Su, 

Voluta. 

55. ! crenulata (LhkO Bro. 63.; Df. 58. 

477. Jto.^b,; Sangom, 



— sw — 

Auch, fM«il um Pptis^ Cvwfagngn oimI 
in Englgmd, 

Die Italienischen Hx^m^lure sind kleiner, 
als die Pariger, 
56. . coronata Bbch. 306.; Df. 58. 430. /B€lf,aJ(Elu:n,). 
y. affiniB Bae. 63. \Su, ? 

\Rq. b. 
Die Exemplare Ton Belforie bei Monte- 
notte sind in ^path Terwandelt (Bbch.). 

59. . affiniB Bbch. 306.; Di*. 58. 479. BelfMJ? (ß%cm). 
f y. »üb spinös aBao. 64. fio, b. 

Auch hier sind die Exemplare von Bei- , 
forte in Späth verwandelt. 
58. . citharella Bbo.64.; Df.58.479'; Sb. 
1». Su. 

Noch gegraben in Süd-Frankreieh» 
Sa.magftrnm Bbch. 307.; Df. 58. 480. J9el/.ii.?(BBCH.). 
y. magorum > . __..^ 

V. co.tat, pw. tf. 290. 

Ebenfalls in Kalkspath verwandelt. Mehr 
die Form von Marginella, 

Fossil auch in England, 
^ / Ri.iy. 25Q., qiartiäre Ar- 

^ . y. punctata Ken von Awaa, sind mir nicht 
• . y. acuta (genügend bekannt. 

Mitra. 

60. ! plicatula Df. 31. 493.; Ri. IV. 244.;/ 

Bbn. n. 32. }Cq,^Ba,cJCd,)jL^, 

yoluta plicatula Bbch. 318. 646. fJVi. 

Soll kleiner auch lebend im Mittelmeere 
vorkommen (Bbch.). 

61. ! pyramid^lla Df.31. 493.; Ri.IV.217.;/ 

Bbm. n. 31.; Sb. 125. a:q,(c,)d,l^. 

yoluta pyraraidellaBBCH.318.;S£. 263.(M. 
Mitra laevis Eichwald test. Bu. 

Gegraben auch in Sud-Frankreich, , in Po- 
dolien etc. 

62. ! fusiforniis Ri. ly. 243.; Bbn. n. 33. ' iCq, c. d, 225. 
yoluta fusiformis Bbch. 315. {jn, Ni. 
Mitra plicatella (Lmk.) Dp. 31. 490. 

vor, a» laevis^ 

var. ß. obsolete transvcrdm-striata. 



f 



in. ! etriatuU Ri. IV. 247«; Si. Itf. i€q, <^. I. 

Yoluta atriatuU Bach. S18. ^iVt. 

Ultra alligata Ihf. 81. 4l94. 

Df. hat geglaubt, deii von BacH.^gege-' 
beaen Artnamea andom an näMen, weä 
Lhk. eine lebende Art eben so genannt hat. 
Aber Baoccn'« Name hat die Priorit&t. 
Gegraben, auch in Sudr¥rankr&ih, 
e4. ! acrobiculata Df. 21. 493.; Bi. IV. 243.;/ 

Bau. n. S4. ; Ss. 125. VCq. c (i.) 27S. 

Volata aerobicnlata Baea. 317. jTa. e. 

Gregraben auch ia Süd-Frmnkrei^. \Ni. 

65. . obsoleta n. V^U&ra, 
Volnta obfoleta Bacli. 646. 

66. ! cnpretsina Df. 31. 493.; Bah. n. 30. Ba, e. IM. 
Volnta cupressina BacH. 319. 
f Ultra flexuoflaSA8Mgiorn.I^gaatl827. Mbenga e, 

* H. Leonardiana Ri. IV. 

244., Nu tertiär. 

• M. TentricOBaRi. TV. 246.5 i «. , . • « ^ 

^. .... I Sind mir nicht 

/Vi. quartiar. > - ^ ^ 

• M. Adolphia Ri. IV. 246.if "T"*** ^*' 

M. quartiar. Ikanat. 

* M. Borniana Ri. IV. 246., 

NL quartiar. 

• Mitrella laeyigataRi.IV.248.,\ 

Nu quartiar. f 

* Mitrella costnlataRi. IV. 248.i ^^^S^' 

Nu quartiar. / 

Terebra. 

67. ! fuscata Bek. n. 35. (JCq. c. (d.) 
Buccinum fuscatum Brch. 344. iAn, Sy. Nu 
T. plicaria Ba. 52. Df. 58. 287.; Se. 124. 

T. Btriolata Ri. IV. 241. fg. 74. (etwas 

stärker gefaltet.). 

Fossil auch nm Bordeaux, in Süd-Frank^ 
reich y in Siebenbürgen (Brn.). 

68. ! pertusa (rar. /?.) Ba. 53. Brn .n. 36. Df. 

58. 288. ; Se. 124. Cq.c.(d.ß^',Am. 

Buccinum strigilatumBacn. 347. (non 

T, strigHata Lmk.). 

Fossil auch um Bordeaux, in Süd-Frank- 
reich und Siebenbürgen (Bau.). 



— 58» — 



69. ! duplicata Ba.$3.; Biin.«.87.; Ss. IM. 

Df. 58. 287. Cq. e. (d.) 22». 

Buccinam daplicatum (l«™-) Bwai. 
347. 

Fossil auch um Bordeaux und in Süt^- 
Frankreich. 

70. ! plicatula Lhk. Ba. 52.; Dr. 58. 286. - An, d. 
Buecinum cinerenm (Lir.) Back. 346^ 

vor. ß. T. cinerea Ba. 52.; Dv. 58. 2&J. 
Fossil auch um Pam, B9rdeßHX^ in 
Siebenbürgen (Bau.). 

71. ! Yulcani Bae. 67.; Sa. 124.; Bv. 58. 288. Bo. 6. 
Muricites costatas Scbt. 14$. 

Gegraben auch in Säd^FrßoknieJk. 

Dolium. 

72. . maculatum Lmk.? €q, 
Buccinam doli um Bbch. 824. 

D. m. Lhk. lebt im. Mittelmeere ; die fos- 
sile Art aber ist wegen dmgev ttow 
Brocchi angegebener dtaraktere viel'- 
leicht Ton jener t^erscldeden. 
78* ! lampas. Cq^ d, 1. 

Buccinüm lampaa Bncn» 895. 

74. ! pomiforme Bbn. n. 5S. Cgi e, 2fK 
Buccinüm pomum (Ihn.) BaeiL 825. 

[non LiN.]. 

75. ! orbiculatnm n. Am d. 
Buccinüm orbiculatum BaeA. 647. 
Cassidaria orbiculata Ri. IT. 185. 

D. pomiforme Jtcn. pur. n. 53. 

Ich hatte diese Art erst für ein junges 
D. pomiforme gehaltrai; sie untei«- 
scheidet sich aber durch die Weise deif 
Streifung und die Falte auf der Spindel, 
ohne jedoch fi^lich wegen letaterer mit 
einem Geschlecht der Columellarien 
Lhk. vereinigt werden zu' können. 

Buccinüm. 
a. Testa ultimo anfractu costata auf 
verticaliter sulcata, 

76. ! arcularium Lhk. Sy^ ) 
Bronn, Reite. IL 34 






T^ 



— 680 — 

Lebt im OsHndUehen Ocean. 
TT. • TerracoBum (Lui.) Brch. 650. Piacenza, 

Lebt im Mittelmeere, 
n. ! priBmaticum Brch. 337.; Ri. IV. 161.;)C9. r. d, 2500. 

Bew. n. 47. Sb. 122. M«.; %•; A^»- 

NflisBa prismatica Df. 34. 24l. 

Gegraben noch in Südr-Frankreick. 

79. ! clathratum (Liw.) Bbch. 338.; LMK.^Cq. c, d. 2000. 

Vn. 207.; Bbn. n. 38.; Sb. 122. ]^n.; %.; Nu 

NasBa clathrata Df. 34. 242. 
B. cancellatum Ri. lY. 164. Fg. 81. 
Lebt im Ostindischen Ocean. 
Gegraben noch zu Courtagnon, Bor- 
deaux und in Sud-Frankreich. 

80. ! serratum Brcb. 338.; Bbn. n. 52. \Cq. c. d. 3800. 
NaBsa Berrata Df. 34. 242. j^n.; M. 

B. Beccaria Ri. lY. 165. Fg. 80. 

81. ! polygonum Brch. 344.; Brm. n. 46.; Sb. Cq, c. (d,) 30. 

122. 
NaBsa polygona Df. 34. 244 

Gegraben noch in Süd-Frankreich. 

82. ! reticulatumLiN.LiiiK. Brch. 336; Brn.)C^. «• d. 100. 

n. 49.; Sb. 122.; Bu. J^.; iV».; % 

Nasaa reticulata Df. 34. 24l.; Ba. 48. 
Planaxis reticulata Ri. IV. 173. 
? „ mamiUata Ri. IV. 178. Fg. 122. 

Lebend im Mittelmeere. 
Tertiär noch um Bordeaux, in Süd' 
Frankreich, in PodoUen, in (variet.) Sie- 
benbürgen. 

83. ! musivum Bbch. 340.; Bbn. 9. 43. )Cq. (e.) d. 100. 
Nassa musiva Df. 34. 243. lAn,; %. 

84. ! turbinellus Bbch. 653.; Se. 122. Ba. c; Ta. c. 

Fossil noch in Süd-Frankreich. 

85. ! a 8 p e r u 1 u m Bbch. 339. ; Ss. 121. )Cq. c. d, 15. 
Nassa asperula Df. 34. 242.; BA./^n. 

49. ) 

B. m a c u 1 a Montagit, Pa. 

Lebt im Mittelmeere und an der Nord- 
Küste. 

Fossil noch um Bordeaux und in Süd- 
Frankreich. 

86. fflexuosum Bbch. 339. ; Sb. 122. Sy. 
Nassa flexuosa Df. 34. 242. 






^ 



— Ml — 

¥ B. coloratum Eichwalv test. Bv. 

Aach in Süd-Frankreich und in. ? Po- 
doUen gegraben. 

87. ! costulatum Rb. Brch. 343. 652.; KOBa. e. SSO. 

IT. 162. ; Brn. n. 41. ; Ss. 123. >M. ; % 

Nassa costulata Df. 34. 243. 
. fl, B. turgida^ nur einmal bei CaateWar- 
quato. 
Lebt im Mittdmeere (Rb.). 
Gegraben in Süd-Frankreich, 

88. . temicostatum Brch. 654.; Sb. 122. FoUerra. 

89. ! corrugatum Brgh. 652.; Bau. n. 40.; 

Sb. 122. ; St. 394. C9. (e.) d. 

B. stolatunff Rb. 
ß. B. angulatum Brch.\ 

654. f scheint kaum da- ,. t^ m x 

Nassa angulata BA.iTon TerBchieden. ^ 

49. ; 

Lebt im Mittelmeere Rb. 

Die fossile Art und Varietät noch um 
Bordeaux , in Süd-Frankreich , eine grofsere 
Bu Korytmka in Polen, in Schweizer-Ün^ 
lasse. 

90. ! serraticosta Brh. n. 51. ^Cq- d. 400. 
B. turbinellus (Brch.) Ri. IY. 162. FgjiVt. 

91. [non Brcr.]. 

B. obhngo -turrita ^ vertieaUter coatataj 
costis angustis acutiuacuUs^ area plana tn- 
terseptia; strOs transversis continuis^ te^ 
nuissimis; anfracttbus canvexis ; Idbio ex- 
teriore extua incraasatOj intu8 atriato» 

Diese Art hat Habitus, Streifnng und 
den Terdickten äufsern Mundsaum mit 
B. asperulum und B. corrugatum 
gemein, welcher letztere den übrigen 
Verwandten abgeht. Ucbrigens ist die 
Grofse wie bei B. corrugatum, Rip- 
pen, Streifen und Umgange mehr wie 
bei B. asperulum, doch ist unsere Art 
schlanker gebaut. Bei B. corrugatum 
dagegen liegen die Rippen dicht anein- 
ander. 

91. ! pnpae forme n. sp, Cg, a. 

B. tetta Mango -ovata^ stiboentrieosa ; 



äpirwc ttttfnctSbtu oMnfc iioMfify mjh^ 
wtmtieo; t mpa ßek ymdique UmgUwiimMter 
et tramvernm ob»oleie striata ; Mio 4carfr» 



h. Testa ultimo anfraetu eoatis et 9trii$ 
vertiealibu» destituta. 

92 ! gemiftristum Buch. 651.; Bbh. n. 50.;}Cq- e. d, 1,4M. 
Sb. 121. Mfi.; ^i- 

B. corniculnm Bbcm. (autea) 842. [na» 

0&I¥I.]. 

. Nassa semistriata Bv. 34. 241 (ezcL 
Planaxis diicrepans Ri. TV. 178. Fg. 



^, rar. «fria^a. 

Gegraben anoh in Sud-FraalkreiA, 
98. . eziguam BacH. 655. i^. 

94. I c o n a 8 Bau. n. 39, €q. c. d. 15. 
B. i^upa, vor, tpira plieata Baoi. 885. 

95. ! pnpa Bau. n. 48. |Cgr. e. d, S^. 
B. pnpa vor. 1. BacH. 385. >%• 
Nassa conglobata var. Dp. 34. 241. 

Der rechte Mundsaum innen mit 8 — 10 
Falten. 

96. . interraptum Bacn. 340. Cq- 
Nassa Interrupt a Uf. 34. 243. 

97. ! conglobatum Bacn. 334.; Rl IY.)Cf. c. d 60: 

161.; Bau. n. 42.; Br. )%; ^«-i M. 

Nagsa conglobata Dv. 34. 240. 

Der rechte Mondgaom innen mit 10 — 
12 Falten. 

Fossil noch in Podotieh. 

98. ! macrodon n. sp. ^^* • 

B, testa obbmffo - Cornea ; anfraetibus 
planiusculia ^ suJkcontinim ^ supeme deme 
transversim striatis, ultimo undique trans- 
versim striato , atrtis mediis obsoißtiorilnu ; 
. ore parva ^ la)no extefiere subinftate, iatu» 
dentibus 6* instructo, medüs tribua. meijmi- 
bus; labio interiore hxmmmfwnii. 

Hat 8 — 9 Umgänge ; die 2 obern der 
etwas yerlängerten Zähne sind die klein* 
■ten, der dritte der gröfste, die Mgen- 



den nehmm an Gröfse ab. Lange W^* 
Paris. 
99. ! mutabile Lik. Bbch. 341.; Lmk. Bbn» 

n. 44. ; Sb. 122. ; Bv. C^, e, d. 28. ; An, 

Nassa mediterfan^a Ri. lY. 170. 
! ß. vor. transversim stdcatü Brn« ti. 45. €g, 6, d, 25. ; An, 

B. obliquatum Brch. 656. x 

Nassa oblii^aata Dr. 34. 24l. 
! y. vor. spira elongatu Bboh* 356. 
Lebt im Mittehwsere. 
Gegraben noch in Südr-Frankreich und 
Padoüen. 
100. .Caronisn. Bo. b.; Su, 

Nassa Caronis Bb«. 64.; Df. 34. 243.; 
Se. 121. 
Ob Ton TOriger Yerschieden? 
Gegraben noch in Süd^Frankreick* 

100. IlaeTissimumn. ^* c. 2.; Su, 
B. corniculum Ol. [non Buch.] 144. 

Nassa semistriata Boas. Bao. ^. [non 
Brch.]; Sb. 121. 

Lebt im Jdriatischen Meere. 

Gegraben in Süd-Frankreich. Eine in 
Anjou vorkommende Form ist entweder 
eine Varietät von dieser ^ oder eine ganz 
verschiedene Art. 

101. ! turgidalura. Cq. c. d. 20. 

f Yolata turgtdula Brch. 319. ^♦».; M; «y.. 

Nassa collumbelloidesBA 49. 
Mitrella targidula Ri. IV. 249. 
Mitra Brocchii Sb. 125. 
, Fossil noch um Bordeaux , in' Süd-* 

Frankreich zu Koryntica in Polen, 
lifl. ! gibbosulum Lin. Brch. 658. ; Sb.124.^^5 %5 ^*^ 
Nassa gibbosula t)v, 34. 245. 
Eione gibbosula Ri. IV. 171. 

Lebt nach Lin. im Asiatischen Occan. 
Gegraben auch in Süd-Frankreich. 

* B. biplicatum Ri. \ welche nach Risso 
VB. elegans 11 V. 163 — 166. ; und 

* B. affinis 1179. fossil in Ter- 

* B.angulatum[n.BBCH.].[tiär> Gebilden um 

* B. Allioni Witpa vorkommefi, 
*B.polygonnm [n.BBCH.] 'kenne ich likht gt^ 



— fi»4 — 

* B. elegantiBiimitiii ^an genug 9 "1b 

* B. pulcherrimiim nhre Ansprache aaf 

* Plsnaxis prozima /Selbstständigkeit 

* Planazisimbricata 'etc. auszonoiitleln. 

eine andere Reihe Ton 

• B. costnlosum Wg^oIV. 1Ö9— 1«0. u. 

• B. tnberculatnmlj^g^ aufgestellter Ar- 

• B. Balbisianum ^ten,aasqnartiärenGe- 

• B. proximnm Uüden um Mwa, kenne 
" Planaxis minutaj.^i^ ^^^^ ^ ^^„1^, 

Cgclope Ri. IV. 169. Cydops Mf. '). 

10S.!neriteum )Bologna c. 

Buccinum neriteum Lmk. Bbch. 884. Ip^ (Bbcil'). 
Cyclops asterizans Mf. II. 871. (^^^ 
Cyclopeneritoidea Ri. IV. 170. / 
Lebt im Mittelmeere häufig. 

Monoceroa. 

104^.! monacanthos Bbn. h. 54. ^r^- * ^^ 

Buccinum monacanthos Bbch. 381. 
Af. te8ta ovato^oblonga ^ spira exserta, 
aeuminata; anfractibus convexiuscüUs ^ ul- 
timo varicibua obsoletis, subnodosis aucto; 
labro mtua dentato , columeUa svbunibi- 
Ucata. 

Ausgezeichnet durch den freilich nur 
schwachen, oft kaum angedeuteten Nabel. 

105. ! depressus n. «p. 

M. testa inflato-ovata ; superficie rudi;, 
varicibu% longiluidtnalibus obsoletis crassius- 
cuUa , irregtdaribus ^ spira d^ressissima, 
parum exserta^ columetta exumbiUcata ; 
iabro dextro intus nodoso-dentato, 

Ist etwas seltener als vorige^ durch 
die niedergedrückte Windung kenntlich. 

Pufpura. 

106. ! striolata n. «p. Cq. c. 1. 

P. testa. ovata; ultimo ai^ractu reUquis 



* Den Montfort'schen Namen hat schön ein Cnuta- 
cecn-Geschlecht erhalten. 



— Mft — 

niedre; anfraei&ma convexia; tota super- 
ficie subiÜiasime' et densissimc transversim 

striata , stria quaque quorta aut quinta ma-^ 
jore (albicante). 

♦ P.lineolataRi.iy.J 

168., tertiär, / »r. i 

« n n f • • D r wm Nizza vorkom- 

♦ P. Rafine8qaiaKi.v , , . - . i.x 

rcr 1/»^ i.*- /mend, kenne ich nicnt 

rv. 167., quartiari . ' 

♦ P.glabraRi.IV.169.A^"*®'- 

qaartiär ] 

t 

Ca 8 8 $8, 

107. ! texta Brn. n. S5. 56. 57. )C^. e. (f. 560. 

)An.; Cälakr. 

a. adidtOj taevis^ evartcosa. (Cq. 130.J 
Buccinum areola BacH. 329. [non 

LiN.]. 

C. laeTigata Df. 7. 210. 

b. adidta, laevia^ varicosa. (^9' ^^^O 
C. laeyigata vor. Df. 7. 210. v 

cjupeniUs, transversim striata, C^7' ^'a 

Buccinum saburon Brch. 329. [non 

LlN.]. 

^? G. saburon Bä. 51. 
C. striata Df. 7. 209- 
C Deucalionis Eichwald test. Bv. 

Die meisten Exemplare lassen auf den 
Mundwülsten noch yiereckige rothe Fle- . 
cken sehen, wie G. ar«ola Lmk., aber 
auf der übrigen Oberfläche bemerkt man 
JaTon nie eine Spur. Bei G. areola ist 
die ganze Windung mit starken Längen- 
streifen und schwächern Queerstreifen 
versehen, und daher gekörnelt. Bei G. 
texta hingegen ist die Längenstreifung 
sehr schwach, die stärkere Qneerstrei- 
fung nur am obern Theile . der Umgänge, 
und die bauchigere Windung ist daher 
nicht gekörnelt. Endlich sind alle Exem- 
plare in der Jugend auf dem ganzen äus- 
sern Umgang in die Queere gestreift, 
was sich aber mit dem Gröfserwerden, 
in Terschiedenem Grade, mehr oder we- 
niger verliert Die Mundwülste fehlen 



plaren. 

FoMdl nodi um fionfemurf, in PoMkm 
etc. 
106. ! plicata Ihr. 7. 210.; Bbm. n. 58. <^V ^- &• 

C. Baccinnm plicatnm (Ijin.) Bbcb. 
828. 

. laxftm^B B. plicatnm lebt int Ocetn 
um JanuUea (Bacn.).- 
1^, ! intermedia Bnn. n. 59. )r <f 45. 

a. vor. ncNiorttfii seriehus tranaversia 4. ?^' 

Casus rotundata Df. 7. 211. / 

A t)ar. nodbrufii «en'edis transvfftn» 5. ^ 

Buccinum inter medium Bbch.827.;„?' '.« n 

Y Cassidaria tubercnlata Ri. IT. 
186. 
116. . cythara n. Bd/wie (a/). 

Bncctnum cythara Bactt. 886. 
Oniscia cythara So. gen. of «hellSi 
n.24. 

111. ! Rondeleti Ba. 51. Ao. h. 

• C. sulcata x ^^^^ jy ^gj^ jgg. 

• C '^?"^*'^"***" und 188., welche ter- 
. 'JF* * ^ ^Ati&r vaa Nizza Yorkom- 
, C.Sau..ui.e.Fg.88.' bedürfen genaa- 

C..trioUt8 jewr ünterguchnng. 

• Oniscia Alicia 

Mo r io. Mf. (Ca$9idmiä Lmk.). 

112. ! echinoplmrus Mf. II. 497.; Brh. n. 

61. \cq,€.d. 99. 

Buccinum eebinophorum Lin. BBon.\Ta. c 
826. U«.; SH'i J^ 

Cassidaria echinophora Lhol Ui^Odabrien, 
IV. 184. ; Sb. 119. 

a. tniigari» : le Hemdme tuberculeux Df. 20. 
323. ' 

b. crasaus: U Heavlme du Plahantin Df. 
20. 323. 

cjuvenilhi Bucc. diadema Bbch. 826. 
Ri. IV. Ifö. 

? Cassis diadi^ma Df. 7. 210. 
Lebt im Mitttümeei^, 



- fi«r ^ 

Gegraben nock tm SM-BSratäcreM, 

113. I.Tyrrhenus Brn. n. 60. ' Cf. e. ^ 12. 
BaccifHim Tyrrhenum Lnr. Bach. 

328. 
Ca8 8idariaTyfrheiiaLMK.Ri.IT.184. 
ß. vor. nodia emnifto de^ütutu. 

Lebt im Mittelmeere, i, 

114. ! 8triatii8 n. Ao. 6. 
Ca8 8i8 8triata (So.) I. 24.; Bbg. 65. 

Fo88il auch im Lendonelay Ton Highgate, 

115. . The8ei. Re. h. 
CaBsis TIie8ei B&«. 66* 

116. . A e n e a e. Ao. b, 
C. Aeneae Bsg. 66.; Mü. 

Aach fo88il am Kre§senberg„ 

117. ! flexuo8a8 n. 8p. Ro, 6. 

C ^es^a owita , t<5/$v6 «ufttttItttviRe fri»»- 
versim-stHata I spita ekita; tmfirttetihua 
carituttis , iupeme depressia ^ deeUvihuM, 
infeme varieibus oHiquüy ßtsüoms, suhno- 
dosis ad carinäm in aculeo$ hrevei temU^ 
natis; cauda hreviuBctda. 

* Ca88idariaS€illaRi.\ ^7« • j 

IV. 185. r""!! ' """^ 

, « ., • . , )noch ffenatter zu 

* Ca88idaria tubercu-i . ^, 

1 X » TX7 lo« \anter8uchen. 
lata Ri. IV. 186. ; 

Bosiellarta. 

118. ! pes pelecaiti Lmk. VII. 1JI3.; Ba. 6ft;\^ 

Ri. IV. 225.; Dp. 46. 299. Brn. n. 62. p* ""' ^' ^^' 

< Strombas pes pelecani Brcä.i^*'* ^' 
3g5. Vn>; CaUahrien. 

4^ Rostellaria pes pelecani (sub 

Pterocerate) Bo. 53. 
Rostellaria pes carbonis Brg. 75.; 

Dv. 46. 299.; Se. 118. ; Btr. 
Rostellaria alata Eicrwald test. Bm 
a. /lifito^.* Murex gracilis JteoR. 437. 

664. 
A. testa twrtita; anfractUnis ceuinatis 

subtosteUatis ; labro in digitos tre» dibiao, 

digito auperiore ipita breviori, extr&rsum 

nutante; canale baseoa foUaceo incurve. 
Lebt im Mittelmeere. 



250. 



FoMÜ aoch um BonieaiMr,. ia PotMkm 
> n. B. w. 

119. ! Uttingcriaiin* Ri. IV. 2». |Cy- c A 

4^ Strombas pes peleeani Bach. 385. 

<^ Roitellaria pes peleeani (sab 

Pterocerate) Bo. 53. 
Rostellaria pes ardeae Sassi gpwm. 

Ltgwt. 1827. Sept 
Rostellaria pes gracali Bbn. n. €3. 
vor. ß, 
Rostellaria Brongniartianus Rl 

lY. 226. Fg. 94. 
Rostellaria pes pele^cani BrnoH. 75. 

(dod Lhk.). 

Ä. tesia turrita; anfractünu nodoso-ca- 
rinaiU; labro in digitaa trea diviso , di^o 
mperiore spira Umgiore^ erecto^ svbuUrtoi 
catiale haaeo» elongato , subviato , memrvo. 

a. carinis baaeos tuber etdaUs 2., mutiea 1. 

ß, earmis haseos tuberculatis 8. 

120. . Der Kern noch einer andern^ gröfsem 

Art findet sich in Frf. Jan's Sammlang 
in Parma ^ aus der Gegend Ton CasteW- 
gomberto. 

Hippocrenes, 

121. ! Fortisii n. Bo, b. 
Strombas Fortisii Brg. 73.; Df. 51. 

123. 
Marex laeyis Fobtis. 
Marex alatas Fobtis. 
vor; spira elatiore: Strombas Ronca- 

nas Sb. 119. 

122. ? Bonelli n. Su. 
Strombas BonelliBBO. 74,; Ba. 69.; 

Dp. 51. 123. 
Fossil aach um Bordeaux. 

Stromhua. 

123. ! coronatas Df. 51. 124 %. d.; Fi. 
St. fasciatas Bbch. 386. [non Lin.]. 

Knobb Petref. IL tjF. C. Fg. 1. 2. 

124. . cornatus Df. 51. 124. Piemowt. 



St pngilU (Lm.) Ba 52. [non Lni.]. 
Knorr Petref. ü. tf. C. III. Fg. 1. 2. 

125. . accipitrinu« Lhk. Dt. 51. 124. Piaeetua. 
St cottatns (Liir.) Buch. 387. 

Eine Varietät daTon ioll auch lebend 
Torkommen. 

126. . gallus Bobs. 51. [non Lnr.]. As, 
GUALTIBRI tf. 32. Fg. F. 

^ St Delucianus Ri. lY. 227.; (Hippo- 

crenes?) M. qum^iar. 

Pterocera. 

127. . r a d i X Bro. 74. ; Dp. 54. 27. Cg, a. 

Tritonium. 

128. ! nodiferum Brn. n. 69. ^ Ogr. c. d. 18. 
Triton nodiferum Lmk. VII. 179. 

Murex Tritonis Br()h. 413. 
a. juvenüe : Murex gyrinoides Broh. 
401. 
Lebend im Mittelmeere, 

129. ! doliare Ba. 61.; Df. 45. 543.; 55. 382.;\ 

Brn. n. 67. |/^_ ^ nm 

Murex doliaris Brch. 398.; Brg. 67.;)^^ . g^ 
Bo. 60. ( • » ^• 

Triton doliare Sb. 117. / 

Fossil auch um Bordeaux und in Süd- 
Frankreich, 

130. ! 1 a m p a s Brn. n. 68. Cq, e,(d,) 15.,\% 
? Murex lampas (Lin.) Brch. 400. (non 

Triton lampas Lkk. VII. 180.). 
Der LiNNB'sche M. lampas lebt in 

. Ogtindien , ist jedoch wohl vom fossilen 
verschieden, welcher nie so grofs wird, * 
Und am äufseren Mundsanme nur schwa- 
che Falten, aber keine starken Zähne 

, hat 

131. ! cancellinum n. Cq, c. (d,) 2. 
Murex cancellinus Brch. 403. 

132. !• corrugatum Brn. n. 64. }Cq. c, d, 600. 
a. dentibus.labri plerumque 7. lAs,; %; JPi. 
Triton corrugatum Lhk. VII. 181.; — 

? Sb. n7. 



— 540 — 

Murex pileare üftCH. S9Ck$ Bd. 59. 

[non Lmk.]. 
? ß.Jutemli8, varie^ui mhmiüh, 
Mnrez intermedia« B&ch. 400. ; Bl». 
57. ; Df. 45. S^.i 8ii. llT. 
' y io^f^ dentHma 5 — 0., (rarior). 
Lebt im Mittelmeere. 
FoMil in Süd-Frankreich? ^ SU Mtoryt- 
nfkä in Polen» (yf.). 
1». ! dSstartam Df. 55. 383.; Bbn. n. 06. iCq. e. d. 350. 

Miirex distortns Buch. 399. ; Bo.' 99.^ ^^n. 
Die rechte Lippe mit 5 Zälinen. 

134. ! Apenninicum n. '\ ^ 
Triton Apenninicam Sissi, Giorn.S^' ' 

Ligust ISN. Sept. P' 

Tritoninm cruciatum Bbn. n. 65. 

Murex reticularis vor. BrOu. 408.; 
Bo. 00. 

T. testa ovato-turritai gibhosa^ dist&rio, 
eostia UmgkudmdUlnu et ttantvtnaUbua 
svbaequalibu8 , eruciatis spinosa; spinis ' 
compressis^ acutia ; apertvra ovata^ la6to 
exteriore 6 — Identato , intertare ruffösP $ 
ruffis paucis. 

Die spitzeren Knoten, die regelm&fsig^ 
quadratische Ordnung, in welcher sie 
Tertheilt sind, unterscheiden diese Att 
leicht; doch ist die Zahl der Qneerlei- 
sten sehr yeranderlich. 

135. ! tuherculiferum Bbn. n. tO. Cq, c* d 35. 
Murex rana var. Bbor. 40L ^n. 

T. testa ovata^ veritficoaih'^hvsa ^ dta- 
torta^ rugis tranav^nfis tt tongitudtnäU'* 
hu8 mtQorihus truciatia obtuse nodosa, trana- 
veraim atriatä; apertarä ovata reguiari; 
Idhio dextro intaa Ide^ato, ainiatro ruf ; 
goao. 

136. ! heptagonum. Jn. d. 1* 
Murex heptagonus Bbch. 404.; 1>f« PonAff. 

45. 543. 
? M. tesselatus Bo. 02. 

Mein Exemplar, noch viel &leiiler , als 
das Ton Baocem aUgehfidele, hat iloch 
schon swei Mundwulste. 



-^ Hl -r- 

Ranella. 

137. \ gigantea Ln. TU. 150.; Dr. 44. 447.; €7. e. 4. 50. 
Brn. n. 71. 
Marex reticulafis Bbcr. 402. Bo. 00. 
Lebend im Mittelmeere. 
108. ! marginata Sow. Bro. 05.; Bi. Ol.; Br.^ 

44. 447.; Sb. 114.; Brn. n. 72. ICq. e. d. 1500. 

Buccinnm marginatnm 611. 3480. ;^'^'*9 ^; ^^M % ; 

Brch. 332.; Ri. lY. 101. K M'. 

Ranella laevigata Lmk. YÜ. 154. J 
vor. ß, Ranella Brochii Brn. S^fnt, 
Buocinum unarginatum juoenUe Brch. 
032. » 

Die Form fi, ist eieher mcht allein 
Alten-Venchiedenlieit« soadem Tarietai, 
welche in manchen Gegenden« wie an 
C7. , nur allein Torkommt, wahrend «io 
in andern (An.) fa«t gaus fehlt Doch 
finden sich Uchergänge. 

Fossil noch in Süd-Frankreich , um Bor- 
deaux^ zu Korytnica in Polen (ß^ 
189. . leucostoma Bi. Ol. 9ir. 44. 448. Piacensa. 

Wird Ton Dv. in ItfUim Bitirt. Fossil 
noch um Bordeaux. 
Lebend um ISeuhoUand. 
* B. costata Ri. IV. 202. Fg. 123. iVt. quartiär. 

Mures. 

a. Cauda lonffa^ reeta; testa spinosa. 

140. ! cornutns (Lin.) Brch. 389.; Bors. 53.; Cq. c. 1.; Js» 

Sb. 115. 

Lebend im jifrikanisckmi mid Indischen 
Ocean. ^ 

Gegraben noch in SOd-^ankreioh. 

141. ! brandaris Lin. Broo: 380.; Bors. ^^)Cq. o. «^ 000. 

Ri. IV. 189.; Brn. n. 73.; Sb. 115.; Bv.Mn. 
• «• 
ß. anfractibus cannatis. 

M. Corona tus Rl IY. 190. Fg. 78. 
! y anfractibus nodosis , cauda spinosa , (ntim (€q. 100.). 
distincta apec.T) 
Broh. 390. ; Bbn. n. 74. >^ 

Lebend im MUtelmeere. 



— 5«t —. 

Letstere Yariet&t findet •Mi M«h Bmcm. 
BQch im Miti^meere. 
Geipraben noch in Süd-Frtmkreick» (m»)v 
15S. ! bifidns Brn. n. 86. Cq.e^V^i An, 

M. craticnlatus vor. B&cn. append. 063. 
IST. I imbricatuB Bncn. 408; Bo.56.; BiU^Cg. c. 2S. 

n. 82. [non Ri. lY. 196.]. Us. d 

158. ! scaUris Bbgh. 407. 668.; Jh^^S^.^ 

Rl IV. 198.; Bwr. n. 84. Yl^' j" ^' 

. craticulatus ß. Rn. / ' 

Lebt anch im jidriattukai Meere. 
150. . erinacene Bncn. 393. [noo Lin. Lm.]. Pimenza. 
Soll im AärtatUeh&k und MUUitmeere 
leben (Lm. Rn.)^ 

160. ! anguloBue Bbch. 41).; Bn«. 67.; OF-Vi^o- c. 12. 

45. 444. 547. ; Bbn. b. 81. )? Cg. a. 

161. ! adpreeene n. sp. Cq, d, 1. 

M. tetta avato - ohUmga ^ tromwwmm 
tttriata^ hmgUuämaUter wfdifvnMneostata; 
anfractuum margme tuperiore adprvsso^ 
aperturae avatae utrofw taargim dem»» 
pUcato-dentato ^ cauda hrevi. 

Die zahnformigen gleichgrefseB Falten 
beider Ifündr&nder unteiecheiden diese 
Art von den verwandten M. angulo* 
8UB, M. plicatus und M. flexicauda; 
die Längenrippen sind kurz und knoten- 
förmig, die Umgänge sind mit ihren 
obcrn Rändern an die vorhergehenden an- 
gedruckt; die änfsere Lippe hat 8 — 9, 
die innere II — 13 Zähne. Länge V^. 

162. ! plicatus (Lin.) Bach. 410.; Bbn. uACq. c, d. 40. 

87.; Bu. )M. 

Lebend von der Sieüiamachen Küste in 
Jan^s Sammlung, und ans Indien (Lin.). 
Fossil auch in Podolien, 

163. ! flexicauda Brn. n. 88. iCig. c. d, 90. 
M. plicatus vor. Bbch. 410. )An, 

Unterscheidet sich vom vorigen, aus- 
ser den von Bnoccni angeführten Merk- 
malen, noch durch den etwas längeren, 
dünneren, gebogenen Kanal der Basis. 

164. ! Blainvillii Fa. 149.; Ss. 115. Cq, c. 1. 

Unterscheidet sich von beiden vorigen 



-- 545 — 

durch die 5 viel starkem Zähne der äns'- 
Sern Lippe und zuweilen noch durch eine 
zweite Zahnreihe , welche in^ Innern des 
Mundes sichtbar wird. 

Lebend im Mittelmeere (Pa. Bbn.)« 

Gegraben in Süd-Frankreieh (ma). 
16&. ! rotifer Bbn. n. 89. Cy. c. 86. 

M, testa ovato-^fuaifomU st^inflataj tota 
superficie transveraim sulcatay suUis eleva* 
tis, crehris^ aUernia mmort6ti8, denae, 
squamosia ; anfraetänia convexia obaolete 
vertimUter coatatia, ctainatiai lafßo auUda 
extemta plicato ^ mermi; cauda inflexa, 
aperta?, aulmmhilic€Ua. 
XX. vor. anfractibua ecarma acutiaaima^ aupeme 

suhconcavia. 
^. var. anfractibua carina ohaoletiore, aupeme 
pUmo'^decUoibua, 

Die Oberfläche ist ganz wie bei M. 
imbricatus beschaffen ; aber di« 
Form der Schaale ist weniger bauchig, 
die Umgänge sind sehr konvex, in der 
Mitte gewöhnlich sehr stark Torsprin- 
gend, gekielt; der ausseid Mundrand 
hat keine Zähne , sondern nur einige 
schwache Falten, den concaven Streifen 
der Aussenfläche entsprechend. — Naher 
noch ist diese Art dem M. scalaris 
verwandt; doch die gekielten Umgänge, 
die kurze Windung, der längere, stets 
? offene Kanal der Basis unterscheiden 
sie hinreichend. 

166. I inf latus Bach. 412.; Bo. 66.; Df. 4ä. 

544. ; Bbn. n. 80. ; [non Lmk.]. Cq, ; Ißa. e. 14* 

167. ¥ torularius Lmk. YII. 576. Piemont (Lanc). 

* M. abbreviatus Df. 45. 547. JPiacefis^a (Df.) 

* M. bicristatus Ri. lY. 192. 

* M. Tolutanus Ri. lY. 198. 

* M. Daubuissonius Ri lY.) 

199. 

* M. BoTeus Ri. IV. 200. [ Yon Mazo, 
M. squamulatus Ri. lY.lferfiar, kenne 

200. X lieh nicht ge- 

* M. asper Ri. lY. 200. /nauer. 
^ronn, Reiae. IL 35 



— 6i6 — 

* IL Rolandias Rl IT. Tffi. \ 

* Anna Massena Ri. lY. 214.f 

•M. Mantellianas Ri. ly./ •"«»gl«*«'»«»- 

«00, ; 

* M. po8t diluTianuB Ri. tV.\ 

m. Fg. 90. ( .^^ 

* M. co.tulatiis Ri. IV. 191. (desgleichen. 

* M. Boccihctufi Ri. IV. 19T.\ ^ 

Fg. 121. ^ 



Pyrula. 

106. ! undata Bbn. n. 90. \Ta. e. 

Bulla ficoides Bboh. 280.; f Df. 44.|Ba. c. 30. 
208. [non Pyrula ficoides Luk. VII. 
142.; ?Sb.114.]. 

169. . clathrata Ri. IV. 213. fg. 90. M. 

170. ! reticulata Lhk. VII. 141.; Bnir. n. 91. Cq, e. d. 70. 
Bulla ficus t^or. 1. Bbch. 279. 280. Bo.; 

St. 394. 
Bullites ficus Schf. 174. 
Lebt im Indisthen Meere. 
Gegraben auch in Schweizer-Molasse, 

171. ! ficus Lmk. VIL 141.; ? Ri. IV. 213.; 

Bbn. n. 92. • )Cg. c. d. 35. 

0n 1 1 a fi c u B vor. 2. Bbch. 280. Bo. J? Ni. 
a. strüa interstitiaUbus soUtariia, 
ß, strüs interstitiaUbua nuUis. 
Lebt im Indischen Meere. 

172. .Gondita Bbo. 75.; Ba. 07.; Df. U.Su.(a?). 

208. 
Auch um Bordeaux fossil. 

173. ! cingulifera Bbn. n. 93. Cq. d. 30. 
f Triton cynocephalum Lmk. VII. 

184. vor. ? 

P, testa ovato-^entricosa , cingulata; ein- 
gtdis convexis; interstitiis transversim Stria- 
tis; spira exserta; anfractihus convexis; 
lahro denticulato; cauda brevi recta. 

Länge bis über ly// , Breite 1%//. 

174. ! monile n. sp, Ro, b. 

P. testa ovato-ventricosa , transversim 
aequaliter stdcata^ sulcis elevatis, nodosa^ 
monHiformibus ; spira retusa. 

£in sehr unToUständiges Exemplar. 



— 54» — 

175. . laeyigata Lhk. YII. 571. Ca. Bo. a,f Ro. b. 

In Prof. JaüCb Sammlung, Ton Roncä. 
JPossil auch am Pixris» 

Fusus. 

176. ! cingnlatas n. sp. Cq. ä. 1. 

T.testaovato-oblonga, clathrätä^ frans- 
Dersim-^carinata , longitud^tiUter stdcata^ 
anfractüms ventricoso^inflatis , &teortnatt9, 
inferiore mulficarinato , interstitüs trans^ 
versim striatis^ carinia sulcis perpendiwla-^ 
ribus crenatis; cauda recta longa. 

Länge 12^// , Breite 4^^^. 

177. ! rofltratus Dp. 17. 540.; Bau. n. 95. >Cq. c. d. 900. 
Murex rostratus Ot. 153.; Baen. 416.;Mn* 

Bo. (sub Faso) 69.; Se. 117. 
Lebt im Mittekneere. 
Gegraben auch in Süd-Frankreich (mc^). 

178. . claTatus Kö. n. 15.; Bi. 63.; Ri. FV. Cq.; Nu 

208. 
.Murex clayatas Buch. 418. 
Fossil auch um Bordeaux, 

179. ! longiroster Df. 17. 540.; Bbn. n. 96.^^9* c- ^ 1^' 
Mar ex longiroster Bbch. 418.; Bo.[^<'*^'. 

(s. Faso) 69. f^-S ^»•; % 

F. longirostris Sb. 114* 

Fossil auch in SUd-Frankreieh (ma). 

180. ! affinis n. sp. Cq, c, t 
? F. (Murex) trapezium Bo. 66. [non ^«* ^ 

Lin.]. 

T, testa turrita^ transversim suleata^ 
longitüdinaUter costata, eostis nodiformibus 
interruptis ; anfracHhus cgnvexis rotundaiisi 
apertwa ovata, labro geminato-plicata ; 
cauda longa recurva. 

Ganz die Form, Gröfse und Streif ung, 
wie bei F. longiroster und F. cla- 
vatus, aber der Kanal etwas kurzer 
und zurnckgebogen. 

181. .longaeyusLMK.Vn.l33.;?Bo.67.Sow. Parma (a?), 
Murex longaevus Branobr /o««. Hant, 

Murex laerigatus (Gm.) BRCH.424.[non 
Fusus laevigatus Lmk.]. 

Fossil auch um Paris ^ in England. 



— 548 — 

in. ! adancas n, jp. C^ €. 4. 10. 

f F. (Mar ex) intortas Bo.70* [BOnLaK.]. 
T. %e9ta fubtwrrita^ tranaversim mlcolo- 
wtriata, UmgitudmaiUer eostata, eosüs no- 
diforwuhus mtermptis; anfraetSbuu cornw* 
xUrotundaltu^ $upeme wibmarginatUi 
fmufXüptiea; labro muMpUcato ^ extua 
eraatalo, aeuto; emtda Umga reewrva. 

Form und 6rdfae> wie bei F. ligna- 
rins,^ doch minder baachig) die Um> 
gdnge knotig, gestreift Von F. longi- 
roster und F. rostratn« dorch den 
vnrückgebogenen Kanal onterochieden. An 
der Lippe sind 12 Falten. 
18S. ! lignarins Lbik. YII. 129. Bau. n. 97.iCf. c. d. 900. 
Mar ex Corneas (Gm.) Bboh. 412.; Bo. \A9. 
yar. Sow. I. 79. [non Mar ex lignarias 
Bbcb.]. 

184. . Maret lignarias Bacn. 426. [? F. 

lignarias Fa. 147. ; Sa. 113.] yom Ando- 
fm-Thal ist der Beschreibung nach von 
Torigem etwas verschieden, doch kenne 
ich ihn nicht darch Autopsie. Wird aqch 
in Süd-Frankreich zitirt (ma). 

Der von Faybahdbau beschriebene lebt 
im Mittelmeere, 

185. ! mitraeformis Ri. lY. 209.; Bnn. n.)Cq. d 300. 

96. Un. 

Murex mitraeformis Bacn. 425.; Bo. 

(s. Faso) 70. 
Baccinum mitraeforme Df. 5. Suppl. 

113. 
Plearotoma mitraeforme Sn. 201. 
Fossil auch in Süd-Frankreick, 

186. ! politus Bbn. n. 99. Wq. c. (d,) 380. 
Murex polituli Re. ;;2Vt, 

Murex subulatus BncH. 426. 663.; Bo. 

(s. Fuso) 71. 
Fusus subulatus Bi. lY. 209.; Sa. 112. 

[non Bo. 73.; nee Lmk.]. 
Fusus buccinoides Ba. 62. 
Buccinnm subulatum DF.5.<$ifip2. 113, 
Y Plearotoma subulata Sb. ll3. 
ß, vor: longa ^ caucZa breviore. (Cq, 20.^ 



— 649 — 

Lebend im MitteUneere. 
Fossil noeh nm Bordeaux und in Säd^ 
Frankreich (ma). 

187. ! compttt» n. Ta, c, ft 
f Murex politns var. Rm.; Bbch. 663. 

F. testa ovato-fttsifamU , laevi; anfrae-^ 
tibua: »uperioribua nudis, inferwnbu8 fle^ 
xuo80-^09tdlati8 ; cauda mediaeri^ tra/M" 
versütt stdcata. Länge 1/^^^. 

188. ! thiara Ri. lY. 208.; Bbh. n. 101. Ba. o. 400. 
Murex thiara Bbch. 424. An. Ni, 

F, testa fusiformi , laevi; anfiractibus suh 
margine superiore carinatis, tvberctdoso^ 
carinatis^ tuberctdia anfraetuum superiorum ^ 

ohsoletioribua in costeU^^iecwrentibuis , co- 
steUia inferiwUtms ohsolStia; cauda troM^ 
veraim-suleata. Lange wie bei voriger, ^ 
Dicke geringer. 

189. ! harpula Ri. IV. 208. Ba. c. 9.; Ni 
M. harpalaBiM:H.iy.221.;Bo.(s.FWo)65. 
Pleurotoma harpula Sb. 118. 

Fossil noc^ in Süd-Frankreich (ma). 

190. ! Tulpeculus Bbn. n. 102. Cq,. e. d. 50^ 
Murex TulpeculusRB.BBCH.420. Bo.69. 
Mangelia AtriolataRi.IY.gL%;ljPl. 

Lebt im Mittdmeere* 
Fossil noch in SU^fenbürgeni 

191. ! pentagonns n. Cg.(cjd.tlii 
» Murex Tulpeculus var: cosüb rariaribua 

Bbch. 420. 

192. ! « p i n u 1 o • n s 11^ «p. Cgr. c. 5. 

F. testa parva, fusiformi^ subtiUssime 
transversim striata; anfraeHhus eonvenus- 
cuUs^ spinularum serie densa media einctis; 
cauda longiuscula fiexuosa. 

Form Ton F. mitraeformis. Länge 
T//^ Breite 3^/'. 

193. ! subcarinatus Lhk. V11.568. vor: Ron- Ro. h. 

cana Bbg. 73.; Se. 113. 
Murex trapezium (Lnv.) Sghbobtbb bei 

ÜAc^imBT [non Lin.]. 
? Muricites trapeziiformis Soht« 

187. 
Gegraben noch in Süd-Franikreiek. 



— 560 — 



IM. ! polygonatuB Bb«. 78. Ro. b, 

t Muricites trapeziiformis Soht. 
187. 
IM. I polygonuB LnK. YIL 985.; Bno. 73.>Bo. a. 
Ca.; Sb. 113. JRo, b, 

, Fossil auch um Paria und in Süd-Frank- 
reieh (ma). 
198. . Noae Lhk. YU. 134. Hb«. 74. Ro, 6, 

Fossil auch um Paris, 

197. . iBtortus Lmk. YII. 138.; Bbo. 74. ; Ca. \Bo. a, 

Fossil auch um Paris. ^Ao. 6, 

* F. Audeberti Hl IV. 210. 

fg. 7«. 

* F. longisiphoRi.IV.210. 

* F. Martini Ri. IT. 210. 

* MangeliaMenardiana 

Rt. IV. 222. fg. 130. (ter- 
tiär)^ 

* Mangelia parpurea Ri. >2. Geschlechte 

rV, 222. (quartiär'), LFubus gehö^ 

* Mangelia Clarissa Ri. ]rig. 

IV. 222, (-), 

Pmseielaria. 

198. ! Tarentina Lhk. YU. 121. ; Ri.IV.212.; Cg. c. 6. 

Pa, 148, 
Mnrex polygonus (Lnr.) Bbch. 414. (non 
FuBus p. Lhk.]. 
Lebt noch im Mittelmeere. t 

199. ! fimbriata Bbn. n. 94. €^, «. 12.; As, 
Mnrex fimbriatiis Bboh. 419l; Bq. 

(s, Faso). 



Von ZVtirza sind 
nicht hinrei- 
chend bekannt. 

Von Nizza , 
scheinen auch 



Turbinella, 

* T. glabra Ri, IV. 213. fg. 

112. Oerttdr). 

* T. triplicata Ri. IV. 212. 

fg. HO, (srtiartuir). 

Cancellaria, 



Von Nizza sind 
nicht genauer 
bekannt. 



200. ! cristata n. 

Marex cristatas Bboh. 394.; R(. IV. Cq, c. 4, 80, 
191.; Pf, 45. 543.; ? Sc U8. 



— 551 — 

I 

Cancellaria «enticofta Bbn. n. 103. 
[aon Lhk.]. 

Die Spindel hat 2 Falten , und vor die- 
sen auf der innem Lippe sind 2 Knoten. 
? Gegeben auch in Süd-Frankreich. 

201. ! calcarata Df. 6. Suppl 87. Ba. c. 15. 
Yolnta calcarata Buch. 309. Sy. ; Toseana^ 

202. .spinulosa n. Sy.; Piaeenza. 
Yoluta spinulosa Bbch. 300. 

203. . trihulus Ri. ly. 187. ' Ni; Piaeenza.. 
Yoluta trihulus Bbch. 310. 

204. ! f usulus n. ap. >Bb. c. 2. 

C. testa obUmgo-turrita y laevi; anfrac-jAs. 
tibu8 carinato-reetangulis , supeme fere ho^ 
rizontfdibua , longitudinaliter lameUoso-co^ 
statisj coHis in carina aeutia; basi aulco. 
elevato transverso aucta; labro intus sti/- 
cato ; columeUa bipUcata; cauda brevissima^ 
uaUnUco destituta. 

Ganz die Gröfse und Forni Ton Slurex 
fusulus Bbch.; aber der Kanal liel 3k 
kürzer. ^ 

205. ! hirta Df. 6. Svppl 88.; Bbn. n. 107. ^Cg, e. d. 65. 
Yoluta hirta Bbch. 315. )i^«.; %; Tdsc.. 
? Cancellaria clathrata Luk. YII. 

116. 
ß, Yolnta piscatoria Bbch. 308.; Df. 
6. Suppi. 87.; Sb. 125. geht so aUmählich 
in Y. hirta über, dafs die Unterschei- 
dung unmöglich ist. 
Gegraben auch in Süd-FVankreiek. 

206. ! umbilicaris Df. 6. Suppl 88.; Ri.\Cq. c. d. 35. 

lY. 187. ; Bbn. n. 108. )Sy. ; As. 

Yoluta umbilicaris^BCH. 312. 

ß. C. Geslini Ba. 46. (nur der Nabel viel- 
leicht etwas enger). 
Fossil die Yarietät auch um Bordeaux. 

207. ! ampuUacea Df. 6. Suppl. 88.; Rl IY. Cq. c. 7. 

188. 
Yoluta ampullacea Bbch. 313. 

208. ! cancellata Lmk. YH. 113.; Ba. 47.;>C9. c. d. 200. 

Bbn. n. 104. ]An. ; Sy. 

Yal Uta cancellata (Lin.) Bbch. 307. 
Lebt im Adriatiseken Meere (Oi^). 



— 66« — 

109. ! eatdidea. ^n. d. 1.; Pioe. 

Volata cassidea Brcb. 314. 
210. ! tubcarinata n. sp. Sif. c. 

C. testa ovata^ transversim striata; an- 

fraetibu9 convexiSy obtuse carrnatU, hm- 

gitttdinaUter costellatis^ costellia in carina 

tubereutatO'-acutis; cohtmeüa b^Ucata; labro 

stUeoMo; caudae umbilico imperforato. 
Ist durch die gekielten Umgänge von 

C cancellata, C. buccinala Lmk. 

und den drey nachfolgenden onterschie* 

den y durch den fast yerdeckten Nabel, 

Ton C. umbilicaris und C. ampnl- 

lacea, durch die nur schwach queer- 

gestreifte, nicht rauhe Oberfläche von 

allen Arten aufser C. mitraeformis 

und C. Taricosa, welche aber riel mehr 

verlängert sind. Umgänge 4 — 5. ~ Länge 

SU. I sex rata n. sp. Ba. c. 3^ 

m^iesta oblongo-ttariculata; anfractibus 
c<yiwex%88imis { costis lameUifomuhua Umgi- 
tüdkiaUbtia lameUiaque transversis et striiis 
mteratitiaUbua elathrata, columeUa tripU- 
cata , caudae umbilico imperforato. 

Der Mangel des Kieles unterscheidet 
diese von den meisten Arten, die grofse 
Konyexität der Umgänge Ton den übri- 
gen , die 3 Spindelfalten noch insbeson- 
dere Ton C. Taricosa. Umgänge 7—8. 
Länge 6^^^ — V^^. Ist dem Buccinum 
serratum sehr ähnlich, und nur durch - 
die Spindelfalten und die Form des Mun- 
des unterschieden. Viel mehr verlängert, 
als C. buccinula Lihk. 

212. ! mitraeformis n. Ba. c. 15. 
Vpluta mitraeformis Brch. 645. 

213. ! varicosa Df. 6. Suppl, 87. Brn. n. Wi^Cq. c. d. 375, 
YolutB varicosa Brch. 311.; Sb. 125. his,; Sy. 

Fossil auch in Süd-Frankreich^ zu Ko-^Toscana. 
nftnica in Polen, 

214. ! lyrata Df. 6. 4l4. u. Suppl 88.; Ri. l\.\Cq.; Ba, c, 225. 

186. fg. 82.; Brn. n. 106. >M.; Ja.; Sy, 

Voluta lyrata Brch. 311. ^Bologna; Tose, 



— 66S — 

Gancellaria tnrricula /os«. Lhik. VII. 
116. 

♦ C. proxima Ri. IT. . y^„ ^;^^„ ^^^ ^^ 

181. fg. 84. i jj-^j^^ genug bekannt. 

♦ C.muricataRi.IV.( ^j^ g letzten Arten 

^^' l eehdren vicUeiclit an 

•CLi.teri Ri. IV.)|;.hi,t^ 

188. ' 

Pleurotoma. 

a. Plettrotoma: fiasura labri a sutura 

remota, 

215. ! bracteata Brn. n. 109. Ba. o. 40. 
Mnrex bracteatns Bboh. 409« 

Der iSuBchnitt der äufsem Lippe ist 
sehr abgerundet und nur seicht. 

216. . squamnlata n. Bologna, 
Murex sqnamulatus Bboh. 422. 

217. . Calliope n. Sy,; Ptetnonf. 
Murex Calliope Bkgh. 436.; M. (Pleu* 

rotoma) ßo. 77. 

218. ! rotata Df. 41. 391.; Bbn. n. 115. >Bo. t. 800. 
Murex rotatus Bboh. 434.; M. (Flea«^Ta. e.; Aa,; Sf/, 

rotoma) Bo. 77. 
vor: ß, Bbch. 434. 

219. ! monile Df. 41. 391.; Ri.IV.217.; BaM.^fia. c. 800. 

n. 116. \m, ; % 

Mures monile Bbgh. 482. v 

Lebt im Mittelmeere. 

220. ! dimidiata Ri. lY. 216; Sb. 112.; BBN.^C9.;Ba.c.l250. 

n. 114. ]Nl;Sy.',Rg.;Blg. 

. Murex dimidiatu s Bbch. 431; M. (Pleu- 
rotoma) Bo. 78. 

Gegraben auch in Süd-Frankreich (ma). 

221. ! intermedia n,'8p. Cq,; Ba,c,d.2, 

P, testa füsiformi ; lineis transversis un- 
datissimis impressis^ interdum ohsoletiori- 
bu8^ anfiraciibtis media ohtuse earvnaUs, 
supeme incavatis ,, infeme convexia , ad sU" 
turam indiatinetis ; carina obtuaa nodoaa^ 
nodia in coatas Hecwrrentihua ; labri fiaaura 
in carinam inciaa. 

Gänzlich das Mittel haltend zwischen 
der vorigen und folgenden , in Bildung l 



— 654 — 

und Grofie, oder noch etwas gröfser; 
die Tertieften Qaeerlinien hat sie von 
der Torigen, die stumpfen, rippenartig 
Torlaufenden Knoten des Kieles von der 
folgenden; der Einschnitt der Lippe liegt 
aber im Kiele, nicht über ihib, wie bei 
beiden. 
222. Identata Lmk. Df. 41. 395. Cq,Ba,e,(d.)^75. 

¥ Murez exortus Brandeb. 
P. ex ort a Sow. tf. 146. fg. 2. 
P. costnlifera Bbn. n. 120. 

Gegraben auch in England ^ um Paris 
etcv 
22a. ! oblonga Df. 41. 394.; Ri. lY. ZllrACq c. d. 40. 
Bbn. n. 118.; Sb. 117. )Jn.; %.; Pt. 

Murex oblongus Rb. Bbcr. 429.; Sb. 

117.; (Pleurotoma) Bo. 76. 
? P. terebra Ba. 

Lebend im Mittdmeere (Rb.). 
Fossil noch um Bwdeaxa und in Süd- 
Frankreich (ma). 

224. . ruatica n. Toacana. 
Murex rusticus Bboh. 428. 

225. ! cataphracta Ba. 65.; Df. 41. 390.; UiXCq, c. d, 625. 

IV. 216.; Bbn. n. 112. >^n.;P».,- S^.im. 

Murex oataphractns Bboh. 427.; 

(Pleurotoma) Bo. 76. 
P. turbida Lmk. VIL 07.; ? Bo. 70. 
? P. Deluci Df. 41. 391. 
Fossil auch um Bordeaux. 

226. ! intorta Df. 41. 389.; Bbn. n. 119. ^C^. c. d. 50. 
Murex intortus Bbcb. 427.; (Pleuro-)i%.(Piefii.o«Bo.^. 

toma) Bo. 76. 
? Murex reticnlatus Bbch. 435.; ( — ) 
^ Bo. 76. [non Rb.] scheint nur eine junge 
PL intorta mit etwas abgebrochener 
Lippe zu seyn. Df. 41. 394. zählt ihn zu 
PL ramosa Ba. 

227. ! Interrupt bDf. 41. 390.; Bbn. n. liajc^. c. (d,) 175. 
Murex interruptus Bboh. 433. (Pleu-Mn.; PL; Sy, 

rotoma) Bo. 77. 
PL turris Lhk. YH. 97. 

228. ! turricula Df. 41. 390.; Bbn. n. 117.; Cq. d, 275. 

Sb. 111. Ptem.; Shf,; ZVt. 



— 555 -"^ 

Murex tarricula Bbch. 435. 

a. Murex contiguus Bbch. 433.; (Pleu- 
rotoma) Bo. IT. PI. contigua Ri. rV. 

217. ; Se. 261. 

b, junior , magia destructa. 
Gegraben noch in Süd-Frankreich (ma). 

. ! pustulata n. Cq.c,d,t.; Sy. 

Murex pustnlatuB B&cil 430. 
230. ! bicincta n. sp, Pi- «'• 1- 

P, testa fusiformi, anfiracHhus conHguis^ 
medio subincavatis , obsolete transversim 
8triatis f supeme et infeme nodorum obtU" 
sorum Serie cinctis, inferioris seriei majo- 
ribus; anfractu vliimo transversim sulcato^ 
suUis elevatis papiUosis. 

Oberfläche sehr ähnlich der Ton Ce- 
rithium bicinctam Länge V^. 
281. ! priscuB Sow. IV. 119. tf. 386. )%. a. 

Murex priscus Bband. 25. 44« fRo. b. 

PL c 1 a V i c u 1 a r i » Lmk. üar.FicenfMia.feB6.73. 

Die typische Form auch fossil su Horcf- 
well und Paris. 

232. ! sigmoidea Bbn. n. 110. ^9 d- «W, 
Murex harpula var. Bbch. 421. 

* P. Romana Df. 41. 393. Ton \ 

Born. f 1, • u 

* P. gradata Df. 41. 393. Ton l J^^^® *^^ 

Sy, , Bordeaux u. Angers, l » 

* P. subulata Df. 41. 395. von \ "*'*®'- 

Piemont u. Piacenza. ' 

b. Pleurotomoides: fissura labri sutu- 

rae contigua, 
(JDefrancia Millbt, non Bbn.). 

233. ! reticulata n. ^^' ^' ^• 
Murox reticulatus Rb. [non Bbch.]. 
Murexechinatus Bbch. 423. [non Sow. IL 

226.] 
PI. CordieriiPA. 144. 
DefranciaMilletiiiSoc.Liii.Pam.(1826). 

Lebt im Mittelmeere. 

234. ! obtusangula n. ]^^' ^' ^' 

? Murex obtusangulus Bbch. 422. )Bologm; ? Nu 
9 Fusns obtusangulus Ri. IV. 208. 
{.Affims Buccinum cythara Megeblb et ^ 

PL Vauquelinii Pa.). 



y 



nS. ! •ntaralU n. }Cq. c d. 150. 

Defraacia antaralisMiUBT (mimu Soe.jJm. ; Reg. 

Lum. Pmi$. 1826). 
PL capillaris Bau. a. 111. 
Mnrez obloagna, vor: Baca. 480. 
ß. vor: eiangahda ii. 
y, vor: anfraetu vüimo eeottato, 
Föflöl auch am 'Pari». 
286. ! teztile Sa. 260. C^.iil.; A^.;? 

Mnrex teztile Baca. 428. 
Fua'as teztile Bi. IV. 200. 

Gegrabea anch ia Säd-FraidavUk. 

• P. af f iais Bi. lY. 216. \ „. ^ .. 
F. WeraeriaaaBi.IV. J« 

211 fir 05 f " geaauc- 

• P. .ul'cata Bi. IV. 218. l «*' ^»^«««^«»g; 

• P. Breislakia Bi. IV. ( ^'^^. ^"^ ^"^ ''^?*'* 

218 fg 93 l wenigrteag eine 

• P. GoasimiliB 1U TV.y^^ aa-gezeich. 

A|Q I nete Art. 

Cerithium. 

ZSt. ! alncoides Bl IV. 155. ? hdkia. 

Murez alucoides Ol. 153. [non Baca.]. f^ai. d^EUa d. 
C. Talgatum Baa. Lhk. VII. 68.; Sb. UO. 
f C. asperum M. db SaaaBS *) Essai p. 60. 
' f C. ynlgatam antiqanm Sb. 110. 
ß. testa nodorum aeriebua 2 auctiorilnu , gro- 

ciliore. 
y. nodorum aerie superiore cwn mediana con- 

fluente. 
Murez alaca^ster Baca. 438. 
Murez Molluccanus Bs. 
Lebt im Mittdmeere. 
Gegraben aucb in Süd-Frankreich (ma). 
238. ! minutum ?Miac. db SBaaBsf^fat p.^. Cq. c. d. 12. 
Murez alucoides (Ol.) Baca. 437. [non 

Ol.]. 
C. liTidulumBi. IV. 154. 

Lebt im Mittelmeere und unterscheidet 

eich vom vorigen hauptsachlich durch 

i 

• £8831 pxmt servit ä Phistoire des animaux du midi 
de la France. Paris 1822. 4» 



— 657 — 

mindere Gröfse und dadurch^ dafs der 
obere Rand der Umgänge nicht knotig, 
sondern fein gekerbt and gefciltet ist 

239. ! marginatum (? B&u.; ? Sb. 109.). ^^al. d'Ebth 
? Murex marginatus Bbg^. 440. )PtiBiitofit 

Fossil auefi umPom, in ? Süd-Frankrekh. 

240. ! varicoBum Df. 7, 522.; Bbn. n. 121. \Cq, e. d. 140L 
Murez varicosas Buch. 440.; (s. Ceri-S^n. • 7V>. ; Sy. 

thio) Bo. m 1 ^ ^ 

241. ! crenatum Df. 7. .522. ^Cq. e. d, 4. 
Murex crenatus Bacn. 442. (s. Cerl-j^n.* ToAcono. 

thio) Bo. 81. 

242. ! doliolnm Sb. 109. * Cq. c, d. 2. 
Murex doliolnm Bbch. 442. S^. ; Toscana, 
? Cerithinm pygma^eum IL pb Sb&bbs 

Easai p. 60. 

Ist dem C. alucoidos ahnlicher als dem 
C. minutum, aber viel kleiner als beide. 

Lebt im Mittelmeere, 

Fossil auch in Süd^Frankreick (ma). 

243. . turbinatum Sb. HO.; Bu. Sy, 
Murex turbinatus Bbch. 443. 

Gegraben noch in Süd-Frankreich (ma), 
in Podolien etc. ' 

244. . terebella ti. Sy. "" ' 
Murex terebella (Lin.) Bbch. 344. 

Die LiNNB^sche Art lebt in Indischen 
Meeren. 

245. . bicinctum n. Piacenxa. 
Murex bicinctus Bbch. 446. 

246. ! tricinctum n. • ^Cg-. «.,• An. d» 
Murex tricinctus Bbch. 446.; (s. Ce-^Sy, 

rithio) Bo. 81. 

247. ! margaritaceum Bbo. 72.; Ba. 54. pi,» Sy, c; An^ 
Murex margaritaceus Bbcr. 447.; 

? (s. Cerithio) Bo. 80. 
Muricites granulatns Scht. 151. 
? C. eine tum (Lsik.); Df. 70. 523. 
Potamides margaritaceus So. IV* 

51. tf. 339. 4. 
Fossil noch um Mainz, Bordeaux etc. auf 

Wightf in England (upper marine form.) 

248. ! sulcatum (Bau. Lsik.) vor: U6nc a- Cg, o.; Ao. b, 

num Bbo. 67.; ? Sb. 109. 



— 5Ö8 — 

Lebend im Indischen Meere. 
Fomnl noch um Montpellier. 

249. . multisulGatiim Bbg. 68.; Sb. IjlO. Ao. b. 
? Mnricites tnrritellatus Scht. 149. 

Gegraben anpb in Sud-Frankreich (ma). 

250. . undosnm Brg. 68. Ro. h.- 

251. ! anriculatam n. Ro. b* 
Maricites auricnlatus Scht. 148. 
Cerithium combustum (Dr.) Bbg. 69. 

252. ! calcaratum Bbo. 69. ; Sb. HO. Ro. b. 

Gegraben noch in Süd-Frankreich (ma). 

253. ! bicalcaratttm Bbg. 69. ^ Ro. b. 
¥ Maricites acaleatas Scht. 147. 

254. ! Tnlcanicum n. Ro. b. 
Maricites yalcavicas Scht. 148. 

C. GastelHni Bbc. 69.; Sb. 109. 

Gegraben auch in Süd-Frankreich (ma). 

255. ! pentagonam n. Ro. 6. 
Baccinam pentagonam Fobtis. 
Maricites pentagonatus Scht. 148. 

C. Maraschini Bb«. 70. 

256. ! corragatam Bbc. 70.; Ba. 54. Ro. b. 

Fossil auch um Bordeaux. 

257. ! baccatnm Df. Bbg. 70.; Sb. 111.; Bv. Ro. b. 

Gegraben auch in Süd-^Frankreieh (ma) 
Und PodoUen. 

258. ! plicatam Lmk.; Bbg. 71.; (? Bä. 55.); Cg. a. ; ISi. d 

? Sb. 109. ; Bv. 

Maricites costellatus Scht. 152. 

Potamides?plieatasSo.iy.52.tf.l40.2. 

? C. lignitarum' Eichwald t. Bu. 

Fossil auch am Paria (über dem ter> 
tiären Gypse) ^ am Maitiz , London, ? Bor- 
deaux, Montpellier (ma), in PodoUen. 

259. . ampallosum Bbg. 71.; Ba. 55. ; ? Sb. Cg. a. 

111.; Bü. 

Fossil noch zu Dax, ? MontpelUer (ma)> 
in Siebenbürgen and PodoUen. 

260. . stroppas Bbg. 71. (^g- «* 

261. ! lemniscatamBBG.71.;(BA.56.;SE.109. Ao. b. 

110. vereinigen es mit G. cinctam Bbv.)* 
? Maricites radulaeformis Scht. 147* 
Fossil auch in Süd-Frankreich (ma), 
und um Bordeaux. 



— 660 — 

262. . corvinum (/esfe Ca.)- Ho. 6. 
Rostellaria coryina Bbo. 74.; Df. 46. 

298. 

263. ! Bcaber Ba. 56.; Ri. JV. 157. Cq, d. 50. 
Murez sc ab er Ol. 153.; BiicH.''448. [non Tosetma s leehia. 
Cerith. scabrum Lhk.]. 

C. lima Bbv. ; LnK. VII. 77.; Sb. 110.; 

St. 394. 
C. Latreillii Pa. 143. 
vor. a. tuberctdorum seriehus 4. 
t^ar. ß, tubetctUorum seriehus 51 
vor. y. tuberctdorum seriebus 8. 
C. deforme Eichwald t. Bv. 
Lebt im Mittelmeere. 
Gegraben noch in Süd-Frankreieh (ma)^ 
um Bordeaux j in Schweitzer Molasse, in 
PodoUen etc. 

264. ! granulosum Ba. 58.; Ri. IV^ 157. \Cq,; Ba. c. L 
? C. Maroccanum Bau. )Toseana; Ni* 
Murez radula Ol. [non Lin.] 152. 

Murex grannlosus Rb. Bbch. 449. 
C. perversum Lmk. YII. 77.; Pa. 142. 
C. inyersnra LniK. Atm. III. 438.; Df. 7. 

521. 
Trochus seriatus Mbgbblb. 
Lebend im Mittelmeere. 
Gegraben auch in Bordeaux. 

265. ! inconstans Ba. 55. Cg* a. 

C. testa turrita^ anfraetifms planis , ctn- 

gulatis^ dttgvUs tnbus lamdUformibus , 
' margine sursum revolutis , superiorUfus in 

aculeos ohtusos 10 — 14. productis , la- 

meüis verticalihus irregularibus humüioribus 

junctis^ inferiore crenato^ ultimo anfractu 

suhtus incavatOj monüifero. 
vor : ß, linea elevata inter cingulos intermedia. 

Lange 1%^^. 
Fossil auch zu Bordeaux. 

266. ! compositum n. sp. ^g^ ^, 

C. testa turrita , anfractibus pkMis cin- 
gulatisj cinguUs subquaternis discretis , in- 
fimis 3 (quorum primum interdum abscon- 
ditum) fere aequalibu»^ omnUms moniliferis, 
nodüUs 80 ad 55, quarto noäis o(tu«tbn- 



6ait, eürta 18, e eon^btribms eoadmuUi» 
vampo$itOj tchmdkt nn^lieata* 

Nahe Terwandt mit C. lemniacatam 
Bbo., C. margaritacenm, und C. 
C h ar p en ti er i Ba. ; doch durch die Zu- 
•ammenaetsiuig der obem Binde aus 2 — 
4 kleineren, welche ölier die Knoten und 
deren Zwischenranme weglaufen, Ton 
diesen nnd andern Arten nntenchieden. 
Länge Ms 1'/,'^ 
Fossil anch am Bordeaux» 
20Y. ! ? cancellatum n. «p. TVi. c* 

C. ? t€8ta tmrita; anfraetilma cofwem, 
mfra mediam carinatis , UmuHia earinae 
apieuiata , et aUia duabus evpeme tenuis' 
simia, acutü remote cmctM, lameUitque 
skttiUbus arcuato - verticalHms caneMrUe $ 
tt/ttmo anfractu infeme sphraUter striato; 
apertwra ovata^ hon breviier canaUctdata, 
Ich besitze nur Bruchstücke dieser Art 
bis au y^^^ Lange, ohne Spitze und Mund, 
sonst aber von besonderer Schönheit Der 
Umgange müssen gegen 16 seyn ; und die 
ganze Länge mag über %^^ betragen. 
Der Tertikaien Leistchen finden sich 22 
— 26. auf jedem Umgange, ihre Ein- 
biegung geht nach hinten. Ob diefs 
übrigens wirklich ein Cerithium seye, 
läfst sich wegen des unToUständig erhal- 
tenen Mundes nicht mit Sicherheit er- 
kennen; der Habitus ist etwas unge- 
wöhnlich. 
. lamellosum (? Lmk.) Ca. Bo. o. 

Fossil auch um ? Paria, Bordeaux^ 
. nodulosum (Lmk.) Ca. Bo, a. 

Fossil noch um Paris. 
C. BorsonianumRtkIV. 155. 
C. Magnan Ri. IV. 156. 
C. assimile Ri. IV, 156. I ^oq yizxA, 
C. Fayanne Ri. W. 156. [bedürfen 
C. bicinctus Ri. IV. 156. Whgenaue- 
C. plicatulus Ri. IV. 156. L^r Yenrlei- 
C. suturale Ri. IV. 15a 
C. mamillatum Ri. IV. 158. 
Fg. 55. 



Ichong. 



V 



— 661 — 

Tur rite IIa. 

269.^! tornata Kö. n. 94.; Bbn. n. t25.; Df. 56.) 0^.^.(2.40. 
158. \Piemont. 

Turbo togrnatas Buch. '372. (a. Tnrri- 
tella) Bo. 96. 

270. ! biplicata n. Cq, e. d. Vi. ; Nu 
Turbo duplicatas (Lin.) Bbch. 367. 

[non ha.]. 
T. duplicata Ri. IV. 108.; Sb. 107.; Bv. 
T. indigena £ichwa£D teste Bu. 

Gegraben aucbin Südr-Frankreich (ma), 
. und PodoUen. 

271. ! asperula Bbg. 54.; Ba. 29. Cq, a,$ Ro. b. 
T. imbricataria Df. 56. 157. 

272. . imbricataria Lhk. TU. 561.; Baa. Ro. 6.;. ? Piae. 

54.; ? Sb. 107. 
Turbo imbricatarius Bbcs. 370. 
? T. imbricata Lhk. fossäis. . 

Die T. imbricata lebt im Meere der 
Antillen, 

Gegraben noch um Porür, in ? Süd- 
Frankreich (je. ma.). 

273. ! Brocchii «. Cq.e.d,20.; As. 
Turbo imbricatarius vor. Bboh. 371. 

[non Lmk.]. 

274. ! incisa Bne. 54. Ho. 5. 

275. . replicata Sb. 106. \ ' 
Turbo replicatuB (Lin.) Bnen. 375;P-5 Catabrien. 

(i.Turritella)?Bo. 95. ^ ? Ptemant. 

T. imbricatoria vor: Df. 56. 157« 
f Lebend bei Tranquebar. 

Gegraben in Süd-Frankreich (ma). 

276. ! terebra Lmk. TU. 56. St. 393; Conyb. Cq. c. 18. 

Phil. ; Sb. 106. 
T. imbricataria vor Df. 56. 157. 
Turbinites terebrae Schf. I74l. 
Lebend im Mittelmeere. 
Gregraben in Süd-Frankreich, (c. ma), 
in Molasse der Schweiz, in Suffolk Crag. 
W7. ! tricarinata Ri.IV. 109; Sb. 107; Brn.xC^. (c.) d. 450- 
^ 123. ha. c. 

Turbo tricarinatusBRCH.375;(8.Tur-/j[Vt. An, Rg. 
" r i t e 1 1 a) Bo. 94. Woseana. 

T. turrisBi. 29; Sb. 107. 
Bronn, Mieüe. IL 3^ 



Foflril umOk um Bardeam*^ in Smd-Fwmt^- 
reidk (c na), am Grafemberg. 
23& ! TermicalarU Bi. lY. IW Df.5€. 158;K^. e. d. M. 
Baa. a. 124; f Sa. 107. )Pi JVt. Tmmm. 

TarboTerBiicalariflBaGa.872;(«.Tar-, 

ritella) Bo. 96. 
f T. quadriplicata Bi. 29. 

Faml ia f SSdr-Framkrädk (c ma) am 
Boriinntf. 
239. ! anbaagnlata St. 899. \Cq. d. 17& 

T. acuta Bgala Baa. a. 122. ^Rg. Sg. M. 

ff. Turbo lubaagnlatua Baca. 374 ;/Pi6fluml. 

(s. Tnrritella) Bo. 94; Df. 56. l62. 
/9. Turbo acntangnlns (Lof.) Baca. 
368; (•. Tnrritella) Bo. 96; Df. 56. 
162; Rl IY. 109; Sa. 107. (non Liir.) 
f Lebend. 

Gegraben ia Süd-Frankreich (ma), in 
MolaMe der Schweiz. 
280. ! Taricosa Kd. n. 96. Dp. 56. 16.3 ; Sa. 107. )M d;% 
Turbo Taricosus Baca. 374; (■. Tur-lPienumt. 
ritella) Bo. 
Gegraben auch in Süd-Frankreich, (ma.) 
28L ! quadric arinata Df. 56. 163. Cq, Ba. c. 6. 

Turbo quadricarinatua Baca. 375. 

282. . ezolbta. n. Sy, 
Turbo exoletns (Lur) Baca. 366. 

Lebt angeblich im Mittelmeere, 

283. . s.p i r at a Ri. IT. 109; Df. 56. l63 ; Sa. 107 M. % 
Turbo spiratufl Baca. 369. 

Gegraben in Süd-Frankreich, (c.J 

284. . triplicata St. 394; Se. 107. ^Toscana. 
Turbo triplicatus Baca. 369 ;(B.Tur-) Pf emon^ 

ritella) Bo. 95. 
T. Termicularis var. Df. 56. 55S. 
? Turbinites exoleti Schf. 174. 

Gegraben anchin Süd-Frankreich (c. ma.) 

und in Molaise der Schweiz, 

285. . marginalis Sa. 107; Mn. ^Toscana. 
Turbo marginali8BaoB.373;(8.Tur-)? Piemont 

ritella) Bo. 98. 
T. imbricataria var, Df. 56. 157. 

Fossil noch in Süd-Frankreich (ma.), u. 
am Kressenberg, 



— 568 — 

286. . cochieata Sb. 107. ' Toeeaim. 
Turbo cochleatus Bbch. 8t3. 

T. imbricataria yar. Df. 56. 157. 
Fossil auch ini Süd-Frankreich (ma.) 

287. . Archimedis Bo. 55; Ba. 28; Sb.107. Ro, fr.; Bassano, 
T. subcarinata Tar. Df. 56. ±59, 

FossQ noch in Süd-F^nuAreieh (ma), um 
Bordeaux etc. 

288. . cathedralis Bb«. 55; Ba. 29; Sb.107. 9u. 
Pro.to cathedralis vor, Df. 56. 164. 

Fossil noch in Süd^Frankreickt um Bor- 
deaux etc. 

* T. Bruguiera 

* T. nniplicata 

* T. Gordiera 

* T. Adansonia 

* T. bisulcata 

* T. Georgina 

* T. Gomputensis 

* T. sepulta 



Bi. IV. 110-112. von 
NizzOy sind nicht hin- 
reichend belouint. 



Phasianella. 

289. ! ? Basterotina lt. «p. An. 

Ph, testa ovata^ iubtüisshae transverdm 
striata, anfractibus convexiuaadia , infimo 
subcarinato^ apertura basi acuta, quasi sub- 
rostrata^ umbiUco parvo aperto canaliculato. 

Lange 2y/''^. Der Habitus Ton Pha- 
sianella, aber die eigene Form der 
Mundöffnung und die Bildung des Nabels 
sind fremdartig; Erstere ist ganss so wie 
sie an einem etwas, beschädigten iExem- 
plare Yon F. Frevostina Ba. abgebildet 
worden; auch stimmt damit die Form 
überein, aber der offene Nabel und der 
ungekerbte Kiel des letzten Umgangs un- 
terscheiden unsere Art Ton letzterer. 

Turbo. 

290. . T. Amedei Bbo. 53; Df. 46. 520. Su. 
cfr. Trochus patulu 8. 

291. . T. Asmodei Bbo. 53; Df. 46. 521. yalSangomniA. 



Df. 46. 521 $ Bbh. n. 126; S«. 103.; Bu. Ijn, NL 
Bolma TugofR.Ri. lY. 117. 
a. vor: 9pmosa (jvnemUs) T..T«g4>iaa 

vor. Bo. 90. 
ß. vor: tuberculata, 
y, vor: tubercuUa /destituta (adulta), 
S. vor: rugia baaeoa intemiptis. 
Lebt im Mittelmeere, 
Gegraben auch in Süd-FroRkreieb (ma.) 
tmd PodoUen. 
298. ! fimbriatus n. )Cf. Ba, e. 10. 

' TrocIiiiB fimbriatas Bo. 65. ' M«. c; Sy. 
Der änfsere Mandsaum ist am Kiele 
etwas schnabelförmig verlängert; die 
kalkige Oberflache schalt sich leicht ab> 
iForaaf eine Perlmntterlage zumVorschein 
kommt. Der vorigen Art vemrandt. 

294. i 9harpentieri n. sp, Cq. d. 3. 

T. testa conoidea^ umbäicata, anfractitms 
mpeme decUvibua^ tubincavatia, transversha 
striatk^ estua perpendievlarilnUy subtricmi- 
natia , 'interstitüs verticaliter lameUaais , vH- 
timo 8yj6tu8 spirdUter stdcato-striato, 

Höhe und Breite 4^^^« Sehr venrandt 
mit T. Parkinsoni Ba., doch kleiner. 

295. ! cingalif erus n. ap. An. d. 

T. conoidea, anfrtictibua aupeme decUm- 
bua^ arcuato atriatia, margme producta no' 
dia magnia rotundatia eleganter ctncto; 
carina dUa inferwre aimpUci a priore atdco 
lato profundiaaimo diatincta; basi cinguUa 
eraaaia elevatta 2 — 6 apiraUter omtfto; 
unUnUco. ... 

Nachdem Typus von Monodonta 
Aegyptiaca. Lbik. Fayk. gebildet, 
doch immer vollkommen rund. Der Mund 
l^eschädigt. Höhe und Breite 5^^^. 

i Clangulus Mf. gröfstentheils. 
Monodonta. nob. \ otavia Ri. IV. 132. zum TheUe. 

Ich rechne hieher nur jene Arten, deren 
eine Lippe durch einen in den Nabel hinaV 
laufenden Spalt getheilt ist. 

296. ! polydonta n. itp. An. d. 2. 



— 585 — 

Af . teaia ntfo- et aUMhfnacuHaüy depressa;, 
m)aJI»y anfiractihu8 conoexiat, cum baai trana- 
9ernm suXcato-stnatia^ afrü» eleganter gra- 
mdons aupeme 9 — 10, baseoa 10 — 11 sub- 
minorilnu; läbio intemo rugoao , extemo 
pUcato^ apertwrae ban hidentata, dente-. 
exterwre nuunmo camposito. 

Läiige4///,Breite8y4^'^Höhe 2%///. Die- 
sehr niedergedrückte , liorizontal - OTale 
Gestalt unterscheidet diese Art leicht yon 
den verwandten Arten. 

Troehus. 

a. TrocA-f»«, tetta nuda: 

297. ! Bosciarnuus Bkcr. 56; Ba. 83; Dp. Cg^, or 

55. 479. 
Fossil auch um Bordeaux, 

298. ! Eine, mit Monod'o-nta elegans- bA. 

Terwradte, sehr ausgeieicÜnete Art ist 
zur g^naueuBeseichnung zu unvollständig. 
Sie ist regelmäfsig kegelförmig, mit 
feiner, wellenartiger Queerstreifung, nicht 
unterschiedenen- Umgangen, deren jeder 
in der Mitte und am unteru Rande- mit 
einer Reihe grober gerundeter Knoten- 
Tersehen ist. 

299. ! LuoasianuB Bb«. 55; Dv. 55. 480; C^. o. 

Bbn. n. 135. 

800. ! striatissimus n. sp, Cg, a, 

T, testa eonica , anfraetibu8 decUvünu 
ptänh corOiguia^ infeme nuwginaUa, cum 
ban et ipao- margihe mbtißsnme iranwersim 
etriolatüj atriia amfractus auperma drctier- 
20; ban conoexa ; margihe mbacuto ;- cavi- 
tate umbilicari magna, 

Hahitus Ton^T. granulosus^ T. mf^ 
liaris, T. conoideus; aher die Art* 
hinreidiend^ unterschieden dlurch die fei- 
ne und einfache Streifnng. Höhe 5^^^. 
Breite fiy^^^'. 

801. ! capillosus n. sp, Ro, Hi 

T. iesta acute coniea, anfractibus deeUvir 
bu8y pianisy imhricatü, cum baai ist ^o^ 
margi$ie eubUUmme traneveram gtricUtHa, 



«früf anfiratUu mpend» tirmUr 20; Am 
piUmaj enosUZt cato ; margme acUto, 

Der Torigen nahe Terwaiidt, aber die 
obem UmgfiDge am Rande über die an- 
tem Torstehend, die Fonn apitaer, die 
Unleraeite flacher , keine Veriiefiuig am 
NabeL Hohe 6/'^ Breite &///. 
MB. ! apiratna n. «p. Cg, «. 

T. Utta coniea «pirota, anJracHba» laß" 
fWMMMi, dedimhu, margme miperiore Aa- 
risontaUhu , uUimo margme rohmdaUh- 
earinato^ wbtus eubconvexo^ fisswra umbtUd 
loeo danata* 

Höhe 9^//, Breite %^//. Habitoa Ton T. 
Lacasianna, aber die Oberflache gan> 
glatt, und die Oberrander der Umgange 
eigens gebildet. 
8tt. ! T. gr anal ata« Bduf. Ln. YH. MüCg. d. S. 
Bboh. 350. [fMMt Sa. 104] )Än, d 

vor ß. polygonalis,an^aefiittai]>6rt|iAerta 
inferiore undidato-pobfgona. 
Lebt im Mittdmeere, 
WL l miliaris Bach. 363; Ri. lY. 130. BfJM. 

55. 480. Sa. 260. j€q. d, t. 

Gegraben aaehin S&d-Frankreich. 

805. ! sizyphinas (Lin.) Lkk. vor, ? Messtna. 
* Ist etwas breiter, baachiger, die Um* 

gange sind am obem Rande weniger, am 
nntem mehL- konvex, als bei der 
im Mittehneere lebenden Form. 

806. ! cingulatus Brch. 351; Ri. lY. ISlüCq. d. 65« 

Df. 55. 475. St. 304 ; Sb. 104; Bau. n. 132.)M. S^. 
T. aizyphinus St. 
Trochilites excavatas Sohf« 174« 
Troehilites ellipticas SonT. 

vor, ß. cinguUs traneversis rariorüm» oh" 
eoletiorihus^ 

Scheint nicht sehr Tom lebenden T. ai- 
syphin s Terschieden zu seyn. 

Gegraben noch in Süd-Frankreich (ma), 
in Molaese der SehweUz, 

807. ! coniformis n. ep, Cf. <f. 2. 

7*. iesta eub^ongato-eoniea^ ynrae an- 
firaeUhus deeUv^ue, fere plamsy »ubcontiguk^ 



— 5OT — 

- mtittcw, oMique ^Btriatis; uliimo rotundato^ 
subearinato, stibtus convexo, ulnquespira- 
Uter striata y umbiUco destituto. 

Unter der Kalkdecke liegt eine Perl- 
matter-Lage. Diese Art stimmt zannclist 
mit T. Langierii Pa. äberein, ist aber 
hoher , schmaler , die Umgange sind 
planer, die Basis ist conTezer und in ihrer 
Breite gestreift. Die fibrigen formTer- 
wandteren Arten habeil gerandete oder 
queergestreifte Umgänge. Höhe 8^^^, 
Breite 5^^/. 
a08. ! labarum Ba. 33; Df. 55. 479- vor: Cq, d. Z. 
mmor. 

Fossil aach in Bordeaux. 
3011. ! qaadricingulatas n. 9p, €q. e. 1. 

T, te^a 8UjbelongatO'COtucay spirae an- 
fraetihus decüvibus , 9Mnca»ati8 , fere im- 
bricatia ^eontigtM^ cinguUs quatuor deoatia^ 
{ofw, simpUeibus^ inferiore margüiaU eras- 
Höre; anfraetu fdUmo margine acuta, eub- 
tu8 pUmo , einguiUa eoneimiUbue 7 omato^ 
esumbUieato, 

Von der Form der drei folgenden, doch 
gröfser, die Qaeerbinden in geringerer 
Anzahl oder einfiich. Hohe 6^///, Breite 

310. ! targidulus Brch. 353; ? Bo. 84. [non Cq.d.79;?Jtm, 

Ba. 33] ; Dv. 96. 474; Biw. n. 134; Bfr. 

Von T. Mattonii Pa. nur dadorch 
unterschieden, dafs die Qaeerstreifen seich- 
ter and deren Ztrisehenifinme ohne senk- 
rechte Linien sind. 

Fossil auch in PodoUen. 

311. ! striata s Bncn. 061; Sb. 104. | y' ^' ^ 

Ist kleiner, nicht so breit, and aller- ^ ^' 
irarts etwas eonrezer, als T. Mattonii 
Pa.; auch TÖllig ungerandet. 

Gegraben auch in Sud-Frankreieh, (ma.) 

312. ! paüctatas Rb.; Bbn. n. 133 Cf. d. 130/ ' 
T. crenulatus Brch. 354; 002; Rl IV. Isoftta, M. 

131; Df. 55. 480; \wm Lmk.]. 
a. cinguUe quatemis. 
ß, ciuguUs temis, > 



LeM ini AüMelBieere. 
FomQ Boch Hin Angen. 
815. . flulcatnf Bkch. 9lSi. [mm Lmc mm, Vf, An, 
49. Awt. VI. SM] 

Da ich die«« Ali öbrigei» nielit durch 
Antoprie kenne, so wollte ich ihr nicht 
■elhtt einen neuen Namen geben. 
tl4. I magos (Lnr.); Ion. YIL 15. BneH. 855;) Cq, d. 60. 
Ba. 84; Bbii. n. 181; Sn. 104. > Sy. IseMa. 

Oihbala magna Ri. IT. 184. ) Pkmoni. 

Lebt im MtttOmeere, 
Feenl auch um Bcrdeaux ond in Säd- 
Fnmkreick. (ma.^ 

815. ! Torticoini Bacn. 35T; Ba. 84; Dr. 55. An. NL 

481. 
Gibbnla yerticoia Ri. IT. 13T. 

816. ! patnlns Bbok. 856; Bo. 84; Ba. 9».^Cq. d. 221 

Df. 55. 478; Bair. n. 181 ; Sn. 104. Bv. ) An. BotogiuL 
T. earinatne Eiohwald t. Bv. [mm Bo.] * 
vor. ß. Bbgh. 856b 

FoABÜ noch am BordemtXj in S&d-Frmik^ 

reich (ma.), PüdoUen und Siebenbürgen. 

817. . cinerarin« (Lm.). Bbch. 355. Bo. 86. Piemomi. 

Lebt auch im Adritctisehen Meere. 
8ia . obliqnatu« (LnrO Beck. 854. > C!^ d. 13. 

fMtr. ß. Brob. 354. > VdlttSUa d. 

f Lebt im Mittehneere. 

819. I Cerberi n. Ho. 6. 
MonodontaCerberiBB«.58;DF.82.475. 

? T. depreseus Ba. 86. 
Foliflil? nm Bordeaux. 

820. . carinatneBo. 84; Bbo.56; Of. 55. 480« Su. 

[mm EicBW.] 

821. • solaris (Lim. vor.') Bbob. 857. ledntu 
Delphinulae species Df. 12. SA6. 
Delphinnla solaris Ss. 108. 

Die Urform soU im Ameriktmiedken 
Meere leben. 

Gegraben noch in Süd-Frankreieh. (ma.) 

• T. tnberosBS Ri. ly. 131. \« ^. 

• Phorcns striatis Ri.iy.134y J®"^«^f^' 

• Gibbula discors Ri. ly. 138.) .""/ "** 

• Gibbnla reticulata Ri. iy.\ "**" '^ ^®" 

188, } "*'*^'- 



. ' 



— 6m — 

b. Phoruff Mf. tevta eotporibna äli^i» m- 
crustata ; läbro falcato ; apirae anfractuum 
decUvium planorum conttguorumque margine 
inferiore subsequentis auperiorem obtegente. 

322. ! infundibulum Buch. 352; Ba. 83;> Cq. cd. 7. 

Kö. n. 5a Ri. lY. 130. Bbn. n. 128. [non Mü.]) Aa.Ni. Toacana^ 
T. F a r i n e 8 i Sb. Jotim. d. G4qI U. (1831) 75. 

T. testa magna j depresso^oniea ; anfrae*- 
Umm margi$ie hinc inde eouchyUopboro^ 
atqterficie superiore aubregtdari, oblique m- 
guloao ' acrobiculata ; fade inferiore tota 
concava^ arcuato-atrigosOf exumbilicata; 
labio exteriore media convexo^arcuato. 

Grofs, 3%// breit, 2%// hoch ; die Forn^ 
der äufsem Lippe weicht Ton der aller 
andern ab, indem sie bei den übrigen 
konkaT eingebogen ist. 

Fossil auch in SUd^Frankreich, 

323. ! testigerns n. sp* Cq. Ba, c. 15. 

T. testa depreaso^onica^ anfractuum mar- 
gine hinc inde conchyliophora $ euperfide 
wpCriore aubregulari , radiatim-atrigoaa, in 
anfractibus inferioribua iranaversim ruguloao- 
. «titcota; fade inferiore subplana^ obsolete 
arcuato-strigosa ; umJbiUeo »emitecto. 

Breite 13^//, Höhe 9^//. Die rauhe, an- 
regelmäfsige Streifong der Oberseite ist 
hier strahlenförmig und gerade, nicht 
gebogen und schief, wie bei den übrigen 
Arten. 
824. ! Brongniarti n. Cg» a. 

T, testa conica ; anfractibus stieme eon- 
eh^Uvphoris; superfide Ubera superiore sulh- 
irregulariy rudi, inaequaU^ oblique et ob- 
solete strigoaa; inferiore planiuscula exumr 
btUeata^ arcuatim strigosa. 

Höhe 20—22///, Breite 19—20///, die 
Formmithin^wiebeiT.Benettiae, höher 
als bei den übrig^n^ die Oberfläche rauher, 
aber nur mit einfachen, unten deutlichen 
Zuwachsstreifen. 
325. B enettia e (Sow.) Bbo. 56. {non So. 1.224. Su. 
tf.98.] 
T. Benetti (Sow.) Ba. 32. 



— 5W — 

Fouil noch am Bordeaux vmA in Ei- 
land, 

Form der yorigen, aber die Streifung 
der obem mid untern Seite gegittert. Da 
indeaten Bbo. diese Art an der Superga 
nur ax» der Form aUein sa erkennen 
glaubt 9 «o wäre ee mdglioh, dafii er nur 
die vorige Art yor sich gehabt hätte^ und 
diese hier in Italien gar nicht Torkäme. 

326. ! crispus Kö. n. 56 ^ Cq.c.d.2m. 
T. agglutinans (Lmk.) Bbch. 858. [non] An. 

Lw.] , vor. JDr. 55. 477 ; ? Sb. 104. 
T. cnmulans (Bbo. J Baif . n. 129. [non Bao.} 
T. teaia depresw - eomea ; anfractihus 
aupeme fere ubique eonchyliopkariB ^ super- 
ficie Ubera anperiore et inferiore areuatim 
strigosa et rugü unduUms 8ubconcentri(na j 
interruptis cancellatim exseidpta; umbiUco 
enboariabiüy primum aperto^ eeriua subae- 
miclaueo. 

Form des T. cnmulans Ba«. ; doch 
davon unterschieden durch den meist halb 
oder ganz offenen Nabel, und durch die 
deutlich gegitterten Runsein beider Ober- 
flachen. Breite 22^// , Höhe IZ^^^. 
? Gegraben noch in Süd-Frankreick (ma.). 

327. cnmulans Bao. 57. Cg*. a. 

Die Unterschiede sind beim vorigen 
angegeben. 
(T. agglutinans Lhk. VI. 558. ist von 
allen ItaUenischen Arten sehr verschieden, 
zumal durch den sehr weiten Nabel» 
durch die rauhe Oberseite, die einfach 
bogenförmig gestreifte Unterseite, die 
niedergedrückte Form.) 

Pleurotomaria dO. 

328. Cq. d. 

329. Cq, d. 

Solarium. 

• 

380. ! pseudo-perspectivum Bau. n. 136.| C;. J3is.e.80. 
<^ Trochu« pBeudoperBpectivus>%. Bologna. 

BaoH. 359; (s. S o 1 ar i o) Bo. 88. Ri. IV. 139.J PienunO. 
S. complanatum. Df. 55. 488. 



— 571 — 

T. ietta oMctäata^ eanvexa^ laevi^ on- 
fractibua margine exterwre aevto stieme 
bisuleatis^ mbius suleo tmtco umhiUeum 
amplumpKcatO'Crenatum cmgente exactdptis. 

Breite 16^/^ Hohe 6^^^., Der Rand selbst 
ist zuweilen noch mit 1 — 2 undeutlichen 
Furchen begleitet, zumal unten. Diese 
Art hat Brch. abgebildet, die folgende 
nicht. 

881. ! Simplex. Cq.Ba,€.9Si. 
<^ Trochus pseudoperspectiTUs 

Bbcu. 859, 360. 
S. laeyigatum Brv. n. 138. [non Lhk.] 
S. psendoperspectiynm Df<. S5. 487« 
S. testa orbicülatoH!onoidea , laevi^ an-' 
frottuum margine exteriore tmpeme emgtUo 
crenvlato angusto, inferne ckigulo integro; * 
peripheria acuta ; sulco profunda umhiUcum 
mediocrem crenato-pUcatum angente. 
Breite 12^//, Höhe f^VK 

882. . umbrosum Brg. 57. üo. 6. 

888. ! semisquamosum n. Cq. c» di%; Piem, 

S. sulcatum Bo. 89. [non Lmk. Sb.] 

S, testa orhicvlato^subcanaidea i anfracti- 
hu» circinnaHm subtiUter ndcatis; suleia 
aegue mbtUibua et distauHhua verticaUbus 
in anfracübus superioribuB \ faeie infema 
prope marginem acutum subiacavatum ttria 
devata cmirto; ni2co wmJInUeum medioer em 
pUeahäo-ereauUstum üngente. 

Breite 12^//, Hohe 4^//. Nahe Terwandt 

mit S. carocollatum, aber die yerti- 

cal^n Furchen sind nur auf die obersfoa 

Umgänge beschrankt. ^ 

884. ! inonilifernm n. Cq» c. 8. 

Trochus canaliculatus Broh. 859. 

\exeL «ynofi.] 

? S. millegranum Lmk. vor. Df. 55. 487. 

S, testa 8emiglöho80-conoidea, dq^reua, 

vhiaque eircittna;tim sulcato striata^ sttü» 

. atque interstitiis longitudinaUttr striolatie^ 

erenatia, einguio marginaU anfractmOm utritt- 

que mtQqre ; faeie infema ad marginem aeu'- 

tum submeaioata; umlnHeo mediocri crenolo. 



— -aw — 

Brfiite 9^>/, Hdhe ^^^. Lamibok's S. c a^ 
■ »licalatam hat einen itampfen Rand. 
386. ! millegrannm IdK.VlI.6; BBii.n.l3r| Cq.Ba^c.ZSi, 
Trochus pseude-perspectiTas varJ^As, 
BacH. 360. 

S. tegta Bemiglohoso- eonoidea , deprcMU^ 
ütrmque eirchmatim inaequaUter «tngtitota, 
emgtiiis granulonB, marginaU wp^mo ma- 
jore /iroCufteronf e ; peripheria conqtrema, 
mnguUUo-earinata^ scabra; fade mfenu» 
ad margmem canaliculatay imUnUea ampUs' 



Breite W*^ ; Höhe 6^//. 
SM. ! canaliculatam Lkk. YIL 5. var^ oh*) Cq, e. tL 
tnsam nob. ) As^ 

Trochn« yariegatus (Gm.) BacK. dlSfL 

[tnx Gkbl. t] 
<C iSolarium ▼ariegatam Ba. 88. 

& testa whictdatO'Canvesa, circinnatint 
inaequaUter ctngtilato, cmgitUa Hrü» oer- 
HeaUbnB eremdalü ; peripheria valde obttua , 
ratundkrta; umbiUco fere angvsto. 

Breite V^^ , Höhe ^^K Seheint sich 
der Zeichnung sufolge Ton S. Tariega- 
tarn dadurch zu unterscheiden > dal« die- 
•es auf der ehern Seite nur mit 4 , jene« 
eratere aher mit 6 — 1 gekerbten Bindenr 
auf jedem Umgänge versehen , auch der 
Rand des äafsersten hei letzterm stumpfer 
ist Bei dem Partner S. canaliculatnm 
sind die Binden etwas. unglmher, und ■ 
besonders die Kerben am obern Rande* 
grofser; auch scheint der aufsere Rand, 
etwas minder stumpf. 

Fossil auch um BordemidP, Pur», ia 
England, 

* S. elegans Df. 55. 488. 

Ton Rom, 

* S. Branderianum Ri; [ ßedürfennoch 

ly. 138. n. 345 yan Nizza, \ -.p„aiiPrprV«r^ 

* S. denticulatumR..IV. f «T^^'«'^^' 

138 n. 346. Ton Ms«.. l «l^^^'^^-S- 

* S. carinatnmRi.IV. 188. 

a. 347. von Nizza, 



Delphinuia. 

337. 1 scobina Ba. Z7. %• «^ 

. Tarbo gcobina Bro. 53; Df. 46. 521. 
Fossil noch um Bordeaux. 
338. 1 ? marginata Lmk. VI. n. 232. Ba. 27. Cg, a. 
Die Exemplare etwas za undeutlich, 
um sie genau mit jenen Ton Paria ^ Bor- , 
deaux und England yergleichen zu können. 
:839. 1 costata Bbn. n. 139 tlq. c.dl8; An. 

Nerita (Stomatia) costata Bbch. 300; 

Bo. 106. 
Purpura costataSow. ^6n. «fteUs; Df.5L 

72. Ba. 50. ' 

Sigaretus costatus Sb.127. 
1 a. nunutrosa , anfractibus solufis, 

Fossil noch in Süd-Frankreich (c. ma.), 
um Bordeaux etc. Unterscheidet sich Ton 
den«ndem charakteristischenDelphinula- 
Arten nur etwa in so feme^ als bei wohl- 
erhaltenen Exemplaren der Nabel minder 
weit, imd meist halb bedeckt ist. Dage- 
gen hat sie keine Spur von jener Aus- 
randung des Mundes, welche die ächten 
ZoopAog'en charakterisirt; die Annäherung 
zu Delphinuia tritt deutlicher hervor 
durch ein monströses Exemplar meiner 
Samnünng, woiran die Umgänge getrennt 
sind. 

Serpulorbis Sassi (Gftbm. Ugwi. 1827. 
Sepi, 482.^ 

340. ! S. polyphragma Sassi L c. ^ Cq,e,VS5/f^\Rg. 

Ser4^ulapolythalamia(LiN.)BBCB.268.| Genova, 

\non LiN.l ^ ^ 
Serpula dentifera vor, c. Lmk. Y. 867; 

Bnir. n. 265. 

Lebend noch im Mittdmeere, 

Scalaria. 

341. ! Babilonica n. «p. Cq^ c. 2. 

T. tegta pyramidaU^ turrita, imperforaia^ 
anfractibus extus aubvertieaUter planatis^ 
contiguisy verticäUter planato-coatatis^ mar- 
gine auperiore inter coaiaa triangviariUr 



— -5M — 



esciM^eottaniai ofU^bua adpreuk ecronato; 
tiÜMM amfractu 9hHu$ earmU 3 trmuver- 
Mdihtu,-deem9»maibu8^ dupUeem areantm 
gModratarum impreuarvm tariem basalem 
formantibus omato. 
Höhe 9^^/, Breite Zy^. Umgänge 8—9. 

342. . pamicea Dv. 48. 19« 

Turbo pnmicens Bboh. 880. 

343. ! lamellosa Sb. 262. 

Turbo lamelloBus Buch. 379; Bo. 91. 
Sc. Brocchii Dv. 48. 19« 

Zwar existirt schon eine lebende Sca* 
laria-Art dieses Namens, welche aber 
die Priorität nicht hat. 

Gegraben noch in SüdrFrankreich. 

344. retusa n. 

Turbo retusus Buch. 380; (Seaiaria.) 

Bo. 92. 

345. ! torulosa Dp. 48. 19. 

Turbo torulosus Buch. 377. 
3M. ! corrngata n. 

Turbo corrugatus Buch. 376. 
Turritella corrugata Ri. lY. 108. 

347. ! lanceolata n. 
Turbo lanceolatus Bbch. 375 
Turritella lanceolata Ri. IV. 109. 

348. ! disjuncta n. sp. 

S. testa twrrita imperforata ^ anfraettbus 
wbeonoexis,, eontiguü, suhtiUter tratuversim 
9triatu, supenoribua Umgitudmaiiter costatia 
(inferiorum costis eva$ieacentibu8) ; üUimo 
ha9€08 carina convexa (suturaU) omato^ 
aperturae ovato-8ubroiundae margkubua tUa- 
junctis. 

Höhe 15^//, Breite ^^^. Umgänge 10—11. 
Habitus der Sealarien ^ aber die Rippen 
auf den untersten Umgängen allmählich 
Terschwindend, und die beiden Mundrän- 
der getrennt. Doch biethet andererseits 
der Mund auch nicht die charakteristische 
Form, wie bei den Turri teilen. 

349. ! alternicostata n. 

S. yaricosa Brn. üe». 1. 328. (non Lhk.) 
S^ testa turrita, imperforata; at^acObuB 



Cq. 

Cq. Ba. €. 15. 



Bologna. 



) Cq. Ba. e. 35. 
] Ta. c. 
Cq. c. 20. 

NL 

^Cq. e. 15 ,• NL 
} Bologna. Tose. 

Cq. c. 2. 



Cq.e.d.W;j4n. 



— 675 — 

cmwexia contiguia^ sonh trihus transoenia 
rufeseentUnu^ earina basali deHitutis^ eoa- 
tia langüudinaUbus conHnuia obUqyia, dliis 
crasaisy älüs capiUarünu. 

Länge 16^^^ , Breite f^^^ , Umgfiiige 12. 

Lebt auch im Biittefmeere. (Bkn.) 

350. ! commnniB Lhk. YI. n. 228; Ba. 80 ;\ 

D». 48. 18. f Cq.(e.)d,m 

Tarbo clatbras Lin.Biich.378. (8.Sca-i Stf. 
laria) Bo. 91. ( ; 

Umgange Ton einandei^, abstehend. 

Lebt im Mittelmeere, ^ 

Fossil Hm Bordeaux , in England etc. 

351. ! psendo-scalaris Ri. IV. 118. Cq.d. 15; yin, 
Turbo pseudoscalaris Bbch. 379. 

S. foliacea So. gen. n. 11; M. C. IV. 125. 

tb. 190. 2. 
S. Textorii Sb. 105. 

S. testa turrita^ hnperforatay anfracHbue 
conoexis di^nctiSy lamina basaU praeditis , 
eostie UmgitudinaUbus eonthnäe UaneUifar^ 
nUbuSj muticia, crebris. 

Lange 13^/^, Breite f^^^ , Umgange 
11—12. ^ 

Fossil auch in Süd-Frankreich (c. ma.) 
und JEU Rtmuholt und JVoodhaü im Crag. 

352. r muricata Ri. IV. 113; Df. 48. 20. | ^' * *^- 

) Js. Ni. 
S: testa coniformi'-tvrrita, imperforata^ 

anfractibus eonoexia, subdi^unctia^ oarinula 

basaU praeditiSy coHia longitudmaUbua con^ 

ttfiuM, erebria lameüiformibua supeme api- 

culatia. 

Lange 7yj/// , Breite 3////, (auch 
gröfser) Umgänge 7. Steht Sowbrbt's Sc. 
acuta sehr nahe ; aber die Umgänge 
haben nur einen Queerldel, statt Tierer. 
Risso^s Exemplare scheinen nur etwas 
minder schlank , als meine. 

Um ISizza fossil und subfossil. 

Lebend im Meere, (Ri.) 

353. ! decussata Lhk. VI. u. 229; Df. 48.^ Cq,Ba,e,^, 

18 ; Dh. ) % c. (Bau.) 

Fossil auch um Paria, 



— «7« — 

854. ! cancellata Dir. 48. 20 ; Sb. 105. "^ Cq. e. d, 14. 
Tarbo (Tarritella) cancellatasy Ni. Js. 

Bboh. 377. 
Tarritella cancellata Ri. IV. HO. 
fg. 40. 
Ckgraben auch ia Süd-Franireich (ma.) 

855. ! tenai striata n, sp, Cg, e. 1. 

S. teHa andformi-turrita^ perfarata^ an- 
fraetihua eonvexisnam j eoftnatüj niperiua 
obsolete earmatü^temttanme et dense can- 
ceUatim elevatostriatia^ earma basali nuüa. 
Länge 5y2^^/,Breite 2y2///,Umgänge5--6. 
350. ! genicalata n. C^. d. 4; An. 

Turbo genicu latus Bacik. 059. 
f S. plicata Lhk. Tl. 553. 

Fossil auch um Paris , f Bordeaus» 

357. . trochiformis n, Sy* 
Turbo trochiformis Bboh. 381. 

* S. elegans Ri. IV. 113. to^ Nizza^ kenne 

ich nicht näher. 

Pyramidella, 

358. ! terebellataF]£a.l07;Sow;BA.20;DH.) Cq. d. 100. 

Bnir. n. 140; Da 44. 135. ) Toseana. 

Auricula terebellata TjWk, yil. 540; 

Dv. 3. 134. 
Turbo terebellatuB Brcb. 383. 

Fossil noch um Paris, Bordeaux j in 
England und Siehenhürgen. 
350. . spirata FiA. 107. Sy, Nu 

Yoluta spirata Bbgh. 644; Ri. IV. 251. 
300. . gr acilis Fi, 107. Df.44. 135. Ri.iy.93.^To«G.(rofterr0.J 
Turbo gr acilis Bbch. 382. ^M. 

Turbonilla gracilis Ri. IV. 224. 

* P. carinata Rl IV. 93. yon Nizza, ist 

noch näher zu unt^uchen. 

Tornatella. 
361. ! globosa fi. <p« Cg, e, 1. 

? Auricula inflata Bo. 101. \non Tor- 
natella inflata Df.] 

T, testa ovato-glohosa, nuMgna^ spira ro- 
iundatOj retusa, sutwra incavata^ viUmo 
anfractu testae tothts fere aititudme, vbigue 
aequatiter transversim sulcato, suleis et ein- 



— 5n — 

gutta intemediis latihidine aequalibuSj prio-* 
ribus longitudinaliter striolatis, scrobiculatis, 
intus quoque visihilihus^ pUca columeüae 
obsoleta. 

Höhe 9^^//, Breite 6^^^. Letzter Umgang 
mit 85 — 36 gleichentfemten Qaeerfurcben; 
Nabel sehr schwach, doch vorhanden. 

362. ! truncatala n. sp. An, d. 2. 
T. inflata? Ba. 25 ; ? Se. 100. 

T. testa oblongo-ovata; spira cumta^ an- 
fractibus aequaliter transvetsim sulcatia . 
aidcis quam cingtda angtistioribus et longi- 
tudmaltter striolatis, scrobiculatis ; columeUa 
vmpUcata, attenuata, basi truncatula; Idbrc 
convexe arcuato; apertura inferius angustata 

Die Beschaffenheit der Spindel so wie 
des ganzen Mundes ist dieser Art eigen- 
thämlich^ und veranlafst mich, sie von 
T. inflata zu trennen, von welcher 
Bastebot sagt, dafs sie yielleicht mit T. 
fasciata noch vereinigt werden würde. 
Höhe 4y///, Breite 2^//, Umgänge 4—5. 

Die T. inflata findet sich auch zu 
Paris, Bordeaux, in Süd-Frankrdch (ma.) 
und in der Champagne fossil. 

363. ! semistriata (Df. ms.) Ba. 25; Df. 54.) Cq, d. 40. 

541 ; Ben. n. 141. ] An, rf., JSfl 

Voluta tornatilis (Lin:) vor: Bech. 
322, 643; Ss. 125. [non Lm.]; (jnib Auri- 
cula) Bo. 101. 
T. inflata vor. a. Fi». 108. 
Speo tornatilis Ri.-iy. 236. 

T. testa ovata; spira acuta ^ anfractu 
ultimo ad marginem superiorem et ad basin 
transversim sulcato ; parte mediana inferiore 
subtiliter transversim striata, superiore lae- 
vissima; columeUa uniplicata; labro fere 
recto; apertura infeme lata, 

Höhe ^/^ , Breite 3//>', Umgänge 6—7. 
Die feinern Streifen der untern Mitte sind 
auf Beocchi's Zeichnung nicht angegeben. 
Gegraben auch in Süd-Frankreich. 

364. ? Iiiplicata n. Piemont, 
Auricnla biplicata Bo. 101. 

Bronn, Reise. IL 3'J' 



— 578 — 

Halioiis. 

865. ! ? tabercalata Lmk. An. d. 

Ich besitze nur ein Bruchstück eines 
kleinen Exemplares^ welches wohl mit 
der' jungen H. tuherculata aus dem 
Mittelmeere übereinstimmt, aber in voll- 
kommnerem Zustande sich doch Tiellcicht 
unterscheiden würde. 

Sigaretus, 

366. ! haliotoideus Ln[K.,DF. 49. 113; Bbn.^ Cq. c, d. 15. 
n. 142 ; Bu. > ISi, An. Sy, 

Helix haliotoidea (Lin.) Bbch. 303.) Bologna, 
Bo. 104. 
Lebend imi Mittelmeere, 
Fossil auch in Podolien, 

Stomatia, 
397. St. rngulosa Ri. IV. 352; Df. 51. 72. iVt. 

Na t ic a* 

368. ! gl au ci na Lmk.; Conys. Pho;. ; Ba. 38;^ Cq. c. d. 250. 

St. 394 ; Df. 34. 257, Brn. n. 144 ; Bü. \ Ni. An. etc. 
Nerita glaucina Lin. Bach. 296. Bo. 

(s. Natica) 105. 
N. sigaretina Sow. V. 126. tf. 479. fg. 3.- 
Helicites glaücinae Schf. 174. 
Neyerita Josephinia Ri. 149. fg. 43. 
ß. vor: convexior. ib. 

y. vor: aubglobosa. Vald'Elaa^Pisa. 

Lebend im Mittelmeere. 
Gegraben um Bordeaux^ in Molasse 

St. GdUena, in SiebenhOrgen, und Podolien, 

im London clay. 

369. ! millepunctata Lmk. VI. n. 199. var.\ Cq.(c.)d.l999. 

Brn. n. 143. ; An. Ni. etc, 

N. stercus muscarum Encycl. 
<C Nerita canrena Brgh. 296; Bo. (s. 

Natica) 105. 
N. carena Ba. 38. [non Lmk.]; St. 394; 

CONYB. PhI&. 

Nacca punctata vor. 1. Ri. IV. 149. 



-^ 579 — 

Helicites canrenae Schf. 174. 

a. mactdis minoribus numerosissifui» i 

I^. millepanctata Df. 34. 257» 

b. macuUs nuyorihus paucwribua : 

N. tigrina Dp. 34. 257, 
N. raro punctata Sassi. 
Die rothen Funkte sind grofser und 
minder dicht, als bei der lebenden Form, 
doch giebt es eine Menge Abstufungen 
in dieser Beziehung, und einige nähern 
sich sehr der lebenden Varietät. 
Lebend im Mittelmeere. 
Fossil noch um Bordeaux, im SuffoUe 
Crag, in St. GaUer Molasse, am Kressen- 
herg\ etc, 
370. ! epiglottina Luk. Du.; Bbg. 61; Df.> Cq. c. d. 250. 
34. 266; Bbn. n. 145. Ss. 101; Bv. ) An.; Su.^Rom. 

Nerita fulminea Bbch. [non Lin.] 
Helicites glabratus Scht. 104. 
? N. glaucina Ri. IV. 148. alior. 

N. testa subglohosa , apira subacuta , su" 

tUfa planata, aperturae semiovatae margine 

intemo superne caUo crasso tecto ; undnUco 

. angusto , intus obsolete ^andUculato , (zona 

nigra cincto.') 

Der lebenden N. ampullaria Lmk. 
sehr nahe stehend, aber durch die Ter-- 
flachte Naht der Windimg und durch die 
dicke Schwiele auf dem Torletzten Um- 
gange innerhalb der Mundöifnung charak" 
terisirt. Höhe (senkrecht) 12///\ Breite 
•11///. Umgänge 4—5. 

Fossil noch um Bordeanx (c. ma)> Mar- 
seille, Paris, Maynz, Wien, Siebenbürgen, 
Pohlen. 
371. 1 helicina ? Sb. 103; ? Bv. ) Cq. c. 1. 

Nerita h eli ein a Bbch. 297; (8.Naticä)7 Piemont. 

Bo. 106. 
N. glancinoides So. I. 19. tf. V. fg. 1. 
In Bbocchi^s Sammlung sah ich unter 
diesem Namen zwar nur eine N. epi gl ot- 
tin a mit etwas abgeblätterter Schaale und 
ausgebrochen vertieften Nähten liegen; 
doch habe ich selbst ein gutes Exemplar 



— 580 _ 

erhalten j welches mit mehrem hrannen 
zusammeiihängenden Binden Tcrsehen ist 
Im Nabel ist ein schwacher spiralförmiger 
Wnlst, wie bei den meisten Natica- 
Arten. 

Gegraben noch in Süd-Frankreich (ma), 
Podolien , im Wiener Tegel (Bovifi) , im 
London clay von Highgate, 

372. ! plicatula n. «p. Cq. c, 1. 

N, teata subgloboaa tenui; sphra retusa; 
anfractibus convexiusculia ^ ad sutttram 8u- 
periorem arcuatO'plicattdi8;umhiUco (aper toi) 
intus caüo spirali magno obstructo. 

Die Dünne der Schaale wie bei den 
ächten Ampallarien, und die zierlich 
gebogenen Falten am obern Rand der 
Umgänge machen diese Art Torzüglich 
kenntlich. Ob der Nabel sich nicht yiel^ 
leicht an gröfscren Exemplaren . ganz 
schliefse, Tcrmag ich an dem einzigen, 
welches ich besitze, nicht zA erkennen. 
Höhe QV,///, Breite Sy^///, Umgänge 4—5. 

Es finden sich Spuren i'iereckiger rother 
Flecken, gröfser als bei N. millepunc- 
tata. 

373. c e p a c e a Lm k. Bug. 60. Vicenaa, a?,h?. 

Fossil auch nm Paris* 

374. ! Tnlcani n. Ro, 6. 
Ampullaria Yulcani Bbo. 57. . . 

375. ! perusta fi. Ro, b^ 
Ampullaria perusta Bao. 57. 

876. ! obesa n. Cg. a. 

Ampullaria obesa Bko. 58. 
377. ! depressa So. I. 21 ; tf. V. fg. 3. Ro. b, 

Ampullaria depressa Lux. Bro. 58; 

? Ri. IV. 152. 
Helicites Roncanus Scht. 106. 

Fossil auch um Parts (gms.) und im 
Suffolk eng. 

Die Exemplare von Ro. jedoch haben 
meist eine kürzere Windung und eine 
dickere Schwiele auf der Innern Mund- 
Lippe. 



— 581 — 

378. ! spirata n. [non Dh.] \ Sangonmi, 
Ampullaria spirata Lmk. ann, V. 30.^ jRo. h, . 

hUt. YII. 549.; Brg. 58; Dh. II. 138. 
Auch fosBÜ um Paris (c. g.) *). 

379. . cochlearia n. Cg. a. 
Ampullaria cochlearia Lmk. Brg. 58. 

Auch gegraben um Paria, 

380. \ spiralis n. sp. Cg, a, 

N, testa ovata, exumbilicata , laevia ; spira 
longa acuta , ad suturam canaUculata ... 

Höhe ll^/^ Breite 8^^/. Nur N. acu- 
minata hat eine so lange, aber viel 
schlankere Windung^ als diese Art, wel- 
che sich durch die rinnenförmig vertiefte 
Naht noch roUends Ton jener, und durch 
beide Merkmale und den Mangel des 
Nabels noch von den übrigen genügend 
erkennen läfst. 

381. ! sigaretina Lmk. YII. 550; So. IU.152; Cg. a. 

tf. 284. fg. 6. 7. 
Fossil auch um Paris ; in England, 

382. . acuta So. IIL 151; tf. 284. fg. 1—3. Bo. a, 
Ampullaria acuta Lmk. YII. 548; Ca. 

Fossil auch um Paris; in England, 

383. . ac um in ata n. 

Ampullaria acuminata Lmk. YII. 548. Bo. o. 
Dh. IL 139; Ca. Sow. 
Fossil auch um Paris (c, g.), in England. 

384. . cras'satina n. 

Ampullaria crassatina Lmk. YII. Bo, a, 
550; Ca. 
Fossil auch up Bordeaux^ Paris. 

* Natica undata Sassi. Alhenga, 

* Ampullaria antiqua Ri. lY. 152. JSi, 

* — sulcata Ri. lY. 152. Ni. 

Nerita, 

385. . polita (Lin.J Bbch. 300. Cq. Bologna, 



*^ Die hinler dem Fundorte Paru vorkommenden, von Desb ayiBS 
entlehnten Buchstaben bedeuten folgende Gebir^sschichten : 

c. g. - Calüoire groMHer de Paris. g, . ^^„.„ ^„perieur. 

gmi. - Gre9 marin inf^rieur. 



— 582 — 

886. . perrerta 6m. Ho. 6. 
Neritina perrersa Lhk. VI. ii. 183; 

Df. 84. 481* 
Nerita conoidea LMK.^nn.y.32;BR6.60. 
Telates conoideus Mf. II. 355. ^ 

Fossil auch um Paris, 

887. . Acherontis Brg. 60; Df. 34. 479. Ro. h, 
88a . Garonis Be«. 60; Df. 34. 479; Bv. Ro, b. 

¥ Fossil auch in PodoUen, 
* N. edentnla Sassi kenne ich nicht genauer. 

Neritina. 

889. ! ? fluviatilis Lmk. Cq,Ba.c. (Bes.) 
Nerita fluriatilis (Lm.?) Bbch. 301. Pog^. /. (Baca,) 

Zwei Exemplare, zu Bacedasco mit 
den Nodosarien gefunden, lassen noch 
ihre Färhung erkennen; sind aher viel- 
leicht erst neuerlich durch Bachwasser 
dahin gefuhrt worden. Die eine hat dicke, 
aus einzelnen Funkten zusammengeflossene 
Linear - Zeichnungen ; die andere' feine , 
dichte, verwirrte Zickzack - Linien. 

890. ! zehra n. sp, FigUne, /. 
? Nerita fluyiatilis (Lin.) Bbch. 301. 

N. testa parva, spira minvta, retusa^ 
uUimo anfractu UneoUs ohscuris remoUs 
subflexuoaiSj subaimpUcibus transversa picto^ 

P aludina. 

Es ist kaum möglich, die Formen nahe 
verwandter Paludina -Arten in Beschrei- 
hungen genügend zu unterscheiden. Gute 
Zeichnungen knussen hier aushelfen. 

891. ! amullacea Brn. n. 146. FigUne./, 

P. testa tenvi mediocri subglohosa; anfracti- 
hus 4 convexis, spira obtusa, lahio tntemofere 
evanescente fissura baseos umbilicari. ^ 

Hohe 7^// , Breite 6^^^. Diese mittlere 
Gröfse ist ungewöhnlich in diesem 6e* 
schlecht. 
_ ! impnra Brabd. Lhk. VI. n. 175. ) FigUne. f. 

Helix tentaculata (Lm.) Brch. 302. ) Poggibonzi f. 

Höhe 5y,^^/ , Breite 3^/^. Die fossUen 
Indiriduen hahen meist eine dickere 
^chaale als die lebenden. 

Leht in ganz Europa, 



— 58« — 

398. , similiB n. Folterra. 

Helix similiB Brch. 302. , 
Cyclostoma simile Drp. 640. 
Lebt in Süd-Frankreich, 

Valvaia. 

394. ! obtusa Brard. ' \ Figline f, 
Helix fasciclilaris (L;[n.) Brch. 303. ) Volterra f.^ 
Cyclostoma obtusum Drf. 

Valyata piscinalis Lmk. VI. ii. 172. 
Brn. n. 148. 

Etwas gröfser als die lebende, sich der -^^^^ 

y. naticoides etwas annähernd. ^ 

Lebt in Deutschland, Frankreich etc, «* 

Rissoa DE Fr^hintille, Desmarest. 

395. ! cimex Ba. 37. (vor. ß.) ; Df. 45. 477;) Cg. d. 1. 

Sb. 126. )Bologna, Ischia^ 

Turbo cimex htm. Brch. 363. 
Rissoa cancellata FRim. Dbsh. 8; Fa. 
111 ; ? Sb. 126. 

Lebt im Mittelmeere. 
Fossil um Bordeaux, Angers, Grignan, 
in Süd-Fravkreich, 

396. ! marginata n. Cq, c. d. 
Turbo marginatus Laskby, Mem. Wem. 

Societ. 1811. 
Rissoa acuta Desmar. (1814); Fa. HO. 
Lebt im Atlantischen und Mittelmeere. 

397. . acinus n. * M. Toscana. 
Turbo acinus Brch. 381. 

Alvania acinus Ri. lY. 146. 

Fossil noch im Wiener Tegel (Bouiä). 

398. . pusilla Sb. 126. Toscana. 
Turbo pusillus Brch. 381. 

Gegraben auch in Süd- Frankreich, und 
im Wiener Tegel (Bouifi). 

Melanopsis. 

399. ! Eine ausgezeichnete^ doch %icht ganz) Cg. a. 

bestimmbare Art, verwandt mit M. Du-) Ro. h. 
f ourii und M. obtusus. 

Melania. 

400. ! lactea Lmk. YH. 544; Dh. IL 106. Cg. a. 

Fossil auch umPam (c. g.), im Valmondois. 



4fl. ! Stygii Bb«. S9; Dp. 29. 467. Ao. ». 

11. lactea vwr, c. Dh. II. IM. 

Mnricites melaniaeformis Sist. 149. 

? M. inflaia B4». 100. 

FomU auch am ParU (gnu.). 
403. . ? «triata a. %; 37. 

Turbo striatas tfacH. 383. 

Enlima striata Ri. lY. 124. 

403. ! semidecnssata Lmk. YII. 545; Dh. Cg". a. 

n. 106. 
M. corrngata Lmk. Atoi, d, tau». lY. 431. 
Fossil anch um ParU. 

404. ! costellata Lmk. YII. 513; Ba. 35; Dh. Ro. b. 

n. 113; Df. 29. 466. vor: Roncana 
Bao. 59. 
M. yariabilis Df. 29. 406. 

Gegraben, auch um PariSy (c. g.) zu 
Bordeaux. 

405. ! elongata Br«. 59; Df. 29. 469. Cg. a. PiemmA. 
Scalaria fimbriata Bo. 92. {teste Brg.) 

406. ! canalicularis Lhk. YI^. 545; Dh. IL Cg. o. 

109 ; Df. 29. 467. 
Fossil anch nm Paris (c. g.). 
497. ! cochlearella Lhk. YIL 546; Dh Ih Cg. a. 
in ; Df. 29. 469. 
Rissoa cochlearella Ba. 37. 

Fossil auch um Paris (c. g ) ^ Bordeaux. 
406. ! Brochii n. Cq. e. cf . ; 15. 

Turbo plicatnlns Bnen. 376. [non Me- 

lania plicatula Dh. II. 115.) 
Turbonilla plicatula RlIY. 224. fg. 70. 
Lebt auch im Mittelmeere, bei Nizza, 
Cette. 
Fossil im Tegel um Wien (Bou]6). 

409. ! costulata n. Ni. 
Turbonilla costulata Ri. lY. 224; 

fg. 72. 

410. ! hordeacea Lhk. YII. 544.; vor: c. Dh. Sy. 

II. 108; Df. 29. 467.*Ba. 35. 

Fossil auch um Paris, (c. g.; gms.) im 
Valmondois , Bordeaux etc. 
4n. ! distorta Df. 29. 468; ? Dh. U. lll^Cq. d. 35. 
(ejrd. Synon. Bboh.) ; Ba. 36 ; Bbh. n. 150. 
Turbo auriscalpium Rr. [non Lin.I 



— 685 — 

Turbo polituB MoiCTAGir. 

<C Melania nitida Lhk. YII. 546. 

Helix nitida Bacn. 304. 

Die Italienische Art hat vielmehr die 
Form von Dbshäyjbb's M. nitida als Ton 
dessen M. distorta^ ist aber beständig 
gebogen. Was Pbshayes über Bbocchi 
sagt, ist unrichtig. Wird 1^^^^ lang. 
Lebt im Mittelmeere, 
Fossil um Paris (c. g.) Bordeaux etc. 

412. ! Cambessedii Fa. 107. jC^. Ba. cd 130- 
Turbo fasciatus Rb. ■ )ZVi. Toscana, 
M. fasciata Brn. n. 149. 

Helix subulata Brch. 305. 637. 
M. sabülata Ba. 35. [no7t4LHK.] 
Eulima subulata Ri. #. 122. 

Diese Art ist viel schlanker, als die 
Ton Deshayes (^Coq, d. Par.) abgebildete 
M. nitida Lmk. 
Lebt im Mittelmeere. 
Fossil auch um Bordeaux, um Wien im 
Tegel (BouÄ). 

413. ! ob longa Brn. n. 152. FigUne f. 

M. testa parva ovato - ohlonga, Uxevi, 
anfractibus 5 — 6 convexiusculis ultimo dimi- 
dia testae Umgitudine ^ aperturae oblique 
elUpticaemarginibus cot^unctis; labroacutOf 
convexe arcuato. 

Nahe yerwandt mit M. laevigata Dh. ; 
doch hauptsächlich durch die Lage und 
die Form des Mundes yerschieden. M. po- 
lita, M. nitida etc. sind schlanker , 
grofser, glänzend glatt. Bei M. hordea- 
cea ist die Form minder bauchig, der 
letzte Umgang kleiner. Länge 3^^^. 

414. ! oTata Ben. n. 151. FigUne. f. 

M. testa parva, ovata , laevi , anfractibus 
4 convexiusculis, ultimo dupla spirae longi- 
ttuiine, aperturae ovatae marginibus con- 
junctis, labro acuto convexe arcuato. 

Steht der M. triticea sehr nahe, ist 
etwas kleiner, hat 2 Umgänge weniger, 
eine etwas kürzere Windung ^ der Mund 
ist minder breit an seiner Basis, die in- 



— Ö86 — 

nere Lippe üt «ehr dentUch. Wäre der 
äuTsere MundMam weniger conTex aus- 
gebogen , so wurde man diese Art eher 
für eine Paladina halten. Länge 2% ^^/. 

Limneua, 

415. . palustris Lmk. YIL 543; Brg. ; Bi. 23; Poggihonzi. /. 

Dh. 95. 
Helix palustris (Lih.) Buch. 302. 
Lebend in Sümpfen Europas. 
Fossil noch um Grignon. 

416. ^. auricularius Lmk. Yf . n. 160 Poggibanzi. /. 
Helix auricularia (Lin.) Bbch. 302. 

Lebend in Sümpfen Effopas. 

AurU.U • 

417. ! conoidea Fii. 104. iCq. Ba. c. 2. 
Turbo conoideus Bbch. 660. \Toscana, 

Lebend auch im Mittelmeere , bei la 
Spezzia (Brn). 

418. ! pyramidalis So.IY.lOO; tf.379.fg.L2. 

A, testa ovata acuta , turgidula^ columella 
h^Ucata, lialbro dextro mutico acuta, spirae 
anfractibus submargtnatis. 

Umgänge 6. Höhe 8^^/; Breite ^^^, 
Stimmt aufser der Zahl der Falten und 
Zähne auf eine merkwürdige Weise in 
Form und Gröfse mit der folgenden über- 
ein. Könnte eine Varietät seyn? 

Fossil im Crag Englands, 

419. . myotis n. jin. 
Toluta myotis Brch. 640; ? Sb. 99. 
Auricula marginata Dr. 3. Suppl 134[. 

Aufser der Zusammendrückung der fol- , 
genden ähnlich. 
? Fosnl auch in Süd-Frankreich (ma). 

• 
*Searabu8. 

420. . imbrium Mf. F*. 100 [?7] Piac.(F<.) 
Cochlea imbrium Rvkpf. 

Helix scarabaeus Lni. 
Helix Pythia Mvll. 



— 687 — 

Balimus Bcarabaeus Brv. 
Auricula «carabaens Lmk. VI. II. 139. 
Lebend zu Jmboina und auf den Ma- 
rionen. 

Achatina, 

421. ! PriamuB Lsik. VI. ir. 131; Bbn. n 153.^0;. c. 45; Ni, 
Bulimus Priamus Bau. dict. yPiemont, 
Bulla helicoides Brch* 281. 

Helix (Cochlicopa) Priamus F^. 50. 

w. 

Achat in a — BullaAchatina (Lin.)Bo. 

100 [non LiN.]. 
Halia helicoides Ri. IV. 52. fg. 79. 
Lebend in Guinea,, am 'Cap. 
Findet sich nicht in gesonderten Schich- 
ten. 

Niso. 

422. ! N. terebellata n. iCq. e. d. 230. 
Bulimus terebellatus Lmk. YII. 534.{^n. Ni, Sy. 

Df. 5. Suppl 121. Ba. 23; Du. IL 63; 
Brh. n. 154. 

Helix terebellata Broh. 304. 

Niso eburnea Ri. IV. 219. fg. 98. 

Diese Art ist zuTerläfsig kein Buli*- 
mus^ selbst kein Landbewohner, und 
durfte mit vielen bei Mela nia genannten 
Arten [411, 412 etc.) , die ebenfalls Mee- 
resbewohner sind^ ein eigenes Genus bil- t 

den müssen. 
Fossil auch um Paris ^ Bordeaux etc. 

? Heliai. 

42!^. ! damnata Bbg. 52. Ro. b. 

Auch diese zwischen den übrigen Kon- 
chylien von Ronca ziemlich häufige Art 
ist wahrscheinlich ein Meeresbewohner. 

Gasteropoden. 
Bullina, 

424. ! spirata n. sp, Cg. a, 

B. testa ovatO'cylindrica , lata, transver- 
tirii suhtiUter striata, spira ohtusa, ad su- 
turam profunde canaliculata, * 



— 688 — 

Hohe %%fff , Dicke 4'///^. Scheint mit 
Bulla ■triatella Lhk. Dh. nahe Ter- 
wandt, aber die Streifung des Basi« ist 
nicht merklich starker als die der übrigen 
Schäale. 

Bulla. 

425. ! lignaria (Lw.) Lmk. VI. ii. 83; BbchJC^. c. (f. 75. M. 

274 ; Df. 5. SuT^l, 132. Bi. 20 ; Dh. IlJfio. 6. 
44 ; Bru. n. 155 ; Sb. 259. 
B. Fortisii Beg. 52. 
Scaphander lignarius Mf. II. S34; 

Ri. lY. 50. 
— ? Targionius Ri. lY. 51. 
Lebend im Mittelmeere, 
Gegraben um Paria , Bordeaux , in SUd- 
Frankreich , England etc. 

426. . nmpulla (Lin.) Bo. 09; Se. 97. Piemont. 

Lebend in Indischen und Jethiopischen 
Gewässern. 
Fossil noch in Süd-Frankreich (ma.). 

427. ! utriculuB Bach. 603; Ba. 21; ? ni.\Cq. (c.^ d. 40. 

IV. 50. Un. Ni. 

B. striata (Bev.) Bbch. 276; Bo.? 100. 

Se. 98. [non Beu. Lmk.] 
b. atriia testae magis destructae superiorihus 
evanescentibua. 
Lebt im Mittelmeere. 
Fossil noch in Süd -Frankreich (ma.), 
um Bordeaux etc. 

428. ! conulns De. II. 41. Ka-ß.) Cq.d,5.; 
B. Ovula ta (?Lmk.) Brch. 277. 635; Bo.> Piem. M. 

100; [non Lmk. Dh.) /(y) Cg. a. 

Bullina striata Ri. IV. 52. 
ß, var : baH suhstriata. 

y. var : fusifom^is. < 

Lebt im Mittelmeere. 
Fossil auch um Paris (c.g.). 

429. ! elongata n. sp, \Cq. c. 4. ; 

B. testa elongatO'Ovaia, subcylindrica,(fJn.d. 
supeme et infeme subtiüter striata , spira 
in umhilico profundo inclusa, umhilico m-, 
feriore angusto in canalem svhspiralem bre- 
vem decurrente, aperti^ra inferius latiore. 



— 389 — 

Höhe Vf^\ Breite 3/,''''/. Form zwischen 
der Torigen and der folgenden. Der grö- 
fsere QueerdurchmeBfier, die mehr zylind- 
rische Form und der untere Nabel unter- 
^ scheidet sie von B. cylindri coides 

Bh.; noch mehr die obere Qneerstreifung. 

430. ! conYoluta Bacr. 277, 635. Cq, d. 10. 
? B. cylindrica Bbv. Lmk. YII. ii. 533; 

Df. 5. suppl, 132 ; Ba. 20. 
Bullina discors Ri. lY. 52. 
Lebt im Mittelmeere* 
(jregraben auch um Paris, Bordeaux, 
? Widi, 

431. . miliaris Bbch. 635; Df. 5. swppl, 132;) Sy. 

Ca. ) ßo. a. 

Lebt im Mittehneere. 

432. .'truncatula (Bru.) Brch. 275; Ba. 21; Sy. 

Kö. n. 55; Se. 98. 

Lebt im Mittelmeere. 

Gegraben noch zu Cotirtagnon, Dax, 
in Süd-Frankreich (ma.). * 

433. . acuminata (Bnck) Brch. 276 ; Kö. n. 56. Sy, 

Lebt im Mittelmeere. ^ 

* Scaphander patulus Ri.\ Ton "Nizza, 

IV. 51. f bedürfen noch 

* Bullina cylindracea Ri. ( genauer Fru- 

IV. 51. ; fung. 

Ancylus. 

434. ! acutus n. sp. An. d. 1. 

A. testa ovata lata depresso - convexa , 
apice acutiitscülo simplici. 

Von der Gröfse des A. fluTiatilis 
oder etwas gröfser. Ob vielleicht besser 
bei Pate IIa? Doch sehr dünn. 

Emarginula. 

435. ! reticulata So. L 74; tf. 33. fg. 2. Cq. d. 5, 

E. testa minima, oblique conica; costis 
longitudinalibus 20 — 30 ^ altemis minoribus, 
alüsque horizontalibus decussata; vertice 
adunco. 

Ganz die Form der C. costata Lmk. 



Ds.^ aber die Obctfliche rSÜMg wie bei 
IL f issnra dee Mittdmeere» ^bÜdet. 

Hdbe imd Brate •,004///, Looge 0,00&///. 

FomQ im &ag^ Ton Hohfwtüy etwas 
gröfiMT. 

436. ! Italica Df. 17. 79. ^ C^. c. d. 
F. costaria Da. EL 20. ©or; iß-radiauS An. % Av/ 

Ba«. n. 150- 7 Tosettna^Ram. 

Patella Graeca (Lnr.) Baoa. 239. [non 

Lnr. Lmk. Dh. Ba.] 
F. Graecnla et F. squamosa Kd. il41. 

42. [non Da. ; ? Sa. 130.] 
F. Defrancia et F. reticulina Ri. 
IV. 258. fg. 139. 137. 
Wird gröAer in den blauen Scbicbten. 
? FoMil nocb um Bordeaux, 
* F. Soldani Kö. b. 86. [vix higus generis.] % 

Broechia [cfr. p. 477.]. 

437. I tinuota Baa. n. 161. Cq,(c.)d.9$. 
Patella sinnofa Baos. 257. 

Pilopiif tinuoBa Kd. n. 87. 

438. ! laeyis n. tp. C^.(c.)cl.25. 

Capulus. 

439. ! HungaricuB Mf. II. 55; Bi. IV. 254;| Cq.c.d.im. 

Ben. n. 160. J ^„. jVi. Rom, 

Patella Hungarica Lin. Bech. 257. 
Fileopsifl Hungarica Lmk. VI. n. 17. 
Lebt im Mittelmeere, 

440. I sulcosus Ba. 70. An, d. 
Nerita (Stomatia) sulcota Baoa. 298; 

Bo. 106. 
(äff, Patellae coddeatae Chbkn.) 
FoMil auch um Bordeaux, 

441. ? Incernaria n. VoUerra, 
Patella lucernaria Baoa. 258. 

442. . cornucopiae n. As, 
Patella cornucopiae Lbik. Ann, L 311; 

Beck. 258. 
Hipponyx cornucopiae Df. 21. 186. 



— 591 — ^ 

Pileopais cornucopiae liUK. VI. 11.19; 
Dh. IL 23. 

Fossil auch um Parü Cc g.), Haute-- 

viUe, in England, In ItaUen hat nach B aocchi 

' niemand mehr dieser Art angeführt. 

* C. tertiarius Ri. IV. 254.^ VonMÄza,bc- 

fg* 149 (tertiär), f dürfen noch ge- 

* C. vitreuB Ri. IV. 254.knauer Verglei- 

(^quartiär.) J chung. 

Crepidula, 

448. ! unguiformis Lmk. VI. n. 25; Bi. 70;> C^. cd 200. 
Bbn. n. 156; Se. 129. \ An, 

Fatolla crepidula (Lm.) Bbch. 253. 
C. Italic a Df. U. 397. 
vor ß, scaphoides, 
? Lebend noch im Mittelmeere, 
Fossil um Bordeaux^ in Süd^Frankreick 
(ma.), 

444. . cochleare Ba. Tl. tf. 5. fg. 10. NuQert,quaH.) 
C. Candida Ri. rV. 255. 

Lebend im Mittelmeere, 
Fossil um Bordeaux, 

Infundibulum So. I. 219. 

445. ! sqnamulatum n. \C^. c, 160. 
Fatella squamulata Rb. )An, 
Calyptraea squamulata Bbn. n. 157. 
Fatella muricata Bbch. 254. 627. 

C. muricata Ba. 71; Sb. 129. 

Fossil VLmBordeaux^ in Süd-Frankreich (c). 

Lebt im Mittelmeere, Doch ist diese 

lebende yielleicht nur eine Varietät der 

folgenden lebenden. Die fossile ist stets 

viel gröfser als sie. 

446L ! laeTigatum n^ Q. d 350. 

CbL laevigata Lrek. VI. n. 21. [nonDH.n. 

31 ; ? Sb. 129 ] ; Bbn. n. 158. 
Patella Sinensis (Lin.) Bbch. 256. [non 

LiN.] 

Lebt auch im Mittelmeere. Der Deshatbs- 
sehe Name mufs dem altem LAMABCK'schen 
weichen, der eine andere^:^rt bezeichnet» 

Vtnbrella. -"^ 

447. . Mediterranes Luk. VI. i. 343. Cq,l,; Genua, 



— 5»2 — 

Patella. 

448. ! ? coeral«a Lmk. (ohsoleta). Cq. tf. I. 

Lebt im Mittelmeere. 
* P. sulcata Bo. Bbg. 76. Su, 

Dentalium. 

a. testa costata 9. striata. 

449. ! elephantinam (Lni.) B&cfH. 260; Lmk.) C^.cfil.^ 3000. 

V. 343 ; Df. 13. 72 ; Ri. IV. 399 ; Bbh. 11.J Jn, etc. 
102 ; Sb. 153. 
D. «exangalum (Lnr.) \ 

3bch. 202. 027 ; Sb 153. f Praecedentis 
D. sexangnlare Ln. T. i fragmentum. 
344 ; Ri. IV. 400. ) 

Lebend im Mittelmeere? ^ wid im fndi- 
8chen Ozean. 

Fosgil in Süd - Frankreich (ma.); im 
Tegel lim Wien (Boui). 
490. . aprinnm (Lin.). Bbch. 264;Liik. V.34a Rg. Toteana. 
Lebend in Indien und im Mittelmeere» 

451. ! ? dentalis (Lin.) Bbch. 201; Lmk. V.> Cq. <2..350. 

344 ; Bbn. n. 103. > Stf. Ptemont. 

D, testa arcuata mbangtiXata , costis lon- 
gitudinalibus angustis , supeme 8 — ^9, infe- 
riua depresgiaribus, interdum evanescentibus, 
aUis attemis mrhoribus. (^Apice tubidum in- 
cludit). 

Lebt im Mittelmeere. 

452. ! p 1 ana t u m n. sp. Cq. c. d. 30. 

D. tesjta arcuata^ costis longitudinalibus 
aequaUbus 10, superne subacuiiSy infeme 
planatis, stäcis intermedüs angustis. 

Länge 2//// , Dicke 2y///. 

453. ! fossile (Gm.) Bbch. 261; Lmk.V. 344 ;J r a ^ 

Ri. IV. 899. [ 7' f* . '^; 

? D. striatum Lmk. V. 344; Se. 154. 7 ^' ^*''"^*^®- 
(Striis 32. inferne subaequalibus, snpeme 
alternis minoribus) 

Lebend iiii Golf von Tarent. 

Fossil in ? Süd^FrankreicK, um ? Maynz. 

454. ! inaequalc n. sp. Ni. d, 

D. testa arcuata, longitudinaliter costato- 
striata, supeme costis acutis, inferius 



— 59» — 

dlUs semper ndnoribus intercedentibus , hasin 
versus in strtas circiter 50 subttegudlea 
deUqußScentihus. 
Länge 3%^/ , Dicke 4///. 

b. te%ta Ißevi. 

455. ! f issurä LnK. Y. 346; Dh. . . [non Sow.] Cq, c, d. 50. 
<C D< e »t a 1 i 8 Örch. 263. [non Lin.] ; Se. 153. 

D. incertum Dh. monogr, [id. apice rup* 
tum?^ 

Fossil auch um Grignon und in SOd- 
Frankreich, — ? im Wiener Tegel. 

456. ! incuTTum Rb. Brch. 628 ; Brn. n. 164. )Cq. Ba. c. 600. 
D. coarctatum Brch. 264; ? Sb. 154. ]To8e*^Calabriefik» 
?D. subülatum an ? D. strangulatum 

Dh. monogr,i Ri. IV. 401. 
Lebt im Mitteümeere. v 

Fossil in Siebenbürgen und ? Süd-Frank" : '' 

reich (ma.). . * , ' 

457. ! bulbosum Brn. n. 165. Cq. Ba.€.fBO0. 
<r D. entalis Brch. 263. 

D. testa atcuato - suhulata, ktevi^ su- 
peme truncäta, infeme anguaiata, bashp 
versus nodosa ^ articuiata ^ nodia superkapt^r 
sitis 1 — 3. 

458. ! triquetrum Brch. fö8; Sb. 153. * ^Cq.Ba.€. 20. 

Gegraben auch in Süd''Frankreieh(m&.^.^' Boiogna. 

459. . tetragonnm Brch. 627. i %. 
'* D. DeshayesiBi.iy. 400.1 

* D. variabile - - - r Sind noch ge- 

* D.irregularis r - - ) nauer zu nnter^ 

* D. Dufresnii - - 401. l suchen. 
, • D. Spirale - - -^ j 

* 

D. .^teropoden. 
Hyalea, 

460. . triacantha 0'itidotti. Cq. 

Eine kleine Art, mit drei langen, dor- 
nenförmigen Fortsätzen , in Guidotti^s 
Sammlung. 

« 

Cleo dora. 

461. . lanceolata PiSa. Lbs. .-^s. 
var: eaciremitate posteriore pyriformi-inflata 

Rang. Ann. sc. nat. 1829. Avril 497. 
Die Urform lebt im Meere. 
Bronn, Reite. IL 38 



— (»4 — 

408. ! (Creteit) gadiitoar.4.RAir«.Le.496Jj#«. * 

D. coar ctatnm Lkk. \. 316 ; Dm. mmu^Sfiq. Ba. e. SM. 
/ [mm Bbgh.] 

D. Tentricosmii Bbh. b. IIM». 

YarietiÜen dayon aach mn Bardtmut 
und Pmi». 

Cuviera. Rahc. 
468. . Aftesana Rah«. 1. c 496. J». 

E. Conchiferen Lxk. 
Ciavageila» 

464.-! Atpergillam Bau. (ZeUsekr.f, MmeraL Cq. d. 4. 
1825. p. 5. 

465. Broxhii Lhk. 432. Cq. 
Teredo ec hin ata Bbcv. 270. 632. (exti, 

f Fistnlana echinata St. 395. 

Letztere noch in Schweitzer Mohuwe. 

Gastro cAaena. 

466. ! cnneiformis Lm. Y. 447.; Sb. 152. Cq. c. d. 12L. 
Pholas hians Lin. Bbch. 592. An. 

Im Sande und Schlamm sind diese 
Schaalen ili besondem harten Röhren ans 
Sand und Muschelträmmem eingeschloo- 
•en (Fistulana); zuweilen aber finden 
sie sich auch frei und lose (Gastro- 
chaena). Endlich habe ich zu^«ft ein 
Stuck dichten Kalksteines erhalten, wel- 
ches gänzlich Ton diesen Muscheln durch- 
löchert ist, deren Schaalen noch in den 
Höhlen lagen ^ und deren Höhlen durch 
eine enge zweitheilige Oeffnnng mit der 
Oberfläche in Verbindung steht. 

Lebt im Mittelmeere. 

Grfgraben in Sud-Frankreieh (c. ma.). 

Teredtna. 

467. ? personata Lnnc V. 438; Dn. I. 18; Piaeemza, 

Df. 53. 168. 
Fistulana personata LMS.^nn.Y[L429. 
Teredo personata Bacn. 274. 
Teredo Antenantae Sow. tf. 102. fg. 3. 

Fossil noch um Paris und in England, 



— 5»5 — 



Cg, c, 8.; Sy» 



468. . bacillum Lbik. V. 438; Ri. IT. 3TT. M Piacensa. 
Teredo bacillum B&oh. 273. « 
Clavagella ? Df. 53. I69. 

Teredo. 

469. . narali« (Lm.) Brcr. 269. Sy. 

Lebt in ßuropäiachen Meeren. 

P ho las. 

470. ! rugosa Bbch. 591. 
? Fistulana pyrum Lmk. V. 436. 

Dafs diese Art eine wirkliche Pholas 
seye, erhellet aus Brocchi^s Abbildungen 
genügend. Bei meinen Exemplaren indes- 
sen sind die Zwischenräume zwischen 
Schaale und Gestein noch mit blättriger 
Kalkmasse, der der Schaale ähnlich, aus- 
gefüllt, die eine Scheide bildet , welche 
sich nach der Oberfläche des Felsen hin 
sehr Tcrengt, sich in Birnform aus dem 
Gesteine ausbrechen, läfst, und nun alB 
eine Fistulana, oder, nach DbshayISs^s 
neuer Definition, als eine Teredina 
erscheint ; womit auch zwischen diesen 
Geschlechtem ein Uebergang hergestellt ' 
wäre. Darf man schliefsen, dafs aufser 
den Pholaden und Gastrochänen 
auch Petricolen, Yenerupen, Co- 
ralliophagen u. s. w. zu Fistulanen 
und T er ed inen werden können? (cf. 
Bbch. U« 270. ff. ; • Bbn. in Zeitsclir. für 
Mineral. 1828. I. 1. ff.) 

471. . pusilla 'Bbch. 592. Sy, 

Psammosolen, 

472. . antiqua Ri. lY. 375. pfi, 

§ 

Solen. 



473. ! ragina Lin.; Bbch. 496; Lhk. Y. 451 ;| 
' Df. 49. 435 ; Ba. 96 ; Dh. I. 25. St. 393 
Sb. 151. 
Lebt im Mittelmeere. 



;>€</. c. d. 4. 



— 596 — 

Gegraben am Bordeaux^ Parh^ (e. g^.) 
VaimondoU^ in Süd-Frankreich («. c. ma.), 
in MolaMe der Schweitz, 

474. ! ensi« Lof. Bbch. 497; Lmk. Y. 452; Dp. Cq. d. 4. 

49. 435 
Lebt im Mittelmeere. 

475. ! Btrigilatns Lmk. Y. 455; Ba. 96; StJC^. c. d. 80. 

393 ; Dh. L 27; Df. 49. 464; Brn. n. 168;)^ii. 
Sb. 151. 
vor, S. Candida« Ren. Bbgh. 497; Se. 151. 
variat sciL radüa 20 ßd 40. 
Lebt im Mittelmeere etc. 
Fossil noch um Paris, Bordeaux, in Süd- 
Frankreich (ma), in MolUsse der Schweitz, 
in Siebenburgen etc. 

476. ! coarctatas Lm. Bbch. 497; Lmk. Y.iC^. c. d. 350. 

455; Df. 49. 235; Brn. n. 16$; Se. 151;|>^n. 
Lebt im Mittelmeere. 
Gegraben ip Süd-Frankreich (ma.). 

477. . depressus Ri. lY. 275; Df. 49. 435; Ni. 

Panopaea. 

478. ! Faujasii Man; Bi. 95; St. 393; RiAC^. c. d. 40. 
lY. 373; Bbn. n. 170; Sb. 151; Bu. \4n. Ni. PL % 
Mya glycimeris Gm. jBeUuno. 
Mya Panopaea Bbch. 532. 

P. Aldroyandi vor. Lmk. Y. 457. 
MuBcalites Panopaeae Schf. 175. 

YTohl nicht wirklich yerschieden Ton 
der P. Aldroyandi des Mittelmeeres, 

Gegraben noch in Tertiär -Gebilden in 
Süd-Frankreich (s. c. ma.), um Bordeaux, 
in der Schweitz (Molasse), in Podolien, um 
Warschau etc. 

Pholadomya. 

479. ! (Kern.) Cq. d. 1. 

480. ! ... . (Kern.) Ro. b. 2. 

' Lutraria. 

481. ! Bolenoides Lmk. Y. 468; Bbn. n. 171;)C9r. (c.) d. 60. 

Se. 150. ^^n. %. 

Mya oblonga Lin. 



— 507 — 

Mactra oblonga Broh. 536. 

ß. vor. ohtusa. Cq. c. d^ 5. 

Lebt im Indischen Meere. 

Gegraben noch in Süd- Frankreich, 

482. ! elliptica Lmk. V. 469; ? Se. 150. Cq. c.l. Ctdabr. 
Mactra latraria (Lin.) Brch. 536. 

Lebt im Mittelmeere, 

Gegraben auch in ? Süd-Frankreich (ma.). 

Mactra. 

* 

483. ! ? Bolida (Lin.) Lmk. y.477. ^i.Vf,Wt.\Cq. df. 1. 

Lebt in Europäischen Meeren (Lmk.) \Ni, (quart,) 

484. ! inflata n. sp, ^Cq,c,d,Vi, 

? M. staltorum Bach. 535 [non LiN.].)y^n. 
M, testa ovato-trigona , inflata, läevi, soUda: 

Diese Art ist schwierig in der Beschrei- 
bung Ton M. stultorum zu unterschei- 
den. Die Schaale ist indessen stets 
dicker, beide Klappen , zwar Ton ähnli- 
chen Umrissen, sind conyexer aufgetrieben, 
die Buckeln namentlich fast halb kugel^ 
förmig, die Seitenzähne sind kürzer« 
Breite 20^//, Höhe ISy,^//, Dicke 12^/^ 

485. ! triangula Rb. Brch. 535; Ba. 94; Df^C^. (c.) cf. 550. 

2T.550; Ri.IV.361; BRN.n.n2; SB.15o3^n. M. 
Lutraria crassidens ? LaiK. Y. 471. 
Lebt im Mittelmeere, 
Fossil noch um Bordeaux , in Süd- 
Frankreich, 

486. . hyalina Brch. 535.; Df. 27. 550. j4n, 

487. ? erebea Bro. 81. Ro. b. 

* M. Titr ea Ri. lY. 368. iquar-^ 

tiär.) J 

*M. trnncata. Donotah. RiJ von JMsza, 

ly. 368. /kenne ich nicht , 

* Bl Alliana Ri. IV. 368. IgeRaiter. 

* Mactrala Trinitea Bi.l 

IV. 369. j 

I 

^ya. 

* ML striata Ri. IV. 372. itertiär.) M. 



••>- 



— 698 — 

Erycina. 

488. ! ? Reaierii n. Cg- d.; Am 

f Teilina apelinB (Gm.) Rbw. 
Tellina pellucida Bbch. 514; Sb. 145. 
[mm Erycina pellucida Lmk. Dh. 

J), teata parva, ovata , postice hreviori^ 
subacuta^ peUucidOy laevigata; dente valvae 
Mfiütroe parvo conico^ inter foveaa duas 
interposito, quantm posterior tntyor Cochlea- 
riformia^ npnphia minimis; impreasionis t?e- 
Uunentaris sinu maximo, 
Länge 6%^^^ Höhe 4%///, Dicke 2%///. 
^ Lebt im Mittelmeere. 

Gegraben noch in Sud-Frankreich (ma). 
48J^^ angulosa n. An» Nu 

Teilina angulosa Rb. 
Tellina itricta Bbcb. 515; Sb. 145. Ri. 
ly. 349. 
Lebt im Mittelmeere. 
Gegraben in Süd-Frankreich (ma.) 

jimphidesma, 

480. ! lucinali« Lmk. V. 491. Cq. d.^.; An. 

? Lucina lactea Lmk. Y. 542; Se. 146. 
Tellina laetea Gm. Bbch. 517. 
Loripes lactea Ri. IV. 343. 
Lebt im Mittelmeere^ 
Gegraben in Südr-Frankreich. 

Corbula. 

49L . nncleuB Ri. lY. 364. ^* 

492. ! rugosa ? Lmk. Y. 491; Dh. {excLsynon^Cq. c. d. 

Bbch. L 51; Bbn. ^. 173. Mn. Ni. 

Tellina gibba Ol. 101; Bbch. 517. 
C. gibba Df. X. 400; Ri. lY. 364. 
Lebt im Mittelmeere. 
Gegraben um Paria (c. g.); Ma^fnii. 

493. ! roToluta Sow. HL 16. tf. 209. fg.8^13. An. d: Ni. 

? Se. 150. 
Tellina revoluta Bbch. 516; Ba. 93; 
? Ri. IY. 349. 

Gegraben noch um Bordeaux ^ in Säd- 
Frankr^ichj England. 



— 609 — ' 

494. ! cnspidata n. An, cj^lH 
T^llina caspidata Ol. Back. 515. 

Erycina cnspidata Ri. IT. 865. 
Lebt im Mittelmeere. 
* C. striata Ri. lY. 365. Ton 2Vma, bedarf 
näherer Prüfang. 

Pandora, 

495. . elongata Ri. lY. 373. M. 

Venerupia, 

496. . Fanjasii Ba. 92 ; Df. 57. 245. Cq. JSi. 
Mytilns dentatns Rh» 

Chama cl^alliophaga Bach, 525. 
Cardita lithophaga Fav/. Amu fL Aft». 

IL 40. 
Cypricardia coralliophaga Lau. VI. 

I. 28 ; Ri. IV. 327. 
Coralliophaga Bhv. T. 
ß. vor: Suhcottica Brch. 527. 

Soll lebend im Mittelmeere vorkommen ; 

nach Laharck im Westindischen Meere. 

497. . Italic a Dr. 57. 246. . Italien. 

498. . parasita Df. 57. 246. Piacenzac. 

Sajptcava» 

499. ! rustica n. Cq. d. 1, 
Mya rustica Broh. 533. 

NahoyerwandtmitHyatellti arctica 
Lmk. ^ 

500. ! elongata n. Cq. .' . 2. 
Mya elongata Brch. 529. 

501. . ? conglobata n. Piacenza. 
Mya conglobata Buch. 531; Se. 265. 

502. . ? . gl a brat a n. Piacenza. 
Mya glabrata Brch. 531. 

Petricola. 

^- ! lamellosa LiiiK.y.503; Df.39.243. An. d.; Ni. 
^enns rupestris Brch. 559; ? Bu. 



— «00 — 

Petricola rupestris Sow. gen. ofsheUs. 
firo. 15 ; Ri. IT. 364. 
Lebt im Mittelmeere. 
Fossil noch in ? Podolien. 

504. . chamoides Lmk. Y. 505; Df. 39. 243. hauen. 

505. . eremita n. Piacenza. 
Yenns eremita Bech. 546. 

506. . lithophaga n. Piaeenza, 
Yenns lithophaga Bbch. 559; St. 394. 
Gonchites lithophagae Schv. 175. 

Lebt im Mittelmeere. 

Gegraben noch in Schweitzer Molasse. 

Paamtnobia.^ 

50T. ! Tespertina Lmk. Y. 513. vor: major. Cq, c. 1. 
Lebt im Mittelmeere. 

508. ! Basteroti n, sp. An. d. 1. 

P. testa compressa, transveraim ohlongo - 
ovata^ fenut, fragiU^ margine inferiore ree- 
tiusetHa 3 postice truncata^ äehtibus cardi- 
naUhtu utrinque duohus, hasi conjunctia 
parvia ; nymphis praemagnis. 

Ist TOn P. Labordei Ba. vielleicht nnr 
durch die auffallend stärkeren Nympfen 
unterschieden. 

Länge 45^// , Höhe 22^// , Dicke 10^^^. 

509. ? pudica Bbc. 82. ValSangwimh. 

Teilina, 

a. Tellina Lmk. 

510. ! tumida Bbch. 513; St. 393; Df. 52.Un. d. 1. 

558. )Ro. b. (Bbn.) 

Fossil auch in der Schweitzer Molasse, 
und zu Dax. 

511. t plan ata Lmk. Y. 525 ; Ri. lY. 345; SB.)Cq. c. d. 16. 

146. MH. 

T. complanata (Gm.) Bbch. 509. 
T. Madagascariensis Re. (excl. synon"). 
Lebend auch im Mittelmeere. 
Gegraben in Süd-Frankreich (c. ma.) 

512. ! s er rata Rs. Bbch. 510; Df. 52. 557;)C9.c.df.l20. 

Bbn. n. 174. yAn. 

Lebt auch im Mittelmeere. 



— 601 — 

51S. ! compressa Bboh. 514; Ri. lY. 848;)C^. df. 8. 
ÖF. 52. 558 ; Se. 146. )An, Ni. 

Gegraben in Süd-'FVanJcreick (c. ma.). 

514. . Ferroensi« (? Gm.) Bkch. 512. [vor. 

sequentis ?] -^w» - 

Ist ganz die folgende, nnr fehlt auf der 
pvbes scabra die Qaeerstreifong. 

Lebt im Mittelmeere. ^ 

515. ! muricata Rk. Brch. 511 ; Ri. lY. U9;)Cq., d. 50. 

Df. 52. 557. Mn. M. 

Lebt auch im Mittelmeere, 

516. ! aniradiata Riicn. 511; Ri. IV. 349; An. c. d, 10. 

Df. 52. 558. 

517. ! bipartita Ba. 85; Df. 52. 555. Cq. e, %. 
T. nitida ? Poli, Lmk. Y. 527. [non Bbch.] ; 

?.Se. 146. 
? Lebt im Mittelmeere, 
Fossil noch nm Bordeaux^ in Süd'Frmik- 

reich, ' ^ 

518. ! depressa (Gm.) Lmk. Y. 526. )Cq. c. d, 60. 

T. nitida Bbch. 510. [non Fou, Lmk.] Ri.)ZVt. 
lY. 347. 
Lebt im Mittelmeere. 

519. ! pulchella Lmk. Y. 526; Se. 146. Cq. e, d. 10. 

Lebt im Mittelmeere. 

Gegraben in Süd-Frankreich (c. ma.). 

520. ! Stria tella Buch. 669; Se. 146. An. <f. 

Gegraben auch in Sfud-Frankreich (c.ma.) 

521. ! subcarinata Brch. 512; Df. 52. 558;>C9. d, 260. 

Ri. IY. 348 ; Bbn. n. 175. )An, Ni. 

5122. ! elliptica Bbch. 513. [non Lmk. Y.524.];)C^. c. d. 12. 
Df. 52. 558; Ri. IY. 348; Se. 145; Bu. )An. Ni. 

Gegraben in Süd-Frankreich (ma.) und 
PodoUen. 

b. Corbis Lmk. 

523. ! snbrotnnda Dr. I. 81. Cq. d. 45. 
? T. elegans Ba. 85 [non Dh.]. 

Fossil auch um Paris (cg. gms.) und 
? Bordeaux. 

524. ! hiatelloides n, Ni, d. 

Lucina hiatelloides Ba. 87. 
t 9 Tellina rotundata Ri. IY. 350. 

^^. Fossil auch nm Bordeaux, 



— 90i — 

5X ! Coirliit n. «p. Cq. e. d. 15. 

C teita eompressa, rotundato - ooofa, 
tomeOw coneetitrtctf crenatisj afriisque ele- 
votM 2ong'ffiMftfui{i6tt« eaneellata^ margine 
edehtulo , «mu velamentari praemagno. 

Der Hinterrand ist durch eine Faltp 
ausgebogen, wie bei den LiMABCK^schen 
Tellinen, sonst aber sind Habitus und 
Scblofs wie bei Corbis beschaffen. 

Länge 21^//, Höhe 23^//,. Dicke 10^'/. 
'S2ß, ! Aglaurae n. ' Cg. a. 

Corbis ? ^g>latirae Bbo. 80. 

Lucina. 

105; Ki. IV. 842. Bu. 7 

Lebt im Mittelmeere. 
Fossil um Por» (c. g.)j Väbnondoüy 
Bordeaux, in PodoUen, England, 
518. ! radula (? Lmk.) Ri. IT. 842. )Cq. d, 8; 

Venus circLnnata (Ldc.) Bbch. 552; SB.)iVf. d. As. 

150; ? Bu. 
Venus albida Rb. 
L. affin is Eiohwakd t. Bü. 
L.' circinnata Df. 27. 275. 
ß. vor.: lameüis obsoletis. 
Lebt im Mittelmeere, 
Gegfaben in Süd-Frankreieh (miL) und 
PodoUen, ' 

529. ! PensylTanica ? Lbdk. V. 540; Bbn. As, d, 
n. 176. 
Venus Pensylyanica (Lin.) Bbch. 551. 
Venus crassa Lmk. test, Dv. 27. 276. 
Lebt im Mittelmeere (Bbch. Rb.) 
580. ! ? edentula Lhk. An. e, 1. 

Venus edentula (Lin.) Bbch. 552. 
? Lebt in Amerikanischen Meeren. 
531. ! irregularis n, sp. An. Genua, d. 

L, testa suhlongitudindlij irregukiri, rudi, 
ovata, incrassata; cardine edentulo; fossa 
ligamentaU profunda , ano impresso ovato , 
superficie transvershn rugQSo- striata. 

Länge 14^// , Breite 11/// , Dicke 8/// , 
doch erstere 2 Dimensionen etwas Ter- 
änderlich. 



— «08 — 

532. ! transTetia n. «p. An, d^; Nu 

L. testa eonvexu , transversa y atnhitu rth- 
tundato-anguhsoy antice subproäiueto y naU^ 
hus protoberantiJma svhacutis, incurvis, 
anum profundum imjolventifms ^ superficie 
nitida, irregulari, rugosa,. 

Breite 12^// , Länge 10^^^ Dicke 6^ 

Yergl. Luc in a gibbosula Dp. Hjl 
I. 93. 

533. ! globosa n. Cq. df. L 
Venus giobosa (LiN.) Bbch. 554. 

? Lebt im roihen Meere. 

534. ! Bcopulörum Bbg. 79; Ba. 87; Sb. 146.^5». 

* Gegraben um ? Paris ^ Bordeaux und^J^o. 6. 
in Süd-Frankreich (c. ma.). 

535. . gibbosula Lmk. var. Bbg. 79; Ba. 87. Cg. a.; Ro. 6. 

Lebend an der Nordküste Frankreichs. 
Fossil um Paris y Bordeaux. 
* Lorip es densa Ri. lY. 344. (quartiar^ yon 
Nizza. 

Donas. 

536. ! fabagella LHK.y.525. var. ahhreviata. Cq.c. 1. (Bbn.) 
?D. semistriata Ri. IV. 341. Die Be- 
schreibung würde gut zu unserer Art 

passen^ aber ich finde hinten, was R. Yorn 
angiebt, u. u. . . 

Lebt im Mittelmeere. ' 

537. ! anatinum Lkk. V. 525. Cq. d. 1. 

Lebt im Mittelmeere. 

538. ! longa n. sp. Cq. d. 10. 

D. testa laeviy transversim ovato-oblongay 
latere posteriore anteriorem fere aequante , 
margine edentulo. 

Diese Art ist mehr yerlängert, als irgend 
eine andere mir bekannte. 

Länge 12///, Höhe 6'//, Hinterrand 6///, 
Vorderrand 8///. 

539. ! minuta n. An. d. 
D. trunculuB (Lm.) Bbcu. 537 [non lav. 

Lmk.) 
? D. anatinum ß. minor. Ba. 83^ 
f D. BroGchii Df. coü. 

? Bardigalenfis DVfrlS ^. 



595. f ChioaeLn. T. 5€6; Ri. IV. SM; BuüC^. d Sit . 
B. 184; Sb. 148; Bv. )Am. Ni Sg. 

Teno« Chione I^ii. Bbol S4I; St. SOS. 
Lebt im MUUhaeere. 
Gegraiben in Süd-Fnmkrddk^ (■■^) >■ 
Molasie der Sehweitz, in PodoUa^ 

556. ! concentriea ?Lmk.V.513; Ib. IV. 355^>4ff. dl 2Vi 
Venus concentriea Ln. Bacn. 550. ^PiaeensM, Bg. 

557. ! rngota Bair. n. 185. iCq. e.(d.)2m. 
Venu« rng^osa Lm. Baca. 548; Lbk. Y.)JiLNi.Odabna. 

586; Ss. 149. 
Capsa rngota. Ri. IV. 351. 
Lebt in Indien? 
Gegraben noch in Süd-Frankreich (ma.). 

558. ! lincta Ln. V. 573; Ba. 90; Baa. iL\Cq. c. d 4N. 

186; Sa. 147. jjn. Ni 

? Venns profltrata (Lin.) Bacii. 550 

(mm Lia.] 
Venus lentiformis Sow. IL 229. tf. 203.* 
? Capsa exoleta Ri. IV. 35L 
Lebt im Mittelmeere» 
Gegraben um Bordeaux^ in SSd-Frank- 
reieh (ma). 

550. . lacTigata t Ln. V. 582; Da. L 128; ^a. M- 
Ri. IV. 354. ^ 

Venus laeyigata Bbch. 549. [wenn nicht 
eine junge C. chione?] 

Venus ruf escens (Gh.) Ren. [non Gm.] 
Lebt im Mittelmeere. 
Gegraben auch um Paris (cg. , g^L^ 
gms.) , Maynz, 

560. . tigerina ? Lmk. V. 574. ^n- d. 
Venus tigerina BaoH. 551. 

Lebend in Amerikanischen Meeren. 

561. . erycinoides Lmk. V. 581 ; Bao. 80 ; Ba.|Aoi». 

89 ; Sa. 148. 264. JTWiii. 

C. Burdigalensis Df. 12. 422. 

Fossil auch um Bordeaux und in Süd- 
Frankreich (ma.)^ 

562. . multilamella Lmk. V. 581. Bonu 
Ob Ton Venus Aphrodite Terschieden? 



\ Df. 12.421— 422, Sb. 148. 

* C. nitida la Lme./ habe iqh unter obigen 

* C. polita Lhx. /nicht za erkennen rer- 

* C. Italica Df. V moglLetztre gehört yiel- 

'leicht zu C. Chione? 

* C. semisulcata Lihk. Ri. IY. 854. ron 

Nizza, desgl. 

Ve nu 8. 

663. ! rotandata(LiH.)BRCH.538;B]Uf.n. 187. C^r. c. d. S10, 
y. papilionacea St. 383. 393. 

f MuBcnlites oblongns Schf. 175. 
Lebt im Indischen Ozean. J0 
Fossil noch in Schweitzer Molasse. 

664. ! Terrucosa (Ion.) Bbch. 545; Lmk. Y.^An,d,iToseanm, 

586 ; Ri. IY. 355. JNL (yuart.) 

* Aphrodite Bbch. 541; Ri. IY. 860; Df. C^.c.cf.4. ; iVt. 

57. 292. 

Cytherea ? Aphrodite Sc. 148. 

Ist TieUeicht nur eine Yarietät von Y. 
plicata Bbch., oder von Cytherea 
rugosa. In Bboochi^s wie in meiner 
Sammlung fiinden sich nur einzelne Klap- 
pen, welche durch Yerwitterung etwas 
entstellt zu seyn scheinen. 

? Auch in SucI- FranX»-etcA gegraben (ma.); 
und im Tegel um Wien, 

565. ! plicata (Lin.) Bbch. 542 ; Lmk. Y. 586 ikCq. e. d. 25. 

Bbn. n. 188. jAn. To9c. Sy. 

Soll in Indien leben. 

566. ! subrngosa n. 8p, Cg. ä. 

V. trigono - avata, suhtransverea , ctm- 
vfssa , margine inferiore posterius impresso, 
superpcie irregtdariter s. fascictdatim con- 
centrice striata. 

Gleicht in Form TÖllig der Cyth. ru- 
gosa, ist nur etwas kleiner, und auf 
der Oberfläche, statt mit leistenformigen 
Runzeln, nur mit unregelmäfsig rertheil- 
ten etwas starken Zuwachsstreifen yer- 
sehen. Auch gleicht sie Ton anfsen TÖllig 
der Yenus (Cytherea) transrersa 
6ow. Y. 25. tf. 422. fg. 1. (Y. rotun- 
data Bbahd. excL sywm.) 



567. ! Benilit Bbch. 539: RlIV. 359; Brn. n:^Cq. c. d.m. 

189 ; Df. 51. 291 ; Sb. 149. Bu. ]m 

V. casina Rbn. [non Lm.] 

V. casinoide» Luk. Y. 607. Ba. 89; [fifm 
Df. 57. 290.] Sb. 150. 

Ast arte senilis db 1.4 Jo|(kaibb monogr. 

/vor. ß. lameüis densioribus rotundatis. 
Lebt im Mittelmeere. 
Gegraben um Bordeaux^ in Süd-Frank- 
reich (ma.) , Siebenbürgen , PodoUen , nm 
Wien im Tegel. 

568. ! «calaris n. _ Cg. e. 
y. dysera (Jjfs.ßJkjor. Brch. 541. 

V, testa crassa, ovato trigona^ convexa, 
iransversim lameüataylameUia 10 — 12. cras- 
«w, erectis^ incurvis, lunula cordato - ovata^ 
margine crenviato. 

Länge 13^// , Höhe 12^// , Dicke 8^,^^^. 

569. ! Brongniarti Pa. 5L Qsh d.9&;^- 
y. paphia Rb. [non Lim.] 

y. dysera (Lnr.) nunor Bbch. 541. 670. tf. 
16. fg. 7; Ba. 88; Bbn. n. 190; Df. 57. 
290 ; Sb. 149. 
Astarte dysera db &▲ Jonk. monogr. 
Lebt im Mittelmeere. 
Gegraben um Bordeaux^ in Süd-Frank- 
reich (c. ma.) 5 PodoUen^ im Wiener Tegel. 

570. ! crennlata Ri. ly. 358. Sy. ISi. 
y. dysera rotundata Bbcb. 669. tf . 16. fg. 8« 

57L ! ? Proserpina Bro. 81; Df. 57. 293. |^^' ^' 

572. ? Manra Brg. 81; Df. 57. 293, Ao. b. 

578. ! radiata Brch. 543; Bi. 89; Ri. TV. 359;^Cör. d. lOO. 
Brn. n. 191 ; Df. 57. 291 ; Sb. 150. M*- ^*- 

y. Bpadicea Rb. (non Luk.] 
Lebt im Mittelmeere. 
Gegraben auch um Bordeaux^ in Süd- 
Frankreich (ma.) , Siebenbürgen. 

574. !? rete n.«p. Cg- "' 

V,\ testa ova>to - trigona^ parva y striis 
elegantissimis denaia, bifariis^ -oblique ar- 
cuatis cruciata , ano impresso. 
Länge 6^// , Höhe 5^//. 



— eo9 — 

Ob wirklich eine Yenus?^ da fch das ' 

SchlofB nicht gesehen. 

Nahe yerwandt mit Y. texta und Y. 
• cobinellata Lmk. Dh. 

* Y. reticnlata Ri.IY.361.. 

(iert.) . ) Yon Nizza, sind 

* Arctoe Farkinsonia r .,^1.. . « . 

R.. IV. Ste. (terf.) »«*tl>»««d«»<i 

- * . y A. n T^lbekannt. 

* Arctoe punctata Rf.iy.l 

362. {quart.) ) 

Venericardia. 

575. ! intermedia Ba. 80$.Bsii. n. 193; Hv^Cq. c. d. 330. 

51. 236; Bu. M«- ^^ 

Chama intermedia Broh. 529; Sa. 144. 
Cardita intermedia Lmk. YI. i. 23; Ri. 

lY. 326. 
Fossil auch in SM-Frankrekh (dm.), 

und (eine Yarietäf) um Bordeaux, in Po^ 

doUen. 

576. ! rhomboidea Bair. n. 194; Df. 57. 935:^Cq. e, df.439. 
Chama rhomboidea Bbor. 523. )An, Nu Rom, 
Y. planicosta vor, Lmk. Y. 610; Ri* TY. 

327 [wm Dbsh. IL 149.]. 
rar. ß. Y. pect in ata Bbn. n. 195; Df. 57. 
236. 
Chama imbricata (Lmk.) Bbor. 

524 \wm Lmk.]. 
Chama pectinata Bbok 667; 
Sb. 144. 
Gegraben in Süd-Frankreich (ma.). 

577. . imbricata Lmk. var, Y. 610; Br«. 79. €g, a. 

Fossil auch um Paris, im Wiener TegeL 

578. ! rndista n. )Cq, d. 25. 
Cardita rudista Lmk. YI. i. 23. ]jk$. d, 

579. ! ? Laurae Bbo. 80; Bbr. n. 196; Df. 57. Ao. b. 

237 ; Se. 148. 
Gegraben auch in Sud-Fraidtreieh (ma.). 

Cardium, 

580. ! hians Bbor. 508^^; K«. 38; Rf. lY. 836;|€9. e, d. 6. 

St. 393; Sb. 144. |m. An. Sy. 

Gegraben noch in- S^d^Franh^eieh (ma^), 
in Molasse der SeAtteif »> imfegef f^hn». 



— 610 — 

581. ! multicoBtatqm Bros. 506; Ba. 83;)C9. c. d. 15. 

Ri. ly. 337 ; Bb«. n. 197. )iVf. 

(j. C. striatnm Df.^ « 

Aach zu Bordeaux foMÜ. 

582. ! planatum Rb. Brch. 507; Ri. IT. 336;^C7. (c.) d. 29. 

Sb. 145. yJn. NL IscMtu 

? C. Polii Pa. 57. 

Lebt im Mittelmeere. 

FosflU noch in Süd-Frankreich (ma.), 
Sidfenhürgen, 

583. . punctatum B&oh. 066; Ri. IY. 336; An. m. 

Sb. 144. 
Yielleicht eine Varietät der Torigen. 
Gegraben auch in Süd-Frankreick (ma.). 

584. . Stria tnliim Bbch. 507; Df. 5. Suppl. An. 

109. Sb. 145. 

Cegraben in Süd-Frankreich (ma.). 

585. ! oblongum (Cbbmn.) Bbch. 503; Ri. TSr.VCq. e. d. 35. 

334; Bbn. n. 198 ; Sb. 144; mi. (ytuirt.) 

C Bulcatam Lux. VI. i. 10; Pa. 58. 
Lebt im Mittelmeere. 
Gegraben noch um Maynz, in ? Süd- 
Frankreich (ma.). 

586. ! laeTigatnm (Lm.) Lmk. YI. 1. 11 ; Bbn.^C7. c. d. 60; An. 

n. 199 ; Sb. 144. ' jNi. iguart.) 

C. fragile Brch. 505; Ri.lY.336; Sb.145. 
Lebt im Mittelmeere. 
Gegraben in Süd-Frankreich (ma.). 

587. ! Hill an um (Sow.) Df. 5. Suppl. 107. }Cq. c. d. 5. 
Venus Cypria Brch. 545; Ri. lY. 359. )Sy. IVi. 
Cytherea? Cypria Sb. 148. 

Gegraben auch in Süd-Frankreich (ma.), 
? England. 

588. ! crenato-costatum n. sp. Ro, h. 

C.te8tacordiformi-inflata,radiatim8tria^ 
to-8utcata, atriis ac aulcia aeque latis^ stdcis 
55 — 60, ubique aubaeqwüibua ^ denae cre- 
,nato - mttricatis f marginc crcnato. 

Ganz demC. Hillanum ähnlich, aber 
die Strahlen etwas stärker, und allerwärts 
rundlich gekerbt. Höhe und Breite 9^^^. 

589. ! textum n. sp. ■ ■ - ^C^. d. Z. 
C. testa cordiformi inflato - globosa^ radiatini^An. 

atriata ; atHia aubtiUaamia , num&roaiaaimis , 



— 611 — 

HmpUcibus : anterioribua texto - undulosis , 
medianis rectis, posteriorihus crassis aubH" 
lissime papillosis ; interstitüs punctatis^ mar" 
gvnihus crenulatis. 

Länge und Breite 6^^A Streifen des hin- 
teren Drittheils über 30, des mittleren und 
vorderen gegen 150. 

590. ! asperulum Lkik. ann. YI. Bbg« 79. }Cg. a. 

Fossil auch um Paris. )Ro» b. 

591. ! crasBUm Df. 5. Suppl, 106. }Cq. d^ 300; Sy, 
C. edule Brug. EncycL mith, VI. 220;)Ptef}»onf^ To9p. 

Brch. 499 ; Brn. n. 200 ; Sb. 145 [n(m Lm: 
Lmk.]. 
C. edulinum St. 393; Coinfi. Pmi.. 

Lebt im Mittelmeere. 

Gegraben in Süd - Frankreich (c. ma.), 
in Schweitzer Molasse und Suffolk crag. 

Schiefe Höhe 18///, Breite 18-23///, 
Dicke 14///. Das hintere Ende oft sehr 
verlängert. Rippen 18 — 22, die hinteren 
oft obsolet ; alle gegen den Unterrand 
queer gestreift. 

Findetsichbei Gastell arqnato nur 
an Einer Stelle, hier aber für sich, ohne 
andere Konchylien, abgelagert , und gro- 
fsentheils noch mit geschlossener Schaale. 

592. ! incertum Brn. n. 201. Cq. c. d. 250. 
? C. edule Lihk. [non Brch.], Ba. 81. 

C. rusticum Brch. 500 [non Lmk.], St. 

394 ; Se. 144. 
Bucardites rustici Schlf. 176. 

C. testa transversa, suhohliqua^ radiatim 
costaia, costis 22 — 26 planis: anteriorihtis 
transversim sülcatis, imbricatis, postremis 
subevanidis. 

Hölie 10///, Länge 11///, Dicke 9///. 
Minder schief, als vorige, kleiner^ doch 
mit mehr Rippen. 

Findet sich an einer andern Stelle bei 
C asteil arquato, der vorigen gleich, 
abgelagert. 

Gegraben in Süd- Frankreich, und in 
Molasse der Schweitz. 



— 612 — 

593. . Clodionse Bech. 500; Df. 5. Mipfil.109; % . 

St. 393; Ri. IV. 337. 
Gegral^^sn in Blolasse der Schweitz, 

594. ! eoliinatumBBir.;BacH.502;BA.82;Bir.|^ ^ ^ 
C. echinatum vor. 6. Lmk. .VI. i. IT ; Bau.) ^' ' 

n. 202 ; Sa. 145. 

Lebt im Mittelmeere. 

Gegraben um Bordeaux ^ in Süd-Frank- 
reich (ma.), Podolien, im Wiener Tegel. 
595« ! tuberculatum Lin. Bech. 503; ljMK.iCq,c.d,550^jin, 
Ru IV. 335 ; BaN^ n. 203 ; Sa. 144. SNi. (quart.) 

vor, ß, mutica Brn. n. 204. 

Lebt im Mittelmeere. 

Gegraben in Süd-Frankreich^ in Molasse 
der Schweitz (Bbn.). 

596. ! aculeatum Lin. Lmk. VI. i. 7; Ri. IVM^q. c^. d. 10. 

332. M»- 

, Lebt im Mittelmeere. 

597. ! ciliare Lin.; vor. y. Bech. 502. 607. )Cg.c. d.l&i in. 

— var. a. Lmk. VI. i. 6 ; Biur. n. 205. )AV. (j^uart.) 

vor: costis triquetris, anteriorihus 6. la- 
melUformihus. 
? Ri. IV. 335 ; ? Sa. 144. 
Lebt im Mittelmeere. 
Gegraben noch in Süd-Frankreich (ma.). 

598. ! Desbayesii Fa. 56. Cq. c. d. 290. 
var, a. coatia 21, anterioribua 6 minoribus^ 

tvherculia brevioribus obtusiaribus densissimis. Cq. 65. 
C. dubium var. a. Ben. n. 206. 
<C C. ciliare Bech. 501. 
? C. ciliare var. b. Lunc. VI. i. 6. 
? G. gibbum Df. 5. suppl. 107; an. 

? C. lamellosum 108. 

var. ß. major^ costis dorao complanatis^ tuber- 
ctiUa remptioribua. Cq. 

C. dubium var. b. Ben. n. 207. 
Lebt im Mittelmeere. 

599. ! hirsutum n. ap. Cq. e. t. 

C. testa parva ^ inflata ^ obliqua^ Uttere 
posteriore obsolete angtdata, ubique rttdiatim 
eostatay costis subaequaUbus 34—^, squa- 
mas erectas curvatas densissime imbricatas 
gerentibus ; margine infero - postico pro- 
ductiore. 



— 613 — . 

Höhe (schief) 5%//^ Breite 4*4///, 
Dicke 5//^ 

600. ! carinatam n. «p. Q'v«* 

C. testa cordata^ posterma longüudinaUter , 
carinata , infeme latiore ; carina in > mar' 
gine postico - inferiore producta; latere 
anteriore plamuacvlo^ sub - 8 - radiato : postC" 
riore convexissimo^ auleis compluribus postice 
evdnescentibus exarato. 

Höhe (schief) 9^//, Breite 5y,w, 
Dicke 6^//. 

601. . rhomboides Lmk. YI. i. 18.; ?Sb.144. % 

602. . dilnvianum Lmk. YI. i. 18. Sy, 

603. . umbonare Lmk. TL i. 18. %. 

604. . discrepans (Ba.) Ri. IV. 337. M. 

Fossil auch um Bordeaux. 
* C. Casertanum (Poli) Ri. IY. 339r. JVt 

Cardita, 

05. . elongata n. )Cq» (pO ^' 18. 

Chama calyculata (Lni.) Bbcr. 525.71%. 
[non LiH.] 

C. testa oblique ohhmga, antice retusa, 
radiato - costata j costis 14 — 15 inbricato- 
squamosis ; squamis fomicatis , incumbenti- 
bus^ interdum elongatis; sulcis intermedüs 
httis. 

Unterscheidet sich von C. caljcnlata 
Lmk. durch die stets geringere Rippen- 
zahl und gröfsere Lange. Gröfste Länge 
16^//, geringste Breite 7^^^ doch sind die 
Dimensions-Yerhältnisse etwas Tcrander- 
lich. 

606. . Arduini Brg. 79. ^ f^ai, SOHgonini^ 

607. . Etrusca Lmk. YI. I. 23. ' Sy, ^ 
[an Yenericardia?] 

Cypricardia, 
€08. . Cyclopea Bbo. 82. Ro, b. 

Isocardia. 

609. ! cor. Lmk. YL i. 81; Dp. 24. 17; Ri. TV.)Cq. c. d. 25. 
330 ; Brm. n. 208 ; Sb. 143. W Calabrien. 

Chama 'cor Lm. Bbcr. 519. ,/JVf. (quart,) 



— 614 — 

Lebt im Mittelmeerc, 

Gegraben auch um Bordeaux (Lhk., neg. 
Ba.) und Mans^ in Süd-Frankreich (ma.); 
am Grafenherg in Eisensand , im Wiener 
Tegel. 

610. ! arietina Lmk. Tl. i. 31; Df. 24. 17. Cq. d. 1. 
Chama arietina Brch. 668. 

Fossil auch im Tegel um Wien. 
* Isocardium snlcatum Ri. IV. 331. JSi. 

Area. 

611. ! diluTÜ Lmk. YL ^.45; ? Df. 2. supplXCq. c, d, 700. 

114; Ba. 16; Kö. n. 1; Ri. IV. 314; Brn.W Ai. Sy. 
n. 209; Se. 140; Bu. jTosc,, Bologna, 

A. antiquata (Lin.) Brch. 477; Ss. 140; 
St. 303 [non Lmk.). 

Arcacites antiquatae Schf. 175. 

Fossil noch um Bordeaux, in Süd-Frank- 
reich (ma. c.) , in Molasse der Schweitz , 
in Siebenbürgen^ zu Korytnica in Pohlen, 
in Podolien, um Wien im Tegel. 

612. ! Noae Lin. Brch. 475; Lmk. VI. i. ^7;\Cq, cfc^OSOO. 

Ri. IY. 312 ; Brn. n. 210. >^r. Toscana. 

Lebt im Mittetmeere. /Ni. (jjuariiar.) 

613. ! tetragona Poli. Lmk. YI i. 37; 13ii.}Cq, (c.) d. 30. 

IY. 313. )M. (quartia-.) 

Lebt im Mittelmeere, 

614. . an^ustata Ri. IY. 314. Nu 

615. ! pectinata Brch. 476; Ri. IY. 314;^C9. c. d. 20. 

Se. 140. M«. Ni. Toscana, 

? <C A. diluvii (Lmk.) YI. i. 45.; Ba. 76; 
Df. 2. suppl. ll4. 

Hätte Lmk. wirklich A. antiquata 
Brch. und A. pectinata Brch. unter . 
einem P^amen zusammen begriffen? 

Fossil auch zu Bordeaux, in Süd^Frank- 
rei^h (ma.), Siebenbürgen. 

616. ! mytiloides Brch. 477; Lmk. YI. i. ^7 ;)Cq. c. 140. 

Df, 2. suppl 114; Ri. IY.315; Brn. 21LiAi. 
Fossil auch im Wiener Tegel (Bouj6). 

617. ! barbata Lin. Brch. 476 ; Lmk. YL i.39;^C5r. d. 10; As. 

Ri. IY. 313 ; Se. 139. JM. (^quart.J 

(cfr. A. scapulinaet A.barbatula Lmk.) 
Gegraben noch zu Bordeaux^ in Süd- 
Frankreich (ma.). 



— 615 — 

618. ! nodnlosa (LTs.^JiItimA^S;'Dv.2.9upp^Cq, d, lO.»' An. 
^ 116. im. hehia. 

A. modiolus ? Ol.. 115. 

A. lacte a Rb. 

A. naYicularis Cortebi Sagg. ^eol. p.42. 

A. reticulata Ri. IV. 311. fg. 171. v 

a. A. Quoyi Pa. 62; Sb. 140. 

ß. ? A. Gaimardi Pa. 61; Se. 139. 

Lebt im Mittelmeere. 

Gegraben in Süd-Frankreich (ma.). 

619. . didyma Bbch. 479; Ri. IV. 315. j^Vi ^ ^^ 

620. . clathrata J)f. (1816) Lmk. VI. i. 46; M. 

Ba. 75. 
A. squalnosa Lmk. VI. i. 45. 
? Lebend in Neuholland. 
Gegraben noch um Bordeaux, Jngers. 

621. ! Pandorae Bbg. 76. Cg. a. 

622. ! Roncana n. sp. Ro. b. 

A. testa oblonga , transversa , depressa , 
subsinuata, transversim sulcosa, avtice et 
media longitudinaliter striata^ piano declivi 
posteriore laevi^ umbonibus fere contiguis, 
margine integerrimo. 

Höhe 9^//, Breite 16^'^/, Dicke 4*72 w. 

P'ectunculus. 

623. ! polyodonta Brn. n. 212. n ICq. c. d: 350. 
P. pulyinatns vor. 3. Lmk. VI. i. 54. j